Bericht der Bundesregierung zur internationalen Kooperation in Bildung, Wissenschaft und Forschung 2023 bis 2024
Text
Bericht der Bundesregierung zur internationalen Kooperation in Bildung, Wissenschaft und Forschung 2023 bis 2024
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/3350
21. Wahlperiode 11.12.2025
Unterrichtung
durch die Bundesregierung
Bericht der Bundesregierung zur internationalen Kooperation in Bildung,
Wissenschaft und Forschung 2023 bis 2024
Zugeleitet mit Schreiben des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt vom 10. Dezember
2025 gemäß Beschluss vom 26. März 2015 (Bundestagsdrucksache 18/4423).
Vorwort
Deutschlands Wissenschaft pflegt die Zusammenarbeit
mit den besten Köpfen und innovativsten
Wissenschaftszentren weltweit. Die digitale Transformation
und vor allem die im Berichtszeitraum sprunghaft
angestiegene Nutzung Künstlicher Intelligenz führen
zu Umwälzungen in zahlreichen Lebensbereichen.
Mit der Zukunftsstrategie „Forschung und Innovation“
von Februar 2023 hatte die Bundesregierung das
übergreifende Ziel formuliert, die digitale und
technologische Souveränität Deutschlands und Europas zu
sichern, um im globalen Wettbewerb um die klügsten
Köpfe der Welt erfolgreich zu bleiben. Ein
übergeordnetes strategisches Ziel ist es zudem, zur
Erreichung der globalen Nachhaltigkeitsziele der
Vereinten Nationen beizutragen, beispielsweise durch
die Forschung zu neuen Energietechnologien.
Dabei spielt multilaterale Zusammenarbeit eine
entscheidende Rolle, indem sie unsere Unabhängigkeit und
Resilienz fördert. Vor dem Hintergrund systemischer
Rivalitäten und geopolitischer Unsicherheiten, wie dem
fortlaufenden Angriffskrieg der Russischen Föderation
gegen die Ukraine, justieren wir unsere internationale
Zusammenarbeit neu. So ist die erste strategische
Regionalpartnerschaft Deutschlands mit fünf
zentralasiatischen Staaten (Z5+1Prozess) Ausdruck der
wachsenden strategischen Bedeutung Zentralasiens.
In Zeiten globaler Polarisierung erweist sich
Deutschland zudem weiterhin und umso mehr als attraktives
Zielland und sicherer Hafen der Wissenschaftsfreiheit
für Forschende aus aller Welt. Wissenschaftlich
relevante Datenbestände, deren Existenz bedroht sind, müssen
weltweit gesichert und zugänglich gehalten werden.
Dieser Bericht der Bundesregierung zu den Jahren
2023 und 2024 – erstellt noch unter der Federführung
des vormaligen Bundesministeriums für Bildung und
Forschung (BMBF) – zeigt dieses Spannungsfeld und
wie internationale Zusammenarbeit Chancen bietet, die
wir nutzen wollen. So kann in multilateralen Foren der
Austausch auch mit herausfordernden Staaten
aufrechterhalten werden. Zugleich können wir international für
unsere Prinzipien einstehen und uns mit Wertepartnern
verständigen. Das EuropaKapitel zeigt, wie der im Jahr
2023 verabschiedete Nationale Aktionsplan für den
Europäischen Forschungsraum dazu beiträgt, die
gemeinsamen europäischen Ziele und Prioritäten zu erreichen.
Im Jahr 2024 hat die Bundesregierung auch bereits die
strategische Ausrichtung des nächsten EU
Forschungsrahmenprogramms ab 2027 in den Blick genommen.
Bundesministerium für Forschung, Technologie
und Raumfahrt
Hinweis: Der vorliegende Bericht bezieht sich auf Aktivitäten im Zeitraum 1. Januar 2023 bis 31. Dezember 2024. Der
Entwurf wurde im November 2025 fertiggestellt. Nach der Bundestagswahl am 23. Februar 2025 haben sich für die im
Bericht genannten Bundesressorts teilweise Zuschnitt und Benennung geändert. Der Bericht trägt diesen Anpassungen
Rechnung: In den Fällen, in denen der Bericht ausschließlich in der Vergangenheit (vor dem 23. Februar 2025) liegende
Aktivitäten aufgreift, werden die damals gültigen Ressortbezeichnungen verwendet. In den Fällen, in denen über
langfristige beziehungsweise andauernde Aktivitäten berichtet wird, werden die aktuellen Ressortbezeichnungen verwendet.
Drucksache 21/3350 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 2 –
KAPITEL 3
Inhalt
1 Politische Kurzfassung 6
1.1 Herausforderungen gemeinsam begegnen – aktuelle Trends der internationalen Zusammenarbeit ...............7
1.2 Strategisch für unsere Zukunft – Fortschritt durch Bildung, Wissenschaft und Forschung ............................ 9
1.3 Gemeinsam die Zukunft gestalten – Schwerpunktkapitel „Multilaterale Zusammenarbeit“
und „Die Wissenschaftskooperation mit der Ukraine und den zentralasiatischen Staaten“ ......................... 10
1.4 Im Zentrum der internationalen Zusammenarbeit – Europa ............................................................................... 11
1.5 Good practice – Beispiele bilateraler Kooperationen ............................................................................................ 12
1.6 Internationale Kooperation vor Ort – Aktivitäten der Wissenschafts- und Mittlerorganisationen ............ 14
2 Strategien und Maßnahmen 15
2.1 Ziele der Internationalisierungsstrategie ................................................................................................................. 18
(1) Exzellenz durch weltweite Kooperation stärken .................................................................................................... 18
(2) Deutschlands Innovationskraft international entfalten ....................................................................................... 31
(3) Bildung und Qualifizierung internationaler ausbauen ......................................................................................... 32
(4) Die globale Wissensgesellschaft gemeinsam mit Schwellen und Entwicklungsländern gestalten ......... 35
(5) Gemeinsam globale Herausforderungen bewältigen ........................................................................................... 37
2.2 Science Diplomacy und internationale Vernetzung ............................................................................................... 42
3 Multilaterale Zusammenarbeit und die Wissenschaftskooperation
mit der Ukraine und den zentralasiatischen Staaten 47
3.1 Multilaterale Zusammenarbeit .................................................................................................................................. 48
Für eine wertegeleitete Zusammenarbeit – die Gruppe der Sieben (G7) ............................................................... 50
Multilateraler Austausch, globale Herausforderungen – die G20 ........................................................................... 51
Krisen bewältigen, Transformation unterstützen – die OECD ................................................................................. 52
Globales Bildungsziel erreichen, wissenschaftsbasierte Lösungen
für die Erreichung der Agenda2030Ziele erforschen – die UNESCO, die UNU ................................................ 54
3.2 Die Wissenschaftskooperation mit der Ukraine und den zentralasiatischen Staaten ..................................... 57
Zentralasien und Mongolei – neue Perspektiven in der Zeitenwende ................................................................... 59
Inhaltsverzeichnis
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/3350– 3 –
KAPITEL 4
4 Europa 64
4.1 Europäischer Forschungsraum .................................................................................................................................. 65
(1) Die ERAPolicy Agenda 2022–2024 .......................................................................................................................... 65
(2) Nationaler Aktionsplan zum Europäischen Forschungsraum............................................................................. 67
4.2 Horizont Europa: EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation 2021–2027 ................................... 71
4.3 Forschungskooperationen in Europa ....................................................................................................................... 77
4.4 Die Ukraine und weitere Länder der Östlichen Partnerschaftsregion ............................................................... 83
Ukraine ................................................................................................................................................................................... 83
Länder der Östlichen Partnerschaftsregion .................................................................................................................. 83
4.5 Bildung und Qualifizierung in Europa ausbauen .................................................................................................... 84
4.6 Europäischer Hochschulraum .................................................................................................................................... 86
4.7 Erasmus+: EU-Programm für Bildung, Jugend und Sport .................................................................................... 88
4.8 Aktivitäten der Wissenschafts- und Mittler organisationen in Europa .............................................................. 89
5 Außereuropäische Regionen 91
5.1 Afrika und Nahost ........................................................................................................................................................ 92
Länderübergreifende Initiativen ...................................................................................................................................... 92
Ägypten .................................................................................................................................................................................. 96
Ghana ..................................................................................................................................................................................... 97
Israel ....................................................................................................................................................................................... 98
Südafrika ................................................................................................................................................................................ 99
Aktivitäten der Wissenschafts und Mittlerorganisationen in Afrika und Nahost .............................................101
5.2 Amerika .........................................................................................................................................................................102
Länderübergreifende Initiativen ....................................................................................................................................102
Argentinien .........................................................................................................................................................................102
Brasilien ...............................................................................................................................................................................103
Chile ......................................................................................................................................................................................104
Costa Rica ............................................................................................................................................................................105
Kanada .................................................................................................................................................................................105
Kolumbien ...........................................................................................................................................................................107
Mexiko ..................................................................................................................................................................................107
Uruguay ...............................................................................................................................................................................108
Vereinigte Staaten von Amerika .....................................................................................................................................108
Aktivitäten der Wissenschafts und Mittlerorganisationen in Amerika ...............................................................109
Inhaltsverzeichnis
Drucksache 21/3350 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 4 –
KAPITEL 5
5.3 Asien ..............................................................................................................................................................................111
China .....................................................................................................................................................................................111
Indien ...................................................................................................................................................................................113
Indonesien ..........................................................................................................................................................................115
Iran ........................................................................................................................................................................................115
Japan .....................................................................................................................................................................................115
Republik Korea (Südkorea) ..............................................................................................................................................117
Singapur ...............................................................................................................................................................................117
Taiwan ..................................................................................................................................................................................118
Thailand ...............................................................................................................................................................................118
Vietnam................................................................................................................................................................................119
Zentralasien und Mongolei .............................................................................................................................................119
Aktivitäten der Wissenschafts und Mittlerorganisationen in Asien ....................................................................119
5.4 Australien & Ozeanien ................................................................................................................................................121
Australien ............................................................................................................................................................................121
Neuseeland .........................................................................................................................................................................122
Aktivitäten der Wissenschafts und Mittlerorganisationen in Australien und Ozeanien .................................123
6. Anhang 124
6.1 International ausgerichtete Fördermaßnahmen 2023–2024 .............................................................................125
6.2 Verzeichnis der wichtigsten Abkürzungen .............................................................................................................127
Impressum 130
Inhaltsverzeichnis
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/3350– 5 –
1 Politische Kurzfassung
Drucksache 21/3350 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 6 –
POLITISCHE KURZFASSUNG 7
Der Bericht „Weltweite Herausforderungen,
gemeinsame Lösungen – Bericht der Bundesregierung zur
internationalen Kooperation in Bildung, Wissenschaft
und Forschung 2023–2024“ fällt in eine Zeit, die von
Entwicklungen geprägt ist, die die
internationale Zusammenarbeit in Bildung, Wissenschaft und
Forschung tiefgreifend beeinflussen. Internationale
Kooperation in Bildung, Wissenschaft und
Forschung ist unabdingbar, um die Innovationsfähigkeit
Deutschlands und Europas zu sichern und globale
Herausforderungen zu bewältigen. Zudem kann die
Kooperation dazu beitragen, Verbindungen zwischen
Zivilgesellschaften zu stärken und Länder und
Regionen, die von Systemkonkurrenten umworben werden,
für freiheitlich-demokratische Werte und Ziele zu
gewinnen. Gerade diese Dimension der Science
Diplomacy gewinnt angesichts der aktuellen geopolitischen
Herausforderungen zunehmend an Bedeutung.
Megatrends: Transformationsprozesse gestalten:
Digitaler Wandel und Nachhaltigkeit
Die digitale Transformation führt zu Umwälzungen
in zahlreichen Lebensbereichen und verändert dabei
auch die Rahmenbedingungen von Bildung und
Forschung grundlegend. Ein Meilenstein in der breiten
Nutzung Künstlicher Intelligenz (KI) stellt die
Veröffentlichung frei zugänglicher KI-Sprachmodelle seit
November 2022 dar. Die Erforschung und der Einsatz
von Quantentechnologien versprechen zudem stark
verbesserte Möglichkeiten, große Datenmengen zu
verarbeiten – ein wesentlicher Fortschritt
beispielsweise bei der Entwicklung von Medikamenten.
Die Zukunftsstrategie „Forschung und Innovation“
der Bundesregierung von Februar 2023 hat unter
anderem die übergreifenden Ziele formuliert, die
digitale und technologische Souveränität Deutschlands
und Europas zu sichern, um im globalen Wettbewerb
um die klügsten Köpfe der Welt erfolgreich zu bleiben,
sowie zur Erreichung der globalen
Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen (engl. Sustainable
Development Goals, SDGs) beizutragen. Hierfür sollten
in den zentralen Schlüsseltechnologien Rückstände
aufgeholt, international führende Positionen
eingenommen und neue Themen erschlossen werden. In
Zeiten geopolitischer Krisen, in denen Liefer- und
Wertschöpfungsketten unterbrochen oder neu
formiert werden, will Deutschland damit die Fähigkeit
aufrechterhalten, Schlüsseltechnologien und digitale
Anwendungen international mitzugestalten und
wirtschaftlich zu verwerten. In der Zukunftsstrategie
wurde die europäische und internationale Zusam-
1.1 Herausforderungen gemeinsam begegnen –
aktuelle Trends der internationalen Zusammenarbeit
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/3350– 7 –
POLITISCHE KURZFASSUNG 8
menarbeit in Wissenschaft und Forschung als
bedeutendes Querschnittthema angelegt – dies belegt den
hohen Stellenwert, den die Bundesregierung dieser
Zusammenarbeit beimisst.
Die Folgen des Klimawandels sind weltweit spürbar.
Dies wurde auch bei der Weltklimakonferenz COP29
in Baku im November 2024 von allen
Teilnehmerstaaten anerkannt, bei der ein neues
Klimafinanzierungsziel bis 2035 vereinbart wurde. Gemeinsame
Anstrengungen zu Klimaschutz und Klimaanpassung,
zur Ernährungssicherheit und zur Bewahrung der
Biodiversität haben für die Bundesregierung oberste
Priorität. So legt sie in ihrer Zukunftsstrategie
„Forschung und Innovation“ einen forschungspolitischen
Schwerpunkt auf die Frage, wie die Weltbevölkerung
nachhaltig ernährt werden kann, ohne dabei die
Biodiversität und den Klimaschutz zu gefährden.
Veränderte Rahmenbedingungen für die
internationale Zusammenarbeit
Die geopolitischen Entwicklungen im
Berichtszeitraum haben auch die internationale
Zusammenarbeit in Bildung, Wissenschaft und Forschung vor
Heraus forderungen gestellt. Dazu zählt die Zunahme
von Risiken für die Freiheit und die Sicherheit von
Wissenschaft und Forschung. Als Antwort auf den
Angriffskrieg der Russischen Föderation gegen die
Ukraine hat die Bundesregierung im Jahr 2022 die
Zusammenarbeit mit staatlichen Stellen in der
Russischen Föderation und Belarus zu Bildung,
Wissenschaft und Forschung eingefroren. Gemeinsam mit
Partnern auf europäischer und internationaler Ebene
setzt sie sich dafür ein, Perspektiven für eine
zukunftsgerichtete und resiliente Ukraine zu schaffen.
Die zunehmenden internationalen Spannungen
haben im Berichtszeitraum auch zu Neuausrichtungen
in der Kooperation geführt. Die Zeitenwende macht
einen strategischeren Ansatz erforderlich, der das
hohe Gut der Wissenschaftsfreiheit mit den
sicherheitspolitischen Interessen Deutschlands in Einklang
bringt. Eine Grundlage hierfür ist die China-Strategie
der Bundesregierung von Juli 2023, die China zugleich
als Partner, Wettbewerber und systemischen Rivalen
beschreibt und nun in der Umsetzung ist. System-
1 Nach der Bundestagswahl 2025 per Organisationserlass des Bundeskanzleramtes am 6. Mai 2025 umbenannt in Bundesministerium für Forschung,
Technologie und Raumfahrt (BMFTR). Im Folgenden werden in den Fällen, in denen der Bericht ausschließlich in der Vergangenheit (vor dem 23. Februar
2025) liegende Aktivitäten aufgreift, die damals gültigen Ressortbezeichnungen verwendet. In den Fällen, in denen über langfristige beziehungsweise
andauernde Aktivitäten berichtet wird, werden die aktuellen Ressortbezeichnungen verwendet.
rivalitäten erhöhen das Risiko widerrechtlicher
Aneignung und missbräuchlicher Verwendung von
Forschungsergebnissen. Dies, wie auch Versuche externer
Einflussnahme, gefährden die Freiheit von Bildung,
Wissenschaft und Forschung und unterstreichen die
zentrale Bedeutung von Forschungssicherheit in der
Zusammenarbeit mit China und von Diversifizierung
in unserer Wissenschaftsdiplomatie.
Im Mai 2024 hat der Rat der Europäischen Union
eine Empfehlung zur Stärkung der
Forschungssicherheit ausgesprochen. Deren Ansatz, verantwortliche
Akteure umfassend einzubeziehen, fügt sich dabei
in den integrierten deutschen Sicherheitsansatz der
nationalen Sicherheitsstrategie von Juni 2023 ein. Mit
einer Positionsbestimmung zur Forschungssicherheit
im März 2024 hat das Bundesministerium für Bildung
und Forschung (BMBF)1 auf der nationalen Ebene
einen ressortübergreifenden Stakeholder-Prozess
mit Wissenschaft, Wirtschaft, Bund und Ländern
zur Forschungssicherheit aufgesetzt, der im Oktober
2024 mit einer Konferenz in Berlin startete. Ziel dieses
Prozesses ist es, bis Ende 2025 ein gemeinsames
Memorandum und einen Maßnahmenkatalog zur
Forschungssicherheit zu erarbeiten. Die Bundesregierung
stimmt sich zudem mit ihren Wertepartnern in der
EU und weltweit, insbesondere auch in multilateralen
Gremien wie G7, eng zu den Handlungserfordernissen
für einen vertieften Schutz der Freiheit und Sicherheit
von Wissenschaft und Forschung ab.
Drucksache 21/3350 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 8 –
POLITISCHE KURZFASSUNG 9
Die „Strategie der Bundesregierung zur
Internationalisierung von Bildung, Wissenschaft und Forschung“ legt
seit 2017 den Rahmen für die deutsche internationale
Zusammenarbeit in diesen Bereichen fest. Sie bildet
den zentralen Bezugspunkt für den Berichtszeitraum
2023 bis 2024. Zu den fünf Zielen der Strategie tragen
die in den Kapiteln 2 bis 5 detailliert beschriebenen
Aktivitäten der Bundesregierung bei. Eine Darstellung
und Analyse wesentlicher Kennzahlen zur
internationalen Kooperation finden sich im Anhang.
Die Bundesregierung stellt sich unter dem Dach der
„Strategie der Bundesregierung zur
Internationalisierung von Bildung, Wissenschaft und Forschung“
im Rahmen unterschiedlicher strategischer Prozesse
fortlaufend und bedarfsgerecht auf die sich
verändernden Rahmenbedingungen ein. Dazu verfolgt sie
spezifische geografische oder themengetriebene
Ansätze. Beispiele für geografisch ausgerichtete Ansätze
sind unter anderem „Leitlinien deutscher
Arktispolitik – Deutschland und die Arktis im Kontext von
Klimakrise und Zeitenwende“ (verabschiedet 2024)
und die China-Strategie der Bundesregierung (2023).
Beispiele für themengetriebene Ansätze sind die
Strategie für die internationale Digitalpolitik (2024)
und die Strategie der Wissenschaftsministerinnen
und Wissenschaftsminister von Bund und Ländern
für eine Internationalisierung der Hochschulen in
Deutschland 2024–2034 (2024) (siehe dazu Kapitel 2).
Mit der Zukunftsstrategie „Forschung und
Innovation“ hat die Bundesregierung Anfang 2023 die
Forschungs- und Innovationspolitik auf ein neues
Fundament gestellt, um die Rahmenbedingungen für
Forschung und Innovation national und international
zu verbessern. In sechs Missionen wurden Themen
wie ressourcenbewusstes Wirtschaften, Klimaschutz
und Bewahrung der Artenvielfalt, Gesundheit,
technologische Souveränität, Digitalisierung, Mobilität
und Stadtentwicklung, Umweltschutz sowie
gesellschaftliche Resilienz adressiert. Als Voraussetzung
dafür, dass Deutschland einen Beitrag zu aktuellen
Herausforderungen leisten kann, hat die
Zukunftsstrategie auf eine starke europäische und
internationale Vernetzung als Wissenschafts- und
Forschungsstandort sowie auf die Schaffung neuer und effektiver
Forschungs- und Innovationspartnerschaften gesetzt,
vor allem mit gleichgesinnten Staaten.
1.2 Strategisch für unsere Zukunft – Fortschritt durch
Bildung, Wissenschaft und Forschung
Ziel 1 Exzellenz durch weltweite
Kooperation stärken
Ziel 2 Deutschlands Innovationskraft
international entfalten
Ziel 3 Bildung und Qualifizierung
international ausbauen
Ziel 5 Gemeinsam globale
Herausforderungen bewältigen
Ziel 4
Die globale Wissensgesellschaft
gemeinsam mit Schwellen und
Entwicklungsländern gestalten
Wie der vorliegende Bericht zeigt, fördert eine
Vielzahl von Ressorts Projekte, die sich durch die
Zusammenarbeit mit internationalen Partnern
auszeichnen. Allein das damalige BMBF hat im Jahr
2024 rund 1,086 Milliarden Euro bereitgestellt,
inklusive der Beiträge für internationale FuE
Infrastrukturen und Programme. Das Auswärtige Amt
(AA) hat im Berichtszeitraum Mittel in Höhe von
rund 492 Millionen Euro für international
ausgerichtete Fördermaßnahmen im Bereich tertiäre
Bildung und das Bundesministerium für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) rund
170 Millionen Euro vergeben. Für die europäische
Vernetzung stellte der Bund im Rahmen von
ÖffentlichÖffentlichen Partnerschaften rund
36 Millionen Euro im Jahr 2023 zur Verfügung.2
2 Quelle: ERA-LEARN (Stand: November 2024).
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/3350– 9 –
POLITISCHE KURZFASSUNG 10
Multilaterale Zusammenarbeit und internationale
Organisationen sind entscheidend, wenn es darum
geht, Ressourcen zu bündeln, globale
Herausforderungen zu bewältigen oder bei zwischenstaatlichen
Differenzen eine Möglichkeit zum offiziellen Austausch
aufrechtzuerhalten. Zudem bieten sie die Möglichkeit,
für Werte und Prinzipien international einzustehen
und anderen Akteuren diese näherzubringen. Auch
im Bereich Bildung, Wissenschaft und Forschung
dienen internationale Gremien dazu, Themen von
nationalem und länderübergreifendem Interesse zu
behandeln. Daher engagiert sich Deutschland
beispielsweise in der Gruppe der Sieben (G7), der Gruppe
der Zwanzig (G20), den Vereinten Nationen (VN) oder
der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit
und Entwicklung (OECD).
Im September 2024 fand in New York der
Zukunftsgipfel der Vereinten Nationen („Summit of the
Future“, SOTF) statt, auf dem auch ein Pakt für die
Zukunft („Pact for the Future“) beschlossen wurde.
Schwerpunkte waren neben der Reform des VN-
Systems, Klima, Frieden und Sicherheit, die
internationale Finanzarchitektur und die Verabschiedung eines
Global Digital Compact zu Potenzialen und Risiken
digitaler Technologien. Deutschland war gemeinsam
mit Namibia verantwortlich für die Organisation des
Gipfels und die Abstimmung des Paktes.
Deutschland und die Ukraine können auf einer
langjährigen bilateralen Forschungskooperation aufbauen.
Im Jahr 2023 würdigten beide Länder das 30-jährige
Bestehen der deutsch-ukrainischen
Wissenschaftlich-Technologischen Zusammenarbeit (WTZ). Die
Vitalität der Beziehungen wurde 2023 und 2024 durch
viele hochrangige Treffen unterstrichen. Der Besuch
des ukrainischen Ministers für Bildung und
Wissenschaft der Ukraine, Oksen Lisovyi, im November 2023
in Berlin setzte den Startschuss für ein neues
Regierungsabkommen für die vertiefte deutsch-
ukrainische Wissenschaftskooperation, das am 22. Oktober
2024 in Kyjiw unterzeichnet wurde.
Die Wissenschaftskooperation mit Zentralasien ist
für Deutschland und die Europäische Union von
wachsender strategischer Bedeutung. Dies ist mit dem
Angriffskrieg der Russischen Föderation gegen die
Ukraine und der damit verbundenen „Zeitenwende“
noch deutlicher geworden. In diesem Kontext wurde
im Herbst 2023 zwischen fünf Staaten der Region
(Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, Turkmenistan
und Usbekistan) und Deutschland der Z5+1-Prozess
vereinbart und die weltweit erste strategische
Regionalpartnerschaft der Bundesregierung abgeschlossen.
1.3 Gemeinsam die Zukunft gestalten –
Schwerpunktkapitel „Multilaterale Zusammenarbeit“ und
„Die Wissenschaftskooperation mit der Ukraine
und den zentralasiatischen Staaten“
Drucksache 21/3350 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 10 –
POLITISCHE KURZFASSUNG 11
Die gemeinsamen Bemühungen im Europäischen
Forschungsraum (EFR, engl. European Research Area,
ERA) und die Vollendung des Europäischen
Bildungsraums sind entscheidend, um die
Wettbewerbsfähigkeit Europas auf dem globalen Markt zu sichern und
sich bei der Lösung der großen gesellschaftlichen
Herausforderungen des 21. Jahrhunderts
bestmöglich aufzustellen. Durch die Förderung von Bildung,
Forschung und Innovation soll Europa seine
technologische Souveränität stärken und seine Position
als führender Bildungs- und Wissenschaftsstandort
ausbauen. Angesichts geopolitischer Verschiebungen
und globaler Herausforderungen, wie dem
Klimawandel und der Digitalisierung, gewinnt die europäische
Zusammenarbeit an strategischer Bedeutung.
In zentraler Rolle engagiert sich Deutschland aktiv
in der Gestaltung des EFR. Hierzu hat die
Bundesregierung Ende 2023 einen Nationalen Aktionsplan
für den Europäischen Forschungsraum verabschiedet,
um die Umsetzung der ERA Policy Agenda in
Deutschland voranzutreiben und die deutsche
Forschungslandschaft an den europäischen Zielen auszurichten.
Gleichzeitig hat Deutschland sich intensiv in die
Erarbeitung der nächsten ERA Policy Agenda für die Jahre
2025–2027 eingebracht, die im Jahr 2025 folgen soll.
Der EFR war und ist strategische Grundlage für das
EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation
„Horizont Europa“. Es ist das wichtigste Instrument
der EU zur Förderung von Forschung und Innovation
und bietet umfangreiche Finanzierungsmöglichkeiten
für Forschungsprojekte in verschiedenen Bereichen,
wie Gesundheit, Klima und Digitalisierung. Während
sich Horizont Europa in der Zwischenevaluierung
befand, hat sich Deutschland im Mai 2024 schon
frühzeitig mit einem Diskussionspapier für das 10.
Forschungsrahmenprogramm ab 2028 eingebracht.
Grundlegende Voraussetzung für Forschung und
Innovation ist Bildung. Deutschland fördert hierzu
aktiv auf strategischer und operativer Ebene die
Kooperation in den Bereichen allgemeine Bildung,
Berufs- und Hochschulbildung in Europa.
Europäische Hochschulen sind nicht nur Stätten der Lehre
und Forschung, sondern auch wichtige
Knotenpunkte in einem globalen Netzwerk des Wissens. Durch
die Mobilität von Studierenden und Forschenden
entstehen lebendige Verbindungen, die den
wissenschaftlichen Fortschritt fördern und die kulturelle
Vielfalt bereichern. Deutschland setzt sich daher für
eine stärkere Verzahnung von EU-Programmen im
Europäischen Bildungsraum und im Europäischen
Forschungsraum ein, um gemeinsam die
wissenschaftliche Exzellenz in Europa zu fördern.
1.4 Im Zentrum der internationalen
Zusammenarbeit – Europa
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/3350– 11 –
POLITISCHE KURZFASSUNG 12
Deutschland pflegt weltweit eine Vielzahl bilateraler
Kooperationen in Bildung, Wissenschaft und
Forschung. Im Berichtszeitraum wurden erfolgreiche
Kooperationen weitergeführt und neue Projekte
angestoßen. Folgende Beispiele sollen die Bandbreite
der Kooperationen veranschaulichen.
Die Zusammenarbeit mit Frankreich als wichtigstem
europäischem Partner Deutschlands ist sehr eng und
vielfältig. Den politischen Rahmen bilden der Vertrag
von Aachen, der 2020 in Kraft trat, sowie die
mindestens einmal jährlich stattfindenden Deutsch-
Französischen Ministerräte. Besondere Schwerpunkte lagen
2023 und 2024 in den Bereichen Energie (Wasserstoff
und Batterieforschung) und Künstliche Intelligenz.
Die gemeinsame Forschungsbasis AWIPEV auf
Spitzbergen, die mit Unterstützung des norwegischen
Polarinstituts betrieben wird, feierte im Jahr 2023
ihr 20-jähriges Bestehen. Die Deutsch-Französische
Hochschule bildet seit 25 Jahren als
Hochschulnetzwerk von 210 französischen und deutschen
Hochschulen Studierende und Promovierende in
gemeinsamen Studiengängen und Doktorandenkollegs aus.
Das Vereinigte Königreich (Großbritannien und
Nordirland) ist mit seinen renommierten Hochschulen und
Forschungseinrichtungen traditionell ein attraktives
und wichtiges Partnerland für Deutschland. Im März
2024 unterzeichneten beide Staaten eine gemeinsame
Erklärung, die eine Intensivierung der
Forschungskooperation in wichtigen Schlüsseltechnologien
vorsieht: Fusions- und Batterieforschung, Künstliche
Intelligenz, Forschungssicherheit und
Quantentechnologien.
Im Juli 2024 unterzeichneten der damalige
Bundeskanzler Olaf Scholz und der polnische
Ministerpräsident Donald Tusk anlässlich der 16. Deutsch-
Polnischen Regierungskonsultationen in Warschau einen
gemeinsamen Aktionsplan. Im Bereich Wissenschaft
betont der Aktionsplan unter anderem die Bedeutung
der Deutsch-Polnischen Wissenschaftsstiftung, des
bilateralen Förderprogramms „Digitalisierung der
Wirtschaft“ sowie der acht DIOSCURI-Zentren in
Polen, die gemeinsam von der Max-Planck-Gesellschaft
und dem polnischen National Science Center
verwaltet werden und der Exzellenzförderung dienen.
Die Kooperation zwischen den Wertepartnern und
Wissenschaftsstandorten Deutschland und den
Vereinigten Staaten von Amerika (USA) ist traditionell
eng. Bei der Kommissionssitzung zur
Wissenschaftlich-Technologischen Zusammenarbeit zwischen
Deutschland und den USA im Mai 2024 standen neue
und aufkommende Technologien im Bereich von
Klimaforschung, Biotechnologie, Quantenforschung,
Fusionsforschung und Halbleiterforschung im
Zentrum der Diskussionen. Für den Bereich
Quanteninformation wurde eine gemeinsame Erklärung zur
wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit
unterschrieben. Zudem lag ein starker Fokus auf dem
Thema Forschungssicherheit in der internationalen
Forschungskooperation.
Israel ist ein herausragender Partner Deutschlands in
Forschung und Innovation. Der Angriff der Hamas
auf Israel am 7. Oktober 2023 hatte spürbare
Auswirkungen auf die deutsch-israelische
Forschungszusammenarbeit: Die für Ende Oktober 2023 angesetzte
1.5 Good practice –
Beispiele bilateraler Kooperationen
Drucksache 21/3350 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 12 –
POLITISCHE KURZFASSUNG 13
Veranstaltung zum 50-jährigen Jubiläum der
Wissenschaftlich-Technologischen Zusammenarbeit musste
auf März 2025 verschoben werden,
Forschungsprojekte waren gezwungen, ihre Arbeitspläne
anzupassen. Als Zeichen der Solidarität mit der israelischen
Wissenschaftsgemeinschaft reiste die damalige
Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger
im Dezember 2023 und im Juni 2024 nach Israel. Der
Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages stellte
für die Kooperation mit Israel zusätzlich 2 Millionen
Euro für 2024 als Soforthilfe zur Verfügung.
Im Jahr 2024 feierten Deutschland und Japan das
50. Jubiläum ihrer Wissenschaftlich-Technologischen
Zusammenarbeit. Zu diesem Ereignis fanden viele
gemeinsame Veranstaltungen statt, die die guten
Verbindungen zwischen deutschen und japanischen
Forschungseinrichtungen und Mittlerorganisationen
sowie in zahlreichen deutsch-japanischen
Netzwerken widerspiegeln. Kooperationen zu Themen wie
Grüner Wasserstoff, automatisiertes und vernetztes
Fahren, zukünftige Kommunikationstechnologien,
Batterieforschung, Bioökonomie sowie Luft- und
Raumfahrtforschung standen im Berichtszeitraum im
Mittelpunkt. Ein wichtiger Baustein der bilateralen
Zusammenarbeit ist auch die Hochschulkooperation.
Japan ist nach China der wichtigste
Kooperationspartner deutscher Hochschulen in Asien.
Indien – mit dem ebenfalls das 50. Jubiläum der
Wissenschaftlich-Technologischen Zusammenarbeit
im Rahmen der 7. Deutsch-Indischen
Regierungskonsultationen gefeiert wurde – durchläuft im
Bereich Forschung und Spitzentechnologie eine rasante
Entwicklung und hat sich längst als Forschungs-,
Innovations- und Entwicklungsstandort globaler
Unternehmen etabliert. Heute ist Indien Heimat von
mehr als 100 Startup-„Unicorns“; die Zahl der
Patentanmeldungen aus Indien hat sich in den vergangenen
15 Jahren verfünffacht. Indische Studierende stellen
seit 2023 die größte Gruppe ausländischer
Studierender an deutschen Hochschulen. Die deutsch-indische
Forschungskooperation hat in den letzten Jahren an
Umfang und Stellenwert erheblich zugenommen. Ein
hervorstechendes Beispiel hierfür ist die
Zusammenarbeit im Rahmen des internationalen
Beschleunigerzentrums FAIR in Darmstadt. Auch die Kooperation
am Forschungszentrum DESY in Hamburg gilt als
erfolgreiche und strategisch bedeutsame
Partnerschaft. Das Leuchtturm-Projekt der bilateralen
Zusammen arbeit mit Indien ist das weltweit
einzigartige Indo-German Science and Technology Centre
(IGSTC), dessen Aufgabe die bilaterale Förderung von
anwendungsorientierten, innovativen Projekten unter
Beteiligung exzellenter Forschungseinrichtungen
sowie vor allem kleiner und mittlerer Unternehmen
(KMU) aus beiden Ländern (2+2 Projekte) ist.
Schwerpunkt sind die Ingenieur-, Natur- und
Lebenswissenschaften.
Vietnam ist in Südostasien ein wichtiger
Kooperationspartner des Bundesministeriums für Forschung,
Technologie und Raumfahrt (BMFTR). Schwerpunkte
in der Zusammenarbeit sind Wasser- und
Umwelttechnologien, Rohstofftechnologien und -effizienz,
Landmanagement, Anpassung an den Klimawandel,
Bioökonomie, Gesundheit, Biodiversität und
Stadtentwicklung. Im Frühjahr 2024 wurde eine
gemeinsame Förderbekanntmachung mit dem Thema
„Risikomanagement bei extremen Naturgefahren“
veröffentlicht.
Australien ist für Deutschland ein herausragender
Partner im Bereich Grüner Wasserstoff. Gemeinsam
mit der Australian Renewable Energy Agency (ARENA)
fördert das heutige BMFTR seit 2022 die bilaterale
Maßnahme HyGATE. Deren Ziel ist die Entwicklung
von innovativen grünen Wasserstofftechnologien
und der Aufbau einer Basis für deutsch-australische
Lieferketten für Grünen Wasserstoff. Von April 2023
bis September 2024 förderte das BMBF die trilaterale
Initiative „TrHyHub – Machbarkeitsstudie für ein
trinationales Wasserstoff-Innovations- und Export-Hub
der Länder Australien, Niederlande und Deutschland.“
Zudem haben das BMFTR und das australische
Ministerium für Klimawandel, Energie, Umwelt und Wasser
die Förderung einer bilateralen Studie zur
technischen und ökonomischen Machbarkeit des Imports
von direkt reduziertem, grünem Eisen aus Australien
nach Deutschland vereinbart. Im Oktober 2023
veröffentlichte das damalige BMBF die unilaterale
Fördermaßnahme der „Projektbezogenen Mobilität zum
Thema Grüner Wasserstoff mit Australien“.
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/3350– 13 –
POLITISCHE KURZFASSUNG 14
Die Wissenschafts- und Mittlerorganisationen sind in
vielfältiger Weise international aktiv. Die Aktivitäten
der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), der
Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der
Wissenschaften e. V. (MPG), der Helmholtz-Gemeinschaft
Deutscher Forschungszentren e. V. (HGF), der
Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten
Forschung (FhG), der Leibniz-Gemeinschaft (WGL),
des Deutschen Akademischen Austauschdienstes
(DAAD), der Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH)
und der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) reichen
vom Aufbau von Forschungsgruppen im Ausland (wie
zum Beispiel im Rahmen des Dioscuri-Programm der
MPG in Mittel- und Osteuropa mit Zentren in Polen
und in der Tschechischen Republik) über die
Unterstützung der Internationalisierung der deutschen
Hochschulen durch den DAAD und die HRK bis hin
zu grenzüberschreitenden Ausschreibungen der DFG
mit Partnereinrichtungen weltweit (wie zum Beispiel
2024 mit Japan zum Thema Quantentechnologien).
Mit ihrem internationalen Engagement leisten diese
Organisationen substanzielle Beiträge zu den
außenpolitischen Interessen und Zielen Deutschlands.
Als Reaktion auf den russischen Angriffskrieg gegen
die Ukraine haben die Wissenschafts- und
Mittlerorganisationen seit dem Jahr 2022 eine Vielzahl von
Unter stützungsmaßnahmen für ukrainische
Forschende und Studierende eingerichtet und im
Berichtszeitraum weiter ausgebaut (siehe Kapitel 3.2 und 4.8).
Ausführliche Informationen zu Aktivitäten der oben
genannten Wissenschafts- und Mittlerorganisationen
finden sich im Bericht in den Kapiteln 4 und 5
(insbesondere 4.8, 5.1, 5.2, 5.3 und 5.4).
1.6 Internationale Kooperation vor Ort – Aktivitäten
der Wissenschafts- und Mittlerorganisationen
Drucksache 21/3350 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 14 –
2 Strategien und Maßnahmen
Die „Strategie der Bundesregierung zur Internationalisierung von Bildung, Wissenschaft und Forschung“
(2017; Internationalisierungsstrategie) bildet den Rahmen für die internationale Zusammenarbeit Deutschlands
in Bildung, Wissenschaft und Forschung.
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/3350– 15 –
STRATEGIEN UND MAẞNAHMEN 16
Die Internationalisierungsstrategie bildet die
Grundlage für regionale Strategien, für bilaterale sowie für
multilaterale Kooperation.
Die Bundesregierung unterstreicht mit der
Internationalisierungsstrategie zudem die Bedeutung von
Science Diplomacy und internationaler Vernetzung.
Durch die Ausbildung künftiger Fach- und
Führungskräfte in Partnerländern, die weitere
Internationalisierung der Berufsbildung und den breiten
gesellschaftlichen Austausch werden Beiträge zum Erreichen der
globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung erbracht,
langfristige Beziehungen aufgebaut und Interesse am
wissenschaftlichen Wirken in Deutschland gefördert.
In den meisten Ländern gibt es heute Alumnae und
Alumni, die das Ansehen Deutschlands in der Welt
positiv beeinflussen. Über den Austausch durch die
internationalen Bildungs- und
Wissenschaftskooperationen gelingt es zudem, im vorpolitischen Raum zu
wirken und Gesprächskanäle auch in angespannten
politischen Situationen offen zu halten.
Für den Berichtszeitraum 2023–2024 relevante
themen- und regionalspezifische Strategiepapiere der
Bundesregierung und einzelner Ressorts im
Zusammenhang mit der Internationalisierungsstrategie sind
insbesondere:
∙ Afrikapolitische Leitlinien der Bundesregierung
(Bundesregierung, 2019)
∙ Die Afrika-Strategie des BMBF: „Perspektiven
schaffen! Neue Impulse für die Kooperation mit
afrikanischen Partnern in Bildung, Wissenschaft
und Forschung“ (BMBF, 2018)
∙ Die Afrika-Strategie des BMZ: „Gemeinsam mit
Afrika Zukunft gestalten“ (BMZ, 2023)
∙ Leitlinien deutscher Arktispolitik – Deutschland
und die Arktis im Kontext von Klimakrise und
Zeitenwende (Bundesregierung, 2024)
∙ China-Strategie der Bundesregierung
(Bundesregierung, 2023)
∙ Strategiepapier der Bundesregierung „Fokus auf
Indien“ (2024)
∙ „Ernährung sichern – Wachstum fördern. Das
Engagement des BMEL für eine moderne nachhaltige
Land-, Ernährungs- und Forstwirtschaft in Afrika“
(BMEL, „Afrika-Konzept“, 2020)
∙ Pakt für Forschung und Innovation in Europa
(Rat der EU, 2021)
∙ Forschung für Nachhaltigkeit – Eine Strategie des
Bundesministeriums für Bildung und Forschung
(BMBF, 2020)
∙ Leitlinien zum Indo-Pazifik (Bundesregierung,
2020)
∙ Science-Diplomacy-Strategie (AA, 2020)
∙ Strategie der Bundesregierung zur internationalen
Berufsbildungszusammenarbeit (Bundesregierung,
2019)
∙ Strategiepapier des BMZ „Nachhaltige
Wirtschaftsentwicklung, Ausbildung und Beschäftigung“
(BMZ, 2023)
∙ Strategie zur globalen Gesundheit
(Bundesregierung, 2021)
∙ Datenstrategie (Bundesregierung, 2021)
Ziel 1 Exzellenz durch weltweite
Kooperation stärken
Ziel 2 Deutschlands Innovationskraft
international entfalten
Ziel 3 Bildung und Qualifizierung
international ausbauen
Ziel 5 Gemeinsam globale
Herausforderungen bewältigen
Ziel 4
Die globale Wissensgesellschaft
gemeinsam mit Schwellen und
Entwicklungsländern gestalten
Grafik 1: Die fünf übergeordneten Ziele der
Internationalisierungsstrategie der Bundesregierung
Drucksache 21/3350 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 16 –
STRATEGIEN UND MAẞNAHMEN 17
∙ BMZ-Datenstrategie (BMZ, 2024)
∙ Strategie für die internationale Digitalpolitik
(Bundesregierung, 2024)
∙ Zukunftsstrategie Forschung und Innovation
(Bundesregierung, 2023)
∙ Strategie der Wissenschaftsministerinnen und
Wissenschaftsminister von Bund und Ländern für
eine Internationalisierung der Hochschulen in
Deutschland (2024–2034)
∙ Nationale Wasserstoffstrategie (Bundesregierung,
2020), Fortschreibung der Nationalen
Wasserstoffstrategie (Bundesregierung 2023) und
Importstrategie für Wasserstoff und Wasserstoffderivate
(Bundesregierung, 2024)
Genereller Hinweis: Die im Bericht genannten
Maßnahmen oder daran anknüpfende zukünftige
Maßnahmen mit finanziellen Auswirkungen auf
den Bundeshaushalt präjudizieren weder die
laufenden noch künftige Haushaltsverhandlungen.
Etwaige finanzielle und personelle Mehrbedarfe
können nur dann durch den Bund finanziert
werden, wenn ihm hierfür die Gesetzgebungs und
Verfassungskompetenz zusteht. Sie sind außerdem
von den betroffenen Einzelplänen innerhalb der
geltenden Haushaltsansätze und innerhalb des
Stellenplans bei der Aufstellung des jeweiligen
Bundeshaushalts zu decken.
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/3350– 17 –
STRATEGIEN UND MAẞNAHMEN 18
(1) Exzellenz durch weltweite
Kooperation stärken
Mobilitätsprogramme
Internationaler Austausch ist ein wichtiger Aspekt
wissenschaftlicher Exzellenz. Deshalb unterstützt die
Bundesregierung mit zahlreichen
Mobilitätsprogrammen den internationalen Austausch entlang aller
Karrierestufen wissenschaftlichen Arbeitens. Die Zahl
internationaler Studierender – das heißt der
Studierenden mit ausländischer Staatsbürgerschaft und
ausländischer Hochschulzugangsberechtigung – ist
in den vergangenen zehn Jahren deutlich gewachsen:
von rund 205.000 im Wintersemester 2012/2013 auf
rund 380.000 im Wintersemester 2023/2024.
Deutschland war auf Basis der letzten international
vergleichbaren Zahlen aus dem Jahr 2021 das viertwichtigste
Gastland für internationale Studierende und zugleich
das wichtigste nicht englischsprachige Gastland,
hinter den USA, dem Vereinigten Königreich und
Australien.
Deutschland ist weiterhin ein attraktives Land als
Wissenschaftsstandort für ausländische
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. 2023 waren rund
65.500 wissenschaftliche und künstlerische
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit ausländischer
Staatsbürgerschaft an deutschen Hochschulen angestellt,
darunter rund 4.100 ausländische Professorinnen und
Professoren. An den vier größten außeruniversitären
Forschungseinrichtungen arbeiteten 2022 rund 16.600
Forscherinnen und Forscher mit ausländischer
Staatsangehörigkeit. Neben dem angestellten
internationalen Wissenschaftspersonal forschen und lehren auch
internationale Gastwissenschaftlerinnen und
Gastwissenschaftler in Deutschland, deren Aufenthalt von
in- und ausländischen Organisationen gefördert wird.
Im Jahr 2022 waren dies rund 30.100 Aufenthalte.
In den Gastländern, zu denen entsprechende Daten
vorliegen (Schweiz, Vereinigtes Königreich,
Österreich, Niederlande), waren im Jahr 2022 rund 22.500
deutsche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler
an ausländischen Hochschulen angestellt, darunter
rund 2.500 Professorinnen und Professoren. Hinzu
kommen noch einmal rund 8.300 deutsche
Gastwissenschaftlerinnen und Gastwissenschaftler im
Jahr 2022, die für kürzere geförderte Lehr- und
Forschungsaufenthalte ins Ausland gingen.
Dies stärkt gleichzeitig die internationale Vernetzung
des deutschen Wissenschaftssystems. Das Auswärtige
Amt will mit der DAAD-Förderung dazu beitragen,
langfristige Beziehungen zu anderen Ländern
aufzubauen und zu festigen. Beispielsweise mithilfe des
bundesweit geförderten Stipendien- und
Betreuungsprogramms für ausländische Studierende und (Post-)
Doktorandinnen und (Post-)Doktoranden (STIBET) des
DAAD unterstützt die Bundesregierung die
akademische Willkommenskultur und Integration
ausländischer Studierender durch die Schaffung verbesserter
Rahmenbedingungen an deutschen Hochschulen.
STIBET stellte in diesem Rahmen den deutschen
Hochschulen Mittel für die Vergabe von rund 3.600
2.1 Ziele der Internationalisierungsstrategie
Zahlen des Statistischen Bundesamtes belegen,
dass die Attraktivität des Forschungsstandorts
Deutschland steigt: Von 2008, dem Jahr der
Veröffentlichung der ersten Strategie der
Bundesregierung zur Internationalisierung von
Wissenschaft und Forschung, bis 2022 hat sich die Zahl
ausländischer Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler an den vier größten außeruniversitären
Forschungseinrichtungen (FraunhoferGesellschaft
[FhG], HelmholtzGemeinschaft [HGF],
MaxPlanckGesellschaft [MPG], LeibnizGemeinschaft
[WGL]) von 5.619 auf 16.625 Personen nahezu
verdreifacht. Den stärksten Anstieg verzeichnet
die MPG: Während der Anteil des ausländischen
Wissenschaftspersonals hier 2008 bereits über
20 % betrug, ist er bis 2022 auf rund 53 %
gestiegen. Im Durchschnitt kam im Jahr 2023 fast jede
dritte Wissenschaftlerin beziehungsweise fast
jeder dritte Wissenschaftler an den vier größten
außeruniversitären Forschungseinrichtungen aus
dem Ausland (30 %).
Drucksache 21/3350 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 18 –
STRATEGIEN UND MAẞNAHMEN 19
Stipendien im Jahr 2023 für die fachliche und soziale
Betreuung internationaler Studierender zur
Verfügung.
Die Campus Initiative internationale Fachkräfte des
DAAD, welche 2024 startete, zielt auf die Integration
internationaler Studierender, Akademikerinnen und
Akademiker. Im Rahmen der Initiative fördert das
BMFTR die Hochschulprogramme “FIT – Förderung
internationaler Talente zur Integration in Studium
und Arbeitsmarkt“ und “Profi plus – Akademische
Anpassungsqualifizierung für den deutschen
Arbeitsmarkt“. Im Rahmen des FIT-Programms werden
deutsche Hochschulen beim Aufbau passgenauer
Maßnahmen und Angebote zur Studienvorbereitung,
Studienerfolgssicherung und Arbeitsmarktintegration
von internationalen Studieninteressierten
beziehungsweise Studierenden gefördert. Darüber hinaus
wird der Ausbau von Support Services für
internationale Studierende (International Career Services) und
kooperativen Netzwerken mit Akteuren und Partnern
aus Wirtschaft (v. a. Unternehmen), Politik und
Gesellschaft zur Schaffung von Übergangsstrukturen in den
deutschen Arbeitsmarkt unterstützt. Das Programm
„Profi plus“ zielt auf internationale Akademikerinnen
und Akademiker, die bereits einen ausländischen
Hochschulabschluss mitbringen. Sie werden bei der
Anpassung ihrer Qualifikationen an die Erfordernisse
des deutschen Arbeitsmarktes unterstützt.
Die Zahl deutscher Studierender im Ausland hat sich
nach den Erhebungen des Statistischen Bundesamtes
seit dem Jahr 2005 stark erhöht: von 77.200
Studierenden im Jahr 2005 auf 138.800 im Jahr 2022. Die fünf
wichtigsten Studienländer in dieser Gruppe waren im
Jahr 2022 Österreich (37.800 beziehungsweise 27 %),
die Niederlande (22.600 beziehungsweise 16 %), die
Schweiz (12.500 beziehungsweise 9 %), das Vereinigte
Königreich (9.600 beziehungsweise 7 %) und die USA
(8.550 beziehungsweise 6 %).
Die durch die Bundesregierung finanzierte
Individualförderung des DAAD umfasst Maßnahmen für
Studierende, Doktorandinnen und Doktoranden sowie für
bereits etablierte Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler aus Deutschland und dem Ausland. Im Jahr
2023 wurden in der Individualförderung insgesamt
18.748 Personen gefördert, davon 11.481 aus dem
Ausland. Im selben Jahr gab es zudem 3.261 DAAD-
Projektförderungen, in deren Rahmen
Mobilitätsmaßnahmen für insgesamt 67.500 Personen aus dem In- und
Ausland finanziert wurden. Diese Förderungen
reichen von personenbezogenem Projektaustausch über
weltweite Hochschulkooperationen, akademische
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/3350– 19 –
STRATEGIEN UND MAẞNAHMEN 20
Netzwerke, Exzellenz- und Fachzentren bis zu
transnationalen Bildungsangeboten sowie umfassenden
Alumni-Angeboten (zum Beispiel das Alumni portal
Deutschland betrieben von DAAD, Alexander von
Humboldt-Stiftung (AvH) und Goethe-Institut). Über
Projekt- und Individualförderung leistet der DAAD
mit Unterstützung des BMZ einen Beitrag zur
Umsetzung der UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs) im globalen
Süden. Zudem wurden im EU-Mobilitätsprogramm
Erasmus+ im Jahr 2023 insgesamt 54.555 Personen
gefördert, davon kamen 5.098 aus dem Ausland.
Die AvH als große deutsche Mittlerorganisation
hat eine herausragende Bedeutung in der Stärkung
weltweit exzellenter Kooperation. Die AvH fördert
in vielfältigen Programmen vor allem ausländische
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nach der
Promotion, die für einen Forschungsaufenthalt nach
Deutschland kommen. Der Fokus liegt hierbei auf
der Förderung der Kooperation zwischen exzellenten
ausländischen und deutschen Forscherinnen und
Forschern. Von besonderer Bedeutung für Deutschlands
Zugang zu weltweiter wissenschaftlicher Exzellenz
ist die Alexander von Humboldt-Professur. Sie holt
internationale Spitzenforscherinnen und
Spitzenforscher aller Fachrichtungen aus dem Ausland an
deutsche Universitäten. Die vom BMFTR finanzierten
Professuren sind mit jeweils fünf Millionen Euro für
experimentell arbeitende Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler für fünf Jahre der höchstdotierte
Forschungspreis Deutschlands. Für theoretisch
arbeitende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beträgt
das Preisgeld 3,5 Millionen Euro.
Hervorzuheben ist die für den Zeitraum 2019–2024
erfolgte Erweiterung auf die Alexander von Humboldt-
Professur für Künstliche Intelligenz. Bis 2024 wurden
im Rahmen dieses Programms 24 Humboldt-
Professuren auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz (KI)
verliehen. Im Berichtszeitraum 2023–2024 wurden in
den beiden Programmlinien insgesamt 20 Humboldt-
Professuren verliehen. Eingerichtet wurden bisher
insgesamt 129 Humboldt-Professuren, davon 20 auf
dem Gebiet der KI.
Mit dem 2020 eingerichteten Henriette Herz-Scouting-
Programm eröffnet die AvH in einem hoch
kompetitiven Verfahren ausgewählten Gastgeberinnen und
Gastgebern an deutschen Forschungseinrichtungen
die Möglichkeit, durch aktive Ansprache Forschende
aus dem Ausland als Humboldt-
Forschungsstipendiatinnen und -Forschungsstipendiaten für ihre
Arbeitsgruppe zu gewinnen. Jedes Jahr werden so parallel
zum tradierten Bewerbungsverfahren bis zu 100
weitere Forschungsstipendien an exzellente
internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler
vergeben, die sich bislang nicht bei der Humboldt-
Stiftung bewerben. Ziel ist insbesondere die
Steigerung des Anteils von Frauen unter den Geförderten als
auch der regionalen Diversität im
Forschungsstipendienprogramm.
Zahlreiche Partnerschaften deutscher und
ausländischer Hochschulen ebnen den Weg für
internationalen akademischen Austausch und stärken dadurch
das deutsche Hochschulsystem wie auch die
Hochschulsysteme der Partnerländer. Ein herausragendes
Beispiel ist hierfür die Deutsch-Französische
Hochschule (DFH). Mit 34 binationalen und trinationalen
Doktorandenkollegs und 194 integrierten
Studiengängen an 210 Hochschulen in Deutschland,
Frankreich sowie Drittländern ist die DFH eine treibende
Kraft der bi- und trinationalen deutsch-französischen
Hochschulkooperation in Europa. 1997 gegründet,
bietet die DFH stabile Strukturen für die Einrichtung,
Finanzierung und Evaluation von Mehrfach-
Abschlussprogrammen und damit jährlich die Mobilität
von circa 6.000 Studierenden. Deutsch-französische
wissenschaftliche Veranstaltungen, PhD-Programme
und Doktorandenkollegs runden das Angebot der
DFH ab. Die DFH-Mitgliedshochschulen sind Vorreiter
in den Europäischen Hochschulallianzen. Das DFH-
Alumni-Netzwerk besteht aus 26.000 Absolventen
und Absolventinnen und über 500 Promovierten.
Mit dem Programm Internationale
Forschungsaufenthalte für Informatikerinnen und Informatiker (IFI)
fördert das heutige BMFTR seit 2019 die Mobilität
deutscher Nachwuchskräfte im Bereich der
Künstlichen Intelligenz und Informatik. Das vom DAAD
umgesetzte Programm baut auf den erfolgreichen
Vorgängern FIT und FITweltweit auf.
Postdoktorandinnen und Postdoktoranden haben die Möglichkeit,
bis zu zwei Jahre an einem der sieben exzellenten
Partnerinstitute in Südkorea, Japan, Kanada, den USA
und Israel zu forschen. Auch Doktorandinnen und
Doktoranden sowie Masterstudierende können für
bis zu sechs Monate gefördert werden, um frühzeitig
die Begeisterung für internationale Kooperationen
zu wecken. Seit 2019 wurden insgesamt 148 Master-
Drucksache 21/3350 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 20 –
STRATEGIEN UND MAẞNAHMEN 21
studierende, 99 Doktorandinnen und Doktoranden
und neun Postdoktorandinnen und Postdoktoranden
gefördert. Ab Juli 2024 wurde der Fokus des IFI-
Programms auf Postdoktorandinnen und
Postdoktoranden und Doktorandinnen und Doktoranden gelegt:
Postdoktorandinnen und Postdoktoranden können
bis zu 24 Monate, Doktorandinnen und Doktoranden
bis zu zwölf Monate an den Partnerinstituten
forschen.
Seit 2020 unterstützt das BMFTR im Rahmen des
Postdoc-NeT-AI-Programms die Gewinnung
internationaler Talente im Bereich Künstliche Intelligenz
für die deutsche Forschung. Der DAAD organisiert
jährlich zwei virtuelle „Postdoctoral Researchers
Networking Tours“ zu spezifischen KI-Themen, bei denen
internationale Postdocs ihre Forschung vorstellen,
Kontakte zu deutschen Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftlern aus Hochschulen,
Forschungsinstituten und Unternehmen knüpfen sowie berufliche
Perspektiven erkunden können. In den Jahren 2023
und 2024 fanden bislang vier Netzwerkreisen mit
insgesamt 257 Fellows statt, und eine vierte Reise ist
für November 2024 geplant. Zudem wurden in diesem
Zeitraum bereits 123 individuelle Forschungsreisen
nach Deutschland durchgeführt, um
Forschungsgruppen persönlich kennenzulernen. Ab 2024 hat das
heutige BMFTR mit der Förderung von bis zu
dreimonatigen Forschungskurzaufenthalten eine
wichtige Lücke geschlossen, um die Kooperationen über
das erste Treffen hinaus zu vertiefen. In der ersten
Ausschreibungsrunde im April 2024 wurden zwölf
Mikroprojekte gefördert.
Profilierung des Forschungsstandorts
Deutschland
Mit der Exzellenzstrategie fördern Bund und Länder
gemeinsam und dauerhaft die universitäre
Spitzenforschung in Deutschland. Die Exzellenzstrategie
ist die Weiterentwicklung der erfolgreichen
Exzellenzinitiative, die eine neue Dynamik am
Wissenschaftsstandort ausgelöst und seine internationale
Wettbewerbsfähigkeit gestärkt hat. Die Mittel für die
Förderung werden zu 75 % vom Bund und zu 25 % vom
jeweiligen Sitzland getragen. Ab 2018 werden für die
Exzellenzstrategie jährlich rund 533 Millionen Euro
in zwei Förderlinien bereitgestellt. In der Förderlinie
Exzellenzcluster werden international
wettbewerbsfähige Forschungsfelder an Universitäten
beziehungsweise Universitätsverbünden projektbezogen
gefördert. Die Förderlinie der Exzellenzuniversitäten
dient der institutionellen Stärkung der Universitäten
beziehungsweise eines Verbundes von Universitäten
und dem Ausbau ihrer internationalen
Spitzenstellung in der Forschung. Seit dem 1. Januar 2019 werden
57 Exzellenzcluster für sieben Jahre und seit dem
1. November 2019 zehn Exzellenzuniversitäten und
ein Exzellenzverbund – vorbehaltlich einer positiven
Evaluation alle sieben Jahre – dauerhaft im Rahmen
der Exzellenzstrategie gefördert. Die Auswahl erfolgte
in einem streng wissenschaftsgeleiteten Verfahren.
Nicht nur kooperieren die Exzellenzcluster und
Exzellenzuniversitäten in vielfältiger Hinsicht
international, auch wird ein wachsender Anteil des Personals
aus dem Ausland rekrutiert. Beispielsweise waren
2023 37 % der in Exzellenzclustern tätigen
Postdoktorandinnen und Postdoktoranden zuvor außerhalb
Deutschlands tätig. Hinzu kommt die große
internationale Strahlkraft durch das Auswahlverfahren und
die Einbindung von internationalen Gutachtenden.
Die Mitglieder des Expertengremiums, das unter
anderem Empfehlungen für alle
Förderentscheidungen ausspricht, besteht aus 39 in der Forschung auf
verschiedenen Wissenschaftsgebieten ausgewiesenen
Expertinnen und Experten, die fast ausschließlich an
Institutionen im Ausland tätig sind.
Mit der Initiative Research in Germany fördert das
BMFTR Kommunikationsmaßnahmen, um weltweit
für Deutschland als Forschungs- und Innovationsland
zu werben. Dazu zählen unter anderen
Erfolgsgeschichten, Einblicke in die deutsche
Forschungslandschaft und Informationen zu Karrieremöglichkeiten
und Förderprogrammen. Research in Germany
unterstützt zudem die deutschen Botschaften und
Auslandsrepräsentanzen, Hochschulen und
Forschungseinrichtungen sowie innovative KMU bei
ihren internationalen Marketing- und
Kommunikationsaktivitäten. 2023 und 2024 hat das damalige
BMBF den DAAD gefördert, um die vielfältigen
zielgruppenspezifischen Aktivitäten umzusetzen. Der
Fokus lag dabei auf crossmedialer Online- und Social-
Media-Kommunikation in den reichweitestarken und
kontinuierlich wachsenden Kanälen von Research in
Germany. Dadurch hat die Initiative in den Sozialen
Medien mittlerweile insgesamt über 550.000 Follower.
So konnten auch die drei thematischen Kampagnen
des BMBF (über research-in-germany.org) eine große
internationale Reichweite erzielen: „From Space to
Life“ zum Wissenschaftsjahr 2023 – Unser Universum,
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/3350– 21 –
STRATEGIEN UND MAẞNAHMEN 22
„From Lab to Pitch“ über Fußball-bezogene Forschung
und Innovation „made in Germany“ anlässlich der
EURO 2024 und „Freedom to Cooperate“ zum Thema
des Wissenschaftsjahres 2024 – Freiheit.
Mit der Kampagne Study in Germany – Land of Ideas
und unterschiedlichen Informationsangeboten wie
My GUIDE und der International (unter anderem
Doctoral) Programmes Datenbank informiert der
DAAD zudem bereits zum Studienstandort
Deutschland und macht so Deutschland als
Wissenschaftsstandort insgesamt sichtbar und attraktiv.
Deutschland ist ein wichtiger Standort für
Spitzenforschung: Im Bereich der Künstlichen Intelligenz
förderte das damalige BMBF bis Ende 2024 drei
Internationale Zukunftslabore, die Forscherinnen
und Forscher aus aller Welt in München, Berlin und
Hannover zusammenbrachten und nachhaltige
Kooperationsstrukturen geschaffen haben. Eines davon
– das „LeibnizKILab“ in Hannover – wird seit dem
Jahr 2024 unter Finanzierung des Landes
Niedersachsen und der VolkswagenStiftung zum
Niedersächsischen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz
und kausale Methoden in der Medizin (CAIMed)
ausgebaut. Darüber hinaus unterstützte das BMBF seit
dem Jahr 2021 auch den Aufbau eines Internationalen
Zukunftslabors zum Grünen Wasserstoff: „REDEFINE
Hydrogen Economy (H2E)“ an der Technischen
Universität München (TUM), das neuartige Technologien
zur Hochtemperatur-Elektrolyse und zu
Vergasungsverfahren sowie zur Synthese von Basischemikalien
und Energieträgern entwickelt.
Forschungsinfrastrukturen
Große Forschungsinfrastrukturen sind ein zentrales
Instrument der Bundesregierung, um
Forschungsexzellenz durch weltweite Kooperation zu stärken.
Zudem sind sie ein wichtiger Baustein, um die
wissenschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und technologische
Souveränität in Europa zu gewährleisten. Weltweit
bekannte wissenschaftliche Infrastrukturen und
Großgeräte ziehen internationale Spitzenforscherinnen
und Spitzenforscher an. Aufbau und Betrieb werden
vielfach durch gemeinsame Initiativen mehrerer
Partnerstaaten ermöglicht. Die Bundesregierung stärkt
die Rolle Deutschlands beim Aufbau, Betrieb und bei
der Nutzung von Forschungsinfrastrukturen durch
gezielte Maßnahmen auf nationaler, europäischer und
internationaler Ebene.
Im Juli 2024 hat das damalige BMBF das nationale
Priorisierungsverfahren für neue, umfangreiche
Forschungsinfrastrukturen (FIS) gestartet. Der Aufruf
Drucksache 21/3350 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 22 –
STRATEGIEN UND MAẞNAHMEN 23
ist auf ein großes Interesse in der Wissenschaft und
darüber hinaus gestoßen. Ziel des Verfahrens ist es,
die FIS auszuwählen, die für den Ausbau und Erhalt
der deutschen Spitzenposition in Forschung und
Innovation im internationalen Wettbewerb und der
Leistungsfähigkeit des deutschen
Wissenschaftssystems prioritär sind.
Die Bundesregierung engagiert sich im Europäischen
Strategieforum für Forschungsinfrastrukturen
(European Strategy Forum on Research Infrastructures,
ESFRI). Dessen Ziel ist es, Forschungsinfrastrukturen
von gesamteuropäischem Interesse zu identifizieren
und den Abstimmungsprozess zu deren Umsetzung
zu erleichtern. Auch auf internationaler Ebene strebt
die Bundesregierung eine engere Verzahnung und
Abstimmung der Aktivitäten zu
Forschungsinfrastrukturen an, insbesondere im Rahmen der
Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung (OECD) und der G7 – hier beispielsweise
die Group of Senior Officials on Global Research
Infrastructures (GSO GRI) –, deren Aktivitäten das
BMFTR regelmäßig mitgestaltet. Bei internationalen
Großprojekten mit russischer Beteiligung stimmt
sich Deutschland fortwährend mit den jeweiligen
internationalen Partnern ab. Seinen völkerrechtlichen
Verpflichtungen kommt das BMFTR nach.
Deutschland ist maßgeblich beteiligt an weltweit
führenden internationalen Forschungsinfrastrukturen:
Der International Thermonuclear Experimental Reactor
(ITER) ist ein Projekt von sieben internationalen
Partnern zur Fusionsenergie und wird derzeit im
südfranzösischen Cadarache realisiert. Als einer der sieben
ITER-Partner repräsentiert Euratom die EU-Staaten.
Deutschland ist somit mittelbar an ITER beteiligt. Als
Fusionsexperimentierreaktor soll ITER zeigen, dass
Energie aus der Verschmelzung von
Wasserstoffkernen gewonnen werden kann. Ziel ist es, ein
brennendes und für längere Zeit energielieferndes Plasma
zu erzeugen. ITER gilt als Schlüsselelement für die
Entwicklung und Testung von Technologien für den
zukünftigen Einsatz in einem Fusionskraftwerk.
Die European Organization for Nuclear Research (CERN)
betreibt mit dem Teilchenbeschleuniger LHC die
weltweit größte Forschungsinfrastruktur auf dem Gebiet
der Teilchenphysik. Zugleich ist das CERN als
Forschungsorganisation Koordinator und Sprachrohr für
die gesamte europäische Teilchenphysik. 2018 begann
der Ausbau des LHC zum HL-LHC (High Luminosity-
LHC), der bis 2027 abgeschlossen sein soll und auf eine
zehnmal höhere Leistungsfähigkeit (Luminosität)
abzielt. Deutschland ist einer von derzeit 23
Mitgliedstaaten und trägt als größter Beitragszahler mit rund
269 Millionen Euro pro Jahr (Stand: 2024) rund 21 %
des Gesamtbudgets der Institution bei.
Das 1974 ebenfalls als zwischenstaatliche
Forschungseinrichtung mit Völkerrechtsstatus aufgebaute
Europäische Laboratorium für Molekularbiologie (EMBL)
hat seinen Hauptsitz in Heidelberg und zieht weltweit
die besten Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler nach Deutschland. Mit seinem aktuellen
Forschungsprogramm „From Molecules to Ecosystems“
(2022–2026) verfolgt das EMBL das Ziel, Moleküle im
Kontext ihrer Umgebung zu erforschen und so neue
Erkenntnisse für die Medizin, den Klimawandel oder
den Artenschutz zu erhalten. Deutschland trägt als
größter Beitragszahler der 29 Mitgliedstaaten (rund
31,3 Millionen Euro im Jahr 2024) 20,57 % des
Gesamtbudgets.
Seit Ende 2022 unterstützt Deutschland das
europäische Genomic Data Infrastructure-Vorhaben. Dieses
soll den europaweiten Zugang zu genomischen und
damit verbundenen phänotypischen und klinischen
Daten über eine sichere Infrastruktur im Sinne der
europä ischen „1+ Millionen Genomes“-Initiative
ermöglichen. Damit sollen die künftige
Gesundheitsversorgung, Forschung und gesundheitspolitische
Entscheidungen verbessert werden. Aktuell sind an
dem kofinanzierten Projekt 24 Länder beteiligt. Die
Europäische Kommission beteiligt sich mit einem
Beitrag von 20 Millionen Euro. Teilnehmende
Staaten fördern das Vorhaben ebenfalls mit insgesamt
20 Millionen Euro. Das Vorhaben hat eine Dauer von
vier Jahren.
Die European Synchrotron Radiation Facility (ESRF)
betreibt eine hochleistungsfähige Synchrotron-
Strahlungsanlage für Forschungszwecke, ein
„Supermikroskop“ von extrem hoher Genauigkeit. Ende 2020
wurde ein neuer Speicherring in Betrieb genommen,
durch den die Anlage über eine 100-mal höhere
Leistungsfähigkeit und Präzision bei gleichzeitig stark
reduziertem Energieverbrauch verfügt. Im Herbst 2022
wurde der vom damaligen BMBF finanzierte
Messplatz BM18 eingeweiht, der Scans von menschlichen
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/3350– 23 –
STRATEGIEN UND MAẞNAHMEN 24
Organen, E-Auto-Batterien oder Flugzeugbauteilen
in nie gekannter Auflösung erlaubt. Deutschland ist
mit 24 % der zweitgrößte Gesellschafter an ESRF und
leistet jährlich rund 24 Millionen Euro (Stand: 2024)
als Beitragszahlung.
Das Institut Laue-Langevin (ILL) in Grenoble
(Frankreich) verfügt über die derzeit leistungsfähigste
Forschungsneutronenquelle für friedliche Zwecke.
Die dort erzeugten Neutronen dienen der
zerstörungsfreien Untersuchung der Struktur und Dynamik
von fester, gasförmiger oder flüssiger Materie mit
Schwerpunkt auf Materialwissenschaft,
Lebenswissenschaften, Chemie und Kernphysik. Das ILL wird
von Deutschland, Frankreich und dem Vereinigten
Königreich paritätisch als Gesellschaftern gemeinsam
mit zwölf weiteren europäischen Ländern finanziert.
Der deutsche Anteil beträgt rund 24 Millionen Euro
jährlich (Stand: 2024).
Die European Spallation Source (ESS ERIC) wird mit
ihrer Fertigstellung die weltweit modernste
Neutronenquelle darstellen und soll multidisziplinäre Forschung
von der Grundlagenforschung bis zur Anwendung
ermöglichen: in der Medizin, Umwelt,
Energieversorgung oder Werkstoffprüfung. Damit sollen wichtige
Fragen für unsere Wirtschaft und Gesellschaft
beantwortet werden. Insgesamt 13 europäische Staaten,
darunter Deutschland, sind Gründungsmitglieder
der ESS und beteiligen sich am Bau der ESS in Lund,
Schweden. Die ESS soll 2026 die ersten Neutronen
liefern und bis 2028 in den Vollbetrieb übergehen.
Das European Southern Observatory (ESO) betreibt in
der Atacama-Wüste in Chile astronomische
Spitzenforschung an besonders leistungsstarken Teleskopen.
Derzeit baut es dort das größte optische Teleskop der
Welt mit einem Spiegeldurchmesser von 39 Metern.
Damit wird das Extremely Large Telescope (ELT) das
größte Auge für sichtbares Licht, das entscheidend zur
Lösung der offenen Fragen der Astronomie
beitragen wird. Die Grundsteinlegung fand 2018 statt, die
Inbetriebnahme ist für 2027/2028 geplant. Die ESO
wird von 16 Mitgliedstaaten finanziert. Der jährliche
deutsche Anteil am Budget beträgt rund 23 %, was
etwa 49 Millionen Euro entspricht (Stand: 2024).
Das Cherenkov Telescope Array Observatorium (CTAO)
wird zur Entschlüsselung zentraler Fragen der
modernen Astrophysik im Bereich höchster
Gammastrahlungsenergien beitragen, wie zum Ursprung der
kosmischen Strahlung oder zur Natur der Dunklen
Materie. Mit zwei Teleskopstandorten, im Norden auf
La Palma (Spanien) und im Süden am ESO-Standort in
European Spallation Source (ESS)
Drucksache 21/3350 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 24 –
STRATEGIEN UND MAẞNAHMEN 25
Chile, wird CTAO den gesamten Himmel erschließen.
Zusätzlich zum Hauptquartier in Bologna wurde in
Zeuthen nahe Berlin im Berichtszeitraum ein
Datenauswertungszentrum errichtet und seither inhaltlich
aufgebaut. Derzeit wird CTAO von acht EU-Staaten
und der ESO als IO getragen sowie von drei Nicht-EU-
Staaten unterstützt. CTAO vereint als globales Projekt
Know-how: Konzepte für neuartige Optiken stammen
aus den USA, der Entwurf und Bau von Teleskopen
erfolgt in Italien und Frankreich, während Instrumente
und Software zur Datenauswertung in England und
Deutschland entwickelt werden.
Seit 1998 das erste Modul gestartet wurde, hat sich
die International Space Station (ISS) zum größten von
Menschen gemachten Objekt im Weltall entwickelt.
Nach einer längeren Aufbauphase ist die
wissenschaftliche Nutzung dieses einzigartigen Labors im
Erdorbit inzwischen in vollem Gange. Die Forschung
auf der Raumstation umfasst eine Vielzahl von
Disziplinen von der Erdbeobachtung über Strahlen- und
Gravitationsbiologie sowie Materialforschung und
Quantenphysik bis hin zu pharmazeutischer
Forschung. Auf der ESA-Ministerratskonferenz haben
sich Deutschland und seine europäischen Partner zu
einem weiteren Betrieb der ISS bis mindestens 2030
bekannt. Deutschland leistet dabei den mit Abstand
größten finanziellen Beitrag innerhalb der ESA und
nutzt einen signifikanten Teil der europäischen
Forschungskapazitäten auf der ISS.
Mit der Facility for Antiproton and Ion Research in
Europe (FAIR) soll in Deutschland eine weltweit
einmalige Forschungsinfrastruktur in der physikalischen
Grundlagenforschung schrittweise realisiert werden.
Durch die Erzeugung von Teilchenstrahlen bisher
unerreichter Intensität, Energie und Qualität lässt sich
Materie unter extremen Bedingungen untersuchen
sowie Varianten chemischer Elemente synthetisieren
und analysieren. Damit kann erstmals die Vielfalt der
unterschiedlichen Bedingungen und Phänomene „im
Labor“ erzeugt werden, die sonst bei Prozessen im
Universum, wie der Entstehung und Verschmelzung
von Sternen, bei Supernovae oder im Innern von
Planeten stattfinden. Damit erwartet die Wissenschaft,
Erkenntnisse zur Entstehung unserer Erde und des
Lebens auf der Erde zu gewinnen. Das Projekt ist ein
Meilenstein in der internationalen Zusammenarbeit
im Bereich der physikalischen Grundlagenforschung
sowie der angewandten Bio-, Medizin- und
Materialforschung. Im Endausbau entstehen mit FAIR in
Deutschland einzigartige Forschungsmöglichkeiten
für (im Endausbau) rund 3.000 Forschende aus dem
In- und Ausland.
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/3350– 25 –
STRATEGIEN UND MAẞNAHMEN 26
Der European X-Ray Free-Electron Laser (European
XFEL) als größter Röntgenlaser weltweit ist eine
international erfolgreiche Forschungseinrichtung, die
gemeinsam von Deutschland und elf europäischen
Partnern finanziert wird. Seit 2017 stellt European
XFEL internationalen Gruppen von Nutzerinnen und
Nutzern Strahlzeit an sieben Experimentierstationen
zur Verfügung. European XFEL hat mehrere
wissenschaftliche Weltrekorde aufgestellt und ermöglicht
mit bis zu 27.000 Röntgenpulsen pro Sekunde
bahnbrechende Einblicke in die Dynamik und Struktur
von Molekülen, Atomen oder Materialien in
unvergleichlicher zeitlicher und räumlicher Auflösung.
Die Experimente reichen von medizinischen
Fragestellungen wie Corona- und Antibiotikaforschung
über Energieforschung bis hin zur Entwicklung
innovativer und nachhaltiger Materialien und neuer
Verfahren zur Datenspeicherung und tragen dazu
bei, Deutschlands und Europas führende Position auf
dem Gebiet der Forschung mit Röntgenstrahlen zu
sichern und auszubauen. Als größter Beitragszahler
trägt Deutschland 2024 rund 83 Millionen Euro der
Betriebskosten.
ACTRIS (Aerosol, Clouds and Trace Gases Research
InfraStructure) ist eine paneuropäische
Forschungsinfrastruktur zur Beobachtung atmosphärischer
Aerosole, Wolken und Spurengase sowie zur
Erforschung der zwischen diesen Bestandteilen
auftretenden Wechselwirkungen. Sie basiert auf modernsten
Messmethoden zur Untersuchung der Verteilungen
und Veränderungen von Aerosolen und kurzlebigen
Treibhausgasen vom Boden über die Troposphäre bis
zur Stratosphäre und ihre komplexen Interaktionen.
Damit dient ACTRIS einer großen
Nutzergemeinschaft auf dem Gebiet der angewandten
Atmosphärenforschung. Darüber hinaus stellt ACTRIS
gesicherte Daten zur Luftqualität sowie zum Zustand
des Klimas zur Verfügung, auf deren Basis
umweltpolitische Entscheidungen getroffen sowie Regeln und
Gesetze erarbeitet werden können. ACTRIS ist seit
2016 Teil der ESFRI Roadmap. Der deutsche Beitrag
(ACTRIS-D) wurde 2019 im Rahmen des zweiten
nationalen FIS-Roadmap-Prozesses ausgewählt. 2021
wurde mit dem Aufbau der Kalibrierlabore begonnen.
Zudem wurden bis Ende 2022 die ersten
Beobachtungssysteme installiert und in Betrieb genommen.
Auf europäischer Ebene wurde ACTRIS im April 2023
in der Rechtsform eines ERIC (European Research
Infrastructure Consortium) gegründet.
Die Bundesregierung engagiert sich in der Forschung
und frühen Technologieentwicklung auf EU-Ebene
zur satellitengestützten Ortung, Navigation und
Erdbeobachtung und unterstützt die damit betrauten
europäischen Institutionen ESA und EUMETSAT.
Insbesondere bei der Entwicklung von
Anwendungsbeispielen und neuen Ideen für die gesamte
Wertschöpfungskette, die zur Nutzung der Daten und
Dienste der europäischen Galileo- und Copernicus-
Programme beitragen, beteiligt sich Deutschland
aktiv und unterstützt die dafür auf EU-Ebene zuständige
EU-Agentur für das Weltraumprogramm (EUSPA).
Deutschland ist zudem seit 2021 Sitzstaat des
Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersage
(EZMW). Die EZMW-Niederlassung in Bonn wird das
deutsche Wissenschaftssystem noch stärker
international vernetzen und die Attraktivität des deutschen
Standorts für ausländische Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler weiter stärken.
Mit der European Open Science Cloud (EOSC) wird im
Rahmen des Europäischen Forschungsraums (EFR)
eine Forschungsdateninfrastruktur als gesicherte
Umgebung für die Speicherung, Bearbeitung und
Weitergabe von Forschungsdaten sowie für
zugehörige Dienste und Software geschaffen. Die EOSC soll die
Verwaltung, Analyse und (Nach-)Nutzung von
Forschungsdaten vereinfachen und so interdisziplinäre
Forschung und Reproduzierbarkeit von
Forschungsergebnissen fördern. Der Aufbau der EOSC wird seit
Europäischer Röntgenlaser XFEL
Drucksache 21/3350 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 26 –
STRATEGIEN UND MAẞNAHMEN 27
2021 als ko-programmierte Partnerschaft gefördert.
In der dreigliedrigen Steuerungsstruktur (tripartite
governance) der EOSC sind die EOSC-Association
als Vertretung der Wissenschaft, die Europäische
Kommission und die Mitgliedstaaten sowie assoziierte
Länder vertreten. Die Mitgliedstaaten beteiligen sich
mit eigenen Beiträgen.
Ein In-kind Beitrag Deutschlands zur EOSC ist die
Nationale Forschungsdateninfrastruktur (NFDI), die
zum Ziel hat, dezentral, projektförmig und
temporär gelagerte Datenbestände von Wissenschaft und
Forschung für das gesamte Wissenschaftssystem
systematisch zu erschließen und so neues Wissen und
Innovationen hervorzubringen. Die NFDI wird von
Nutzern und von Anbietern von Forschungsdaten
ausgestaltet, die dazu in 27 Konsortien
zusammenarbeiten. Für den Aufbau der NFDI stellen Bund und
Länder von 2019 bis 2028 jährlich bis zu 90 Millionen
Euro bereit. Der NFDI e. V. ist eine von Deutschland
mandatierte Organisation in der EOSC Association;
weiterhin sind zahlreiche an den NFDI-Konsortien
beteiligte Organisationen auch in der EOSC aktiv.
Im Rahmen der Mitgliedschaft in den Vereinten
Nationen werden in Deutschland vier globale
Wasserdatenzentren als internationale
Forschungsdateninfrastrukturen betrieben. Dazu gehören das Weltzentrum
für Niederschlagsklimatologien (betrieben durch den
Deutschen Wetterdienst, Schirmherrschaft WMO),
das Global Runoff Data Center für Abflussmessungen
von Flüssen (betrieben durch die Bundesanstalt für
Gewässerkunde, Schirmherrschaft WMO), das GEMS/
Water Data Center für Wasserqualität (betrieben
durch die Bundesanstalt für Gewässerkunde und das
Internationale Zentrum für Wasserressourcen und
Globalen Wandel, Schirmherrschaft UNEP) und das
Internationale Bodenfeuchte Netzwerk (betrieben
durch die Bundesanstalt für Gewässerkunde und das
Internationale Zentrum für Wasserressourcen und
Globalen Wandel). Die Daten dienen der
internationalen Forschung als Grundlage, gehen aber auch in
internationale Berichte wie das SDG-Reporting oder
globale Wasser- oder Klima-Assessments ein. Damit
nimmt Deutschland international die führende Rolle
bezüglich bodengestützter Beobachtungen des
globalen Wasserkreislaufs ein.
Die Satellitenmissionen Gravity Recovery and Climate
Experiment (GRACE) vermessen seit über zwei
Jahrzenten die Veränderungen des Schwerefeldes der Erde.
Die erhobenen Satellitendaten tragen dazu bei, die
Auswirkungen des Klimawandels besser zu verstehen.
Beispielsweise können mithilfe der Daten
Dürreperioden vorhergesagt werden und das Verständnis der
Ursachen für den Anstieg des Meeresspiegels erhöht
werden. Die Reihe der GRACE-Satellitenmission ist
ein gemeinsames Projekt der Bundesregierung und
der USA und ein herausragendes Beispiel für
gelungene transatlantische Zusammenarbeit in der
Klimaforschung und der Raumfahrtindustrie. Als
Nachfolgemission von GRACE (2002–2017) und GRACE-FO
(Follow On, seit 2018) wird die neue GRACE-C
(Continuity, ab 2028) Mission weiterhin dazu beitragen,
das System Erde und seinen globalen Wasserhaushalt
besser zu verstehen, um wichtige Entscheidungen im
Kampf gegen den Klimawandel zu treffen.
Deutschland beteiligt sich auch an mehreren
europäischen Konsortien, die unter bestimmten rechtlichen
Rahmenbedingungen den Aufbau von
Forschungsinfrastrukturen ermöglichen, die dem europäischen
Interesse dienen (European Research Infrastructure
Consortium, ERIC).
Im Dezember 2023 hat Deutschland das INFRAFRON-
TIER ERIC (European Research Infrastructure for the
generation, phenotyping, archiving and distribution
of mouse disease models) mitgegründet, eine global
operierende paneuropäische Forschungsinfrastruktur
zur Entwicklung, Phänotypisierung, Archivierung
und Weitergabe von Säugetiermodellen, um damit zur
Erforschung der Ursachen und
Heilungsmöglichkeiten menschlicher Erkrankungen beizutragen. Ziel von
INFRAFRONTIER ERIC ist der Aufbau einer
Forschungsinfrastruktur von internationaler Bedeutung,
die der biomedizinischen Forschung Instrumente zur
Erforschung der Rolle der Genfunktion bei
Erkrankungen an die Hand gibt. Ebenfalls im Dezember 2023
ist Deutschland Mitglied von INSTRUCT geworden.
Das Instruct-ERIC (Integrated Structural Biology
Infrastructure) ermöglicht Forschenden den Zugang zu
High-End-Technologien und -Methoden der
Strukturbiologie, um Innovationen in der biomedizinischen
Forschung zu fördern. Neben der Bereitstellung von
Forschungsinfrastrukturen finanziert und organisiert
Instruct-ERIC über die beteiligten Forschungszentren
auch Forschungsaufenthalte, Schulungen,
Wissenschaftspreise und Konferenzen.
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/3350– 27 –
STRATEGIEN UND MAẞNAHMEN 28
Die europäische Forschungsinfrastruktur OPERAS
für offene geisteswissenschaftliche Kommunikation
wird mit rund 2,7 Millionen Euro Förderung von der
EU im Rahmen von Horizon Europe gefördert. Das auf
drei Jahre angelegte Projekt wird von der
Geschäftsstelle der Max Weber Stiftung (MWS) in Bonn
koordiniert, die als Kontaktstelle in Deutschland fungiert.
Die Forschungsinfrastruktur OPERAS wurde 2017 mit
dem Ziel gegründet, wissenschaftliche
Kommunikation, insbesondere Publikationen im Sinne der Open-
Science-Prinzipien, zu ermöglichen. 2021 wurde sie
als neue Forschungsinfrastruktur für die ESFRI-
Roadmap ausgewählt. Damit gehört OPERAS zu den ganz
wenigen geistes- und sozialwissenschaftlich
orientierten Infrastrukturen, die im europäischen Auftrag
gemeinsame Lösungen mitgestalten, wie z. B. die 2023
fertiggestellte mehrsprachige Plattform GoTriple, die
eine zentrale Anlaufstelle für geisteswissenschaftliche
Ressourcen wie Daten, Veröffentlichungen, Projekte
und Wissenschaftler ist oder PRISM, eine Plattform,
die zur Stärkung des Vertrauens in Open-Access-
Veröffentlichungen Transparenz über
Qualitätssicherungsverfahren wie Peer-Review schafft.
Ressortforschungseinrichtungen
Ressortforschungseinrichtungen sind
Bundeseinrichtungen mit Forschungs-, Entwicklungs- und
Kapazitätsentwicklungsaufgaben in den Geschäftsbereichen
einzelner Bundesministerien. Sie arbeiten in teils
ressortübergreifenden Projekten und Partnerschaften
zu aktuellen Fragestellungen, die auch multisektorale
und transdisziplinäre Ansätze erfordern. Mit
herausragender Forschung, wissenschaftlicher
Leistungsfähigkeit und ihren Infrastrukturen weisen sie international
Strahl- und Anziehungskraft auf. Auf europäischer und
multilateraler Ebene beteiligen sich
Ressortforschungseinrichtungen an diversen Projekten und
Partnerschaften sowie an der Gestaltung international
anerkannter Standards und Leitlinien und kooperieren auch
außereuropäisch mit Partnern diverser Länder. Die
Forschungsaufgaben der Einrichtungen sind darauf
gerichtet, wissenschaftliche Erkenntnisse für die
Durchführung von Fachaufgaben und die Politikberatung zu
gewinnen. Dabei wird ein umfassendes Spektrum von
natur-, sozial- und arbeitswissenschaftlichen
Fragestellungen bearbeitet, wie folgende Beispiele illustrieren.
Im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für
Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare
Sicherheit (BMUKN) unterstützt das Bundesamt für
Strahlenschutz (BfS) in seiner Eigenschaft als
Kooperationszentrum die Arbeit der WHO zur Ermittlung und
Bewertung von Strahlenrisiken. Neben der
Zusammenarbeit mit Organisationen wie der WHO und der
Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO),
unter anderem im Bereich des radiologischen
Notfallschutzes, unterhält das BfS auch auf bilateraler Ebene
Forschungszusammenarbeiten, beispielsweise mit der
Ukraine im Rahmen des Katastrophenschutzes.
Das Umweltbundesamt (UBA) kooperiert mit
Ressortforschungseinrichtungen aus 14 Ländern im EU-
Rahmenprogramm Horizont Europa zur Stärkung
der Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung (Projekt
CASRI). Ebenfalls in Horizont Europa beteiligten sich
das damalige BMUV sowie das damalige
Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft
(BMEL), über das UBA beziehungsweise das
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), als zweitgrößte
Geber an der Europäischen Partnerschaft zur
Risikobewertung von Chemikalien (PARC) zum Schutz der
Gesundheit von Mensch und Umwelt.
Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) des BMUKN
kooperiert mit wissenschaftlichen Akteuren unter
anderem in Europa (zum Beispiel Frankreich,
Großbritannien, Belgien, der Schweiz, Österreich), China
und verschiedenen afrikanischen Partnerländern zu
Themen des nationalen und internationalen
Naturschutzes.
Das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen
Entsorgung (BASE) war Beobachter des European Joint
Programme on Radioactive Waste Management
(EURAD-1) mit Laufzeit bis 2024 und ist in EURAD-2
als deutsche „Technical Safety Organization“
mandatiert und mit eigenen Forschungsprojekten beteiligt.
EURAD-2 führt ein gemeinsames strategisches
Programm für Forschungs- und
Wissensmanagementaktivitäten auf europäischer Ebene durch, das die
Programme der EU-Mitgliedstaaten für die Entsorgung
radioaktiver Abfälle zusammenführt und ergänzt.
Die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung
(BAM) als Ressortforschungseinrichtung des
Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) hat
im Berichtszeitraum ihre Zusammenarbeit mit
namibischen Partnern auf dem Gebiet der grünen
Wasserstofftechnologien weiter intensiviert, um Kapazitäten
für die sichere Produktion von grünem Wasserstoff in
Drucksache 21/3350 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 28 –
STRATEGIEN UND MAẞNAHMEN 29
Namibia aufzubauen. Die konkreten Aktivitäten
umfassten Forschung und Entwicklung, Kapazitätsaufbau,
Technologietransfer und Netzwerkbildung. Zum
Ausbau ihrer Kooperationen mit Südamerika ist die BAM
assoziiertes Mitglied im Deutschen Wissenschafts- und
Innovationshaus (DIWH) in Sao Paulo, Brasilien.
Die Physikalisch-Technische Bundesanstalt ist eine
Ressortforschungseinrichtung im Geschäftsbereich
des Bundesministeriums für Wirtschaft und
Energie (BMWE). Im MPG-RIKEN-PTB Center for Time,
Constants and Fundamental Symmetries arbeiten
zwei Institute der Max-Planck-Gesellschaft mit der
japanischen Forschungsinstitution RIKEN und der
Physikalisch-Technischen Bundesanstalt zusammen
an Präzisionsexperimenten zur Klärung
grundlegender Fragen der Physik. Die Zusammenarbeit erfolgt
über den Austausch von Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftlern sowie gemeinsame Experimente
mit speziellen Anlagen wie dem Antiproton
Decelerator am CERN oder den Atomuhren der PTB.
Die Ressortforschung des Bundesministeriums für
Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH)
umfasst vier Bundesforschungseinrichtungen, die
sich auf spezifische Bereiche der Agrar- und
Ernährungsforschung, der Forschung zur Fischerei- und
Waldwirtschaft sowie zu ländlichen Räumen
konzentrieren. Zu diesen Einrichtungen gehören das Julius
Kühn-Institut (JKI) für Kulturpflanzen, das Friedrich-
Loeffler-Institut (FLI) für Tiergesundheit, das Max
Rubner-Institut (MRI) für Ernährung und
Lebensmittel sowie das Johann Heinrich von Thünen-Institut
(Thünen-Institut) für Ländliche Räume, Wald und
Fischerei. Diese Institute sind eng in die politische
Entscheidungsfindung des BMLEH eingebunden und
liefern wissenschaftliche Entscheidungshilfen, um die
Herausforderungen der Landwirtschaft, Ernährung
und ländlichen Entwicklung zu meistern.
Die Forschung ist national und auch international
ausgerichtet, um durch internationale
Kooperationen zur Lösung globaler Herausforderungen wie der
Sicherung und Etablierung resilienterer
Agrarökosysteme, der Bekämpfung des Welthungers und der
Erfüllung internationaler Übereinkommen beizutragen.
Das Julius Kühn-Institut (JKI), das mit zahlreichen
Partnern in über 50 Ländern eng zusammenarbeitet,
hat im Jahr 2024 mit dem französischen Nationalen
Institut für Agrarwissenschaften (INRAe) eine
Kooperationsvereinbarung geschlossen, um die europaweite
Forschungsinitiative „European Research Alliance
Towards a chemical pesticide-free Agriculture“
voranzutreiben.
Entsprechend der Stellungnahme des
Wissenschaftsrats von 2024 ist das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) –
Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit eine
herausragende Forschungseinrichtung von
internationaler Strahlkraft, die auf den Gebieten der
Veterinärmedizin und der Nutztierwissenschaften Forschung
auf höchstem Niveau betreibt. Mit seinem
Hochsicherheitslabor- und Tierhaltungskomplex verfügt das
FLI in Europa über ein Alleinstellungsmerkmal für die
Forschung zur Tiergesundheit und Zoonosen. Durch
seine Expertise leistet das FLI einen wichtigen Beitrag
zur Bekämpfung von Tierseuchen im Ausland und zur
globalen Umsetzung des One Health-Ansatzes.
Das Deutsche Zentrum für Schienenverkehrsforschung
(DZSF) hat im Berichtszeitraum Kooperationen mit
Korea und Polen unterhalten. Gemeinsam mit dem
koreanischen Forschungsinstitut KRRI bearbeitet das
DZSF ein Projekt im Kontext Bahnlärm. Das DZSF
beteiligt sich an europäischen Forschungsprojekten,
unter anderem zum Thema Klimaresilienz von
kritischen Verkehrsinfrastrukturen. Das DZSF arbeitet in
europäischen Gremien und Verbänden mit, die
insbesondere der wissenschaftlichen Zusammenarbeit, der
Politikberatung und der Normung dienen.
Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) ist als
rechtsfähige Anstalt öffentlichen Rechts
Behörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums
für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend
(BMBFSFJ). Als Ressortforschungseinrichtung nimmt
es seine Aufgaben der Berufsbildungsforschung auf
Grund lage des § 90 Abs. 2 Berufsbildungsgesetz (BBiG)
wahr. Seine mittelfristige Forschungsplanung im
Rahmen von Themenclustern ermöglicht zudem eine
Verknüpfung der Forschung mit den weiteren
gesetzlichen Aufgaben unter anderem in der Neuordnung
von Ausbildungsberufen, der Durchführung von
weisungsgebundenen, innovativen Initiativen für die
Berufsbildung, zur Berufsbildungsstatistik oder auch
im Rahmen der Fachkräfteeinwanderung. Das BIBB
ist in vielfältige internationale Projekte im Kontext
der beruflichen Bildung eingebunden und unterhält
Forschungskooperationen mit mehreren europäi-
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/3350– 29 –
STRATEGIEN UND MAẞNAHMEN 30
schen Partnerhochschulen. Mit der Nationalen
Agentur beim BIBB sowie der internationalen
Berufsbildungsabteilung nimmt das BIBB auch Aufgaben der
Mobilität und der internationalen Zusammenarbeit
in der beruflichen Bildung wahr. Diese reichen von
internationaler Beratung, Kooperation mit
Partnerinstitutionen und im Rahmen der Anerkennung von
ausländischen Berufsqualifikationen bis zur
Zentralstelle der Bundesregierung für internationale
Berufsbildungskooperation (GOVET).
Die ressortforschungsähnlichen Einrichtungen im
Zuständigkeitsbereich des BMBFSFJ – das Deutsche
Jugendinstitut (DJI), das Deutsche Zentrum für
Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) und
das Deutsche Zentrum für Altersfragen (DZA) – sind
in zahlreichen internationalen Projektkontexten
eingebunden. Sie unterhalten
Forschungskooperationen mit Universitäten in den USA und in mehreren
europäischen Ländern.
Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) im
Geschäftsbereich des BMI ist an zahlreichen
internationalen Forschungsprojekten beteiligt. Es ist Teil des
Steuerungskomitees des internationalen Generations
and Gender Programme (GGP), welches anhand von
Panelsurveys in 19 Ländern Daten unter anderem zu
den Themen Familie und Fertilität erhebt. Zudem
arbeitet das BiB mit dem Deutschen Jugendinstitut (DJI)
im Rahmen des EU Projektes GUIDE am Aufbau einer
ersten europaweiten Geburtskohortenstudie. Das BiB
kooperiert unter anderem mit der Nationalen
Akademie der Wissenschaften der Ukraine zu Themen wie
Gesundheit und Lebenserwartung und stellt mit der
Studie „Geflüchtete aus der Ukraine in Deutschland“
Daten zur Lebenssituation Schutzsuchender aus der
Ukraine bereit. In Kooperation unter anderem mit der
Paris School of Economics arbeitet das Institut zur
mentalen Gesundheit von ukrainischen Geflüchteten
in Deutschland.
Im Geschäftsbereich des BMG sind das Robert Koch-
Institut (RKI), Paul-Ehrlich-Institut (PEI) und
Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM)
im Austausch mit internationalen Behörden. Als
Arzneimittelbehörde arbeitet das PEI im Bereich der
Regulation (Zulassung und Überwachung der Qualität,
Wirksamkeit und Unbedenklichkeit von Impfstoffen
und biomedizinischen Arzneimitteln) mit
internationalen Arzneimittelbehörden aus Europa, Amerika,
Afrika, Asien und Ozeanien zusammen und ist dort
in zahlreichen Gremien vertreten. Zudem arbeitet
das PEI mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO)
zusammen.
Die beiden rechtlich selbständigen FuE-Einrichtun gen,
mit denen das BMZ auf der Grundlage des Konzepts
einer modernen Ressortforschung kontinuierlich
kooperiert, sind in zahlreichen internationalen
Forschungs- und Evaluierungskontexten zur Gestaltung
einer partnerschaftlichen, globalen
Wissensgesellschaft eingebunden. So hat das Deutsche
Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit (DEval) den
Vorsitz im Evaluierungsnetzwerk der Organisation
für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung (OECD DAC-Evalnet) inne und engagiert sich
bei der Stärkung der Evaluierungskapazitäten der
Partnerländer der deutschen EZ. Das German Institute
of Development and Sustainability (IDOS) arbeitet über
das Netzwerk „Managing Global Governance“ mit
Partnerinstituten aus Brasilien, Mexiko, Indien,
Indonesien, China und Südafrika an der Erarbeitung
konzeptioneller Grundlagen und innovativer
Lösungsansätze für die Bewältigung globaler Herausforderungen
und die Umsetzung der Agenda 2030 der Vereinten
Nationen. Das IDOS spielt zudem eine führende Rolle
in den wissenschaftlichen Engagementgruppen der
G7 und G20 (Think7 und Think20).
Drucksache 21/3350 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 30 –
STRATEGIEN UND MAẞNAHMEN 31
(2) Deutschlands Innovationskraft
international entfalten
Die im Februar 2023 vom Bundeskabinett
verabschiedete Zukunftsstrategie „Forschung und Innovation“
ist als wichtige Grundlage für die Forschungs- und
Innovationspolitik der Bundesregierung der 20.
Legislaturperiode entwickelt worden. Sie hat Beiträge
geleistet, um die natürlichen Lebensgrundlagen zu
schützen, die internationale Wettbewerbsfähigkeit
Deutschlands zu sichern, Gesundheit für alle zu
verbessern, die Resilienz der Gesellschaft zu stärken
und die eigene Wirtschaftskraft zu gewährleisten.
Deshalb sind im Rahmen der Zukunftsstrategie
auch die europäische und internationale Vernetzung
als Wissenschafts- und Forschungsstandort weiter
gestärkt sowie neue und effektive Forschungs- und
Innovationspartnerschaften geschaffen worden.
Die internationale Vernetzung (zum Beispiel über
das M-ERA.NET-Programm) und die Etablierung von
bi- und multilateralen Kooperationen mit
Exzellenzzentren der Forschung ist eine Chance,
wissenschaftliches Knowhow mit Fachleuten anderer Regionen zu
diskutieren, gemeinsam fortzuentwickeln und damit
Schlüsseltechnologien schneller voran und in die
Anwendung zu bringen. Die internationale
Anbindung von zunächst national etablierten
Kompetenzclustern, wie zum Beispiel der in den letzten Jahren
etablierten Batteriekompetenzcluster, ist dabei ein
Pfad, nationale Forschungsaktivitäten international
fortzusetzen, auszubauen und Synergien zwischen
den jeweiligen Partnerländern zu heben. Ziel ist es,
dieses Innovationspotenzial im Bereich der
Schlüsseltechnologien durch bi- und multilaterale
Kooperationen zukünftig noch stärker zu nutzen.
Die gezielte Förderung von Schlüsseltechnologien wie
der Batterie im internationalen Kontext (zum Beispiel
durch bilaterale Kooperationen) hat zu zahlreichen
Innovationen geführt, die ohne die internationalen
Partnerschaften nicht beziehungsweise nicht in der
Geschwindigkeit hätten erreicht werden können.
Beispiele sind die Entwicklung aussichtsreicher
Batterietechnologien der Zukunft. Bis 2024
gelangen mit japanischen Partnern die Entwicklung von
fortschrittlichen Analysemethoden für
Festkörperbatterien und mit amerikanischen Partnern die
Entwicklung von Analysemethoden speziell für die
inneren Grenzflächen von Batterien. Gemeinsam mit
taiwanischen Partnern konnten Schlüsselmaterialien
für die nächste Generation von Hochenergiebatterien
erforscht werden. Die Entwicklung von
Hochleistungsbatterien mit französischen Partnern wurde
2024 gestartet.
Die Agentur für Innovation in der Cybersicherheit
GmbH (Cyberagentur) mit Sitz in Halle (Saale) wurde
durch das Bundesministerium des Innern (BMI) und
das Bundesministerium der Verteidigung (BMVg)
beauftragt, Forschung sowie bahnbrechende
Innovationen im Bereich der Cybersicherheit sowie
Schlüsseltechnologien für die innere und äußere Sicherheit
in Deutschland voranzutreiben. Seit Anfang 2024
vernetzt sich die Cyberagentur verstärkt mit
Innovationsagenturen aus dem Ausland, um ein Ökosystem
Cybersicherheit aufzubauen. Hierzu wurde ein
Netzwerktreffen initiiert, um einen stärkeren Austausch
zwischen europäischen Innovationsagenturen zu
etablieren und damit die digitale Souveränität
Deutschlands und Europas zu stärken. Um Deutschlands
Innovationskraft international zu stärken, strebt die
Bundesregierung die Schaffung eines gemeinsamen
internationalen Handlungsrahmens für die digitale
Transformation an. Das damalige Bundesministerium
für Digitales und Verkehr (BMDV) hatte hierfür das
Format der internationalen Digitaldialoge ins Leben
gerufen. Partnerländer sind unter anderem Brasilien,
Mexiko, Großbritannien, Kenia, Ghana, Südafrika,
Indien, Indonesien, Singapur, Japan und Südkorea.
Mit den Digitaldialogen hat das BMDV eine Plattform
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/3350– 31 –
STRATEGIEN UND MAẞNAHMEN 32
geschaffen, auf der sich Stakeholder aus Politik,
Wirtschaft, Forschung und Zivilgesellschaft kontinuierlich
zu digitalpolitischen Maßnahmen austauschen
können. Die hierbei beratenen Themen wie zum Beispiel
Digital- und Datenpolitik, innovative und immersive
Technologien wie Künstliche Intelligenz und
Quantentechnologien, Freiheit des Internets sowie die
Harmonisierung von Standards und Normen tragen zu
den Grundlagen für freie Forschung und innovative,
grenzüberschreitende Forschungskooperationen bei.
Die 2008/2009 vom Auswärtigen Amt und der Allianz
der Wissenschaftsorganisationen initiierten
Deutschen Wissenschafts- und Innovationshäuser (DWIH)
sind ein Zusammenschluss deutscher
Wissenschaftsorganisationen, Hochschulen und der forschenden
Wirtschaft. Sie bieten ein Schaufenster für die
Leistungsfähigkeit deutscher Forschung, ermöglichen
einen gemeinsamen Auftritt deutscher
Innovationsträger und vernetzen diese mit Kooperationspartnern
vor Ort. Das Projekt wird in enger Abstimmung mit
dem BMFTR und unter Beteiligung des heutigen
BMWE durchgeführt. Anfang 2022 kam zu den
Standorten in New York, Sao Paulo, Moskau3, Neu-
Delhi und Tokio ein sechstes DWIH in San Francisco
hinzu, das die deutsche Präsenz in dem einzigartigen
Innovationsökosystem der Bay Area bündelt und
verstärkt. Das BMWE fördert im Zentralen
Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) branchen- und
themenoffen jährlich mehrere Tausend
marktorientierte Forschungs- und Entwicklungs- (FuE-) Projekte
von jungen, kleinen und mittleren Unternehmen und
Forschungspartnern sowie das Netzwerkmanagement
von Innovationsnetzwerken. Ziel ist die Stärkung der
Wettbewerbsfähigkeit des innovativen Mittelstands.
Dabei wird die grenzüberschreitende
Forschungszusammenarbeit unter anderem mit einem höheren
Fördersatz unterstützt. Weitere Hebel zur Stärkung
kooperativer internationaler Innovationsentwicklung
sind gemeinsame Ausschreibungen und
synchronisierte Antragstellungen mit ausländischen
Innovationsförderungen. Diese basieren auf bilateralen oder
multilateralen Kooperationen, die das ZIM
mittlerweile mit über 20 Ländern und Regionen weltweit
pflegt (unter anderem Argentinien, Brasilien, Finn-
3 Das DWIH Moskau hat nach Beginn des Angriffskrieges der Russischen Föderation gegen die Ukraine am 24. Februar 2022 und im Einklang mit der
Erklärung der Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen vom 25. Februar 2022 keine Aktivitäten zur innovationsbezogenen
Kooperationsanbahnung mit russischen institutionellen Partnern mehr durchgeführt. In Abstimmung mit der Deutschen Botschaft Moskau hat es seit März 2022 in erster
Linie als Austauschplattform für seine deutschen Unterstützerorganisationen gewirkt.
land, Flandern, Frankreich, Israel, Kanada,
Katalonien, Luxemburg, Österreich, Schweden, Singapur,
Südkorea, Taiwan, Tschechische Republik, Türkei und
Wallonien). 2023 und 2024 konnten erfolgreich neue
Vereinbarungen mit Chile, Polen, der Schweiz und
dem Vereinigten Königreich geschlossen werden.
Im Berichtszeitraum sind im ZIM für die deutschen
Partner in 313 internationalen FuE-Projekten 62
Millionen Euro bewilligt worden. Darüber hinaus wurde
der Anschub von 36 neuen internationalen ZIM-
Innovationsnetzwerken unterstützt.
(3) Bildung und Qualifizierung
internationaler ausbauen
Die Bundesregierung engagiert sich international,
um die berufliche Bildung zu stärken. Mehrere
Bundesministerien sind in diesem Politikfeld aktiv
und arbeiten in Deutschland und in Partnerländern
weltweit mit staatlichen Einrichtungen, Wirtschafts-
und Sozialpartnern, Bildungsdienstleistern und der
Zivilgesellschaft zusammen. Koordiniert werden die
deutschen Aktivitäten unter der 2019 erneuerten
Strategie der Bundesregierung zur internationalen
Berufsbildungszusammenarbeit, die 2023 ihr
zehnjähriges Bestehen feierte. Ziel der Strategie ist es, die
deutschen Aktivitäten und Interessen zu bündeln und
eine kohärente Außenwirkung der deutschen Akteure
im Ausland sicherzustellen.
Das duale System der Berufsausbildung in
Deutschland ermöglicht eine schnelle Reaktion auf die
technologischen und gesellschaftlichen
Herausforderungen unserer Zeit. Gut ausgebildete Fachkräfte sichern
Innovation und Wettbewerbsfähigkeit, Wachstum
und Beschäftigung, Wohlstand und Lebensqualität in
Deutschland, aber auch in anderen Ländern weltweit.
Als zuständiges Ressort hat das damalige BMBF im
Berichtszeitraum bilateral mit zwölf Partnerländern
kooperiert, die in einem nachfrageorientierten Ansatz
u. a. durch die Rahmenbekanntmachung
„CooperationVET“ des BMBF Unterstützung beim Aus- und
Aufbau ihrer Berufsbildungssysteme hin zu mehr
Praxisrelevanz erhalten haben.
Drucksache 21/3350 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 32 –
STRATEGIEN UND MAẞNAHMEN 33
Die Zentralstelle der Bundesregierung für
internationale Berufsbildungskooperation (engl. German Office
for International Cooperation in Vocational
Education and Training; GOVET) im Bundesinstitut für
Berufsbildung (BIBB) fungiert als erste Anlaufstelle
in Deutschland für inländische und ausländische
Partnerinnen und Partner und hält für diese
Informationsmaterialien in bis zu 14 Sprachen vor. GOVET
ist darüber hinaus die Geschäftsstelle des Runden
Tisches für internationale
Berufsbildungszusammenarbeit in Deutschland, der in regelmäßigen Abständen
tagt und die Expertise der Bundesministerien,
ressortnahen Einrichtungen, Durchführungsorganisationen,
Bundesländer und Kammerorganisationen sowie von
Sozialpartnern und verschiedenen Vereinen,
Verbänden und Organisationen bündelt.
Die ebenfalls im BIBB bereits 2001 angesiedelte
Initiative iMOVE: Training – Made in Germany unterstützt
die Internationalisierung der deutschen
Bildungswirtschaft. Seit Oktober 2024 liegt ein weiterer
Schwerpunkt der Initiative auf der
Fachkräftegewinnung für Deutschland. Hierzu fand im November
2024 eine Auftaktveranstaltung mit Verbands- und
Wirtschaftsvertretern sowie der deutschen
Bildungswirtschaft statt. 2024 hat iMOVE zudem mit dem
Deutsch-Afrikanischen Bildungsforum eine
internationale Konferenz mit dem Fokus auf die
Fachkräftegewinnung ausgerichtet. 2023 wurden sieben eigene
Veranstaltungen durchgeführt (Länderseminare,
„VET on the move“ -Webinare und -
Präsenzveranstaltungen), Delegationsreisen in elf Länder begleitet, vier
Messeauftritte umgesetzt und sechs Publikationen
herausgegeben. 2024 hat iMOVE 19 eigene
Veranstaltungen durchgeführt, Delegationsreisen in sechs
Länder begleitet und vier Messebeteiligungen vor Ort
realisiert und vier Publikationen herausgegeben.
Seit 2017 hat das damalige BMBF im Rahmen von
„AusbildungWeltweit“ Auslandspraktika während der
beruflichen Erstausbildung gefördert.
Ausbildungsbetriebe, Kammern und andere Einrichtungen der
Berufsausbildung (wie zum Beispiel überbetriebliche
Ausbildungszentren) können Zuschüsse für ihre
Auszubildenden und für betriebliches
Ausbildungspersonal beantragen. Seit 2020 können auch
Berufliche Schulen Förderanträge stellen und Aufenthalte
von Personen in schulischer Berufsausbildung
bezuschusst werden. Während das EU-Programm
Erasmus+ Lernaufenthalte innerhalb Europas fördert,
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/3350– 33 –
STRATEGIEN UND MAẞNAHMEN 34
schließt die Bundesregierung mit AusbildungWeltweit
eine wichtige Förderlücke für Auslandspraktika rund
um den Globus. Das Programm stellt eine tragende
Säule der Berufsbildungszusammenarbeit dar. Von
2018 bis zur Antragsrunde im Juni 2024 konnten mehr
als 3.000 Personen gefördert werden. Die
Auslandsaufenthalte fanden in über 60 Ländern auf allen
Kontinenten statt.
Das damalige BMBF unterstützte auch in den Jahren
2023 und 2024 die von BIBB und UNESCO-UNEVOC
umgesetzte Initiative „Bridging Innovation and
Learning in TVET“ mit jeweils über einer Million Euro.
Ziel der Initiative ist es, mit den Partnerzentren des
VN-Netzwerkes UNEVOC innovative und exzellente
Berufsbildungsinitiativen zu teilen. Die Erfahrungen
im „Peer-Learning“ sollen als Impuls in die deutsche
Berufsbildung wirken und für die Fortentwicklung
des dualen Systems in Deutschland genutzt werden.
BILT fokussiert aktuell auf die Regionen Europa,
Asien und Afrika. Beginnend mit der Teilnahme an
der ersten Afrikanischen Skills-Week (Afrikanische
Union, Oktober 2024) wird jedoch ein
überregionaler, kohärenter Politikansatz über die Zukunft der
beruflichen Bildung initiiert („Global VET Agenda“).
Über die UNESCO hinaus werden weitere
multilaterale Organisationen involviert, insbesondere OECD, EU,
Weltbank sowie WorldSkills International.
Mit der Weiterentwicklung der
Fachkräfteeinwanderung wurden auch Erleichterungen im Bereich
des Aufenthaltsrechts umgesetzt, die 2024 in Kraft
getreten sind und die internationale Mobilität nach
Deutschland im Bildungsbereich weiter befördern
sollen. Zu nennen sind beispielsweise flexiblere und
erweiterte Möglichkeiten zur Nebenbeschäftigung oder
der Wegfall der Prüfung, ob eine Ausbildungsstelle
in Deutschland auch mit einem gleich geeigneten
inländischen Ausbildungssuchenden besetzt werden
kann. Das nationale Visumverfahren wurde zum
1. Januar 2025 digitalisiert – seitdem stehen die
weltweit relevanten Visumantragsarten in den Bereichen
Erwerbstätigkeit, Studium, Aus- und Fortbildung und
Familienzusammenführung als Online-Anträge zur
Verfügung. Alle 167 Visastellen weltweit und auch
die Visaannahmezentren externer Dienstleister sind
inzwischen an das Auslandsportal angebunden,
dessen Angebot weiter ausgebaut wird. Um im Ausland
qualifizierte Fachkräfte besser zu gewinnen und für
sie attraktiver zu sein, wurden auch die Möglichkeiten
für einen Aufenthalt zur Anerkennung einer
ausländischen Berufsqualifikation, flexibilisiert. Sie sehen
mit der Anerkennungspartnerschaft nun auch eine
Möglichkeit vor, das Anerkennungsverfahren erst in
Deutschland zu starten. Dies umfasst auch Phasen
einer weiteren Qualifikation in Deutschland, wobei
zugleich die Erwerbstätigkeit im jeweiligen Beruf
ermöglicht wird. Davon profitieren insbesondere auch
die reglementierten Berufe im Gesundheitswesen
oder der Pädagogik. Dies wird durch die erfolgte
Digitalisierung der Antragsverfahren zur Anerkennung
ergänzt. In den angeschlossenen Ländern werden die
Antragsstrecken sukzessive angebunden und so die
elektronische Antragstellung für immer mehr Berufe
ermöglicht.
Deutschland ist weltweit ein wichtiger Geber in der
beruflichen Bildung. Die Zusagen für die Förderung
der beruflichen Bildung im Rahmen der
Entwicklungszusammenarbeit (EZ) betrugen 2024 rund
360 Millionen Euro. In zwei Drittel der Partnerländer
der deutschen EZ ist berufliche Bildung Schwerpunkt
der bilateralen Zusammenarbeit. Dabei steht die
Unterstützung bei Aufbau und Stärkung von nationalen
Berufsbildungssystemen im Vordergrund. Das BMZ
setzt sich mit Maßnahmen der beruflichen Aus- und
Weiterbildung insbesondere für die Gleichstellung
der Geschlechter, für einen gerechten Übergang zu
einer grünen Wirtschaft, die Integration von
Flüchtlingen in nationale Bildungssysteme, den Übergang
aus der informellen Wirtschaft in reglementierte
Berufsbildung sowie für die Themen Digitalisierung
und Qualifizierung des Berufsbildungspersonals ein.
Regionale Schwerpunkte des BMZ-Engagements in
der beruflichen Bildung sind Afrika und die Region
Nahost und Nordafrika (engl. Middle East and North
Africa; MENA).
Von zentraler Bedeutung ist dabei die BMZ-
Sonderinitiative „Gute Beschäftigung für sozial gerechten
Wandel“, die arbeitsmarktorientierte berufliche
Bildung in enger Zusammenarbeit mit der lokalen,
deutschen und internationalen Wirtschaft fördert.
Das Förderprogramm develoPPP (seit 2024 unter der
Dachmarke „Partners in Transformation“ geführt)
richtet sich mit seinen beiden Instrumenten
develoPPP Classic und develoPPP Ventures an
Unternehmen, die nachhaltig in einem Entwicklungs- oder
Schwellenland investieren und ihre Tätigkeit vor Ort
z. B. durch bedarfsorientierte betriebliche Aus- und
Drucksache 21/3350 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 34 –
STRATEGIEN UND MAẞNAHMEN 35
Weiterbildung ausbauen wollen. Über die Förderung
konkreter Maßnahmen wird im Rahmen von
regelmäßig stattfindenden Ideenwettbewerben
entschieden. Förderfähig sind etablierte mittelständische
und große Unternehmen mit Sitz in der EU, einem
Mitgliedsland der European Free Trade Association
(EFTA) oder einem Land der OECD-DAC-Liste sowie
andererseits lokale aufstrebende Start-ups.
Seit 2021 erhält die Global Labour University (GLU)
BMZ-Mittel zur Umsetzung zahlreicher Maßnahmen
im Rahmen der GLU Online Academy. Damit verfolgt
die GLU das Ziel, handlungsorientierte Forschung
sowie die intellektuellen und strategischen
Kapazitäten von Arbeitnehmerorganisationen zu stärken und
Arbeitsbeziehungen zwischen Gewerkschaften und
der Wissenschaft zu fördern.
Das heutige BMLEH hat im Berichtszeitraum im
Rahmen von bilateralen Kooperationsprogrammen die
berufliche Qualifizierung von landwirtschaftlichen
Unternehmen und die berufliche Bildung im
Agrarsektor gefördert. Bereits seit dem Jahr 2017 unterstützt
das BMLEH beispielsweise die Agrarausbildung in
der Ukraine. Dabei wurde die Projektarbeit trotz des
russischen Angriffskriegs unvermindert fortgesetzt.
In Europa war das damalige BMBF Initiator und Co-
Autor der Osnabrücker Erklärung zur beruflichen
Bildung. Die Osnabrücker Erklärung wurde unter der
deutschen EU-Ratspräsidentschaft im November 2020
angenommen und gemeinsam von den EU-
Mitgliedstaaten, den EWR-Staaten, EU-Beitrittskandidaten,
der EU-Kommission und den europäischen
Sozialpartnern gezeichnet. Sie prägt noch bis Ende 2025 die
thematischen Schwerpunkte des Kopenhagen-
Prozesses und ergänzt die „Ratsempfehlung zur beruflichen
Aus- und Weiterbildung für nachhaltige
Wettbewerbsfähigkeit, soziale Gerechtigkeit und Resilienz“. Im
Rahmen eines Europäischen Berufsbildungsraums und auf
Grundlage enger Zusammenarbeit mit den
Sozialpartnern formuliert sie konkrete Beiträge der
Berufsbildung zur Nachhaltigkeit und Wettbewerbs fähigkeit,
einer proaktiven Weiterbildungskultur sowie der
Förderung des digitalen und ökologisches Wandels.
Zusammen mit der Skills Agenda der EU-Kommission
und Ratsempfehlung definiert die Osnabrücker
Erklärung Leitplanken einer europäischen
Berufsbildungsagenda.
(4) Die globale Wissensgesellschaft
gemeinsam mit Schwellen- und
Entwicklungsländern gestalten
Im Fokus der BMFTR-Fördermaßnahme CLIENT II
– Internationale Partnerschaften für nachhaltige
Innovationen steht die Förderung von FuE-Kooperationen
mit ausgewählten Schwellen- und
Entwicklungsländern in Afrika, Asien sowie Südamerika. Im Rahmen
von CLIENT II werden gemeinsam innovative und
nachhaltige Lösungsansätze für konkrete
Herausforderungen im Partnerland entwickelt und
implementiert. Damit sollen die Umsetzung der VN-Ziele
für nachhaltige Entwicklung vorangetrieben und
gleichzeitig neue Marktpotenziale für
exportorientierte innovative deutsche Unternehmen erschlossen
werden. Die Projekte geben Impulse, um die
Umweltbelastungen in den Partnerländern zu reduzieren,
natürliche Ressourcen schonend zu nutzen, alle
Bevölkerungsschichten mit sicherer, sauberer und
bezahlbarer Energie zu versorgen und einen Beitrag
zum globalen Klimaschutz beziehungsweise zur
Anpassung an Klimawandel und Naturrisiken zu
leisten. Seit dem Jahr 2017 wurden mehr als 70 Projekte
mit circa 30 Partnerländern gestartet. Für CLIENT
II werden bis 2026 im Rahmen der FONA-Strategie
insgesamt rund 150 Millionen Euro Fördermittel
bereitgestellt.
CLIENT II kann dabei bemerkenswerte Innovationen
und Transferleistungen aus den Projekten vorweisen.
Beispielsweise startete 2023 das Forschungsprojekt
RENO-TITAN mit dem Ziel der Untersuchung von
Rahmenbedingungen sowie technologischen und
managementbasierten Methoden zur nachhaltigen
und gefährdungsfreien Verwertung von Rückständen
aus der Titanindustrie in Vietnam. Das
jordanischdeutsche Forschungsprojekt CapTain Rain
entwickelte Maßnahmen zur Vorhersage und
Verringerung von Sturzflutschäden und feierte 2024 seinen
erfolgreichen Abschluss in Amman und Wadi Musa.
Alle Produkte aus dem Vorhaben werden für das
Starkregenrisikomanagement in Jordanien genutzt
und weiterentwickelt. Die Arbeiten zu
klimaangepasster agrarischer Landnutzung in Kasachstan und
der Mongolei (ReKKS) wurden für die Entwicklung
einer Maschine zur ultraflachen Bodenbearbeitung
genutzt, die inzwischen bereits vermarktet wird.
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/3350– 35 –
STRATEGIEN UND MAẞNAHMEN 36
Das Auswärtige Amt (AA) fördert seit 2008 über den
DAAD Fach- und Exzellenzzentren in Schwellen- und
Entwicklungsländern. Neben weltweit fünf
Exzellenzzentren in Forschung und Lehre werden mit der
Unterstützung von insgesamt zwölf Fachzentren in
Afrika leistungsfähige Lehr- und Forschungsstätten
an führenden afrikanischen Hochschulen aufgebaut.
Die Zentren ermöglichen durch nachhaltige
Strukturen die Ausbildung zukünftiger Führungskräfte
für Gesellschaft und Wissenschaft in afrikanischen
Partnerländern. Neben der größtenteils
interdisziplinären akademischen Ausbildung bieten alle
Fachzentren zusätzliche Angebote an, beispielsweise zu guter
Regierungsführung, Verwaltung sowie deutscher
Sprache und Kultur. Seit 2008 haben bereits über
1.000 Stipendiatinnen und Stipendiaten erfolgreich
ihr Studium an einem Fachzentrum abgeschlossen.
Im Rahmen der beiden Programmlinien „Globale
Zentren für Klima und Umwelt“ sowie für
„Gesundheit und Pandemievorsorge“ werden seit 2021 je vier
Zentren gefördert. Die Gesundheitszentren sind in
den Ländern Vietnam, Ghana, Gabun und Kuba/
Mexiko angesiedelt und sollen jeweils in die
benachbarten Regionen ausstrahlen. Die vier Klimazentren
haben ihre Sitze in Indien (mit Hub in Thailand),
Kolumbien (mit Hub in Südafrika), Elfenbeinküste/
Kenia und Palästina (mit Hubs in Jordanien und
Israel). Neben den etablierten Stipendienangeboten
hat der DAAD mit finanzieller Unterstützung des AA
2020 für Subsahara Afrika das neue Leadership-for-
Africa-Programm ausgeschrieben. Im Rahmen des
explizit an Flüchtlinge in West-, Zentral und Ostafrika
adressierenden Programms werden bis zu 70
Stipendien für Masterstudiengänge in Deutschland, ergänzt
durch ein umfassendes Begleitprogramm für Soft
Skills und gesellschafts- und sozialpolitische
Kompetenzen, vergeben.
Das BMZ unterstützt die internationale Vernetzung
von Hochschulen und fördert kontinuierlich globale,
interdisziplinäre Netzwerke entwicklungsorientierter
Hochschulen. Die Forschungs- und
Lehrkooperationen zwischen deutschen Hochschulen und
Hochschulen in Ländern des globalen Südens beschäftigen
sich u. a. mit Fragen globaler Gesundheit/One Health,
nachhaltiger Stadtentwicklung, Erneuerbarer
Energien, menschenwürdiger Arbeit oder
Nahrungsmittelsicherheit und leisten so einen wichtigen Beitrag zur
Umsetzung der UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs). Auch
die vom BMZ finanzierten SDG-Graduiertenkollegs
und SDG-Partnerschaften des DAAD zielen auf eine
internationale, transdisziplinäre Vernetzung
akademischer Institutionen, um globale Herausforderungen
partnerschaftlich anzugehen, leistungsfähige und
weltoffene Hochschulen in den Partnerländern der
deutschen Entwicklungszusammenarbeit zu stärken
und ihre Einbindung in internationale Netzwerke
zu Themen global nachhaltiger Entwicklung zu
unterstützen. Im Berichtszeitraum wurden mehr als
60 Kooperationen vom BMZ gefördert, mit einem
Schwerpunkt in Afrika.
Über die von der AvH vergebenen Georg Forster-
Forschungsstipendien und -Forschungspreise fördert
das BMZ herausragende Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler aus Entwicklungs- und
Schwellenländern, die über ihr akademisches und
gesellschaftliches Wirken einen Beitrag zur nachhaltigen
Entwicklung ihrer Herkunftsländer leisten.
Das BMFTR fördert zum Aufbau und zur
Weiterentwicklung langfristiger, wissenschaftlicher
Strukturen gemeinsam mit Partnerländern im westlichen
und südlichen Afrika je ein Kompetenzzentrum für
Klimawandel und angepasstes Landmanagement
(„Southern African Science Service Centre for Climate
Change and Adaptive Land Management“ (SASSCAL);
„West African Science Service Centre on Climate
Change and Adapted Land Use“ (WASCAL) (vgl. Ka-
Drucksache 21/3350 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 36 –
STRATEGIEN UND MAẞNAHMEN 37
pitel 5.1 „Afrika und Nahost“). Hieraus ergeben sich
vielfältige Synergien mit den in Afrika angesiedelten
Instituten des internationalen
Agrarforschungsnetzwerks CGIAR (engl. Consultative Group on
International Agricultural Research), das seit seiner Gründung
1971 vom BMZ kontinuierlich gefördert wird.
Mit der im Jahr 2023 gestarteten Sonderinitiative
„Transformation der Agrar- und
Ernährungssysteme“, die auf der Vorgängerinitiative „Eine Welt
ohne Hunger“ aufbaut, trägt die deutsche
Entwicklungspolitik darüber hinaus dazu bei, Hunger und
Mangelernährung zu bekämpfen. Im Rahmen des
BMZ-Kernthemas „Leben ohne Hunger“ ist die
Initiative ein wichtiges Instrument, um das Recht aller
Menschen auf gesunde Nahrung durchzusetzen. Im
Rahmen der Sonderinitiative stellt die Entwicklung
und Erprobung innovativer Ansätze sowie Förderung
von praxisnaher Forschung eine zentrale Rolle bei
der Zielerreichung in den drei Aktionsfeldern
„Ernährungssicherung“, „ländliche Entwicklung“ und
„Landwirtschaft“ dar.
Im Rahmen der Internationalen
Klimaschutzinitiative (IKI) fördert das Bundesministerium für Umwelt,
Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit
(BMUKN) gemeinsam mit Partnerländern in West-,
Zentral- und Ostafrika die Entwicklung von
Kapazitäten für Expertinnen und Experten zu Biodiversität
und Ökosystemleistungen („Capacity Development
for Biodiversity and Ecosystem Services Experts in
West, Central & East Africa/CABES“) (vgl. Kapitel 5.1
„Afrika und Nahost“). Zudem fördert das BMUKN
im Rahmen der IKI in der zweiten Phase das globale
Vorhaben BES-Net. BES-Net (Biodiversity and Ecosystem
Services Network) ist ein „Netzwerk von Netzwerken“,
das den Dialog und die Zusammenarbeit zwischen
Wissenschaft, Politik und Praxis für ein effektives
Management von Biodiversität und
Ökosystemdienstleistungen fördert und die interinstitutionelle
Koordinierung in mehr als 20 Ländern erfolgreich verbessern
kann. Das Projekt unterstützt eine faktenbasierte
Politikgestaltung, strategische Planungen und die
Umsetzung transformativer Lösungen in 18 Ländern
(unter anderem Kamerun, Kolumbien, Äthiopien,
Vietnam, Kasachstan, Kenia, Nigeria und Trinidad und
Tobago). Es wertet zudem das BES-Netz auf, indem es
die Erfassung und Bewertung von Ökosystemen in
sogenannten National Ecosystem Assessments (NEAs)
in vier neuen Ländern fördert und Dreiecksgespräche
zwischen Wissenschaft, Politik und Praxis in rund
40 Ländern erleichtert. Die Aktivitäten und
Ergebnisse des Projekts werden unter anderem zur Umsetzung
des Arbeitsprogramms des Weltbiodiversitätsrats
(IPBES) in den Partnerländern beitragen. Über
Erfahrungen und Erfolge informiert die Online-Plattform
des BES-Net.
(5) Gemeinsam globale
Herausforderungen bewältigen
Die 2020 veröffentlichte BMBF-Strategie Forschung
für Nachhaltigkeit (FONA) richtet sich an den
globalen Zielen für nachhaltige Entwicklung der VN aus
und formuliert Wege, wie Nachhaltigkeitsziele durch
Forschung erreicht werden. Damit beschleunigt das
heutige BMFTR die Erforschung, Entwicklung und
Nutzung grüner Innovationen, ohne die der
nachhaltige Umbau von Wirtschaft und Gesellschaft nicht
zu bewältigen ist. 2024 wurde eine Zwischenbilanz
zu den bisherigen Erfolgen und ein Ausblick zu den
anstehenden Schwerpunkten veröffentlicht.
FONA vernetzt Akteure und findet wirtschaftlich und
gesellschaftlich tragfähige Lösungen für nachhaltige
Städte, saubere Energie, weniger Rohstoffverbrauch,
weniger Abfälle und weniger Emissionen und für den
Schutz von Klima, Lebensräumen und natürlichen
Ressourcen.
FONA setzt dabei auf eine wirksame Koordinierung
in Europa und der Welt und die Kooperation mit
Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländern. Bei
der Wahl der Partner achtet Deutschland darauf, dass
die Kooperationen von gegenseitigem Interesse sind
und dass sie der lokalen Bevölkerung zugutekommen
(siehe auch oben Ziel 4).
Mit der Fördermaßnahme Bioökonomie International
unterstützt das BMFTR im Rahmen der Nationalen
Bioökonomiestrategie internationale
Forschungspartnerschaften mit Forschenden aus Ländern, die
innovative Produkte und neue Dienstleistungen für und in
der Bioökonomie entwickeln. Damit werden zugleich
wichtige Beiträge zur Lösung globaler
Herausforderungen wie der Welternährung sowie des Klima- und des
Umweltschutzes geleistet. Seit dem Jahr 2012 bis zum
Ende des Berichtszeitraums Ende 2024 wurden in
Bioökonomie International 143 Verbünde mit 238 Einzel-
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/3350– 37 –
STRATEGIEN UND MAẞNAHMEN 38
vorhaben in den fünf Themengebieten „Weltweite
Ernährung sichern“, „Agrarproduktion nachhaltig
gestalten“, „Gesunde und sichere Lebensmittel“,
„Nachwachsende Rohstoffe industriell nutzen“ und
„Energieträger auf Basis von Biomasse ausbauen“
gefördert. Ergänzend führt das heutige BMFTR seit 2016
zusammen mit den norwegischen und finnischen
Wissenschaftsministerien die Initiative Bioeconomy
in the North durch. 2022 wurde das Konsortium der
Förderorganisationen um Schweden und Kanada
erweitert. Der Schwerpunkt der Initiative liegt auf
Bioökonomieforschung und Innovation in der
Forstwirtschaft. In der zweiten Ausschreibungsrunde 2022
wurden fünf Projekte ausgewählt, die alle eine
deutsche Beteiligung aufweisen und im Berichtszeitraum
liefen. Die Fördersumme der Projekte aus der zweiten
Ausschreibungsrunde liegt bei 1,7 Millionen Euro. Die
erfolgreiche Initiative soll weitergeführt werden.
Die supranationale Organisation „Joint Programming
Initiative Healthy and Productive Seas and Oceans
(JPI Oceans)“ mehrerer EU-Mitgliedstaaten sowie
von Großbritannien, Island und Norwegen verfolgt
das Ziel, nationale Forschungsanstrengungen zu
koordinieren und einen Beitrag zum Europäischen
Forschungsraum zu leisten. Mitglieder von JPI Oceans
sind Ministerien und Fördereinrichtungen aus derzeit
19 Mitgliedsländern, die nationale Forschungspläne
entwickeln, finanzieren und umsetzen. Seit 2011
agiert JPI Oceans als paneuropäische
zwischenstaatliche Plattform für eine engere Zusammenarbeit
im Bereich der maritimen und marinen Forschung.
Damit sollen nationale Förderaktivitäten besser
aufeinander abgestimmt werden und ein sichtbarer
Beitrag zur Umsetzung der „Sustainable Development
Goals (SDGs)“ erreicht werden. Die JPI Oceans ist der
einzige strategische Mechanismus auf hoher Ebene,
der einen integrierten europäischen Ansatz für
Investitionen in innovative Meeresforschung und maritime
Technologieentwicklung bietet. Zentrales Instrument
der JPI Oceans sind Joint Actions, die durch mehrere
Mitgliedsländer unterstützt werden, um
Vorreiterinitiativen zur Förderung der Zusammenarbeit zwischen
Forschung, Bildung und Industrie zu erschließen.
In Zusammenarbeit mit der JPI Oceans werden auch
EU-Instrumente des aktuellen
Forschungsrahmenprogramms Horizont Europa fortentwickelt, zum
Beispiel die EU-Mission „Sanierung unserer Meere
und Gewässer“ und die Sustainable Blue Economy
Partnership (SBEP).
Gemeinsam mit den Niederlanden investiert
Deutschland 15 Millionen Euro in bilaterale
Forschungsprojekte, die zum wirksamen Schutz des UNESCO-
Weltnaturerbes Wattenmeer beitragen. Die Projekte
beschäftigen sich mit den vielfältigen Auswirkungen
der dreifachen planetaren Krise (Klimawandel, Verlust
der biologischen Vielfalt und Verschmutzung der
Umwelt) auf das weltweit einzigartige Gezeitensystem
sowie deren Bedeutung für Küstengesellschaften. Von
deutscher Seite erfolgt die Förderung im Rahmen des
„Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz (ANK)“
des BMUKN, der Strategie zur Forschung für
Nachhaltigkeit (FONA) des BMFTR sowie des
Forschungsprogramms der Bundesregierung „MARE:N – Küsten-,
Meeres und Polarforschung für Nachhaltigkeit“.
Als Beitrag zu den Nachhaltigen Entwicklungszielen
der Vereinten Nationen (insbesondere SDG 6 – Wasser
und Sanitätsversorgung) hat das BMFTR die
Fördermaßnahme Globale Ressource Wasser (GRoW) initiiert.
In der Hauptphase haben zwölf Forschungsverbünde
und ein Vernetzungs- und Transfervorhaben mit
insgesamt mehr als 300 Personen aus Wissenschaft,
Wirtschaft und Praxis geforscht und in
Fallstudiengebieten auf der ganzen Welt zusammengearbeitet.
Im Berichtszeitraum wurden zwei Nachfolgeprojekte
zur Entwicklung eines globalen Vorhersagesystems
für Dürregefahren und grenzüberschreitende
Wasserbewirtschaftung des Blauen Nils gefördert.
Für den nachhaltigen Umbau von Wirtschaft und
Gesellschaft, zum Beispiel den weiteren Ausbau
Erneuerbarer Energien, ist eine sichere und
zukunftsfähige Versorgung mit Rohstoffen unverzichtbar. Vor
diesem Hintergrund beteiligt sich das BMFTR am
Europäischen Netzwerk ERA-MIN. Bis Ende 2024 hat
das damalige BMBF im Rahmen dieser Maßnahme
26 Verbundprojekte mit einer Gesamtfördersumme
von ca. 12 Millionen Euro gefördert, die thematisch
die gesamte Wertschöpfungskette für Rohstoffe
abdecken, insbesondere Erkundung, Gewinnung,
Verarbeitung und Recycling. Durch seine andauernde
Beteiligung an ERA-MIN ermöglicht das BMFTR auch
weiterhin die Zusammenarbeit deutscher und
europäischer Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft in
transnationalen Forschungsverbünden, zum Beispiel
zur Entwicklung impaktarmer
Erkundungstechnologien für Rohstoff-Lagerstätten oder die Erschließung
von Rohstoffen aus anthropogenen Lagern.
Drucksache 21/3350 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 38 –
STRATEGIEN UND MAẞNAHMEN 39
Unter dem Dach des EU-
Forschungsrahmenprogramms für Forschung und Innovation ist das BMFTR
Partner in der Europäischen Partnerschaft Driving
Urban Transitions to a sustainable future (DUT). Die DUT
ist mit einer Fördersumme von 450 Millionen Euro für
den Zeitraum 2022 bis 2028 eine zentrale Plattform
für Forschung und Entwicklung im Bereich
nachhaltige Stadtentwicklung in Europa. Sie unterstützt mit
Forschung, Innovation und Kapazitätsaufbau
Kommunen, Dienstleistende, Unternehmen sowie
Bürgerinnen und Bürger, globale Strategien zur
nachhaltigen Transformation in lokales Handeln umzusetzen.
Neben zahlreichen Aktivitäten zum Wissensaufbau
und zur Vernetzung veröffentlicht die DUT jährliche
Ausschreibungen. Das BMFTR als einer der über 65
europäischen und internationalen DUT-Partner aus
mehr als 28 Ländern fördert Forschungs- und
Innovationsprojekte in dem Themenschwerpunkt
nachhaltige urbane Mobilität (15 Minute City) und leistet damit
einen Beitrag zur EU-Mission „100 klimaneutrale und
intelligente Städte“.
Australien ist ein wichtiger Partner in der
aufkommenden Wasserstoffwirtschaft. Die 2022
veröffentlichte, bilaterale Initiative HyGATE (German-Australian
Hydrogen Innovation and Technology Incubator) zielt
darauf ab, eine deutsch-australische Lieferkette für
Grünen Wasserstoff aufzubauen. Mit der Initiative
werden zwei grundlegende Zielstellungen der
Nationalen Wasserstoffstrategie sowie der Importstrategie
für Wasserstoff verfolgt: 1. Import von nachhaltigen
Energieträgern und 2. Export von
Klimaschutztechnologien „made in Germany“. Im Rahmen von
HyGATE wurden im Berichtszeitraum drei
Verbundvorhaben gemeinsam gefördert.
In der internationalen Forschungskooperation Nano-
Harmony arbeiteten bis Ende 2023 14 europäische
Partner aus Forschung, Industrie und Behörden mit
18 internationalen assoziierten Partnern zusammen.
Die Sicherheit von Nanomaterialien soll darin durch
die Entwicklung besonderer analytischer Methoden
und Dateninterpretation gewährleistet werden. Dies
erfolgte in enger Zusammenarbeit mit der
Europäischen Chemikalienagentur (ECHA), der Malta
Initiative, den Herstellern von Nanomaterialien und der
OECD Working Party on Manufactured
Nanomaterials. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und
Arbeitsmedizin (BAuA) – eine Ressortforschungseinrichtung
des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales – war
die Konsortialführung des Projekts und beteiligte sich
darüber hinaus an der Erarbeitung einer
Prüfrichtlinie zur Bestimmung des Staubungsverhaltens von
Nanomaterialien.
Globale Herausforderungen, wie z. B. im Bereich
Gesundheit, können nur gemeinsam auf internationaler
Ebene angegangen werden, um eine nachhaltige und
ausreichende Wirkung zu entfalten. Das BMFTR
engagiert sich daher und unterstützt einschlägige
Organisationen, u. a. zu den Themen Pandemieprävention,
-vorsorge und -reaktion (PPR) sowie antimikrobielle
Resistenzen (AMR).
Die Covid-19-Pandemie hat gezeigt, dass globale
Kooperation essenziell für Pandemiereaktion und
-prävention ist. Um global auf zukünftige Pande mien
besser vorbereitet zu sein sowie deren Ausbrüche
einzudämmen, beteiligt sich die Bundesregierung
an den Verhandlungen zu einem internationalen
Pandemieabkommen. Ziel des Abkommen ist unter
anderem eine bessere Surveillance und Eindämmung
von Risikofaktoren.
Die Initiative „Coalition for Epidemic Preparedness
Innovations“ (CEPI) hat zum Ziel, durch Investitionen
die Entwicklung von Impfstoffen gegen Erreger mit
Pandemiepotenzial zu fördern. Stand August 2024
investierte CEPI bisher in die Entwicklung von über
49 Impfstoffkandidaten, davon 15
Impfstoffkandidaten gegen COVID-19, wobei es gelang, acht COVID-
19-Vakzine zur Zulassung zu bringen. CEPI förderte
zudem die Entwicklung des 2023 weltweit ersten
zugelassenen Impfstoffs gegen Chikungunyafieber. Das
Kernziel von CEPIs zweiter Programmperiode ist, die
Entwicklung und Herstellung eines Impfstoffes gegen
einen neuen Erreger innerhalb von 100 Tagen zu
ermöglichen, unter anderem durch die Entwicklung
von Plattformtechnologien. Zudem setzt CEPI sich
für den gerechten Zugang und die globale Verteilung
von Impfstoffen ein. Deutschland ist
Gründungsmitglied und plant für den Zeitraum 2022–2026 CEPI mit
100 Millionen EUR zu fördern.
Die „Global Antibiotic Research & Development
Partnership“ (GARDP) ist eine 2016 von der World Health
Organization (WHO) und der „Drugs for Neglected
Diseases initiative“ (DNDi) gegründete gemeinnützige
Initiative zur Erforschung und Entwicklung neuer
Antibiotika mit Sitz in der Schweiz. Im Fokus von
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/3350– 39 –
STRATEGIEN UND MAẞNAHMEN 40
GARDP stehen bakterielle Infektionskrankheiten
bei denen antimikrobielle Resistenzen (AMR) bereits
vorhanden sind oder bei denen derzeit eine
unzureichende Behandlung vorliegt, wie zum Beispiel gegen
sexuell übertragbare Krankheiten oder bei
Antibiotika für Kinder. Darüber hinaus verfolgt GARDP das
Ziel, einen nachhaltigen, gerechten und
erschwinglichen Zugang zu den neu entwickelten Antibiotika
zu gewährleisten. GARDP wird derzeit von über
70 Partnern aus öffentlichen und privaten Sektoren
aus über 20 Ländern unterstützt, wobei Deutschland
Gründungsmitglied ist. Für den Zeitraum 2023–2027
fördert das BMFTR GARDP mit 50 Millionen Euro.
Damit ist Deutschland seit Gründung GARDPs einer
der größten Fördermittelgeber der Non-Profit-
Organisation.
Der „Combating Antibiotic Resistant Biopharmaceutical
Accelerator“ (CARB-X) ist eine international agierende
Non-Profit-Organisation, welche im Jahr 2016 an der
Boston University School of Law (USA) ins Leben
gerufen wurde und Projekte im Bereich Forschung und
Entwicklung neuer Antibiotika beschleunigt. Darüber
hinaus fördert CARB X die Entwicklung und den
Einsatz von schnellen und innovativen Diagnostika sowie
Impfstoffen und hat zudem das Ziel, die
internationale Zusammenarbeit und Kapazitäten im Bereich AMR
zu verbessern. Ein besonderer Fokus der Förderung
liegt dabei auf der präklinischen Forschung und
Entwicklung sowie klinischen Phase-I-Studien im
Bereich neuer antibakterieller Produkte. Das heutige
BMFTR unterstützt CARB-X seit 2019 und fördert die
Non-Profit-Organisation im Zeitraum 2023–2026 mit
39 Millionen Euro. Zusätzlich zur direkten
Förderung von CARB X fördert das BMFTR im nationalen
Maßstab den sogenannten „CARB-X-Accelerator“
(2023–2026 mit rund 2 Millionen Euro). In diesem
kooperieren das Deutsche Zentrum für
Infektionsforschung (DZIF), das Bundesinstitut für Arzneimittel
und Medizinprodukte (BfArM), und das Paul-Ehrlich-
Institut (PEI) bei der Beratung von deutschen und
europäischen CARB-X-Förderinteressenten sowie von
CARB-X-Portfoliofirmen zu rechtlichen und
regulatorischen Fragen der Produktzulassung.
Bereits in der dritten Förderrunde seit dem Jahr 2011
fördert das heutige BMFTR mit rund 240 Millionen
Euro Produktentwicklungspartnerschaften (PDP), die
sich dem Kampf gegen vernachlässigte und
armutsassoziierte Krankheiten verschrieben haben. PDPs
tragen über die entwickelten Produkte unmittelbar
zur Erreichung der Ziele für nachhaltige Entwicklung
der Vereinten Nationen bei. Ein wesentliches Element
der PDP ist die Einbeziehung lokaler Partner
betroffener Länder und von Zielgruppen. Dadurch wird die
Forschung in ressourcenarmen Ländern erheblich
gestärkt beziehungsweise werden Zielgruppen
frühzeitig und transparent über Forschungsaktivitäten
und auch über die Produkte, die im Erfolgsfall den
Menschen zugutekommen, informiert.
Bahnbrechende medizinische Erfolge erzielten die PDPs bereits
mit wirksameren, besser verträglichen und kosten-
Drucksache 21/3350 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 40 –
STRATEGIEN UND MAẞNAHMEN 41
günstigeren Medikamenten und Impfstoffen gegen
die Schlafkrankheit, Malaria, HIV und
Gebärmutterhalskrebs sowie bei der Diagnose von multiresistenten
Keimen der Tuberkulose. Auch in der 2023
gestarteten, dritten Förderrunde unterstützt das BMFTR
wieder fünf erfolgreiche PDPs mit 50 Millionen Euro
in ihrem Kampf gegen vernachlässigte und
armutsassoziierte Krankheiten.
Kooperation in der Arktis- und Antarktisforschung: Die
globalen Auswirkungen von Veränderungen in den
Polarregionen unter anderem auf Klima,
Meeresströmungen und Süßwasserverfügbarkeit machen deren
Erforschung immer dringlicher. So erwärmt sich die
Arktis derzeit deutlich schneller als der Rest der Welt.
Voraussetzung für eine nachhaltige Entwicklung der
Arktis sind die frühzeitige Beteiligung der betroffenen
indigenen Völker und lokalen Gemeinschaften der
Arktis auf Augenhöhe in Forschung und Entwicklung
und Kenntnisse über die Geschwindigkeit
klimatischer Prozesse, Verwundbarkeit und
Widerstandsfähigkeit der arktischen Umwelt und Biodiversität.
Die Bundesregierung kooperiert mit den
Arktisstaaten in bilateralen und multilateralen Projekten,
sowohl an Land als auch im Arktischen Ozean.
Die Forschungskooperation mit Russland wurde am
25. Februar 2022 in Reaktion auf den am Tag zuvor
begonnenen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg der
Russischen Föderation gegen die Ukraine ausgesetzt.
Das damalige BMBF war im Mai 2024 Gastgeber des
Arctic Circle Forums Germany in Berlin, bei dem
ca. 300 Teilnehmende unter dem Motto – The Arctic
at Crossroads – Science – Climate – Policy – Europe
über die Zukunft der Arktisforschung im Lichte der
Zeitenwende diskutiert haben.
Deutschland setzt sich weiterhin für die Einrichtung
von Meeresschutzgebieten in der Arktis und
Antarktis ein, insbesondere für Teile des antarktischen
Weddellmeeres. Das Weddellmeer gehört zu den
letzten, nahezu unberührten Regionen der Antarktis.
Es wäre eines der größten Meeresschutzgebiete der
Welt. Der Vorschlag wurde unter der
wissenschaftlichen Leitung des Alfred-Wegener-Instituts erarbeitet
und wird seit 2016 von der Europäischen Union und
ihren Mitgliedstaaten in der internationalen
Kommission zur Erhaltung der lebenden Meeresschätze
der Antarktis (CCAMLR) vertreten. Durch eine
dauerhafte, wissenschaftliche Präsenz in der Antarktis
ist Deutschland aktiver Konsultativstaat im Rahmen
des Antarktisvertrages.
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/3350– 41 –
STRATEGIEN UND MAẞNAHMEN 42
Science Diplomacy ist ein zentrales Element der
„Strategie der Bundesregierung zur Internationalisierung
von Bildung, Wissenschaft und Forschung“, mit der
sich Deutschland zu einer vernetzten, offenen und
globalen Wissensgesellschaft bekennt und sich
weltweit für die Freiheit von Wissenschaft und Forschung
einsetzt. Science Diplomacy leistet mit den
Instrumenten der Wissenschaft einen Beitrag zur
Erreichung außenpolitischer Ziele. Sie versteht sich sowohl
als Beitrag zu einer internationalen Wissenschaft, die
sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst
ist, als auch zu einer internationalen Politik, die
wissenschaftliche Beratung wahr- und ernst nimmt.
Für die Bundesregierung ist Science Diplomacy somit
an der Schnittstelle von internationaler Bildungs-,
Wissenschafts- und Forschungspolitik einerseits und
Außenpolitik andererseits angesiedelt. Science
Diplomacy hat dabei die Aufgabe, auch auf die zentralen
Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu reagieren.
Grundlegende Prinzipien und Werte der
internationalen Zusammenarbeit in Wissenschaft und
Forschung sind zunehmend bedroht. Ein kontinuierlicher
Austausch zwischen Wissenschaft, Gesellschaft und
Politik ist unerlässlich.
Das AA und das BMFTR arbeiten als federführende
Ressorts bei diesem Schnittstellenthema eng
zusammen. So verfügen das AA und das BMFTR mit dem
Netzwerk der über 40 Wissenschaftsreferentinnen
und Wissenschaftsreferenten an den deutschen
Auslandsvertretungen über ein personelles Instrument
der Wissenschaftsdiplomatie (siehe unten).
Auch auf europäischer Ebene hat das Thema Science
Diplomacy in den vergangenen Jahren eine große
Dynamik entfaltet. Seit 2022 setzt sich das BMFTR im
Nachfolgegremium „ERA Forum Standing Subgroup
on the Global Approach“ weiter für die Erstellung
eines European Framework for Science Diplomacy
ein. Dieser Prozess wurde 2023 von der Europäischen
Kommission gestartet. Dabei richtete die
Europäische Kommission im Dezember 2023 fünf informelle
2.2 Science Diplomacy und internationale Vernetzung
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STRATEGIEN UND MAẞNAHMEN 43
Arbeitsgruppen ein, die sich aus Vertreterinnen und
Vertretern von Wissenschaft, Diplomatie und
Gesellschaft in der EU zusammensetzen – an allen sind
auch deutsche Expertinnen und Experten beteiligt.
Das Hauptziel der Arbeitsgruppen war es, in einem
ko-kreativen Prozess Empfehlungen für konkrete
Aktivitäten zu erarbeiten.
Darüber hinaus setzen beide Ressorts auch eigene
Schwerpunkte.
Im Auswärtigen Amt ist die Science Diplomacy Teil
der Auswärtigen Kultur- und Gesellschaftspolitik
(AKGP). Wissenschaftskooperation und
akademischer Austausch sind entscheidende Pfeiler für die
Entwicklung von Technologie und Innovation zur
Sicherung von Wohlstand in Deutschland. Inmitten
der wachsenden internationalen Herausforderungen
deckt Science Diplomacy ein breites Handlungsfeld
ab, das von der Förderung akademischer Mobilität,
über akademische und wissenschaftliche
Schutzprogramme, bis hin zu internationaler wissenschaftlicher
Kooperation und Wissenstransfer aus der
Wissenschaft in Gesellschaft und Politik reicht. Die
internationale Zusammenarbeit in Bildung, Wissenschaft und
Forschung und der akademische Austausch leisten
einen substanziellen Beitrag zur Lösung globaler
Herausforderungen. Daneben stärkt Science
Diplomacy die Bildung eines stabilen und von gegenseitigem
Verständnis und Vertrauen geprägten Netzwerkes von
Freunden und Partnern Deutschlands in der Welt.
Dieses zivilgesellschaftlich geprägte Netzwerk hilft
Deutschland gerade in politisch schwierigen Zeiten,
seine Positionen und Werte zu kommunizieren und
die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen
in anderen Ländern besser zu verstehen. Ein
thematischer Impulsgeber ist der Berlin-Prozess, der die
Heranführung der Westbalkan-Länder an die
Europäische Union begleitet und die Intensivierung der
regionalen Zusammenarbeit unterstützt. Auf Bitten
der Bundesregierung hat die Leopoldina als Nationale
Akademie die Federführung im Bereich Wissenschaft,
Bildung und Gesellschaft übernommen. Seit 2015
treffen sich jährlich zentrale nationale Stakeholder
der Bildungs- und Wissenschaftssysteme in einer
Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz des Berlin-
Prozesses. Die Konferenzen beschäftigen sich mit den
Herausforderungen und Lösungs- und
Verbesserungsmöglichkeiten für die Bildungs- und
Wissenschaftssysteme auf dem Westbalkan und in Südosteuropa.
Seit 2021 fördert der DAAD in einem aus Mitteln des
AA finanzierten Programm acht fächerübergreifende
Globale Zentren zur Bewältigung weltweiter
Herausforderungen: vier Globale Zentren für Klima und
Umwelt und vier für Gesundheit und
Pandemievorsorge. Die Globalen Zentren ermöglichen
interdisziplinären Austausch und internationale Vernetzung
mit deutschen und ausländischen Partnern. Sie setzen
in besonderem Maße auf ein gegenseitiges Lernen
zwischen Nord und Süd und auf eine möglichst hohe
Praxisrelevanz, auch durch die Einbeziehung von
Partnern aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft.
2024 fand die erste Fachkonferenz der Globalen
Zentren mit über 250 Teilnehmenden in Berlin statt.
Der DAAD förderte zwischen 2009 und 2024 weltweit
fünf Exzellenzzentren in Forschung und Lehre zu den
Schwerpunkten „Frieden“ und
„Meereswissenschaften“ (Kolumbien), „Public Policy und Good
Governance“ (Thailand), „Naturwissenschaften“ (Russische
Föderation; ausgesetzt) und „Astronomie“ (Chile). Die
Zentren bilden auch Graduierte und Postgraduierte
aus. Das erst seit 2016 in der Förderung befindliche
„Deutsch-Kolumbianische Friedensinstitut CAPAZ“
wird nach erfolgreicher externer Evaluation über 2024
hinaus gefördert.
Wissenschaftlicher Erfolg hängt engstens zusammen
mit Wissenschaftsfreiheit. Deswegen unterstützt und
fördert Science Diplomacy die Freiheit der
Wissenschaft ebenso wie die Freiheit von
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Schutzprogramme aus
Mitteln des AA wie die Philipp Schwartz-Initiative
(PSI) der AvH, das 2021 gegründete Hilde Domin-
Programm des DAAD und das Engagement im Rahmen
der Deutschen Akademischen Flüchtlingsinitiative
Albert Einstein (DAFI) des Flüchtlingshilfswerks
der Vereinten Nationen (UNHCR) sind daher ebenso
integraler Bestandteil von Science Diplomacy wie die
Verteidigung der Wissenschaftsfreiheit auf politischer
Ebene.
Die Deutsche Akademische Flüchtlingsinitiative Albert
Einstein (DAFI) ist ein Sur-Place-Stipendienprogramm
des UNHCR für anerkannte Flüchtlinge zum Studium
an einer Universität, Fachhochschule oder
äquivalenten Institution. Es wurde 1992 gemeinsam vom
UNHCR und Deutschland gegründet und hat seitdem
rund 26.000 Flüchtlingen ein Studium in ihrem
Aufnahmeland ermöglicht.
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Seit 2015 setzt die AvH die vom AA geförderte Philipp
Schwartz-Initiative für gefährdete Forschende um.
Benannt nach dem Pathologen Philipp Schwartz, der
nach seiner Flucht aus Deutschland 1933 die
„Notgemeinschaft deutscher Wissenschaftler im Ausland“
zur Unterstützung deutscher Exilforschender
gegründet hatte, ermöglicht die Initiative Hochschulen
und Forschungseinrichtungen in Deutschland, aus
politischen oder anderen Motiven verfolgte oder von
bewaffneten Konflikten gefährdete Forschende im
Rahmen von Forschungsstipendien oder
Arbeitsverträgen aufzunehmen.
Bis Ende 2024 wurden insgesamt 561 Philipp
Schwartz-Stipendien an Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler aus 27 Ländern für
Forschungsaufenthalte an über 130 deutschen Einrichtungen
vergeben. Die am stärksten vertretenen Herkunftsländer
sind die Türkei, die Ukraine und Syrien. Zusätzlich
wurden im Sonderprogramm „Brückenförderungen
für afghanische Wissenschaftler*innen“ 20 einjährige
Förderungen sowie über einen „PSI Notfonds
Ukraine“ 26 Kurzzeitförderungen vergeben. Seit 2022
übernimmt die AvH gemeinsam mit dem federführenden
Partner Scholars at Risk Europe und der European
University Association Aufbau und Durchführung
des EU-finanzierten „MSCA4Ukraine“-Programms, in
dem ukrainische Forschende für sichere
Forschungsaufenthalte an Wissenschaftseinrichtungen in allen
EU- und „Horizon Europe“-assoziierten Ländern
nominiert werden können.
Ziel des 2021 mit Mitteln des AA gegründeten Hilde
Domin-Programms des DAAD ist es, gefährdeten
Studierenden und Promovierenden weltweit ein Studium
oder eine Promotion an einer deutschen Hochschule
zur Erlangung eines Abschlusses in sicherer
Umgebung zu ermöglichen. Gefördert werden
Personen, denen in ihrem Herkunftsland aufgrund ihrer
ethnischen, geschlechtlichen oder religiösen Identität
beziehungsweise aufgrund ihres politischen oder
bürgerschaftlichen Engagements das Recht auf Bildung
verweigert wird. Bis Ende 2024 wurden 265 Stipendien
vergeben, das wichtigste Herkunftsland war
Afghanistan, gefolgt von Iran, Belarus und der Türkei.
Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD)
startete 2024 gemeinsam mit europäischen
Partnerorganisationen das Programm „Supporting at-risk
researchers with fellowships
Anzeige gekürzt – vollständiger Text im Original.
Relationen
- authored ← Bundesregierung
- part_of_vorgang → Bericht der Bundesregierung zur internationalen Kooperation in Bildung, Wissenschaft und Forschung 2023 bis 2024 (Unterrichtung)