Berichte über ein Geheimtreffen in Abu Dhabi (Antwort zu Drs. 21/3386)
Text
Berichte über ein Geheimtreffen in Abu Dhabi (Antwort zu Drs. 21/3386)
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/3819
21. Wahlperiode 23.01.2026
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Markus Frohnmaier, Torben Braga,
Steffen Kotré, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD
– Drucksache 21/3386 –
Berichte über ein Geheimtreffen in Abu Dhabi
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
„Deutsche Ex-Politiker und Lobbyisten sollen einem Medienbericht zufolge
bei Geheimtreffen Kontakte mit Kreml-Vertrauten geknüpft haben. Sogar
gegenseitige Besuche seien offenbar schon geplant, berichtet „Die Zeit.“
Demnach sollen sich unter anderem Ex-Kanzleramtschef Ronald Pofalla von der
CDU, der ehemalige SPD-Ministerpräsident von Brandenburg, Matthias
Platzeck, und der geschäftsführende Vorstand des Vereins Deutsch-Russisches
Forum, Martin Hoffmann, Anfang November in dem Emirat Abu Dhabi mit
Kreml-Vertretern getroffen haben.“ Es sei geplant, dass Ronald Pofalla und
Martin Hoffmann Anfang Dezember 2025 nach Moskau reisen. Danach soll
Michail Schwydkoi, Beauftragter für internationale Kulturbeziehungen der
russischen Regierung, Anfang 2026 nach Deutschland reisen. „Die deutschen
Teilnehmer des Treffens sollen ihren russischen Partnern erklärt haben, Pofalla
habe dafür im Auswärtigen Amt vorgesprochen. Außenminister [Dr. ] Johann
Wadephul habe sein Einverständnis zu einem solchen Besuch erklärt“ (vgl. für
alle Zitate: www.n-tv.de/politik/Platzeck-und-Pofalla-sollen-erneut-Kreml-Ve
rtraute-getroffen-haben-id30102665.html).
„Das Treffen in Abu Dhabi wäre demnach die mindestens vierte
Zusammenkunft der Deutschen mit den Russen. Zuvor sind sich beide Seiten schon
mehrmals in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku begegnet. Platzeck und
Pofalla hatten schon im Mai öffentlich bestätigt, dass sie sich in den letzten
Jahren dreimal mit russischen Gesprächspartnern in der aserbaidschanischen
Hauptstadt Baku zu vertraulichen Gesprächen getroffen haben. Unter den
Teilnehmern in Baku war auch der SPD-Bundestagsabgeordnete Ralf Stegner“
(vgl. www.n-tv.de/politik/Platzeck-und-Pofalla-sollen-erneut-Kreml-Vertraut
e-getroffen-haben-id30102665.html).
Die Fragesteller unterstützen Diplomatie zwischen Deutschland und Russland
im Sinne einer friedlichen Konfliktlösung und sprechen sich gegen doppelte
Standards bei der Bewertung von Russlandreisen unterschiedlicher Personen
und Parteien aus.
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Auswärtigen Amts vom 23. Januar 2026 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
V o r b e m e r k u n g d e r B u n d e s r e g i e r u n g
Die Bundesregierung nimmt die Vorbemerkung der Fragesteller zur Kenntnis.
Sie stimmt weder den darin enthaltenen Wertungen zu, noch bestätigt sie die
darin enthaltenen Feststellungen oder dargestellten Sachverhalte.
1. Hat die Bundesregierung Kenntnis von dem besagten mutmaßlichen
Treffen in Abu Dhabi bzw. den vorherigen Treffen in Baku, und wenn ja,
seit wann?
2. Gab es im Vorfeld des mutmaßlichen Treffens in Abu Dhabi bzw. der
erwähnten vorherigen Treffen in Baku Absprachen zwischen den
deutschen Teilnehmern der Treffen mit Vertretern der Bundesregierung
(inklusive Bundesbehörden und Beamten des Auswärtigen Amts), wenn ja,
mit wem, und welche?
3. Gab es im Nachgang des mutmaßlichen Treffens in Abu Dhabi bzw. der
erwähnten vorherigen Treffen in Baku Gespräche zwischen Vertretern
der Bundesregierung (inklusive Bundesbehörden und Beamten des
Auswärtigen Amts) und deutschen Teilnehmern der Treffen, wenn ja, wann,
und mit wem?
Die Fragen 1 bis 3 werden zusammen beantwortet.
Soweit es zu Treffen im Sinne der Fragestellung mit russischen
Gesprächspartnern in Abu Dhabi oder Baku kam, sind diese nicht im Auftrag der
Bundesregierung erfolgt oder geplant worden. Ergänzend wird auf die Antwort
der Bundesregierung auf die Schriftliche Frage 51 des Abgeordneten Robin
Wagener auf Bundestagsdrucksache 21/3373 verwiesen.
4. Trifft es zu, dass der Bundesminister des Auswärtigen, Dr. Johann
Wadephul, ein Einverständnis zu der Einreise von Michail Schwydkoi
nach Deutschland gegeben habe (bitte begründen)?
5. Wird Michail Schwydkoj ein Visum für die mutmaßliche Einreise nach
Deutschland erteilt (bitte begründen)?
Die Fragen 4 und 5 werden zusammen beantwortet.
Es gibt kein Einverständnis seitens der Bundesregierung im Sinne der
Fragestellung. Ergänzend wird auf die Antwort der Bundesregierung auf die
Schriftliche Frage 50 des Abgeordneten Robin Wagener auf Bundestagsdrucksache
21/3373 verwiesen.
6. Warum setzt die Bundesregierung auf eine „restriktive Außenpolitik“
gegenüber Bürgern der Russischen Föderation, während es nach Ansicht
der Fragesteller gerade angesichts der Eiszeit bei den deutsch-russischen
Beziehungen von Vorteil wäre, den russischen Bürgern einen
unmittelbaren Eindruck von Deutschland zu ermöglichen und das Visaverfahren
für „einfache Bürger“ zu erleichtern (vgl. Vorbemerkung der
Fragesteller; bitte begründen)?
Seit Beginn des völkerrechtswidrigen Angriffskriegs Russlands gegen die
Ukraine im Jahr 2022 hat die Bundesregierung im Einklang mit EU-Leitlinien
die Visaregelungen für russische Staatsangehörige verschärft.
Dazu gehört auch die eingehende Prüfung, ob ein russischer Antragsteller als
Gefahr für die öffentliche Ordnung, die innere Sicherheit oder die
internationalen Beziehungen eines Mitgliedstaats anzusehen ist.
7. Hat sich die Bundesregierung eine Auffassung zu den Treffen in Baku
sowie zu dem mutmaßlichen Treffen in Abu Dhabi gebildet, und wenn
ja, wie lautet diese?
8. Hat die Bundesregierung eine Bewertung der genannten (mutmaßlichen)
Treffen vorgenommen, und wenn ja, machen sich nach Ansicht der
Bundesregierung die Teilnehmer der Treffen in Baku und gegebenenfalls
Abu Dhabi „mit dem russischen Regime gemein“, wenn nein, warum
nicht, und wenn keine Bewertung vorgenommen worden ist, warum ist
andererseits eine Bewertung der Russlandreisen von Abgeordneten der
Alternative für Deutschland erfolgt (vgl. www.zeit.de/news/2025-11/22/
wadephul-kritisiert-russland-naehe-von-afd-abgeordneten; bitte
begründen)?
9. Hat die Bundesregierung eine Bewertung der genannten (mutmaßlichen)
Treffen vorgenommen, wenn ja, handeln die Teilnehmer der Treffen in
Baku und Abu Dhabi nach Ansicht der Bundesregierung wie deutsche
Patrioten, wenn nein, warum nicht, und wenn keine Bewertung
vorgenommen worden ist, warum ist andererseits eine Bewertung der
Russlandreisen von Abgeordneten der Alternative für Deutschland erfolgt
(vgl. www.zeit.de/news/2025-11/22/wadephul-kritisiert-russland-
naehevon-afd-abgeordneten; bitte begründen)?
Die Fragen 7 bis 9 werden zusammen beantwortet.
Es wird auf die Antworten der Bundesregierung auf die Schriftlichen Fragen 50
und 51 des Abgeordneten Robin Wagener auf Bundestagsdrucksache 21/3373
verwiesen. Allgemein gilt, dass die Bundesregierung Kontakte mit Vertretern
der Russischen Föderation, die den außen- und sicherheitspolitischen Interessen
Deutschlands zuwiderlaufen, ablehnt.
10. Hat die Bundesregierung Kenntnis von weiteren geplanten deutsch-
russischen Treffen, und wenn ja, wann, wo, und mit welchen Teilnehmern
sollen diese stattfinden (bitte auch angeben, ob sich die Bundesregierung
hierzu eine Auffassung gebildet hat, und wenn ja, welche)?
Der Bundesregierung liegen keine Kenntnisse im Sinne der Fragestellung vor.
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ISSN 0722-8333]
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