Deutsch-russische Geheimtreffen ehemaliger Spitzenpolitiker aus CDU und SPD in Baku (Antwort zu Drs. 21/7439)
Text
Deutsch-russische Geheimtreffen ehemaliger Spitzenpolitiker aus CDU und SPD in Baku (Antwort zu Drs. 21/7439)
Deutscher Bundestag Drucksache 21/7687
21. Wahlperiode 21.08.2026
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Markus Frohnmaier, Gerold Otten,
Dr. Malte Kaufmann, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD
– Drucksache 21/7439 –
Deutsch-russische Geheimtreffen ehemaliger Spitzenpolitiker aus CDU und SPD
in Baku
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Der Präsident der Republik Aserbaidschan, Ilham Alijew, erklärte am 21. Juli
2026 auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundeskanzler Friedrich
Merz, der aserbaidschanische Grenzschutz habe die zeitgleiche Anwesenheit
ehemaliger hochrangiger deutscher und russischer Politiker in Baku bestätigt.
Demnach seien der ehemalige Chef des Bundeskanzleramtes Ronald Pofalla
(CDU) und der ehemalige Ministerpräsident des Landes Brandenburg
Matthias Platzeck (SPD) am 12. Juli 2026 aus Berlin in Baku eingetroffen und
am 14. Juli 2026 zurückgereist. Ebenfalls am 12. Juli 2026 seien der
ehemalige russische Ministerpräsident und heutige Aufsichtsratsvorsitzende von
Gazprom, Viktor Subkow, sowie der Vorsitzende des Menschenrechtsrates beim
Präsidenten der Russischen Föderation, Waleri Fadejew, aus Moskau
eingetroffen. Präsident Ilham Alijew erklärte, die Flugdaten ließen den Schluss zu,
dass ein geheimes Treffen stattgefunden habe (vgl. www.dw.com/ru/aliev-kos
venno-podtverdil-kontakty-politikov-frg-i-rf-v-baku/a-78055386 sowie
https://ostdeutscheallgemeine.com/article/bundesregierung-schweigt-zum-bak
u-treffen-trotz-offener-widersprueche-10226488 und www.berliner-zeitun
g.de/article/merz-ahnungslos-aliyev-bestaetigt-geheimtreffen-baku-1022
4417). Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte, ihm sei ein solches Treffen
nicht bekannt (www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/pressekonferenzen/
bundeskanzler-merz-empfing-aserbaidschans-praesident-alijew-2447940;
www.dw.com/ru/aliev-kosvenno-podtverdil-kontakty-politikov-frg-i-rf-v-bak
u/a-78055386 sowie https://ostdeutscheallgemeine.com/article/bundesregierun
g-schweigt-zum-baku-treffen-trotz-offener-widersprueche-10226488 und
www.berliner-zeitung.de/article/merz-ahnungslos-aliyev-bestaetigt-geheimtref
fen-baku-10224417).
Nach Recherchen des ARD-Politmagazins „Kontraste“ und der
Wochenzeitung „DIE ZEIT“ handelte es sich um ein weiteres Treffen eines seit 2024
bestehenden deutsch-russischen Gesprächskreises (vgl. www.rbb-online.de/kontr
aste/ueber_den_tag_hinaus/diktaturen/geheimtreffen-in-baku-pofalla-und-plat
zeck.html). Die russische Seite führte die Zusammenkunft als „Petersburger
Dialog“; deutsche Sicherheitsbehörden bewerten die Gespräche demnach als
russische Einflussoperation. Auf eine Presseanfrage verwies das Presse- und
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Auswärtigen Amts vom 21. August 2026 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Informationsamt der Bundesregierung lediglich auf Äußerungen des
Bundeskanzlers und auf die Regierungspressekonferenzen vom 20. und 22. Juli 2026.
Nach Auffassung der Fragesteller beantworten diese Verweise weder den
Kenntnisstand der Bundesregierung noch ihre Kontakte zu den Beteiligten
oder ihre Kriterien für eine „Fortsetzung oder Weiternutzung“ des
Petersburger Dialogs (www.tagesschau.de/investigativ/kontraste/baku-russland-putin-d
eutschland-geheimtreffen-100.html; www.ostdeutscheallgemeine.com/article/
bundesregierung-schweigt-zum-baku-treffen-trotz-offener-widersprueche-102
26488).
Die Fragesteller unterstützen Diplomatie zwischen Deutschland und Russland
im Sinne einer friedlichen Konfliktlösung und sprechen sich gegen doppelte
Standards bei der Bewertung von Russlandreisen unterschiedlicher Personen
und Parteien aus.
1. Verfügt die Bundesregierung über Kenntnisse über Planung,
Organisation, Ort, Ablauf, Teilnehmer, Gesprächsgegenstände, Finanzierung und
Ergebnisse des mutmaßlichen Treffens in Baku vom 12. bis 14. Juli
2026, und wenn ja, über welche?
2. Lagen Stellen des Bundes Hinweise oder Erkenntnisse zu der Reise oder
dem mutmaßlichen Treffen vor, wenn ja, wann, und aus welchen Quellen
stammten diese?
Die Fragen 1 und 2 werden zusammen beantwortet.
Das in der Fragestellung erwähnte Treffen in Baku ist nicht im Auftrag oder in
Abstimmung mit der Bundesregierung erfolgt. Nach Kenntnis der
Bundesregierung handelt es sich um eine private Initiative, die die Bundesregierung nicht
kommentiert.
3. Welche Stellen und Behörden wurden vor der Erklärung des
Regierungssprechers vom 20. Juli 2026, die Bundesregierung habe keine Kenntnis
von der Reise Ronald Pofallas und Matthias Platzecks, hierzu abgefragt?
Hierzu wurden die relevanten Stellen innerhalb der Bundesregierung
eingebunden.
Der Bundesregierung liegt keine abschließende Liste der Kontakte der Herren
Pofalla und Platzeck zu Vertretern des Bundes vor.
4. Hat die Bundesregierung eigene Maßnahmen zur Aufklärung des
mutmaßlichen Treffens seit Bekanntwerden der Medienberichte und der
Äußerungen Präsident Ilham Alijews ergriffen, und wenn ja, zu welchen
Ergebnissen führten diese?
Es wurden durch die Bundesregierung keine eigenen Maßnahmen im Sinne der
Fragestellung ergriffen.
Äußerungen ausländischer Amtsträger kommentiert die Bundesregierung
grundsätzlich nicht.
5. Bestanden seit dem 23. Januar 2026 mittelbare oder unmittelbare
Kontakte zwischen Vertretern des Bundes und, nach Kenntnis der
Bundesregierung, Ronald Pofalla oder Matthias Platzeck zu Russland, zur
Ukraine oder zu Gesprächen mit russischen Vertretern (wenn ja, bitte jeweils
nach Datum, beteiligten Personen, Anlass, Gegenstand und Initiator
aufschlüsseln)?
Auf die Antworten zu den Fragen 3, 4 und 7 wird verwiesen.
6. Bestanden seit dem 23. Januar 2026 mittelbare oder unmittelbare
Kontakte zwischen Vertretern des Bundes und den mutmaßlichen russischen
Teilnehmern oder Organisatoren der Treffen in Baku und Abu Dhabi
(wenn ja, bitte jeweils nach Datum, beteiligten Personen, Anlass,
Gegenstand und Initiator aufschlüsseln)?
Es bestanden keine Kontakte im Sinne der Fragestellung.
7. Hat die Bundesregierung Auskünfte seit Bekanntwerden des Treffens
von den deutschen Teilnehmern, den Regierungen Aserbaidschans und
Russlands oder deren diplomatischen Vertretungen erbeten oder erhalten,
und wenn ja, welche?
Auf die Antworten zu den Fragen 1 bis 4 wird verwiesen. Die Bundesregierung
hat auch seit dem 20. Juli 2026 weitere kursorische Informationen zur Kenntnis
genommen.
8. Hat die Bundesregierung Kenntnisse über sämtliche seit April 2024 in
Baku, Abu Dhabi oder an anderen Orten erfolgten Treffen dieses
deutsch-russischen Gesprächskreises (wenn ja, bitte jeweils nach Datum,
Ort, deutschen und russischen Teilnehmern sowie Zeitpunkt der
Kenntniserlangung aufschlüsseln)?
Auf die Antwort zu den Fragen 1 und 2 wird verwiesen.
9. Wurde personelle, organisatorische, finanzielle, logistische,
diplomatische oder sicherheitsbezogene Unterstützung für diese Treffen
unmittelbar oder mittelbar durch Stellen des Bundes geleistet oder vermittelt,
wenn ja, welche und wann?
Auf die Antwort zu den Fragen 1 und 2 wird verwiesen. Die Bundesregierung
hat diesbezüglich keine Unterstützung geleistet.
10. Gibt es eine Bewertung der zuständigen Sicherheitsbehörden des
Bundes, wie lautet sie, und auf welche tatsächlichen Anhaltspunkte stützen
sie ihre jeweilige Bewertung?
Die zuständigen Sicherheitsbehörden können in bestimmten Fällen öffentlich
bekannt gewordene Kontakte deutscher Staatsangehöriger mit Vertretern
fremder Staaten im Rahmen ihrer gesetzlichen Aufgabenerfüllung und lagebezogen
in ihren Bewertungen berücksichtigen. Dies ist ein fortlaufender Prozess.
11. Unter welchen tatsächlichen Voraussetzungen liegt nach Auffassung der
Bundesregierung eine „Fortsetzung oder Weiternutzung“ des
Petersburger Dialogs im Sinne ihrer Antwort auf die Schriftliche Frage 51 auf
Bundestagsdrucksache 21/3373 vor?
Das Format des Petersburger Dialogs wurde nach Beginn des russischen
Angriffskriegs gegen die Ukraine eingestellt. Etwaige Treffen deutscher Vertreter
des ehemaligen Petersburger Dialogs mit russischen Gesprächspartnern, die
nicht im Auftrag der Bundesregierung erfolgt oder geplant wurden, stellen
keine Fortsetzung oder Weiternutzung des Petersburger Dialogs dar.
12. Nach welchen konkreten Kriterien bewertet die Bundesregierung vor
dem Hintergrund ihrer Antwort zu Frage 9 auf Bundestagsdrucksache
21/3819, wonach sie Kontakte mit Vertretern der Russischen Föderation
ablehnt, die den außen- und sicherheitspolitischen Interessen
Deutschlands zuwiderlaufen, ob entsprechende Kontakte deutscher Politiker
diesen Interessen zuwiderlaufen?
13. Wo sieht die Bundesregierung Unterschiede hinsichtlich Auftrag,
Amtsstatus, Finanzierung, Gesprächspartnern, Gesprächszweck und
Nachbereitung mit den Kontakten Ronald Pofallas und Matthias Platzecks
einerseits und der Teilnahme des außenpolitischen Sprechers der Fraktion der
AfD Markus Frohnmaier sowie des energiepolitischen Sprechers der
Fraktion der AfD Steffen Kotré an dem vom 3. bis 6. Juni 2026
veranstalteten Internationalen Wirtschaftsforum in Sankt Petersburg
andererseits, und wie erklärt sie ihren aus Sicht der Fragesteller
unterschiedlichen Umgang mit beiden Vorgängen?
Die Fragen 12 und 13 werden zusammen beantwortet.
Die außen- und sicherheitspolitischen Interessen Deutschlands werden unter
anderem in der Nationalen Sicherheitsstrategie und den
Verteidigungspolitischen Richtlinien der Bundesregierung definiert sowie etwa in Grundsatzreden
und Äußerungen des Bundeskanzlers und von Kabinettsmitgliedern.
Aus Sicht der Bundesregierung ergibt sich die Notwendigkeit einer
Differenzierung unter anderem vor dem Hintergrund der Funktion bzw. des Mandats von
deutschen politischen Vertreterinnen und Vertretern.
Da die Treffen der Herren Pofalla und Platzeck nicht im Auftrag oder in
Abstimmung mit der Bundesregierung erfolgt bzw. geplant worden sind, liegen
der Bundesregierung keine eigenen Erkenntnisse über die unterschiedlichen
Modalitäten der Treffen vor.
14. Liegen der Bundesregierung Hinweise auf weitere geplante Treffen
dieses Gesprächskreises vor, und welche Maßnahmen zur weiteren
Sachverhaltsaufklärung wurden hierzu gegebenenfalls bereits eingeleitet?
Der Bundesregierung liegen hierzu keine Hinweise vor.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
Relationen
- answered_by → Auswärtiges Amt
- authored ← Bundesregierung
- part_of_vorgang → Deutsch-russische Geheimtreffen ehemaliger Spitzenpolitiker aus CDU und SPD in Baku (Antwort)