Schieneninfrastruktur in Ostdeutschland (Antwort zu Drs. 21/7722)
Text
Schieneninfrastruktur in Ostdeutschland (Antwort zu Drs. 21/7722)
Deutscher Bundestag Drucksache 21/8263
21. Wahlperiode 29.09.2026
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Mandy Eißing, Jorrit Bosch, Violetta
Bock, weiterer Abgeordneter und der Fraktion Die Linke
– Drucksache 21/7722 –
Schieneninfrastruktur in Ostdeutschland
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Seit der Wiedervereinigung wurden in Ostdeutschland über 2 600 Kilometer
Bahnstrecken stillgelegt. Das entspricht rund 40 Prozent aller
Streckenstilllegungen in ganz Deutschland seit 1990 (vgl. www.rnd.de/politik/40-prozent-de
r-stillgelegten-bahnstrecken-liegen-in-ostdeutschland-VMLE6F6XVLPUGH
NF7QT26QJ4BM.html). Laut Allianz pro Schiene können in Deutschland
rund 900 Kilometer Schienen bis 2035 reaktiviert werden, davon knapp
160 Kilometer in Ostdeutschland (vgl. www.allianz-pro-schiene.de/presse/pre
ssemitteilungen/reaktivierung-nimmt-fahrt-auf/). Auch die Ministerpräsidentin
und Ministerpräsidenten der ostdeutschen Bundesländer haben sich für die
Reaktivierung stillgelegter Strecken ausgesprochen (vgl. Beschluss Top 1.2
Schieneninfrastruktur, MPK (Ministerpräsidentenkonferenz)-Ost, 11. Juni
2026). Die Erweiterung des Schienennetzes durch Reaktivierung sowie Aus-
und Neubau ist für die infrastrukturelle Entwicklung Ostdeutschlands, für den
wirtschaftlichen Standort und für den grenzüberschreitenden Verkehr nach
Osteuropa essenziell. Dabei sind gerade Fernverkehrsstrecken für die
flächendeckende Anbindung entscheidend. Mit den Erträgen auf viel befahrenen
Strecken wird der Fernverkehr auf den sogenannten Nebenlinien subventioniert.
Neue Konkurrenzen, wie sie jetzt etwa von Italo und anderen auf den
lukrativen Fernverkehrsstrecken angekündigt sind, können dazu führen, dass
bestimmte Bahnhöfe in der Fläche nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr
am Fernverkehr angeschlossen sind (vgl. www.evg-online.org/aktuelles/artike
l/schienenfernverkehr-bald-kein-ice-mehr-zum-weltkulturerbe/ oder https://ta
z.de/Konkurrenz-fuer-Deutsche-Bahn/!6192409/). Gerade ostdeutsche Städte
drohen hier besonders betroffen zu sein.
1. Welche Streckenabschnitte im Bundesschienennetz sind nach Auffassung
der Bundesregierung potenziell technisch bzw. wirtschaftlich
reaktivierbar, und wie viele Streckenkilometer sind es jeweils (bitte getrennt nach
Streckenabschnitten und Bundesländern angeben)?
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Verkehr
vom 29. September 2026 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
2. Welche Streckenabschnitte von NE-Bahnen (Nichtbundeseigene
Eisenbahnen) sind nach Kenntnis der Bundesregierung potenziell technisch
bzw. wirtschaftlich reaktivierbar, und wie viele Streckenkilometer sind es
jeweils (bitte getrennt nach Streckenabschnitten und Bundesländern
angeben)?
3. Wie viele Streckenkilometer Schiene sollten nach Auffassung der
Bundesregierung reaktiviert werden?
4. Wie bewertet die Bundesregierung das Reaktivierungspotenzial
stillgelegter Strecken für die Erweiterung des Schienennetzes und den Ausbau
des Schienenverkehrs insgesamt (wenn möglich nach
Streckenabschnitten und Bundesländern, ansonsten nur nach Bundesländern angeben)?
Die Fragen 1 bis 4 werden gemeinsam beantwortet.
Die Reaktivierung von Eisenbahnstrecken ist eine Aufgabe der Länder. Der
Bund stellt hierfür finanzielle Mittel zur Verfügung (insbesondere über das
Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG)) und schafft die notwendigen
rechtlichen Rahmenbedingungen.
5. Wie viele Streckenkilometer wurden seit 2021 reaktiviert (bitte nach
Bundesländern angeben)?
Nach Angaben der Deutschen Bahn AG (DB AG) wurde seit 2021 bislang eine
Schienenstrecke der DB AG reaktiviert. Dabei handelt es sich um die Strecke
mit der VzG-Streckennummer (Verzeichnis der örtlich zulässigen
Geschwindigkeiten) 6115 in Brandenburg im Streckenabschnitt Abzw. Lienewitz–Abzw.
Beelitz (ca. 1 km Länge).
6. Welche Kosten sind seit 2021 pro reaktiviertem Streckenkilometer
angefallen?
Nach Angaben der DB AG ist eine Angabe der Kosten pro reaktiviertem
Streckenkilometer nicht möglich. Grund dafür ist, dass Streckenreaktivierungen
häufig Bestandteil größerer Infrastrukturvorhaben sind und die entsprechenden
Kosten nicht eindeutig der Reaktivierungsmaßnahme zugeordnet werden
können.
7. Wie hoch war die direkte finanzielle Beteiligung durch den Bund an der
Reaktivierung stillgelegter Strecken (wenn möglich nach
Streckenabschnitten und Bundesländern, ansonsten nur nach Bundesländern
angeben)?
Über die konkrete Verwendung der den Ländern zugewiesenen Mitteln aus der
LuFV 8.7 entscheiden die Länder und die DB InfraGO AG in eigener
Zuständigkeit. Die DB AG hat dazu mitgeteilt, dass im Rahmen der LuFV Anlage 8.7
in den Ländern Berlin und Brandenburg folgende Bundesmittel für
Reaktivierungen eingesetzt wurden.
LuFV 8.7
[Angaben in T Euro]
2021 2022 2023 2024 2025 Ggf. Anmerkungen
Berlin 390 172 101 225 323 Restabwicklung Ostkreuz (IBN 2018)
Brandenburg 6 924 1 713 607 269 56 Abzweig Beelitz (IBN 2022)
8. Wie hoch war die indirekte finanzielle Beteiligung durch den Bund an
der Reaktivierung stillgelegter Strecken (wenn möglich nach
Streckenabschnitten und Bundesländern, ansonsten nur nach Bundesländern
angeben)?
Im genannten Zeitraum ist keine Reaktivierung stillgelegter Strecken mit
Bundesmitteln erfolgt.
9. In welchem Umfang plant der Bund vor dem Hintergrund
aussichtsreicher Reaktivierungen eine Erhöhung der Finanzhilfen an die
Bundesländer (sogenannte Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG)-
Bundesmittel)?
Für Vorhaben zur Verbesserung der Verkehrsverhältnisse der Gemeinden nach
Maßgabe des GVFG stehen im Jahr 2026 über zwei Mrd. Euro zur Verfügung
und somit mehr als doppelt so viel wie im Jahr 2024. Der jährlich verfügbare
Mittelbetrag steigt um jeweils 1,8 Prozent gegenüber dem vorhergehenden Jahr.
Diese signifikante Mittelaufstockung erlaubt aktuell eine ausreichende
Dotierung der Vorhaben, die die Fördervoraussetzungen erfüllen. Über weitere
Mittelerhöhungen wird im Zuge der fortschreitenden Planungen des Bundes
entschieden.
10. Welche Betreiber befahren nach Kenntnis der Bundesregierung jeweils
die seit 2021 reaktivierten Strecken?
Da es im genannten Zeitraum keine Reaktivierung von Strecken gab, gibt es
auch keine Betreiber, die auf solchen Strecken fahren.
11. Für wie viele Schienenkilometer des Bundes ist die DB InfraGo seit
2021 von der Instandhaltungspflicht gemäß § 11 des Allgemeinen
Eisenbahngesetzes (AEG) entbunden worden (wenn möglich nach
Streckenabschnitten und Bundesländern, ansonsten nur nach Bundesländern
angeben)?
Für folgende Strecken hat DB InfraGO eine Stillgenehmigungserteilung vom
Eisenbahn-Bundesamt erhalten.
NRW 2657 Siegburg–Olpe Teilstrecke Siegburg Bf
(ausschließlich) –
Siegburg Werke
0,8 km Genehmigung
erteilt 18.12.2019
Stilllegung
vollzogen 15.12.2021
Niedersachsen
6905 Dannenberg
Ost–Salzwedel
Streckenrest im
Bahnhof Dannenberg Ost
0,2 km Genehmigung
erteilt 07.06.1996
Stilllegung
vollzogen Juni 2025
12. Wie viele Kilometer Schiene sind seit 2021 gemäß § 23 AEG entwidmet
worden (wenn möglich nach Streckenabschnitten und Bundesländern,
ansonsten nur nach Bundesländern angeben)?
Die DB AG hat dazu nachstehende Übersicht zu den entwidmeten
Streckenabschnitten nach ostdeutschen Ländern seit 2021 übermittelt:
Strecken-Nr. Strecke/Abschnitt Bahn-km Länge (km) Bundesland
6542 Strecke 6542 41,715–55,545 7,830 Brandenburg
6508 Strecke 6508 1,240–1,687
1,700–2,330
1,077 Brandenburg
Strecken-Nr. Strecke/Abschnitt Bahn-km Länge (km) Bundesland
Abzweig von
Strecke 6153
Anschlussgleis der NVA
abgehend von Strecke 6153
am Bahnhof Hangelsberg
36,5–37,1 0,600 Brandenburg
6105 Strecke 6105 81,880–82,390 0,510 Brandenburg
6345 Strecke 6345 176,700–179,000 2,300 Brandenburg
6591 ehem. Anschlussgleis zum
Militärflugplatz Lichterfeld-
Schacksdorf
3,600–4,000 0,400 Brandenburg
Abzweig von
Strecke 6345
Abzweig Schlagsdorf von
Strecke 6345 bei km 207,3
207,3 Brandenburg
ehem. Militärgleis Ribnitz–Damgarten 0,58–38,13 37,550 Mecklenburg-
Vorpommern
13. Wie hoch war die durchschnittliche Auslastung der
Eisenbahnfernverkehrslinien in Deutschland jeweils in den Jahren 2021 bis 2025 (bitte
nach Jahren und Linien aufschlüsseln)?
Der Bundesregierung liegen dazu keine Angaben vor, da der
Schienenpersonenfernverkehr in eigener wirtschaftlicher und organisatorischer Verantwortung
der Eisenbahnverkehrsunternehmen liegt.
14. Der Ausbau und die Reaktivierung wie vieler und welcher Strecken
wurde durch GVFG- und Regionalisierungsmittel ganz oder teilweise in den
Jahren 2021 bis 2025 finanziert?
Über den Einsatz der Regionalisierungsmittel entscheiden die Länder. Dem
Bund liegen keine Informationen über die Verwendung dieser Mittel auf
Einzelprojektebene vor. Die DB AG hat dazu mitgeteilt, dass aus dem GVFG in
Ostdeutschland keine Reaktivierungen, aber die folgenden Ausbaumaßnahmen
in den Jahren 2021 bis 2025 finanziert wurden:
GVFG-Bundesmittel 2021
Tsd.
Euro
2022
Tsd.
Euro
2023
T Tsd.
Euro
2024
Tsd.
Euro
2025
Tsd.
Euro
Gesamt
Tsd.
Euro
945 11 D 315 S S-Bahn Berlin, S21
(Neubau der Strecken 6017
und 6019 zwischen
Westhafen/Wedding und Berlin
Hbf)
7 648 6 908 6 533 5 156 3 696 29 941
935 11 D 353 S S-Bahn Berlin Bahnhof
Ostkreuz (Erneuerung des
gesamten Bf mit den
Strecken 6004, 6006, 6007 und
6020)
961 2 751 1 095 1 995 762 7 564
Summe Berlin insgesamt: 8 609 9 660 7 628 7 151 4 458 37 505
995 12 D 1210 S S-Bahn Berlin,
Lückenschluss (Lichtenrade) –
Blankenfelde, Bf.
Blankenfelde (Verlängerung der
Strecke 6035 inklusive
Neubau eines S-Bahn Hp)
0 37 285 417 989 1 727
GVFG-Bundesmittel 2021
Tsd.
Euro
2022
Tsd.
Euro
2023
T Tsd.
Euro
2024
Tsd.
Euro
2025
Tsd.
Euro
Gesamt
Tsd.
Euro
427 12D 630_A i2030 RE 1, Anteil
Regionalverkehrsstation
Fangschleuse (nur Neubau der
Verkehrsstation, Ausbau
der Strecke 6153 erfolgt
über den Bedarfsplan)
0 0 0 0 9 061 9 061
Summe Brandenburg insgesamt: 0 37 285 417 10 050 10 789
Summe insgesamt: 8 609 9 696 7 913 7 568 14 508 48 294
15. Hat die Bundesregierung Kenntnisse darüber, welche Orte ihren
Fernverkehrsanschluss durch die möglichen Folgen des Einstiegs von Italo in
den Schienenpersonenfernverkehr verlieren könnten?
Nach Auskunft der DB AG soll das Gesamtangebot der DB Fernverkehr AG
im Fahrplan 2027 stabil bleiben. Konkrete Aussagen für die Folgejahre sind
aktuell nicht möglich. Zu den Angebotsplanungen anderer
Eisenbahnverkehrsunternehmen im SPFV liegen der Bundesregierung keine Erkenntnisse vor.
16. Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung, um den durch den
Einstieg von Wettbewerbern in den Fernverkehr gefährdeten
Schienenpersonenverkehr in der Fläche finanziell zu unterstützen, und ist in diesem
Zusammenhang eine Anpassung der Rahmenbedingungen und der
Regionalisierungsmittel vorgesehen (bitte begründen)?
Die Bundesregierung hat Ende August das Deutsche Zentrum für
Schienenverkehrsforschung (DZSF) beauftragt zu untersuchen, ob die derzeitige
Marktorganisation weiterhin den Herausforderungen an einen leistungsfähigen
Schienenpersonenfernverkehr mit attraktiven Angeboten in Deutschland gerecht
wird, und verschiedene Handlungsoptionen aufzuzeigen.
17. Wie erklärt sich die Bundesregierung, dass laut Bericht zum
Umsetzungsstand des Investitionsgesetzes Kohleregionen
(Bundestagsdrucksache 21/2700) in den betroffenen Regionen bisher weniger als 1 Prozent
für Schieneninfrastrukturprojekte, aber knapp 90 Prozent für Autobahn-
und 58 Prozent für Bundesfernstraßenprojekte abgeflossen sind, und
welche Maßnahmen unternimmt die Bundesregierung, um den
Mittelabfluss und Projektumsetzung bei Schieneninfrastrukturprojekten zu
beschleunigen?
Nach Auskunft der DB AG sind die geringen Mittelabflüsse bei den
Schieneninfrastrukturvorhaben darauf zurückzuführen, dass sich die überwiegende
Anzahl der Projekte in den frühen Leistungsphasen der Planung befänden. Sobald
die Projekte in die Realisierung kämen, wird sich der Mittelabfluss deutlich
erhöhen.
18. Kann die Bundesregierung versichern, dass alle im Zuge des
Investitionsgesetzes Kohleregionen geplanten Schieneninfrastrukturprojekte in
der geplanten Form umgesetzt werden, und wenn nein, warum nicht?
Der Bund unterstützt mit dem am 14. August 2020 in Kraft getretenen
„Strukturstärkungsgesetz Kohleregionen“ (StStG) die Braunkohleregionen
Rheinisches Revier, Mitteldeutsches Revier und Lausitzer Revier durch Maßnahmen
in seiner eigenen Zuständigkeit mit bis zu 26 Mrd. Euro bis 2038, etwa durch
Erweiterung von Forschungs- und Förderprogrammen, den Ausbau von
Verkehrsinfrastrukturprojekten oder die Ansiedelung von Bundeseinrichtungen.
Bisher hat das Bund-Länder-Koordinierungsgremium (BLKG) 29
Schieneninfrastrukturvorhaben gebilligt und mit Budgetmitteln von insgesamt ca.
6,9 Mrd. Euro ausgestattet. Mit dem zur Verfügung stehenden Budget können
jedoch nicht alle im InvKG aufgeführten Verkehrsinfrastrukturprojekte
umgesetzt werden. Die Länder müssen die Projekte priorisieren, die abschließend
durch das BLKG beschlossen werden. Dazu wurden die Mittel den
Braunkohleländern mit fester Quote zugeteilt. Für die Einhaltung des Budgets sind die
Länder verantwortlich. Sie entscheiden, welche Projekte aus dem InvKG
finanziert werden. Die Länder sind maßgeblich an der Gestaltung des
Projektumgriffs beteiligt.
19. Welche Preissteigerungen sind dabei einkalkuliert?
Die DB AG kalkuliert mit branchenüblichen Preissteigerungen.
20. Wie viele Schieneninfrastrukturprojekte konnten in dieser
Legislaturperiode aufgrund von inflationsbedingten Kostensteigerungen noch nicht
fertiggestellt werden bzw. sind dadurch unsicher geworden?
Eine belastbare Anzahl kann nach Auskunft der DB InfraGO AG nicht benannt
werden, da inflationsbedingte Kostensteigerungen nicht einzelnen Projekten
zugeordnet werden. Eine große Anzahl der Vorhaben befindet sich im
Anfangsstadium der Planung.
21. Welche Zahlen liegen dem Bund darüber vor, wie viele Kilometer des
Schienennetzes in den nächsten 20 Jahren erneuert werden müssen?
Laut DB AG sind in den nächsten 20 Jahren rund 32 000 km Schienennetz zu
erneuern.
22. Welche Bruttowertschöpfung nimmt der Bund durch Erhalt, Neu- und
Ausbau des Schienennetzes in den nächsten 20 Jahren an?
Hierzu liegen der Bundesregierung keine Informationen vor.
23. Wie hoch sind die Kosten für die Erneuerung sowie den geplanten Neu-
und Ausbau des Schienennetzes?
Bei den angefragten Informationen handelt es sich um Betriebs- und
Geschäftsgeheimnisse der DB AG. Eine Offenlegung der angefragten Informationen
könnte dazu führen, das Bieterverhalten potenzieller Auftragnehmer zu
beeinflussen. Das würde zu einer Verteuerung der Maßnahmen führen. Dies beträfe
auch die fiskalischen Interessen des Bundes.
Infolge einer Abwägung der Informationsrechte des Deutschen Bundestages
und dem Schutz von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen sowie dem
fiskalischen Interesse des Bundes sind die erbetenen Informationen als „VS-
Vertraulich“ eingestuft und in der Geheimschutzstelle des Deutschen Bundestages
hinterlegt.*
24. Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung der gesamte
Personalbedarf für den Schienenpersonenverkehr bis 2030 (bitte einmal für den
Erhalt des Status quo und einmal für den durch die Bundesregierung
angenommenen notwendigen Ausbau angeben)?
Bei der DB AG lag der Personalbestand im Schienenpersonenverkehr der
DB AG (DB Regio AG Schiene, DB Fernverkehr AG) zum Ende des ersten
Halbjahres 2026 bei rund 50 000 Vollzeitpersonen. Darüber hinaus sind bei der
DB InfraGO AG rund 75 000 Vollzeitpersonen beschäftigt, die sich für den
laufenden Betrieb der Infrastruktur u. a. für den Personenverkehr kümmern.
25. Wie bewertet die Bundesregierung das Risiko des Arbeitsplatzverlustes
für Beschäftigte im Schienenpersonennahverkehr (SPNV) und im
öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) durch Betriebsübergänge, und hält
die Bundesregierung die aktuelle Rechtslage für ausreichend, um
Arbeitsplatzverluste zu verhindern?
Die Bundesregierung ist in den Abschluss der Verkehrsverträge zwischen den
Aufgabenträgern der Länder und den Verkehrsunternehmen und die im
geltenden Rechtsrahmen zu treffenden Regelungen bezüglich von
Betriebsübergängen nicht eingebunden. Operative Aufgaben wie die Fachkräftesicherung liegen
in der Verantwortung der Unternehmen des Sektors. Die Übernahme von Fahr-
und Betriebspersonal im SPNV und ÖPNV entspricht nach Angaben der
DB AG seit Jahren der gelebten Praxis. Aufgrund des Fachkräftemangels haben
Neubetreiber regelmäßig ein eigenes Interesse daran, qualifizierte Beschäftigte
zu übernehmen. Gleichzeitig besteht auch auf Seiten des Altbetreibers häufig
ein Interesse am Personalübergang, sofern keine anderweitigen
Einsatzmöglichkeiten bestehen. Alt- und Neubetreiber stehen nach
Ausschreibungsverlusten regelmäßig im Austausch zur Übernahme von Beschäftigten.
26. Welche Maßnahmen sind vom Bund geplant, um die Sicherheit der
Beschäftigten vor Übergriffen im SPNV und ÖPNV zu verbessern?
Für die Bundesregierung hat das Thema der Sicherheit von Mitarbeitern im
Öffentlichen Personenverkehr (ÖPV) Priorität. Die Bundesregierung arbeitet an
der Umsetzung der Maßnahmen, die auf dem Sicherheitsgipfel am 13. Februar
2026 beschlossen wurden. Die Bundesregierung unterstützt bereits die
Ausrüstung und den Erhalt von Videotechnik an Bahnhöfen bis einschließlich 2026.
Für die Zukunft wurde zwischen dem BMV, dem Bundesministerium des
Innern und der DB AG eine langfristige Übereinkunft zur Ausstattung weiterer
Bahnhöfe und zu Ersatzinvestitionen an bestehenden Standorten getroffen. Seit
Sommer 2026 stellt die DB AG nicht nur ihren Mitarbeitern bei der DB
Sicherheit GmbH und der DB Regio AG eine Bodycam zur Verfügung, sondern auch
im Fernverkehr und an den Bahnhöfen. Bis Ende des Jahres stattet die DB AG
damit alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Kundenkontakt auf freiwilliger
Basis aus. In Planung ist darüber hinaus eine Ergänzung der Bodycams um
Audioaufzeichnungen. Die DB InfraGO AG setzt 200 zusätzliche
Sicherheitskräfte in den Bahnhöfen ein und verbessert die Schutzausrüstung für Mitarbeiter im
Kundenkontakt. Verhaltens- und Deeskalationstrainings werden intensiviert.
* Das Bundesministerium für Verkehr hat die Antwort als „VS-Vertraulich“ eingestuft. Die Antwort ist in der Geheimschutzstelle des Deutschen Bundestages hinterlegt
und kann dort nach Maßgabe der Geheimschutzordnung eingesehen werden.
Regional wurden unter Beteiligung der Bundespolizei und des BMV
sogenannte Sicherheitswerkstätten durchgeführt, um Probleme vor Ort zu identifizieren
und Ideen der Mitarbeiter aus dem operativen Eisenbahngeschäft der DB AG
aufzugreifen. Außerdem wurde am 5. Mai 2026 die Kampagne „#mehr
Achtung: Respekt für Mitarbeitende in Bussen und Bahnen“ gestartet. Die
Kampagne ist ein gemeinsames Projekt von BMV, dem Verband Deutscher
Verkehrsunternehmen (VDV) und der DB AG als Teil des Aktionsplans für mehr
Sicherheit auf der Schiene.
27. Wie viele Neuanschlüsse von Industrie- und Logistikstandorten ans
Schienennetz des Bundes sind in dieser Legislaturperiode bereits
abgeschlossen oder in Planung (bitte Planungsstand und nach Bundesländern
angeben)?
Nach Auskunft der DB AG wurden in der laufenden Legislaturperiode 64
Projekte in den Bereichen Neubau, Erweiterung und Reaktivierung in 12 Ländern
vorangetrieben. Von diesen Vorhaben befinden sich 59 Projekte in Planung/
Umsetzung; fünf Projekte konnten erfolgreich abgeschlossen werden.
Weiterführende Details sind der beigefügten Tabelle zu entnehmen.
Land Projektform Projektstatus Anzahl
Baden-Württemberg Neubau In Planung 1
Baden-Württemberg Reaktivierung In Planung 1
Bayern Erweiterung In Planung 2
Bayern Neubau In Planung 10
Bayern Neubau Abgeschlossen 1
Bayern Reaktivierung In Planung 2
Brandenburg Erweiterung In Planung 4
Brandenburg Neubau In Planung 5
Brandenburg Reaktivierung In Planung 1
Hessen Erweiterung In Planung 2
Hessen Erweiterung Abgeschlossen 1
Hessen Neubau In Planung 4
Hessen Reaktivierung In Planung 2
Mecklenburg-Vorpommern Erweiterung In Planung 2
Mecklenburg-Vorpommern Reaktivierung In Planung 2
Niedersachsen Erweiterung In Planung 1
Niedersachsen Neubau In Planung 2
Nordrhein-Westfalen Erweiterung In Planung 2
Nordrhein-Westfalen Neubau In Planung 5
Nordrhein-Westfalen Neubau Abgeschlossen 1
Rheinland-Pfalz Neubau In Planung 1
Rheinland-Pfalz Reaktivierung In Planung 3
Rheinland-Pfalz Reaktivierung Abgeschlossen 1
Sachsen Neubau In Planung 1
Sachsen Neubau Abgeschlossen 1
Sachsen-Anhalt Neubau In Planung 1
Sachsen-Anhalt Reaktivierung In Planung 1
Schleswig-Holstein Erweiterung In Planung 1
Schleswig-Holstein Neubau In Planung 1
Schleswig-Holstein Reaktivierung In Planung 1
Thüringen Neubau In Planung 1
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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