Kommunikationsfähigkeit der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben seit dem Rückbau analoger Funkfrequenzen
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Kommunikationsfähigkeit der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben seit dem Rückbau analoger Funkfrequenzen
Deutscher Bundestag Drucksache 21/4631
21. Wahlperiode 11.03.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Robin Jünger, Ruben Rupp, Alexander Arpaschi, Sebastian
Maack, Tobias Ebenberger, Lars Haise, Edgar Naujok, Steffen Janich, Martin
Hess, Sascha Lensing und der Fraktion der AfD
Kommunikationsfähigkeit der Behörden und Organisationen mit
Sicherheitsaufgaben seit dem Rückbau analoger Funkfrequenzen
Die Einsatzkommunikation der Behörden und Organisationen mit
Sicherheitsaufgaben (BOS) in Deutschland befindet sich im Zuge der Digitalisierung in
einem tiefgreifenden Wandel. Traditionelle analoge Funkdienste, die unter
anderem Teile des 2‑Meter‑Bandes nutzten, werden durch digitale
Bündelfunksysteme ersetzt, die auf dem TETRA (Terrestrial Trunked Radio)‑Standard
basieren. Diese digitalen Systeme sollen eine einheitliche abhörsichere und
netzübergreifende Kommunikation ermöglichen, die über klassische analoge
Verfahren hinausgeht und auch datenbasierte Anwendungen unterstützt. Sie bilden
das Rückgrat der modernen BOS‑Kommunikation in Deutschland. Gleichzeitig
wird an weiterführenden Konzepten zur mobilen Breitbandkommunikation
gearbeitet, die langfristig zudem die Anforderungen an mobile Datenübertragung
in Einsatzlagen abdecken sollen (www.security-network.com/bos-digitalfunk-a
uf-weg-naechsten-generation).
In der Praxis haben der Aufbau und die Nutzung des digitalen BOS‑Funknetzes
jedoch wiederholt Diskussionen über die Zuverlässigkeit, Redundanz und
Abdeckung ausgelöst. So kam es im Mai 2025 zu einem flächendeckenden
Digitalfunkausfall, bei dem Polizeien, Feuerwehren und Rettungsdienste über
eineinhalb Stunden nicht über den BOS‑Digitalfunk kommunizieren konnten und
auf alternative Kommunikationswege ausweichen mussten – etwa Mobilfunk,
Messengerdienste oder analoger Funk. Dies führte zu Forderungen nach
verbesserten Rückfallebenen und Monitoring‑Mechanismen für den
BOS‑Digitalfunk (www.feuerwehr-fachjournal.de/bos-digitalfunknetz-position
spapier-zu-stoerungen-im-mai-2025).
Trotz hoher Investitionen und Ausbaumaßnahmen stößt die digitale
BOS‑Kommunikation in bestimmten Einsatzumgebungen – etwa in Tunneln,
abgeschirmten Bereichen oder bei Infrastrukturproblemen – regelmäßig an
technische Grenzen. Wiederkehrende Kritik aus den Reihen der Einsatzkräfte
fordert eine zusätzliche Sicherstellung der Kommunikationsfähigkeit. Diese
betrifft nicht nur die Netzabdeckung, sondern auch die Verfügbarkeit im
Krisenfall sowie die Frage, ob rein digitale Systeme ohne analoge Rückfallebenen
ausreichend robust sind (www.heise.de/en/news/Federal-government-assures-D
igital-radio-for-emergency-services-is-reliable-10634744.html).
Nach Ansicht der Fragesteller können analoge Funk‑Alternativen –
einschließlich des 2‑Meter‑Bands – nicht vollständig abgeschrieben werden. Solange
digitale Systeme im relevanten Einsatzfall ausfallen können oder nicht
vollständig lückenlos verfügbar sind, müsse über funktionierende Rückfallebenen
diskutiert werden.
Parallel wird von der Arbeitsgruppe Kritische Infrastrukturen (AG KRITIS)
darauf hingewiesen, dass analoge Verfahren im Falle eines Ausfalls digitaler
Netze – etwa infolge technischer Probleme, Cybervorfälle oder Strommangellagen
– eine funktionale Mindestkommunikation sicherstellen könnten. Angesichts
wachsender Herausforderungen durch Extremwetter, Blackouts oder
systemische Risiken erscheinen redundante Systeme notwendig (https://ag.kritis.info/2
022/02/15/und-wenn-der-digitale-behoerdenfunk-doch-ausfaellt/).
Vor diesem Hintergrund erscheint es den Fragestellern erforderlich,
systematisch zu erfassen, wie sich die operative Kommunikationslage für
BOS‑Organisationen seit der faktischen Reduktion klassischer analoger
Frequenzdienste – insbesondere des 2‑Meter‑Bandes – verändert hat. Ebenso ist in
ihren Augen zu hinterfragen, welche Rückmeldungen aus der Praxis,
insbesondere von Technischem Hilfswerk (THW), Freiwilliger Feuerwehr,
Rettungsdiensten und weiteren Einsatzkräften, vorliegen, um potenzielle Risiken zu
identifizieren und zu bewerten.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung darüber vor, in welchem
Umfang und in welchem Zeitrahmen analoge Funkdienste, insbesondere
das bisher genutzte 2‑Meter‑Band für BOS‑Einsatzkommunikation,
zurückgebaut, reduziert oder nicht mehr betrieben werden?
2. Welche Rückmeldungen, Beschwerden oder Berichte aus der Praxis (z. B.
von THW, Freiwilliger Feuerwehr, Rettungsdiensten, Leitstellen) hat die
Bundesregierung dokumentiert, die auf Veränderungen in der
Einsatzkommunikation seit dem Wegfall klassischer analoger Frequenzen hinweisen?
3. In welchen konkreten Einsatzlagen oder Regionen haben nach Kenntnis
der Bundesregierung digitale BOS‑Kommunikationssysteme (z. B.
TETRA‑Netz) aus Sicht der Einsatzkräfte nicht die gewünschte oder
erforderliche Kommunikationsfähigkeit erbracht, z. B. durch Ausfälle,
schlechte Abdeckung oder Überlastung?
4. Welche Maßnahmen sieht die Bundesregierung ggf. vor oder hat sie
ergriffen, um Kommunikationsrisiken zu reduzieren, die durch den Wegfall
analoger Funk‑Rückfallebenen entstanden sind, insbesondere vor dem
Hintergrund dokumentierter Digitalfunkstörungen wie im Mai 2025?
5. Plant die Bundesregierung, analoge Funkverfahren als systematische
Rückfallebene in nationale Einsatz‑ und Krisenkommunikationskonzepte
zu integrieren, und wenn ja, in welcher Form, und mit welchen
technischen oder organisatorischen Vorgaben?
6. Welche fachlichen Rückmeldungen liegen der Bundesregierung
insbesondere von den Bundesländern und kommunalen Einsatzleitungen vor, die
auf regionale Unterschiede in der digitalen BOS‑Netzabdeckung
hinweisen?
7. Welche Evaluierungen oder Analysen hat die Bundesregierung in Auftrag
gegeben oder ausgewertet, die die Robustheit, Redundanz und
Krisentauglichkeit der digitalen BOS‑Kommunikation im Vergleich zu analogen
Funkverfahren systematisch bewerten?
8. Plant die Bundesregierung, neben dem TETRA‑BOS‑Funknetz
zusätzliche mobile Breitbandlösungen oder hybride Kommunikationssysteme
einzusetzen, um die Herausforderungen der Einsatzkommunikation in
komplexen Lagen besser abzudecken?
9. Welche konkreten Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung aus der
fachlichen Kritik an der BOS‑Kommunikation, und welche zeitlichen
Vorgaben existieren für die Umsetzung entsprechender Verbesserungs‑ oder
Sicherungsmaßnahmen?
10. Wie bewertet die Bundesregierung die Rolle unabhängiger
Rückfallebenen (z. B. Notfunknetze, Amateurfunkunterstützung) für großflächige
Versorgungssicherheit der Einsatzkommunikation in Krisenlagen, und wie
sollen diese in offizielle Planungen eingebunden werden?
Berlin, den 9. März 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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