Deutsch-russische Geheimtreffen ehemaliger Spitzenpolitiker aus CDU und SPD in Baku
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Deutsch-russische Geheimtreffen ehemaliger Spitzenpolitiker aus CDU und SPD in Baku
Deutscher Bundestag Drucksache 21/7439
21. Wahlperiode 31.07.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Markus Frohnmaier, Gerold Otten, Dr. Malte Kaufmann, Steffen
Kotré, René Springer, Uwe Schulz, Stefan Keuter, Dr. Anna Rathert, Dr. Alexander
Wolf, Udo Theodor Hemmelgarn und der Fraktion der AfD
Deutsch-russische Geheimtreffen ehemaliger Spitzenpolitiker aus CDU und SPD
in Baku
Der Präsident der Republik Aserbaidschan, Ilham Alijew, erklärte am 21. Juli
2026 auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundeskanzler Friedrich
Merz, der aserbaidschanische Grenzschutz habe die zeitgleiche Anwesenheit
ehemaliger hochrangiger deutscher und russischer Politiker in Baku bestätigt.
Demnach seien der ehemalige Chef des Bundeskanzleramtes Ronald Pofalla
(CDU) und der ehemalige Ministerpräsident des Landes Brandenburg Matthias
Platzeck (SPD) am 12. Juli 2026 aus Berlin in Baku eingetroffen und am
14. Juli 2026 zurückgereist. Ebenfalls am 12. Juli 2026 seien der ehemalige
russische Ministerpräsident und heutige Aufsichtsratsvorsitzende von
Gazprom, Viktor Subkow, sowie der Vorsitzende des Menschenrechtsrates beim
Präsidenten der Russischen Föderation, Waleri Fadejew, aus Moskau
eingetroffen. Präsident Ilham Alijew erklärte, die Flugdaten ließen den Schluss zu, dass
ein geheimes Treffen stattgefunden habe (vgl. www.dw.com/ru/aliev-kosvenn
o-podtverdil-kontakty-politikov-frg-i-rf-v-baku/a-78055386 sowie https://ostde
utscheallgemeine.com/article/bundesregierung-schweigt-zum-baku-treffen-trot
z-offener-widersprueche-10226488 und www.berliner-zeitung.de/article/merz-a
hnungslos-aliyev-bestaetigt-geheimtreffen-baku-10224417). Bundeskanzler
Friedrich Merz erklärte, ihm sei ein solches Treffen nicht bekannt (www.bunde
sregierung.de/breg-de/aktuelles/pressekonferenzen/bundeskanzler-merz-empfin
g-aserbaidschans-praesident-alijew-2447940; www.dw.com/ru/aliev-
kosvennopodtverdil-kontakty-politikov-frg-i-rf-v-baku/a-78055386 sowie https://ostdeut
scheallgemeine.com/article/bundesregierung-schweigt-zum-baku-treffen-
trotzoffener-widersprueche-10226488 und www.berliner-zeitung.de/article/merz-ah
nungslos-aliyev-bestaetigt-geheimtreffen-baku-10224417).
Nach Recherchen des ARD-Politmagazins „Kontraste“ und der Wochenzeitung
„DIE ZEIT“ handelte es sich um ein weiteres Treffen eines seit 2024
bestehenden deutsch-russischen Gesprächskreises (vgl. www.rbb-online.de/kontraste/ue
ber_den_tag_hinaus/diktaturen/geheimtreffen-in-baku-pofalla-und-platzec
k.html). Die russische Seite führte die Zusammenkunft als „Petersburger
Dialog“; deutsche Sicherheitsbehörden bewerten die Gespräche demnach als
russische Einflussoperation. Auf eine Presseanfrage verwies das Presse- und
Informationsamt der Bundesregierung lediglich auf Äußerungen des Bundeskanzlers
und auf die Regierungspressekonferenzen vom 20. und 22. Juli 2026. Nach
Auffassung der Fragesteller beantworten diese Verweise weder den
Kenntnisstand der Bundesregierung noch ihre Kontakte zu den Beteiligten oder ihre
Kriterien für eine „Fortsetzung oder Weiternutzung“ des Petersburger Dialogs
(www.tagesschau.de/investigativ/kontraste/baku-russland-putin-deutschland-ge
heimtreffen-100.html; www.ostdeutscheallgemeine.com/article/bundesregierun
g-schweigt-zum-baku-treffen-trotz-offener-widersprueche-10226488).
Die Fragesteller unterstützen Diplomatie zwischen Deutschland und Russland
im Sinne einer friedlichen Konfliktlösung und sprechen sich gegen doppelte
Standards bei der Bewertung von Russlandreisen unterschiedlicher Personen
und Parteien aus.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Verfügt die Bundesregierung über Kenntnisse über Planung, Organisation,
Ort, Ablauf, Teilnehmer, Gesprächsgegenstände, Finanzierung und
Ergebnisse des mutmaßlichen Treffens in Baku vom 12. bis 14. Juli 2026, und
wenn ja, über welche?
2. Lagen Stellen des Bundes Hinweise oder Erkenntnisse zu der Reise oder
dem mutmaßlichen Treffen vor, wenn ja, wann, und aus welchen Quellen
stammten diese?
3. Welche Stellen und Behörden wurden vor der Erklärung des
Regierungssprechers vom 20. Juli 2026, die Bundesregierung habe keine Kenntnis
von der Reise Ronald Pofallas und Matthias Platzecks, hierzu abgefragt?
4. Hat die Bundesregierung eigene Maßnahmen zur Aufklärung des
mutmaßlichen Treffens seit Bekanntwerden der Medienberichte und der
Äußerungen Präsident Ilham Alijews ergriffen, und wenn ja, zu welchen
Ergebnissen führten diese?
5. Bestanden seit dem 23. Januar 2026 mittelbare oder unmittelbare
Kontakte zwischen Vertretern des Bundes und, nach Kenntnis der
Bundesregierung, Ronald Pofalla oder Matthias Platzeck zu Russland, zur Ukraine
oder zu Gesprächen mit russischen Vertretern (wenn ja, bitte jeweils nach
Datum, beteiligten Personen, Anlass, Gegenstand und Initiator
aufschlüsseln)?
6. Bestanden seit dem 23. Januar 2026 mittelbare oder unmittelbare
Kontakte zwischen Vertretern des Bundes und den mutmaßlichen russischen
Teilnehmern oder Organisatoren der Treffen in Baku und Abu Dhabi (wenn
ja, bitte jeweils nach Datum, beteiligten Personen, Anlass, Gegenstand
und Initiator aufschlüsseln)?
7. Hat die Bundesregierung Auskünfte seit Bekanntwerden des Treffens von
den deutschen Teilnehmern, den Regierungen Aserbaidschans und
Russlands oder deren diplomatischen Vertretungen erbeten oder erhalten, und
wenn ja, welche?
8. Hat die Bundesregierung Kenntnisse über sämtliche seit April 2024 in
Baku, Abu Dhabi oder an anderen Orten erfolgten Treffen dieses
deutschrussischen Gesprächskreises (wenn ja, bitte jeweils nach Datum, Ort,
deutschen und russischen Teilnehmern sowie Zeitpunkt der
Kenntniserlangung aufschlüsseln)?
9. Wurde personelle, organisatorische, finanzielle, logistische, diplomatische
oder sicherheitsbezogene Unterstützung für diese Treffen unmittelbar oder
mittelbar durch Stellen des Bundes geleistet oder vermittelt, wenn ja,
welche und wann?
10. Gibt es eine Bewertung der zuständigen Sicherheitsbehörden des Bundes,
wie lautet sie, und auf welche tatsächlichen Anhaltspunkte stützen sie ihre
jeweilige Bewertung?
11. Unter welchen tatsächlichen Voraussetzungen liegt nach Auffassung der
Bundesregierung eine „Fortsetzung oder Weiternutzung“ des Petersburger
Dialogs im Sinne ihrer Antwort auf die Schriftliche Frage 51 auf
Bundestagsdrucksache 21/3373 vor?
12. Nach welchen konkreten Kriterien bewertet die Bundesregierung vor dem
Hintergrund ihrer Antwort zu Frage 9 auf Bundestagsdrucksache 21/3819,
wonach sie Kontakte mit Vertretern der Russischen Föderation ablehnt,
die den außen- und sicherheitspolitischen Interessen Deutschlands
zuwiderlaufen, ob entsprechende Kontakte deutscher Politiker diesen
Interessen zuwiderlaufen?
13. Wo sieht die Bundesregierung Unterschiede hinsichtlich Auftrag,
Amtsstatus, Finanzierung, Gesprächspartnern, Gesprächszweck und
Nachbereitung mit den Kontakten Ronald Pofallas und Matthias Platzecks einerseits
und der Teilnahme des außenpolitischen Sprechers der Fraktion der AfD
Markus Frohnmaier sowie des energiepolitischen Sprechers der Fraktion
der AfD Steffen Kotré an dem vom 3. bis 6. Juni 2026 veranstalteten
Internationalen Wirtschaftsforum in Sankt Petersburg andererseits, und
wie erklärt sie ihren aus Sicht der Fragesteller unterschiedlichen Umgang
mit beiden Vorgängen?
14. Liegen der Bundesregierung Hinweise auf weitere geplante Treffen dieses
Gesprächskreises vor, und welche Maßnahmen zur weiteren
Sachverhaltsaufklärung wurden hierzu gegebenenfalls bereits eingeleitet?
Berlin, den 28. Juli 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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