Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit von Zugpersonal
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Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit von Zugpersonal
Deutscher Bundestag Drucksache 21/4558
21. Wahlperiode 05.03.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Steffen Janich, Rene Bochmann, Dr. Gottfried Curio,
Dr. Bernd Baumann, Christopher Drößler, Jochen Haug, Martin Hess, Sascha
Lensing, Markus Matzerath, Arne Raue, Dr. Christian Wirth, Lars Haise, Jörg
Zirwes, Markus Bühl, Hans-Jürgen Goßner, Erhard Brucker, Rainer Galla,
Dr. Daniel Zerbin, Lars Schieske, Stephan Brandner, Gereon Bollmann und
der Fraktion der AfD
Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit von Zugpersonal
Im Zeitraum von 2015 bis zum Jahr 2024 ist die Anzahl der Angriffe auf
Mitarbeiter der Deutschen Bahn (DB) um über 83 Prozent gestiegen (https://de.stat
ista.com/statistik/daten/studie/609653/umfrage/uebergriffe-gegen-mitarbeiter-d
er-deutschen-bahn/). Mehr als 980 Messer- und rund 2 200 Sexualdelikte in
Zügen und auf Bahnhöfen sind allein im Jahr 2025 aktenkundig geworden. Im
Bahnbereich wurden im Jahr 2025 5 660 Gewaltdaten gegen Beamte der
Bundespolizei verübt. Die meisten Gewalttaten wurden im selben Jahr am
Hauptbahnhof in Leipzig begangen (859), gefolgt von den Hauptbahnhöfen in
Dortmund (735) und Berlin (654). Es kam im Jahr 2025 zu insgesamt 3 000
körperlichen Übergriffen auf Beschäftigte der Deutschen Bahn, wobei
Sicherheitskräfte in einem Drittel der Fälle das Ziel von Angriffen waren (www.zeit.de/ge
sellschaft/zeitgeschehen/2026-02/gewalt-zuege-bahnhoefe-massnahmen-gxe).
Der jüngste tragische Höhepunkt war die Tötung des 36-jährigen Zugbegleiters
Serkan C. in einer Regionalbahn in der Nähe von Kaiserslautern durch einen
26-jährigen Nichtdeutschen, welcher sich nicht im Besitz einer gültigen
Fahrkarte befand (www.tagesschau.de/inland/sicherheitsgipfel-bahn-100.html).
Bahnchefin Evelyn Palla hat als Reaktion hierauf zu einem Sicherheitsgipfel
geladen, zu welchem sowohl der Bundesminister für Verkehr Patrick Schnieder
als auch ein Vertreter des Bundesministeriums des Innern, der Bundespolizei,
Vertreter der Bahnbranche, die Länder und Aufgabenträger für den
Regionalverkehr sowie die Gewerkschaften der Bahn eingeladen waren (ebd.).
Die Deutsche Bahn AG hat nun neue Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz von
Personal angekündigt. Alle Beschäftigten mit Kundenkontakt sollen auf
freiwilliger Basis mit Bodycams ausgestattet werden. Dies war vonseiten der
Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft schon länger gefordert worden. Ein
Hilferuf-Knopf solle weiterentwickelt werden. Darüber hinaus sollen 200
zusätzliche Beschäftigte für den Sicherheitsdienst der Deutschen Bahn AG
eingestellt werden. Diese sollen eine verbesserte Schutzausrüstung erhalten.
Außerdem wurde eine Ausweitung des Einsatzes von Videokameras in Zügen und
Bahnhöfen angekündigt. Zweierteams von Zugbegleitern sollen künftig
verstärkt bei Kontrollen eingesetzt werden (www.tagesschau.de/inland/gesellschaf
t/bahn-sicherheit-bodycams-100.html). Aus Sicht der Fragesteller sind 3 000
körperliche Übergriffe auf Mitarbeiter der Deutschen Bahn allein im Jahr 2025
3 000 körperliche Übergriffe zu viel. Bedrohungen und Körperverletzungen
gegenüber Zugpersonal sind aus Sicht der Fragesteller unter keinen Umständen
zu tolerieren.
Die Deutsche Bahn AG hat inzwischen öffentlich bekannt gegeben, dass bei
der DB Regio künftig bei der Ticketkontrolle das Prinzip Eigensicherung vor
Prüfung gelte. Ab dem 1. März 2026 liege es im Ermessen des
Kontrollpersonals, ob ein Fahrgast bei der Ticketkontrolle einen Ausweis vorzeigen müsse.
Der „Aktionsplan für mehr Sicherheit auf der Schiene“ werde ergänzt um das
Handlungs- und Prüffeld, auf eine Ausweiskontrolle beim Deutschlandticket zu
verzichten, um kritische Situationen zu verringern. Die Bundesländer wollen
das Ticket dafür noch fälschungssicherer machen, auch das sei Thema auf der
Verkehrsministerkonferenz Ende März 2026 (www.deutschebahn.com/de/press
e/pressestart_zentrales_uebersicht/Sicherheitsgipfel-Bodycams-fuer-alle-DB-M
itarbeitenden-und-Start-fuer-Aktionsplan--13749034).
Diese Kleine Anfrage erfolgt in Ergänzung zu der Kleinen Anfrage „Sicherheit
und Sicherheitskosten im Bereich der Deutschen Bahn AG“ der Fraktion der
AfD auf Bundestagsdrucksache 21/3998.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche Erfahrungen hat die Deutsche Bahn AG aus dem Einsatz von
Bodycams durch Zugbegleiter in Regionalzügen, und wie hat sich der
Einsatz von Bodycams bisher auf die Sicherheit in Zügen und an Bahnhöfen
ausgewirkt (www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/bahn-sicherheit-body
cams-100.html)?
2. Worauf basierte die Entscheidung, dass bisher nur Beschäftigte in
Regionalzügen und nicht in Fernzügen Bodycams einsetzen (vgl. Frage 1)?
3. Wie viele Beschäftigte der Deutschen Bahn AG in Regionalzügen führen
und benutzen nach Kenntnis der Bundesregierung bei ihrer Arbeit
regelmäßig Bodycams, und wie verbreitet ist deren Einsatz nach Kenntnis der
Bundesregierung unter den gesamten Beschäftigen der Deutschen Bahn
AG in Regionalzügen?
4. Verfügen die von Beschäftigten der Deutschen Bahn AG benutzten
Bodycams nach Kenntnis der Bundesregierung über eine Audioaufnahme-
Funktion, und wenn nein, aus welchem Grund werden bisher nur
Bodycams ohne die Funktion der Audioaufnahme eingesetzt?
5. Wie oft haben Beschäftigte der Deutschen Bahn AG im Jahr 2025 nach
Kenntnis der Bundesregierung von dem Hilferuf-Knopf Gebrauch
gemacht?
6. Kommt es nach Kenntnis der Bundesregierung auf bestimmten Strecken
der Deutschen Bahn AG (regional, interregional, international) besonders
häufig zu Angriffen auf Bahnpersonal oder Mitreisende, und wenn ja, auf
welchen?
7. Kommt es nach Kenntnis der Bundesregierung in bestimmten Zügen der
Deutschen Bahn AG besonders häufig zu Angriffen auf Bahnpersonal
oder Mitreisende, und wenn ja, in welchen?
8. Welche Erfahrungen hat die Deutsche Bahn AG aus dem Führen und dem
Einsatz von Reizstoffsprühgeräten (RSG) durch Zugbegleiter, und wie
haben sich das Führen und der Einsatz von RSG durch Zugbegleiter bisher
auf die Sicherheit in Zügen und an Bahnhöfen ausgewirkt (vgl. www.zei
t.de/mobilitaet/2016-09/deutsche-bahn-sicherheit-mitarbeiter-angriffe-dee
skalation sowie www.sueddeutsche.de/panorama/sicherheit-im-zug-
bahnwill-mitarbeiter-mit-pfefferspray-und-schlagstoecken-ausstatten-1.316
4761 und www.ruhr24.de/nrw/muelheim-styrum-bahnhof-s1-nrw-pfeffers
pray-zugbegleiter-polizei-einsatz-freitag-93300358.html)?
9. Wie viele Beschäftigte der Deutschen Bahn AG in Regionalzügen führen
nach Kenntnis der Bundesregierung bei ihrer Arbeit regelmäßig
Reizstoffsprühgeräte, und wie verbreitet ist deren Einsatz nach Kenntnis der
Bundesregierung unter den gesamten Beschäftigen der Deutschen Bahn?
10. Welchen Wirkstoff beinhalten die von Beschäftigten der Deutschen Bahn
AG eingesetzten Reizstoffsprühgeräte nach Kenntnis der Bundesregierung
(Oleoresin Capsicum, CS-Gas, CN-Gas, sonstige), welche
Wirkstoffkonzentration haben diese, und welche Sprühfunktion besitzen sie
(Fadenstrahl bzw. Jet-Stream, Breitstrahl bzw. Fog-Stream, Gel, Schaum,
sonstige)?
11. Wie oft kam es im Jahr 2025 nach Kenntnis der Bundesregierung zum
Einsatz von Reizstoffsprühgeräten durch Beschäftigte der Deutschen Bahn
AG?
12. Wie viele Beschäftigte arbeiten gegenwärtig im Bereich der DB Sicherheit
für die Deutsche Bahn AG?
13. Bei wie vielen Zugfahrten im Regional- und Fernverkehr der Deutschen
Bahn sind prozentual am Gesamtfahraufkommen nach Kenntnis der
Bundesregierung regelmäßig Beschäftigte der DB Sicherheit im Einsatz?
14. Über welche persönliche Ausstattung verfügen die Beschäftigten der
DB Sicherheit generell, und über welche Hilfsmittel und ggf. Waffen zur
Durchsetzung von Sicherheitsmaßnahmen verfügen diese im Besonderen?
15. Worin soll die verbesserte Schutzausrüstung für Angehörige der DB
Sicherheit bestehen (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
16. Wie stellt sich das Angebot an Bewerbern für eine Einstellung bei der
DB Sicherheit dar?
17. In welchen Bereichen sollen die neuen Mitarbeiter der DB Sicherheit nach
ihrer Einstellung planmäßig eingesetzt werden?
18. Wie gut funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Beschäftigten der
DB Sicherheit und Beamten der Bundespolizei im Bereich der
Gefahrenabwehr und Strafverfolgung nach Einschätzung der Bundesregierung?
19. Gibt es bereits konkrete Pläne für einen erweiterten Einsatz von
Kameratechnik in Zügen und auf Bahnhöfen, und wenn ja, worin genau bestehen
diese Pläne (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller; bitte geplante
Einsatzorte nennen, wenn bekannt)?
20. Gibt es bereits konkrete Pläne für den Einsatz von Zweierteams an
Zugbegleitern in deutschen Zügen, und wenn ja, nach welchen Kriterien, und
in welchen Zügen sollen diese Zweierteams eingesetzt werden (vgl.
Vorbemerkung der Fragesteller)?
21. Haben die in der Vorbemerkung der Fragesteller genannten Angriffe auf
Beschäftigte der Deutschen Bahn AG nach Kenntnis der Bundesregierung
einen Einfluss auf die Anzahl an Bewerbern für eine Beschäftigung bei
der Deutschen Bahn AG, und wenn ja, welchen?
22. Welche Auswirkungen auf die Entwicklung der Anzahl an Fahrgästen
ohne gültigen Beförderungsausweis wird eine in Gefahrensituationen
verringerte Kontrolle von Lichtbildausweisen im Rahmen der
Fahrscheinkontrolle nach Auffassung der Bundesregierung haben?
23. Liegen der Bundesregierung Berechnungen oder Prognosen über
mögliche finanzielle Schäden für die Deutsche Bahn AG durch steigende
Zahlen von Beförderungserschleichungen im Falle von weniger Kontrollen
von Lichtbildausweisen im Rahmen der Fahrscheinkontrolle vor, und
wenn ja, welche?
24. Werden durch die Deutsche Bahn AG alternative Maßnahmen geprüft, um
das Zugpersonal besser vor Angriffen zu schützen (z. B. verstärkte
Bundespolizeipräsenz, Bahnsteigkontrollen, technische Lösungen), und wenn
ja, welche?
25. Plant die Bundesregierung die Initiierung von gesetzlichen Reformen im
Zusammenhang mit neuen Kontrollkonzepten bei der Deutschen Bahn
AG?
Berlin, den 4. März 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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