Vogel- und Fledermaussterben beenden - Ausbau von Windindustrieanlagen stoppen
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Vogel- und Fledermaussterben beenden - Ausbau von Windindustrieanlagen stoppen
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/3598
21. Wahlperiode 13.01.2026
Antrag
der Abgeordneten Marcel Queckemeyer, Andreas Bleck, Dr. Michael Blos,
Dr. Ingo Hahn, Karsten Hilse, Dr. Rainer Kraft, Manuel Krauthausen, Dr. Paul
Schmidt, Martina Uhr, Leif-Erik Holm, Steffen Kotré, Dr. Malte Kaufmann, Marc
Bernhard, Dirk Brandes, Enrico Komning, Bernd Schattner, Raimond
Scheirich, Uwe Schulz, Mathias Weiser, Adam Balten, Andreas Mayer,
Christian Reck, Manfred Schiller, Alexander Arpaschi, Carolin Bachmann,
Dr. Christina Baum, Joachim Bloch, Erhard Brucker, Marcus Bühl, Hauke
Finger, Kay Gottschalk, Udo Theodor Hemmelgarn, Stefan Henze, Nicole
Hess, Nicole Höchst, Rocco Kever, Maximilian Kneller, Heinrich Koch, Achim
Köhler, Markus Matzerath, Reinhard Mixl, Edgar Naujok, Andreas Paul, Volker
Scheurell, Carina Schießl, Sven Wendorf, Jörg Zirwes, Ulrich von Zons und
der Fraktion der AfD
Vogel- und Fledermaussterben beenden – Ausbau von Windindustrieanlagen
stoppen
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Die Bundesregierung plant den weiteren massiven Ausbau der Windindustrie auf 2 %
der Landfläche1 sowie Offshore durch Repowering und Neuanlagenbau. 2 % sind
mehr als die Fläche, die Ende 2023 alle Industrie- und Gewerbeflächen Deutschlands
zusammen eingenommen haben; dies waren lediglich 1,8 Prozent der Fläche unseres
Landes [6.338 km2 (2) von insgesamt 357.683 km2 (3)]. Darüber hinaus wurde das
BImSchG § 63 geändert, so dass Einsprüche bzgl. des Baus der Anlagen keine
aufschiebende Wirkung mehr haben. Diese Vorhaben stehen auch aus Natur- und
Umweltschutzgründen auf breiter Front in massiver Kritik, nicht nur bei vielen Menschen
in den betroffenen Gemeinden und Landkreisen, denen zudem der Neubau gewaltiger
Umspannwerke und hohe Stromleitungsmasten zugemutet werden, sondern auch sei-
1 Gesetz zur Festlegung von Flächenbedarfen und zur Genehmigungserleichterung für Windenergieanlagen an
Land und für Anlagen zur Speicherung vom Strom oder Wärme aus erneuerbaren Energien in bestimmten
Gebieten (Windenergieflächenbedarfsgesetz – WindBG), www.gesetze-im-internet.de/windbg/BJNR1353-
10022.html
2 Fläche für Siedlung nach Nutzungsarten in Deutschland, Statistisches Bundesamt (Destatis), www.desta-
tis.de/DE/Themen/Branchen-Unternehmen/Landwirtschaft-Forstwirtschaft-Fischerei/Flaechennutzung/
Tabellen/siedlungsflaeche.html
3 Bodenfläche insgesamt nach Nutzungsarten in Deutschland, Statistisches Bundesamt (Destatis), www.desta-
tis.de/DE/Themen/Branchen-Unternehmen/Landwirtschaft-Forstwirtschaft-Fischerei/Flaechennutzung/
Tabellen/bodenflaeche-insgesamt.html
tens verschiedener Umweltverbände wie der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald4
oder des NABU5 besonders bezogen auf die tödliche Wirkung der
Windindustrieanlagen auf Fledermäuse. Analog wurde das Windenergie-auf-See-Gesetz verabschiedet.
Dieses sieht den Ausbau der Windkraft vor der deutschen Küste auf 70 Gigawatt bis
20456 vor. Diese Eingriffe werden mit der Feststellung des überragenden öffentlichen
Interesses in verschiedenen Gesetzen begründet, um naturschutz- und
umweltrechtliche Prüfungen zu umgehen. Es besteht kein überragendes öffentliches Interesse am
Ausbau von Windindustrieanlagen. Im Gegenteil, diese Anlagen und die hierfür
zusätzlich erforderlichen Netzinfrastrukturen sind dem energiepolitischen Ziel
abträglich, eine umweltverträgliche Versorgung mit Strom zu gewährleisten.
Neben dem enormen Flächenverbrauch durch den Windindustrieanlagenausbau in
Feucht- und Naturschutzgebieten sowie Mittelgebirgswäldern, steht somit auch die
Zerstörung der Natur in der Kritik, neben Bodenzerstörung und -austrocknung sowie
Grundwasserabsenkungen insbesondere die Tötung von Insekten, Fledermäusen und
Brutvogelarten in verheerendem Ausmaß.
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf,
eine Initiative vorzulegen, die ein Moratorium beim Ausbau der Windindustrieanlagen
in Deutschland beinhaltet und dabei die Feststellung des entsprechenden überragenden
öffentlichen Interesses aufhebt.
Berlin, den 13. Januar 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Begründung
Schon 2012 sprach das Leibnitz- Institut für Zoo- und Wildtierforschung von geschätzten 200.000 getöteten
Fledermäusen durch damals deutlich weniger Windindustrieanlagen als heute. Zehn Jahre später sprach das Institut
von einer hohen, „sechsstelligen Zahl“7. Andere Quellen sprechen von 250.000 toten Fledermäusen durch
Windindustrieanlagen8. Hierbei handelt es sich zumeist um weibliche sowie Jungtiere. Dadurch werde die
Biodiversität stark gestört und Schadinsekten für die Landwirtschaft nicht mehr auf natürliche Art reduziert. Diese hohen
Todeszahlen bestehen fort trotz zweitweiser Abschaltung der Anlagen in Zeiten, in denen die Nachtsegler aktiv
sind. Besonders betroffen sind auch wandernde Arten wie der Kleine Abendsegler. Die Tiere sterben in der Regel
nicht durch die Berührung mit Rotorblättern, sondern am sogenannten Barotrauma. Dabei platzen die Lungen
und andere innere Organe durch den Unterdruck, der in den Wirbelschleppen der Windräder entsteht. Besonders
viele Fledermäuse sterben durch Windindustrieanlagen in Wäldern mit Rotorblättern in Höhe der Baumkronen,
4 SWD-Gutachten vom 23.06.2022 für den Deutschen Bundestag, SWD, www.sdw.de/fileadmin/
Bundesverband/01_Dateien/Positionen_Stellungenahmen/220623_Ausschuss_Stellungnahme_Paster-
nack_SDW_Windkraft.pdf
5 „Windräder als Todesfalle entschärfen“, NABU, www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/saeugetiere/
fledermaeuse/wissen/15018.html
6 Gesetz zur Entwicklung und Förderung der Windenergie auf See (Windenergie-auf-See-Gesetz - Wind-
SeeG), www.gesetze-im-internet.de/windseeg/BJNR231000016.html
7 „Tod von Fledermäusen an Windkraftanlagen unterbricht natürliche Nahrungsketten“, Leibniz-Institut für
Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW), 07.06.2022, www.izw-berlin.de/de/pressemitteilung/tod-
vonfledermaeusen-an-windkraftanlagen-unterbricht-natuerliche-nahrungsketten.html
8 „Windenergie und Vögel: Die Opferzahlen sind viel höher als gedacht“, GEO, 22. Juli 2019, www.geo.de/
natur/nachhaltigkeit/artenschutz-windenergie-und-voegel-die-opferzahlen-sind-viel-hoeher-30179232.html
den bevorzugten Aufenthaltsbereichen einiger unserer heimischen 25 Fledermausarten, wie z. B. dem Großen
Abendsegler. Durch den Ausbau der Windindustrie seien einige dieser Arten im Bestand bedroht. Bei ihnen ist
bereits die Alterspyramide „aus der Balance“ geraten.
Die Brutvogelarten betreffend sieht die Bilanz eher noch schlechter aus. Im Bundesnaturschutzgesetzes9 wurde
die Zahl der vor Windindustrieanlagen zu schützenden Arten auf 15 aufgestockt. Vor dem realen Hintergrund
der Bedrohung der Brutvogelarten in Deutschland durch die Windindustrieanlagen mutet diese Gesetzgebung
eher einem Feigenblatt an, nur eingeführt, um gegenüber den Verbänden und der allgemeinen Öffentlichkeit ein
Naturschutzgebaren vorzugaukeln. Dabei muss ein kaum leistbarer Aufwand betrieben werden, um
Flughöhenbereiche, Horstabstände und andere Kollisionspräventionsparameter zu bestimmen und dann die vermeintlich
sicherstellenden Maßnahmen pro Anlage umzusetzen. In den norddeutschen Küstenländern greifen diese
Maßnahmen wegen der hohen Windraddichten vielfach schon gar nicht mehr. Allein in den norddeutschen
Bundesländern sterben pro Jahr ca. 8500 Mäusebussarde durch Windindustrieanlagen.10 Die Maßnahmen, welche laut
Bundesregierung nach neuestem technischem Stand dem Vogeltod durch Windindustrieanlagen vorbeugen
sollen, sind in ihrer Wirkung nach Auffassung der Antragsteller eher gering.
Auch hinsichtlich der Vernichtung von Milliarden Insekten jährlich ist das Betreiben von Windindustrieanlagen
überaus kritisch zu sehen. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) errechnete den Verlust an
Insekten mit rund 1.200 Milliarden einzelnen Tieren pro Jahr.11 Daher muss dem Windindustrieausbau in
Deutschland allein schon aus Naturschutzgründen mit einem Moratorium ein zunächst vorläufiges Ende gesetzt
werden, um Zeit für Überlegungen zu erhalten, welche Alternativen sich bei der Energieversorgung Deutschlands
finden lassen.
9 Gesetz über Naturschutz und Landschaftspflege (Bundesnaturschutzgesetz - BNatSchG), www.gesetze-im-
internet.de/bnatschg_2009/
10 „Windenergie und Vögel: Die Opferzahlen sind viel höher als gedacht“, GEO, 22. Juli 2019, www.geo.de/
natur/nachhaltigkeit/artenschutz-windenergie-und-voegel-die-opferzahlen-sind-viel-hoeher-30179232.html
11 Wechselwirkungen von Fluginsekten und Windparks DLR www.dlr.de/de/aktuelles/
nachrichten/2019/01/20190326_dlr-studie-zu-wechselwirkungen-von-fluginsekten-und-windparks
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ISSN 0722-8333]
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