Entschließung des Bundesrates: Internationale wissenschaftliche Zusammenarbeit zur Analyse globaler Ungleichheit stärken - Einrichtung eines "International Panel on Inequality" (IPI) unterstützen
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Entschließung des Bundesrates: Internationale wissenschaftliche Zusammenarbeit zur Analyse globaler Ungleichheit stärken - Einrichtung eines "International Panel on Inequality" (IPI) unterstützen
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ISSN 0720-2946
Bundesrat Drucksache 535/26
15.09.26
Antrag
der Freien Hansestadt Bremen
Entschließung des Bundesrates: Internationale wissenschaftliche
Zusammenarbeit zur Analyse globaler Ungleichheit stärken -
Einrichtung eines "International Panel on Inequality" (IPI)
unterstützen
Freie Hansestadt Bremen Bremen, 15. September 2026
Der Chef der Senatskanzlei
An den
Präsidenten des Bundesrates
Herrn Bürgermeister
Dr. Andreas Bovenschulte
Sehr geehrter Herr Präsident,
der Senat der Freien Hansestadt Bremen hat beschlossen, dem Bundesrat den
anliegenden Entschließungsantrag
Entschließung des Bundesrates: Internationale wissenschaftliche
Zusammenarbeit zur Analyse globaler Ungleichheit stärken – Einrichtung
eines „International Panel on Inequality“ (IPI) unterstützen
mit der Bitte um Beschlussfassung zuzuleiten.
Ich bitte Sie, die Vorlage gemäß § 36 Absatz 2 der Geschäftsordnung des
Bundesrates auf die Tagesordnung der Sitzung des Bundesrates am 25.09.2026
aufzunehmen und anschließend den zuständigen Ausschüssen zur Beratung zuzuweisen.
Mit freundlichen Grüßen
Thomas Ehmke
Entschließung des Bundesrates:
Internationale wissenschaftliche Zusammenarbeit zur Analyse globaler
Ungleichheit stärken – Einrichtung eines „International Panel on
Inequality“ (IPI) unterstützen
Der Bundesrat möge beschließen:
1. Der Bundesrat stellt fest, dass die Verringerung sozialer und wirtschaftlicher
Ungleichheiten sowie die Förderung von Chancengerechtigkeit wichtige
Voraussetzungen für nachhaltiges Wirtschaftswachstum, gesellschaftlichen
Zusammenhalt, politische Stabilität und die Erreichung der Ziele der Agenda
2030 der Vereinten Nationen sind.
2. Der Bundesrat betont, dass politische Entscheidungen über Maßnahmen zur
Verringerung von Ungleichheit auf einer möglichst breiten, international
vergleichbaren und wissenschaftlich fundierten Datengrundlage beruhen
sollten.
3. Der Bundesrat begrüßt daher internationale Initiativen, die darauf abzielen,
die wissenschaftliche Zusammenarbeit im Bereich der
Ungleichheitsforschung zu stärken und die internationale Vergleichbarkeit von Daten,
Indikatoren und wissenschaftlichen Analysen zu verbessern.
4. Der Bundesrat sieht in der geplanten Einrichtung eines unabhängigen
„International Panel on Inequality“ (IPI) die Chance, den internationalen
wissenschaftlichen Austausch zu fördern und Regierungen sowie internationalen
Organisationen eine belastbare Grundlage für evidenzbasierte politische
Entscheidungen zur Verfügung zu stellen.
5. Der Bundesrat bittet die Bundesregierung,
a) sich im Rahmen der Vereinten Nationen, der G20 sowie weiterer
einschlägiger multilateraler Foren aktiv für die Einrichtung eines unabhängigen
„International Panel on Inequality“ einzusetzen,
b) sich dafür einzusetzen, dass das Panel nach den Grundsätzen
wissenschaftlicher Unabhängigkeit, Transparenz, fachlicher Exzellenz und
international ausgewogener Beteiligung arbeitet,
c) die Einbindung deutscher wissenschaftlicher Einrichtungen und
Expertinnen und Experten in die Arbeiten des Panels zu unterstützen,
d) die Möglichkeiten einer institutionellen Anbindung des Panels an die
Vereinten Nationen sowie einer Zusammenarbeit mit bestehenden
internationalen Organisationen wohlwollend zu prüfen,
e) zu prüfen, in welcher Form Deutschland die Arbeit des Panels fachlich,
personell oder finanziell unterstützen kann.
Begründung:
Globale Ungleichheiten beeinflussen wirtschaftliche Entwicklung,
Investitionsbedingungen, gesellschaftliche Stabilität sowie die Funktionsfähigkeit demokratischer
Institutionen. Sie wirken sich auf Migration, Entwicklungspolitik, internationale
Sicherheit und die wirtschaftliche Zusammenarbeit aus und gewinnen damit zunehmend
an Bedeutung für die internationale Politik.
Vor diesem Hintergrund hat die von der südafrikanischen G20-Präsidentschaft
eingesetzte Sonderkommission zu Ungleichheit unter Vorsitz des Nobelpreisträgers
Professor Joseph E. Stiglitz vorgeschlagen, ein „International Panel on Inequality“
(IPI) einzurichten.
Das IPI soll als unabhängiges wissenschaftliches Expertengremium den weltweiten
Forschungsstand zu Ursachen, Entwicklungen und Auswirkungen von Ungleichheit
systematisch zusammenführen und regelmäßig bewerten. Es soll damit eine
vergleichbare Funktion erfüllen wie andere internationale wissenschaftliche
Beratungsgremien in ihren jeweiligen Fachgebieten. Politische Entscheidungen bleiben
ausdrücklich den Regierungen und Parlamenten vorbehalten.
Die Einrichtung eines solchen Panels kann dazu beitragen,
die internationale Vergleichbarkeit von Daten und Indikatoren zu verbessern,
wissenschaftliche Erkenntnisse transparenter verfügbar zu machen,
evidenzbasierte Politikgestaltung zu unterstützen,
den internationalen wissenschaftlichen Austausch zu stärken und
die Zusammenarbeit innerhalb der Vereinten Nationen und anderer
multilateraler Organisationen zu fördern.
Deutschland verfügt über eine international anerkannte Forschungslandschaft im
Bereich der Wirtschafts-, Sozial- und Entwicklungswissenschaften. Deutsche
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler können einen wichtigen Beitrag zum Aufbau
eines unabhängigen wissenschaftlichen Netzwerks leisten.
Die Unterstützung eines unabhängigen wissenschaftlichen Panels entspricht dem
deutschen Interesse an einer regelbasierten internationalen Ordnung, an
wissenschaftsgeleiteter Politikberatung und an einem leistungsfähigen Multilateralismus.
Insgesamt gehen wichtige wirtschaftliche Partnerländer wie Brasilien, Südafrika
oder Norwegen bereits mit der Forderung nach einem IPI voran. Wenn die
Bundesregierung diese Forderungen verstärkt, könnte sie eine Schlüsselrolle spielen und
entscheidend zu einer engeren multilateralen Zusammenarbeit beitragen. Zugleich
entstehen hierdurch keine Vorfestlegungen hinsichtlich künftiger politischer
Maßnahmen. Vielmehr schafft das Panel eine wissenschaftliche Grundlage, auf deren
Basis Regierungen eigenverantwortlich Entscheidungen treffen können.
Der Bundesrat bittet die Bundesregierung daher, die internationalen Beratungen
über die Einrichtung des „International Panel on Inequality“ konstruktiv zu begleiten
und sich für dessen wissenschaftliche Unabhängigkeit und hohe fachliche Qualität
einzusetzen.
Drucksache 535/26 - 2 -
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