Störungen im Betriebsablauf bei der Deutschen Bahn AG und deren Auswirkungen auf Sicherheit und Pünktlichkeit (Antwort zu Drs. 21/1015)
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Störungen im Betriebsablauf bei der Deutschen Bahn AG und deren Auswirkungen auf Sicherheit und Pünktlichkeit (Antwort zu Drs. 21/1015)
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/2143
21. Wahlperiode 09.10.2025
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Jan Wenzel Schmidt, Lars Haise,
Wolfgang Wiehle, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD
– Drucksache 21/1015 –
Störungen im Betriebsablauf bei der Deutschen Bahn AG und deren
Auswirkungen auf Sicherheit und Pünktlichkeit
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Die Deutsche Bahn AG (DB AG) verzeichnet jährlich eine Vielzahl von
Störungen im Betriebsablauf, die zu erheblichen Verspätungen, Zugausfällen und
Sicherheitsrisiken führen. Diese reichen von technischen Defekten über
witterungsbedingte Störungen bis hin zu personenbedingten Vorfällen wie dem
unbefugten Betreten von Gleisanlagen, Gewaltvorfällen, Suiziden, Diebstahl
oder Vandalismus.
Jährlich kommt es zu mehreren tausend Fällen von „Personen im Gleis“, die
den Bahnverkehr teilweise stundenlang lahmlegen (laut einem Pressebericht
im Jahr 2022 über 4 000, im Jahr 2021 ca. 3 900 und im Jahr 2020 ca. 3 600
Fälle, www.spiegel.de/auto/bahn-ueberlegt-bei-personen-am-gleis-kuenftig-au
f-sicht-weiterzufahren-a-96634944-7ac4-4e20-8df0-66a77d116d1f). Diese
Vorfälle stellen nicht nur ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar, sondern
verursachen auch volkswirtschaftliche Schäden.
Trotz verschiedener Präventionsmaßnahmen wie verstärkter
Videoüberwachung, baulicher Sicherungen oder Kampagnen bleibt die Zahl solcher
Störungen im Betriebsablauf hoch. Vor diesem Hintergrund ist in den Augen der
Fragesteller eine detaillierte Aufschlüsselung sowie eine kritische Bewertung
der bisherigen Gegenmaßnahmen notwendig, um Handlungsdefizite zu
identifizieren und wirksame Strategien zu entwickeln.
1. Wie viele dokumentierte Störungen im Betriebsablauf bei der Deutschen
Bahn AG gab es in den Jahren 2022, 2023, 2024 und im bisherigen
Verlauf des Jahres 2025 insgesamt?
Laut Auskunft der DB AG werden Störungen, die sich auf den Bahnbetrieb
auswirken, als Störfälle dokumentiert. Störfälle seien dabei Zusammenschlüsse
von Verspätungsmeldungen, deren Auswirkung in Verspätungsminuten (Vmin)
quantifiziert werden. Der folgenden Tabelle sind die Vmin aller
Verspätungsursachen nach Richtlinie 420.9001A01 zu entnehmen. Auf die dort aufgeführten
Werte beziehen sich auch die Antwort zu den Fragen 2 bis 7.
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Verkehr
vom 9. Oktober 2025 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Alle Züge Vmin/1000
VU-Code 2022 2023 2024 per 07.09.2025
00 unbegründete Verspätung 5 353 4 167 5 581 572
10 Fahrplanerstellung (Vertrieb) 479 449 648 369
12 Fehldisposition 44 52 52 49
13 Vorbereitung (Betrieb) 42 44 31 17
14 Anfangsverspätung bei Zügen des Netzes 1 984 1 689 1 672 1 107
18 Betriebliches Personal (Netz) 776 565 842 512
19 Sonstiges Betrieb Netz 146 98 90 2 651
20 Oberleitungsanlagen 223 255 294 240
21 Telekommunikationsanlagen 106 143 112 122
22 Bauwerke 246 244 127 430
23 Fahrbahn 1 057 955 1 136 819
24 Bahnübergangssicherungsanlagen 901 989 1 036 818
25 Anlagen Leit- und Sicherungstechnik 3 023 3 065 3 426 2 723
26 Weichen 1 550 1 597 1 861 1 419
27 Netzfahrzeuge 26 30 26 15
28 Technisches Personal (Netz) 112 88 134 106
29 Sonstiges Technik Netz 153 131 137 108
30 Mängellangsamfahrstelle 601 650 889 612
31 Bauarbeiten 7 320 7 873 9 244 6 622
32 Unregelmäßigkeiten bei Bauarbeiten 994 1 049 1 250 915
40 Nächstes EIU 2 041 1 254 1 660 1 059
41 Vorheriges EIU 1 477 1 380 1 594 1 003
46 Anlagen DB Energie 94 94 140 52
47 Anlagen S&S 22 21 37 21
48 Personal S&S und DB Energie 10 8 8 4
49 sonstiges S&S und DB Energie 2 1 1 3
50 Haltezeitüberschreitung 3 624 3 213 3 204 2 066
51 Antrag EVU 5 181 4 562 4 833 3 634
52 Ladearbeiten 169 152 138 89
53 Unregelmäßigkeiten an der Ladung 117 131 128 70
54 Verkehrliche Zugvorbereitung 59 953 59 009 63 734 42 747
57 keine Meldung durch EVU 9 873 7 905 7 462 5 584
58 Verkehrliches Personal EVU 875 674 810 582
59 sonstige verkehrliche Gründe EVU 936 804 937 753
60 Umlauf-Einsatzplanung 10 327 8 970 8 947 6 152
61 Zugbildung durch EVU 3 258 2 558 2 179 1 175
62 Reisezugwagen 194 181 159 111
63 Güterwagen 588 482 466 382
64 Triebfahrzeuge 3 417 3 403 3 316 2 318
68 Technisches Personal (EVU) 3 747 3 653 3 716 2 807
69 Sonstiges Fahrzeuge EVU 71 71 70 52
70 Nächstes EVU 1 685 1 430 1 501 1 021
71 Vorheriges EVU 879 770 649 420
80 Externe Einflüsse nächstes EIU 43 41 51 9
81 Anordnung NLZ – Streik 2 459 405 0
82 Witterung 988 756 559 137
83 Schmierfilm 39 57 35 8
84 Behörden 1 567 1 460 1 505 1 047
85 Fremdeinwirkung 2 351 2 019 1 930 1 424
90 Gefährliche Ereignisse 2 524 2 430 2 314 1 575
91 Zugfolge (betroffener Zug war plan) 16 771 17 320 17 762 13 437
92 Zugfolgen (betroffener Zug war verspätet) 38 768 37 767 42 066 32 056
Alle Züge Vmin/1000
VU-Code 2022 2023 2024 per 07.09.2025
93 Wende 10 650 9 760 11 312 9 020
94 Anschluss 579 563 564 377
95 Flügeln 804 799 808 592
2. Wie verteilen sich die Störungen auf die Hauptkategorien nach der
Kodierliste der DB InfraGO AG gemäß deren Richtlinie 420.9001A01
a) Betreiber der Schienenwege (u. a. Störungen an Anlagen der Leit-
und Sicherungstechnik, Telekommunikationsanlagen, Bauwerke,
Fahrbahn, Bahnübergangssicherungsanlagen, Weichen,
Oberleitungsstörungen etc.),
b) Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU; u. a. Störungen an
Triebfahrzeugen, Reisezugwagen, Güterwagen etc., Ausfall von
Fahrpersonal),
c) externe Einflüsse (u. a. Streik, Witterung, Schmierfilm, behördliche
Anordnungen, Fremdeinwirkung etc.),
d) sekundäre Einflüsse (u. a. gefährliche Ereignisse etc.)?
Die Werte lassen sich den Zielen mit den entsprechenden VU-Codes aus der in
der Antwort zu Frage 1 aufgeführten Tabelle entnehmen:
a) VU-Code 20–26 in der Tabelle
b) VU-Code 50–68 in der Tabelle
c) VU-Code 70–85 in der Tabelle
d) VU-Code 90–95 in der Tabelle.
3. In wie vielen Fällen erfolgte keine Meldung durch das EVU bei
Störungen im Betriebsablauf?
Die Werte lassen sich der Zeile „VU-Code 57“ aus der in der Antwort zu
Frage 1 aufgeführten Tabelle entnehmen.
4. Wie viele Fälle entstanden durch Störungen an
Stromversorgungsanlagen, Telekommunikationsanlagen, Bauwerken, Fahrbahnen,
Bahnübergangssicherungsanlagen, Anlagen der Leit- und Sicherungstechnik,
Weichen, durch Mängel am Oberbau bzw. Mängellangsamfahrstellen und
Störungen an Anlagen der DB Energie (vgl. Frage 2a, bitte einzeln und
nach Jahren getrennt aufführen, Zeiträume wie in Frage 1 erfragt)?
Die Werte lassen sich den Zeilen der VU-Codes 46–49 aus der in der Antwort
zu Frage 1 aufgeführten Tabelle entnehmen.
5. Wie viele Fälle entstanden durch Haltezeitüberschreitungen,
Ladearbeiten, Unregelmäßigkeit an der Ladung sowie durch Störungen an
Triebfahrzeugen, Reisezugwagen und Güterwagen (vgl. Frage 2b, bitte einzeln
und nach Jahren getrennt aufführen, Zeiträume wie in Frage 1 erfragt)?
Die Werte lassen sich den Zeilen der VU-Codes 50–54 und 58–69 aus der in
der Antwort zu Frage 1 aufgeführten Tabelle entnehmen.
6. Wie viele Fälle entstanden durch Streik, Witterung, Schmierfilm,
Behörden und Fremdeinwirkung (vgl. Frage 2c, bitte einzeln und nach Jahren
getrennt aufführen, Zeiträume wie in Frage 1 erfragt)?
Die Werte lassen sich den Zeilen der VU-Codes VU 80–85 aus der in der
Antwort zu Frage 1 aufgeführten Tabelle entnehmen.
7. In wie vielen Fällen handelte es sich um unbefugtes Betreten von
Gleisanlagen?
Die Werte lassen sich der Zeile der VU-Codes 85 aus der in der Antwort zu
Frage 1 aufgeführten Tabelle entnehmen.
8. Wie verteilen sich die Fälle des unbefugten Betretens von Gleisanlagen
jeweils nach Altersgruppen (unter 14 Jahre, 14 bis 17 Jahre, 18 bis
24 Jahre, 25 bis 40 Jahre, 41 bis 60 Jahre, über 60 Jahre)?
Nach Angabe der DB AG liegen hierzu keine Informationen vor.
9. Wie verteilen sich diese Fälle unbefugten Betretens nach
Staatsangehörigkeit (bitte die fünf häufigsten Staatsangehörigkeiten gesondert
ausweisen und übrige zusammenfassen)?
Nach Angabe der DB AG liegen hierzu keine Informationen vor.
10. Wie hoch ist der geschätzte wirtschaftliche Schaden, der durch
Störungen im Betriebsablauf in den Jahren 2022, 2023, 2024 und im bisherigen
Verlauf des Jahres 2025 entstanden ist, jeweils differenziert nach den
Kategorien in Frage 2?
Bei Störungen im Betriebsablauf, z. B. auf Grund von Störungen an Leit- und
Sicherungstechnik etc., werden nach Angaben der DB AG keine
wirtschaftlichen Schäden erfasst. Informationen der Eisenbahnverkehrsunternehmen dazu
liegen der DB InfraGO AG nicht vor.
a) Bei Störungen im Betriebsablauf durch die EVUs entstehen der DB
InfraGO AG keine wirtschaftlichen Schäden. Die Entgelte sind durch die
EVU trotz Ausfall zu entrichten.
b) In den Jahren 2022 bis 2025 kam es zu Umsatzausfällen aufgrund von
Streiks in folgender Höhe.
Jahr 2022 2023 2024 2025
Anzahl Streiks 0 5 4 0
Wirtschaftliche Schäden 0 35,7 Mio. Euro 40,5 Mio. Euro 0
c) In den Jahren 2022 bis 2025 ist es durch Großereignisse zu folgenden
wirtschaftlichen Schäden gekommen (in Euro).
Schaden pro Jahr 2022 2023 2024 2025
184 374 914 78 466 831 108 712 931 49 700 000
Diese Schäden sind zum Teil durch Bundeszuschüsse gegenfinanziert.
11. Welche Hauptgründe wurden bei polizeilicher Erfassung für das Betreten
der Gleisanlagen angegeben (z. B. Suizidabsicht, Abkürzung, Flucht vor
Kontrollen, Vandalismus, sonstige)?
Nach Angabe der DB AG liegen hierzu keine Informationen vor.
12. Welche Maßnahmen hat die Bundesregierung in den letzten fünf Jahren
ggf. ergriffen, um das unbefugte Betreten von Gleisanlagen zu
verhindern, und wie bewertet sie die Wirksamkeit dieser Maßnahmen?
Zur Verhinderung von unberechtigten Gleisbetretungen werden Brennpunkte
von der Bundespolizei bestreift und anlassbezogen überwacht. Darüber hinaus
hat die Bundespolizei in den zurückliegenden Jahren die Präventionsarbeit
erhöht. Diese beinhaltet die Aufklärung über die Gefahren auf dem Gebiet der
Bahnanlagen der Eisenbahnen des Bundes, insbesondere auch durch das
unberechtigte Betreten der Gleise. Ergänzend tauschen sich DB AG und
Bundespolizei im Rahmen der bestehenden Ordnungspartnerschaft hinsichtlich
etwaiger Lageerkenntnisse, ihrer Maßnahmen sowie der Präventionsarbeit
fortlaufend aus.
13. Bestehen technische Möglichkeiten für Zugangskontrollen oder
physische Barrieren an besonders betroffenen Streckenabschnitten, wenn ja,
wurden diese, soweit möglich, flächendeckend eingeführt, und wenn
nein, warum nicht?
Aufgrund der Größe des Streckennetzes (ca. 33 000 km Länge) und der
Einbettung in die Umgebung ist dies nicht möglich. Selbst die Einzäunung von
„besonders sensiblen Stellen“ würde Tausende Kilometer Streckennetz betreffen.
Hinzu kommt, dass Rettungskräften und Instandhaltungspersonal stets freier
Zugang zum Schienennetz möglich bleiben muss.
14. Welche Rolle spielt die personelle Ausstattung der Bundespolizei im
Bereich Bahnanlagen bei der Prävention und Verfolgung solcher Vorfälle,
und inwiefern ist diese aus Sicht der Bundesregierung ausreichend?
Seitens der Bundespolizei werden rund 5 000 Beamte zum Schutz der
Bahninfrastruktur und der Reisenden eingesetzt. Die personelle Ausstattung hat sich als
ausreichend erwiesen.
15. Welche Kooperationen zwischen der Deutschen Bahn AG, der
Bundespolizei und den Ländern bestehen ggf. zur Bekämpfung von Vandalismus
und Gewalt im Bahnverkehr, und welche messbaren Ergebnisse haben
diese ggf. erbracht?
Zwischen der DB AG und der Bundespolizei besteht eine sogenannte
Ordnungspartnerschaft, in der z. B. über gemeinsame Maßnahmen beraten wird
oder Erkenntnisse ausgetauscht werden. Die gemeinsamen Bemühungen von
Bundespolizei und DB Sicherheit zum Schutz der Infrastruktur führen immer
wieder zu Täterstellungen.
16. Wie hoch ist der Anteil der Störungen im Betriebsablauf, die auf
mutmaßliche Sabotagehandlungen zurückzuführen sind, und welche
Ermittlungsfortschritte wurden dabei in den letzten drei Jahren erzielt?
Die Verspätungsminuten durch Fremdverschuldungen werden in der VU 85
verbucht (siehe Tabelle in der Antwort zu Frage 1). Betriebliche Daten
enthalten keine Informationen über die Täter oder deren Motivation.
17. In wie vielen Fällen kam es aufgrund von Störungen im Betriebsablauf
zu
a) vollständigen Sperrungen von Streckenabschnitten,
Nach Angabe der DB AG liegen hierzu keine Informationen vor.
b) Verspätungen im Fernverkehr von mehr als 30 Minuten,
Zusatzverspätungen werden ab einer Verspätung von 90 Sekunden kodiert.
Zahlen zu anderen Schwellen liegen der DB InfraGO AG nicht vor.
c) Verspätungen im Regionalverkehr von mehr als 30 Minuten,
Auf die Antwort zu Frage 17b wird verwiesen.
d) vollständigen Zugausfällen?
Zugausfälle sind eine EVU-Kennzahl. Die DB InfraGO AG führt keine
vollumfängliche Statistik über ausgefallene Züge, da die EVU nicht alle Zugausfälle
mitteilen.
18. Hat die Bundesregierung Erkenntnisse darüber, ob bestimmte
Streckenabschnitte oder Bahnhöfe besonders häufig von sicherheitsrelevanten
Störungen im Betriebsablauf betroffen sind, und wenn ja, welche?
Unabhängig von betrieblichen Auswirkungen befinden sich auf Schwerpunkte
für einschlägige Störungen im Ruhrgebiet, im Großraum Berlin und im
Großraum Leipzig.
19. Aus welchen Gründen existieren keine bundesweit einheitlichen,
öffentlich zugänglichen Statistiken zu allen relevanten Störungen im
Betriebsablauf, und plant die Bundesregierung, dies zu ändern?
Statistiken sind im Infrastrukturzustandsbericht (IZB) verfügbar.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
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