Einfluss von Milliardären weltweit zurückdrängen - Globale Gerechtigkeit durch mehr Umverteilung und Entwicklungszusammenarbeit voranbringen
Text
Einfluss von Milliardären weltweit zurückdrängen - Globale Gerechtigkeit durch mehr Umverteilung und Entwicklungszusammenarbeit voranbringen
Antrag
der Abgeordneten Charlotte Antonia Neuhäuser, Maren Kaminski, Desiree
Becker, Doris Achelwilm, Gökay Akbulut, Dietmar Bartsch, Janina Böttger,
Maik Brückner, Mirze Edis, Dr. Fabian Fahl, Katrin Fey, Vinzenz Glaser, Ates
Gürpinar, Cem Ince, Cansin Köktürk, Jan Köstering, Tamara Mazzi, Stella
Merendino, Cansu Özdemir, Lea Reisner, Zada Salihović, Lisa Schubert,
Ulrich Thoden, Donata Vogtschmidt, Christin Willnat und der Fraktion Die
Linke
Einfluss von Milliardären weltweit zurückdrängen – Globale Gerechtigkeit
durch mehr Umverteilung und Entwicklungszusammenarbeit voranbringen
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Der Rückzug der USA aus der Außenhilfe (USAID), die Schwächung des
multilateralen Systems durch Aufkündigung von internationalen Abkommen, Kürzungen bei den
Vereinten Nationen: All dies sind beunruhigende Anzeichen einer Welt, die zum Recht
des Stärkeren zurückkehrt. Die Kürzungen von US-Auslandshilfen könnten bis 2030
zu mehr als 14 Millionen zusätzlichen Todesfällen weltweit führen, darunter mehr als
4,5 Millionen Kinder unter fünf Jahren (https://ph.ucla.edu/news-events/news/rese-
arch-finds-more-14-million-preventable-deaths-2030-if-usaid-defunding). Deshalb ist
es für Deutschland und die Europäische Union notwendig, das multilaterale System zu
stärken und eine solidarische, internationalistische Politik für Frieden und globale
Gerechtigkeit als Gegenentwurf zu Krieg, Nationalismus und Isolationismus zu
verfolgen.
Ein wichtiger Pfeiler dafür kann die Entwicklungszusammenarbeit (EZ) sein. Trotz
der sich verschärfenden Polykrise kürzt die Bundesregierung den Etat des
Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) weiter und
damit so stark wie nie in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Heute
werden für die Solidarität mit den Menschen im Globalen Süden 40 Prozent weniger
gegenüber dem Niveau von 2022 verausgabt und damit so wenig Steuermittel zur
Verfügung gestellt wie zuletzt 2010. Statt wie verpflichtet 0,7 Prozent der
Wirtschaftsleistung für Entwicklungskooperation (Official Development Assistance, ODA)
aufzubringen, kommt Deutschland mittelfristig nur noch auf 0,4 Prozent, trotz des
Bekenntnisses der Bundesregierung zum 0,7-Prozent-Ziel auf der UN-Finanzierungskonferenz
in Sevilla im Juli 2025 (https://venro.org/fileadmin/user_upload/Dateien/Daten/Publi-
kationen/Factsheets/VENRO_Analyse_Bundeshaushalt_2026_2025.pdf).
Mit zunehmend ungleich verteiltem Reichtum konzentriert sich die Macht derweil
zunehmend in einer kleinen Elite von Multimilliardären, was das Vertrauen in die
Demokratie untergräbt, politische Gräben vertieft und kriegerische Auseinandersetzun-
Deutscher Bundestag Drucksache 21/5029
21. Wahlperiode 26.03.2026
gen befeuert. Ein Bericht des „G20-Sonderausschuss[es] unabhängiger Experten für
globale Ungleichheit“ im Auftrag der südafrikanischen G20-Präsidentschaft im
November 2025 (https://web.archive.org/web/20251104211548/https://g20.org/wp-con-
tent/uploads/2025/11/2-G20-Global-Inequality-Report-Full-and-Summary.pdf) unter
Leitung von Nobelpreisträger Joseph Stiglitz zeigt, dass ein „Gutes Leben für Alle“
möglich und der Krisenkapitalismus mit wenigen Gewinnern und vielen Verlierern
menschengemacht und kein Naturgesetz ist.
Es gibt genug Reichtum auf dieser Welt, er ist nur falsch verteilt. Das reichste Prozent
der weltweiten Bevölkerung hat seit dem Jahr 2000 41 Prozent des gesamten neu
entstandenen Vermögens angehäuft, während die ärmere Hälfte der Menschheit lediglich
1 Prozent erhielt. Darüber hinaus ist weltweit jeder vierte Mensch von
Ernährungsunsicherheit betroffen. Der Bericht bestätigt zudem die gravierenden Risiken, die
Ungleichheit für demokratische Systeme und den Klimaschutz birgt. Wir leben in einer
„Ära der Milliarde“: Eine neofeudal-oligarchische Gesellschaftsschicht von
Multimilliardären verfolgt ihre Eigeninteressen rücksichtslos in Allianz mit autoritären und
reaktionären Parteien. Diese „Ära der Milliarde“ ist gekennzeichnet von
kapitalgetriebener Globalisierung, Umweltzerstörung, Kriegen, Aufrüstung, Digitalisierung,
Deregulierung, Standortverlagerung, Steuerparadiesen, ungerechten Steuerregeln,
systematischer Schwächung der Rechte von Arbeiterinnen und Arbeitern und einem
privilegierten Zugang zu politischen Ämtern und Entscheidungsträgern. Während fast die Hälfte
der Menschheit in Armut lebt und die Lebenshaltungskosten weltweit explodieren,
sind die rund 3.000 Milliardärinnen und Milliardäre seit 2020 inflationsbereinigt um
über 80 Prozent reicher geworden. 2025 sind ihre Vermögen mit einem Anstieg von
16 Prozent auf 18,3 Billionen US-Dollar (rund 15,75 Billionen Euro) dreimal schneller
gewachsen als im Durchschnitt der Vorjahre. Allein dieser Anstieg übertrifft das
gesamte Vermögen der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung. Zwölf Männer haben heute
mehr Geld als vier Milliarden Menschen zusammen. Das reichste eine Prozent der
Welt besitzt 43,8 Prozent, während die ärmere Hälfte der Menschheit nur 0,52 Prozent
des weltweiten Vermögens besitzt (www.oxfam.de/system/files/documents/2026-
01/20260119-resisting-rule-rich.pdf).
Die deutsche EZ kann ein Mittel gegen die wachsende globale Ungleichheit sein, wenn
hierdurch ein Beitrag zur Umverteilung von reichen in die armen Länder geleistet wird.
Dem Selbstverständnis nach fördert Deutschlands EZ eine „sozial gerechte,
ökologisch tragfähige und damit nachhaltige Gestaltung der Globalisierung“
(www.bmz.de/de/service/lexikon/entwicklungszusammenarbeit-14316). Doch als
Antwort auf eine sich verändernde Weltordnung geht die Bundesregierung mit ihrer
neuen Strategie der Entwicklungspolitik (www.bmz.de/resource/blob/282486/reform-
plan-zukunft-zusammen-global-gestalten.pdf) in eine entgegengesetzte Richtung.
Neben den größten BMZ-Haushaltskürzungen in der Geschichte der Bundesrepublik
Deutschland soll die EZ als „Neuaufstellung“ (S. 5) und „strategische Notwendigkeit“
(S. 4) im Rahmen der „Zeitenwende“ zunehmend zu einem Instrument deutscher
Sicherheits- und Geopolitik, der Marktöffnung für deutsche Unternehmen, der Sicherung
globaler Lieferketten und der Rohstoffversorgung im nationalen Interesse umgebaut
werden.
In Zeiten globaler Entsolidarisierung muss Zusammenarbeit auf Vertrauen und
Verlässlichkeit aufbauen. Werteverfall und die Brutalisierung in den internationalen
Beziehungen darf nicht mit selber Münze, also geopolitischer Machtpolitik,
Militarisierung und Einspannen der EZ für die Interessen heimischer Unternehmen beantwortet
werden. Verlorene Glaubwürdigkeit gegenüber Ländern des Globalen Südens kann
stattdessen mit materieller Umverteilung, Erhöhung von EZ-Geldern und Kooperation
auf Augenhöhe mit klarem Fokus auf den strukturellen Abbau von globaler
Ungleichheit wiedergewonnen werden. Die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs)
sollen dabei Maßstab bleiben. Außen- und Sicherheitspolitik darf entwicklungspolitische
Kooperationen weder leiten noch unterlaufen, sondern muss Hand in Hand gehen im
Streben nach einer regelbasierten und global gerechten Weltordnung.
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf,
1. eine neue Strategie für die deutsche Entwicklungszusammenarbeit auszuarbeiten,
die
a) sich als oberstes Ziel den Abbau der globalen Ungleichheit setzt und dafür
eine transformative, solidarische, ökologische, feministische
Gerechtigkeitspolitik zur Überwindung struktureller Ungleichheiten und bestehender
ökonomischer Machtasymmetrien sowie rassistischer und postkolonialer
Strukturen ermöglicht, in Einklang mit ihrer Außenpolitik, ohne bestehende
Machtunterschiede und Interessenkonflikte weiter zu verschleiern, global
wie national;
b) sich für die Stärkung multilateraler Regelwerke und Institutionen und für
mehr Kooperation mit der EU einsetzt;
c) zur Erarbeitung dieser neuen Strategie einen breiten, demokratischen
Beteiligungsprozess mit deutschen, europäischen und globalen Akteuren aufsetzt
und deren Empfehlungen strukturell verankert, statt in einem Top-down-
Verfahren und aus rein nationaler Perspektive zu agieren;
2. als ersten strukturellen Schritt für mehr globale Gerechtigkeit
a) einen „Gerechtigkeitscheck“ für Handels- und Wirtschaftsabkommen,
Gesetzesvorhaben, Unternehmensförderungen des Bundes mit Auswirkungen
auf Umverteilung in und zwischen den betroffenen Ländern einzuführen, um
globaler Ungleichheit entgegenzuwirken, statt sie zu vertiefen;
b) einen jährlichen Bericht der Bundesregierung zur Entwicklung der globalen
Ungleichheit vorzulegen;
c) einen Expert*innenrat für Globale Gerechtigkeit einzuberufen, der jährlich
Handlungsempfehlungen an die Bundesregierung erteilt;
3. die historische Kürzungspolitik der deutschen EZ zu beenden und in künftigen
Haushaltsgesetzen
a) die Ausgabenquote für ODA von mindestens 0,7 Prozent des deutschen
Bruttonationaleinkommens (BNE) für öffentliche
Entwicklungszusammenarbeit sicherzustellen, wobei mindestens 0,2 Prozent des deutschen BNE den
ärmsten Ländern (Least Developed Countries – LDCs) zugutekommen
sowie darüber hinaus mindestens 0,1 Prozent des deutschen BNE für die
globale Gesundheitszusammenarbeit verausgabt werden müssen;
b) bei der Berechnung der deutschen ODA die bisherige Anrechnungspraxis
von Kosten für Geflüchtete, Studienplätze für Menschen aus dem Globalen
Süden und die internationale Klimafinanzierung zu beenden;
4. mehr Verteilungsgerechtigkeit durch steuerliche Umverteilung zu ermöglichen
und durch eine Erhöhung öffentlicher Einnahmen auch eine starke Finanzierung
der deutschen EZ für mehr globale Gerechtigkeit zu ermöglichen, indem
a) von der Bundesregierung multilaterale Initiativen zur Einführung
progressiver, international koordinierter Steuern vorangetrieben werden,
insbesondere in Form von globalen Unternehmenssteuern,
Finanztransaktionssteuern, Umweltsteuern sowie einer globalen Steuer auf große Vermögen
(globale Superreichensteuer), wie sie u. a. von Brasilien vorgeschlagen wurde;
b) sie sich national wie auf der EU-Ebene für faire Handelspolitik und ein
wirksames Lieferkettengesetz einsetzt;
c) durch sie eine Gesetzesinitiative für die Reform der Schuldenbremse
vorgelegt wird;
d) durch sie Gesetzesinitiativen vorgelegt werden zur nationalen Einführung
einer Vermögensteuer, einer einmaligen Vermögensabgabe
(Lastenausgleich) für die reichsten 0,7 Prozent im Land sowie einer Reform der
Erbschaftsteuer, etwa durch die Streichung von Steuerprivilegien für höchste
Erbschaften; die Einnahmen sollen für die Bewältigung der Folgen von
Kriegen, Krisen und Pandemien verwendet werden;
e) Transparenz bei der Steuerpolitik geschaffen wird. Hierzu soll künftig bei
Steuer-Gesetzentwürfen eine Schätzung der Verteilung der
Steuermindereinnahmen bzw. -mehreinnahmen, aufgeschlüsselt auf Unternehmen und
Privathaushalte sowie nach Einkommensdezilen und für die 5 Prozent,
1 Prozent und 0,1 Prozent einkommensstärksten Haushalte, veröffentlicht
werden.
Berlin, den 3. März 2026
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Begründung
Der G20-Bericht unter der Leitung von Nobelpreisträger Joseph Stiglitz belegt, dass das reichste Prozent der
Bevölkerung seit dem Jahr 2000 41 Prozent des gesamten neu entstandenen Vermögens angehäuft hat, während
die ärmere Hälfte der Menschheit lediglich 1 Prozent erhielt (https://web.archive.org/web/-
20251104211548/https://g20.org/wp-content/uploads/2025/11/2-G20-Global-Inequality-Report-Full-and-Sum-
mary.pdf). Darüber hinaus ist weltweit jeder vierte Mensch von Ernährungsunsicherheit betroffen. Der Bericht
bestätigt zudem die gravierenden Risiken, die Ungleichheit für demokratische Systeme und den Klimaschutz
birgt. Mit der Konzentration von Reichtum in den Händen einer kleinen Elite konzentriert sich Macht, was das
Vertrauen in die Demokratie untergräbt, politische Gräben vertieft, kriegerische Auseinandersetzungen befeuert.
Wir leben in einer „Ära der Milliarde“: Eine neofeudal-oligarchische Gesellschaftsschicht von Multimilliardären
verfolgt ihre Eigeninteressen rücksichtslos in Allianz mit autoritären und reaktionären Parteien. Diese „Ära der
Milliarde“ ist gekennzeichnet von kapitalgetriebener Globalisierung, Umweltzerstörung, Kriegen, Aufrüstung,
Digitalisierung, Deregulierung, Standortverlagerung, Steuerparadiesen, ungerechten Steuerregeln,
systematischer Schwächung der Rechte von Arbeiterinnen und Arbeitern und einem privilegierten Zugang zu politischen
Ämtern und Entscheidungsträgern (www.oxfam.de/system/files/documents/2026-01/20260119-resisting-rule-
rich.pdf). Die Folgen sind gravierend: Die jährlich steigenden CO2-Emissionen beschleunigen die globale
Erderwärmung und Milliarden von Menschen, vor allem im Globalen Süden, sind von Armut, sozialer Ungleichheit
und Umweltkrisen betroffen. Während fast die Hälfte der Menschheit in Armut lebt und die
Lebenshaltungskosten weltweit explodieren, sind die rund 3.000 Milliardärinnen und Milliardäre seit 2020 inflationsbereinigt um
über 80 Prozent reicher geworden. 2025 sind ihre Vermögen mit einem Anstieg von 16 Prozent auf 18,3 Billionen
US-Dollar (rund 15,75 Billionen Euro) dreimal schneller gewachsen als im Durchschnitt der Vorjahre. Allein
dieser Anstieg übertrifft das gesamte Vermögen der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung. Zwölf Männer haben
heute mehr Geld als vier Milliarden Menschen zusammen. Das reichste eine Prozent der Welt besitzt 43,8
Prozent, während die ärmere Hälfte der Menschheit nur 0,52 Prozent des weltweiten Vermögens besitzt. Dieser
weiter wachsende, ethisch unvertretbare und sozial wie ökologisch schädliche Reichtum in den Händen einiger
weniger „treibt einen Teufelskreis politischer und wirtschaftlicher Vereinnahmung an, der die politische Freiheit
untergräbt und die wirtschaftliche Ungleichheit verschärft“ (ebd.: S. 18).
Auch in Deutschland hat die Zahl der Milliardäre zugenommen: 2025 ist die Gesamtzahl um ein Drittel auf 172
gestiegen; damit hat das Land die viertmeisten Milliardäre weltweit. Das Gesamtvermögen aller deutschen
Milliardärinnen und Milliardäre stieg 2025 inflationsbereinigt um 30 Prozent auf 840,2 Milliarden US-Dollar. Auch
bei den Multimillionären steigen die Vermögen; so sind etwa die Median-Gehälter von CEOs in Deutschland
zwischen 2019 und 2024 30-mal so stark gestiegen wie die Reallöhne der Beschäftigten. Demgegenüber lebt ein
Fünftel der Menschen in Deutschland in Armut und die Chancen darauf, der Armut durch sozialen Aufstieg zu
entfliehen sind gesunken (www.oxfam.de/publikationen/bericht-soziale-ungleichheit-2026#main-content).
Die deutsche EZ kann ein Mittel gegen die wachsende globale Ungleichheit sein, vor wenn hierdurch ein Beitrag
zur Umverteilung von reichen in die Länder geleistet wird. Dem Selbstverständnis nach fördert die EZ eine
„sozial gerechte, ökologisch tragfähige und damit nachhaltige Gestaltung der Globalisierung“ (www.bmz.de/de/
service/lexikon/entwicklungszusammenarbeit-14316). Doch als Antwort auf eine sich verändernde Weltordnung,
geht die Bundesregierung mit ihrer neuen Strategie der Entwicklungspolitik (www.bmz.de/resource/blob/-
282486/reformplan-zukunft-zusammen-global-gestalten.pdf) in eine entgegengesetzte Richtung. Neben den
größten BMZ-Haushaltskürzungen in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland (https://venro.org/filead-
min/user_upload/Dateien/Daten/Publikationen/Factsheets/VENRO_Analyse_Haushaltsent-
wurf_2026_2025.pdf) soll die EZ als „Neuaufstellung“ (S. 5) und „strategische Notwendigkeit“ (S. 4) im
Rahmen der „Zeitenwende“ zunehmend zu einem Instrument deutscher Sicherheits- und Geopolitik, der
Marktöffnung für deutsche Unternehmen, der Sicherung globaler Lieferketten und der Rohstoffversorgung im nationalen
Interesse umgebaut werden.
Das BMZ werde die EZ „bewusst als geopolitisches Instrument“ einsetzen (S. 6). Die Zusammenarbeit mit dem
Verteidigungsministerium soll durch einen „integrierten Ansatz“ sowie Informations- und Personalaustausch
ausgebaut werden (S. 13). In der Sahel-Zone plant das BMZ „strategischen Rivalen und anti-demokratischen
Diskursen entgegenzutreten“ und seine Strategie „noch stärker auf Stabilisierung auszurichten“ (S. 20). Asien
soll im „Wettbewerb mit dem strategischen Rivalen China“ (S. 22) in den Fokus rücken. Das BMZ hat
angekündigt, dass es deutsche Unternehmen „vor Regierungsverhandlungen mit strategischen Partnern konsultiert“, um
ihre Interessen zu berücksichtigen (www.bmz.de/resource/blob/269838/aktionsplan-wirtschaft-entwicklung-
20251002-ansicht.pdf, S. 2). Auch sollen deutsche Unternehmen daran beteiligt werden, „konkrete Vorhaben der
Entwicklungszusammenarbeit zu konzipieren, zu planen und sie dann auch umzusetzen“ (S. 2). Bei „für die
Interessen der deutschen Wirtschaft strategisch wichtigen Partnerländern“ sollen Unternehmen „schon an der
Projektentwicklung beteiligt“ werden, etwa bei Infrastrukturvorhaben (S. 3). Beim Zugriff auf Rohstoffe im
Globalen Süden strebt das BMZ mit dem BMWE eine „gemeinsame Flankierung“ (S. 3) für deutsche Unternehmen an.
Das neoliberale Ideologieversprechen vom „Win-Win-Ansatz“ (S. 3), dass die riesige globale Ungleichheit
verschärft, wird in der neuen BMZ-Strategie weiterverfolgt.
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ISSN 0722-8333
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