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Hauptgutachten des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen Wasser in einer aufgeheizten Welt

dip / drucksache 08.08.2025 · WP 21 · 21/1260 · Unterrichtung · Original ↗

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Hauptgutachten des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen Wasser in einer aufgeheizten Welt [Deutscher Bundestag Drucksache 21/1260 21. Wahlperiode 08.08.2025 Unterrichtung durch die Bundesregierung Hauptgutachten des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen Wasser in einer aufgeheizten Welt Zugeleitet mit Schreiben des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit und dem Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt vom 4. August 2025. Wasser in einer aufgeheizten Welt Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/1260– I – Prof. Dr. Karen Pittel (Co-Vorsitzende) Direktorin des Zentrums für Energie, Klima und Ressourcen des ifo Instituts, Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung und Professorin an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Prof. Dr. Sabine Schlacke (Co-Vorsitzende) Professorin für Öffentliches Recht, insb. Verwaltungs- und Umweltrecht an der Universität Greifswald und geschäftsführende Direktorin des Instituts für Energie-, Umwelt- und Seerecht (IfEUS). Prof. Dr. Alexander Bassen Professor für Kapitalmärkte und Unternehmensführung an der Universität Hamburg, Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Prof. Dr.-Ing. Jörg E. Drewes Leiter des Lehrstuhls und der Versuchsanstalt für Siedlungswasserwirtschaft an der Technischen Universität München. Prof. Dr. Markus Fischer Professor für Pflanzenökologie am Institut für Pflanzenwissenschaften und Direktor des Botanischen Gartens der Universität Bern. Prof. Dr. Anna-Katharina Hornidge Direktorin des German Institute of Development and Sustainability (IDOS) und Professorin für Globale Nachhaltige Entwicklung an der Universität Bonn. Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Otto Pörtner Leiter der Sektion Integrative Ökophysiologie am Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung. Prof. Dr. Claudia Traidl-Hoffmann Professorin für Umweltmedizin an der Universität Augsburg und Direktorin des Instituts für Umweltmedizin bei Helmholtz Munich. Prof. Dr. Anke Weidenkaff Professorin an der TU Darmstadt für das Fachgebiet Werkstofftechnik und Ressourcenmanagement und Leiterin der Fraunhofer-Einrichtung für Wertstoffkreisläufe und Ressourcenstrategie IWKS. Mitglieder des WBGU Drucksache 21/1260 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode – II – Wasser in einer aufgeheizten Welt Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/1260– III – Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) Geschäftsstelle Luisenstraße 46 10117 Berlin Tel: 030 26 39 48 0 E-Mail: wbgu@wbgu.de www.wbgu.de Redaktionsschluss: 19.07.2024 Zur sprachlichen Gleichbehandlung: Als Mittel der sprachlichen Darstellung aller sozialen Geschlechter und Geschlechtsidentitäten wird in diesem Gutachten bei allen Bezeichnungen, die auf Personen bezogen sind, der Genderdoppelpunkt (z. B. Leser:innen) verwendet. Zitierweise für diese Publikation: WBGU – Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (2024): Wasser in einer aufgeheizten Welt. Berlin: WBGU. Leitautor:innen: Alexander Bassen, Jörg E. Drewes, Markus Fischer, Anna-Katharina Hornidge, Karen Pittel, Hans-Otto Pörtner, Sabine Schlacke, Claudia Traidl-Hoffmann, Anke Weidenkaff Mitautor:innen: Mareike Blum, Kerstin Burghaus, Jonas Geschke, Tallulah Gundelach, Matti Gurreck, Rüdiger Haum, Sarah Löpelt, Oskar Masztalerz, Katharina Michael, Alexander Mitranescu, Katharina Molitor, Jürgen Orasche, Benno Pilardeaux, Marion Schulte zu Berge, Astrid Schulz, Dominique Schüpfer, Jan Siegmeier, Finn Arnd Wendland Bibliographische Information der Deutschen Bibliothek Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet abrufbar. ISBN 978-3-946830-09-2 © WBGU Berlin 2024 Die Vervielfältigung und Verbreitung originären Text- und Bildmaterials des WBGU ist, auch auszugsweise, mit Quellenangabe für nicht kommerzielle Zwecke gestattet. Text- und Bildmaterial aus Quellen Dritter unterliegt den urheberrechtlichen Bedingungen der jeweiligen Quellen. Das diesem Bericht zu Grunde liegende F & E-Vorhaben wurde im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz unter dem Förderkennzeichen 13N0708A5 durchgeführt. Die Verantwortung für den Inhalt liegt bei den Autor:innen. Gestaltung: WERNERWERKE GbR, Berlin Titelbild: Rosmarie Wirz/Kollektion: Moment Open/via Getty Images Die illustrativen Elemente in der Zusammenfassung und am Anfang der Kapitel zeigen Ausschnitte hochaufgelöster Karten von Gewässerstrukturen in verschiedenen Weltregionen. Quelle: Pekel et al. (2016) und https://global-surface-water.appspot.com Herstellung: WBGU Satz: WBGU Druck und Bindung: PIEREG Druckcenter Berlin Drucksache 21/1260 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode – IV – Wissenschaftlicher Stab der Geschäftsstelle Dr. Marion Schulte zu Berge (Generalsekretärin) Dr. Astrid Schulz (stellvertretende Generalsekretärin) Dr. Mareike Blum (seit Mai 2023) Tallulah Gundelach, M. Sc. Dr. Rüdiger Haum (seit Jan. 2024) Oskar Masztalerz, Arzt, B. Sc. Dr. Benno Pilardeaux (Medien- und Öffentlichkeitsarbeit) Dr. Jan Siegmeier Verlagsmanagement, Administration und Assistenz in der Geschäftsstelle Daniela Donadei, Dipl.- Des. (FH) (Kommunikations- und Mediendesign) Viola Märtin, Dipl.- Kulturarbeiterin (FH) (Sekretariat, Assistenz, Veranstaltungsmanagement) Mario Rinn, B. Sc. (Systemadministration, Grafik) Studentischer Mitarbeiter in der Geschäftsstelle Tom Puhlmann, M. Sc. Wissenschaftliche Mitarbeiter:innen der Mitglieder des WBGU Dr. Kerstin Burghaus (ifo Institut, Zentrum für Energie, Klima und erschöpfbare Ressourcen, München) Jonas Geschke, M. Sc. (Universität Bern, Institut für Pflanzen wissen - schaften – IPS) Dr. Matti Gurreck (Universität Greifswald, Greifswald; seit Juni 2023) Sarah Löpelt, M. Sc. (German Institute of Development and Sustainability – IDOS, Bonn; bis Sept. 2023) Dr. Katharina Michael (Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung) Alexander Mitranescu, M. Sc. (Technische Universität München, Lehrstuhl für Siedlungswasserwirtschaft) Katharina Molitor, M. Sc. (German Institute of Development and Sustainability – IDOS, Bonn; ab Okt. 2023) Dr. Jürgen Orasche Lehrstuhl für Umweltmedizin, Medizinische Fakultät, Universität Augsburg) Dr. Dominique Schüpfer (Fraunhofer-Einrichtung für Wertstoffkreisläufe und Ressourcenstrategie IWKS, Alzenau) Finn Arnd Wendland, M. Sc. (Universität Hamburg, Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften) Mitarbeiter:innen des Beirats Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/1260– V – Der Beirat dankt allen externen Expert:innen für die Zuarbeit und wertvolle Hilfe. Als fachlichen Einstieg in das Thema erhielt der Beirat am 09. und 10. Mai 2023 wertvolle Anregungen während Expert:innenanhörungen mit Prof. Dr. Akiça Bahri (Landwirtschaftsministerin a. D., Tunesien), Prof. Dr. Christoph Donner ( Berliner Wasserbetriebe) und Prof. Dr. Uli Paetzel (Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft). Sehr interessante Einblicke in die multilaterale Wasserpolitik eröffnete dem Beirat am 17. November 2023 Dr. Johannes Cullmann (UN Water). Während der Expert:innenanhörung am 02. Mai 2024 hatte der Beirat Gelegenheit zum Austausch mit Prof. Dr. Dietrich Borchardt (Helmholtz Zentrum für Umweltforschung – UFZ), Dr. Ines Dombrowsky (German Institute of Development and Sustainability – IDOS), Prof. Dr. Dieter Gerten (Potsdam Institut für Klimafolgenforschung – PIK), Prof. Dr. HansPeter Grossart (LeibnizInstitut für Gewässerökologie und Binnenfischerei), Dr. Verena Höckele (Projekträger Karlsruhe/ Wassertechnologie, Karlsruher Institut für Technologie – KIT), Prof. Dr. Torsten Schmidt (Instrumentelle Analytische Chemie, Universität DuisburgEssen) und Prof. Dr. Kerstin Stahl (Institut für Hydrologie, Universität Freiburg). Danken möchte der Beirat darüber hinaus jenen Personen, die durch Gespräche, Kommentare, Beiträge, Beratung, Recherche oder Peer Reviews einzelner Teile des Gutachtens dem Beirat wertvolle Dienste erwiesen haben: Dr. Axel Berger (German Institute of Development and Sustainability – IDOS), Prof. Dr. Clara Brandi (German Institute of Development and Sustainability – IDOS), Apl. Prof. Dr. Carsten Butsch (Geografisches Institut, Universität Bonn), Prof. Dr. Beate Escher (Helmholtz Zentrum für Umweltforschung, Leipzig), Prof. Dr. Matthias Finkbeiner (Institut für Technischen Umweltschutz, Technische Universität Berlin), Dr. Christoph Lüthi (Eidgenössische Anstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Gewässerschutz – Eawag), Dr. Farhad Mukhtarov (International Institute of Social Sciences – ISS, Erasmus University Rotterdam), Alexandra Skinner (Zukunft – Umwelt – Gesellschaft (ZUG) gGmbH) und Dr. Olaf Wirth (Institut für Ökologie und Politik GmbH). Danksagung Drucksache 21/1260 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode – VI – Inhaltsverzeichnis Mitarbeiter:innen des Beirats V Danksagung VI Kästen XV Tabellen XVII Abbildungen XVIII Akronyme XXI Zusammenfassung 1 Einleitung 25 Status quo im Umgang mit der Ressource Wasser 29 2.1 Wasser: Essenzielle Ressource für alles Leben und die Rolle der Ökosysteme 30 2.2 Globaler Wasserkreislauf unter menschlichem Einfluss 33 2.2.1 Wasser umfassend gesehen – blaues und grünes Wasser 33 2.2.2 Beobachtbare Auswirkungen des Klimawandels 35 2.2.3 Bedeutung von Landnutzung und Klimawandel für grünes Wasser 38 2.2.4 Übernutzung von blauem Wasser 38 2.2.4.1 Trends der Wassernutzung 39 2.2.4.2 Meerwasserentsalzung 39 2.3 Wirtschaftliche und soziale Aspekte der Wassernutzung 40 2.3.1 Virtuelles Wasser 40 2.3.2 Wasser, Armut und soziale Ungleichheit 42 2.3.3 Verschmutzung als Herausforderung für Mensch und Ökosysteme 44 2.3.3.1 Pfadabhängigkeiten durch zentrale Wasserinfrastrukturen 44 2.3.3.2 Nährstoffe und Pflanzenschutzmittel 45 2.3.3.3 Pathogene Mikroorganismen 45 2.3.3.4 Pharmazeutische Wirkstoffe 46 2.3.3.5 Industriechemikalien und Mikroplastik 47 2.3.3.6 Verschmutzung durch Rohstoffgewinnung und industrielle Aktivitäten 48 2.4 Politische und rechtliche Aspekte von Wasser 49 2.4.1 Internationale Leitbilder 50 2.4.1.1 Integriertes Wasserressourcenmanagement 51 2.4.1.2 Adaptives Wasserressourcenmanagement 52 2.4.1.3 Water-Energy-Food-Ecosystem Nexus 52 2.4.2 Staatliche Wassergovernance 53 2.4.2.1 Völkerrechtlich bindende Konventionen 53 2.4.2.2 EU-Wasserrahmenrichtlinie: Ansätze für Multi-Ebenen-Governance 54 2.4.2.3 Kommunalabwasserrichtlinie 55 2.4.2.4 Wasserwiederverwendungsverordnung 56 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/1260– IX – 2.4.3 Selbstorganisierte Wassergovernance 56 2.4.4 Wassergovernance an ihren Grenzen 58 2.4.4.1 Koordination 58 2.4.4.2 Teilhabe 58 2.4.4.3 Anpassungsfähigkeit 59 2.5 Investitionsbedarf und Finanzierungsherausforderungen 59 2.5.1 Wasserinfrastrukturinvestitionen 60 2.5.2 Wasserpreise und Steuerungsinstrumente 61 3 Künftige Verschärfungen wasserbezogener Probleme 65 3.1 Verschärfungen durch Klimawandel und Verschmutzung 66 3.1.1 Fortschreitende Auswirkungen des Klimawandels auf den globalen Wasserkreislauf 66 3.1.1.1 Veränderte Niederschlagsmuster und -mengen 66 3.1.1.2 Abnehmende Bodenfeuchte in vielen Regionen 67 3.1.1.3 Abnahme globaler Süßwasserreservoire: Grundwasser und Kryosphäre 68 3.1.1.4 Veränderte Abflussregime 70 3.1.1.5 Zunahme kombinierter Wasser-Extremereignisse 71 3.1.1.6 Meeresspiegelanstieg, variable Salinitäten und abnehmende Ozeanströme 73 3.1.1.7 Schlussfolgerungen 74 3.1.2 Extremereignisse (über)fordern die Infrastruktur 74 3.1.3 Auswirkungen von Dürren und Extremereignissen auf die Ernährungssicherheit 75 3.1.4 Verschärfungen durch Umweltverschmutzung 76 3.1.4.1 Trends der Wasserverschmutzung 77 3.1.4.2 Der Einfluss des Klimawandels auf Wasserverschmutzung 78 3.1.4.3 Wasserverschmutzung durch Mikroplastik 79 3.1.4.4 Chemikalienbelastung durch steigenden Rohstoffbedarf 79 3.1.4.5 Nährstoffe und schädliche Algenblüte 79 3.2 Verschärfungen durch sozioökonomische und geopolitische Entwicklungen 80 3.2.1 Übernutzung von Wasserressourcen und Auswirkungen wasserbezogener Verschärfungen auf wirtschaftliche Entwicklung 80 3.2.1.1 Steigende Wassernachfrage und -konsum 80 3.2.1.2 Künftiger Handel mit wasserintensiven Gütern: Beispiel Agrargüter 81 3.2.1.3 Auswirkungen wasserbezogener Verschärfungen auf wirtschaftliche Entwicklung und Armuts bekämpfung 83 3.2.2 Soziale Ungleichheiten und geopolitische Machtverschiebungen 85 3.2.2.1 Geopolitische Verschärfungen 85 3.2.2.2 Soziale Ungleichheiten, Armut und Machtungleichgewichte verschärfen ungleiche Verteilung und Übernutzung von Wasser 86 3.3 Konsequenzen und Verschärfungen durch Gesundheitsschäden bei Arten, Ökosystemen und Menschen 88 3.3.1 Auswirkungen auf Süßwasserökosysteme, Organismen und Biodiversität 88 3.3.2 Zunehmende Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit 91 3.3.2.1 Trinkwasserverfügbarkeit und -qualität 92 3.3.2.2 Physische und psychische Gefahren zunehmender Extremereignisse 93 3.3.2.3 Zunehmende Ausbreitung von Infektionskrankheiten 94 3.4 Von globalen Verschärfungen zu regionalen Wassernotlagen mit planetarer Dimension 94 Drucksache 21/1260 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode – X – 4 Regionale Wassernotlagen mit planetarer Dimension 97 4.1 Die neue Qualität regionaler Wassernotlagen 97 4.1.1 Veränderungen jenseits des menschlichen Erfahrungsspektrums 97 4.1.2 Exemplarische Auswahl regionaler Wassernotlagen: Überblick 98 4.2 Wasserknappheit in Städten und urbanen Agglomerationen 100 4.2.1 Wirkungsmuster, Ausmaß und Projektionen 101 4.2.1.1 Wirkungsmuster 101 4.2.1.2 Heutiges Ausmaß und Projektionen 101 4.2.2 Ungleiche Lebensbedingungen und Wasser(un)sicherheit 102 4.2.3 Herausforderungen 104 4.3 Zunahme von Dürren und Sturzfluten in der MENA-Region 106 4.3.1 Wirkungsmuster, Ausmaß und Projektionen 106 4.3.2 Zunehmende Wasserknappheit: Negative Folgen für Mensch und Natur 107 4.3.2.1 Schwindende Wasserressourcen durch nicht nachhaltige Nutzung 107 4.3.2.2 Auswirkungen auf politische und gesellschaftliche Stabilität und Konflikte 108 4.3.3 Zentrale Herausforderungen als Ansatzpunkte für politisches Handeln 110 4.3.3.1 Erschwertes Wassermanagement aufgrund struktureller Herausforderungen 111 4.3.3.2 Schwieriger werdende grenzüberschreitende Kooperation 111 4.4 Gletscherschmelze im Hindukusch-Karakorum-Himalaya: Verlust natürlicher Wasserspeicher 112 4.4.1 Wirkungsmuster, Ausmaß und Projektionen 112 4.4.1.1 Klimawandelbedingter Rückgang der Gletscher und veränderte Abflussmengen 112 4.4.1.2 Verstärkung von Wasserknappheit durch steigen den Wasserbedarf und Infrastrukturprojekte 114 4.4.2 Destabilisierungspotenziale: Wasserknappheit, Naturgefahren und geopolitische Konflikte 116 4.4.2.1 Zunehmende Wasserknappheit: Konsequenzen für die Ernährungs- und Energiesicherheit 116 4.4.2.2 Zunehmende Naturgefahren: Bedrohung für Menschenleben und Infrastruktur 118 4.4.2.3 Gesellschaftliche und geopolitische Konflikte 118 4.4.3 Zentrale Herausforderungen 118 4.5 Wasserverschmutzung in Subsahara-Afrika 119 4.5.1 Wirkungsmuster, Ausmaß und Projektionen 119 4.5.2 Folgen der Wasserverschmutzung für Mensch und Natur 122 4.5.3 Zentrale Herausforderungen 123 4.6 Übernutzung des Grundwassers und Klimawandel im Central Valley, USA 125 4.6.1 Wirkungsmuster, Ausmaß und Projektionen 125 4.6.2 Ökologisches und sozioökonomisches Destabilisierungspotenzial 128 4.6.3 Zentrale Herausforderungen 129 4.7 Von regionalen Wassernotlagen zu Mustern mit planetarer Dimension 131 4.7.1 Ansatzpunkte für einen besseren Umgang mit Wassernotlagen 131 4.7.2 Lücken im Verständnis regionaler Wassernotlagen 132 5 Abstand zu Grenzen der Beherrschbarkeit sichern 135 5.1 Grenzen erkennen 135 5.2 Handlungsbedarfe und -prinzipien 138 5.2.1 Wasser als Gemeinschaftsgut für Mensch und Natur sicherstellen 138 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/1260– XI – 5.2.2 Anpassungsfähigkeit angesichts fortlaufender Veränderungen steigern 138 5.2.3 Resilienz und Risikovorsorge statt Gefahrenabwehr 139 5.2.4 Blaues und grünes Wasser sektorübergreifend bewirtschaften 139 5.2.5 Wissenschaftsbasierten Diskurs über Probleme und Handlungsoptionen ermöglichen 140 5.2.6 Wasser wertschätzen und Wasserwert schätzen 140 5.2.7 Umsetzung beschleunigen – Selbstorganisation fordern und fördern 141 5.3 Jenseits der Grenzen 141 6 Klimaresilientes Wassermanagement 143 6.1 Umgang mit Verschärfungen und Notlagen 144 6.1.1 Umsetzung der Handlungsprinzipien eines klimaresilienten Wassermanagements 144 6.1.2 Vier Anforderungen an die Entwicklung, Auswahl und Umsetzung von Maßnahmen 148 6.1.2.1 Beurteilung der wasserbezogenen Wirksamkeit auf verschiedenen Zeitskalen 148 6.1.2.2 Analyse der Machbarkeit im jeweiligen Kontext 149 6.1.2.3 Stärkere Berücksichtigung möglicher Mehrgewinne 150 6.1.2.4 Vermeidung nicht intendierter Konsequenzen 151 6.1.3 Instrumente zur Abwägung unter Unsicherheit 152 6.1.4 Steuerung durch Planung und Zulassung 153 6.2 Lösungsraum Ökosysteme 155 6.2.1 Renaturierung für klimaresilientes Wassermanagement 155 6.2.2 Renaturierung von Feuchtgebieten 157 6.2.2.1 Beispiel Sümpfe und Marschen 157 6.2.2.2 Beispiel Moore 159 6.2.2.3 Beispiel Flusslandschaften, einschließlich Auen 160 6.3 Lösungsraum Landwirtschaft 162 6.3.1 Eingriffe der Landwirtschaft in den Wasserhaushalt 163 6.3.2 Angepasste Anbauweisen mit grünwasser bezogenen Maßnahmen kombinieren 164 6.3.3 Landwirt:innen sind auch Grünwasserwirt:innen – Handlungsbereiche zur Umsetzung 167 6.4 Lösungsraum Städte 169 6.4.1 Wassersensible Stadtentwicklung als Leitbild etablieren 169 6.4.2 Klimaresilientes Wassermanagement im Kontext urbaner Transformationen 171 6.4.3 Der Ausbau blau-grüner Infrastruktur als urbane Mehrgewinnstrategie 171 6.5 Handlungsempfehlungen 175 6.5.1 Übergreifende Handlungsempfehlungen 175 6.5.2 Handlungsempfehlungen zum Lösungsraum Ökosysteme 180 6.5.3 Handlungsempfehlungen zum Lösungsraum Landwirtschaft 181 6.5.4 Handlungsempfehlungen zum Lösungsraum Städte 182 6.6 Forschungsempfehlungen 183 6.6.1 Übergreifende Forschungsempfehlungen 183 6.6.2 Forschungsempfehlungen zum Lösungsraum Ökosysteme 186 6.6.3 Forschungsempfehlungen zum Lösungsraum Landwirtschaft 187 6.6.4 Forschungsempfehlungen zum Lösungsraum Städte 188 7 Schutz der Wasserqualität 191 7.1 Stoffbezogenes Unionsrecht zum Schutz der Wasserqualität 193 7.1.1 Chemikalienrecht in der EU 193 Drucksache 21/1260 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode – XII – 7.1.1.1 Neue Verfahren zur Chemikalienbewertung 194 7.1.2 Novellierte EU-Kommunalabwasserrichtlinie 194 7.1.3 Globale Verbreitung und Rezeption von EU-Ansätzen 195 7.1.3.1 Globales Rahmenwerk für Chemikalien 195 7.1.3.2 Science-Policy Panel für Chemikalien, Abfall und Vermeidung von Verschmutzung 197 7.2 Diffuse Stoffeinträge in den Wasserkreislauf 197 7.2.1 Pestizide und Nährstoffe 197 7.2.2 Pharmazeutika 198 7.2.3 Mikroplastik 198 7.3 Alternative Abwasserentsorgungs konzepte in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen 200 7.3.1 Flexibler Einsatz zentraler und dezentraler Abwassersysteme 200 7.3.2 Praxisbeispiel: Das Lusaka Sanitation Program 201 7.4 Effekte der Energiebereitstellung auf die Wasserqualität 202 7.4.1 Auswirkungen der Stromerzeugung auf die Wasserqualität 203 7.4.1.1 Verschmutzung durch fossile Energieträger 203 7.4.1.2 Gesundheits- und Umweltrisiken durch Materialgewinnung für die Energiewende 204 7.4.1.3 Recycling von lithiumbasierten Batterien 205 7.4.2 Rückgewinnung von Rohstoffen aus Abwasser 205 7.5 Handlungsempfehlungen 209 7.5.1 EU-Kommunalabwasserrichtlinie zielgerichtet umsetzen 209 7.5.2 Diffuse Einträge aus Land- und Forstwirtschaft verringern 209 7.5.3 Wasserverschmutzung durch Pharmazeutika eindämmen 211 7.5.4. Den Einsatz moderner Testverfahren fördern 211 7.5.5 Nutzung alternativer Abwasserentsorgungs konzepte fördern 212 7.5.6 Rohstoffrückgewinnung aus Abwasser fördern 212 7.6 Forschungsempfehlungen 212 8 Entwicklung einer klimaresilienten Wassergovernance 215 8.1 Internationale Verantwortung und Kooperation 217 8.1.1 Internationale Wassergovernance stärken 217 8.1.1.1 Die Agenda 2030 als normatives Fundament internationaler Wasserkooperation 217 8.1.1.2 Gelegenheitsfenster und Schnittstellen auf globaler Ebene 219 8.1.1.3 Internationale Wasserdiplomatie stärken 220 8.1.1.4 Ausgestaltung einer Internationalen Wasserstrategie 223 8.1.1.5 Institutioneller Rahmen für UN-Wasser konferenzen 225 8.1.1.6 Wasserkonventionen stärken: grünes Wasser integrieren, wasserbezogene Konventionen verzahnen und Staaten zum Beitritt animieren 226 8.1.1.7 Berücksichtigung der Internationalen Wasserstrategie in UN-Prozessen und jenseits von UN-Gremien 228 8.1.1.8 Politikkohärenz nach innen und außen herstellen 228 8.1.2 Regionale Verantwortungsübernahme und Koordination fördern 228 8.1.3 Chancen von Wirtschafts- und Handelsbeziehungen nutzen 229 8.1.3.1 Integration von Wasser in wirtschaftliche Entscheidungen auf internationaler Ebene stärken 231 8.1.3.2 Wirtschaftsbeziehungen und Handelspolitik an den Zielen der Internationalen Wasserstrategie ausrichten 231 8.1.3.3 Kooperation mit Ländern niedrigen und mittleren Einkommens stärken 233 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/1260– XIII – 8.2 Gestaltender Staat und Förderung der Selbstorganisation klimaresilienten Wassermanagements 234 8.2.1 Selbstorganisierte Wassergovernance im Kontext eines gestaltenden Staates 234 8.2.2 Hybride Governance im Umgang mit verschärften Risiken – nationale Praxisbeispiele 236 8.2.3 Dialogforen mit deliberativen Elementen als Instrumente hybrider, klimaresilienter Wassergovernance 239 8.3 Finanzierung für lokale Ansätze mobilisieren und vermitteln 242 8.3.1 Wasserbezogene Risiken transparent machen, um Investitionen zu mobilisieren und zu lenken 244 8.3.1.1 Informationsangebot zur Bewertung von Wasserrisiken verbessern 245 8.3.1.2 Nachhaltigkeitsberichterstattung zu wasser bezogenen Auswirkungen, Risiken und Chancen stärken 246 8.3.2 Wassersektor attraktiver machen durch stabilere Einnahmequellen 247 8.3.2.1 Verursacher und Nutzer stärker an Kosten beteiligen 247 8.3.2.2 Stärkung der Kompetenz zur Mittelerhebung- und Verwendung auf lokaler Ebene 248 8.3.2.3 Mehrgewinne nutzen und private Akteure besser entlohnen 249 8.3.3 Finanzierungen vermitteln: Intermediäre Institutionen strategisch stärken 250 8.4 Wissenschaft und Bildung 254 8.4.1 Wissenschaft 254 8.4.1.1 Wissenschaft im Lichte der Verschärfungen 254 8.4.1.2 Internationale Wissenschaftskooperation für klimaresilientes Wassermanagement 258 8.4.1.3 Water Mapping Initiative 260 8.4.2 Bildung 261 8.5 Handlungsempfehlungen 262 8.5.1 Internationale Wassergovernance stärken 262 8.5.1.1 Wasserdiplomatie auf internationaler und regionaler Ebene voranbringen 262 8.5.1.2 Schnittstellen stärken und nutzen 263 8.5.1.3 Chancen von Wirtschafts- und Handelsbeziehungen nutzen 263 8.5.1.4 Kooperation mit Ländern niedrigen und mittleren Einkommens 264 8.5.2 Staatliche Gestaltung und zivilgesellschaftliche Selbstorganisation 265 8.5.3 Finanzierung mobilisieren und vermitteln 266 8.5.3.1 Investitionsbereitschaft erhöhen, Finanzierungskosten senken: bessere Transparenz über wasserbezogene Risiken 266 8.5.3.2 Stabilisierung der Einnahmen von öffentlichen und privaten Investoren 267 8.5.3.4 Intermediäre und lokale Kooperations plattformen stärken 269 8.5.4 Proaktive Rolle der Wissenschaft: Politik und Stakeholder zusammenbringen 269 8.5.5 Bildung als Grundlage für eine informierte Gesellschaft 271 8.6 Forschungsempfehlungen 272 8.6.1 Internationale Zusammenhänge verstehen und kommunizieren 272 8.6.2 Bi- und multilaterale Wissenschaftsförderung ausbauen 273 8.6.3 Forschung für eine nachhaltige Finanzierung 274 8.6.4 Forschung zu Herausforderungen der politischen Kommunikation 275 9 Kernbotschaften 277 Literatur 283 Glossar 321 Drucksache 21/1260 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode – XIV – Kästen Kasten 1 Kernbotschaften 2 Kasten 2 Regionale Wassernotlagen mit planetarer Dimension 6 Kasten 3 Anforderungen an Maßnahmen eines klimaresilienten Wassermanagements 10 Kasten 2.2-3 Partizipative Governance und intermediäre Strukturen bei der Umsetzung der EU- Wasser rahmenrichtlinie: Beispiele Schweden und Deutschland 57 Kasten 2.4-4 Wasserbezogene Pfadabhängigkeiten und Lock-ins 59 Kasten 4.2-1 Wasserkrise in São Paulo, Brasilien, 2014–2016: Umsetzungsdefizite der urbanen Wassergesetzgebung 103 Kasten 4.2-2 Wasserkrise 2019 in Chennai, Indien: Wassermangel in einer der niederschlags reichsten Megastädte der Welt 104 Kasten 4.5-1 Das Nigerdelta: ein Biodiversitäts-Hotspot unter Druck 123 Kasten 5.1-1 Anpassung, Anpassungsgrenzen und Grenzen der Beherrschbarkeit 137 Kasten 6.1-1 Auf einen Blick: Vier Anforderungen, die bei der Entwicklung, Auswahl und Umsetzung von Maßnahmen zu beachten sind 146 Kasten 6.1-2 Decision Scaling 153 Kasten 6.1-3 Steuerung durch Planung 154 Kasten 6.3-1 Maßnahmen zur Erhaltung der Bodenfeuchte 163 Kasten 6.3-2 Agroforstwirtschaft 164 Kasten 6.4-1 Praxisbeispiel: Blau-grüne Infrastruktur in Städten – der „Wolkenbruchplan“ in Kopenhagen 174 Kasten 6.4-2 Praxisbeispiel: Nutzung alternativer Wasserressourcen für die Bewässerung des städtischen Grüns in Schweinfurt 176 Kasten 7.1-1 Die delegierte Verordnung (EU) 2023/707 der CLP-Verordnung über die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen 195 Kasten 7.1-2 Inhalte der novellierten EU-Kommunalabwasserrichtlinie (91/271/EWG) 196 Kasten 7.2-1 Antimikrobielle Resistenzen 198 Kasten 7.4-1 Ein schwankendes Wasserdargebot kann den Kraftwerksbetrieb gefährden 203 Kasten 7.4-2 Wasserbedarf des Energiesektors und Auswirkungen des Klimawandels 206 Kasten 7.5-1 Beispiel: Das Pestizid Chlorpyrifos 210 Kasten 8.1-1 Das Menschenrecht auf Wasser als Teil des Menschenrechts auf eine gesunde Umwelt 224 Kasten 8.1-2 FAO-Prozess zu Wasserbesitzverhältnissen 226 Kasten 8.1-3 Beispiel für regionale Governanceplattformen: Sendai Rahmenwerk für Katastrophenvorsorge 229 Kasten 8.1-4 Positivbeispiel Mekong-Vertrag 230 Kasten 8.2-1 UNECE-Wasserkonvention: Protokoll zu „Wasser und Gesundheit“ 234 Kasten 8.2-2 Wassermanagement in der Landwirtschaft Usbekistans 236 Kasten 8.2-3 Wassernutzerverbände in Indien 237 Kasten 8.2-4 Formen der Selbstverwaltung von Wassermanagement in Europa 238 Kasten 8.2-5 Wasser- und Sanitärversorgung in Simbabwe 238 Kasten 8.2-6 Bürgerbeteiligung und die Förderung von Selbstorganisation 241 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/1260– XV – Kasten 8.3-1 EU-Taxonomie für nachhaltige Wirtschafts aktivitäten in Bezug auf Wasser- und Meeres ressourcen 246 Kasten 8.3-2 Handelssysteme zur Reduktion von Nährstoffeinträgen in Gewässer und Finanzierung naturbasierter Lösungen 251 Kasten 8.3-3 Blended Finance: Definition, typische Strukturen und Herausforderungen 253 Kasten 8.4-1 Demokratieschutz und -förderung durch internationale Wissenschaftskooperationen zu Wasser 255 Kasten 8.4-2 Beispiele erfolgreicher Citizen Labs 256 Drucksache 21/1260 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode – XVI – Tabellen Tabelle 2.1-1 Ökosystemleistungen von Süßwasserökosystemen 32 Tabelle 2.3-1 Weltweite Todesfälle durch unzureichende Sanitärverhältnisse und Trinkwasserverschmutzung 47 Tabelle 4.1-1 Auswahl weltweit auftretender regionaler Wassernotlagen 100 Tabelle 4.6-1 Folgen von Dürre und Trockenheit in Kalifornien 128 Tabelle 4.6-2 Veränderung der Gesamtwassermenge der großen Grundwasseraquifere der Welt 130 Tabelle 4.7-1 Regionale Wassernotlagen mit planetarer Dimension: Risiken, Maßnahmen sowie überregionale und globale Handlungsbedarfe 133 Tabelle 6.2-1 Ausgewählte Ökosystemtypen mit Beispielen für Renaturierungsmaßnahmen 156 Tabelle 6.3-1 Beispiele für wasserbezogene Anpassungsmaßnahmen in fünf Kategorien 165 Tabelle 6.4-1 Beispiele für Maßnahmen, die für eine wassersensible Stadtentwicklung geeignet sind 173 Tabelle 8.1-1 Übersicht der Schnittstellen von Wassergovernance zu laufenden Prozessen der internationalen Umweltpolitik 222 Tabelle 8.2-1 Dialogforen zu regionalen Wassernotlagen mit planetarer Dimension 240 Tabelle 8.3-1 Wasserbezogene Risikofaktoren, die bei Unternehmenswerten zu Verlusten führen und sie zu Belastungen machen kann 244 Tabelle 8.3-2 Potenzielle Barrieren für die Umsetzung naturbasierter Lösungen für verbesserte Wassersicherheit, nach Akteuren des Wassersektors und Möglichkeiten diese Barrieren zu beseitigen 252 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/1260– XVII – Abbildungen Abbildung 1 Geographische Lage der im Gutachten behandelten regionalen Wassernotlagen mit planetarer Dimension. 6 Abbildung 2 WBGU-Konzept zu Grenzen der Beherrschbarkeit. 8 Abbildung 3 Vorschlag für eine Internationale Wasserstrategie 16 Abbildung 4 WBGU-Vorschlag für eine Water Mapping Initiative zur Vermeidung drohender regionaler Wassernotlagen 17 Abbildung 2.1-1 Der Einfluss natürlicher Infrastrukturen auf die Wassersicherheit 31 Abbildung 2.2-1 Der Wasserkreislauf einschließlich direkter menschlicher Eingriffe. 33 Abbildung 2.2-2 Aufteilung von Niederschlag in grünes und blaues Wasser 34 Abbildung 2.2-3 Nigeria als produzierendes und empfangendes Gebiet von Feuchtigkeit und Verdunstung 35 Abbildung 2.2-4 Globaler Überblick über das Auftreten von Sturzfluten 37 Abbildung 2.3-1 Ströme virtuellen blauen Wassers durch den Handel mit Nahrungsmitteln (1996–2005) 41 Abbildung 2.3-2 Multidimensionaler Armutsindex, global 2010–2020 43 Abbildung 2.3-3 Anteil der Bevölkerung mit Zugang zu Trinkwasserversorgung nach Region und Einkommensklasse (2022) 43 Abbildung 2.3-4 Anteil der Oberflächengewässer in Europa, die keinen guten chemischen Status erreichen 44 Abbildung 2.3-5 Luft, Land- und Wasserverschmutzung: wesentliche Belastungspfade. 46 Abbildung 2.3-6 Simulation der Stickstoffbelastung in den großen Flusseinzugsgebieten der Welt 47 Abbildung 2.3-7 Wasserknappheitsfußabdruck der Abbauprozesse von Rohstoffen für Lithium-Ionen-Batterien 49 Abbildung 2.4-1 Internationale Leitbilder für Wassergovernance im Überblick 50 Abbildung 2.4-2 Politikzyklus mit Planungs- und Implementierungsphasen von Integriertem Wasserressourcenmanagement (IWRM) 52 Abbildung 2.4-3 Umsetzung von Integriertem Wasserressourcenmanagement (IWRM) in einzelnen Ländern, gemessen anhand des SDG 6.5.1-Indikators im Jahr 2020 53 Abbildung 3-1 Verschärfungen wasserbezogener Probleme, wie sie in Kapitel 3 diskutiert werden. 66 Abbildung 3.1-1 Änderungen der Temperatur des heißesten Tages des Jahres 67 Abbildung 3.1-2 Änderungen des Niederschlags am regenreichsten Tag des Jahres 68 Abbildung 3.1-3 Änderungen der jährlichen mittleren Bodenfeuchte 69 Abbildung 3.1-4 Auswirkungen von Gletscherschmelze 71 Abbildung 3.1-5 Zukünftige Änderungen der Abflüsse 72 Abbildung 3.1-6 Änderungen extremer Dürren 73 Abbildung 3.1-7 Dürretypen und ihre Auswirkungen 77 Abbildung 3.1-8 Dürreereignisse: Dynamiken 78 Abbildung 3.1-9 Wasserverschmutzung 79 Abbildung 3.2-1 Räumliche und zeitliche Darstellung der Einflussfaktoren sich verändernder Wasserknappheit 82 Drucksache 21/1260 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode – XVIII – Abbildung 3.2-2 Prognose virtueller Wasserexporte auf Ebene von Flusseinzugsgebieten in 2050 und 2100 84 Abbildung 3.2-3 Die Beziehung zwischen dem Süßwasser-Status (Kombination aus Süßwasser-Stress und Speichertrend pro Einzugsgebiet) eines Einzugsgebiets und der sozialen Anpassungsfähigkeit 86 Abbildung 3.2-4 Modellierter Wasserverbrauch in Kapstadt nach gesellschaftlichen Gruppen. 87 Abbildung 3.3-1 Konzeptionelle Darstellung von globalen Bedrohungen für Süßwasserökosysteme 89 Abbildung 3.3-2 Trends in der globalen Biodiversität ausgehend von einer Basislinie von 1970 91 Abbildung 4.1-1 Geographische Lage der behandelten regionalen Wassernotlagen mit planetarer Dimension 99 Abbildung 4.2-1 Globale Übersicht zur Wasserknappheit in Städten 102 Abbildung 4.3-1 Prognostizierte Niederschlagsänderungen und Wasserverbrauch der Landwirtschaft in der MENA-Region 109 Abbildung 4.3-2 Virtueller Wasserhandel in der MENA-Region im Jahr 2015 110 Abbildung 4.4-1 Die Flusseinzugsgebiete und Bevölkerung der Hindukusch-Karakorum-Himalaya-Region 113 Abbildung 4.4-2 Vulnerabilität, Bedeutung für die Wasserversorgung und projizierte Veränderungen der wichtigsten kryosphärischen Wassertürme und zugehörigen Flussbecken jedes Kontinents 114 Abbildung 4.4-3 Relative Änderungen des mittleren Jahresabflusses in den Flussbecken der Hindukusch-Karakorum-Himalaya-Region bei unterschiedlich starker Erwärmung 115 Abbildung 4.4-4 Zukünftige Veränderungen des menschlichen Wasserbedarfs in der Hindukusch-Karakorum-Himalaya-Region 116 Abbildung 4.4-5 Anteil in der Hindukusch-Karakorum-Himalaya-Großregion produzierter Lebensmittel an der globalen Lebensmittelproduktion 117 Abbildung 4.5-1 Zukünftige Verschmutzung von Oberflächengewässern in Subsahara-Afrika und Anzahl der betroffenen Menschen 121 Abbildung 4.5-2 Anteil der Bevölkerung verschiedener Weltregionen, der Ende des Jahrhunderts von Wasserverschmutzung betroffen sein wird 122 Abbildung 4.6-1 Entwicklung von Wasserverfügbarkeit und Wasserverbrauch in Kalifornien 1923–2018 126 Abbildung 4.6-2 Jährliche Abweichungen von Lufttemperaturen in Kalifornien vom Mittelwert des Referenzeitraums 1981–2000 126 Abbildung 4.6-3 Grundwasserrückgang im Central Valley 127 Abbildung 4.6-4 Wasserdargebot aus Oberflächengewässern und Zufluss bzw. Verlust der Grundwassermenge im Central Valley 2002–2022 127 Abbildung 5.1-1 WBGU-Konzept zu Grenzen der Beherrschbarkeit 136 Abbildung 6.1-1 Kontinuum zwischen Fehlanpassung bis hin zu transformativer Anpassung mit Beispielen für wasserbezogene Anpassungsmaßnahmen 145 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/1260– XIX – Abbildung 6.1-2 Mögliche Kategorisierung nicht intendierter Konsequenzen nach Absehbarkeit und Vermeidbarkeit 152 Abbildung 6.2-1 Beispiel für ein renaturiertes Feuchtgebiet in Texas (USA) 158 Abbildung 6.2-2 Beispiel für den Rückbau großer Staudämme (Elwha River, USA) 161 Abbildung 6.3-1 Beispiele für Agroforstwirtschaft 164 Abbildung 6.3-2 Heutige und zukünftige Wirksamkeit wasserbezogener Anpassungsmaßnahmen in der Landwirtschaft 166 Abbildung 6.3-3 Grundidee von Green Water Credits 168 Abbildung 6.4-1 Strategien zur Anpassung urbaner Wasserinfrastruktur an den Klimawandel 170 Abbildung 6.4-2 Der „Wolkenbruchplan“ in Kopenhagen als Beispiel für blau-grüne Infrastruktur in Städten 175 Abbildung 6.4-3 Verteilung des recycelten Nutzwassers in Schweinfurt (Unterfranken) 177 Abbildung 7.1-1 Ansätze zur Ausgestaltung und konkreten Umsetzung von Zero Pollution 192 Abbildung 7.1-2 Inhalte der novellierten EU-Kommunalabwasserrichtlinie 196 Abbildung 7.2-1 Übertragung und Verbreitung von antimikrobiellen Resistenzen über die Umwelt 199 Abbildung 7.4-1 Verbrauch blauen Wassers durch verschiedene Kraftwerkstypen über ihren Lebenszyklus 207 Abbildung 7.4-2 Rohstoffrückgewinnung aus Industrieabwässern 208 Abbildung 8-1 Vorschlag für eine Internationale Wasserstrategie 216 Abbildung 8.1-1 Globaler Status der Zielereichung von SDG 6 218 Abbildung 8.1-2 Wasserpolitische Governanceprozesse 2023–2028 220 Abbildung 8.1-3 Schnittstellen einer zu entwickelnden Internationalen Wasserstrategie 221 Abbildung 8.1-4 Vorschlag für eine Internationale Wasserstrategie mit Governance zu blauem und grünem Wasser 221 Abbildung 8.3-1 Ausgewählte Handlungsfelder bei der Finanzierung wasserbezogener Investitionen 243 Abbildung 8.4-1 WBGU-Vorschlag für eine Water Mapping Initiative zur Vermeidung regionaler Wassernotlagen 259 Drucksache 21/1260 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode – XX – Akronyme AMR Antimikrobielle Resistenzen ANK Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz ASEAN Association of South East Asian Nations Verband Südostasiatischer Nationen AU Afrikanische Union BIP Bruttoinlandsprodukt BMBF Bundesministerium für Bildung und Forschung BMEL Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft BMUV Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz BMWSB Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen BMZ Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland BSB/BOD Biochemical Oxygen Demand Biochemischer Sauerstoffbedarf CBD Convention on Biological Diversity Biodiversitätskonvention, auch: Übereinkommen über die biologische Vielfalt CCS Carbon Capture and Storage CO₂-Abscheidung und -Speicherung CLP Classification, Labelling and Packaging Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung CO Kohlenstoffmonoxid CO₂ Kohlendioxid COP Conference of the Parties Vertragsstaatenkonferenz CWIS Citywide Inclusive Sanitation Stadtweite inklusive Sanitärversorgung DALYs Disability-adjusted life years Messgröße der Krankheitslast DFG Deutsche Forschungsgemeinschaft DIN Deutsches Institut für Normung DüV Düngeverordnung EIB Europäische Investitionsbank ESAP European Single Access Points Zentrales Europäisches Zugangsportal ESRS European Sustainability Reporting Standards Europäische Standards für die Nachhaltigkeitsberichterstattung EU Europäische Union EuGH Europäischer Gerichtshof EZB Europäische Zentralbank FAO Food and Agriculture Organization of the United Nations Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/1260– XXI – Akronyme FC Fecal Coliform Konzentration coliformer Bakterien FSM Fäkalschlamm-Management G7 Gruppe der Sieben (Deutschland, Frankreich, Italien, Japan, Kanada, Vereinigtes Königreich, Vereinigte Staaten) G20 Gruppe der Zwanzig (Industrieländer der G7, Schwellenländer der O-5, EU) GAP Gemeinsame Agrarpolitik GBF Kunming-Montreal Global Biodiversity Framework Globaler Biodiversitätsrahmen von Kunming-Montreal GIZ Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit GG Grundgesetz GWL Global Warming Level Globale Erwärmungsstufe GWP Global Water Partnership Globale Wasserpartnerschaft HICs High-Income Countries Hocheinkommensländer HKH Hindukusch-Karakorum-Himalaya HQ100 100-jährliches Hochwasser IPBES Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services Zwischenstaatliches Gremium zur wissenschaftlichen Politikberatung zu den Themen biologische Vielfalt und Ökosystemleistungen (auch Weltbiodiversitätsrat) IPCC Intergovernmental Panel on Climate Change Zwischenstaatlicher Ausschuss für Klimaänderungen IWRM Integrated Water Resources Management Integriertes Wasserressourcenmanagement KfW Kreditanstalt für Wiederaufbau KI Künstliche Intelligenz KMU Kleinere und Mittlere Unternehmen LDCs Least Developed Countries Am wenigsten entwickelte Länder Li2CO3 Lithiumcarbonat LiOH Lithiumhydroxid LMICs Low- and middle-income countries Länder niedrigen und mittleren Einkommens MENA Middle East and North Africa Naher/Mittlerer Osten und Nordafrika MRC Mekong River Commission Mekong-Flusskommission NAMs New Approach Methodologies Neuartige Methodiken (Bundesinsitut für Risikobewertung) NAPs National Adaptation Plans Nationale Anpassungspläne NbS Nature-based Solutions Naturbasierte Lösungen NDCs Nationally Determined Contributions National festgelegte Beiträge NGO Non-Governmental Organization Nichtregierungsorganisation NOx Stickstoffoxide ODA Official Development Assistance Öffentliche Entwicklungszusammenarbeit OECD Organisation for Economic Co-operation and Development Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Drucksache 21/1260 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode – XXII – PAK Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe PBT Persistent, bioakkumulativ und toxisch PFAS Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen PM Particulate matter Feinstaub PMT Persistent, mobil und toxisch PPPs Public-Private-Partnerships Öffentlich-private Partnerschaften PV Photovoltaik RCP Representative Concentration Pathway Repräsentativer Konzentrationspfad REACH Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe SDGs Sustainable Development Goals Ziele für nachhaltige Entwicklung SSP Shared Socioeconomic Pathway Gemeinsam Genutzter Sozioökonomischer Pfad TDS Total Dissolved Solids Menge der im Wasser gelösten Feststoffe THG Treibhausgase TWS Total Water Storage Gesamtwasserspeicherung UBA Umweltbundesamt UN United Nations Vereinte Nationen UNCCD United Nations Convention to Combat Desertification Übereinkommen der Vereinten Nationen zur Bekämpfung der Wüstenbildung (auch Desertifikationskonvention) UNCTAD United Nations Conference on Trade and Development Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung UNDP United Nations Development Programme Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen UNECE United Nations Economic Commission for Europe Wirtschaftskommission für Europa der Vereinten Nationen UNEA United Nations Environment Assembly Umweltversammlung der Vereinten Nationen UNEP United Nations Environment Programme Umweltprogramm der Vereinten Nationen UNESCO United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur UNFCCC United Nations Framework Convention on Climate Change Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen (auch Klimarahmenkonvention) UNGA General Assembly of the United Nations Generalversammlung der Vereinten Nationen UN Habitat United Nations Human Settlements Programme Programm der Vereinten Nationen für menschliche Siedlungen UN-ESCWA Economic and Social Commission for Western Asia Wirtschafts- und Sozialkommission für Westasien UNICEF United Nations Children’s Fund Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen WEF World Economic Forum Weltwirtschaftsforum Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/1260– XXIII – WEFE Water-Energy-Food-Ecosystem Wasser-Energie-Landwirtschaft-Ökosystem WHO World Health Organization Weltgesundheitsorganisation WTO World Trade Organization Welthandelsorganisation WWF World Wide Fund For Nature Weltweiter Fonds für die Natur Drucksache 21/1260 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode – XXIV – In einer klimatisch und geopolitisch aufgeheizten Welt verschärfen sich die Herausforderungen um Wasser substanziell. Unsicherheit wird Normalität, Grenzen der Beherrschbarkeit könnten überschritten werden. Notwendig ist ein klimaresilientes Wassermanagement mit langfristigem Blick, das blaues und grünes Wasser zusammendenkt und flexibel auf Veränderungen reagieren kann. Es muss vorhandene selbstorganisierte Strukturen einbeziehen und benötigt eine begleitende Wissenschaft. Eine Internationale Wasserstrategie mit regionalen Plattformen sollte entwickelt werden. Wo Wasser ist, ist Leben. Wasser ist mächtig und fragil – Konfliktgegenstand und einendes Medium zugleich. In Zukunft ist mit fortschreitenden, beschleunigten Änderungen des globalen Wasserkreislaufs zu rechnen. Auswirkungen des Klimawandels, die Übernutzung der Wasserressourcen, die ungleiche Verteilung von Wasser, der Verlust von Ökosystemleistungen sowie Gefährdungen durch wasserbezogene Gesundheitsrisiken werden sich weiter verschärfen. Die Annahme von Stationarität, also die Vorstellung, dass natürliche Systeme auf der Grundlage empirischer Beobachtungen innerhalb eines definierten Zeitfensters eine vorhersagbare Variabilität aufweisen, ist angesichts des Klimawandels nicht mehr tragfähig. Dies wird zunehmend in Bedrohungslagen münden, die jenseits des menschlichen Erfahrungsspektrums liegen und sich zu regionalen Wassernotlagen zuspitzen können. Im Extremfall ergeben sich Situationen, in denen Grenzen der Beherrschbarkeit überschritten, gesellschaftliche Strukturen und Ökosysteme substanziell destabilisiert werden und Handlungsspielräume nicht mehr existieren. Dies sind bedrohliche Muster mit planetarer Dimension. Um krisenhafte Entwicklungen frühzeitig zu erken nen und regionale Wassernotlagen mit planetarer Dimension abzuwenden, sollte international eine Water Mapping Ini tiative initiiert werden, bestehend aus einer Wissenschafts plattform und einem Expert:innen gre mium. Zudem sollte ein systematischer internationaler Austausch über wirkungsvolle Anpassungs und Resilienzstrategien erfolgen. Anzustreben ist eine Internationale Wasserstrategie, um diesen Herausforderungen, vor denen alle Staaten stehen, als Weltgemeinschaft zu begegnen. Von zentraler Bedeutung ist ein klimaresilientes, sozial ausgewogenes Wassermanagement weltweit, bei dem sich Infrastrukturen und Managementansätze den Veränderungen der lokalen Wasserhaushalte und zunehmenden Extremereignissen anpassen. Dies umfasst auch den Schutz der Wasserqualität durch eine konsequente Umsetzung des ZeroPollutionAnsatzes und des Leitbilds einer Kreislaufwasserwirtschaft, unter Einbeziehung der Ökosysteme und einer aktiven Bewirtschaftung des im Boden gebundenen grünen Wassers. Nachhaltige Wasserpolitik kann zudem nur gelingen, wenn auch in anderen Politikfeldern Fortschritte erzielt werden. Eine stringente Klimaschutzpolitik, Raumplanung für die Erhaltung und Renaturierung von Ökosystemen sowie die Umsetzung der internationalen Biodiversitätsziele sind unbedingte Voraussetzung, um Handlungsspielräume zu bewahren. Sie müssen eng verbunden sein mit globaler Sozial, Wirtschafts und Handelspolitik, um eine friedliche „WasserZukunft“ zu ermöglichen. Um die Anpassung an ein verändertes Wasserdargebot und zunehmende Extremereignisse finanzieren zu können, müssen private Investitionen mobilisiert und öffentliche Einnahmen stabi lisiert werden. Der Zugang zu Finanzierung sollte auch für lokale Akteure verbessert werden. Zusammenfassung Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/1260– 1 – Eine wichtige Ressource, um klimaresilientes Wassermanagement zu ermöglichen, ist die Wissenschaft. Sie ist gefordert, Erfahrungswissen durch Projektionen zukünftiger Veränderungen und ihrer Unsicherheiten zu ergänzen. Gleichzeitig müssen innovative Ansätze für den Umgang mit großskaligen und disruptiven Änderungen der Wasserverfügbarkeit und zunehmenden Extremereignissen entwickelt und wissenschaftlich begleitet werden. Entscheidungsabläufe können dafür durch die Bereitstellung von Echtzeitdaten und Prognosen beschleunigt werden. Eine nachhaltige WasserZukunft setzt voraus, dass Ziele und Verantwortung nicht allein vom Staat getragen werden, sondern ebenso von Wirtschaft und Gesellschaft. Der Staat muss dafür die Voraussetzungen schaffen und einen politischen und regulierenden Rahmen setzen, der selbstorganisierte Strukturen fördert und eine Bildungsoffensive für einen verantwortlichen Umgang mit Wasser unterstützt. Wasser als wertvolle Ressource sollte konsequent und sozial ausgewogen bepreist werden, um weltweit eine effiziente und nachhaltige Nutzung zu fördern. Es ist daher von höchster Dringlichkeit, das Thema Wasser höher auf der internationalen Agenda zu verankern. Das derzeitige starke Momentum durch die UNWasserkonferenzen 2023, 2026 und 2028 sollte von den Regierungen genutzt werden, um weltweit durch umfassende Vorsorge einen ausreichenden Abstand zu den Grenzen der Beherrschbarkeit einzuhalten. Kurzfristig sollten effektive Strategien für ein resilientes Wassermanagement entwickelt werden, die mittelfristig die weltweite Kooperation stärken und langfristig in ein von der Staatengemeinschaft getragenes Wasserabkommen münden. Die internationale Wasserpolitik muss sich auf die fortschreitenden und beschleunigten Änderungen im globalen Wasserkreislauf einstellen. Dazu sollte Wasser als Querschnittsthema in vielen Foren mit bedacht werden, braucht aber auch einen eigenen Prozess und politische Aufmerksamkeit. Der WBGU empfiehlt, bis 2030 eine Internationale Wasserstrategie zu erarbeiten. Ziele und Maßnahmen der Strategie sollten auch in zwischenstaatliche Wirtschafts und Handelsbeziehungen einfließen, um Synergien zwischen dem Schutz der Wasserressourcen sowie der Unterstützung von klimaneutraler Entwicklung und Ernährungssicherheit zu ermöglichen. Die Strategie sollte langfristig zu einem eigenen internationalen Abkommen für Wasser – vergleichbar den RioKonventionen – weiterentwickelt werden. Kasten 1 zeigt die Kernbotschaften des WBGU im Überblick. Heutiger Umgang mit Wasser Wasser durchläuft auf der Erde einen kontinuierli chen, globalen Kreislauf, der in Form von Niederschlägen über Land immer wieder neu Süßwasser zur Verfügung stellt. Dieses steht in der Folge als blaues oder grünes Wasser zur Verfügung: Blaues Wasser umfasst alle Wasser ressourcen in Flüssen, Seen, Talsperren und Grundwasser. Grünes Wasser bezeichnet das im Boden gebundene Wasser; es kann durch Pflanzen produktiv die Bil dung von Biomasse befördern (Rockström et al., 2023b). Ökosysteme mit ihrer Biodiversität sind ein wichtiger Teil des globalen Wasserkreislaufs. Der Mensch beeinflusst den natürlichen Wasserkreislauf durch Wasserent nahmen, nutzungen und ableitungen regional und global mittlerweile in einem großen Ausmaß, wodurch sich Verdunstung, Niederschläge, Grundwasser neu bildung, Abflussverhalten, Wasserqualität usw. verän dert haben und weiter verändern. Zudem ist bereits heute Kasten 1 Kernbotschaften > Abstand zu den Grenzen der Beherrschbarkeit wahren > Regionale Wassernotlagen mit planetarer Dimension antizipieren und abwenden > Klimaresilientes Wassermanagement umsetzen und naturnahe Wasserqualität erhalten > Integrierte Klima- und Biodiversitäts- und Sozialpolitik sind effektive Wasserpolitik > Transformatives WasserWissen: Vorausschauende und begleitende Wissenschaft praktizieren > Mit der Gesellschaft, nicht gegen sie: der gestaltende Staat und die selbstorganisierte Gesellschaft in der Verantwortung > International Verantwortung übernehmen – Internationale Wasserstrategie entwickeln > Nationale Wasserstrategie in den internationalen Diskurs zu Wasser einbringen Drucksache 21/1260 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode – 2 – ein massiver Einfluss von Klimawandel und Ökosystemdegradation spürbar. Global entfallen 72 % aller Süßwasserentnahmen auf die Landwirtschaft, 15 % auf die Industrie und 13 % auf Kommunen und Haushalte (AQUASTAT, 2024). Der Anteil der Wasserentnahme für die Landwirtschaft an der Gesamtentnahme variiert jedoch regional und nach Einkommensniveau erheblich. In Hocheinkommensländern sind es im Durchschnitt nur 41 % der gesamten Entnahmen, in Ländern mit mittleren und niedrigen Einkommen dagegen 80–90 % (Ritchie und Roser, 2017). Die Ausweitung der Bewässerungslandwirtschaft, deren Fläche sich von 1961–2018 mehr als verdoppelt hat (UNESCO, 2024), und der Wasserbedarf einer wachsenden Stadtbevölkerung haben in vielen Regionen und Städten der Welt zur einer Übernutzung von nicht erneuerbarem Grundwasser (Tiefengrundwasser) und einer zunehmenden Absenkung des Grundwasserspiegels geführt. Besonders betroffen sind der Nahe und Mittlere Osten, Nordafrika, Indien, Nordchina sowie der Südwesten der USA. In den meisten dieser Regionen machte der Wasserverbrauch für Bewässerung der Landwirtschaft von 1960 –2010 durchschnittlich über 90 % des gesamten Wasserkonsums aus. Mindestens etwa die Hälfte davon stammte aus nicht erneuerbarem Grundwasser (Wada und Bierkens, 2014). Rund 2,2 Mrd. Menschen haben keinen sicheren Zugang zu sauberem Trinkwasser – vor allem Länder niedrigen und mittleren Einkommens sind betroffen (UNESCO, 2024). Dabei ist vor allem in ländlichen Gebieten die Versorgungslage schwierig: Dort haben vier von fünf Menschen keinen sicheren Zugang zu sauberem Trinkwasser. Rund 3,5 Mrd. Menschen haben keinen Zugang zu angemessener sanitärer Versorgung. Mittel der öffentlichen Entwicklungsleistungen (ODA) für den Wassersektor lagen im Jahr 2022 mit 9,1 Mrd. US$ mehr als 4 % unter ihrem Maximum von 2018 (UN Water, 2024). Zwischen 2002 und 2021 waren 1,6 Mrd. Menschen von Überflutungen betroffen, und rund 100.000 verloren ihr Leben. Im gleichen Zeitraum litten 1,4 Mrd. Menschen unter Dürren, mit rund 21.000 Toten (UNESCO, 2024). Rund die Hälfte der Weltbevölkerung leidet derzeit zumindest einen Teil des Jahres unter schwerem Wassermangel (IPCC, 2023a). In vielen Regionen der Erde hat sich die Gewährleistung einer sicheren Wasserver und entsorgung deutlich verbessert, aber ein substanzieller Anteil der Weltbevölkerung hat weiterhin keinen adäquaten Zugang zu diesen Dienstleistungen: Für mindestens 3 Mrd. Menschen ist die Wasserqualität wegen mangelnder Überwachung ungewiss (UN, 2022). Eine Gefährdung durch pathogene Mikroorganismen im Trinkwasser betrifft immer noch 2 Mrd. Menschen weltweit. Neben den Wirkungen vor Ort kann es über den Handel mit Gütern, für deren Herstellung Wasser benötigt wird, auch zu Fernwirkungen (Telecoupling) kommen. Das zur Herstellung von Gütern benötigte und das in den Gütern enthaltene Wasser lassen sich als virtuelle Wasserströme über den Globus verfolgen. Etwa 65– 90 % der weltweiten Ströme virtuellen Wassers stammen aus dem Handel mit Agrarprodukten, gefolgt mit deutlichem Abstand von der Industrie und dem Energiesektor. Besonders Länder mit hohen Agrarexporten führen somit indirekt das eigene Wasser aus. Wasser wird vielerorts verschwendet, übernutzt und ungerecht verteilt. Nutzungsmuster sind durch politische Rahmenbedingungen und die existierende Wasserinfrastruktur geprägt – dabei gibt es starke Pfadabhängigkeiten, die Kurskorrekturen und substanzielle Veränderungen erschweren. Künftige Verschärfungen wasserbezogener Probleme Menschheit, Ökosysteme und der Planet bewegen sich in eine Zukunft, in der die für Mensch und Natur verfügbaren Wassermengen und Wasserqualitäten einem zunehmenden Wandel unterliegen. Insbesondere durch den Klimawandel ist die Annahme von Stationarität nicht mehr tragfähig. Klimawandel und Verschmutzung Der Klimawandel intensiviert den globalen Wasserkreislauf: Die Verdunstung von Wasser aus der Tier und Pflanzenwelt sowie von Boden und Wasseroberflächen steigt, wie auch die in der Luft gespeicherte Menge an Wasser – pro 1 °C Erwärmung kann die Luft 7 % mehr Wasser speichern. In der Folge sind mehr und stärkere Niederschlagsereignisse möglich. Die fortschreitende Erwärmung treibt globale und regionale Veränderungen von Niederschlag und Verdunstung voran, verschiebt das Gleichgewicht von gefrorenem zu flüssigem Wasser, erhöht den Wassergehalt in der Atmosphäre und führt zu einer Zunahme von Extrem ereignissen wie Überflutungen oder Dürren. Eine Milliarde Menschen leben derzeit küstennah und sind direkt vom zunehmenden Meeresspiegelanstieg und ist gefordert, Erfahrungswissen durch Projektionen zukünftiger Veränderungen und ihrer Unsicherheiten zu ergänzen. Gleichzeitig müssen innovative Ansätze für den Umgang mit großskaligen und disruptiven Änderungen der Wasserverfügbarkeit und zunehmenden Extremereignissen entwickelt und wissenschaftlich begleitet werden. Entscheidungsabläufe können dafür durch die Bereitstellung von Echtzeitdaten und Prognosen beschleunigt werden. Eine nachhaltige WasserZukunft setzt voraus, dass Ziele und Verantwortung nicht allein vom Staat getragen werden, sondern ebenso von Wirtschaft und Gesellschaft. Der Staat muss dafür die Voraussetzungen schaffen und einen politischen und regulierenden Rahmen setzen, der selbstorganisierte Strukturen fördert und eine Bildungsoffensive für einen verantwortlichen Umgang mit Wasser unterstützt. Wasser als wertvolle Ressource sollte konsequent und sozial ausgewogen bepreist werden, um weltweit eine effiziente und nachhaltige Nutzung zu fördern. Es ist daher von höchster Dringlichkeit, das Thema Wasser höher auf der internationalen Agenda zu verankern. Das derzeitige starke Momentum durch die UNWasserkonferenzen 2023, 2026 und 2028 sollte von den Regierungen genutzt werden, um weltweit durch umfassende Vorsorge einen ausreichenden Abstand zu den Grenzen der Beherrschbarkeit einzuhalten. Kurzfristig sollten effektive Strategien für ein resilientes Wassermanagement entwickelt werden, die mittelfristig die weltweite Kooperation stärken und langfristig in ein von der Staatengemeinschaft getragenes Wasserabkommen münden. Die internationale Wasserpolitik muss sich auf die fortschreitenden und beschleunigten Änderungen im globalen Wasserkreislauf einstellen. Dazu sollte Wasser als Querschnittsthema in vielen Foren mit bedacht werden, braucht aber auch einen eigenen Prozess und politische Aufmerksamkeit. Der WBGU empfiehlt, bis 2030 eine Internationale Wasserstrategie zu erarbeiten. Ziele und Maßnahmen der Strategie sollten auch in zwischenstaatliche Wirtschafts und Handelsbeziehungen einfließen, um Synergien zwischen dem Schutz der Wasserressourcen sowie der Unterstützung von klimaneutraler Entwicklung und Ernährungssicherheit zu ermöglichen. Die Strategie sollte langfristig zu einem eigenen internationalen Abkommen für Wasser – vergleichbar den RioKonventionen – weiterentwickelt werden. Kasten 1 zeigt die Kernbotschaften des WBGU im Überblick. Kernbotschaften > Abstand zu den Grenzen der Beherrschbarkeit wahren > Regionale Wassernotlagen mit planetarer Dimension antizipieren und abwenden > Klimaresilientes Wassermanagement umsetzen und naturnahe Wasserqualität erhalten > Integrierte Klima- und Biodiversitäts- und Sozialpolitik sind effektive Wasserpolitik > Transformatives WasserWissen: Vorausschauende und begleitende Wissenschaft praktizieren > Mit der Gesellschaft, nicht gegen sie: der gestaltende Staat und die selbstorganisierte Gesellschaft in der Verantwortung > International Verantwortung übernehmen – Internationale Wasserstrategie entwickeln > Nationale Wasserstrategie in den internationalen Diskurs zu Wasser einbringen Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/1260– 3 – entsprechend höher auflaufenden Sturmfluten betroffen (IPCC, 2019a). Im globalen Mittel nehmen die Niederschläge zu; jede weitere globale Erwärmung um 1 °C erhöht den mittleren Niederschlag weltweit um 1–3 %, wobei sich regional das Ausmaß und die Richtung der Änderungen und damit auch ihre Wirkungen stark unterscheiden. Im Vergleich zum Zeitraum 1995–2014 könnte die Niederschlagsmenge bis Ende des Jahrhunderts um bis zu 13 % ansteigen. Da die Erwärmung zugleich auch zu einer potenziell höheren Verdunstung führt, ergeben sich regional unterschiedliche Auswirkungen auf das insgesamt verfügbare Wasser. Die Bodenfeuchte und damit das grüne Wasser wird in vielen Regionen verstärkt abnehmen – bei einer globalen Erwärmung um 4 °C könnte dies z. B. in Amazonien, dem südlichen Afrika und Westeuropa eine Minderung von bis zu 40 % bedeuten – in anderen Regionen wird sie weiter zunehmen. Als Reaktion auf den Klimawandel werden die Grundwasserentnahmen z. B. für Bewässerung voraussichtlich ansteigen und könnten die nicht erneuerbaren Grundwasseranteile weltweit erschöpfen. Die Kombination aus weiter steigenden Temperaturen, veränderten Niederschlagsmustern, zurückweichenden Gletschern und einer reduzierten Schneedecke führt dazu, dass die mittleren Abflussmengen mit fortschreitender globaler Erwärmung zunehmen, jedoch mit regional unterschiedlichen Ausprägungen. Zunehmende Abflussmengen werden insbesondere für die nördlichen hohen Breiten grade sowie Regionen in Zentral und Ostafrika vorhergesagt, während Abnahmen im Mittelmeerraum sowie in Teilen Mittel und Südamerikas insbesondere in den Sommermonaten zu erheblichen Verknappungen blauen Wassers führen werden (Douville et al., 2021). Auch die Wasserqualität wird zukünftig weiter abnehmen, sofern die Einleitungen unzureichend geklärter Abwässer – aktuell betrifft dies etwa 80 % der weltweiten Abwässer – und damit von Krankheitserregern, schwer abbaubaren Chemikalien, Nährstoffen und festen Abfällen fortgesetzt werden. Dadurch werden Grundwasser, viele Süßgewässer, Küstenzonen und Meere für Tiere und Pflanzen zum Teil durch Sauerstoffmangel und Giftblüten unbewohnbar (dead zones); die Selbstreinigungskraft der Gewässer geht verloren. Durch moderne, neu entwickelte Stoffe sowie durch Stoffgemische und möglicherweise Wechselwirkungen mit z. B. sie umgebenden Mikroorganismen steigt die Komplexität der Verschmutzung (EEA, 2022). Die Langzeitrisiken sind noch unbekannt und Gegenstand der aktuellen Forschung. Mikro und Nanoplastik beispielsweise können als Vektor für zusätzliche schädliche Kontaminanten mit potenziell schweren Folgen für Umwelt und Gesundheit wirken. In einem Zukunftsszenario ohne Gegenmaßnahmen ist global bis zum Jahr 2060 eine Verdopplung des in die Umwelt eingebrachten Plastiks und somit auch des Mikro und Nanoplastiks auf 44 Mio. t pro Jahr zu erwarten (OECD, 2022b). Der Klimawandel verschärft die Situation zusätzlich: In Dürreperioden kann z. B. die Konzentration von Schadstoffen in Oberflächengewässern nicht mehr ausreichend verdünnt werden. Durch Überschwemmungen und das Abschmelzen von Schnee und Eis werden Schadstoffe mobilisiert und damit bioverfügbar. Steigende Wassertemperaturen während Hitze wellen beeinflussen die physikalischen, chemischen und biologischen Prozesse in Oberflächengewässern, die sich auf die Konzentration und die chemischen Eigenschaften transportierter Stoffe auswirken können. Insgesamt resultiert daraus zusammen mit dem ungebremsten Klimawandel eine extreme, kaum kontrollierbare Belastungssituation für die globalen Wasserressourcen. Die Kapazität zur Anpassung nimmt mit fortschreitendem Klimawandel kontinuierlich ab – dies betrifft die Menschen, ihre technologischen und institutionellen Systeme sowie auch die der Natur (IPCC, 2022a). Um Anpassungsfähigkeit weitgehend zu erhalten, ist es nach dem Vorsorgeprinzip alternativlos, den Klimawandel bei 1,5 °C globaler Erwärmung zu begrenzen und langfristig – sofern möglich – sogar rückgängig zu machen. Dies erfordert die Beendigung anthropogener CO2 Emissionen und die starke Minderung der Emissionen anderer Treibhausgase sowie die Entfernung von CO2 aus der Atmosphäre. Sozioökonomische und geopolitische Entwicklungen Künftig wird ohne wirksame Gegenmaßnahmen je nach Region die Wassernutzung und damit die Gefahr der Übernutzung weiter wachsen. Die UNESCO (2023) schätzt, dass die globale Wassernachfrage jährlich um ca. 1 % steigen und damit bis 2050 um 20–30 % zunehmen wird. Allerdings beträgt die Fehlerspanne für diese Berechnung mehr als 50 %. Ein Großteil des erwarteten Anstiegs der Nachfrage entfällt auf Länder niedrigen und mittleren Einkommens, insbesondere Schwellenländer. Nachfragesteigerungen in den Kommunen und Haushalten sind am stärksten in solchen Regionen, in denen die Wasserver und entsorgung ausgeweitet wird. Zunahmen in der industriellen Wassernachfrage gehen in der Regel mit fortschreitender Industrialisierung einher, und können durch Effizienzverbesserungen in der Wassernutzung auch wieder sinken. Die Wassernachfrage in der Landwirtschaft ist vor allem durch die Bewässerung getrieben. Je nach zugrundeliegenden Annahmen über sozioökonomische, technische und klimatische Entwicklungen variieren Projektionen zur Entwicklung des Wasserbedarfs erheblich. Der IPCC schätzt, dass der Wasserbe darf für Bewässerung bis zum Ende des Jahrhun derts auf das Doppelte bis Dreifache zunehmen könnte (Caretta et al., 2022). Drucksache 21/1260 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode – 4 – Projektionen zeigen, dass steigende Bewässerungsbedarfe neben erhöhter Verdunstung infolge des Klimawandels zur zunehmenden Erschöpfung von Grundwasservorkommen bis zum Ende des Jahrhunderts beitragen. Globale geopolitische und gesellschaftliche Entwicklungen kommen verschärfend hinzu. Mangelnde Wasserverfügbarkeit und Extremereignisse wie Dürren oder Überschwemmungen können Wachstum, Entwicklung und Armutsbekämpfung behindern. Multidimensionale Armut und soziale Ungleichheiten sowie Autokratisierungsund Polarisierungsprozesse schwächen gesellschaftlichen Zusammenhalt, befördern die Fragmentierung von Governancesystemen und mindern gesellschaftliche Widerstandsfähigkeit gegenüber wasserbezogenen Krisen wie Dürren und Überschwemmungen. Das Management von Wasser ist häufig eine Aufgabe, die politische Grenzen überschreitet, und wird daher ebenso wie wasserbezogene multilaterale Verhandlungen durch die gegenwärtigen geopolitischen Spannungen erschwert. Wasserkrisen gehen zudem häufig nicht auf fehlende Verfügbarkeit, sondern auf ungleiche Verteilung zurück. Klimatisch und ökologisch bedingte Verfügbarkeiten der Ressource und Verteilungsdefizite verstärken sich gegenseitig. Gesundheitsschäden bei Arten, Ökosystemen und Menschen Die zunehmende Klimakrise und Verschmutzung und ihre Auswirkungen auf hydrologische Prozesse und nicht zuletzt auf die Biodiversität werden direkte und indirekte Folgen für die menschliche Gesundheit sowie für die Gesundheit anderer Organismen haben. Dies hat Auswirkungen auf die Funktionalität und Artenzusammensetzung der Ökosysteme. Die Verfügbarkeit von Wasser ist grundlegend für Pflanzenwachstum – und damit für das Funktionieren von Ökosystemen wie Wäldern oder Graslandschaften. Umgekehrt sind gesunde Ökosysteme wesentlich für eine lokal stabile Süßwasserverfügbarkeit und qualität. Wasser hat somit nicht nur eine Bedeutung für Biodiversität, sondern Biodiversität auch für Wasser. Auch die Lebensbedingungen des Menschen können sich im Zusammenwirken der Klimafaktoren so ungünstig verändern, dass Lebensunterhalt und Ernährung vor Ort nicht mehr gewährleistet sind. Dabei sind Verän derungen der Wasserqualität und quantität und der damit verbundene Mangel an gesundheitlich unbedenklichem Wasser nur ein Teil der Bedrohungslage. Wasserknappheit, Verschmutzung und Überschwemmungen wirken sowohl direkt als auch indirekt auf den Menschen. Sie können den dauerhaften Verlust der gesundheitlichen Unversehrtheit und einer hohen Anzahl an Menschenleben zur Folge haben. Auch soziale Gefüge und Gesundheitseinrichtungen können verloren gehen. Durch unregelmäßige bzw. unzureichende Wasserversorgung wer den nicht nur die Vitalität des Einzelnen und seine Leistungen in der Gesellschaft beeinträchtigt, sondern schließlich auch die Leistungsfähigkeit der Gesellschaft insgesamt, mit entsprechenden wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Konsequenzen. Die sich abzeichnenden globalen Verschärfungen und ihr Zusammenwirken führen dazu, dass Notlagen entstehen können, die kaum noch durch den Menschen beherrschbar sind. Beispiele regionaler Wassernotlagen, die sich so oder ähnlich auch in anderen Weltregionen ereignen können, sind in Kasten 2 illustriert. Abstand zu Grenzen der Beherrschbarkeit sichern Bei Wassernotlagen können Grenzen der Beherrschbarkeit erreicht werden, jenseits derer sich gesellschaftliche Strukturen und Ökosysteme destabilisieren: Menschen und Ökosystemen der betroffenen Region werden die Lebensgrundlagen entzogen (Kasten 2). Angesichts der prognostizierten klimatischen, ökologischen, sozioökonomischen und geopolitischen Entwicklungen ist zu erwarten, dass derartige Grenzzustände und regionale Wassernotlagen weltweit immer häufiger erreicht werden. Um einen sicheren Abstand zu Grenzen der Beherrschbarkeit zu halten, sind Maßnahmen auf globaler und lokaler bzw. regionaler Ebene erforderlich (Abb. 2): Erstens müssen Verschärfungen in Grenzen gehalten werden, die als globale Treiber direkt auf den globalen Wasserhaushalt wirken: Dafür ist eine ambitionierte Klimapolitik einschließlich der Einhaltung der Ziele des Pariser Übereinkommens Voraussetzung, denn nur so können die Änderungen des globalen und lokalen Wasserhaushalts durch den Klimawandel begrenzt werden. Ebenso zentral ist die Umsetzung des Kunming Montreal Global Biodiversity Framework, um die elementare Rolle der Natur im globalen Wasserhaushalt zu schützen. Je früher gehandelt wird, desto mehr Handlungsoptionen bestehen. Zweitens müssen regionale Wassernotlagen mög lichst vermieden werden. Gelingt es nicht, die Verschärfungen wasserbezogener Probleme einzuhegen, steigt die Wahrscheinlichkeit des Auftretens regionaler Wassernot lagen Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/1260– 5 – Kasten 2 Regionale Wassernotlagen mit planetarer Dimension Dürren und Extremniederschläge werden klimawandelbedingt weltweit zunehmen. Mit dem Abschmelzen von Gletschern wird sich vielerorts das Wasserdargebot massiv verändern. Hinzu kommen die Degradation und Zerstörung von Ökosystemen, die wertvolle Wasserspeicherung unterstützen, z. B. in Form von grünem Wasser. In einigen Weltregionen wird zudem die Wasserverschmutzung deutlich zunehmen. Diese Verschärfungen wasserbezogener Probleme können sich gegenseitig verstärken und mittel und langfristig zu regionalen Wassernotlagen mit planetarer Dimension zuspitzen. Das Ausmaß und die Dynamik dieser Wassernotlagen können bisher beherrschbare Risiken überschreiten. Der WBGU beschreibt hier exemplarisch fünf regionale Wassernotlagen, deren Muster sich auch in anderen Weltregionen wiederfinden. Wasserknappheit in Städten In den letzten 20 Jahren waren weltweit über 80 Metropolen bzw. Metropolregionen von schwerem Wassermangel betroffen (Rusca et al., 2023). Die Zahl der Berichte über Städte, denen das Wasser auszugehen droht, steigt. 2016 haben über 30 % der urbanen Bevölkerung in Gebieten mit Wasserknappheit gelebt. Mangel an Oberflächenwasser, Bodenversiegelung, Grundwasserübernutzung sowie der Anstieg des Wasserbedarfs durch (rasche) Verstädterung und steigenden ProKopfBedarf sind die Haupttreiber für urbanen Wassermangel. Leckagen in der Wasserinfrastruktur und Missmanagement verstärken die Wasserknappheit. Die Zahl der Menschen, die weltweit in Städten mit Wasserknappheit leben, könnte von mehr als 933 Mio. im Jahr 2016 auf 1,6–2,3 Mrd. Menschen im Jahr 2050 ansteigen; das wäre ein Drittel bis fast die Hälfte der globalen Stadtbevölkerung (He et al., 2021). Die Megacity São Paulo (Brasilien) erlebte 2014–2016 eine gravierende Wasserknappheit, Chennai (Indien) war 2019 als eine der niederschlagreichsten Megastädte der Welt von der massivsten Wasserknappheit seit 30 Jahren betroffen. Barcelona, Kapstadt, Bogotá, Montevideo und MexikoStadt sind weitere Beispiele für Städte, in denen in jüngster Vergangenheit der Wassernotstand ausgerufen werden musste. Zunahme von Dürren und Sturzfluten in der MENA-Region Die MENARegion (Mittlerer Osten, Nordafrika) wird im globalen Vergleich mit am stärksten von den negativen Auswirkungen des Klimawandels betroffen sein (Hajat et al., 2023). Im Zeitraum von 2007–2018 ist die Verfügbarkeit von erneuerbarem Süßwasser pro Kopf in der Region um etwa 24 % gesunken (SIWI und UNICEF, 2023). Veränderte Niederschlagsmuster, zunehmende Trockenheit und Dürren, Starkregenereignisse und Sturzfluten sowie vor allem Übernutzung, begleitet von großen Governanceherausforderungen bei der gerechten Verteilung der wenigen verfügbaren Süßwasserressourcen, führen in der Region bereits heute zu Wasserknappheit und ungleicher Wasserverfügbarkeit für Mensch und Umwelt. Projektionen deuten darauf hin, dass in der MENARegion zukünftig MENA-Region São Paulo Chennai Hindukusch-Karakorum- Himalaya Central Valley Subsahara-Afrika Abbildung 1 Geographische Lage der im Gutachten behandelten regionalen Wassernotlagen mit planetarer Dimension. Quelle: WBGU > 933 Mio. Menschen sind heute in Städten von Wasserknappheit betroffen 30–50 % der Weltbevölkerung werden es 2050 sein um 80 % wächst die urbane Wassernachfrage bis 2050 6 % der Weltbevölkerung leben in der MENA-Region nur 1 % der globalen Süßwasservorräte ist dort verfügbar um 24 % sank die Pro-Kopf–Verfügbarkeit von erneuerbarem Süßwasser 2007–2018 Drucksache 21/1260 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode – 6 – ein deutlich extremeres Klima zu erwarten ist. Hitzeextreme, mehr Trockenheit, länger anhaltende Dürren und mehr Starkregenereignisse werden gemeinsam mit dem zunehmenden Nutzungsdruck die Wasserknappheit in der Region zukünftig weiter ansteigen lassen, mit negativen Auswirkungen für Mensch und Natur. Dieser Trend ist auch ein globales Muster: In den Jahren 2022 und 2023 wurde in 22 Ländern weltweit der Dürrenotstand ausgerufen (UNCCD, 2023). Gletscherschmelze in der Gebirgskette Hindukusch- Karakorum-Himalaya: Verlust natürlicher Wasserspeicher Neben den Polen sind die Gletscher der Hindukusch KarakorumHimalayaGebirgskette die größten gefrorenen Süßwasserspeicher der Erde. Die Flussbecken der Region versorgen fast 2 Mrd. Menschen mit Wasser, also ein Viertel der Weltbevölkerung. Bis 2100 wird auch ohne eine weitere Erwärmung ein Verlust von mehr als 20 % der Eismasse und vergletscherten Fläche in der Gebirgskette projiziert, je nach Klimaszenario steigt dieser Anteil auf bis zu 65 %. Bereits heute leiden fast 200 Mio. Menschen in der Region an Wasserstress (Nie et al., 2021) und es ist damit zu rechnen, dass sich die Lage bis Ende des Jahrhunderts weiter zuspitzen wird. Ein vermindertes Wasserdargebot, insbesondere in Flussbecken wie dem Indus, die zu hohen Anteilen von Schmelzwasser gespeist sind, trifft auf einen steigenden Wasserbedarf. Diese Entwicklung birgt ein erhebliches Destabilisierungspotenzial: z. B. kann erhöhter Wasserstress für Menschen und Ökosysteme zu gesellschaftlichen und geopolitischen Konflikten führen, zunehmende Naturgefahren eine Bedrohung für Menschenleben und Infrastruktur darstellen und verminderte Abflüsse in den Sommermonaten nicht nur die regionale, sondern auch die globale Lebensmittelproduktion beeinträchtigen. Aus der Region stammen 61 % der globalen Reisernte, 41 % der globalen Kartoffelproduktion und 24 % der globalen Maisernte (Hu und Tan, 2018). Abschmelzende Gletscher bergen auch in anderen Regionen der Welt wasserbezogene Gefahren; besonders betroffen sind z. B. die südlichen Anden, Westkanada und die westlichen USA (insbesondere Alaska) oder die Alpen. Wasserverschmutzung in Subsahara-Afrika Global könnte sich die Zahl der Menschen, die von Wasserverschmutzung durch organische Verbindungen betroffenen sind, von heute 2,7 Mrd. auf bis zu 4,2 Mrd. Menschen zum Ende des Jahrhunderts erhöhen. Für die Belastung durch pathogene Mikro organismen, Salze und Nährstoffe werden ähnliche Muster prognostiziert (Jones et al., 2023). Dies betrifft besonders SubsaharaAfrika: Bis Ende des Jahrhunderts werden voraussichtlich 25 % aller Menschen in Afrika leben, aber 38 % der weltweit von Wasserverschmutzung durch organische Verbindungen betroffenen Menschen. Pathogene Mikroorganismen stellen eine direkte Gefahr für die menschliche Gesundheit dar, organische Kohlenstoffverbindungen fördern in Oberflächengewässern mikrobielles Wachstum und Sauerstoffzehrung, die zu Fischsterben führen. Nährstoffe wie Stickstoff und Phosphor verursachen Eutrophierung, Algenblüten und den Verlust von Habitaten und Biodiversität. Neben SubsaharaAfrika zeichnen sich auch in Zentral und Nordwestmexiko, in Nordindien sowie in Ostchina globale Schwerpunkte der Wasserverschmutzung ab. Übernutzung des Grundwassers und Klimawandel im Central Valley (USA) Das Risiko lokaler Wasserengpässe hat sich in den letzten Jahrzehnten im Central Valley durch eine steigende Nachfrage und den Klimawandel deutlich zugespitzt. Im mehrjährigen Mittel überstieg der Grundwasserverlust die Rate der Neubildung. In der Folge erlitten 2018–2023 mehr als 75 % der Brunnen eine Grundwasserspiegelabsenkung um mehr als 1,5 m (CNRA, 2023). Die Aufrechterhaltung der Trinkwasserversorgung gestaltet sich angesichts hoher Verbräuche und häufigerer Trockenperioden als immer herausfordernder. Eine Entspannung der Lage ist nicht abzusehen. Das Central Valley ist als grundwasserabhängige und semiaride Region weltweit jedoch nicht die einzige, in der sich lokal eine Erschöpfung der erneuerbaren Grundwasserressourcen mit weitreichenden Folgen für Mensch und Natur abzeichnet. Auch der Nordosten Chinas (HaiHeBecken und Aquifer der Nordchinesischen Ebene), der Norden Indiens (GangesBrahmaputraAquifer), der Nordosten Südamerikas (SãoFranciscoBecken), der Südwesten und Süden der USA (Central und South High Plains), Osteuropa (Don und DneprBecken) oder der Nahe Osten (Arabische Halbinsel, Iran) geraten durch jahrelange intensive Bewirtschaftung und die Folgen der Erderwärmung an die Grenzen ihrer natürlichen Belastbarkeit. 2 Mrd. Menschen beziehen Wasser aus den Flussbecken der Region 200 Mio. Menschen leiden bereits unter erhöhtem Wasserstress 20 % bis 65 % Gletscherverlust je nach Klimaszenario 2,7 Mrd. Menschen sind heute von organischer Wasserverschmutzung betroffen auf 4,2 Mrd. könnte ihre Zahl bis 2100 ansteigen 38 % der von organischer Wasserverschmutzung betroffenen Weltbevölkerung wird 2100 in Subsahara-Afrika leben 25 % der Obst- und Nussproduktion der USA stammen aus dem Central Valley 10 % sind die erwarteten Wasserverluste in der Region bis 2030 75 % der Brunnen erlitten eine Grundwasserabsenkung um 1,5 m (2018–2023) Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/1260– 7 – mit planetarer Dimension. Zu ihrer Abwehr bedarf es trans formativer Anpassungsmaßnahmen und eines klima resilienten, sozial ausgewogenen Wassermanagements mit transformativer Eingriffstiefe, da bisherige (inkrementelle) Anpassungsmaßnahmen nicht mehr ausreichen werden. Konkret bedeutet dies die Bereitschaft zu radikaler Umsteuerung, insbesondere durch die Gestaltung eines Strukturwandels, etwa in der Landnutzungs, Industrie, Siedlungs und Infrastrukturpolitik – national wie im Rahmen internationaler Zusammenarbeit. Da ein sicherer Abstand zu Grenzen der Beherrschbarkeit nicht immer eingehalten werden kann, müssen gefährdete Regionen frühzeitig einen Plan B vorbereiten. Helfen auch transformative Maßnahmen nicht mehr weiter, ist gegebenenfalls ein geordneter rechtzeitiger Rückzug die letzte Gestaltungsoption. Dort, wo Grenzen der Beherrschbarkeit überschritten werden, reduzieren sich Handlungsmöglichkeiten akut auf ein reaktives Krisen und Katastrophenmanagement, das den Rückzug begleitet. Welche Risiken als intolerabel eingeschätzt werden und welche Anpassungspfade im Einzelnen beschritten werden sollten, ist dabei auch Gegenstand gesellschaftlicher Aushandlungsprozesse. Handlungsprinzipien etablieren Der WBGU empfiehlt ein klimaresilientes, sozial ausgewogenes Wassermanagement mit den folgenden Handlungsprinzipien. > Wasser als Gemeinschaftsgut für Mensch und Natur sicherstellen: Wasser muss als globales, Leben spendendes Gemeinschaftsgut nach den Bedürfnissen aller Menschen und der Natur verteilt und gespeichert werden. Naturbasierte, technische und institutionelle Lösungen für die Sicherstellung einer resilienten Wasserversorgung bei einwandfreier Wasserqualität müssen die Multifunktionalität für Mensch und Ökosysteme berücksichtigen und diese ausbalancieren. Handlungsspielräume schwinden Ze it Ze it Handlungsspielräume werden erhalten Handlungsspielräume HANDLUNGSSPIELRÄUME verminderte Verschärfungen transformative Anpassung wenig Anpassung ungebremste Verschärfungen Jenseits der Grenzen der Beherrschbarkeit Jenseits der Grenzen der Beherrschbarkeit Handlungsspielräume regional spezifische Anpassungsgrenzen hohe Vulnerabilität, hohe Schadenspotenziale hohe Resilienz regional spezifische A npassungsgrenzen Abbildung 2 WBGUKonzept zu Grenzen der Beherrschbarkeit. Durch ungebremste Verschärfungen bei Wasserdargebot, verteilung und Extremereignissen sowie zu geringe Anpassung besteht die Gefahr, dass regionale Wassernotlagen entstehen und Grenzen der Beherrschbarkeit überschritten werden. Jenseits dieser Grenzen, die sich regional unterscheiden können, sind die Risiken intolerabel hoch (roter Bereich). Welche Risiken als intolerabel eingeschätzt werden und welche Anpassungspfade im Einzelnen beschritten werden sollten, ist dabei auch Gegenstand gesellschaftlicher Aushandlungsprozesse. Links: Werden nur geringe Anpassungsmaßnahmen vorgenommen, schwinden Handlungsspielräume (grüner Bereich). Wasserbezogene Verschärfungen durch zunehmenden Klimawandel, Ökosystemdegradation und Verschmutzung sowie sozioökonomische und geopolitische Entwicklungen können ihre ganze Wucht entfalten. Vulnerabilität und Schadenpotenziale nehmen zu, im Zeitverlauf steigt die Gefahr, Grenzen der Beherrschbarkeit zu überschreiten. Rechts: Transformative Vorsorge steigert die Resilienz und vermindert die Auswirkungen wasserbezogener Verschärfungen, gleichzeitig werden die Verschärfungen selbst in Grenzen gehalten. Handlungsspielräume (grüner Bereich) werden auch längerfristig erhalten. Quelle: WBGU Drucksache 21/1260 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode – 8 – > Anpassungsfähigkeit angesichts fortlaufender Veränderungen steigern: Systeme zur Bereitstellung und Nutzung von Wasser sollten angesichts bisher ungekannter Schwankungen und nicht genau prognostizierbarer, fortlaufender Veränderungen resilient erhalten und wissenschaftsbasiert neu aufeinander abgestimmt werden. Verwaltungen, Betreiber und Nutzer müssen sich auf eine hohe Dynamik einstellen. Dafür müssen Strukturen sowie Planungs und Entscheidungsprozesse akteursübergreifend, anpassungsfähig und korrigierbar gestaltet sein. > Resilienz und Risikovorsorge statt Gefahrenabwehr: Für die Sicherung einer klimaresilienten Wasserinfrastruktur und Wasserqualität muss das Vorsorgeprinzip konsequent angewendet werden. Risikovorsorge und Risikominimierung statt Gefahrenabwehr sollten Grundlage von Planungsprozessen und Entscheidungen im gesamten Wassersektor und davon beeinflussten Sektoren sein. > Blaues und grünes Wasser sektorübergreifend bewirtschaften: Blaues und grünes Wasser müssen bei regionalen und lokalen Lösungsansätzen gemeinsam und sektorübergreifend berücksichtigt und bewirtschaftet werden. Beide besitzen strategische, geopolitische Relevanz: Neben Flusseinzugsgebieten müssen auch grenzüberschreitende Verdunstungsund Niederschlagsmuster berücksichtigt werden. Kohärenz zwischen Politikebenen und feldern ist hierfür Voraussetzung. > Wissenschaftsbasierten Diskurs über Probleme und Handlungsoptionen ermöglichen: Der WBGU empfiehlt, einen wissenschaftsbasierten Diskurs über Strategieentwicklung und Handlungsoptionen bei Unsicherheiten zu initiieren und Bedenken von Bürger:innen und Stakeholdern zu berücksichtigen. Dazu müssen Ausmaß und Dynamiken von Verschärfungen wasserbezogener Probleme und daraus resultierende regionale Wassernotlagen mit planetarer Dimension identifiziert, verstanden und Handlungsoptionen erforscht werden. Wissenschaft sollte die Politik kontinuierlich informieren und eine beratende Rolle einnehmen, z. B. durch ein wissenschaftliches Monitoring eingesetzter Instrumente. Politische und gesellschaftliche Teilhabe, Bildung und Kooperation sollten gefördert werden. > Wasser wertschätzen und Wasserwert schätzen: Die Politik, öffentliche Institutionen, Unternehmen und Finanzmärkte sollten den Wert von Wasser und den systemischen Charakter von Wasserrisiken in ihren Entscheidungen erfassen und integrieren. Wirtschaftliche Entscheidungen müssen mit den langfristigen Zielen eines nachhaltigen Wassermanagements kompatibel sein. > Umsetzung beschleunigen – Selbstorganisation fordern und fördern: Der regulatorische Rahmen und alle Instrumente des Wassermanagements müssen eine beschleunigte Umsetzung ermöglichen und informelle, dezentrale Governancestrukturen einbinden, wo dies sinnvoll ist. Insbesondere bedarf es der Einbindung und Ertüchtigung nichtstaatlicher, selbstorganisierter Akteure. Klimaresilientes Wassermanagement Übernutzung von Wasserressourcen, ungleiche Verteilung, Verlust von Ökosystemleistungen sowie wasserbedingte Gesundheitsrisiken sind vielerorts durch ein fehlgeleitetes und ineffektives Wassermanagement mitverursacht. Managementansätze, die auf eine Überwindung von Missständen und Fehlstellen abzielen, wie der etablierte IntegratedWaterResources ManagementAnsatz (IWRM), werden den Anforderungen durch den Klimawandel bisher nicht hinreichend gerecht. Die im folgenden skizzierten Grundzüge eines klimaresilienten, sozial ausgewogenen Wassermanagements, das auf den oben ausgeführten Handlungsprinzipien basiert, sollen Impulse für die Weiterentwicklung bestehender Managementansätze (IWRM, WaterEnergyFoodEcosystem Nexus, adaptives Wassermanagement) und für die stärkere Umsetzung transformativer Anpassung im Wassersektor setzen. Wassermanagement anpassungsfähig und resilient gestalten Der WBGU empfiehlt, eine neue Herangehensweise im Wassermanagement zu etablieren, die darauf abzielt, mit Unsicherheit zu leben, aber auch, Unsicherheit zu mindern. Ein flächendeckend etabliertes klimaresilientes, sozial ausgewogenes Wassermanagement sollte lokale, regionale und globale Wasserkreisläufe vorausschauend bewirtschaften und die verschiedenen Funktionen von Wasser für Menschen und Ökosysteme langfristig erhalten. Um ein Handeln unter Unsicherheit zu ermöglichen, bedarf es transdisziplinärer und kollaborativer Lernund Entscheidungsprozesse über Sektoren und räumliche Skalen hinweg. Grundlage sind empirische Daten, Echtzeitinformationen und Zukunftsprojektionen unter verschiedenen Klimaszenarien zu Wasserdargeboten und bedarfen, wobei auch zunehmender Wasserbedarf im Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/1260– 9 – Zuge der Energiewende berücksichtigt werden muss. Dies erfordert eine Digitalisierungsoffensive. Bewirtschaftungsmethoden müssen auf dieser Grundlage konstant überwacht und gegebenenfalls kurzfristig angepasst werden. Dafür müssen Planungs und Entscheidungsprozesse im Wassermanagement korrigierbar und Infrastrukturmaßnahmen dezentraler und adaptiver gestaltet werden. Das Wassermanagement sollte zudem auf die Bewahrung, Stärkung und Wiederherstellung eines klimaresilienten Landschaftswasserhaushalts ausgerichtet sein. Da entsprechende Maßnahmen teilweise erst zeitverzögert wirken, ist es erforderlich, sie mit kurzfristig wirksamen Maßnahmen zu kombinieren, ohne unerwünschte Pfadabhängigkeiten zu erzeugen. In Anlehnung an den vom WBGU vorgeschlagenen integrierten Landschaftsansatz (WBGU, 2020) sollte ein integrierter Landschafts und Wasserhaushaltsansatz verfolgt werden, der den Schutz von Klima und Biodiversität, den Flächenbedarf zur Ernährungssicherung und die Stärkung natürlicher Puffer im Wasserhaushalt auf Flächen aller Nutzungsarten zusammendenkt. Das in Böden gespeicherte grüne Wasser muss unter Berücksichtigung der Auswirkungen des Klimawandels stärker in das Wassermanagement einbezogen werden. Klimaanpassung, Wassermanagement und Ökosystemschutz sollten besser verzahnt werden. Um eine stärkere Nutzung regulierender Ökosystemleistungen zur Stabilisierung des Wasserdargebots zu ermöglichen, sollte die Sicherstellung der Funktionen von Wasser für Ökosysteme eine zentrale Rolle im Wassermanagement spielen. Um die lokale Trinkwasserversorgung resilienter aufzu stellen, ist die Nutzung verschiedener unabhängiger blauer Wasserressourcen erforderlich, die redundant sind und sich gegenseitig ergänzen. Wo erforderlich und technisch möglich, empfiehlt sich auch die stärkere Nutzung alternativer Wasserressourcen wie entsalztes Meerwasser oder kommunale Kläranlagenabläufe, sofern nachteilige Konsequenzen, etwa für Ökosysteme und menschliche Gesundheit, vermieden werden können. Mehrfachnutzungen von Wasser verschiedener Qualitätsstufen sollten beim Bau von Wasserinfrastruktur und Gebäuden antizipiert werden. Flächendeckend sollten digitale Wasserinformationssysteme etabliert werden, die Entnahmen von Privathaushalten, öffentlichen Einrichtungen und der Industrie erfassen, damit die Bereitstellung durch den Versorger angepasst werden kann. Dabei sollte künftig auch künstliche Intelligenz zum Einsatz kommen, hierzu besteht jedoch noch Forschungsbedarf. Bei Großverbrauchern können dezentrale Wasserspeicher und Wasserwiederverwendung etabliert werden, die zu einer flexibleren Wasserentnahme beitragen. Um kurzfristig mit zunehmenden Extremereignissen umzugehen, sollte – kombiniert mit langfristig wirksamen Maßnahmen zur Wiederherstellung eines klimaresilienten Landschaftswasserhaushalts – ein breites Spektrum adaptiver, schnell wirksamer und ressourceneffizienter Maßnahmen zum Einsatz kommen, von rein technischen bis hin zu stärker naturbasierten Maßnahmen. Die Auswahl und Kombination der Maßnahmen sollten sich an den in Kasten 3 dargestellten Anforderungen orientieren. Zudem sollten Ansätze für Abwägungsprozesse unter Unsicherheit weiterentwickelt und in die Anwendung gebracht werden. In besonders durch Wassernotlagen gefährdeten Gebieten sollten transdisziplinäre Foren geschaffen werden, um die anstehenden Herausforderungen zu thematisieren und kollaborativ Anpassungsoptionen zu entwickeln. Um agile Anpassung von Politik Kasten 3 Anforderungen an Maßnahmen eines klimaresilienten Wassermanagements Der WBGU schlägt vier Anforderungen vor, die bei der Auswahl, Umsetzung und Entwicklung von Maßnahmen eines klimaresilienten, sozial ausgewogenen Wassermanagements zu beachten sind: Beurteilung der wasserbezogenen Wirksamkeit auf verschiedenen Zeitskalen: Die Wirksamkeit von Maßnahmen sollte zum einen im Hinblick auf spezifische wasserbezogene Ziele und zum anderen in jedem Fall bezüglich ihres Beitrags für die Wiederherstellung eines klimaresilienten Landschaftswasserhaushalt beurteilt werden. Vor dem Hintergrund der wasserbezogenen Verschärfungen müssen verschiedene Zeithorizonte, Unsicherheiten und Wirkungsverzögerungen sowie Anpassungsgrenzen beachtet werden. Analyse der Machbarkeit im jeweiligen Kontext: Die Machbarkeit von Maßnahmen sollte kontextspezifisch unter Berücksichtigung der Verfügbarkeit von Technologien, finanziellen Mitteln, institutionellen Kapazitäten, ihrer Akzeptanz sowie ihres Flächen und Ressourcenbedarfs beurteilt werden – auch im Hinblick auf ihren langfristigen Betrieb und ihre möglicherweise im Zeitverlauf nötige Anpassung. Stärkerer Fokus auf mögliche Mehrgewinne: Mögliche Mehrgewinne für Klima und Biodiversitätsschutz sowie Gesundheit, soziale und wirtschaftliche Vorteile von Maßnahmen sowie Effekte auf die Verringerung von Ungleichheiten sollten antizipiert, evaluiert und bei der Beurteilung von Maßnahmen berücksichtigt werden. Vermeidung nicht intendierter Konsequenzen: Um Fehlanpassung und weitere nicht intendierte wasserbezogene, ökologische, gesundheitliche, soziale und wirtschaftliche Konsequenzen zu vermeiden, sollten möglichst alle Auswirkungen von Maßnahmen durch einen systemischen und transdisziplinären Ansatz identifiziert, evaluiert und berücksichtigt werden. Drucksache 21/1260 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode – 10 – zu fördern, sollten mehr Forschungsvorhaben finanziert werden, die zeitnahe technische Anpassungsmaßnahmen und Politikmaßnahmen sowie deren (Wasser) Wirksamkeit überprüfen. Technische Anpassungsmaßnahmen, z. B. Planungsgrundlagen für Infrastrukturmaßnahmen wie das Auftreten eines 100jährlichen Hochwasserereignisses (HQ100), müssen angepasst werden. Lösungsraum Ökosysteme Für ein klimaresilientes Wassermanagement spielt die Renaturierung von Feuchtgebieten wie Sümpfen und Marschen, Fluss und Auenlandschaften oder Mooren sowie weiterer wasserrelevanter Ökosysteme wie Wälder eine wichtige Rolle. Seit der vorindustriellen Ära sind schätzungsweise mehr als 80 % der weltweiten Feuchtgebiete durch Landnutzungsänderungen und Entwässerung verloren gegangen und die verbleibenden Feuchtgebiete sind größtenteils degradiert (UNEP, 2021a). Renaturierungsmaßnahmen in Feuchtgebieten können den Rückhalt von Wasser in der Landschaft verbessern und damit die lokale Wasserverfügbarkeit für Mensch und Natur erhöhen, die Trinkwasserversorgung stabilisieren, zum Hochwasserschutz beitragen sowie Wasserqualität und Nährstoffspeicherung verbessern. Mehrgewinne umfassen z. B. die Bereitstellung von Lebensraum für eine diverse Flora und Fauna, die Verbesserung der Bodenqualität sowie Beiträge zum Lebensunterhalt und der Kultur lokaler Gemeinschaften. Die Wiedervernässung von Mooren ist außerdem für den Klimaschutz von großer Bedeutung. Ob die Renaturierung eines Feuchtgebiets machbar ist, hängt auch von der regionalen Verfügbarkeit von Wasser mit entsprechender Wasserqualität ab. Unbeabsichtigte Konsequenzen wie die Verbreitung invasiver Arten oder eine Veränderung des lokalen Wasserkreislaufs, die z. B. die Landwirtschaft beeinträchtigt, sollten einkalkuliert und vermieden werden. Der WBGU empfiehlt, die Renaturierung von Ökosystemen mit großer Bedeutung für den Wasserhaushalt auf allen politischen Ebenen voranzutreiben. Dies umfasst explizit wasserbezogene Aktivitäten innerhalb der UNDekade für die Wiederherstellung von Ökosystemen, der UNWasserdekade, der Agenda 2030 für Nachhaltigkeit, der RamsarKonvention, der EU Wasserrahmenrichtlinie, der EUVerordnung zur Wiederherstellung der Natur sowie der relevanten nationalen Strategien. Außerdem sollte das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz sowie verwandte relevante Strategien wie die Nationale Moorschutzstrategie langfristig gefördert und enthaltene Maßnahmen auch im Interesse eines klimaresilienten Wassermanagements zeitnah umgesetzt werden. Im Sinne eines integrierten Landschaftsansatzes (WBGU, 2020) ist es empfehlenswert, frühzeitig mit Landnutzer:innen, Anrainern zu renaturierender Flächen und weiteren Stakeholdern in Dialog zu treten. Dadurch können Konflikte vermieden, Mehrgewinne gesteigert und die gesellschaftliche Akzeptanz für die Renaturierung erhöht werden. Die Umsetzung der Maßnahmen sollte mit Blick auf die Multifunktionalität des gesamten Ökosystems (z. B. einer Fluss und Auenlandschaft) erfolgen und den Mosaikansatz in der Raumplanung berücksichtigen (WBGU, 2024). So können vielfältige Fluss und Auenlandschaften mit hoher Biodiversität entstehen, die diverse Funktionen wie Stabilisierung der Wasserpegel, Wasseraufbereitung, Grundwasserbildung und regenerierung, CO2Bindung, Bereitstellung von Lebensräumen oder Erholung erfüllen. Entlang des gesamten Flusssystems kann eine nachhaltige Nutzung u. a. für Schifffahrt, Fischerei, Tourismus und Trinkwasserversorgung ermöglicht und ein naturnahes, harmonisches Erscheinungsbild wiederhergestellt werden. Der Rückbau von Barrieren in Flussläufen sollte vorangetrieben werden, um die Konnektivität von Flussläufen wiederherzustellen und weitreichende ökologische und wasserbezogene Mehrgewinne zu ermöglichen. Es wird empfohlen, bei Renaturierungsmaßnahmen und Raumplanung die Möglichkeit der Entstehung neuer Ökosysteme einzubeziehen. Dies sollte zu einer Reflexion des gesetzlich geregelten „guten ökologischen Zustands“ (EUWasserrahmenrichtlinie) führen. Unter Umständen kann dies sogar eine Ergänzung unter Berücksichtigung von Renaturierung zur Steigerung der Resilienz von Ökosystemen bedeuten. Adaptives Management, das regelmäßiges Monitoring mit Hilfe wissenschaftlich erprobter Methoden und robuster Modellierungen mit einbezieht, kann helfen, die Prozesse der Renaturierung eines Ökosystems zu antizipieren und bei Bedarf rechtzeitig Folgemaßnahmen zu ergreifen. In der Forschung sollten die Perspektive der Wasserversorgung sowie der Schutz und die Wiederherstellung von Ökosystemen, insbesondere Süßwasserökosysteme, integriert bzw. stärker berücksichtigt werden, etwa in der Forschungsstrategie Zukunft und Innovation. Die Forschung zu Sumpf und Flusslandschaften sollte ausgebaut werden: Um unterschiedlichen Nutzungsansprüchen an Flussläufe und landschaften gerecht zu werden, braucht es verstärkt auch Forschung, die ihre vielfältigen Ökosystemleistungen abhängig von Renaturierungsmaßnahmen analysiert. Die Erkenntnisse sollten in eine multifunktionale Raumplanung einfließen. Langzeitstudien, Forschungs und Monitoringprojekte nehmen einen wichtigen Stellenwert ein und sollten gefördert werden: Beispiele sind Studien zu den vielfältigen Auswirkungen des Rückbaus von Dämmen sowie zum Vergleich zwischen dem Ausgangszustand, dem ökologischen Zustand nach Dammbau und nach Entfernung, oder zum Wassereintrag in Hochmooren. Forschungsbedarf besteht bei der Typisierung und Kartierung Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/1260– 11 – von Mooren, um Moore und ihren Beitrag zum Klimaschutz und zur Erhaltung spezifischer Biodiversität effektiv überwachen, schützen und renaturieren zu können. Auch sozialökologische Forschung sollte gestärkt werden: Zum Beispiel sollten die Leistungen von Ökosystemen sowie die Einflüsse von Management und Renaturierung umfassend untersucht und Methoden zur wirksamen Umsetzung des Integrierten Landschaftsansatzes für Ökosysteme mit großer Bedeutung für den Wasserhaushalt erforscht und bereitgestellt werden. Lösungsraum Landwirtschaft Klimaresilientes Wassermanagement in der Landwirtschaft bedeutet zum einen, Anbaukulturen und methoden anzupassen (und gegebenenfalls zu bewässern), um mit Schwankungen des Wasserdargebots und dem Klimawandel insgesamt umzugehen. Zum anderen beeinflussen landwirtschaftliche Praktiken ihrerseits auch den Wasserhaushalt bzw. das Wasserdargebot; die Landwirtschaft muss also zu einem klimaresilienten Landschaftswasserhaushalt beitragen. Ansätze zur Reduktion wasserbezogener Risiken sind vielfältig und lokalspezifisch, ihre Wirksamkeit nimmt mit zunehmendem Klimawandel ab und ist mit Unsicherheiten behaftet. Unter den in Betracht kommenden Ansätzen sind Maßnahmen zur Erhaltung der Bodenfeuchte sowie Agroforstwirtschaft auch noch bei stärkerer Erwärmung relativ wirksam. Oft werden einzelne Maßnahmen aber nicht mehr ausreichen, sondern Kombinationen nötig sein (Caretta et al., 2022). Der WBGU hat in seinem Gutachten „Landwende im Anthropozän: Von der Konkurrenz zur Integration“ umfangreiche Empfehlungen für eine ökologischnachhaltige Landwirtschaft und deren Einbettung in einen integrierten Landschaftsansatz gegeben (WBGU, 2020). Darüber hinaus werden die folgenden Empfehlungen zum klimaresilienten, sozial ausgewogenen Wassermanagement in der Landwirtschaft präsentiert: Erstens sollten Daten und Projektionen zu Wassernutzung und dargebot verbessert sowie mehr Wissen zu wasserbezogenen Anpassungsmaßnahmen in der Landwirtschaft bereitgestellt werden. Viele Maßnahmen liegen im Eigeninteresse und grundsätzlich auch im Einflussbereich des einzelnen landwirtschaftlichen Betriebs. Beratungs und Schulungsangebote oder regionale Unterstützungsteams sollten Landwirt:innen daher Wissen und Fähigkeiten für ein klimaresilientes Wassermanagement vermitteln und sie in dessen praxistaugliche Weiterentwicklung einbeziehen. Für die übergreifende Planung und Regulierung sollten Entnahme und Verbrauchsdaten möglichst in Echtzeit erhoben, Daten zum Wasserdargebot, Grundwasserkörpern usw. verbessert und gemeinsam mit entsprechenden Projektionen zur Verfügung gestellt werden. Dies sollte Teil einer breiteren Digitalisierungsoffensive für die Landwirtschaft sein. Es sollten Kapazitäten für die Verbesserung öffentlich verfügbarer, lokaler Projektionen und wissenschaftliche Begleitung von Anpassungsmaßnahmen aufgebaut werden. Erfahrungen sollten in internationalen Netzwerken ausgetauscht werden, auch mit Ländern niedrigen Einkommens. In diesen Ländern, etwa in SubsaharaAfrika, sollte das Potenzial lokaler Wissenssysteme in lokalen Anpassungs und Transformationsstrategien der Landwirtschaft noch besser genutzt werden. Entsprechende Beratungsangebote und Vernetzungsaktivitäten könnten international z. B. durch die GIZ und in Deutschland durch die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung weiter ausgebaut werden. Zweitens sollte Landwirtschaft auch als „Grünwasserwirtschaft“ wertgeschätzt und in integrierte Landschaftsund Wassermanagementansätze eingebunden werden: Von Anpassungsmaßnahmen, die den Wasserhaushalt und die Wasserqualität beeinflussen – z. B. durch Schaffung von Puffern, höhere Grundwasserneubildung oder Erhaltung von Ökosystemleistungen – profitieren auch andere Wassernutzer oder die Allgemeinheit. Landnutzer sollten daher stärker als Wasserakteure verstanden und Landwirt:innen in ihrer Rolle als „Grünwasserwirt:innen“ stärker unterstützt werden. Dies sollte sich im politischen und gesellschaftlichen Umgang mit der Landwirtschaft, ihrer Wertschätzung, in der Aus und Fortbildung sowie in ihrer Einbindung in Wassermanagementprozesse – etwa einem integrierten Landschafts und Wasserhaushaltsansatz und Klimaanpassungsstrategien – und in finanziellen Anreizen widerspiegeln. Drittens sind finanzielle Anreize für Landwirt:innen und eine Absicherung von Transformationsanstrengungen erforderlich; in Ländern niedrigen und mittleren Einkommens muss z. T. überhaupt erst ausreichender Zugang zu Ressourcen und Kapital geschaffen werden. Es sollten Ausgleichsmechanismen zwischen Landnutzern und Wassernutzern für wasserwirksame Maßnahmen etabliert werden, etwa Wasserfonds. Wasserbezogene landwirtschaftliche Subventionen können in diese Mechanismen eingebunden werden. In der EU betrifft dies den nächsten Zyklus der gemeinsamen Agrarpolitik, die zu einer „gemeinsamen Ökosystempolitik“ umgestaltet werden sollte (WBGU, 2020). Da bei Wasserrisiken die Kooperation zwischen Landwirt:innen und öffentlicher Hand unabdingbar ist, könnten hier neue Verhandlungsspielräume entstehen. Flankierend sollten existenzsichernde Angebote für den Übergang geschaffen werden, die die Risiken der Transformation für die Landwirtschaft mindern, z. B. durch temporäre Einkommensunterstützungen oder eine teilweise Absicherung möglicher Mindererträge bei der Erprobung neuer Anbaumethoden. Eine mögliche Regulierung oder Bepreisung tatsächlicher Wasserentnahmen und verbräuche (auf Basis verbesserter Daten) sollte durch die Drucksache 21/1260 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode – 12 – genannten unterstützenden Maßnahmen auch mit Blick auf die soziale Ausgewogenheit unterstützt werden. Die Forschung sollte neue Leitbilder für die Landwirtschaft entwickeln. Lernen aus der praktischen Erfahrung mit Anpassungsstrategien steht im Vordergrund. Auch Werkzeuge und Metriken zur Bewertung von Anpassungsmaßnahmen sollten weiterentwickelt werden. Optionen wie Verhaltensänderungen oder kapazitätsbildende Maßnahmen können in aktuellen Klima und Wirkungsmodellen bisher oft nicht erfasst werden. Geeignet skalierte Modelle sind nötig, die ökonomische, soziale, kulturelle und Managementaspekte für verschiedene Anpassungsoptionen berücksichtigen sowie Mehrgewinne und Zielkonflikte für nachhaltige Entwicklung einbeziehen. Bei der potenziellen Wirksamkeit von Anpassungsmaßnahmen zur Reduktion wasserbezogener Risiken bestehen vor allem für Klimaszenarien mit Erwärmungen von 2 °C und mehr noch Wissenslücken. Speziell die Potenziale und Grenzen von Bewässerung als Anpassungsoption sollten besser erforscht werden, da globale Modellierungen die lokale Verfügbarkeit von Wasser häufig nicht hinreichend berücksichtigen. Auch um Wechselbeziehungen im WaterEnergyFood Ecosystem Nexus besser zu verstehen und veränderte sektorale Ansprüche im Klimawandel zu projizieren, müssen Werkzeuge entwickelt werden. Lösungsraum Städte Bis zum Jahr 2050 wird die globale Stadtbevölkerung auf schätzungsweise 6,6 Mrd. Menschen anwachsen, zwei Drittel der Menschheit werden dann in Städten leben (UN, 2019). Zugleich sind die Auswirkungen des Klimawandels in vielen Städten weltweit immer deutlicher zu spüren. Neben steigendem Nutzungsdruck führen häufigere und längere Dürreperioden zu zunehmender Wasserknappheit, und weltweit steigt die Zahl der Städte, in denen bereits ein Wassernotstand ausgerufen werden musste. Häufigere und stärkere Extremniederschläge verursachen, verstärkt durch urbane Flächenversiegelung und überforderte Abwassersysteme, immer mehr Flutschäden. Zunehmender Hitzestress, der durch den urbanen Hitzeinseleffekt noch verstärkt wird, führt zu einer steigenden Zahl hitzebedingter Todesfälle. Der WBGU empfiehlt, ein klimaresilientes urbanes Wassermanagement gemäß des Leitbilds der wassersensiblen Stadtentwicklung flächendeckend zu etablieren. Es ist, gemeinsam mit dem Zugang zu erschwinglichem, klimaangepasstem Wohnraum, zentral für eine nachhaltige und gerechte Stadtgestaltung der Zukunft. Dabei muss die städtische Infrastruktur so gestaltet werden, dass sie den Auswirkungen von Extremereignissen resilienter begegnen kann und den lokalen Wasserkreislauf darin stärkt, zunehmende Wasserextreme effizient abzupuffern. Städtische Infrastruktur sollte sich in den natürlichen Landschaftswasserhaushalt einfügen. Es ist essenziell, hierbei mittel und langfristige Klimaprojektionen zu berücksichtigen. Synergien zwischen wassersensibler Stadtentwicklung und der Abfederung des städtischen Wärme inseleffekts sollten gezielt angestrebt werden. Zudem sollten stets die Gewährleistung urbaner Lebensqualität und der Abbau sozialer Ungleichheiten als wesentliche Beiträge zu einer verbesserten urbanen Klimaresilienz mitgedacht und antizipiert werden. Angesichts der vielerorts zunehmenden Verschärfungen im Wassersektor ist in Städten weltweit eine Beschleunigung der Anpassung an den Klimawandel dringend notwendig. Neben der Etablierung eines klimaresilienten Wassermanagements gehört hierzu insbesondere der Auf und Ausbau klimaresilienter urbaner Wasserinfrastruktur. Er muss insbesondere in schnell wachsenden Städten deutlich beschleunigt werden, um mit dem raschen, oftmals informellen Wachstum (vor allem in Afrika und Asien) Schritt zu halten. Dabei sollten informelle Stadtquartiere besondere Berücksichtigung finden, wobei z. B. auf dezentrale und nicht leitungsgebundene Abwassersysteme zurückgegriffen werden kann. Bei deren Planung und Umsetzung sollte die lokale Bevölkerung einbezogen, über gesundheitliche Vorteile informiert und Kapazitäten vormals informeller Dienstleister gestärkt werden. Die Finanzierung des Auf und Ausbaus klimaresilienter urbaner Wasserinfrastruktur in Ländern niedrigen und mittleren Einkommens sollte verstärkt in der bi und multilateralen Entwicklungszusammenarbeit vorangetrieben werden. Um Fehlanpassung und eine Verstärkung von Vulnerabilität und bestehenden Ungleichheiten zu verhindern, ist beim Auf und Ausbau blaugrüner Infrastruktur in Städten darauf zu achten, negative soziale, gesundheitliche und ökologische Konsequenzen zu vermeiden. Verdrängungseffekten sollte vorgebeugt werden. Die Vegetation sollte für zu erwartende Klimaänderungen geeignet sein und ein geringes allergenes Potenzial aufweisen. Urbane Grünräume sollten gut erreichbar, zugänglich und auf die Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung zugeschnitten sein. Der WBGU empfiehlt weiterhin, Notfallpläne für urbanen Wassermangel zu entwickeln. Die Zahl der Städte, die aufgrund von Wassermangel den Notstand ausgerufen haben, steigt weltweit an. Dieses wachsende globale Problem hat ungelöst ein erhebliches Destabilisierungspotenzial und verdient daher in der internationalen Nachhaltigkeitspolitik höhere Aufmerksamkeit. Darüber hinaus gilt es, wasserbedingte Grenzen des Städtewachstums in den Blick zu nehmen. Der Klimawandel wird viele Städte mit existenziellen Herausforderungen im Zusammenhang mit Wasser konfrontieren, die heute vielfach noch kaum thematisiert werden. Insbesondere Städte, die mittel und langfristig das Problem Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/1260– 13 – der Wasserknappheit allein mit Infrastrukturmaßnahmen nicht wirksam werden lösen können, sollten nach Ausschöpfung aller Mittel rechtzeitig Optionen zur Begrenzung des Städtewachstums bzw. im Extremfall Optionen für einen geordneten Rückzug prüfen. Im Zeitalter der Urbanisierung sehen sich immer mehr städtische Kommunen mit saisonaler oder dauerhafter Wasserknappheit konfrontiert. Zur effektiven Umsetzung bekannter Anpassungsmaßnahmen, aber auch zum Umgang mit den genannten hydrologischen Grenzbedingungen besteht Forschungsbedarf. Bei existierender urbaner Infrastruktur sind innovative Ansätze für die Integration resilienzsteigernder Lösungen im Bestand erforderlich, um transformative Anpassungsmaßnahmen umzusetzen. Dabei stellt sich die Frage, wie neue Wasserbereitstellungskonzepte möglichst wenig invasiv und kostengünstig im Bestand realisiert werden können. Gerade in Regionen mit angespanntem Wasserdargebot ist eine bessere zeitliche und räumliche Erfassung privater und gewerblicher Bedarfe notwendig, idealerweise in Echtzeit. Forschungsbedarf besteht zur Erfassungsdichte von Verbrauchsstellen, ethischer Aspekte der Datenerhebung, Datenverarbeitung, Datensicherheit und Bereitstellung sowie Möglichkeiten des Einsatzes künstlicher Intelligenz. Schutz der Wasserqualität Die Qualität von Wasserressourcen ist durch die Freisetzung von Schadstoffen und Pathogenen weltweit stark beeinträchtigt. Die Nutzung von Wasser als Transportmedium führt in vielen Fällen zu erheblichen Aufkonzentrierungen von Schadstoffen im Wasser. Dies überfordert regelmäßig die Selbstreinigungskraft der Natur. Der Schutz der Wasserqualität ist daher unabdingbar, um der Verknappung der Wasserressourcen durch die beschriebenen Verschärfungen entgegen zu wirken. Im Europäischen Green Deal ist bereits das Ziel „Zero P ollution“ bis zum Jahr 2050 verankert (Europäische Kommission, 2021b). Zero Pollution bedeutet, dass die Verschmutzung auf ein Niveau gesenkt wird, welches für die menschliche Gesundheit und die Gesundheit von Ökosystemen nicht mehr schädlich ist. Das Leitbild Zero Pollution ist von hoher Bedeutung und erfordert die Umsetzung einer Kreislaufwirtschaft. Zentrale Bausteine zur Umsetzung beider Leitbilder sind (1) eine zügige Umsetzung der EU Kommunalabwasserrichtline, (2) moderne Testverfahren und Methoden zur Stoffbewertung, die persistente und (wasser) mobile Schadstoffe besser erfassen können und präventiv stärker in behördlichen Zulassungsverfahren zu berücksichtigen sind, (3) integrierte Ansätze zur Rückgewinnung von Rohstoffen aus Abwässern sowie (4) der flexible Einsatz zentraler und dezentraler Abwasserentsorgungssysteme beim Ausbau sanitärer Infrastruktur in Ländern mit mittleren und niedrigen Einkommen. Herstellerverantwortung in der EU ausweiten Die EUKommunalabwasserrichtlinie ist eine bedeutende Richtungsentscheidung zur Bewahrung der Wasserqualität und sollte nach Erlass zügig in den EUMitgliedstaaten umgesetzt werden. Der WBGU begrüßt insbesondere die integrierte erweiterte Herstellerverantwortung, wonach Produzenten von Arzneimitteln und Kosmetika mindestens 80 % der Kosten von Bau und Betrieb der zur Entfernung organischer Spurenstoffe notwendigen vierten Reinigungsstufe in Klärwerken tragen sollen. Es sollte geprüft werden, inwieweit eine Ausweitung der erweiterten Herstellerverantwortung für weitere Schadstoffgruppen (z. B. toxische und persistente Haushaltschemikalien und Pestizide) und Stoffeigenschaften (neben Toxizität auch Persistenz in der aquatischen Umwelt) möglich ist. Bei der Umsetzung der EU Kommunalabwasserrichtlinie ist entscheidend, Anreize zur Reduktion der Emission umweltgefährdender Stoffe zu setzen, z. B. durch eine Staffelung der Beteiligung von Unternehmen nach Umweltgefährdung der in Verkehr gebrachten bzw. produzierten Stoffe oder Ausnahmen für rasch abbaubare Produkte. Rückgewinnung von Rohstoffen aus Abwasser ausweiten Abwasser ist eine wertvolle Ressource und sollte in dreierlei Hinsicht zur Schließung von Lücken in der Kreislaufwirtschaft genutzt werden. Abwasser sollte erstens neben der Rückführung in die Gewässer je nach Bedarf und entsprechend seiner Qualität z. B. zur Bewässerung in der Landwirtschaft aufbereitet und wiederverwendet werden. Zweitens sollten Potenziale zur Rückgewinnung von Energie aus den Prozessen der Abwasserbehandlung stärker genutzt werden. Dies kann auch helfen, die in der EUKommunalabwasserrichtlinie angestrebte Energieneutralität kommunaler Kläranlagen zu erreichen. Abwasser ist drittens ein Träger für Stoffe, die teilweise als schädlich gelten, aber als wertvolle Sekundärrohstoffe genutzt werden können, z. B. Biopolymere und Metallionen wie Lithium und Kupfer. Vorbild für den Umgang Drucksache 21/1260 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode – 14 – mit ihnen könnte die in der deutschen Klärschlammverordnung festgeschriebene Rückgewinnung von Phosphor sein. Bei erfolgreicher Wiedergewinnung könnten der Bedarf an Primärabbau sowie die damit verbundenen negativen Umweltfolgen möglicherweise sinken. Allerdings sind nicht alle Abwässer hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit und der technischen Machbarkeit gleichermaßen zur Rückgewinnung geeignet. Der WBGU sieht in den Technologien zur Rohstoffrückgewinnung ein großes Potenzial. Materialrückgewinnung gewinnt an Bedeutung. Die Energiewende ist auch eine Materialwende, die sehr relevant für Wasser ist. Forschungsbedarf besteht zu den Risiken, die mit den für die Energiewende wichtigen Materialien (z. B. Lithium) verbunden sind, etwa ihr Verhalten in der Umwelt und für die Gesundheit. Eintrag schädlicher Chemikalien vermeiden Beeinträchtigungen der Wasserqualität durch Industriechemikalien, die sich entlang von Wasserpfaden ausbreiten und sich nicht rückgewinnen lassen, sind vermeidbar, wenn Stoffe vor der Registrierung und Inverkehrbringung auf Gesundheits und Umwelteigenschaften getestet werden. Innovative biologische Hochdurchsatz Testverfahren und Simulationen bei der Stoffentwicklung mittels künstlicher Intelligenz ermöglichen der herstellenden Industrie eine deutlich schnellere und umfassendere Risikobewertung und Kennzeichnung. Neue Stoffe lassen sich so kostengünstiger und trotzdem sicherer auf den Markt bringen; bereits auf dem Markt befindliche Stoffe lassen sich nachträglich besser charakterisieren. Dies kann substanziell zur Umsetzung des ZeroPollutionLeitbilds beitragen und präventiv Wasser, Öko systeme und die menschliche Gesundheit schützen. Zentrale und dezentrale Abwassersysteme flexibel einsetzen Die unzureichende Behandlung häuslicher Abwässer ist in Ländern mit niedrigen und mittleren Einkommen eine Hauptursache für die Verschmutzung von Grundwässern und Oberflächengewässern mit pathogenen Mikroorganismen, organischen Kohlenstoffverbindungen, Nährstoffen und Makro und Mikroplastik. Um dieser Form der Verschmutzung zu begegnen, wurde historisch der kostenintensive Aufbau einer zentralen Abwasserbehandlung mit ausgedehnten Kanalnetzen nach Vorbild der Hocheinkommensländer favorisiert. Für viele formelle und insbesondere informelle Siedlungen in Ländern mit niedrigen und mittleren Einkommen ist eine zentrale Abwasserbehandlung jedoch keine geeignete, standortgerechte Lösung. Vielversprechend ist dagegen der flexible Einsatz zentraler und dezentraler Abwassersysteme wie das Konzept der Citywide Inclusive Sanitation (CWIS) mit Fokus auf einem sozial ausgewogenen Zugang aller Bevölkerungsgruppen und aller Stadtteile zu Wasser, Sanitär und Hygiene (WASH). CWIS versteht Abwasserentsorgung und behandlung als Servicekonzept und nicht als reine Infrastrukturversorgung; verschiedene technische Lösungen können gleichberechtigt betrachtet und flexibel eingesetzt werden. Dazu gehören die zentrale Kanalisation, aber auch dezentrale, nicht an ein Abwassernetz angeschlossene Sanitäranlagen (nonsewered sanitation) mit Fäkalschlammmanagement. Internationale Geldgeber (Weltbank, Asian Development Bank) und Branchenverbände (International Water Association) haben das CWISKonzept bereits aufgegriffen. Der WBGU empfiehlt die Förderung der Bereitstellung von Zugang zu sicherem Wasser und Hygiene anhand des CWISKonzepts statt einer Fokussierung auf ausschließlich zentrale Abwasserbehandlungskonzepte. Dies erfordert ein Umdenken bei Entscheidungsträgern, Geldgebern, Planungsbüros und Universitäten, um hygienische, dezentrale, nicht leitungsgebundene Abwassersysteme als echte Alternative zu zentralen Abwassersystemen zu sehen. Voraussetzung ist auch die Verbesserung und Formalisierung informeller, bestehender (unsicherer, unhygienischer) dezentraler, nicht leitungsgebundener Abwassersysteme, die Priorisierung von WASH in politischen Agenden sowie Übernahme von Leadership durch nationale Regierungen. Im Rahmen von Forschung müssen Finanzierungs und Geschäftsmodelle für dezentrale, nicht leitungsgebundene Abwassersysteme entwickelt sowie deren technische Weiterentwicklung vorangetrieben werden. Entwicklung einer klimaresilienten Wassergovernance Um Schäden an Menschen und Natur zu vermeiden und Verteilungskonflikten vorzubeugen, bedarf es einer vorausschauenden, lern und anpassungsfähigen Wassergovernance. International Verantwortung übernehmen – Internationale Wasserstrategie entwickeln Der WBGU empfiehlt die Entwicklung einer Internationalen Wasserstrategie als neuen Impuls für die Wasserdiplomatie (Abb. 3). Diese soll dazu beitragen, die Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/1260– 15 – bisherigen Prozesse zu Wasser institutionell als Austauschund Koordinierungsplattform zu verstetigen. Da zahlreiche Schnittstellen zu anderen Politikbereichen bestehen, z. B. zur Klima und Biodiversitätsgovernance und nachhaltigen Landnutzung sowie zu regionalen (z. B. der EU) und nationalen Wasserstrategien, sollten die Kapazitäten an den Schnittstellen erhöht werden. Dadurch können Akteure, die bereits jetzt an den relevanten Schnittstellen arbeiten und über wasserspezifische Netzwerke und Erfahrungswissen verfügen, zukünftig eine aktive Rolle in der Aushandlung und Entwicklung einer Internationalen Wasserstrategie einnehmen. Die Internationale Wasserstrategie sollte den Schutz der Ressource Wasser als gemeinsames Anliegen der Menschheit (common concern of humankind) anerkennen und dabei auch den Umgang mit grünem Wasser und dessen mögliche völkerrechtliche Regulierung adressieren. Sie sollte eine bessere Verzahnung der bestehenden Wasserkonventionen mit weiteren wasserrelevanten völkerrechtlichen Verträgen anstreben. In der Gestaltung des Prozesses sollte darauf geachtet werden, zunächst die weniger kontroversen Themen zu behandeln. Diese umfassen Trinkwasser, Integration, Bildung und Forschung sowie Kooperation. Zur Steigerung der Konsensfähigkeit sollte die Strategie zunächst auf unverbindliche Instrumente setzen. Langfristig sollte die Internationale Wasserstrategie in ein völkerrechtliches Abkommen – vergleichbar den Rio Konventionen – münden. Die Internationale Wasserstrategie könnte Staaten motivieren und animieren, den bestehenden völkerrechtlichen Wasserkonventionen – der UN Gewässerkonvention und der UNECEWasserkonvention – beizutreten. Was diesen Wasserabkommen fehlt, ist ein Fokus neben blauem auch auf grünem Wasser. Perspektivisch sollte daher ihr Anwendungsbereich erweitert werden, um einen klimaresilienten Umgang auch mit grünem Wasser zu erreichen. Die komplexen internationalen Wirkungszusammenhänge von grünem und atmosphärischem Wasser, z. B. Auswirkungen von Landnutzungsänderungen auf Verdunstungsströme und Niederschläge anderer Länder, müssen dringend erforscht werden. Für entsprechende wissenschaftliche Kooperation mit Blick auf eine nachfolgende angemessene Wassergovernance kann die Internationale Wasserstrategie als Plattform für regelmäßigem Austausch dienen. Eine Governance blauen und grünen Wassers könnte etwa Informations, Konsultations und Zustimmungspflichten bei Vorhaben und bei umfangreichen Landnutzungsänderungen umfassen, die signifikanten Einfluss auf den grenzüberschreitenden atmosphärischen Wassertransport haben. In te rn at io na le U m w el tu nd N ac hh al ti gk ei ts po lit ik Internationale Wasserstrategie > komplementär zu bestehenden Abkommen; multilaterale Treffen und regionale Plattformen > Umgang mit blauem und grünem Wasser in Zeiten des Klimawandels > gemeinsame Vorsorge für Wassernotlagen, Water Mapping Initiative Nationale klimaresiliente Wasserstrategien > gesellschaftliche Aushandlung akzeptabler Risiken und vorsorglicher Anpassungen > Rahmensetzungen für Transformationen > fortlaufende Weiterentwicklung mit wissenschaftlicher Begleitung Lokales klimaresilientes Wasser management > vorsorgeorientiert, adaptiv, systemisch > staatlich und selbstorganisiert Katastrophenhilfe und Krisenmanagement > z. B. Reaktion auf Dürren, Fluten > technisch, institutionell, finanziell Abbildung 3 Vorschlag für eine Internationale Wasserstrategie. Die Internationale Wasserstrategie und nationale Wasserstrategien wirken mit dem lokalen Wassermanagement zusammen. Das lokale Wassermanagement umfasst neben Kommunen alle relevanten Akteure, inklusive selbstorganisierter Strukturen. Nationale Wasserstrategien sollten kohärent mit der Internationalen Wasserstrategie formuliert werden. Sie sollten lokal Maßnahmen des klimaresilienten Managements anstoßen sowie Nothilfe und Krisenmanage ment beinhalten. Quelle: WBGU Drucksache 21/1260 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode – 16 – Der WBGU befürwortet weiterhin die staatliche Anerkennung und Kodifizierung eines allgemeinen Menschenrechts auf Wasser, das nicht lediglich den Zugang zu sauberem Trinkwasser umfasst, sondern auch die Beteiligung der Zivilgesellschaft an wasserrelevanten Entscheidungsprozessen sowie den Zugang zu Umweltinformationen und Rechtsschutz. Die Anerkennung sollte zudem klarstellen, dass es sich bei dem Menschenrecht auf Wasser um eine Ausprägung des Menschenrechts auf eine gesunde Umwelt handelt, das ebenfalls noch nicht kodifiziert ist (WBGU, 2023). Um den Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse zu Wasser in die Politik zu verbessern, spricht sich der WBGU für die Gründung und international geteilte Planung und Umsetzung einer Water Mapping Initiative aus. Sie sollte aus zwei Einheiten bestehen: einer Wissenschaftsplattform und einem Expert:innengremium. Die Wissenschaftsplattform soll bestehende wissenschaftliche Expertise zusammenführen, um drohende regionale Wassernotlagen zu identifizieren. Das Expert:innengremium steuert die Plattform und speist ihre Arbeitsergebnisse in politische Prozesse ein (Abb. 4). Damit Wassernotlagen frühzeitig erkannt und eingrenzt werden bzw. Pläne zum Umgang mit ihnen entwickelt werden können, bedarf es der Zusammenführung globaler Daten und Monitoringkapazitäten. Dies umfasst die Prognosen von IPCC und IPBES, Langzeitdatenreihen, Monitoring und Beobachtungsdaten aus nationalen Monitoringeinrichtungen sowie die Ergebnisse aus regionalen und nationalen Forschungsvorhaben. Weiterhin müsste die Plattform Daten und Erfahrungen zu vergangenen Notlagen, Ergebnisse nationaler und überregionaler Wasserforschung sowie lokale Daten und Erfahrungen zu Notlagen integrieren. Hinzu kommen hoch aufgelöste räumliche und zeitliche Daten aus Beobachtungen und Prognosemodellen auf lokaler (Flusseinzugsgebiete), regionaler, nationaler bzw. internationaler sowie globaler Ebene. Sobald das von der UNUmweltversammlung beschlossene, in Verhandlung befindliche Science Policy Panel zu Chemikalien, Abfall und Vermeidung von Verschmutzung seine Arbeit aufgenommen hat, sollen seine Ergebnisse ebenfalls berücksichtigt werden. Zur Aufsicht und Steuerung der Plattform soll ein Expert:innengremium eingerichtet werden. Sind drohende regionale Wassernotlagen mit planetarer Dimension identifiziert, soll das Gremium Prognosen für gefährdete Regionen erstellen. Parallel könnte es den Informationsaustausch zwischen Wissenschaft, Politik und Stakeholdern befördern. Auf internationaler Ebene soll das Expert:innengremium die UNWasserkonferenzen informieren. Zudem sollte das Gremium wasserbezogene Dialogplattformen in unterschiedlichen Weltregionen und in unterschiedlichen Länderverbünden sowie Politikdialoge für die Ausgestaltung einer Internationalen Wasserstrategie sowie die UNWasserkonferenzen 2026 und 2028 informieren. Lokal soll das Gremium bei drohenden Wissenschaftliche Grundlagen > Prognosen von IPCC und IPBES, ggf. Ergebnisse des in Verhandlung befindlichen Weltchemikalienrats > Daten und Ergebnisse nationaler Wasserforschung > Lokale und regionale Daten und Erfahrungen mit vergangenen Notlagen > Hochaufgelöste Daten aus Prognosemodellen der lokalen Ebene (Flusseinzugsgebiete) und mittleren Ebene (Weltregionen, z. B. Europa) Water Mapping Initiative Ziel: Wassernotlagen, um Abstand zu Grenzen der Beherrschbarkeit zu wahren. Wissenschaftsplattform Aufgabe: > Führt bestehende wissenschaftliche Expertise zusammen, um drohende Wassernotlagen zu identifizieren Expert:innengremium Aufgaben: > Erstellt Szenarien zur Entwicklung des Wasserhaushalts in Notlagenregionen > Schafft Grundlagen für Austausch mit Wirtschaft, Politik, Stakeholdern Adressierte Politikprozesse > Informiert auf internationaler Ebene UN- Wasserkonferenzen > Informiert auf regionaler Ebene wasserbezogene Dialogplattformen der Weltregionen (im Rahmen der vorgeschlagenen Internationalen Wasserstrategie) > Unterstützt auf lokaler Ebene Wasserbehörden in Notlagenregionen bei Umsetzung von klimaresilientem Wassermanagement Abbildung 4 WBGUVorschlag für eine Water Mapping Initiative zur Vermeidung drohender regionaler Wassernotlagen. Die Wissenschaftsplattform soll drohende Wassernotlagen durch die Integration wissenschaftlicher Grundlagen möglichst frühzeitig erkennen. Das Expert:innengremium soll auf dieser Basis internationale, regionale und lokale Politikprozesse informieren und unterstützen. Quelle: WBGU Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/1260– 17 – Notlagen auch Wasserbehörden bei der Umsetzung von klimaresilientem Wassermanagement unterstützen. Als Voraussetzung für die Arbeit der Water Mapping Initiative und für den grundsätzlichen Umgang mit wasserbezogenen Verschärfungen im Rahmen globaler Gover nance ist weitere Forschung erforderlich. Zentral ist, Erfahrungswissen in allen Regionen der Welt durch Daten aus Szenarien zu ergänzen, da der Klimawandel den Wasserkreislauf bereits stark verändert. Daher sollten Daten nicht nur auf lokaler, sondern auch auf Ebene der Weltregionen generiert werden. Es bedarf also dringend mehr klimasensibler Wasserforschung auf mittlerer Ebene. Die Auswirkungen und Wechselwirkungen globaler Änderungen und lokaler Maßnahmen müssen zudem für Entscheidungsprozesse als Informationsquelle zur Verfügung stehen. Nur wenn Kapazitäten für Datenerhebung und Modellierung in den Ländern mit niedrigem Einkommen vor Ort aufgebaut werden, kann klimaresiliente Planung auch umgesetzt werden. Für die Verstetigung der UNWasserkonferenzen bedarf es der Einrichtung eines UNWassersekretariats, das zukünftig durch den Sondergesandten für Wasser (special envoy) geleitet werden könnte. Eine Internationale Wasserstrategie sollte zudem regelmäßige Treffen sowohl auf UNEbene als auch auf Ebene der unterschiedlichen Weltregionen beinhalten. Neue regionale Forschungsallianzen könnten diese regionalen Plattformen informieren. Hierfür werden die oben beschriebenen Szenarien auf mittlerer Ebene sehr relevant sein. Vergleichbare Governanceansätze haben gezeigt, dass es die Motivation der Länder erhöht, sich mit globalen Risiken auseinanderzusetzen, wenn sich ihre Vertreter:innen regelmäßig auf regionaler Ebene über Ziele und Zielerreichung und bevorstehende Gefahren und Risiken in ihrer Weltregion austauschen können. Dies kann im Rahmen einer Internationalen Wasserstrategie durch die Stärkung regionaler Organisationen, wie z. B. der EU, erfolgen. Die gestärkten Regionalorganisationen könnten regionale Wassergovernanceplattformen koordinieren und so die Länder befähigen, globale und regionale Wasserziele möglichst effektiv umzusetzen. Schutzmaßnahmen auf regionaler Ebene könnten zudem durch internationale Finanzierung oder internationale Kooperation gefördert werden. In Europa könnte eine Wasserstrategie („EU Blue Deal“) auf den Europäischen Green Deal aufsetzen und auf die Europäische Biodiversitätsstrategie Bezug nehmen. Politikkohärenz nach innen wie außen herstellen Deutschland und die EU sollten in ihrem internationalen politischen Handeln Politikkohärenz zwischen den verschiedenen externen sowie zwischen den externen und internen Politikfeldern mit Wasserbezug herstellen. Im Rahmen ihrer internationalen Beziehungen verfolgen sie eine Vielzahl von Zielen, die zum einen aus internationalen klima und umweltpolitischen Vereinbarungen resultieren, zum anderen z. B. aus Wirtschaftsinteressen oder geopolitisch strategischen Interessen und Werten. Politische Maßnahmen zur Förderung dieser Ziele müssen auf Kompatibilität und Kohärenz geprüft werden. Dies kann verschiedenste Bereiche mit Wasserbezug betreffen, z. B. die Deckung der deutschen Energienachfrage, Agrarsubventionen oder Investitionsabkommen. Gerade vor dem Hintergrund geopolitischer Machtverschiebungen rückt die Bedeutung vertrauensvoller Partnerschaften und die Sicherstellung der Glaubwürdigkeit Deutschlands in seinem eigenen politischen Handeln zunehmend ins Zentrum politischer Abwägung. Auch in Vorbereitung der anstehenden Prozesse zur Neuverhandlung einer Post2030Agenda auf multilateraler Ebene ist die Förderung der europäischen und deutschen Glaubwürdigkeit in den Augen strategischer Partnerländer weltweit von zentraler Bedeutung. Handels- und Wirtschaftsbeziehungen gestalten, privaten Sektor in die Verantwortung nehmen Internationale Wirtschaftsbeziehungen und Handelspolitik sollten nachhaltige Wassernutzung fördern und Wasserknappheit in Regionen unter Wasserstress keinesfalls verschlimmern. Dies erfordert eine bessere Integration wasserbezogener Auswirkungen und Risiken im Rahmen internationaler Handelspolitik, beispielsweise im Rahmen der World Trade Organization (WTO), von regionalen Handelsabkommen oder auch von Investitionsschutzabkommen. Handelsbeziehungen der EU sollten gezielt auf Effekte in anderen Ländern im Wasserbereich untersucht werden (SpilloverEffekte). Fehlanreize, die negative SpilloverEffekte begünstigen, z. B. aus Regelungen in Handelsabkommen oder durch Fernwirkungen europäischer Regulierung, sollten abgebaut werden. Zudem sollten Handelsbeziehungen dazu genutzt werden, die Umstellung auf wassersparende Produktions und Anbaumethoden bzw. alternative Einkommensquellen zu fördern. Der WBGU empfiehlt, den Schutz von Wasserressourcen in bestehenden Handelsabkommen stärker zu verankern. Dies sollte möglichst unter WTORecht geschehen, um kohärente Regelungen für eine möglichst große Gruppe von Ländern zu erreichen, jedoch auch in bi und multilateralen Abkommen, da eine Reform des WTORechts kurz und mittelfristig schwierig sein dürfte (Zengerling, 2020). Unternehmen und Investoren sollten zudem international stärker in die Verantwortung genommen werden. Basierend auf der Berichterstattung über Wassernutzung und Wasserrisiken sollten Unternehmen und Investoren dazu angehalten werden, Maßnahmen zu Drucksache 21/1260 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode – 18 – ergreifen, um negative Auswirkungen ihrer Aktivitäten auf Wasserressourcen zu vermeiden. Länder niedrigen und mittleren Einkommens sollten bei der Einführung von Berichtspflichten unterstützt werden, z. B. durch kapazitäts bil dende Maßnahmen. Deutschland sollte darüber hinaus prüfen, inwieweit der Schutz von Wasserressourcen und die Erfassung von Wasserrisiken stärker in das deutsche Lieferkettengesetz integriert werden können. Gestaltender Staat Der Staat sollte eine aktive, gestaltende Rolle im Bereich der Wassergovernance einnehmen. Um dem Vorsorgeund Verursacherprinzip gerecht zu werden, bedarf es demokratischer Prozesse, um Strategien und Instrumenten für Wasserpolitik auszuhandeln, zu konzipieren und umzusetzen. Die Zusammenarbeit mit verschiedenen Akteuren ist wichtig („mit und nicht gegen die Gesellschaft“); dies darf aber nicht bedeuten, dass sich der Staat zurückzieht und sich passiv gegenüber den Herausforderungen der Wassergovernance verhält. Der WBGU empfiehlt eine Erhöhung administrativer Kapazitäten und Ressourcen, so dass Staaten ihre Rolle und Verantwortung angemessen wahrnehmen können. Ein zukünftiges klimaresilientes, sozial ausgewogenes Wassermanagement bedarf des gesteuerten und geplanten Zusammenspiels des gestaltenden Staats mit all seiner rahmengebenden Verantwortung (top down) sowie der in Teilen schon praktizierten und historisch gewachsenen Selbstorganisation (bottom up) im Wassermanagement, die nicht aus der Notwendigkeit heraus entsteht, sondern aus der Chance einer verbesserten Wassergovernance, die die Ziele eines klimaresilienten Wassermanagements beschleunigt umsetzen kann. Selbstorganisation auf regionaler und lokaler Ebene fördern Insbesondere in stark von wasserbezogenen Verschärfungen betroffenen Weltregionen spricht sich der WBGU für die gezielte Förderung von Strukturen aus, die (1) Selbstorganisation auf regionaler und lokaler Ebene ermöglichen (bottomup), (2) Schwachstellen der formellen und häufig von staatlicher Hand gestalteten Wassergovernance ausgleichen sowie (3) auch Defizite informeller Systeme anerkennen und adressieren. Die Förderung von Selbstorganisation, gerade auch entlang der IWRMPrinzipien, hat sich in der Vergangenheit bewährt, um partizipative und inklusive Formen der Entscheidungsfindung auszubauen. Gerade in Zeiten zunehmender Autokratisierungsprozesse auf politischer Ebene in der Mehrheit aller Staaten ist diese Förderung inklusiver Governanceansätze auf lokalen Ebenen und im Bereich des Wassermanagements wichtig. Internationale Allianzen für klimaresilientes Wassermanagement Beim Aufsetzen von Förderlinien im Bereich des Wassermanagements und der Wasserforschung sollte gezielt darauf geachtet werden, kooperative Forschungsprojekte mit Ländern zu fördern, die zunehmende Herausforderungen im Wassermanagement haben (z. B. Dürren, Überschwemmungen), die von sozialer Polarisierung und politischen Autokratisierungsprozessen betroffen sind bzw. die auf Ebene geopolitischer Aushandlungsprozesse von hoher strategischer Relevanz als Partner und Allianzen für Deutschland und Europa sind. Die empfohlene Wissenschaftskooperation sollte alle wissenschaftlichen Akteure umfassen, einschließlich Universitäten, beratende Institute und Think Tanks. Bei der Unterstützung vertrauensbildender Maßnahmen, insbesondere in Konfliktgebieten, ist es wichtig, auf institutionelle Kapazitäten und einen auf gemeinsame Ziele fokussierten Dialog zu achten, und sich nicht vornehmlich auf technologische Lösungen und Datenverfügbarkeit zu fokussieren. Allzu oft wird Infrastrukturprojekten Vorrang eingeräumt, ohne die Bedürfnisse vor Ort für die langfristige Pflege dieser Infrastrukturen und Einbettung in formale und gesellschaftliche gelebte, informelle Steuerungssysteme mit zu bedenken. Schwieriger ist es, Normen, Denkmuster und Gewohnheiten zu ändern. Notwendig sind daher vertrauensfördernden Maßnahmen in Institutionen (über u. a. Politikkohärenz, Transparenz, Rechenschaftsablegung), langfristige Partnerschaften und ein echter Dialog mit den Partnern – auch bei der Finanzierung von Forschungsprojekten. Zu häufig sind (Forschungs)Projekte kurzfristig angelegt und es findet kein echter Dialog zwischen Gebern und Empfängern statt. Die deutsche und europäische Wissenschaftsförderlandschaft sollte gezielt inter und transdisziplinäre Projekte im Bereich nachhaltigen Wassermanagements in unterschiedlichen Weltregionen und bezüglich verschiedener Managementherausforderungen fördern. Dies umfasst die wissenschaftliche Erarbeitung und lokal angepasste Innovationsentwicklung im Bereich der Bewässerungslandwirtschaft genauso wie städtische Wasserver und entsorgung, Behandlung von Abwasser sowie die Energieerzeugung durch Wasserkraft. Wichtig ist hierbei, auf transdisziplinäre Forschungsdesigns zu achten, in denen die transformative CoProduktion von WassermanagementWissen in enger Zusammenarbeit von Wissenschaftler :innen und Praktiker:innen gefördert wird. Als Instrument einer nachhaltigen klimaresilienten Governance sollten Dialogforen mit deliberativen Elementen institutionell aufgebaut und miteinander verknüpft werden. Beteiligung wirkt präventiv und hilft, das Konfliktpotenzial zwischen verschiedenen Akteuren zu verringern. Dies fördert zudem eine demokratisch gelebte Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/1260– 19 – Praxis und kann innerhalb von Ländern und international zur Friedenssicherung beitragen. Dialogforen bieten zudem die Chance, diverse Wissensformen und Akteure (z. B. Städte, Verbände, religiöse Gemeinschaften und Unternehmen) in die Lösungssuche einzubinden. Finanzierung auch für lokale Ansätze mobilisieren und vermitteln Weltweit wurde der in den UNNachhaltigkeitszielen (SDG 6) vereinbarte sichere Zugang zu Trinkwasser und Sanitäreinrichtungen verbessert, aber auch heute müssen noch 2,2 bzw. 3,5 Mrd. Menschen darauf verzichten. In 140 Ländern müssten die Investitionen auf insgesamt über 100 Mrd. US$ pro Jahr verdreifacht werden, um die SDGs 6.1 und 6.2 bis 2030 zu erreichen (Hutton und Varughese, 2016); hinzu kommen Aufwände für den Wasserressourcenschutz und die Reduktion wasserbezogener Risiken (auch durch den Klimawandel). Der jeweilige Nutzen wird allerdings auf das Zweieinhalb bis Siebenfache der Kosten geschätzt (UNESCO, 2024; GCA, 2019). Zur Finanzierung werden öffentliche wie private Investitionen benötigt. Daher muss gerade auch privates Kapital stärker mobilisiert werden, insbesondere in Niedrig einkommensländern, in denen z. B. nur 1,4 % der privaten Finanzmittel, die 2012–2017 mit Mitteln der Entwicklungszusammenarbeit gehebelt wurden, auf den Bereich Wasser und Abwasser entfielen (OECD, 2019b). Bereits heute zielen viele Strategien (z. B. der Weltbank, des BMZ sowie die deutsche Wasserstrategie) auf die Erhöhung der Attraktivität von Investitionen im Wassersektor und der Kreditwürdigkeit von Wasserversorgern ab. Fähigkeiten und Kapazitäten müssen vor allem bei öffentlichen Unternehmen und Institutionen für effiziente Planung, Investitionsabwicklung und Betrieb bzw. für Aufsicht und Regulierung aufgebaut werden. Aufgrund der beschriebenen wasserbezogenen Verschärfungen müssen aber auch die folgenden drei Handlungsfelder mehr Aufmerksamkeit erfahren. Erstens sollten wasserbezogene Risiken transparent gemacht werden, um private und öffentliche Investitionen zu mobilisieren. Nur wenn Unternehmen, Investoren und Kommunen wasserbezogene Risiken und Auswirkungen ihrer Aktivitäten stärker berücksichtigen, werden sie vermehrt in deren Minderung investieren oder sich an Anstrengungen wie dem internationalen Klimaanpassungsfonds beteiligen. Die Bundesregierung sollte sich für eine Harmonisierung der nicht finanziellen Berichterstattung zu SDG 6 einsetzen, beispielsweise durch Unterstützung der International Platform on Sustainable Finance und eigene Aktivitäten. Aufbauend auf Erfahrungen mit der EUTaxonomie und der Ausgestaltung „blauer“ Finanzinstrumente kann Deutschland dabei eine Vorreiterrolle einnehmen. Zum anderen sollten Informations und Unterstützungsangebote zur Bewertung von Wasserrisiken verbessert werden. Bessere Daten und langfristige Projektionen zu Wasseraufkommen, Wassernutzungen sowie regionalen und sektoralen Kopplungen sollten bedarfsorientiert erhoben, bereitgestellt, Kompetenzen zu deren Nutzung vermittelt und auch andere Länder dabei unterstützt werden. Klimatologische, meteorologische und hydrologische öffentliche Dienste und Forschungseinrichtungen müssen dafür gestärkt und vernetzt werden. Die Einrichtung eines digitalen und kostenfreien europäischen Zugangsportals (European Access Point, ESAP) sollte unterstützt werden. Öffentliche Unterstützungsangebote wie der Deutsche Nachhaltigkeitskodex sollten gestärkt und Erfahrungen dazu mit anderen Ländern ausgetauscht werden. Zweitens sollte der Wassersektor durch stabile Einnahmequellen attraktiver gemacht werden. Die Nutzer von Wasser oder spezifischer Infrastrukturen (z. B. Hochwasserschutz) sollten ebenso wie die Verursacher von Schäden stärker an Kosten beteiligt werden. Dafür sollte zum einen die Bepreisung von Wasser umfassend, aber sozial ausgewogen sein und umweltbezogene Kosten mit abdecken. Ausnahmen bei Entnahmeentgelten sollten abgebaut werden. Zum anderen sollten Inverkehrbringer und Nutzer gewässerbelastender Stoffe stärker am Gewässerschutz beteiligt werden. In Deutschland und der EU gibt es hierfür im Rahmen einer erweiterten Herstellerverantwortung bereits Ansätze, die auf weitere Stoffund Produktgruppen und eigenschaften erweitert werden sollten. Deutschland sollte sich auch für eine EUweite Pestizidabgabe einsetzen, die Umwelt und Gesundheitsrisiken einbezieht und Stoffe mit höheren Risiken stärker belastet. Die Einnahmen können für Gewässerschutz, zur Abmilderung außergewöhnlicher Belastungen, z. B. für Landwirt:innen, sowie für Beratung zu alternativen Pflanzenschutztechniken verwendet werden. Die Bundesregierung sollte in Ländern mit niedrigen und mittleren Einkommen den Aufbau von Kapazitäten zur Planung und Umsetzung von Preisreformen ebenso wie zur Einführung von Herstellerverantwortung und wasserbezogenen Umweltabgaben unterstützen. Darüber hinaus sollten Maßnahmen mit Mehrgewinnen für die Allgemeinheit besser entlohnt werden. Öffentliche Kofinanzierung, Steuererleichterungen oder Subventionen können dabei Anreize für private Investoren erhöhen. Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der EU sollte ab 2028 so reformiert werden, dass sie die Erhaltung von Wasserressourcen und naturbasierte Maßnahmen mit Mehrgewinnen stärker fördert und Fehlanreize vermeidet. Die in der ersten Säule der GAP vorgesehenen ÖkoRegelungen sollten auf Kosten der bisherigen flächengebundenen Direktzahlungen ausgebaut werden. Auch indirekt wasserwirksame Subventionen sollten wasserbezogene Mindeststandards erfüllen und könnten z. B. auf Basis der DoNoSignificantHarmPrinzipien Drucksache 21/1260 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode – 20 – der EUTaxonomie geprüft werden. Länder mit niedrigen und mittleren Einkommen können, sofern sie die notwendigen institutionellen Voraussetzungen erfüllen, durch wasserbezogene Debt Swaps (Schuldenerlass unter Auflagen) bei der Einführung eines klimaresilienten Wassermanagements unterstützt werden. Schließlich sollte die Einnahmengenerierung und verwendung auf lokaler Ebene gestärkt werden. Aber auch Einnahmen aus zentral erhobenen Abgaben, z. B. auf wassergefährdende Produkte, sollten Kommunen und Städten anteilig zufließen, um daraus resultierende Aufgaben zu erfüllen (z. B. Wasseraufbereitung). Dies kann durch horizontale Ausgleichsmechanismen ergänzt werden, wenn Kosten und Nutzen lokaler Maßnahmen in unterschiedlichen Kommunen anfallen. In Mittel und Niedrigeinkommensländern erfordert eine effizientere Erhebung und Verwendung von Einnahmen oftmals institutionelle und strukturelle Reformen, Korruptionsbekämpfung sowie mehr Transparenz und Rechenschaftspflicht. Drittens sollten vermittelnde Institutionen (Intermediäre) und lokale Kooperationsplattformen strategisch gestärkt bzw. aufgebaut werden: Spezialisierte Banken, revolvierende Wasserfonds, NGOs oder Forschungseinrichtungen können kleinere Projekte bzw. Wasserund Landakteure sowie öffentliche und private Investoren „poolen“, zwischen ihnen vermitteln und geeignete Finanzierungen strukturieren. Mit Hilfe dieser Intermediäre sollten die EU, nationale und subnationale Regierungen lokale Austausch und Kooperationsformate zwischen Stakeholdern und Geldgebern flächendeckend institutionalisieren. In diesen können eine gemeinsame Wissensbasis hergestellt, Strategien und Maßnahmen abgestimmt sowie Finanzierungen organisiert werden. Begleitend sollten öffentliche Kapazitäten und Best PracticeNetzwerke für die Umsetzung ergebnisorientierter BlendedFinanceAnsätze aufgebaut und Vergütungsmodelle für Projekte mit ökologischen und sozialen Mehrgewinnen geplant, überprüft und skaliert werden. Forschungsbedarf besteht u. a. zu (1) Projektionen potenzieller wasserbezogener Schäden, Anpassungskosten und Mehrgewinnen sowie der Modellierung von Unsicherheiten; (2) Auswirkungen möglicher wasserbezogener Schäden auf Volkswirtschaften und den Finanzsektor; (3) Möglichkeiten zur stärkeren Beteiligung institutioneller Investoren bei der Finanzierung wasserbezogener Ziele; (4) hybriden Finanzierungsinstrumenten und neuen Geschäftsmodellen für naturbasierte Ansätze; (5) der effizienten Bewertung lokaler Mehrgewinne naturbasierter Ansätze und ihrer systematischen Nutzung; (6) Wirkungen einer erweiterten Abgabenreform inklusive z. B. nicht beabsichtigten Belastungen Dritter oder Verlagerungen verschmutzungs intensiver Wirtschaftsaktivitäten. Wissenschaft und Bildung für eine nachhaltige WasserZukunft Dem Wissenschaftssystem kommt beim Umgang mit Herausforderungen und Verschärfungen eine zentrale Rolle zu. Besonders die durch den anthropogenen Klima wandel bedingte Nichtstationarität hydrologischer Regime erfordert die kontinuierliche Produktion von Wissen und Daten, die bei Innovationen zur Sicherung der Wasser bedarfe für Mensch und Ökosysteme berücksichtigt werden müssen. Nichtstationarität bedeutet, dass die Annahme, ein System weise eine vorhersagbare, aus empirischen Beobachtungen ableitbare Variabilität auf, nicht mehr haltbar ist. Wissenschaft kommt weiterhin verstärkt eine beratende und begleitende Rolle im Politikprozess zu. Die Komplexität und Veränderungsgeschwindigkeit der sozialökologischen Prozesse, verschärft durch den Klimawandel, verlangen gleichzeitig eine vorausschauende, lern und anpassungsfähige lokale und globale Wassergovernance. Hierfür ist unabhängige, kritische Wissenschaft als Grundlage unerlässlich. Die wissenschaftlichen Kapazitäten in Ländern mit niedrigen und mittleren Einkommen sollten gestärkt werden. Internationale Forschungskooperationen können zu deren Aufbau beitragen. Bislang sieht der rechtliche Rahmen in internationalen Wissenschaftskooperationen vor, dass sämtliche Personal, Sach und Reisemittel in den Wissenschaftseinrichtungen der Geberländer verwaltet werden. Als Mittel zur Stärkung der Wissenschaftskapazitäten empfiehlt der WBGU, die rechtlichen Voraussetzungen zur direkten Mittelverwaltung inklusive Abrechnung und Prüfung in Partnerländern zu schaffen. Dies stärkt die Rolle der dort forschenden Wissenschaftler:innen und schafft Kapazitäten in der Mittelverwaltung. Eine weitere Maßnahme wäre, die rechtlichen Voraussetzungen zur Weiterleitung von Mitteln zu schaffen, mit geteilter Haftung zwischen den involvierten Partnerinstituten und dem Geber. In Citizen Labs können Bürger:innen aktiv an wissenschaftlichen Forschungsprojekten teilnehmen. Durch die Einbindung der Bürger:innen in den Entscheidungsprozess können Citizen Labs, ähnlich wie deliberative Partizipationsprozesse, zu resilienteren Strukturen in Kommunen beitragen. Sie können maßgeschneiderte und durch transparente Entscheidungen akzeptierte Lösungen für lokale Herausforderungen wie Wasserknappheit finden und Wasserressourcen besser schützen. Der WBGU hält diese Form der Bürgerbeteiligung zum Schutz von Wasser und Biodiversität für sehr wichtig und plädiert für ihren weiteren Ausbau. Bildung ist für den Übergang zu einer nachhaltigen Gesellschaft im Allgemeinen sowie für die Vermeidung von Wasserkrisen im Speziellen essenziell. Maßnahmen wie Information, Aufklärung, die Aneignung von Wissen durch praktische Erfahrung oder öffentlicher Dialog Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/1260– 21 – stärken das Bewusstsein für die Bedeutung der Ressource Wasser. Selbstbestimmtes Handeln und eine aktive Beteilung an Politikprozessen werden durch ein besseres Verständnis der Zusammenhänge von Lebensweise, Wirtschaft und Wasserqualität ebenso gefördert wie durch Kenntnisse über die neuen, klimawandelbedingten Herausforderungen im Wassermanagement und die komplexen Zusammenhänge globaler Governance. Der WBGU empfiehlt, verstärkt Bildungsprogramme national und länderübergreifend zu initiieren sowie eine internationale Diskussion über neue Formen des Wirtschaftens und der Wertschätzung von Ökosystemleistungen anzuregen. Weiterhin sollten Beratungs und Schulungsprogramme – auch auf Basis der Ergebnisse des Wissensaustauschs – auf regionaler Ebene durchgeführt und auf die Begebenheiten vor Ort zugeschnitten werden, um so das Bewusstsein für lokale Wasserprobleme zu schärfen und Akteure zum Umdenken sowie zu gezieltem Handeln zu befähigen. Das Thema Wasser ermöglicht Kindern und Jugendlichen durch lebensnahe Lerneinheiten unter anderem

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