Störungen im Betriebsablauf bei der Deutschen Bahn AG und deren Auswirkungen auf Sicherheit und Pünktlichkeit
Text
Störungen im Betriebsablauf bei der Deutschen Bahn AG und deren Auswirkungen auf Sicherheit und Pünktlichkeit
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/1015
21. Wahlperiode 05.09.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Jan Wenzel Schmidt, Lars Haise, Wolfgang Wiehle, René
Bochmann, Alexis L. Giersch, Stefan Henze, Maximilian Kneller, Ulrich von Zons,
Carsten Becker, Hans-Jürgen Goßner, Leif-Erik Holm, Dr. Rainer Kraft, Sascha
Lensing, Andreas Mayer, Volker Scheurell, Otto Strauß und der Fraktion der AfD
Störungen im Betriebsablauf bei der Deutschen Bahn AG und deren
Auswirkungen auf Sicherheit und Pünktlichkeit
Die Deutsche Bahn AG (DB AG) verzeichnet jährlich eine Vielzahl von
Störungen im Betriebsablauf, die zu erheblichen Verspätungen, Zugausfällen und
Sicherheitsrisiken führen. Diese reichen von technischen Defekten über
witterungsbedingte Störungen bis hin zu personenbedingten Vorfällen wie dem
unbefugten Betreten von Gleisanlagen, Gewaltvorfällen, Suiziden, Diebstahl oder
Vandalismus.
Jährlich kommt es zu mehreren tausend Fällen von „Personen im Gleis“, die
den Bahnverkehr teilweise stundenlang lahmlegen (laut einem Pressebericht im
Jahr 2022 über 4 000, im Jahr 2021 ca. 3 900 und im Jahr 2020 ca. 3 600 Fälle,
www.spiegel.de/auto/bahn-ueberlegt-bei-personen-am-gleis-kuenftig-auf-
sichtweiterzufahren-a-96634944-7ac4-4e20-8df0-66a77d116d1f). Diese Vorfälle
stellen nicht nur ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar, sondern verursachen
auch volkswirtschaftliche Schäden.
Trotz verschiedener Präventionsmaßnahmen wie verstärkter
Videoüberwachung, baulicher Sicherungen oder Kampagnen bleibt die Zahl solcher
Störungen im Betriebsablauf hoch. Vor diesem Hintergrund ist in den Augen der
Fragesteller eine detaillierte Aufschlüsselung sowie eine kritische Bewertung
der bisherigen Gegenmaßnahmen notwendig, um Handlungsdefizite zu
identifizieren und wirksame Strategien zu entwickeln.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie viele dokumentierte Störungen im Betriebsablauf bei der Deutschen
Bahn AG gab es in den Jahren 2022, 2023, 2024 und im bisherigen
Verlauf des Jahres 2025 insgesamt?
2. Wie verteilen sich die Störungen auf die Hauptkategorien nach der
Kodierliste der DB InfraGO AG gemäß deren Richtlinie 420.9001A01
a) Betreiber der Schienenwege (u. a. Störungen an Anlagen der Leit- und
Sicherungstechnik, Telekommunikationsanlagen, Bauwerke,
Fahrbahn, Bahnübergangssicherungsanlagen, Weichen,
Oberleitungsstörungen etc.),
b) Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU; u. a. Störungen an
Triebfahrzeugen, Reisezugwagen, Güterwagen etc., Ausfall von Fahrpersonal),
c) externe Einflüsse (u. a. Streik, Witterung, Schmierfilm, behördliche
Anordnungen, Fremdeinwirkung etc.),
d) sekundäre Einflüsse (u. a. gefährliche Ereignisse etc.)?
3. In wie vielen Fällen erfolgte keine Meldung durch das EVU bei Störungen
im Betriebsablauf?
4. Wie viele Fälle entstanden durch Störungen an Stromversorgungsanlagen,
Telekommunikationsanlagen, Bauwerken, Fahrbahnen,
Bahnübergangssicherungsanlagen, Anlagen der Leit- und Sicherungstechnik, Weichen,
durch Mängel am Oberbau bzw. Mängellangsamfahrstellen und Störungen
an Anlagen der DB Energie (vgl. Frage 2a, bitte einzeln und nach Jahren
getrennt aufführen, Zeiträume wie in Frage 1 erfragt)?
5. Wie viele Fälle entstanden durch Haltezeitüberschreitungen, Ladearbeiten,
Unregelmäßigkeit an der Ladung sowie durch Störungen an
Triebfahrzeugen, Reisezugwagen und Güterwagen (vgl. Frage 2b, bitte einzeln und
nach Jahren getrennt aufführen, Zeiträume wie in Frage 1 erfragt)?
6. Wie viele Fälle entstanden durch Streik, Witterung, Schmierfilm,
Behörden und Fremdeinwirkung (vgl. Frage 2c, bitte einzeln und nach Jahren
getrennt aufführen, Zeiträume wie in Frage 1 erfragt)?
7. In wie vielen Fällen handelte es sich um unbefugtes Betreten von
Gleisanlagen?
8. Wie verteilen sich die Fälle des unbefugten Betretens von Gleisanlagen
jeweils nach Altersgruppen (unter 14 Jahre, 14 bis 17 Jahre, 18 bis
24 Jahre, 25 bis 40 Jahre, 41 bis 60 Jahre, über 60 Jahre)?
9. Wie verteilen sich diese Fälle unbefugten Betretens nach
Staatsangehörigkeit (bitte die fünf häufigsten Staatsangehörigkeiten gesondert ausweisen
und übrige zusammenfassen)?
10. Wie hoch ist der geschätzte wirtschaftliche Schaden, der durch Störungen
im Betriebsablauf in den Jahren 2022, 2023, 2024 und im bisherigen
Verlauf des Jahres 2025 entstanden ist, jeweils differenziert nach den
Kategorien in Frage 2?
11. Welche Hauptgründe wurden bei polizeilicher Erfassung für das Betreten
der Gleisanlagen angegeben (z. B. Suizidabsicht, Abkürzung, Flucht vor
Kontrollen, Vandalismus, sonstige)?
12. Welche Maßnahmen hat die Bundesregierung in den letzten fünf Jahren
ggf. ergriffen, um das unbefugte Betreten von Gleisanlagen zu verhindern,
und wie bewertet sie die Wirksamkeit dieser Maßnahmen?
13. Bestehen technische Möglichkeiten für Zugangskontrollen oder physische
Barrieren an besonders betroffenen Streckenabschnitten, wenn ja, wurden
diese, soweit möglich, flächendeckend eingeführt, und wenn nein, warum
nicht?
14. Welche Rolle spielt die personelle Ausstattung der Bundespolizei im
Bereich Bahnanlagen bei der Prävention und Verfolgung solcher Vorfälle,
und inwiefern ist diese aus Sicht der Bundesregierung ausreichend?
15. Welche Kooperationen zwischen der Deutschen Bahn AG, der
Bundespolizei und den Ländern bestehen ggf. zur Bekämpfung von Vandalismus
und Gewalt im Bahnverkehr, und welche messbaren Ergebnisse haben
diese ggf. erbracht?
16. Wie hoch ist der Anteil der Störungen im Betriebsablauf, die auf
mutmaßliche Sabotagehandlungen zurückzuführen sind, und welche
Ermittlungsfortschritte wurden dabei in den letzten drei Jahren erzielt?
17. In wie vielen Fällen kam es aufgrund von Störungen im Betriebsablauf zu
a) vollständigen Sperrungen von Streckenabschnitten,
b) Verspätungen im Fernverkehr von mehr als 30 Minuten,
c) Verspätungen im Regionalverkehr von mehr als 30 Minuten,
d) vollständigen Zugausfällen?
18. Hat die Bundesregierung Erkenntnisse darüber, ob bestimmte
Streckenabschnitte oder Bahnhöfe besonders häufig von sicherheitsrelevanten
Störungen im Betriebsablauf betroffen sind, und wenn ja, welche?
19. Aus welchen Gründen existieren keine bundesweit einheitlichen,
öffentlich zugänglichen Statistiken zu allen relevanten Störungen im
Betriebsablauf, und plant die Bundesregierung, dies zu ändern?
Berlin, den 27. August 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
Relationen
- asked ← Alexis L. Giersch (Kleine Anfrage)
- asked ← Andreas Mayer (Kleine Anfrage)
- asked ← Carsten Becker (Kleine Anfrage)
- asked ← Hans-Jürgen Goßner (Kleine Anfrage)
- asked ← Jan Wenzel Schmidt (Kleine Anfrage)
- asked ← Lars Haise (Kleine Anfrage)
- asked ← Leif-Erik Holm (Kleine Anfrage)
- asked ← Maximilian Kneller (Kleine Anfrage)
- asked ← Otto Strauß (Kleine Anfrage)
- asked ← Rainer Kraft (Kleine Anfrage)
- asked ← René Bochmann (Kleine Anfrage)
- asked ← Sascha Lensing (Kleine Anfrage)
- asked ← Stefan Henze (Kleine Anfrage)
- asked ← Ulrich von Zons (Kleine Anfrage)
- asked ← Volker Scheurell (Kleine Anfrage)
- asked ← Wolfgang Wiehle (Kleine Anfrage)
- authored ← Fraktion der AfD
- authored ← Jan Wenzel Schmidt
- authored ← Lars Haise
- part_of_vorgang → Störungen im Betriebsablauf bei der Deutschen Bahn AG und deren Auswirkungen auf Sicherheit und Pünktlichkeit (Kleine Anfrage)