Kommunikationsfähigkeit der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben seit dem Rückbau analoger Funkfrequenzen (Antwort zu Drs. 21/4631)
Text
Kommunikationsfähigkeit der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben seit dem Rückbau analoger Funkfrequenzen (Antwort zu Drs. 21/4631)
Deutscher Bundestag Drucksache 21/4958
21. Wahlperiode 24.03.2026
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Robin Jünger, Ruben Rupp, Alexander
Arpaschi, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD
– Drucksache 21/4631 –
Kommunikationsfähigkeit der Behörden und Organisationen mit
Sicherheitsaufgaben seit dem Rückbau analoger Funkfrequenzen
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Die Einsatzkommunikation der Behörden und Organisationen mit
Sicherheitsaufgaben (BOS) in Deutschland befindet sich im Zuge der Digitalisierung in
einem tiefgreifenden Wandel. Traditionelle analoge Funkdienste, die unter
anderem Teile des 2‑Meter‑Bandes nutzten, werden durch digitale
Bündelfunksysteme ersetzt, die auf dem TETRA (Terrestrial Trunked Radio)‑Standard
basieren. Diese digitalen Systeme sollen eine einheitliche abhörsichere und
netzübergreifende Kommunikation ermöglichen, die über klassische analoge
Verfahren hinausgeht und auch datenbasierte Anwendungen unterstützt. Sie
bilden das Rückgrat der modernen BOS‑Kommunikation in Deutschland.
Gleichzeitig wird an weiterführenden Konzepten zur mobilen
Breitbandkommunikation gearbeitet, die langfristig zudem die Anforderungen an mobile
Datenübertragung in Einsatzlagen abdecken sollen (www.security-networ
k.com/bos-digitalfunk-auf-weg-naechsten-generation).
In der Praxis haben der Aufbau und die Nutzung des digitalen BOS‑
Funknetzes jedoch wiederholt Diskussionen über die Zuverlässigkeit, Redundanz und
Abdeckung ausgelöst. So kam es im Mai 2025 zu einem flächendeckenden
Digitalfunkausfall, bei dem Polizeien, Feuerwehren und Rettungsdienste über
eineinhalb Stunden nicht über den BOS‑Digitalfunk kommunizieren konnten
und auf alternative Kommunikationswege ausweichen mussten – etwa
Mobilfunk, Messengerdienste oder analoger Funk. Dies führte zu Forderungen nach
verbesserten Rückfallebenen und Monitoring‑Mechanismen für den BOS‑
Digitalfunk (www.feuerwehr-fachjournal.de/bos-digitalfunknetz-positionspapie
r-zu-stoerungen-im-mai-2025).
Trotz hoher Investitionen und Ausbaumaßnahmen stößt die digitale
BOS‑Kommunikation in bestimmten Einsatzumgebungen – etwa in Tunneln,
abgeschirmten Bereichen oder bei Infrastrukturproblemen – regelmäßig an
technische Grenzen. Wiederkehrende Kritik aus den Reihen der Einsatzkräfte
fordert eine zusätzliche Sicherstellung der Kommunikationsfähigkeit. Diese
betrifft nicht nur die Netzabdeckung, sondern auch die Verfügbarkeit im
Krisenfall sowie die Frage, ob rein digitale Systeme ohne analoge Rückfallebenen
ausreichend robust sind (www.heise.de/en/news/Federal-government-assures-
Digital-radio-for-emergency-services-is-reliable-10634744.html).
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums des Innern
vom 24. März 2026 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Nach Ansicht der Fragesteller können analoge Funk‑Alternativen –
einschließlich des 2‑Meter‑Bands – nicht vollständig abgeschrieben werden. Solange
digitale Systeme im relevanten Einsatzfall ausfallen können oder nicht
vollständig lückenlos verfügbar sind, müsse über funktionierende Rückfallebenen
diskutiert werden.
Parallel wird von der Arbeitsgruppe Kritische Infrastrukturen (AG KRITIS)
darauf hingewiesen, dass analoge Verfahren im Falle eines Ausfalls digitaler
Netze – etwa infolge technischer Probleme, Cybervorfälle oder
Strommangellagen – eine funktionale Mindestkommunikation sicherstellen könnten.
Angesichts wachsender Herausforderungen durch Extremwetter, Blackouts oder
systemische Risiken erscheinen redundante Systeme notwendig (https://ag.krit
is.info/2022/02/15/und-wenn-der-digitale-behoerdenfunk-doch-ausfaellt/).
Vor diesem Hintergrund erscheint es den Fragestellern erforderlich,
systematisch zu erfassen, wie sich die operative Kommunikationslage für BOS‑
Organisationen seit der faktischen Reduktion klassischer analoger Frequenzdienste
– insbesondere des 2‑Meter‑Bandes – verändert hat. Ebenso ist in ihren Augen
zu hinterfragen, welche Rückmeldungen aus der Praxis, insbesondere von
Technischem Hilfswerk (THW), Freiwilliger Feuerwehr, Rettungsdiensten
und weiteren Einsatzkräften, vorliegen, um potenzielle Risiken zu
identifizieren und zu bewerten.
V o r b e m e r k u n g d e r B u n d e s r e g i e r u n g
Der Digitalfunk BOS ist das weltweit größte Funknetz, das auf dem
internationalen TETRA-Standard basiert. Es enthält mehr als 5 000 Basisstationen die
99,2 Prozent der Fläche Deutschlands versorgen. Die zeitliche
Netzverfügbarkeit liegt bei durchschnittlich 99,97 Prozent – das entspricht einer Ausfallzeit
von ca. einer Minute pro Tag.
1. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung darüber vor, in
welchem Umfang und in welchem Zeitrahmen analoge Funkdienste,
insbesondere das bisher genutzte 2‑Meter‑Band für BOS‑
Einsatzkommunikation, zurückgebaut, reduziert oder nicht mehr betrieben werden?
Der Bundesregierung liegen keine Erkenntnisse im Sinne der Fragestellung vor.
2. Welche Rückmeldungen, Beschwerden oder Berichte aus der Praxis
(z. B. von THW, Freiwilliger Feuerwehr, Rettungsdiensten, Leitstellen)
hat die Bundesregierung dokumentiert, die auf Veränderungen in der
Einsatzkommunikation seit dem Wegfall klassischer analoger
Frequenzen hinweisen?
Der Bundesregierung liegen keine Erkenntnisse im Sinne der Fragestellung vor.
3. In welchen konkreten Einsatzlagen oder Regionen haben nach Kenntnis
der Bundesregierung digitale BOS‑Kommunikationssysteme (z. B. TET-
RA‑Netz) aus Sicht der Einsatzkräfte nicht die gewünschte oder
erforderliche Kommunikationsfähigkeit erbracht, z. B. durch Ausfälle, schlechte
Abdeckung oder Überlastung?
Der Bundesregierung liegen keine Erkenntnisse im Sinne der Fragestellung vor.
4. Welche Maßnahmen sieht die Bundesregierung ggf. vor oder hat sie
ergriffen, um Kommunikationsrisiken zu reduzieren, die durch den Wegfall
analoger Funk‑Rückfallebenen entstanden sind, insbesondere vor dem
Hintergrund dokumentierter Digitalfunkstörungen wie im Mai 2025?
Der Digitalfunk BOS verfügt über eine Reihe von Redundanzmechanismen und
verschiedene Rückfallebenen wie den Direktmodus, Rückfallmodus und die
Nutzung von Satellitenanbindungen für mobile Lösungen. Zukunftsgerichtet
wird kontinuierlich geprüft, welche weitergehenden Möglichkeiten für den
Digitalfunk BOS zur Reduzierung von Risiken geeignet sind.
5. Plant die Bundesregierung, analoge Funkverfahren als systematische
Rückfallebene in nationale Einsatz‑ und Krisenkommunikationskonzepte
zu integrieren, und wenn ja, in welcher Form, und mit welchen
technischen oder organisatorischen Vorgaben?
Die Bundesregierung plant nicht, analoge Funksysteme als systematische
Rückfallebene zu nutzen.
6. Welche fachlichen Rückmeldungen liegen der Bundesregierung
insbesondere von den Bundesländern und kommunalen Einsatzleitungen vor,
die auf regionale Unterschiede in der digitalen BOS‑Netzabdeckung
hinweisen?
Der Bundesregierung liegen keine Erkenntnisse im Sinne der Fragestellung vor.
7. Welche Evaluierungen oder Analysen hat die Bundesregierung in
Auftrag gegeben oder ausgewertet, die die Robustheit, Redundanz und
Krisentauglichkeit der digitalen BOS‑Kommunikation im Vergleich zu
analogen Funkverfahren systematisch bewerten?
Die Bundesregierung der 21. Legislaturperiode hat keine Aufträge im Sinne der
Fragestellung vergeben. Im Rahmen der Aufgabenerfüllung werden Studien
und Ausarbeitungen von Dritten herangezogen und Erkenntnisse daraus
verarbeitet.
8. Plant die Bundesregierung, neben dem TETRA‑BOS‑Funknetz
zusätzliche mobile Breitbandlösungen oder hybride Kommunikationssysteme
einzusetzen, um die Herausforderungen der Einsatzkommunikation in
komplexen Lagen besser abzudecken?
Die Bundesregierung etabliert in Abstimmung mit den Ländern einen
breitbandigen Digitalfunk für die Einsatzkommunikation der BOS. Dieser Digitalfunk
der nächsten Generation wird durch die zuständige Bundesanstalt für den
Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BDBOS)
entsprechend der Anforderungen an einsatzkritische Kommunikation
entwickelt.
9. Welche konkreten Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung aus der
fachlichen Kritik an der BOS‑Kommunikation, und welche zeitlichen
Vorgaben existieren für die Umsetzung entsprechender Verbesserungs‑
oder Sicherungsmaßnahmen?
Die Bundesregierung ist für die Weiterentwicklung im steten Austausch mit
Vertretern der BOS, den Ländern und zuständigen Fachverbänden. Mit den
Ländern ist u. a. die Etablierung des sogenannten Digitalfunks der nächsten
Generation (Breitband) vereinbart. Währenddessen steht die aktuell verfügbare
und bewährte TETRA-basierte Sprachkommunikation solange zur Verfügung
bis diese durch den Digitalfunk der nächsten Generation abgelöst werden kann.
Hier werden neben der Netzmodernisierung (Umstellung auf IP) zur
Verbesserung der Verfügbarkeit permanent weitere Netzhärtungsmaßnahmen
durchgeführt.
10. Wie bewertet die Bundesregierung die Rolle unabhängiger
Rückfallebenen (z. B. Notfunknetze, Amateurfunkunterstützung) für großflächige
Versorgungssicherheit der Einsatzkommunikation in Krisenlagen, und
wie sollen diese in offizielle Planungen eingebunden werden?
Der TETRA-basierte Sprachfunk verfügt über verschiedene Rückfallebenen
(siehe Antwort zu Frage 4). Daher besteht keine Notwendigkeit zur
Berücksichtigung weiterer Rückfallebenen.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
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ISSN 0722-8333
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