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Protokoll der 68. Sitzung des 20. Deutschen Bundestages

dip / plenarprotokoll 22.11.2022 · WP 20 · 20/68 · Original ↗

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Protokoll der 68. Sitzung des 20. Deutschen Bundestages Plenarprotokoll 20/68 Deutscher Bundestag Stenografischer Bericht 68. Sitzung Berlin, Dienstag, den 22. November 2022 Inhalt: Erweiterung und Abwicklung der Tagesordnung Nachträgliche Ausschussüberweisungen Zur Geschäftsordnung: Katja Mast (SPD) Thorsten Frei (CDU/CSU) Dr. Irene Mihalic (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Dr. Bernd Baumann (AfD) Johannes Vogel (FDP) Alexander Ulrich (DIE LINKE) Feststellung der Tagesordnung Tagesordnungspunkt I: a) Zweite Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes über die Feststellung des Bundeshaushaltsplans für das Haushaltsjahr 2023 (Haushaltsgesetz 2023) Drucksachen 20/3100, 20/3102, 20/4001 Nr. 1.1 b) Beratung der Beschlussempfehlung des Haushaltsausschusses zu der Unterrichtung durch die Bundesregierung: Finanzplan des Bundes 2022 bis 2026 Drucksachen 20/3101, 20/3102, 20/4001 Nr. 1.1, 20/3529 I.1 Einzelplan 01 Bundespräsident und Bundespräsidialamt Drucksachen 20/3526, 20/3527 I.2 Einzelplan 02 Deutscher Bundestag Drucksachen 20/3502, 20/3526 I.3 Einzelplan 03 Bundesrat Drucksachen 20/3526, 20/3527 I.4 a) Einzelplan 08 Bundesministerium der Finanzen Drucksachen 20/3508, 20/3526 b) Einzelplan 20 Bundesrechnungshof Drucksachen 20/3526, 20/3527 Dr. Mathias Middelberg (CDU/CSU) Christoph Meyer (FDP) Peter Boehringer (AfD) Achim Post (Minden) (SPD) Dr. Gesine Lötzsch (DIE LINKE) Sven-Christian Kindler (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Christian Haase (CDU/CSU) Christian Lindner, Bundesminister BMF Kay Gottschalk (AfD) Dr. Thorsten Rudolph (SPD) Janine Wissler (DIE LINKE) Dr. Sebastian Schäfer (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Alexander Ulrich (DIE LINKE) Dr. Sebastian Schäfer (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Sebastian Brehm (CDU/CSU) Armand Zorn (SPD) Robert Farle (fraktionslos) Jamila Schäfer (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Dr. Ingeborg Gräßle (CDU/CSU) Frauke Heiligenstadt (SPD) I.5 Einzelplan 25 Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen Drucksachen 20/3526, 20/3527 Markus Uhl (CDU/CSU) Bernhard Daldrup (SPD) Dr. Jan-Marco Luczak (CDU/CSU) Bernhard Daldrup (SPD) Marcus Bühl (AfD) Markus Kurth (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Caren Lay (DIE LINKE) Torsten Herbst (FDP) Michael Breilmann (CDU/CSU) Klara Geywitz, Bundesministerin BMWSB Roger Beckamp (AfD) Kassem Taher Saleh (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Ulrich Lange (CDU/CSU) Hagen Reinhold (FDP) Mechthild Heil (CDU/CSU) Franziska Mascheck (SPD) Sebastian Münzenmaier (AfD) Anja Liebert (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Timo Schisanowski (SPD) Daniel Föst (FDP) Melanie Wegling (SPD) I.6 Einzelplan 17 Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Drucksachen 20/3516, 20/3526 Paul Lehrieder (CDU/CSU) Bruno Hönel (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Ulrike Schielke-Ziesing (AfD) Elisabeth Kaiser (SPD) Dr. Gesine Lötzsch (DIE LINKE) Claudia Raffelhüschen (FDP) Silvia Breher (CDU/CSU) Lisa Paus, Bundesministerin BMFSFJ Thomas Ehrhorn (AfD) Leni Breymaier (SPD) Heidi Reichinnek (DIE LINKE) Matthias Seestern-Pauly (FDP) Dr. Hermann-Josef Tebroke (CDU/CSU) Schahina Gambir (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Stefan Schwartze (SPD) Nico Tippelt (FDP) Christoph de Vries (CDU/CSU) Nina Stahr (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Anke Hennig (SPD) Dorothee Bär (CDU/CSU) Bruno Hönel (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Dorothee Bär (CDU/CSU) Daniel Baldy (SPD) I.7 Einzelplan 12 Bundesministerium für Digitales und Verkehr Drucksachen 20/3512, 20/3526 Florian Oßner (CDU/CSU) Frank Schäffler (FDP) Marcus Bühl (AfD) Metin Hakverdi (SPD) Bernd Riexinger (DIE LINKE) Dr. Paula Piechotta (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Felix Schreiner (CDU/CSU) Dr. Volker Wissing, Bundesminister BMDV Dr. Dirk Spaniel (AfD) Detlef Müller (Chemnitz) (SPD) Dr. Julia Verlinden (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Ulrich Lange (CDU/CSU) Bernd Reuther (FDP) Eugen Schmidt (AfD) Dorothee Martin (SPD) Swantje Henrike Michaelsen (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Ronja Kemmer (CDU/CSU) Anja Troff-Schaffarzyk (SPD) Tobias Bacherle (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Nicolas Zippelius (CDU/CSU) Dr. Jens Zimmermann (SPD) Stefan Seidler (fraktionslos) Dr. Holger Becker (SPD) I.8 Einzelplan 16 Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz Drucksachen 20/3515, 20/3526 Uwe Feiler (CDU/CSU) Dr. Sebastian Schäfer (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Wolfgang Wiehle (AfD) Michael Thews (SPD) Amira Mohamed Ali (DIE LINKE) Frank Schäffler (FDP) Steffen Bilger (CDU/CSU) Christian Kühn, Parl. Staatssekretär BMUV Andreas Bleck (AfD) Carsten Träger (SPD) Judith Skudelny (FDP) Anja Karliczek (CDU/CSU) Linda Heitmann (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Helmut Kleebank (SPD) Dr. Rainer Kraft (AfD) Alexander Engelhard (CDU/CSU) Nadine Heselhaus (SPD) Harald Ebner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Björn Simon (CDU/CSU) Daniel Schneider (SPD) Nächste Sitzung Anlage Entschuldigte Abgeordnete Präsidentin Bärbel Bas: Meine Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich wünsche Ihnen allen einen schönen guten Morgen. Die Sitzung ist eröffnet. Für die heutige 68. Sitzung sowie die weiteren Sitzungen in dieser Woche konnte zwischen den Fraktionen keine Tagesordnung vereinbart werden. Die Fraktion der AfD hat dem Vorschlag der anderen Fraktionen widersprochen. Ich habe daher den Bundestag mit der vorgeschlagenen Tagesordnung einberufen. Nach § 21 Absatz 3 der Geschäftsordnung ist für die Genehmigung der Tagesordnung ein Plenarbeschluss erforderlich. Interfraktionell ist vereinbart worden, die noch zu beschließende Tagesordnung um die in der Zusatzpunkteliste aufgeführten Ohne-Debatte-Punkte zu erweitern: ZP 1 Weitere Überweisungen im vereinfachten Verfahren a) Beratung des Antrags der Fraktion der AfD Überlebenschancen von Dialysepatienten verbessern – Cross-over-Lebendspende als Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung erlauben Drucksache 20/… Überweisungsvorschlag: Ausschuss für Gesundheit (f) Ausschuss für Arbeit und Soziales Haushaltsausschuss b) Beratung des Antrags der Fraktion der AfD Einführung, Aufbau und Betrieb eines nationalen Mortalitätsregisters für Forschungszwecke Drucksache 20/… Überweisungsvorschlag: Ausschuss für Gesundheit (f) Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung Rechtsausschuss Ausschuss für Digitales Haushaltsausschuss c) Beratung des Antrags der Fraktion der AfD Interessen der Deutschen Minderheit in Polen schützen – Gute Freundschaft mit Polen pflegen Drucksache 20/… Überweisungsvorschlag: Auswärtiger Ausschuss (f) Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung Ausschuss für Kultur und Medien Haushaltsausschuss d) Beratung des Antrags der Fraktion der AfD Änderung der Geschäftsordnung des Deutschen Bundestages hier: Vermeidung von Überschneidungen von Sitzungen des Bundestages mit Sitzungen der Ausschüsse und Gremien Drucksache 20/… Überweisungsvorschlag: Ausschuss für Wahlprüfung, Immunität und Geschäftsordnung e) Beratung des Antrags der Fraktion der AfD Feministische Entwicklungspolitik stoppen – stattdessen Frauen- und Mädchenrechte effektiv stärken Drucksache 20/… Überweisungsvorschlag: Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (f) Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung ZP 2 Weitere abschließende Beratung ohne Aussprache Zweite und dritte Beratung des von den Abgeordneten Stephan Brandner, Dr. Christina Baum, Roger Beckamp, weiteren Abgeordneten und der Fraktion der AfD eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes über die Amtsausstattung des Bundeskanzlers nach der Beendigung seiner Amtszeit Drucksache 20/1540 Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Inneres und Heimat (4. Ausschuss) Drucksache 20/3226 Außerdem mache ich auf zwei nachträgliche Ausschussüberweisungen im Anhang zur Zusatzpunkteliste aufmerksam: Der am 13. Oktober 2022 (60. Sitzung) überwiesene nachfolgende Gesetzentwurf soll zusätzlich dem Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft (10. Ausschuss) und dem Ausschuss für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (16. Ausschuss) zur Mitberatung überwiesen werden: Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zu Herkunftsnachweisen für Gas, Wasserstoff, Wärme oder Kälte aus erneuerbaren Energien und zur Änderung der Fernwärme- oder Fernkälte-Verbrauchserfassungs- und -Abrechnungsverordnung Drucksache 20/3870 Überweisungsvorschlag: Ausschuss für Klimaschutz und Energie (f) Wirtschaftsausschuss Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft Ausschuss für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz Haushaltsausschuss mitberatend und gemäß § 96 der GO Der am 14. Oktober 2022 (61. Sitzung) überwiesene nachfolgende Gesetzentwurf soll zusätzlich dem Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft (10. Ausschuss) zur Mitberatung überwiesen werden: Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Jahressteuergesetzes 2022 (JStG 2022) Drucksache 20/3879 Überweisungsvorschlag: Finanzausschuss (f) Ausschuss für Inneres und Heimat Rechtsausschuss Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft Ausschuss für Arbeit und Soziales Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Ausschuss für Klimaschutz und Energie Haushaltsausschuss mitberatend und gemäß § 96 der GO Die Fraktionen SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP wünschen weiterhin Aufsetzung, und zwar der zweiten und dritten Beratung des von den Fraktionen SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP eingebrachten Entwurfs eines Zweiten Gesetzes zur Änderung des Energiesicherungsgesetzes und anderer energiewirtschaftlicher Vorschriften auf Drucksache 20/4328, der zweiten und dritten Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Fünften Gesetzes zur Änderung des Bundesfernstraßenmautgesetzes auf Drucksachen 20/3171 und 20/4476 sowie der ersten Beratung des von den Fraktionen SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Zahlung einer einmaligen Energiepreispauschale für Studierende, Fachschülerinnen und Fachschüler sowie Berufsfachschülerinnen und Berufsfachschüler in Bildungsgängen mit dem Ziel eines mindestens zweijährigen berufsqualifizierenden Abschlusses auf Drucksache 20/4536. Die Beratung soll am Donnerstag nach den Ohne-Debatte-Punkten mit einer Debattendauer von jeweils 26 Minuten erfolgen. Die Fraktion der AfD beantragt darüber hinaus eine Aussprache zu Einzelplan 02 – Deutscher Bundestag. Dazu wird, soweit mir bekannt ist, das Wort gewünscht. Zuerst hat das Wort für die SPD-Fraktion Katja Mast. (Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP) Katja Mast (SPD): Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Leider konnten wir uns interfraktionell, das heißt zwischen den Fraktionen, nicht auf die Erweiterung der Tagesordnung um das Gesetz zur Änderung des Bundesfernstraßenmautgesetzes verständigen, also darauf, dass wir das diese Woche im Deutschen Bundestag diskutieren und abschließen. Grundsätzlich ist es so: Mit Blick auf die parlamentarischen Beratungsabläufe konnten wir das in der letzten Sitzungswoche nicht machen, weil der Verkehrsausschuss in einer Sondersitzung am Freitag der letzten Sitzungswoche überhaupt erst ermöglicht hat, dass wir dieses Gesetz auf die Tagesordnung setzen. Deswegen müssen wir die parlamentarischen Beratungen im Bundestag in dieser Woche abschließen, um den Bundesrat – dieser muss dem Gesetz nämlich zustimmen – an diesem Freitag, am 25. November, zu erreichen. Warum ist das zwingend notwendig? Wenn wir das diese Woche nicht beschließen, nehmen wir im nächsten Jahr weniger Maut ein und können deshalb weniger Geld in die Infrastruktur investieren. Jetzt würde man normalerweise denken: Macht nichts; dann macht man es einen Monat später. – Das ist aber bei diesem Gesetz nicht der Fall; denn das würde sich aufgrund der technischen Bedingungen um zwölf Monate verschieben. Wir wissen zwar, dass es gute Gepflogenheit ist, in Haushaltswochen des Deutschen Bundestags nur in begründeten Ausnahmefällen zusätzliche Gesetzesberatungen – der Bundeshaushalt ist ja auch ein Gesetz – aufzusetzen. Wir finden aber, dass dies sowohl beim Mautgesetz – es geht um mehr Geld für Investitionen in die Infrastruktur –, beim Energiesicherungsgesetz – da geht es um die Flüssiggasterminals – und beim Gesetz zu einer einmaligen Energiepreispauschale für Studierende und Auszubildende, damit sie die 200 Euro noch dieses Jahr bekommen, der Fall ist. Die Opposition hat dem nicht zugestimmt, hat aber im Fall einer Aufsetzung gewünscht, dass wir nicht ohne Debatte, sondern mit Debatte beraten. Deshalb schlagen wir als Ampelfraktionen, als Ampelkoalition, eine Debattendauer von jeweils 26 Minuten vor. – Das ist der eine Punkt, um den es hier geht. Der zweite Punkt ist, dass die AfD beantragt hat, dass der Einzelplan 02 – das ist der Haushalt des Deutschen Bundestags – nicht wie üblich ohne Debatte verabschiedet wird, sondern mit Debatte. Das ist ein ganz besonderer Punkt, weil es üblich ist, dass wir die Einzelpläne der anderen Verfassungsorgane, des Bundesrates, des Bundespräsidialamts, des Deutschen Bundestags als Institution, im Bundestag ohne Debatte verabschieden. Sie werden auch in der Regel einmütig im Haushaltsausschuss verabschiedet. Warum möchte die AfD das ausgerechnet beim Haushalt des Bundestages nicht erreichen? (Peter Boehringer [AfD]: Um Sie zu kontrollieren!) Weil sie (Zuruf des Abg. Peter Boehringer [AfD]) gut begründete und sachlich gebotene Ausgaben skandalisieren will, um ein parteipolitisches Süppchen zu kochen. (Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP) Ihre Debattenbeiträge der Vergangenheit im Bundestag zeigen: Sie wollen überall dort kürzen oder gar die Ausgaben auf null setzen, wo es um die Stärkung unserer Demokratie, um die Menschenrechte und um den Ethikrat geht. Genau deshalb, weil das ein durchschaubares Spiel ist, werden wir Ihren Antrag ablehnen. (Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP) Zugleich bitte ich Sie darum, dem Antrag der Ampelkoalition auf zusätzliche Aufsetzung aller drei Gesetzentwürfe, insbesondere des Mautgesetzes, heute zuzustimmen und damit den Weg frei zu machen, dass wir die Debatten im Deutschen Bundestag führen können und diese Beratungen abschließen können, bevor sich der Bundesrat am Freitag trifft. Vielen Dank. (Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP) Präsidentin Bärbel Bas: Nächster Redner: für die CDU/CSU-Fraktion Thorsten Frei. (Beifall bei der CDU/CSU) Thorsten Frei (CDU/CSU): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir haben es heute Morgen mit zwei Geschäftsordnungsanträgen zu tun: zum einen von der Koalition und zum anderen von der AfD. Beim AfD-Antrag kann ich es kurz machen: Wir werden ihn ablehnen, (Zuruf von der AfD: Oh!) weil es den guten parlamentarischen Gepflogenheiten entspricht, dass wir hier im Deutschen Bundestag die Einzelpläne von Bundespräsident, Bundesrat und Bundestag nicht im Einzelnen debattieren. Das gebietet aus meiner Sicht auch der Respekt zwischen den Verfassungsorgangen. Deshalb ist es eine gute Übung, die wir auch dieses Mal so fortsetzen möchten. (Beifall bei der CDU/CSU, der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei Abgeordneten der LINKEN – Zuruf des Abg. Peter Boehringer [AfD]) Wenn ich bei den guten parlamentarischen Gepflogenheiten bin, beim guten parlamentarischen Brauch, dann bin ich auch ganz schnell beim Geschäftsordnungsantrag der Koalitionsfraktionen. Denn es entspricht eben auch dem guten parlamentarischen Brauch, dass man die Haushaltsdebatten hier im Deutschen Bundestag, (Dr. Alice Weidel [AfD]: Echte Opposition!) wo es also um das Königsrecht des Parlaments geht, nicht mit haushaltsfremden Sachdebatten zusätzlich belastet. Das hat gute Gründe. Wir diskutieren hier über einen Haushalt, der fast eine halbe Billion Euro umfasst. Darauf wollen wir und darauf müssen wir uns fokussieren und konzentrieren. Im Übrigen: An diesen parlamentarischen Brauch – wenn man so will – hält sich die Opposition: Es gibt keine Fragestunde, es gibt keine Regierungsbefragung, es gibt keine Aktuelle Stunde. Aber die Koalitionsfraktionen scheren sich nicht darum – in einer, wie wir es hier schon häufiger erlebt haben, großen Arroganz. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD) Deswegen will ich da sehr differenziert argumentieren und Ihnen sagen – Frau Kollegin Mast hat es mit der Eilbedürftigkeit begründet –: Ja, wir sind keine regierungstragende, aber wir sind eine staatstragende Fraktion. (Zuruf von der SPD: Mal so, mal so! – Weitere Zurufe von der SPD) Und überall dort, wo wir es mit Krieg, mit Krise, mit den Herausforderungen dieser Zeit zu tun haben, wo wir anerkennen, unter welchen Belastungen die Regierung steht, da unterstützen wir sie selbstverständlich. Deswegen haben wir auch die Trennung der Abstimmung verlangt, weil wir der Aufsetzung des Energiesicherungsgesetzes zustimmen werden. Wir halten es zwar in der Sache nicht für überzeugend, aber es ist natürlich in der Notsituation geboten, darüber zu diskutieren. Deswegen machen wir das auch in der Haushaltswoche. Ich will auf das zweite Gesetz eingehen, mit dessen Beratung in dieser Woche wir ebenfalls einverstanden sind. Da geht es um die Einmalzahlung für Studentinnen und Studenten und Fachschüler. Wir haben Sie in der vorletzten Sitzungswoche mit einem eigenen Antrag dazu aufgefordert. In dem entsprechenden Entlastungspaket haben Sie die Studenten genauso vergessen wie die Rentner. (Alexander Ulrich [DIE LINKE]: Sie haben es nicht vergessen! – Katja Mast [SPD]: Sie haben das Gas vergessen bei Ihrer Gaspreisbremse!) Dann haben Sie Anfang September versprochen, dass Sie auch für die Studenten eine Entlastung schaffen. Jetzt, elf Wochen später, legen Sie in der ersten Lesung einen Gesetzentwurf vor, der null Klarheit verschafft – ein echter Rohrkrepierer bis jetzt. Da muss man doch wirklich fragen: Was ist das für ein Zeitdruck, wenn Sie elf Wochen brauchen, um einen Gesetzentwurf vorzulegen, der noch nicht einmal die Fragen beantwortet, die sich in diesem Zusammenhang stellen? (Beifall bei der CDU/CSU) Aber weil es in der Sache wichtig und notwendig ist – das sehen wir jedenfalls auch so –, sind wir damit einverstanden. Dann komme ich zum dritten Punkt – da wird es wirklich absurd –, dem Bundesfernstraßenmautgesetz. (Maria Klein-Schmeink [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Oh, die Maut! – Zurufe von der SPD) Es ist nicht nur so, dass wir das inhaltlich ablehnen. Sie müssen sich jetzt mal eines vor Augen halten: Den Kabinettsbeschluss zu diesem Gesetz hat die Bundesregierung im Mai gefasst, und bereits am 22. September war die erste Lesung hier im Deutschen Bundestag. Sie wollen uns hier allen Ernstes weismachen, dass es Zeitnot und Zeitdruck wären, die Sie veranlassen, den Bundesrat jetzt, am Freitag, erreichen zu müssen und deshalb diese Woche hier abzustimmen. Ich kann Ihnen sagen, woran das liegt: Dieser Zeitdruck kommt nicht von außen. Dieser Zeitdruck kommt von Ihnen. Sie sind nicht nur respektlos gegenüber dem Parlament, sondern Sie haben vor allen Dingen nicht die handwerklichen Fähigkeiten, ein Gesetz in angemessener Zeit so fertig zu machen, dass man das hier im Bundestag auch zur Abstimmung stellen kann. (Beifall bei der CDU/CSU – Widerspruch bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP) Deswegen sage ich Ihnen ganz klar: Wir unterstützen Sie überall da, wo unser Land in großer Not und Gefahr ist. Wir unterstützen Sie aber nicht, wenn Sie es nicht schaffen, Ihre Aufgaben ordentlich zu erledigen, und genau so ist es. Ich will Sie einfach nur daran erinnern: Sie sind angetreten mit dem Ziel, den Bundestag wieder zu einem Ort der Debatte zu machen. Das Gegenteil davon ist der Fall: (Christian Dürr [FDP]: Wir wollen doch diskutieren!) Sie wollten diese Punkte hier auch noch ohne Debatte zur Abstimmung stellen. Das ist wirklich eine Respektlosigkeit sondergleichen vor dem Bundestag. Deswegen werden wir Letzteres ablehnen. Vielen Dank. (Beifall bei der CDU/CSU sowie des Abg. Albrecht Glaser [AfD]) Präsidentin Bärbel Bas: Nächste Rednerin: für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Dr. Irene Mihalic. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP) Dr. Irene Mihalic (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine lieben Kolleginnen und Kollegen! Herr Frei, ja, Sie haben völlig recht in einer Sache: Das hier ist eine Haushaltswoche, und es ist guter parlamentarischer Brauch, Haushaltswochen nicht in irgendeiner Art und Weise mit haushaltsfremden Sachdebatten zu überfrachten. Aber gestatten Sie mir den Hinweis: Als wir noch in der Opposition waren, ist es in Zeiten der Großen Koalition, als Sie diese Regierung geführt haben, auch passiert, dass wir in Haushaltswochen auch mal über andere Dinge beraten mussten, (Sven-Christian Kindler [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ach? Hört! Hört!) und zwar immer dann, wenn es um außergewöhnliche Dinge ging oder wenn es aus zeitlichen Gründen in irgendeiner Art und Weise erforderlich war. Und genau das ist doch hier jetzt auch der Fall: Wenn wir das Mautgesetz nicht auf die Tagesordnung setzen könnten, dann könnte der Bundesrat nicht rechtzeitig darüber befinden, und dann könnte das Gesetz – wie meine Kollegin Katja Mast schon zutreffend dargestellt hat – eben nicht zum 1. Januar in Kraft treten. Deswegen ist es von großer Bedeutung, dass wir dieses Gesetz in dieser Woche hier im Deutschen Bundestag abschließen, meine Damen und Herren. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP) Jetzt beklagen Sie, dass es an handwerklichen Mängeln liegt oder etwa daran, dass die Ampelkoalition nicht schnell genug arbeiten würde. Also, Herr Frei, das weise ich hier aufs Allerschärfste zurück. Ich glaube, keine Bundesregierung zuvor und auch kein Deutscher Bundestag zuvor war mit einer so großen Zahl an Krisen und Problemen konfrontiert wie wir hier alle gemeinsam im Parlament und auch in der Bundesregierung. (Sebastian Brehm [CDU/CSU]: Die Regierung ist ein Problemfall!) Wir leben in diesen besonderen Zeiten, und wir versuchen, alles dafür zu tun, unsere Gesetze so durchs Parlament zu bringen, dass sie die Menschen bei den schwerwiegenden Problemen, mit denen wir alle zu kämpfen haben, wirksam entlasten. Da gehen Sie ja auch bei zwei Punkten mit. Sie haben gerade gesagt: Da, wo Krise ist, da würden Sie uns als Koalition inhaltlich unterstützen und das mittragen. Nur bei der Maut, da sind Sie eben nicht der Meinung, das so machen zu müssen, weil Sie inhaltlich dagegen sind. Ja, dann geben Sie doch wenigstens zu, dass das eigentlich der Grund ist, weswegen Sie das Mautgesetz heute nicht auf die Tagesordnung setzen wollen! (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP) Ihnen geht es hier nicht um Verfahrensfragen, sondern Sie lehnen es inhaltlich ab. Deswegen tragen Sie es nicht mit. So ehrlich könnten Sie an dieser Stelle einmal sein. (Alexander Dobrindt [CDU/CSU]: Aber das haben wir doch gesagt! – Thorsten Frei [CDU/CSU]: Da hätten Sie nur zuhören müssen!) Sie haben gerade gesagt, Sie seien keine regierungstragende Fraktion. Da kann ich nur sagen: Zum Glück! (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP) Sie haben gesagt, Sie seien eine staatstragende Fraktion. Ja, das würde ich gerne mal sehen, (Zuruf von der CDU/CSU: Geschäftsordnung!) und zwar an der Stelle, wo Sie behaupten, Sie würden uns in diesen krisenhaften Zeiten unterstützen. Wenn wir hier im Deutschen Bundestag mit Hochdruck die Gesetze verabschieden, die zur Bewältigung der multiplen Krisen, mit denen wir alle gemeinsam konfrontiert sind, (Zuruf der Abg. Dr. Silke Launert [CDU/CSU]) erforderlich sind, dann bedingt das nun mal, dass manche andere Gesetzesvorhaben, die vielleicht nicht unmittelbar etwas mit der Krisenbewältigung zu tun haben, in einen zeitlichen Verzug geraten oder eine längere Beratungsdauer in Anspruch nehmen. Das heißt: Wenn Sie unserem Geschäftsordnungsantrag zustimmen, dann tun Sie gleichzeitig etwas für die Krisenbewältigung in unserem Land, auch mit Blick auf das Mautgesetz. (Lachen des Abg. Thorsten Frei [CDU/CSU] – Alexander Dobrindt [CDU/CSU]: In der Ampel!) – Nee, nicht in der Ampel, sondern insgesamt in unserem Land. – Deswegen appelliere ich noch mal an Sie als staatstragende Fraktion, unserem Geschäftsordnungsantrag zur Aufsetzung dieser Gesetze zuzustimmen. Ganz herzlichen Dank. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP) Präsidentin Bärbel Bas: Nächster Redner: für die AfD-Fraktion Dr. Bernd Baumann. (Beifall bei der AfD) Dr. Bernd Baumann (AfD): Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Den Bundeshaushalt aufzustellen, ist das Königsrecht des Parlamentes. (Otto Fricke [FDP]: Eben gerade nicht! Der Regierung!) Es geht darum, zu bestimmen, wofür der Staat das Geld seiner Bürger ausgibt – im kommenden Jahr über 500 Milliarden Euro und mit den Nebenhaushalten noch viel mehr. Dafür ist die Haushaltswoche da. Diese konzentriert sich ausschließlich auf die Themen des Haushalts. In ihr werden die vielen Einzeletats kritisch debattiert und abgestimmt. Das ist Konsens in diesem Parlament. Trotzdem kommt jetzt die links-gelbe Regierung (Dr. Dietmar Bartsch [DIE LINKE]: Nicht links!) und will hier gleich drei Gesetzesvorhaben diskutieren, die mit dem Haushalt nichts zu tun haben, nur weil Sie hier mit Ihrer Regierungsarbeit aus Inkompetenz nicht rechtzeitig fertig geworden sind. Meine Damen und Herren, das geht so nicht. Wir lehnen den Antrag der Regierung ab. (Beifall bei der AfD) Aber, liebe Kollegen von der CDU/CSU, warum nehmen Sie hier den Mund so voll? Sie haben doch vor Kurzem selbst noch genauso unprofessionell in der Regierung gearbeitet. Sie sind doch auch nicht fertig geworden. Sie haben die Haushaltswochen ebenso missachtet und noch schnell Gesetze reingeschoben, die viel zu spät fertig geworden sind. Sie haben genauso schlecht gearbeitet, meine Damen und Herren. (Beifall bei der AfD) Ich möchte jetzt aber im Rahmen dieser Debatte noch ein anderes Thema ansprechen, das unseres Erachtens noch drängender, noch bedeutsamer, noch unglaublicher ist. Meine Damen und Herren, wir müssen unsere Staatsorgane vor parteipolitischem Missbrauch schützen. Deshalb müssen wir heute hier den Einzelplan 02 – Deutscher Bundestag – debattieren; denn dieser enthält Millionenausgaben, die gegen die parteipolitische Neutralität unserer Staatsorgane verstoßen, die sie unterwandern, sie parteipolitisch instrumentalisieren. Deswegen müssen wir den Etat hier offen diskutieren und debattieren. Wir dürfen ihn nicht einfach durchwinken, wie Sie alle sich das gedacht haben. Das darf nicht sein. (Beifall bei der AfD) Im Rahmen dieser kurzen Geschäftsordnungsdebatte nur ein kleines typisches Beispiel: Der Bundestag finanziert ein sogenanntes Deutsches Institut für Menschenrechte. Was macht dieses Institut? (Alexander Ulrich [DIE LINKE]: Gute Arbeit!) Konzentriert es sich auf die internationale Lage der Menschenrechte? Nein, es veröffentlicht Studien über die AfD. Schauen wir mal in eine dieser angeblich wissenschaftlichen Studien! (Zurufe von der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Schauen wir mal rein! Während alle führenden Migrations- und Kulturforscher davon ausgehen, dass die Kulturen verschiedener Weltregionen sich selbstverständlich unterscheiden und kulturelle Differenzen bei der Integration und der Migration auch Schwierigkeiten bereiten, kommt dieses Institut zu einem ganz anderen Ergebnis. (Dr. Irene Mihalic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das ist eine Geschäftsordnungsdebatte!) Wer solche Kulturunterschiede auch nur benennt, sei – ich zitiere – „rassistisch und rechtsextrem“, (Zuruf von der SPD: Stimmt!) wer für unser Land eine Leitkultur fordert wie Sie, Herr Merz, und die CDU, der sei „rassistisch und rechtsextrem“. (Dr. Irene Mihalic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Jetzt reden Sie mal zur Geschäftsordnung, Herr Baumann!) Meine Damen und Herren, mit Wissenschaft hat das gar nichts zu tun. Das ist reine linke Propaganda, finanziert mit Mitteln des Bundestages. Das muss hier auf die Tagesordnung. (Beifall bei der AfD sowie des Abg. Robert Farle [fraktionslos]) Denn es kommt noch schlimmer. Präsidentin Bärbel Bas: Herr Baumann, – Dr. Bernd Baumann (AfD): Bitte? Präsidentin Bärbel Bas: – ich habe das jetzt ein bisschen laufen lassen, weil Sie Ihren Antrag natürlich begründen müssen; aber Sie gehen jetzt schon sehr weit auf den Inhalt dieses Institutes ein, und wir haben hier eine Geschäftsordnungsdebatte. Dr. Bernd Baumann (AfD): Der Inhalt dieses Institutes ist der Grund, warum wir es hier diskutieren müssen. Ich muss das kurz ausführen. (Widerspruch bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Das muss auf die Tagesordnung. – Ich rede nicht weniger zur Geschäftsordnung als alle meine Vorredner; das möchte ich hier mal deutlich sagen. (Beifall bei der AfD) Denn es kommt noch schlimmer. Das Institut behauptet in seinem Gutachten, die AfD fordere aktiv zur Gewalt auf; sie wolle sogar, allen Ernstes, ihre politischen Gegner ermorden. (Dr. Irene Mihalic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Zur Geschäftsordnung!) Auf Seite 22 behauptet das sogenannte Gutachten, die AfD rufe über Bundestagspolitiker – ich zitiere wörtlich – „direkt zum politischen Mord auf“. Präsidentin Bärbel Bas: Herr Baumann. Dr. Bernd Baumann (AfD): Wissenschaftliche Belege dafür: Fehlanzeige. Präsidentin Bärbel Bas: Herr Dr. Baumann. Dr. Bernd Baumann (AfD): Ich bin so weit. Präsidentin Bärbel Bas: Zur Geschäftsordnung, bitte. Dr. Bernd Baumann (AfD): Ja. – Stattdessen ein Verweis auf linke Propagandabroschüren. (Bettina Hagedorn [SPD]: Das ist unfassbar!) Und wie reagieren Sie alle hier auf dieses Machwerk? Sie bedanken sich. Sie erhöhen noch das Budget dieses Pseudoinstituts um 40 Prozent, (Zurufe von der SPD) so gut gefällt Ihnen das, weil es gegen die AfD geht, mit allen Mitteln, auch mit den schmutzigsten. Deshalb wollen Sie es hier auch nicht offen debattieren, meine Damen und Herren. (Bettina Hagedorn [SPD]: Jetzt reicht es aber!) Der Respekt vor dem Verfassungsorgan Bundestag gebietet es, (Bettina Hagedorn [SPD]: Dass Sie „Respekt“ und „Verfassung“ in den Mund nehmen, ist der Hammer! – Weiterer Zuruf von der SPD: Pfui!) dass man Fehlentwicklungen offen anspricht, nicht dass man sie totschweigt, meine Damen und Herren. (Anhaltender Beifall bei der AfD – Katja Mast [SPD]: Hetzer und Spalter! – Gegenruf des Abg. Kay Gottschalk [AfD]: Schämen Sie sich! – Dr. Alice Weidel [AfD]: Dafür werden Steuergelder ausgegeben!) Präsidentin Bärbel Bas: Nächster Redner: für die FDP-Fraktion Johannes Vogel. (Beifall bei der FDP) Johannes Vogel (FDP): Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir verbringen mit dieser Geschäftsordnungsdebatte eher zu viel Zeit; deswegen mache ich ganz kurz drei Bemerkungen. Erstens. Das meine ich sehr ernst: Ich habe großen Respekt vor allen Parlamentariern, von der Koalition, aber insbesondere auch von der Opposition (Beifall des Abg. Matthias W. Birkwald [DIE LINKE] – Heiterkeit) – auch vor dir, lieber Matthias Birkwald –, mit welchem Tempo, welcher Tiefe und welchem Arbeitsethos hier in dieser Kriegs- und Krisenlage, in der wir uns in Europa seit Monaten befinden, mit Hochdruck Gesetzesarbeit gemacht wird; denn das ist nicht nur Aufgabe der Regierung, sondern das ist insbesondere Aufgabe des Parlaments. Ich habe großen Respekt davor. Vor diesem Hintergrund jetzt hier zu problematisieren, dass das bei einem Gesetz mal etwas länger dauert, finde ich aber doch ein wenig kleinteilig. Damit sollten wir uns in meinen Augen nicht zu lange aufhalten. Ja, es ist richtig, dass wir im Ältestenrat vereinbart haben, dass nur die Themen ausnahmsweise in einer Haushaltswoche beraten werden, die entweder einen ganz konkreten Bezug zu Krieg und Krise haben oder wo es mit Blick auf die Bundesratssitzung am Freitag zeitkritisch ist. Und natürlich ist es beim Thema Maut zeitkritisch; denn wenn wir das Mautgesetz nicht diese Woche beraten, dann kommt entweder die Maut nicht – dann entgehen dem Bundeshaushalt übrigens eingeplante Einnahmen; deswegen hat das natürlich auch mit den Haushaltsberatungen diese Woche zu tun, liebe Kolleginnen und Kollegen von CDU und CSU –, (Beifall bei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) oder die Maut wird von den Betreibern in einem Status der Rechtsunsicherheit vorangetrieben. Und beim Thema Maut, ausgerechnet beim Thema Maut, erneut Rechtsunsicherheiten zuzulassen, davon würde ich dringend abraten. (Beifall bei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Lieber hochverehrter geschätzter Kollege Thorsten Frei, nach dem Mauthorror der CSU hier der Koalition ausgerechnet beim Thema Maut handwerkliche Fähigkeiten abzusprechen, das hat schon Chuzpe. (Heiterkeit und Beifall bei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) In diesem Sinne: Bitte stimmen Sie dem Geschäftsordnungsantrag der Koalition zu. Vielen Dank. (Beifall bei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Präsidentin Bärbel Bas: Nächster Redner: für die Fraktion Die Linke Alexander Ulrich. (Beifall bei der LINKEN) Alexander Ulrich (DIE LINKE): Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ja, Kolleginnen und Kollegen von der FDP, wenn man will, kann man jedes Gesetz mit dem Haushalt in Verbindung bringen; denn nahezu jedes Gesetz hat irgendwelche Haushaltsauswirkungen. Deshalb wird eine Koalition immer Gründe finden, warum man das in einer Haushaltswoche auf die Tagesordnung setzen will. Ich glaube, das ist aber keine Begründung, die stichhaltig ist. Genauso wenig – das sage ich auch der Rednerin der Grünen – kann man schlechtes Regieren immer nur hinter den Krisen dieser Welt verstecken; denn diese Bundesregierung hat dieses Land bisher schlecht auf den kommenden Winter vorbereitet. (Dr. Irene Mihalic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: So ein Blödsinn!) Es wurden im Sommer viele Wochen und Monate mit einer Gasumlagedebatte verschwendet, (Dr. Irene Mihalic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wo waren Sie eigentlich die letzten Monate?) anstatt das Land gesetzgeberisch so vorzubereiten, dass man nicht vor den nächsten Gas- oder Stromrechnungen Angst hat. (Beifall bei der LINKEN) Herr Bundeskanzler, Sie haben letztes Jahr Wahlkampf gemacht mit dem Wort „Respekt“. Es war im Sommer respektlos, dass Sie die Rentnerinnen und Rentner und Studierenden in der Gesetzgebung nicht gleich einbezogen haben, wie wir es als Linke gefordert haben. (Beifall bei der LINKEN) Viele Peinlichkeiten wären zu verhindern gewesen. Dass Sie das jetzt nachholen, kostet auch viel Geld; denn jetzt kommt es zu Doppelzahlungen, die neue Ungerechtigkeiten auslösen. Das wäre vermeidbar gewesen; aber die Studierenden und die Rentner sind nicht vergessen worden, sondern man wollte ganz bewusst diese Gruppen bei der Energiepreispauschale ausnehmen. (Dr. Gesine Lötzsch [DIE LINKE]: Genau so ist es! Das ist die Wahrheit!) Das war respektlos, und das muss man an diesem Morgen nochmals deutlich zum Ausdruck bringen. (Beifall bei der LINKEN) Wir teilen trotz alledem die Auffassung, dass schlechtes Regieren nicht nochmals oder weiterhin von den Bürgerinnen und Bürger ausgebadet werden muss. Deshalb werden wir dem zustimmen, dass die Tagesordnung um die Energiegesetze ergänzt wird. Anderer Auffassung sind wir – da teilen wir die Auffassung der CDU/CSU –, was das Bundesfernstraßenmautgesetz angeht. Dabei, Herr Frei, muss ich Ihnen schon sagen: Das ist wirklich so, dass es stimmen mag, wenn jemand da von schlechter Gesetzgebung redet; aber wer sich an Andi Scheuer und die Maut erinnert, der muss sagen: Schlechter ging es nie. – Insoweit sollten Sie als CDU/CSU da wirklich ein bisschen zurückhaltender sein mit der Kritik an schlechter Gesetzgebung. (Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Sven-Christian Kindler [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] – Thorsten Frei [CDU/CSU]: Der Halbsatz war jetzt überflüssig!) Zum Antrag der AfD. Ich glaube, man hat an dem Wortbeitrag von Herrn Baumann schon gemerkt, warum es sinnvoll ist, nicht über den Haushalt des Bundestags zu diskutieren. Oder? Denn er war schon eine Begründung an sich. Sie haben jetzt das Deutsche Institut für Menschenrechte (Dr. Bernd Baumann [AfD]: Pseudoinstitut!) ins Visier genommen, nur weil die festgestellt haben, (Dr. Bernd Baumann [AfD]: … dass wir die Menschen ermorden wollen!) dass Sie rassistisch und eine rechtsextreme Partei sind. (Dr. Bernd Baumann [AfD]: Die CDU wäre dann genauso rechtsextremistisch nach den Zitaten! Genauso rassistisch!) Wenn man Ihren Rednern hier im Bundestag zuhört: Man bräuchte das Institut dafür eigentlich gar nicht; denn dass Sie rassistisch und rechtsextrem sind, merkt doch jeder, der sich diese Bundestagsreden anhört. (Beifall bei der LINKEN, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Dr. Alice Weidel [AfD]: Halten Sie doch mal Ihre Antifa zurück!) Insoweit kann ich uns nur zurufen: Hände weg von diesem Institut! Hände weg von seiner Arbeit! Die machen das überparteilich, (Dr. Bernd Baumann [AfD]: Überparteilich? Linkes Agitationsorgan!) auch wenn es manchen Parteien manchmal nicht gefällt, was dabei herauskommt. Die Arbeit, die dort gemacht wird, ist eine gute Arbeit; und jeder Euro, der dort eingesetzt wird, ist ein gut eingesetzter Euro. (Dr. Alice Weidel [AfD]: Sie sind doch gewalttätig mit Ihrer Antifa!) Deshalb: Hände weg von diesem Institut und Hände weg von Debatten über Verfassungsorgane! Deshalb kommen wir zum Schluss zu dem Ergebnis: Jeder Ergänzung, die mit Energie zu tun hat, stimmen wir zu. Eine Debatte über die Maut werden wir ablehnen, und den AfD-Antrag lehnen wir sowieso ab. Vielen Dank. (Beifall bei der LINKEN) Präsidentin Bärbel Bas: Wir kommen zur Abstimmung. Ich lasse zunächst abstimmen über die Aufsetzungswünsche der Fraktionen SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP. Die Fraktion der CDU/CSU hat hierzu Teilung der Frage beantragt, und zwar einerseits über die Aufsetzung der zweiten und dritten Beratung eines Entwurfs des Energiesicherungsgesetzes sowie der ersten Beratung eines Entwurfs des Studierenden-Energiepreispauschalengesetzes und andererseits über die Aufsetzung der zweiten und dritten Beratung eines Entwurfs des Bundesfernstraßenmautgesetzes. Zuerst stimmen wir über die Aufsetzung der zweiten und dritten Beratung des Entwurfs eines Zweiten Gesetzes zur Änderung des Energiesicherungsgesetzes und anderer energiewirtschaftlicher Vorschriften auf Drucksache 20/4328 sowie der ersten Beratung eines Entwurfs des Studierenden-Energiepreispauschalengesetzes auf Drucksache 20/4536 ab. Wer stimmt für die Aufsetzung? – Das sind die Fraktionen Die Linke, SPD, Bündnis 90/Die Grünen, FDP und die CDU/CSU-Fraktion. Wer stimmt dagegen? – Das ist die AfD-Fraktion. Enthaltungen? – Sehe ich nicht. Dann ist die Aufsetzung damit so beschlossen. Wir kommen jetzt zur Abstimmung über die Aufsetzung der zweiten und dritten Beratung eines Gesetzentwurfs zur Änderung des Bundesfernstraßenmautgesetzes der Fraktionen SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP auf Drucksachen 20/3171 und 20/4476. Wer stimmt für diese Aufsetzung? – Das sind die Fraktionen SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP. Wer stimmt dagegen? – Das sind die Fraktion der Linken, die CDU/CSU-Fraktion und die AfD-Fraktion. Gibt es Enthaltungen? – Das sieht nicht so aus. Diese Aufsetzung ist damit ebenfalls beschlossen. Nun stimmen wir über den Antrag der Fraktion der AfD ab, eine Debatte zum Einzelplan 02 – Deutscher Bundestag – durchzuführen. Wer stimmt für diesen Antrag? – Das ist die AfD-Fraktion. Gegenstimmen? – Gegenstimmen der übrigen Fraktionen im Hause. Enthaltungen? – Sehe ich nicht. Dann ist der Antrag der Fraktion der AfD damit abgelehnt. Damit kommen wir zur Feststellung der Tagesordnungen der heutigen 68., der 69. sowie der 70. und 71. Sitzung mit den genannten Ergänzungen. Wer stimmt für diese Tagesordnungen? – Das sind die Fraktionen der SPD, des Bündnisses 90/Die Grünen und der FDP. Wer stimmt dagegen? – Das sind die Fraktionen Die Linke und CDU/CSU sowie die AfD-Fraktion. Enthaltungen? – Sehe ich nicht. Dann sind die Tagesordnungen so beschlossen. Ich rufe auf die Tagesordnungspunkte I a und b: a) Zweite Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes über die Feststellung des Bundeshaushaltsplans für das Haushaltsjahr 2023 (Haushaltsgesetz 2023) Drucksachen 20/3100, 20/3102, 20/4001 Nr. 1.1 b) Beratung der Beschlussempfehlung des Haushaltsausschusses (8. Ausschuss) zu der Unterrichtung durch die Bundesregierung Finanzplan des Bundes 2022 bis 2026 Drucksachen 20/3101, 20/3102, 20/4001 Nr. 1.1, 20/3529 Wir kommen zur Beratung der Einzelpläne, und zwar zunächst der drei Einzelpläne, zu denen keine Aussprache stattfindet. Ich rufe auf den Tagesordnungspunkt I.1: hier: Einzelplan 01 Bundespräsident und Bundespräsidialamt Drucksachen 20/3526, 20/3527 Berichterstattung haben die Abgeordneten Dr. Dietmar Bartsch, Dennis Rohde, Kerstin Radomski, Sven-Christian Kindler, Otto Fricke und Peter Boehringer. Wir kommen zur Abstimmung über den Einzelplan 01 in der Ausschussfassung. Wer stimmt für diesen Einzelplan? – Das sind alle Fraktionen des Hauses. Gegenstimmen? – Sehe ich nicht. Enthaltungen? – Sehe ich auch nicht. Dann ist der Einzelplan 01 so angenommen. Ich rufe auf den Tagesordnungspunkt I.2: hier: Einzelplan 02 Deutscher Bundestag Drucksachen 20/3502, 20/3526 Berichterstattung haben die Abgeordneten Dennis Rohde, Christian Haase, Sven-Christian Kindler, Torsten Herbst, Peter Boehringer und Dr. Gesine Lötzsch. Hierzu liegt ein Änderungsantrag der Fraktion der AfD auf Drucksache 20/4537 vor, über den ich zuerst abstimmen lassen werde. Wer stimmt für diesen Änderungsantrag? – Das ist die AfD-Fraktion. Gegenstimmen? – Gegenstimmen der übrigen Fraktionen im Hause. Enthaltungen? – Sehe ich nicht. Dann ist der Änderungsantrag somit abgelehnt. Wir kommen nun zur Abstimmung über den Einzelplan 02 in der Ausschussfassung. Wer stimmt für den Einzelplan 02? – Das sind die Fraktionen Die Linke, SPD, Bündnis 90/Die Grünen, FDP und die CDU/CSU-Fraktion. Gegenstimmen? – Enthaltungen? – Bei Enthaltung der AfD-Fraktion ist der Einzelplan 02 damit angenommen. Ich rufe auf den Tagesordnungspunkt I.3: hier: Einzelplan 03 Bundesrat Drucksachen 20/3526, 20/3527 Berichterstattung haben die Abgeordneten Dr. Michael Espendiller, Esther Dilcher, Franziska Hoppermann, Dr. Sebastian Schäfer, Torsten Herbst und Victor Perli. Wir stimmen nun ab über den Einzelplan 03 in der Ausschussfassung. Wer stimmt für diesen Einzelplan 03? – Das sind alle Fraktionen. Gegenstimmen? – Enthaltungen? – Sehe ich nicht. Dann ist der Einzelplan 03 so angenommen. Ich rufe jetzt auf den Tagesordnungspunkt I.4: a) hier: Einzelplan 08 Bundesministerium der Finanzen Drucksachen 20/3508, 20/3526 b) hier: Einzelplan 20 Bundesrechnungshof Drucksachen 20/3526, 20/3527 Die Berichterstattung für den Einzelplan 08 haben die Abgeordneten Dr. Thorsten Rudolph, Dr. Ingeborg Gräßle, Sven-Christian Kindler, Christoph Meyer, Wolfgang Wiehle und Dr. Gesine Lötzsch. Die Berichterstattung für den Einzelplan 20 haben die Abgeordneten Dr. Ingeborg Gräßle, Dr. Thorsten Rudolph, Felix Banaszak, Frank Schäffler, Ulrike Schielke-Ziesing und Dr. Gesine Lötzsch. Für die Aussprache wurde eine Dauer von 90 Minuten beschlossen. Ich eröffne nun die Aussprache, und das Wort hat zuerst für die CDU/CSU-Fraktion Dr. Mathias Middelberg. (Beifall bei der CDU/CSU) Dr. Mathias Middelberg (CDU/CSU): Geschätzte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen! Ihr Haushalt 2023 verdient – leider, möchte man sagen – deutliche Kritik, vor allem deshalb, weil er nicht ehrlich ist. Sie geben vor, dass Sie im kommenden Jahr 2023 die Schuldenbremse des Grundgesetzes einhalten. Tatsächlich haben Sie, Herr Minister Lindner, seit Amtsantritt eigentlich alle denkbaren Methoden ausgeschöpft, um diese Schuldenbremse des Grundgesetzes zu umgehen. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD – Sven-Christian Kindler [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das stimmt doch gar nicht! Das ist doch Quatsch!) Die Einhaltung der Schuldenbremse 2023 betonen, beschwören Sie fast immer wieder, genauso wie die Aussage, keine Steuern zu erhöhen. Das ist das Credo der FDP in dieser Ampel. Tatsächlich machen Sie das Gegenteil. Sie machen Schulden wie kein Finanzminister vor Ihnen, (Beifall bei der CDU/CSU sowie des Abg. Robert Farle [fraktionslos]) und – die Aussage kann man Ihnen nicht ersparen – Sie sind Rekordschuldenmacher. Präziser müsste man sagen: Sie sind Rekordschuldenbevorrater. Der Haushalt im nächsten Jahr, 2023, wird zwar formal ausgeglichen sein, aber nur deshalb, weil Sie sich aus dem Jahr 2021 und in diesem Jahr, 2022, so viel an Schulden auf Vorrat zusammengesammelt haben, (Peter Boehringer [AfD]: Was die Union ermöglicht hat!) dass Sie dann hoffen können, dass Sie in den nächsten beiden Jahren damit unter Einhaltung der Schuldenbremse durchkommen. Sie haben per Nachtrag 60 Milliarden Euro Kreditermächtigungen aus 2021 gebunkert, 100 Milliarden Euro für das Sondervermögen und 200 Milliarden Euro für Ihren Doppel-Wumms; Sie nennen das jetzt „Abwehrschirm“. 140 Milliarden Euro machen Sie an neuen Schulden allein im laufenden Jahr. Das sind zusammen insgesamt 500 Milliarden Euro in einem Jahr. Das ist die höchste Neuverschuldung, die es in dieser Republik je gab. (Beifall bei der CDU/CSU sowie der Abg. Albrecht Glaser [AfD] und Robert Farle [fraktionslos]) 1 500 Milliarden Euro betrug die Gesamtverschuldung des Bundes am Ende des vergangenen Jahres. Sie steigern diese jetzt um ein volles Drittel, um 500 Milliarden auf 2 000 Milliarden Euro. Das ist wirklich Rekord. Dramatisch – und das möchte ich besonders hervorheben – ist diese Operation mit dem Doppel-Wumms, die 200 Milliarden für den Wirtschaftsstabilisierungsfonds. Sie buchen dieses ganze Geld auf dieses Jahr 2022. Ausgeben wollen Sie die Gelder – und das sagen Sie auch ausdrücklich – aber erst in den Jahren 2023 und 2024 für die Gaspreisbremse und anderes. Jeder, der irgendwie klar denken kann, fragt sich: Wenn die das Geld erst im nächsten und im übernächsten Jahr brauchen, warum nehmen sie die Kredite dann nicht erst im nächsten und im übernächsten Jahr auf? (Otto Fricke [FDP]: Wir nehmen sie doch gar nicht auf! Warum erzählen Sie denn so was?) – Ja, über Ihre Feinmechanik können wir nachher noch mal reden, Herr Fricke. (Lachen bei Abgeordneten der FDP – Zurufe der Abg. Otto Fricke [FDP] und Sven-Christian Kindler [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Nein, Sie haben die Buchungsmechanik im Haushaltsrecht geändert, (Peter Boehringer [AfD]: Das haben Sie gemacht!) und genau das führt dazu, dass Sie die Schuldenbremse umgehen können. Genau diesen Mechanismus haben Sie geschaffen. (Beifall bei der CDU/CSU – Sven-Christian Kindler [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das stimmt doch gar nicht!) Sie buchen alle diese Gelder auf das Jahr 2022. Kein vernünftiger Mensch würde das so tun. Jeder nimmt die Kredite dann auf, wenn er sie braucht, und bringt sie dann durch den Bundestag, sodass wir die Milliarden hier im Einzelnen überprüfen können. (Kay Gottschalk [AfD]: Das ist doch unsere Blaupause!) So. Sie machen diese ganze Operation nur, um pseudomäßig sagen zu können, dass Sie im nächsten Jahr die Schuldenbremse einhalten. Der Bundesrechnungshof hat es sehr klar und deutlich benannt. Er sagt: Diese „Kreditermächtigung für den WSF“, also den Wirtschaftsstabilisierungsfonds, „kollidiert … mit dem Verfassungsgrundsatz der Jährlichkeit.“ „Eine schuldenregelkonforme Kreditaufnahme“ darf nur „jahresbezogen“ erfolgen; (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU) Sondervermögen mit eigenen Kreditermächtigungen bergen sonst die Gefahr des Missbrauchs in sich … Eine nicht verfassungskonforme Kreditaufnahme „morgen“ – und genau darum geht es hier – könnte so durch eine bereits auf Vorrat erfolgte Schuldenaufnahme „heute“ umgangen werden. Genau das – sagt der Bundesrechnungshof – soll mit der Kreditaufnahme „auf Vorrat“ durch den WSF jetzt geschehen. Präziser und klarer kann man nicht erläutern, wie Sie die Verfassung hier umgehen. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD) Ihr grüner Amtskollege in Baden-Württemberg, Herr Bayaz, hat es sogar auf die ganz einfache Formel gebracht: Der Bundesfinanzminister will die Schuldenbremse auf dem Papier einhalten und hat dafür einen Sondertopf aufgefüllt. Diesen Trick können die Länder nicht anwenden. Das kann man auch nicht klarer und deutlicher sagen. Herr Lindner, die Aussage kann ich Ihnen nicht ersparen: Sie sind der Schuldenbremsenumgehungsminister und – ich wiederhole es noch mal – der Rekordschuldenbevorrater. Ihr Haushalt 2023 verdient aber auch deshalb Kritik, weil Sie keine Vorsorge für die Zukunft treffen. Sie reagieren in Ihrem eigentlichen Haushalt gar nicht auf die Zeitenwende; vielmehr wird alles, was irgendwie mit Zeitenwende zu tun hat, in Sondertöpfen, Sondervermögen und sonst wo geparkt. Ein wirkliches Umstrukturieren, eine Neupriorisierung von Aufgaben findet nicht statt. Am Verteidigungshaushalt kann man das exemplarisch sehen. Der laufende Haushalt müsste eigentlich anwachsen, um das 2‑Prozent-Ziel zu erreichen, auch um das umzusetzen, was wir mit Ihnen gemeinsam im Bundeswehrfinanzierungs- und sondervermögensgesetz beschlossen haben, nämlich dass wir Vorsorge treffen dafür, wenn das Sondervermögen ausgelaufen ist. All das tun Sie nicht. Sie frieren den Haushalt perspektivisch bei 50 Milliarden Euro ein, und wir werden im Zweifel in einem Riesensprung in mehreren Jahren den Haushalt wieder auffüllen müssen, um dann das 2‑Prozent-Ziel einzuhalten und das Erfüllen der NATO-Fähigkeitziele sicherzustellen. Thema Alterssicherung. Die SPD und insbesondere der Bundeskanzler haben damit im Wahlkampf Werbung gemacht, und zwar ganz heftig. Der Bundeskanzler hat sich als Kanzler für sichere Renten plakatiert. Bisher haben Sie im Bereich der Alterssicherung nichts geleistet. Die FDP kommt jetzt mit einem eigentlich guten Vorschlag, nämlich der Aktienrente. (Beifall bei Abgeordneten der FDP – Matthias W. Birkwald [DIE LINKE]: Nein! – Amira Mohamed Ali [DIE LINKE]: Ein ganz schlechter Vorschlag!) Wenn man sich aber ansieht, was von diesem Ansatz jetzt übrig geblieben ist, dann wird einem ganz anders. (Christian Dürr [FDP]: Den haben Sie zu Regierungszeiten immer abgelehnt! Sie wollten das nicht! Das ging erst mit SPD und Grünen!) Der Kapitalstock soll nicht den Versicherten, sondern der Rentenversicherung zur Verfügung stehen. Die 10 Milliarden Euro sind ein marginaler Betrag; sie werden auch nicht aus Kapital dargestellt, sondern aus Schulden. Das heißt, die Zinsen dafür werden die Rendite weitgehend auffressen. (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU) Bürokratieabbau haben Sie uns versprochen, und den betonen Sie auch immer wieder als „Fortschrittskoalition“. Sie haben sogar eine pauschale Stelleneinsparung im Haushalt beschlossen. Diese erweckt allerdings nur den Eindruck von Einsparung – das betont auch hier der Rechnungshof zu Recht –; denn Sie streichen nur Stellen, die ohnehin nicht besetzt sind. (Otto Fricke [FDP]: Hä? – Sven-Christian Kindler [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das stimmt doch gar nicht! Sie waren nicht einmal im Haushaltsausschuss, Herr Middelberg!) In Wirklichkeit stocken Sie beim Personal reichlich auf. Das können Sie hier auf der Regierungsbank besichtigen: Sie haben eine Rekordzahl an Parlamentarischen Staatssekretären mit 37; Sie haben 42 Regierungsbeauftragte. Wir müssten ja eigentlich demnächst anbauen, damit Ihre Regierung überhaupt noch Platz findet. (Sebastian Brehm [CDU/CSU]: Wollen sie ja!) Und Sie haben eine Rekordzahl an Spitzenbeamten eingestellt. Das hat mit Verantwortlichkeit und mit Bürokratieabbau gar nichts zu tun. (Beifall bei der CDU/CSU sowie des Abg. Albrecht Glaser [AfD]) Sie beschreiben sich immer wieder als „Fortschrittskoalition“, die nachhaltig agieren würde. Tatsächlich – und das kann man leider an diesem Haushalt sehen – belasten Sie die jüngere Generation mit immer mehr Schulden und damit auch mit immer mehr Zinsen. Das wird die Handlungsspielräume, gerade der Jüngeren, in Zukunft dramatisch eingrenzen, auch für ein wichtiges Thema wie etwa Klimapolitik. (Christian Dürr [FDP]: Das war Ihre Haushaltspolitik! Das verwechseln Sie jetzt! Das waren die 600 Milliarden Euro!) Ihr Haushalt ist deshalb eines ganz sicher nicht: Er ist nicht ehrlich, und er ist auch nicht nachhaltig. Herzlichen Dank. (Beifall bei der CDU/CSU sowie des Abg. Robert Farle [fraktionslos]) Präsidentin Bärbel Bas: Nächster Redner: für die FDP-Fraktion Christoph Meyer. (Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Christoph Meyer (FDP): Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Wir beschließen den Haushalt 2023 heute vor einer schwierigen Gesamtlage. Aber wir schlagen mit diesem Haushalt den Weg zurück zu einer stabilitätsorientierten Haushaltspolitik ein. (Lachen des Abg. Peter Boehringer [AfD]) Die Wirtschaftslage ist fragil, die Energiekrise ist nicht gelöst, und wir werden in eine Rezession rutschen. Auf diese Herausforderungen reagieren wir angemessen. Der Bundeshaushalt 2023 und der wirtschaftliche Abwehrschirm wirken in Kombination für die Bürgerinnen und Bürger und die Unternehmen in unserem Land. (Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Blicken wir auf die Zahlen. Wir mussten die Ausgaben noch einmal deutlich erhöhen, und zwar auf 476 Milliarden Euro. Trotz vielfältiger Belastungen bleiben wir aber um 20 Milliarden Euro unter den Ansätzen 2022, und es gelingt, die Investitionen noch einmal um 20 Milliarden auf jetzt 71 Milliarden Euro zu steigern. Wir holen die Versäumnisse der Vorgängerregierung Stück für Stück auf. Das dauert eine Weile. Aber wir haben uns auf den Weg gemacht, meine Damen und Herren. (Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Dabei halten wir Wort. Wir entlasten, indem wir den vollständigen Ausgleich der kalten Progression und die größte Kindergelderhöhung in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland auf den Weg bringen. Insgesamt haben wir im Haushalt 2023 ein Entlastungsvolumen von fast 50 Milliarden Euro. (Torsten Herbst [FDP]: So ist es!) Und uns gelingt es, den Einstieg in die Aktienrente zu ermöglichen, um unser Rentensystem abzusichern. (Beifall bei Abgeordneten der FDP – Matthias W. Birkwald [DIE LINKE]: Ach, Quatsch!) – Warten Sie es ab! – Dies alles tun wir unter Einhaltung der Schuldenbremse, Herr Middelberg. Das war hart umstritten in der Koalition; aber diese Koalition bekennt sich mit der Einhaltung der Schuldenbremse zu solider Finanzpolitik. Und das als solches ist schon ein Erfolg für sich. Wir zeigen, dass die Schuldenbremse auch in schwierigen Zeiten funktioniert, dass genug Spielraum vorhanden ist. (Torsten Herbst [FDP]: So ist es!) Die Einhaltung der Schuldenbremse bleibt damit zentraler Bestandteil für einen handlungsfähigen Staat. Herr Middelberg, ich muss mich ehrlich über Ihre Rede wundern. Sie persönlich haben, seitdem Sie diesem Parlament angehören, der Errichtung von allen Sondervermögen zugestimmt. Wie biegsam muss man eigentlich sein, dass man das anschließend kritisiert? Das zeigt, welche Oppositionspolitik Sie hier wirklich betreiben. (Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Die Union hat im Nachtragshaushalt 2020 das Kunststück fertiggebracht, beides zu tun: auf der einen Seite die Schuldenbremse nicht einzuhalten, 60 Milliarden Euro aus dem Kernetat herauszunehmen und auf der anderen Seite 600 Milliarden Euro über ein Sondervermögen ins Schaufenster zu stellen. Sie sind nicht nur keinen Deut besser, wenn Sie das kritisieren; vielmehr haben Sie es schlimmer gemacht. Wir ordnen die Finanzen (Torsten Herbst [FDP]: So ist es!) und tun das, was Sie in den letzten Jahren nicht auf den Weg gebracht haben. (Beifall bei der FDP sowie des Abg. Bruno Hönel [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Sie, Herr Middelberg, haben die Stellen angesprochen. (Sebastian Brehm [CDU/CSU]: 10 000 neue Stellen in der Regierung!) Auch dazu kann ich Ihnen nur sagen: Die GroKo hat der letzten Legislatur 22 000 Stellen aufwachsen lassen – 22 000 Stellen! Sie hatten nicht die Kraft, einen Minderungsfaktor einzubauen, wie die Ampel jetzt. 3 100 Stellen bauen wir im nächsten Jahr ab, und wir werden in den nächsten Jahren diesen Abbaupfad sicherlich so fortsetzen. (Zuruf von der CDU/CSU: Und woher ist das Plus?) Zur Gas- und Strompreisbremse und zum Abwehrschirm, die Sie, Herr Middelberg, hier angesprochen haben, kann ich Ihnen nur sagen: Sie haben das abgelehnt. Sie haben in den Haushaltsberatungen aber keinen anderen Finanzierungsvorschlag gemacht, um den Menschen, um den Unternehmen zu helfen. Das wissen Sie vielleicht nicht; das liegt vielleicht auch daran, dass Sie als zuständiger Stellvertreter kein einziges Mal bei den Haushaltsberatungen im Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages anwesend waren. (Beifall bei Abgeordneten der FDP, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Yannick Bury [CDU/CSU]: Das stimmt doch nicht!) Zur Wahrheit gehört aber auch, dass wir in diesem Etat die Mittel für die Zinskosten noch einmal um 10 Milliarden Euro anpassen mussten. Wir werden jetzt mit einem Betrag von 40 Milliarden Euro im Jahr 2023 planen, (Sebastian Brehm [CDU/CSU]: 42!) 36 Milliarden Euro mehr als vor zwei Jahren. Zum Vergleich: Das sind die Etats für Bildung und Forschung und Familie und Jugend zusammen. Diese Summe steht nicht mehr für Zukunftsausgaben zur Verfügung, und an dem Zinsumfeld wird sich absehbar nichts ändern. Deswegen müssen wir deutlich sagen: Die Spielräume für weitere Ausgabenprogramme sind in diesem Haushalt, sind auf Bundesebene nicht mehr gegeben. Dann müssen wir auch sagen, dass der Haushalt 2023 in der Art, wie wir Krisenbekämpfung und Vorsorge betreiben, natürlich noch sehr expansiv ist. Wir haben den Pfad des undisziplinierten Mehrausgebens aus Zeiten der Großen Koalition, wo immer noch einer draufgelegt wurde, verlassen. Den neu eingeschlagenen Weg müssen wir aber in den nächsten Jahren konsequent weitergehen; denn nach dem Haushalt ist vor dem Haushalt. Das Aufstellungsverfahren für den Haushalt 2024 beginnt im Frühjahr. Wir wollen Wachstumsimpulse setzen, um den Wohlstand in unserer Gesellschaft zu sichern. (Sebastian Brehm [CDU/CSU]: Es ist Nullwachstum!) Gleichzeitig werden wir die Staatsausgaben konsolidieren. Diese beiden Prioritäten müssen in den nächsten Jahren zusammengehen. (Beifall bei der FDP) Meine Damen und Herren, ich möchte Ihnen allen für die nicht immer einfachen, aber doch sehr konstruktiven Beratungen der letzten Monate danken. Ich glaube, wir alle waren mit dem Ziel unterwegs, die Ausgaben kritisch zu prüfen und zu einem guten Ergebnis zu kommen. Dieses gute Ergebnis liegt Ihnen jetzt vor, und ich freue mich auf die Beratungen in der laufenden Woche. Ich danke Ihnen. (Beifall bei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Präsidentin Bärbel Bas: Nächster Redner: für die AfD-Fraktion Peter Boehringer. (Beifall bei der AfD) Peter Boehringer (AfD): Frau Präsidentin! Die reale Neuverschuldung des Bundes – wir haben es gehört – liegt 2023 bei fast 190 Milliarden Euro. Das ist ein Vielfaches der offiziell von der Regierung behaupteten Zahl von 45 Milliarden Euro. Die in den sogenannten Sondervermögen aufgenommenen Schulden werden formell einfach nicht mitgezählt – ein Trick übrigens, Herr Middelberg, den Sie von der Union mit der GroKo 2021 eingeführt haben. Das ist die Wahrheit. (Beifall bei der AfD) Fast 150 Milliarden Euro Neuverschuldung werden so 2023 verschleiert. Die jahresgenau einzuhaltende Schuldenregel des Grundgesetzes wird umgangen. Wir fordern das Haus auf, hiergegen Normenkontrollklage einzureichen. Unser Antrag dazu liegt vor. (Beifall bei der AfD) Faktisch agiert der Finanzminister im haushalterischen Notstand – zurückzuführen vor allem auf die dümmste Energiepolitik der Welt. Energie ist das Lebensblut jeder modernen Wirtschaft. Ideologen und Ignoranten aller Regierungsparteien ist es in Jahrzehnten fehlgeleiteter Energiepolitik gelungen, Deutschland an den Rand der Deindustrialisierung zu führen; und das sage ich nicht so leichtfertig. Das wird den Wohlstand breiter Bevölkerungsgruppen drastisch reduzieren. Die volkswirtschaftlichen Kosten dieser ideologischen Energiepolitik sind einfach zu groß. Man kann sie nicht aus Steuermitteln kompensieren. Trotzdem wird genau das mit den Energiepreisdeckeln nun versucht. Die rot-gelb-grün-schwarzen Realitätsverweigerer versuchen, Krisen symptomatisch statt ursächlich zu lösen. (Beifall bei der AfD) Wir alle hier bekommen jeden Tag Briefe von existenziell bedrohten und um Hilfe rufenden Menschen, von Unternehmen und Verbänden. Alle brauchen mehr Energie: Strom und Gas. Sonst droht der massenhafte Abzug von Produktionskapazitäten und Arbeitsplätzen. Doch die Ampelregierung beschließt noch nicht einmal die Verlängerung der Kernkraftnutzung. Und was macht die FDP dabei? Offiziell war sie monatelang für die Verlängerung der Kernkraft. Doch statt wenigstens diese Minimalforderung irgendwie durchzusetzen, macht der Finanzminister lupenreine „Basta!“-Politik gegen die offiziellen FDP-Versprechungen, gegen niedrigere Strompreise, gegen die Menschen. Man erklärt zur Verlängerung der Laufzeiten über lächerlich 100 Tage hinaus schlicht: Jetzt ist Ende. – All das zeigt wieder einmal deutlich: Auf ein FDP-Wort ist einfach kein Verlass. (Beifall bei der AfD) Und dann spricht der Finanzminister auch noch diesen absurden Satz aus: „Ich übernehme die Verantwortung für jeden Euro Schulden.“ – Ja, toll. Davon kann sich Deutschland etwas kaufen – zumal die Schäden Ihrer Politik, Herr Lindner, noch nachwirken werden, wenn Sie schon lange nicht mehr im Amt sind. Zur Aktienrente – wir haben es ja eben von der FDP ganz stolz gehört –, einem weiteren neuen FDP-Projekt: Eine tolle Idee – man muss es so klar sagen – wäre das gewesen – (Matthias W. Birkwald [DIE LINKE]: Nein!) vor 40 Jahren! Aber selbst dann nicht bei der gesetzlichen Rentenversicherung; denn diese hat einfach keinen Kapitalstock, den man irgendwie in Aktien investieren könnte. Also nimmt die Regierung nun einfach mal 10 Milliarden Euro Schulden auf, um sie dann irgendwie in den Aktienmarkt zu stecken, und geht eine riskante Wette ein auf Renditen über die Kreditzinsen hinaus. (Christian Dürr [FDP]: Ja, der böse Kapitalismus!) Die Aktienrente deckt sogar unter der Annahme guter Aktien- und Börsenentwicklung noch nicht einmal ein Zweitausendstel der Rentenzahlungsverpflichtungen der nächsten Jahre bei der GRV. Das Ganze ist ein schlechter Witz. Reine Symbolpolitik! (Beifall bei der AfD) Zu den Zinskosten: Es sind, wie eben schon gehört, 42 Milliarden Euro. Auch hier gilt: Viele alte Fehlentscheidungen, vor denen die AfD seit Jahren warnt, wirken nun fatal im Haushalt. Jahrelang hatten wir ein Null- und Negativzinsniveau. Jahrelang haben wir als AfD dem Finanzminister Scholz immer wieder vorgebetet: Nutzen Sie dieses historisch niedrige Niveau aus! – Seit 2017 hätte man Nullzinsen, teilweise sogar Negativzinsen für deutsche Neuschulden auf 30 Jahre festschreiben können. Getan hat es der heutige Kanzler nie. Der angerichtete Schaden – nur durch dieses riesige Versäumnis – beträgt künftig mindestens 10 Milliarden Euro pro Jahr. Das ist etwa einmal der deutsche Cum-ex-Schaden für die nächsten 30 Jahre jedes Jahr – falls das für eine Scholz-geführte Regierung so leichter einzuordnen ist. (Beifall bei der AfD) Realität werden soll 2023 auch ein hoch gefährliches und gesellschaftsveränderndes Projekt: ein sogenanntes Bürgergeld, das dank der Großzügigkeit der Ampel bedingungslos an die Bedürftigen aus aller Welt gezahlt wird. (Dr. Ralf Stegner [SPD]: Was ist das für ein Unsinn!) 2023 werden dafür viele Milliarden Euro in den Haushalt eingestellt. Mal sehen, ob es reichen wird. Hinzu kommt noch Kindergeld für Nicht-EU-Ausländer. Man führt hier unglaublich starke Pull-Faktoren für noch mehr Zuwanderung ins deutsche Sozialsystem ein. (Maria Klein-Schmeink [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Schäbig!) Schon heute ist klar, dass mehr als 40 Prozent dieser Bürgergeldempfänger Ausländer sein werden, Tendenz sehr schnell steigend. (Beifall bei der AfD) Für alle Menschen – nicht nur für Ausländer – in niedrigen Lohngruppen nimmt man zugleich auch noch den Anreiz, überhaupt zu arbeiten. Bei einem nur noch geringen Nettolohnabstand zwischen zum Beispiel 2 000-Euro-Verdienern und den neuen Bürgergeldempfängern werden sich immer mehr Menschen gegen jede Arbeit entscheiden, (Zuruf des Abg. Dr. Ralf Stegner [SPD]) was ja übrigens heute schon ein Grund für den Arbeitskräftemangel in ganz vielen anstrengenden Berufen ist. Da den neuen Bürgergeldempfängern auch noch das Wohngeld und die Heizkosten bedingungs- und grenzenlos gezahlt werden, könnte der Status als Bürgergeldner demnächst hoch attraktiv werden, und das wird sich in alle Welt herumsprechen. Das seine horrende Heizrechnung selbst zahlende, noch arbeitende Volk wird dagegen in der Wohnung frieren dürfen. (Maria Klein-Schmeink [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Schäbig! – Andreas Audretsch [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Oah!) Der Regierung ist jedes Verantwortungs- und Gerechtigkeitsgefühl für leistungsbereite Menschen abhandengekommen. Diese zahlen nämlich wie immer für solche sozialistische Ideologie. Herzlichen Dank. (Beifall bei der AfD sowie des Abg. Robert Farle [fraktionslos]) Präsidentin Bärbel Bas: Nächster Redner: für die SPD-Fraktion Achim Post. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP) Achim Post (Minden) (SPD): Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich weiß jetzt nicht ganz genau, über welchen Bundeshaushalt welchen Landes mein Vorredner gerade gesprochen hat. Ich spreche über den Bundeshaushalt der stärksten Volkswirtschaft in Europa, (Kay Gottschalk [AfD]: Trotz Ihrer Regierung! Noch!) über den Bundeshaushalt einer lebendigen, weltoffenen und toleranten Demokratie. Und ich spreche über den Bundeshaushalt eines stabilen Landes in der Mitte Europas mit einer stabilen, handlungsfähigen Regierung, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP) Herr Middelberg, ich darf Sie daran erinnern, dass 79 Tage nach Amtsantritt dieser Bundesregierung Putin einen aggressiven Angriffskrieg gegen die Ukraine vom Zaun gebrochen hat. Ich darf Sie daran erinnern, dass wir nicht nur akute Krisen bekämpfen müssen, sondern auch langfristige, strukturelle wie eine sich immer weiter zuspitzende Klimakrise. Wir haben die industrielle Transformation unserer Volkswirtschaft vor uns. Zusammengenommen: Wir leben in einer sicherheitspolitisch so schwierigen Bedrohungslage wie selten seit 1949. Deshalb ist es angemessen, liebe Kolleginnen und Kollegen, einmal darüber zu reden: Worum geht es eigentlich in diesem Bundeshaushalt? Was ist das Wichtigste? Was sind die drei wichtigsten Punkte? Ich will ein paar nennen: Erstens. Das Wichtigste ist, die Handlungsfähigkeit des Staates in diesen Krisen- und Kriegszeiten zu zeigen. Und diese Bundesregierung und dieses Parlament zeigen diese staatliche Handlungsfähigkeit, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP) Nun mag man manches zu klein und zu spät finden. Wenn ich in Brüssel oder anderen europäischen Hauptstädten unterwegs bin, dann höre ich dort ganz andere Töne. Vielen unserer Partnerländer ist das zu früh, zu groß, zu mächtig und zu wuchtig. Vielleicht liegt die Wahrheit woanders. Aus meiner Sicht zeigen diese Bundesregierung und diese Koalitionsfraktionen mit den 200 Milliarden Euro für die Gaspreisbremse und die Strompreisbremse, die beide zügig kommen werden, die Handlungsfähigkeit dieses Staates und dieser Bundesregierung, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP) Die drei Entlastungspakete über 95 Milliarden Euro sind alle ausfinanziert. Das ist alles in diesem Bundeshaushalt. Das heißt, es wurde viel geredet, wir haben gehandelt, und wir werden weiter handeln, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP) Über das „Sondervermögen Bundeswehr“ kann man jetzt natürlich noch mal reden; das kann man alles machen. Wir und die Mehrheit dieses Hauses waren und sind aber der Ansicht, dass dieses Sondervermögen für die Bundeswehr notwendig ist, um die Bundeswehr weiter zu ertüchtigen. (Alexander Dobrindt [CDU/CSU]: Setzen Sie es doch ein!) Genau das ist die richtige Politik, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP) Zweiter Punkt. Dieser Bundeshaushalt zeigt, worauf es auch ankommt: auf Zusammenhalt in der Zeitenwende. Mit Blick nach links sage ich: Der größte Einzeletat ist Arbeit und Soziales; ungefähr ein Drittel des gesamten Bundeshaushaltes. Das heißt, diese Bundesregierung setzt eine soziale Politik für die Bürgerinnen und Bürger in diesem Lande fort und verstärkt diese, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP) Wenn ich mal ein Beispiel geben darf: Ein Kindergeld von 250 Euro ab dem ersten Kind ab 1. Januar 2023 ist kein Pappenstiel. Das ist die größte Kindergelderhöhung in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP) Es geht auch – das ist der dritte Punkt – um Verantwortung für die Zukunft. Die anderen Krisen sind doch nicht weg, nur weil Russland unter Putin in die Ukraine eingefallen ist. Die Klimakrise spitzt sich immer weiter zu. Deshalb ist es richtig, dass wir in diesem Bundeshaushalt – der Kollege Meyer hat darauf hingewiesen – Rekordinvestitionen gegen den Klimawandel, für die soziale Zukunft unseres Landes und für die Transformation unserer Industrie organisieren. Das macht nur diese Bundesregierung, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP) Eines möchte ich noch sagen – das ist ein ganz wichtiger Punkt; der Kollege Meyer hat es angesprochen –: Das, was die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Finanzministerium, im Haushaltsausschuss, in den Fraktionen in den letzten Tagen und Wochen geleistet haben, ist à la bonne heure. Ich zöge meinen Hut davor, wenn ich einen hätte. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP) Namentlich möchte ich Sven-Christian Kindler und Otto Fricke erwähnen und Dennis Rohde, der leider an Corona erkrankt ist und heute nicht teilnehmen kann. Schöne Grüße nach Oldenburg! Nächstes Mal bist du wieder dabei, Dennis. (Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP) Gerade wurde die Bereinigungssitzung angesprochen. Die Bereinigungssitzung wurde souverän, fair, ruhig geleitet von Helge Braun, dem Vorsitzenden des Haushaltsausschusses. Dafür herzlichen Dank und meinen Respekt! (Beifall bei der SPD, der CDU/CSU, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie des Abg. Peter Boehringer [AfD]) Wenn ich in die Zukunft gucke, wenn ich auf das gucke, was wir in dieser Haushaltsdebatte und in den nächsten Wochen und Monaten vor uns haben, dann muss ich eines sagen: Ich bin fest davon überzeugt: Das ist ein Haushalt der pragmatischen Vernunft, das ist ein Haushalt der Zuversicht. Und diese Zuversicht, die sollten wir uns bewahren, liebe Kolleginnen und Kollegen, die haben wir dringend nötig. Es ist besser, zuversichtlich und selbstbewusst in die Zukunft zu gehen als verzagt und bekümmert und mit runtergezogenen Schultern. Deshalb, liebe Kolleginnen und Kollegen, geht mein herzlicher Dank an die Bundesregierung und ganz besonders an den Bundesfinanzminister, der einen klugen, einen sehr klugen Haushaltsentwurf vorgelegt hat. Er wurde in den Beratungen noch ein bisschen verbessert. Ich glaube, dagegen haben Sie nichts. Von daher zusammengefasst: Ein guter Haushaltsentwurf, eine kluge Politik der Bundesregierung. Schönen Dank. (Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP) Präsidentin Bärbel Bas: Nächste Rednerin: für die Fraktion Die Linke Dr. Gesine Lötzsch. (Beifall bei der LINKEN) Dr. Gesine Lötzsch (DIE LINKE): Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Krisen sind immer ein Geschenk für Vermögende. In Krisen wird die Umverteilung von unten nach oben beschleunigt. Ich sage der Bundesregierung: Sie müssen diese dreiste Umverteilung endlich stoppen. Alles andere ist ein Skandal, meine Damen und Herren. (Beifall bei der LINKEN) Diese Bundesregierung darf eben nicht Vermögensverwalter der Gasspekulanten, Stromhändler, Waffenhersteller und Immobilienkonzerne sein. Doch Sie weigern sich beharrlich, die Krisengewinne zu besteuern. Selbst die mickrige Zufallsgewinnsteuer steht in den Sternen, und die Stromlobbyisten sorgen dafür, dass diese Steuer auf ein Minimum eingedampft wird. Sie, Herr Bundeskanzler, haben gesagt, wir müssen uns alle unterhaken. Aber Sie dürfen nicht nur die Krisengewinner unterhaken. Das ist nicht sozial gerecht, meine Damen und Herren. (Beifall bei der LINKEN) Es ist doch nicht so, dass das höhere Wohngeld bei den Mieterinnen und Mietern bleibt, sondern das Geld geht zum großen Teil an die Immobilienkonzerne. Deshalb fordern wir, dass es endlich einen bundesweiten Mietendeckel gibt (Kay Gottschalk [AfD]: Hat in Berlin schon so gut funktioniert, Frau Lötzsch!) und endlich die versprochenen 100 000 Sozialwohnungen im Jahr gebaut werden, meine Damen und Herren. (Beifall bei der LINKEN – Kay Gottschalk [AfD]: Gucken Sie sich mal die Debatten an in Ihrer Zeit der SED!) Es ist doch nicht so, dass die Gas- und Strompreisbremse die Bürgerinnen und Bürger zuverlässig vor Kälte schützt. Die Bremse macht die Strom- und Gasanbieter noch reicher. Deshalb fordern wir, dass es endlich eine Übergewinnsteuer gibt, meine Damen und Herren. (Beifall bei der LINKEN) Es ist doch nicht so, dass 50 Euro mehr Hartz IV armen Menschen einen vollen Kühlschrank bescheren. Gleichzeitig werden Aldi und Lidl noch reicher. Wir als Linke fordern einen Preisdeckel für Grundnahrungsmittel und 0 Prozent Mehrwertsteuer auf diese Produkte. Das wäre der richtige Weg. (Beifall bei der LINKEN) Meine Damen und Herren, es ist doch nicht so, dass die zusätzlichen 100 Milliarden Euro Sondervermögen für die Bundeswehr und das größte Bundeswehrbudget aller Zeiten in Höhe von 64 Milliarden Euro die Bundeswehr sinnvoll ausstatten und vor allem unser Leben sicherer machen, sondern sie treiben die Aktienkurse der Rüstungsindustrie in den Himmel. Deshalb fordern wir: Endlich mehr Sicherheit durch Diplomatie und Verhandlung statt durch Aufrüstung. – Das wäre der richtige Weg, meine Damen und Herren. (Beifall bei der LINKEN) An dieser Stelle muss ich auch sagen: Wir alle in diesem Saal verurteilen den völkerrechtswidrigen Krieg Russlands gegen die Ukraine; aber ich erwarte von der Bundesregierung auch, dass sie deutlich den völkerrechtswidrigen Krieg Erdogans gegen die Kurden verurteilt und nicht nur von einer schwierigen Situation spricht. Dieser Krieg muss beendet werden, meine Damen und Herren. (Beifall bei der LINKEN) Sie haben ein 10-Milliarden-Euro-Aktienrentenpaket aus dem Boden gestampft; aber bei der Kindergrundsicherung arbeiten Sie mit angezogener Handbremse. Das ist die falsche Priorität. Bis Freitag haben wir noch die Chance, etwas zu ändern. Herzlichen Dank. (Beifall bei der LINKEN) Präsidentin Bärbel Bas: Nächster Redner: für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Sven-Christian Kindler. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP) Sven-Christian Kindler (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Es liegen fast drei Monate Haushaltsberatungen im Ausschuss und im Plenum hinter uns. Ich möchte mehrere Punkte ansprechen, die mir aufgefallen sind: Erster Punkt. Wir zeigen als Koalitionsfraktionen mit diesem Bundeshaushalt 2023, wer der Haushaltsgesetzgeber ist, auch gegenüber der von uns getragenen Regierung. Wir haben als Koalition an entscheidenden Stellen Maßgabebeschlüsse verabschiedet, da, wo es notwendig war, auch Sperren eingeführt und mit 526 Änderungsanträgen den Entwurf des Bundeshaushaltsplans für 2023 an entscheidenden Stellen verbessert und auch korrigiert. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP) Manche in der Opposition oder in den Medien deuten das falsch; aber das ist die ureigene Rolle des Parlaments gegenüber der Exekutive in der Gewaltenteilung unserer Demokratie. Dieser Aufgabe sind wir als Koalitionsfraktionen nachgekommen, und deswegen trägt dieser Haushalt auch die klare Handschrift des Parlaments. (Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN, der SPD und der FDP) Zweiter Punkt. Wir stehen als Koalition zu unserem Wort. Wir haben als Koalition in dieser Krise immer gesagt: Wir lassen die Menschen mit ihren Sorgen, mit ihren Ängsten in diesen schweren Krisenzeiten nicht alleine, sondern wir unterstützen sie, wir unterstützen die vielen Unternehmen, die vielen Vereine. Wir unterstützen die Einrichtungen jetzt angesichts der fossilen Energiekrise, angesichts des brutalen Angriffskriegs Putins. Wir halten unser Wort. Das setzen wir konkret in diesem Haushalt um. (Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN, der SPD und der FDP) Wir haben – Achim Post hat es angesprochen – drei Entlastungspakete in Höhe von 95 Milliarden Euro, die wir mit diesem Bundeshaushalt umsetzen, und einen Wirtschaftsstabilisierungsfonds in Höhe von 200 Milliarden Euro. Zusammen macht das rund 300 Milliarden Euro. Damit finanzieren wir die Gaspreisbremse, damit finanzieren wir die Strompreisbremse, den Härtefallfonds, das Bürgergeld, die Wohngeldreform, Hilfen für Rentnerinnen und Rentner, Studierende, Azubis, das höhere Kindergeld, das 49‑Euro-Ticket und vieles, vieles mehr. (Zuruf von der AfD) Wir lassen die Menschen in der schweren Krise nicht alleine. Wir sorgen für Stabilität und Sicherheit in diesen Krisenzeiten. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP) Ja, das ist ein großes Entlastungspaket. Aber das Paket ist eben auch so groß, weil die Krisen leider so groß sind. Ich will daran erinnern, in welch schwerer Lage wir uns befinden: Wir haben einen brutalen Angriffskrieg mitten in Europa, wir haben eine schwere fossile Energiekrise, und die Klimakatastrophe eskaliert immer mehr. – In der Situation wäre es natürlich eine Möglichkeit angesichts dieser Überforderungen, im Stillstand zu verharren oder die Probleme zu ignorieren. Aber das haben wir nicht gemacht. Wir gehen diese Krisen entschlossen an. Ich will daran erinnern, wo wir gestartet sind. Als diese Regierung angefangen hat, waren die Gasspeicher von Peter Altmaier leer. Jetzt sind sie bei 100 Prozent. Eine gefährliche Gasmangellage wird diesen Winter höchstwahrscheinlich vermieden werden. Wir haben vor dem Sommer das seit 20 Jahren größte Gesetzespaket für erneuerbaren Energien durch den Deutschen Bundestag gebracht, und die Wirtschaftsdaten bessern sich jetzt auch. Es gibt wieder mehr Zuversicht in diesem Land. All das haben wir als Koalition gemacht. Das zeigt: Wir gehen diese Krisen entschlossen an. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP) Wir zeigen mit diesem Haushalt auch, dass wir angesichts des russischen Imperialismus die Ukraine weiter unterstützen. Wir unterstützen sie humanitär. Wir unterstützen sie diplomatisch. Wir unterstützen sie durch die Aufnahme der Geflüchteten in Deutschland. Wir unterstützen sie mit Wirtschaftshilfen. Wir unterstützen sie auch militärisch, und wir werden das weiterhin tun. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP) Wir gucken – anders als manche Nationalisten hier im Haus – nicht nur auf das Nationale, sondern wir wissen, dass wir in einer vernetzten Welt gemeinsam leben und als große Industrienation, als reiche Industrienation auch eine globale Solidarität zeigen und Verantwortung tragen müssen. Denn der Angriffskrieg Putins löst nicht nur schrecklich unfassbares Leid in der Ukraine aus, sondern er verschärft auch weltweit massiv die Krisen. Deswegen haben wir 2022 noch mal 1 Milliarde Euro für den Kampf gegen Hunger in der Bereinigungssitzung freigegeben. Deswegen werden wir für das Auswärtige Amt und das Entwicklungsministerium jetzt insgesamt 2 Milliarden Euro für den Haushalt 2023 zur Verfügung stellen: für humanitäre Hilfe, für Krisenprävention, für das Menschenrecht auf Nahrung. Wir sagen als Parlament sehr klar, dass wir einen Schwerpunkt auf internationale Gerechtigkeit legen. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP) Dritter Punkt. Normalerweise gelten die Haushaltsberatungen auch als Stunde der Opposition, wo man die Regierung mit konkreten Alternativen vor sich hertreibt und in Krisenzeiten staatstragend Verantwortung übernimmt in der Gemeinschaft der Demokratinnen und Demokraten. Ich hätte mir das in diesem Haushaltsverfahren auch von der Union gewünscht. Ich hoffe, dass das beim nächsten Haushaltsverfahren anders läuft. Wir haben es leider nicht gesehen. Ich will meine Kritik konkret machen. Am 21. Oktober dieses Jahres haben wir hier im Deutschen Bundestag die Finanzierung in Höhe von 200 Milliarden Euro für den Wirtschaftsstabilisierungsfonds beschlossen, und die Union hat dagegengestimmt. Sie haben gesagt, Sie wollen keine Finanzierung über das Sondervermögen. Ich hatte erwartet, dass Sie dann im Haushaltsverfahren alternative Finanzierungsvorschläge vorlegen, (Zuruf des Abg. Otto Fricke [FDP]) zum Beispiel gerechte Steuererhöhungen, Einsparungen oder eben auch eine Finanzierung über die Notfallregel der Schuldenbremse 2023. Das hatte Herr Middelberg in der Debatte am 21. Oktober angedeutet, (Zuruf des Abg. Dr. Mathias Middelberg [CDU/CSU]) aber es kam nichts; es kam kein Antrag in der Bereinigungssitzung, gar nichts. (Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP – Zurufe der Abg. Dr. Silke Launert [CDU/CSU] und Dr. Mathias Middelberg [CDU/CSU]) Herr Middelberg, vielleicht wissen Sie es nicht – Sie waren ja im gesamten Verfahren nie im Haushaltsausschuss –, aber die Union hat keine Änderungsanträge bezüglich der Finanzierung vorgelegt. Ich will die Union als Opposition ernst nehmen. (Zuruf der Abg. Dr. Silke Launert [CDU/CSU]) Wenn ich die Union ernst nehmen will, dann muss ich Ihr Verhalten verstehen. Sie haben die Finanzierung für die Strom- und Gaspreisbremse abgelehnt. Sie haben keine Vorschläge für eine alternative Finanzierung im Haushaltsverfahren vorgelegt. Ich kann Ihnen sagen: Haushaltsklarheit und Haushaltswahrheit gelten auch für die Opposition. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP) Wenn Sie keine konkrete Finanzierung vorlegen, heißt das am Ende: Sie lehnen diese Hilfen ab. Sie wollen keine Energiehilfen für die Menschen und Unternehmen. (Zuruf des Abg. Peter Boehringer [AfD]) Sie lassen den Bäcker im Regen stehen. Sie lassen mit Ihrer Politik die Menschen in der Kälte allein. Aber das werden wir konkret nicht zulassen. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP – Widerspruch bei der CDU/CSU) – Ich würde sagen, der Treffer hat gesessen. Sie haben im Ausschuss nichts Konkretes vorgelegt, was die Finanzierung gerechtfertigt hätte. Immer nur populistisch zu kritisieren und zu sagen, was wir als Regierung anders machen sollen, aber als Union keine konkreten Änderungsanträge vorzulegen, das geht so nicht. Sie müssen sich schon mal entscheiden, welche Art von Opposition Sie sein wollen: konstruktiv, staatstragend oder nur populistisch. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP – Zuruf der Abg. Dr. Silke Launert [CDU/CSU]) Vierter Punkt. Wir stabilisieren nicht nur in den Krisen, sondern denken jetzt auch an morgen. Die Klimakatastrophe eskaliert immer mehr. Deswegen haben wir auch noch mal sehr konkret Energieeffizienz, internationalen und nationalen Klimaschutz in dem Haushaltsentwurf gestärkt. Wir haben zusätzlich 1,5 Milliarden Euro für die Schiene bereitgestellt. Wir haben 700 Millionen Euro für kommunale Investitionen bereitgestellt. Wir haben Rekordinvestitionen in diesem Haushalt. Das zeigt: Wir gehen die Krisen entschlossen an. Wir bauen jetzt sozial-ökologisch für die Zukunft um. Deswegen kann ich nur empfehlen, dem Bundeshaushalt zuzustimmen. Danke. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP) Präsidentin Bärbel Bas: Nächster Redner: für die CDU/CSU-Fraktion Christian Haase. (Beifall bei der CDU/CSU) Christian Haase (CDU/CSU): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Zunächst einmal auch von mir Genesungswünsche an Dennis Rohde. Ich hätte ihn gerne heute hier gehabt. Vielleicht schafft er es bis Donnerstag. Bei Corona geht es ja manchmal schnell. Über 45 Milliarden Euro neue Schulden für den Bund – das ist das traurige Ergebnis der Haushaltsberatungen. 45 Milliarden Euro, die unsere Kinder irgendwann mit Zins und Zinseszins zurückzahlen müssen. 45 Milliarden Euro, die unsere Handlungsfähigkeit in der Zukunft einschränken. Dabei waren es im Regierungsentwurf nur 17 Milliarden Euro. Die Ampel hält – das haben wir ja heute schon gehört – zwar die Schuldenbremse ein, aber sie nutzt den Verschuldungsspielraum der Konjunkturkomponente voll aus. Das hätte man jedoch nicht tun müssen. Wir haben Krisen – darauf hat Kollege Kindler gerade noch mal hingewiesen –, bei denen man etwas Geld hätte zurückhalten können. Aber so etwas kommt in der Ampellogik leider nicht vor. Da wird keine Vorsorge betrieben, zum Beispiel für die Sozialversicherung. Diese Kosten schiebt man jetzt an die Beitragszahler ab. Wenn Sie eine Erhöhung Ihrer Beitragszahlungen in der Krankenversicherung bekommen: Das hätten wir anderes regeln können, aber da hat die Ampel andere Prioritäten gesetzt. (Beifall bei der CDU/CSU – Zuruf des Abg. Otto Fricke [FDP]) Es geht um eine schuldenfinanzierte Befriedung von Ampelinteressen. Da kriegt Frau Roth 200 Euro Begrüßungsgeld in der Erwachsenenwelt, Herr Heil bekommt sein Bürgergeld, Frau Baerbock 8 Millionen Euro für selbsternannte Seenotretter, Herr Wissing bekommt ein Billigticket für die urbanen Räume, und unser Bundesfinanzminister darf weitere Darlehen aufnehmen, diesmal für eine Aktienrente. Nur eine Dame bekommt leider nichts: Frau Lambrecht. Das ist allerdings auch erst mal richtig so; denn sie hat bisher nicht gezeigt, dass sie in der Lage ist, die zur Verfügung gestellten Mittel auch tatsächlich auszugeben. Das hätten wir uns anders gewünscht. Wir haben gezeigt: Da hätte man ordentlich drauflegen müssen; denn da muss endlich Dampf in die Sache rein. (Beifall bei der CDU/CSU) Die Koalition handelt also ganz nach dem Motto: Die neuen Schulden brauchen wir ja nicht mehr zurückzuzahlen. Dann sind wir schon lange nicht mehr im Amt. – Im Ampelsprech heißt das dann: Alle drei Koalitionspartner finden sich in diesem Haushalt wieder. (Heiterkeit des Abg. Thorsten Frei [CDU/CSU]) Dabei verkennt die Ampel, an welchem Kipppunkt unsere Wirtschaft steht, welche Investitionen in Sicherheit erforderlich wären und dass die Tragfähigkeit der Staatsfinanzen in Gefahr ist. Dabei müsste sie das doch eigentlich wissen. In den Entschließungsanträgen der FDP zum ersten und zweiten Nachtrag 2020 – ich habe sie mir noch mal angesehen – steht: komplette Auflösung der Rücklage. Da steht: Wir fordern einen Tilgungsplan auch für die Schulden im Rahmen der Konjunkturkomponente. – Dabei sollten Privatisierungserlöse von über 2 Milliarden Euro erzielt werden. Da war die Forderung nach einem Wirtschaftsförderungsprogramm. Leider ist davon nichts mehr übrig. Deshalb waren wir gefordert, Vorschläge zu machen. Wir haben das gemacht. Wir haben ein Einsparvolumen von 19 Milliarden Euro ermittelt durch den Abbau von Haushaltsresten, die Auflösung der Rücklage, durch Privatisierungserlöse und eine Umpriorisierung von Förderprogrammen. Leider sind uns die Ampelfraktionen da nicht gefolgt. Dabei wäre doch ein Impuls, ein Neustart in Richtung Wirtschaftsförderung in diesem Land im Augenblick so wichtig, um wieder ein bisschen mehr Zukunftsgläubigkeit und ein bisschen mehr Zutrauen zu erreichen und die Verunsicherung und Lethargie in unserem Land zu mindern. (Beifall bei der CDU/CSU) Unsere Schwerpunkte waren: Forschung und Erprobung alternativer Antriebstechnologien – bei Ihnen nichts vorhanden –, Weiternutzung stillgelegter Gasförderfelder für Geothermie, Unterstützung von Handwerksbetrieben beim Energieträgerwechsel, Aufbau von Rohstoffpartnerschaften, weitere Investitionen in die Schiene und Steuerentlastungen, damit wir aus der Krise auch wachsen können. Meine Damen und Herren, wir brauchen in Deutschland einen Fachkräftebooster. Wir wollten deshalb mehr Investitionen in betriebliche Ausbildungsstätten, eine Verbesserung der Berufsorientierung, eine Werbeoffensive fürs Handwerk, eine effizientere Gestaltung unserer Jugendberufsagenturen, eine Förderung von Mädchen und Frauen in den MINT-Berufsfeldern, eine Stärkung des Girls’ Days und einen inklusiven Digitalpakt für berufliche Bildung. Bei all dem konnten Sie offensichtlich nicht mitgehen. Wir als CDU und CSU stehen für die Stärkung der äußeren und inneren Sicherheit. Wir müssen den Bundeswehretat aufstocken, damit die laufenden Ausgaben nicht weiter die Investitionen aus diesem Etat verdrängen. Wir wollen die Aufstockung der Notfallreserve beim Getreide. Wir brauchen moderne Geräte und Ausrüstung für Katastrophenschutz und Bundespolizei. Wir wollen das THW stärken. Wir brauchen eine verbesserte Notstromversorgung in unserem Land, genauso wie eine verbesserte Trinkwassernotversorgung. Und wir brauchen ein Investitionsprogramm für die Starkregenvorsorge. All das haben Sie leider nicht mitgemacht. Wir waren für die Anhebung der Pendlerpauschale, und zwar ab dem ersten Kilometer, damit endlich mal wieder Politik für den ländlichen Raum gemacht wird; die ist seit der Übernahme dieser Regierung nicht mehr vorhanden. (Beifall bei der CDU/CSU) Meine Damen und Herren, Deutschland kann doch mehr. Wir müssen es nur wollen an dieser Stelle. Jetzt will ich auf ein, zwei Punkte eingehen. Erst mal, Kollege Post: Eins wurde noch nicht richtig verstanden. Unsere Hauptkritik ist: Der normale Haushalt wird ganz normal weitergeführt. Es werden die Ampelprojekte durchgeführt, wie sie im Koalitionsvertrag beschrieben wurden. Und alles, was Krise ist, bildet sich jetzt in Sondervermögen ab. (Zuruf von der SPD: Das ist doch falsch!) Damit blendet man ein Stück weit die Realität und Wirtschaftlichkeit aus. Ich kann nicht einfach sagen: „Dafür nehme ich Milliardenschulden auf“; (Beifall bei der CDU/CSU) ich muss beides miteinander kombinieren, um vernünftig in die Zukunft zu gehen. Der zweite Punkt. Wir müssen auf das Thema Haushaltsvollzug kommen. Die Investitionen werden höher – das ist richtig –, aber die Haushaltsreste steigen noch viel schneller, weil die Ministerien das Geld nicht ausgeben. Man sieht doch die vielen roten Karten, die auch von Ihren Fraktionen, von den Ampelfraktionen, verteilt wurden, wo gesagt wurde: Wir wollen Berichte. Wir sperren hier Mittel, weil wir gar nicht wissen, wofür die Regierung das Geld ausgibt. – Herr Kindler, das war der Grund, warum wir das beim WSF nicht mittragen konnten. Wir wissen bis heute nicht, wie die Bremsen gestaltet sind. Wir wissen nicht, wie die Gewinnabschöpfung, die neue Steuer, ausgestaltet wird. (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU – Zuruf des Abg. Otto Fricke [FDP]) Wir konnten Ihnen doch keinen Blankoscheck ausstellen. (Sven-Christian Kindler [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Es geht um die Finanzierung! Sie haben keine Finanzierung vorgelegt!) Hier zu behaupten, wir wären nicht für die Hilfen, ist unredlich. Danke schön. (Beifall bei der CDU/CSU) Präsidentin Bärbel Bas: Nächster Redner: für die Bundesregierung der Bundesminister Christian Lindner. (Beifall bei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Christian Lindner, Bundesminister der Finanzen: Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir beraten diesen Haushalt in Zeiten größter wirtschaftlicher Unsicherheit. Viele Familien sorgen sich darum, wie sie über die Runden kommen. Viele mittelständische Betriebe, die seit vielen Generationen in Familienhand sind, sorgen sich um ihre eigene wirtschaftliche Existenz. Bei diesen Haushaltsberatungen, bei dieser Debatte, bei einzelnen Beiträgen am heutigen Vormittag habe ich den Eindruck, dass die gesellschaftliche und ökonomische Realität nicht bei jedem angekommen ist. (Beifall bei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Yannick Bury [CDU/CSU]: Das stimmt!) Kollege Haase, die beste Form der Wirtschaftsförderung – Sie haben ja von Wirtschaftsförderung gesprochen – ist doch, dass ein Betrieb angesichts der steigenden Gaspreise überhaupt noch produzieren kann. Deshalb ist es richtig, dass die Koalition eine Strom- und eine Gaspreisbremse auf den Weg gebracht hat. (Beifall bei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Alexander Dobrindt [CDU/CSU]: Sagen Sie das Herrn Habeck?) Hierzu habe ich im Übrigen auch keinen Widerspruch der Opposition gehört, von keinem von Ihnen. Wir stimmen ja offensichtlich darin überein, dass wir die Menschen und die Wirtschaft mit den ruinösen Preisspitzen nicht alleine lassen dürfen. Wir müssen doch unsere wirtschaftliche Stärke mobilisieren, (Zuruf des Abg. Sebastian Brehm [CDU/CSU]) um unsere wirtschaftliche Stärke auch für die Zukunft zu erhalten. Deshalb ist es doch auch notwendig, dass wir in enormer Weise fiskalische Stärke projizieren, um einen Abwehrschirm aufzuspannen. Das haben Sie nicht infrage gestellt. Es ist auch richtig, dass Sie es nicht infrage stellen; denn wir müssen in diesen Zeiten dafür sorgen, dass das erhalten bleibt, was wir uns über Jahrzehnte erarbeitet haben. (Beifall bei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Offen bleibt nur – und umstritten zwischen Koalition, Regierung einerseits und der Opposition andererseits – die Frage der Finanzierung. (Bettina Hagedorn [SPD]: Genau!) Jetzt könnte man auf die Idee kommen: Wir finanzieren das mit Steuererhöhungen. Der Kollege Friedrich Merz hatte das ja ins Gespräch gebracht im Zusammenhang mit der Ertüchtigung der Bundeswehr; ich erinnere mich an diese Debatte. (Alexander Ulrich [DIE LINKE]: Sachverständigenrat! Der Sachverständigenrat hat es auch gesagt!) – Der Sachverständigenrat hat es ebenfalls angesprochen, konnte aber übrigens auf Nachfrage kein Volumen oder Mittel angeben, sondern das wurde nur abstrakt ins Gespräch gebracht. Ich halte das für falsch. Angesichts der großen Unsicherheit, die wir haben, angesichts der privaten Investitionsbedarfe in saubere Technologien, angesichts der infragegestellten Wettbewerbsfähigkeit, übrigens auch durch den Inflation Reduction Act der Vereinigten Staaten, wäre es ein gefährliches makroökonomisches Experiment, in diesen Zeiten auch noch die Steuern zu erhöhen. (Beifall bei der FDP) Deshalb haben wir uns dagegen entschieden. Im Gegenteil: Die Koalition hat breitflächig Entlastungen beschlossen. Dabei handelt es sich um die steuerliche Abzugsfähigkeit beispielsweise der Rentenversicherungsbeiträge, die wir verbessert haben, Verbesserungen bei den Regelungen zum häuslichen Arbeitszimmer, Verbesserungen beim Arbeitnehmerpauschbetrag bereits zu Beginn dieses Jahres, beim Sparerpauschbetrag. Ja, und auch die kalte Progression wird vollständig ausgeglichen. Allein das sind Mindereinnahmen von 18,6 Milliarden Euro im nächsten Jahr. Wann soll es einen steuerlichen Inflationsausgleich geben, wenn nicht in Zeiten hoher Inflation? (Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD) Und das macht die Koalition. Ich füge hinzu: Wir werden mit Blick auf den Haushalt 2024 auch über weitere steuerliche Maßnahmen sprechen müssen. Wir müssen ja die Konjunktur anschieben, und da ist auch ein sichtbarer steuerlicher Impuls notwendig. Der Bundeskanzler hat bereits bei seiner Regierungserklärung gesagt, er spreche sich für eine Investitionsprämie bzw. Superabschreibung aus. (Sebastian Brehm [CDU/CSU]: Machen!) Damit wir uns aus dieser Krise im privaten Bereich herausinvestieren können, ist das eine Maßnahme, die 2024 rechtzeitig sein könnte. (Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Dr. Mathias Middelberg [CDU/CSU]: Könnte! Könnte!) – Na ja, der Haushaltsgesetzgeber wird noch darüber sprechen. Die Bundesregierung wird ihren Haushaltsentwurf 2024 ja erst im nächsten Jahr vorlegen. Deshalb spreche ich hier noch im Konjunktiv als Potentialis. Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Koalition hat einen Bundeshaushalt aufgestellt, der die Schuldenbremse achtet. Übrigens ist sie flexibler, als manche denken; denn sie erlaubt im Konjunkturverlauf auch höhere Ausgaben. Innerhalb des Bundeshaushaltes verfolgen wir unsere regulären politischen Vorhaben. Die krisenbedingten Mehrausgaben des Abwehrschirms haben wir im Wirtschaftsstabilisierungsfonds gebunden – übrigens auch deshalb, weil wir nicht wissen, wie sich Strom- und Gaspreise entwickeln. Deshalb brauchen wir jetzt Handlungsmöglichkeiten und auch Flexibilitäten, um in diesem, im nächsten, im übernächsten Jahr regieren zu können. Die CDU/CSU kritisiert, dass wir die regulären Vorhaben der Koalition unter der Schuldenbremse und die Bewältigung der Krisenfolgen voneinander separieren. (Zurufe der Abg. Sebastian Brehm [CDU/CSU] und Dr. Mathias Middelberg [CDU/CSU]) Dieser Kritik stellen wir uns. Es gibt ja auch Argumente, die auf Ihrer Seite sind. Dennoch: Bei der Abwägung von Pros und Cons haben wir uns am Ende für diesen Weg entschieden, weil es der sichtbarste Beleg dafür ist, dass wir zwar die haushaltspolitische Normalität noch nicht erreicht haben, dass es aber der Anspruch dieser Koalition ist, schnellstmöglich zum Prinzip zurückzukehren, dass nur das verteilt werden kann, was zuvor erwirtschaftet worden ist. (Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Präsidentin Bärbel Bas: Nächster Redner: für die AfD-Fraktion Kay Gottschalk. (Beifall bei der AfD) Kay Gottschalk (AfD): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Verehrte Kollegen! Liebe Steuerzahler da draußen! Ich muss darauf eingehen, Herr Kollege Lindner: Es ist ja wohl das Minimum, dass die Regierung das versucht zu reparieren, was sie durch ihre gescheiterte Energiepolitik verursacht hat. Aber Sie lindern es nur; man könnte auch sagen: Sie „lindnern“ hier ein bisschen. Sie heben den Schaden doch nicht auf. Das ist Ihre Pflicht, verdammt noch mal, gegenüber den Unternehmern, den Steuerzahlern, die Angst vor der nächsten Stromrechnung haben, das zu tun. (Beifall bei der AfD) Eine Korrektur, Herr Lindner: Das Jahr 2022 haben Sie vergessen? Sie sagen, die kalte Progression gleichen Sie aus. Nein, und wenn, nur in Teilen. Da könnten wir in die Debatte gehen. Aber Sie fangen erst zum 1. Januar 2023 an. Meine Damen und Herren, dieses Jahr ist anscheinend nichts teurer geworden? Auch das verschweigen Sie. Es ist eine Ex-post-Entlastung, meine Damen und Herren. (Beifall bei der AfD) Sie rühmen sich noch damit, dass Sie die Schuldenbremse in diesem Haushalt einhalten. Das mag nach Ihren juristischen Tricksereien für Sie so funktionieren, auch wenn viele Experten das wirklich anders sehen. Aber ich frage mich ehrlich, ob es in Zeiten von galoppierender Inflation und einer sich anbahnenden Rezession auch richtig und notwendig ist, diese juristischen Spielräume auszunutzen. Ich würde eher sagen: Sie tricksen und balancieren beim Haushalt, wie es Wirecard bei den Bilanzen getan hat. Und das Ende der Wirecard AG kennen wir hier alle, meine Damen und Herren im Parlament. (Beifall bei der AfD) Aber vermutlich wollen Sie diese Debatte auch nicht hören. Sie haben ja nicht ohne Grund die Themen „Bundesschuld“ und „Allgemeine Finanzverwaltung“ ohne Debatte für Freitag auf die Tagesordnung gesetzt. Ich erinnere Sie daran, dass Sie diese im März noch bei den hier zu debattierenden Einzelplänen 08 und 20 unter der Überschrift „Allgemeine Finanzdebatte“ beraten haben. Vermutlich wollen Sie eben nicht über die Verdopplung der Kreditaufnahme und die vom Bundesrechnungshof attestierten verdeckten Schulden reden. Meine Damen und Herren, das ist keine Transparenz; das ist Schuldenkoalition live, und so verbauen Sie die Zukunft der vielen jungen Menschen, die ich hier auf den Tribünen sehe. Die Schulden von heute sind eure Steuererhöhungen und die gekürzten Renten von morgen. (Beifall bei der AfD – Carlos Kasper [SPD]: Ganz schön billig!) Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Liebe Steuerzahler, wenn Sie nun dachten, dass diese Bundesregierung mit einem von der FDP geführten Finanzministerium in Zeiten, in denen viele Menschen Angst vor den nächsten Rechnungen haben, die Bereinigungssitzung des Haushaltsausschusses genutzt hätte, um den Rotstift anzusetzen und Sparmaßnahmen durchzudrücken: Nein, auch da Fehlanzeige. Diese Bundesregierung, meine Damen und Herren, betreibt Raubbau an Ihrer Zukunft. Sie stellt das größte Risiko für die Zukunft dar, und nicht der herbeizitierte und ‑geredete angebliche Klimawandel. (Beifall bei der AfD) Machen Sie sich selbst ein Bild; schauen Sie in die Einzelpläne! Ich nehme hier einfach mal den Einzelplan 08: Ausgaben von 9,7 Milliarden Euro. Damit steigen alleine die Ausgaben in diesem Plan in diesem Jahr um rund 10 Prozent. Meine Damen und Herren, auch hier gilt wohl das Motto „Quantität statt Qualität“, und wenn ich mir die Bildungsgänge einiger Abgeordneter dieser Schuldenkoalition angucke, ist das kein Wunder. Ich zitiere mit Erlaubnis der Präsidentin: Deutsche Verwaltung explodiert: Ampel-Regierung stampft 10.000 Stellen aus dem Boden. Der Staat – insgesamt, also wir – beschäftigt 300.000 Personen. Kostenpunkt: 40 Milliarden Euro. Diese Ampelregierung hält die Bürger in unserem Land zum Sparen an; gleichzeitig vernichtet aber die Inflation und ihre Ausgabenpolitik die Zukunft dieses Landes. Sie hätten die Zeichen der Zeit erkennen müssen, Herr Lindner und die gesamte Regierung – der Kanzler ist nicht da; auch das war wieder klar –, und alle ideologisch motivierten und überflüssigen Posten streichen sollen. Personalabbau, Effektivität, Effizienzsteigerung der Ministerien und Behörden wären an der Tagesordnung gewesen. Diese Chance haben Sie kläglich verpasst. Der Steuerzahler der Zukunft wird das zahlen müssen. Die Quittung, meine Damen und Herren, werden Sie dieser Schuldenkoalition hoffentlich schon bald bei der Wahl hier in Berlin und auch bei den nächsten Landtagswahlen geben. Wir machen da nicht mit. Vielen Dank. (Beifall bei der AfD) Präsidentin Bärbel Bas: Nächster Redner: für die SPD-Fraktion Dr. Thorsten Rudolph. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP) Dr. Thorsten Rudolph (SPD): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Weltmeister wird nur, wer neben der spielerischen Qualität auch über den nötigen Zusammenhalt verfügt. Nun ist die Aufstellung des Bundeshaushalts 2023 kein Wettbewerb; der nötige Zusammenhalt aber spielte für uns eine entscheidende Rolle. (Zuruf von der AfD) In dieser Woche, zur Verabschiedung des Haushalts, können wir selbstbewusst sagen: Dieser Haushalt ist gut für unser Land; denn dieser Haushalt sichert den Zusammenhalt in der Zeitenwende. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP) Genau darum geht es, meine Damen und Herren: um Zusammenhalt. Es gibt Kräfte, die das Potenzial haben, uns auseinanderzureißen. Dazu zählt natürlich der völkerrechtswidrige Angriffskrieg Russlands, dazu zählt natürlich der Klimawandel, und dazu zählen natürlich auch all die unerwünschten Folgen von Coronapandemie und Krieg: hohe Energiekosten, unsichere Lieferketten, hohe Inflation, abnehmendes Wachstum, kleiner werdende finanzielle Spielräume und soziale Härten. Alle diese Krisen besitzen das Potenzial, zu spalten – die internationale Gemeinschaft genauso wie unsere Gesellschaft. Es gibt vermutlich auch kaum jemanden, der sich dieser Gefahr nicht bewusst wäre. Doch anstatt konstruktiv daran mitzuarbeiten, die Gefahren zu mindern, versuchen einige, politisch Kapital aus diesen Krisen zu schlagen, indem sie verschiedene gesellschaftliche Gruppen gegeneinander ausspielen. Leider sitzen einige davon auch in diesem Raum. Das, meine Damen und Herren, ist ein gefährliches Spiel. Lassen Sie es mich deshalb ganz klar sagen: Die Ampelkoalition spielt dieses Spiel nicht mit. Wir setzen auf Zusammenhalt! (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP) Zusammenhalt in der Zeitenwende, das heißt erstens: Wir sind solidarisch mit denen, die es nötig haben. Wir lassen es nicht zu, dass unser Land, dass unsere Gesellschaft gespalten wird. Deshalb hat diese Koalition drei Entlastungspakete von insgesamt rund 95 Milliarden Euro geschnürt. Deshalb hat diese Koalition zusätzlich einen Abwehrschirm von 200 Milliarden Euro gespannt, um mit der Strom- und Gaspreisbremse die Belastungen durch die hohen Energiekosten abzumildern, um Arbeitsplätze zu sichern und um die Strukturen unserer Wirtschaft zu erhalten. Deshalb entlastet diese Koalition die breite Mitte der Einkommensbezieher mit dem Inflationsausgleichsgesetz spürbar, und deshalb unterstützt diese Koalition vor allem auch mit dem Bürgergeld, mit der Erhöhung des Kindergelds auf 250 Euro und mit dem neuen Wohngeld Plus gerade diejenigen, die inmitten einer der schwersten Krisen seit Bestehen der Bundesrepublik dringend Hilfe nötig haben. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Liebe Kolleginnen und Kollegen, Zusammenhalt in der Zeitenwende, das heißt zweitens: Wir stehen zu unserer internationalen Verantwortung, und wir lassen die Menschen nicht im Stich. Wir sind solidarisch mit unseren europäischen und transatlantischen Partnern, und wir sind solidarisch mit den Ländern des Globalen Südens. Deshalb haben wir noch in diesem Jahr 1 Milliarde Euro für den Kampf gegen den Hunger freigegeben. Deshalb erhöhen wir für das nächste Jahr die Etats von Außen- und Entwicklungshilfeministerium zusätzlich um jeweils 1 Milliarde Euro. Deshalb stärken wir den weltweiten Kampf gegen den Hunger. Deshalb stärken wir die humanitäre Hilfe. Deshalb stärken wir die zivile Krisenprävention. Aber deshalb investieren wir auch in unsere Sicherheit und Freiheit und erfüllen unsere Bündnisverpflichtungen. Deshalb schließen wir jetzt schnell die Fähigkeitslücken unserer Bundeswehr mit der Rekordsumme von erneut über 50 Milliarden Euro im Verteidigungshaushalt, plus zusätzlich erstmals rund 8,4 Milliarden Euro aus dem 100-Milliarden-Euro-Sondervermögen. Meine Damen und Herren, Zusammenhalt in der Zeitenwende, das heißt drittens: Wir sind auch solidarisch mit unseren Kindern und Kindeskindern und stellen die Weichen für eine gute Zukunft. Deshalb investieren wir in die Digitalisierung, in Forschung und Wissenschaft und in die Transformation unserer Wirtschaft. Deshalb stellen wir alleine über den Klima- und Transformationsfonds im nächsten Jahr 35 Milliarden Euro zur Verfügung. Deshalb investieren wir massiv in die Gebäudesanierung, in die Dekarbonisierung unserer Wirtschaft, in den Marktdurchbruch der Wasserstoffwirtschaft, in den Ausbau der Ladeinfrastruktur oder auch in die Digitalisierung der Schiene. Solidarität mit unseren Kindern heißt auch – und das betone ich ausdrücklich –, dass diese Ampelkoalition eine durch und durch seriöse und verantwortungsvolle Finanzpolitik macht. Dazu gehört erstens, dass die krisenbedingten Mittel für die Bundeswehr und die Energiehilfen jeweils gesondert ausgewiesen werden: transparent und mit klarer Zweckbestimmung. (Sebastian Brehm [CDU/CSU]: Transparent? Das schaut aber anders aus!) Dazu gehört zweitens, dass diese Ampelkoalition im Bundeshaushalt 2023 die Schuldenbremse wieder einhält. Die Solidität dieser Koalition beweisen dabei insbesondere zwei der wichtigsten Kennziffern: Zum einen wird die Schuldenquote in den nächsten Jahren trotz aller Entlastungspakete und Abwehrschirme leicht sinken – sinken, meine Damen und Herren! Mit anderen Worten: Deutschland und seine öffentliche Finanzen werden nach der Krise in etwa so dastehen wie vor der Krise; wir unterbrechen lediglich die schnelle Entschuldung der letzten Jahre. Deswegen ist es auch so verwunderlich, dass Sie als Opposition immer nur auf die absoluten Zahlen eingehen und damit ökonomisch nicht mal die halbe Wahrheit erzählen. Es ist vielmehr klar: Christian Lindner setzt hier den verantwortungsvollen finanzpolitischen Kurs von Olaf Scholz fort. Zum anderen – das ist sicherlich genauso bemerkenswert in diesem Zusammenhang – plant der Bund trotz Schuldenbremse im nächsten Jahr mit Rekordinvestitionen in Höhe von 71 Milliarden Euro. 71 Milliarden Euro – das ist eine weltmeisterliche Investitionsquote, meine Damen und Herren. Die für 2023 geplante Neuverschuldung wird gerade nicht verfrühstückt, sondern komplett und vollständig in die Zukunft unseres Landes investiert, damit unsere Kinder es besser haben. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Dr. Florian Toncar [FDP]) Liebe Kolleginnen und Kollegen, kurz und gut: Deutschland spielt im kommenden Jahr mit einer starken Abwehr gegen die großen Krisen und mit einem mindestens genauso starken Angriff, um die Zukunft zu gewinnen und um unser Land und die Welt sicherer, gerechter und klimafreundlicher zu machen. Weil wir dabei auf mannschaftliche Geschlossenheit und Zusammenhalt in der Zeitenwende setzen, wird unser Land ganz vorne mitspielen; davon bin ich überzeugt. Herzlichen Dank. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP – Sebastian Brehm [CDU/CSU]: Amen!) Präsidentin Bärbel Bas: Nächste Rednerin: für die Fraktion Die Linke Janine Wissler. (Beifall bei der LINKEN) Janine Wissler (DIE LINKE): Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Die Inflation verschärft die soziale Spaltung. Sogar Ihr Sachverständigenrat empfiehlt in dieser Situation, zumindest zeitweise die Steuern für Spitzenverdiener und Vermögende zu erhöhen. Und ich sage Ihnen: Wenn Sie schon nicht auf uns, Die Linke, hören, dann hören Sie doch wenigstens auf die Sachverständigen, die Sie selbst benannt haben, und erhöhen Sie in dieser Situation die Steuern für die Reichen in diesem Land! (Beifall bei der LINKEN) Für Menschen mit kleinem Einkommen, die von Armut betroffen sind, tun Sie viel zu wenig mit diesem Haushalt. Die Kindergrundsicherung schieben Sie auf die lange Bank; bei der Aktienrente ging es deutlich schneller. Und beim Bürgergeld erleben wir ein unwürdiges Schmierentheater auf dem Rücken der Betroffenen. Die Ampel legt einen mehr als dürftigen Gesetzentwurf vor, (Zuruf des Abg. Kay Gottschalk [AfD]) der mit der Überwindung von Hartz IV wirklich überhaupt nichts zu tun hat. (Beifall des Abg. Alexander Ulrich [DIE LINKE]) 53 Euro mehr, die Sie den Menschen versprochen haben, haben doch nichts mit Respekt zu tun, meine Damen und Herren! (Beifall bei der LINKEN) Und die mickrigen Verbesserungen bei Schonvermögen, Zwangsumzügen und Sanktionen, von denen die Menschen, die jetzt schon im Hartz-IV-Bezug sind, sowieso nichts haben – das muss man immer wieder sagen –, werden aller Voraussicht nach den Vermittlungsausschuss nicht überleben – dank der Union, mit freundlicher Unterstützung der FDP. Das ist wirklich beschämend, was Sie dort getan haben, meine Damen und Herren. (Beifall bei der LINKEN) Die Union gönnt den Menschen nicht mal die kleinste Verbesserung und versucht, Niedriglöhner gegen Sozialleistungsbezieher auszuspielen. Das ist schäbig. Als ob hart arbeitende Menschen, von denen Sie immer reden, irgendeine Verbesserung dadurch hätten, dass die alleinerziehende Hartz-IV-Bezieherin sanktioniert wird, weil sie einen Termin verpasst hat, oder zwangsweise umziehen muss. Nein, was diese Menschen brauchen, das sind wirksame Tariftreuegesetze und höhere Mindestlöhne. (Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Die CDU/DSU war immer dagegen und hat immer dagegengestimmt. Deswegen ist es heuchlerisch, wenn Sie sich als Anwalt der hart arbeitenden Menschen darstellen. Frau Präsidentin, ich komme zum Schluss. – Das ist ein Wettbewerb der Schäbigkeit auf dem Rücken der Betroffenen, an dem wir uns nicht beteiligen. (Zurufe der Abg. Frauke Heiligenstadt [SPD] und Peter Boehringer [AfD]) Ihnen sind bei den Superreichen in diesem Land nicht einmal Schonvermögen in Milliardenhöhe hoch genug. Da sollte man ansetzen, bei den Schonvermögen der Superreichen, (Beifall der Abg. Susanne Ferschl [DIE LINKE]) aber doch nicht bei den Altersrücklagen von Menschen im Sozialleistungsbezug. Vielen Dank. (Beifall bei der LINKEN) Präsidentin Bärbel Bas: Nächster Redner: für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Dr. Sebastian Schäfer. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP) Dr. Sebastian Schäfer (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Unser Land steckt in der wahrscheinlich schwierigsten Situation, seit es 1949 als demokratischer Staat begründet wurde. Die Multidimensionalität der Krisen ist in diesem Hohen Haus immer wieder angesprochen worden. Durch den Überfall Russlands auf die gesamte Ukraine und die wirtschaftlichen Folgen – am deutlichsten sichtbar ist die extreme Preisentwicklung vor allem im Energiebereich – sind wir in noch schwereres Fahrwasser gekommen. Diese Krisen sind alles andere als ausgestanden; sie werden auch nicht schnell vorbeigehen. Wir müssen uns auf eine grundlegend veränderte Normalität einstellen, gesellschaftlich wie politisch. Dennoch will ich heute konstatieren, dass es Anlass für vorsichtigen Optimismus gibt. Es ist dieser Regierung gelungen, die Energieversorgung so sicherzustellen, dass es in diesem Winter aller Voraussicht nach nicht zu einer Gasmangellage kommen wird. Die Industrie konnte im Vergleich zum Vorjahr in den letzten Monaten bei der Produktion zulegen und hat dennoch mehr als 20 Prozent des Gasverbrauchs eingespart. Das ist wirklich bemerkenswert und ein großer Erfolg, der die Stärke unseres Standorts unter Beweis stellt. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP) Mit den Mitteln aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds können wir eine solide Brücke bis ins Frühjahr 2024 bauen und Bürgerinnen und Bürger, soziale Einrichtungen und Unternehmen bei den hohen Energiepreisen entlasten und gleichzeitig wichtige Anreize zum Energiesparen setzen. Wir stellen dafür staatliche Mittel in erheblichem Umfang zur Verfügung und müssen dafür 200 Milliarden Euro Verschuldung mehr aufnehmen, und dennoch ist es nicht möglich, alle Belastungen zu kompensieren. Das würde uns als Staat überfordern. Um durch diese Krisen zu kommen, brauchen wir die ganze Gesellschaft. Ich will an dieser Stelle den Sozialpartnern in der Metall- und Elektroindustrie danken. Der Pilotabschluss der IG Metall Baden-Württemberg, der zentral ist für die Leitindustrie in unserem Land, wird breit übernommen. Das betrifft 3,9 Millionen Beschäftigte. Dieser Abschluss ist von großer Verantwortung geprägt. Mit der zweistufigen Entgeltsteigerung erhalten die Kolleginnen und Kollegen in den Betrieben eine ordentliche Lohnsteigerung, die tabellenwirksam ist. Mit der steuer- und abgabefreien Inflationsprämie in Höhe von 3 000 Euro in zwei Tranchen bleibt die Kaufkraft stabil. Durch die lange Laufzeit und die Möglichkeit, Tarifbestandteile zu verschieben oder ausfallen zu lassen, verschafft der Abschluss den Unternehmen gleichzeitig sehr stabile Rahmenbedingungen. Ich darf das „Handelsblatt“ vom gestrigen Tage zitieren: Die im dritten Entlastungspaket der Bundesregierung enthaltene Möglichkeit, Sonderzahlungen ... auszuzahlen, hat erheblichen Druck aus den Tarifkonflikten genommen. Damit verringert sich auch der Inflationsdruck; eine Lohn-Preis-Spirale ist nicht zu erwarten. Das ermöglicht die kluge Politik dieser Ampelregierung, und das ist in diesen Zeiten ein großes Verdienst. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP) Präsidentin Bärbel Bas: Gestatten Sie eine Zwischenfrage oder Zwischenbemerkung aus der Fraktion Die Linke? Dr. Sebastian Schäfer (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Nein, danke. – Wir sehen im Oktober einen spektakulären Rückgang der Erzeugerpreise. Das gibt Hoffnung, dass wir den Höhepunkt der Inflation bereits erreicht haben. Auch die Konjunkturaussichten haben sich in den letzten Wochen deutlich verbessert. Aktuell, im Oktober, sehen wir auch wieder deutlich steigende Steuereinnahmen. Insgesamt bleibt die Situation dennoch kompliziert. Wir brauchen nach wie vor die Solidarität der Bürgerinnen und Bürger, dass sie ihren Energieverbrauch möglichst reduzieren. Wir als Ampel legen nach dem parlamentarischen Verfahren einen hervorragenden Bundeshaushalt 2023 vor; aber wir müssen weiterarbeiten, um künftig zielgenauere Entlastungen umzusetzen. Herzlichen Dank. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP) Präsidentin Bärbel Bas: Bevor ich den nächsten Redner aufrufe, hat der Abgeordnete Alexander Ulrich das Wort zu einer Kurzintervention. Alexander Ulrich (DIE LINKE): Herr Dr. Schäfer, Sie haben eben das Tarifergebnis in der Metall- und Elektroindustrie angesprochen. Ich bin IG-Metaller. Ja, es war ein richtig guter Abschluss; das haben unsere Leute gut hingekriegt. Aber wir haben trotzdem ein Problem, und darauf will ich Sie ansprechen. Es war ja die Bundesregierung, die festgestellt hat, dass man eine zusätzliche Entlastung in Höhe von 3 000 Euro bräuchte. Die Tarifpartner versuchen, das jetzt umzusetzen. Nach der IGBCE gelang dies jetzt der IG Metall, und ich glaube, auch im öffentlichen Dienst werden wir Ähnliches erleben. Aber wir müssen feststellen, dass Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in diesem Land leider nicht unter eine Tarifbindung fallen, und zwar oftmals nicht deshalb, weil sie nicht Mitglied einer Gewerkschaft sind. Was sagen Sie denn der Bäckereiverkäuferin, was sagen Sie denn der Arzthelferin oder anderen Arbeitnehmern, die schon bei der Coronaprämie leer ausgegangen sind, warum sie auch von diesen 3 000 Euro wahrscheinlich nichts bekommen werden, weil ihre Arbeitgeber das nicht zahlen werden? (Kay Gottschalk [AfD]: Vielleicht auch nicht können!) Glauben Sie nicht, es wäre sinnvoll, zu einer Lösung etwa in Form einer Pauschale zu kommen, bei der alle Arbeitnehmer in diesem Land berücksichtigt werden können? Dann müsste die Bundesregierung auch nicht noch weitere Gesetze und Entlastungen auf den Weg bringen. (Beifall bei der LINKEN – Kay Gottschalk [AfD]: Das Geld fällt nicht vom Himmel!) Präsidentin Bärbel Bas: Herr Dr. Schäfer, möchten Sie antworten? Dr. Sebastian Schäfer (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Die Bundesregierung und die Koalition haben ja sehr umfängliche Entlastungen für die gesamte Bevölkerung beschlossen, auch für den Teil, der leider nicht in den Genuss einer solchen Inflationsprämie kommt. Wir hatten die Einmalzahlung im September, und wir haben eine große Steuertarifreform mit einer deutlichen Erhöhung des Grundfreibetrages, die jetzt zum 1. Januar 2023 greifen wird; Herr Kollege Meyer hat die Rekorderhöhung des Kindergeldes erwähnt. (Zuruf von der LINKEN: Wow!) Eine solch umfassende steuerliche Erleichterung hat es in der Geschichte des Landes noch nicht gegeben; (Sebastian Brehm [CDU/CSU]: Na ja!) und die wird bei allen Bürgerinnen und Bürger ankommen. Ich wünsche natürlich möglichst vielen, dass sie auch eine Inflationsprämie erhalten. Da müssen die Bürgerinnen und Bürger mit ihren Arbeitgebern sprechen. Ich hoffe, dass sie die Chancen, die jetzt da sind, entsprechend nutzen. (Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN, der SPD und der FDP – Alexander Ulrich [DIE LINKE]: Ein bisschen mau!) Präsidentin Bärbel Bas: Als nächster Redner erhält das Wort Sebastian Brehm für die CDU/CSU-Fraktion. (Beifall bei der CDU/CSU) Sebastian Brehm (CDU/CSU): Liebe Frau Präsidentin! Lieber Herr Finanzminister Lindner! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Herr Lindner, Sie stellen Ihren Haushalt unter die Überschrift „Weichenstellung für eine höhere Resilienz der öffentlichen Finanzen“. Tatsächlich sind Sie aber mit über 545 Milliarden Euro die Regierung mit der höchsten Schuldenaufnahme innerhalb eines Jahres seit Bestehen der Bundesrepublik Deutschland. (Beifall bei der CDU/CSU – Zuruf des Abg. Christoph Meyer [FDP]) 200 Milliarden Euro Sondervermögen, Doppel-Wumms, Abwehrschirm: Genau definiert ist noch gar nichts. Warum das so lange gedauert hat? Weil Sie erst mit der Gasumlage herumgeeiert haben, um dann festzustellen, dass unser Vorschlag mit der Gaspreisbremse der richtige Vorschlag ist. (Beifall bei der CDU/CSU) 100 Milliarden Euro Sondervermögen für die Bundeswehr: (Christoph Meyer [FDP]: Da haben Sie zugestimmt!) Das ist richtig, aber Sie müssen es auch mit der notwendigen Geschwindigkeit auf die Schiene bringen und dürfen nicht, wie jetzt, einfach warten, abwarten und zögern. Mit einem zumindest aus unserer Sicht nicht verfassungsgemäßen Nachtragshaushalt 2021 kommt es zu 60 Milliarden Euro Neuverschuldung. Wir lassen das gerade durch das Bundesverfassungsgericht prüfen. Wir sehen darüber hinaus 140 Milliarden Euro minus im laufenden Haushalt 2022 und 45,6 Milliarden Euro minus im geplanten Haushalt 2023, ohne dass Sie unter dem Strich Einsparungen vornehmen. Mit Ihrer Politik kommt es zu einer Verzehnfachung der Zinslasten für die kommenden Jahre auf über 40 Milliarden Euro pro Jahr. (Christoph Meyer [FDP]: In welcher Parallelwelt leben Sie eigentlich?) Sie beseitigen damit jeglichen Handlungsspielraum für die künftigen Haushalte: Handlungsspielraum für notwendige Investitionen, Handlungsspielraum für weitere Entlastungen der Bürgerinnen und Bürger, Handlungsspielraum für die von Ihnen, Herr Kollege Lindner, immer wieder erwähnten und gepriesenen notwendigen Steuersenkungen. Das Gegenteil ist der Fall, nämlich keine Steuerentlastung in 2022, sondern die kalte Progression wird erst ab 2023 ausgeglichen. (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU – Christoph Meyer [FDP]: Sie haben das doch falsch eingeschätzt!) Und weil Sie gerade in Ihrer Rede gesagt haben, Sie seien gegen Steuererhöhungen: Sie planen gerade mit dem Jahressteuergesetz 2022 eine Übergewinnsteuer, (Christoph Meyer [FDP]: Stimmt nicht! – Matthias W. Birkwald [DIE LINKE]: Hoffentlich!) und Sie erhöhen im selben Gesetz drastisch die Erbschaft- und Schenkungsteuer. (Beifall bei der CDU/CSU – Christoph Meyer [FDP]: Das ist die Seehofer-Steuer, Herr Kollege! Das hat Herr Seehofer angeleiert! Das waren Sie!) Also: Sagen Sie die Wahrheit! Die FDP ist die Steuererhöhungspartei in dieser Regierung geworden. (Christian Lindner, Bundesminister: Seehofer-Steuer!) Sie missbrauchen damit das Vertrauen der Menschen, die Tag für Tag zur Arbeit gehen, fleißig sind, sich etwas ersparen und auch der nächsten Generation etwas weitergeben wollen. Sie haben vorhin gesagt, das müsse erhalten bleiben und auch an die nächste Generation weitergegeben werden. Also hoffe ich auf Sie, dass diese unsägliche Erhöhung der Erbschaft- und Schenkungsteuer aus dem Jahressteuergesetz 2022 noch rausgenommen wird. (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU – Christoph Meyer [FDP]: Die Seehofer-Steuer soll zurückgenommen werden? – Matthias W. Birkwald [DIE LINKE]: Sie wollen einen Schutzschirm für Superreiche! Das geht nicht!) Mit dem Bürgergeld schaffen Sie Leistungsanreize ab. Deutschland verdient motivierte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Sie demotivieren sie Tag für Tag. Das ist respektlos gegenüber den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, die früh zur Arbeit gehen und arbeiten. (Matthias W. Birkwald [DIE LINKE]: Welcher Arbeitnehmer hat denn Millionenerbschaften? – Zurufe der Abg. Jamila Schäfer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Amira Mohamed Ali [DIE LINKE]) Das hat nichts mehr mit der Grundidee der sozialen Marktwirtschaft in Deutschland zu tun. Nur mit Wachstum und motivierten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern kommen wir aus der Krise. Sie verhindern mit diesem Bürgergeld Wachstum und senken die Motivation der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, und deswegen werden wir das nicht unterstützen. (Beifall bei der CDU/CSU – Frauke Heiligenstadt [SPD]: Haben sich Ihre Rhetoriker schon an die neuesten Nachrichten angepasst? Die Rede ist von gestern!) Und Sie machen die Menschen in unserem Land jeden Tag Stück für Stück ärmer; denn mit Ihren 545 Milliarden Euro Schulden heizen Sie die Inflation erst richtig an. Wir haben die höchsten Steuereinnahmen seit Bestehen der Bundesrepublik Deutschland – Tendenz steigend –, und Sie schaffen es nicht, mit den hohen Steuereinnahmen auszukommen und für die notwendigen Finanzierungen zu sorgen. Der Bundesrechnungshof hat ein vernichtendes Urteil über Ihren Haushalt gefällt und davon gesprochen, dass er gegen den verfassungsmäßigen Grundsatz der Jährlichkeit verstößt und dass mit diesem Sondervermögen die Intransparenz erhöht wird. (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU – Frauke Heiligenstadt [SPD]: Über welchen Haushalt reden Sie eigentlich? – Jamila Schäfer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ein bisschen mehr Lösung wäre angebracht! Ein bisschen mehr Demut auch!) Liebe Kolleginnen und Kollegen, diese maximale Intransparenz, für die Sie sorgen, führt dazu, dass Sie die Kontrolle über die Staatsfinanzen gänzlich verloren haben. Dieser Eindruck wird auch bestärkt in allen Ausschusssitzungen, wenn wir Fragen stellen. Sie machen hier eine intransparente, bewusst verdeckende Politik. (Beifall bei der CDU/CSU) Wir brauchen wettbewerbsfähige Unternehmen, und wir erwarten von Ihnen, Herr Lindner, dass Sie endlich die notwendigen Steuerreformen für die Unternehmen auf den Weg bringen. Wir haben im Rahmen der Haushaltsberatungen genug Einsparungsvorschläge gemacht. (Lachen bei der FDP – Zurufe vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und von der FDP: Welche denn? – Otto Fricke [FDP]: Lächerlich!) Wir hätten die Neuverschuldung auch drücken können. Sie haben unsere Anträge auf Einsparungen komplett abgelehnt. Deswegen werden wir diesen Haushalt selbstverständlich ablehnen müssen. Herzlichen Dank. (Beifall bei der CDU/CSU – Otto Fricke [FDP]: Kein einziger konkreter Vorschlag!) Präsidentin Bärbel Bas: Noch mal kurz zur Erinnerung: Zwischenrufe, Kommentierungen oder Bemerkungen von der Regierungsbank sind nicht gestattet. Ich bitte, das zu berücksichtigen. (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU) Jetzt haben wir den nächsten Redner: von der SPD-Fraktion Armand Zorn. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP) Armand Zorn (SPD): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Herr Bundesminister Christian Lindner, ich kann Sie absolut verstehen. Ich weiß, Zwischenrufe von der Regierungsbank sind hier nicht gestattet, aber es ist tatsächlich schwierig, hier zuzuhören, ohne etwas zuzurufen. – Herr Kollege Brehm, ich schätze Sie sehr, aber Ihre Rede sollten Sie sich im Nachhinein noch mal anschauen. Dann machen wir mal einen Faktencheck, und dann werden Sie feststellen: Sie haben hier heute viele Unwahrheiten erzählt. – Das hätte ich von Ihnen persönlich niemals gedacht, ehrlich gesagt. (Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie des Abg. Matthias W. Birkwald [DIE LINKE]) Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir leben zweifelsfrei in einer der schwierigsten Zeiten seit Gründung der Bundesrepublik. Der russische Angriffskrieg und die multiplen Krisen stellen uns alle vor gewaltige Herausforderungen. Viele Menschen sind verunsichert, und das zu Recht. Was sie von der Politik erwarten, ist, dass wir Sicherheit und Zuversicht ausstrahlen. Wir als Ampelkoalition haben ein Versprechen abgegeben, und der Bundeskanzler hat das immer mit dem Satz „You’ll never walk alone“ festgehalten und oft davon gesprochen, dass wir uns unterhaken müssen. Manch einer hat das vielleicht nicht verstanden. Viele Abgeordnete der Unionsfraktion haben das belächelt und kritisiert. Aber was steckt eigentlich hinter diesem Satz? Hinter diesem Satz steckt das Versprechen, dass wir jetzt in der Krise keinen Menschen zurücklassen wollen, dass wir jetzt in der Krise dafür sorgen wollen, dass wir alle mitnehmen und dass wir solidarisch durch die Krise kommen, und dafür steht auch diese Ampelkoalition. (Beifall bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP – Stefan Keuter [AfD]: Sind doch alles Phrasen!) – Nein, das sind keine Phrasen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Haushaltsdebatte ist auch die Stunde der Wahrheit. Da zeigt sich nämlich, ob sich das, was die Bundesregierung sagt, was die Ampelkoalition sagt, tatsächlich auch im Haushalt wiederfindet. Der Bundeshaushalt 2023 ist sehr gelungen. Uns ist etwas gelungen, was gar nicht so einfach ist, nämlich ein Trilemma aufzulösen: auf der einen Seite für Zusammenhalt und Unterstützung für die Menschen, für die sozialen Einrichtungen, für die Wirtschaft zu sorgen, zeitgleich aber auch in die Transformation und in die Zukunft zu investieren und nicht zuletzt hier auch haushaltspolitisch vernünftig zu handeln. Es war keine einfache Aufgabe, so ein Trilemma aufzulösen. Deswegen gilt mein Dank dem Bundesfinanzminister für den sehr guten Haushaltsentwurf, der parlamentarisch noch weiterentwickelt wurde. Vielen Dank dafür auch noch mal an die Kollegen im Haushaltsausschuss. (Beifall bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP – Kay Gottschalk [AfD]: Schönreden! Also, er kann gut jonglieren; das stimmt!) Um auch zu zeigen, dass es keine Phrasen sind: Wir sagen: Wir stärken den Zusammenhalt und sorgen für mehr Gerechtigkeit. Es gibt drei Beispiele, anhand derer recht deutlich wird, wie wir das machen: Erster Punkt. Die Entlastungspakete, die wir beschlossen haben, sind konkret im Haushalt etatisiert worden. Wir haben den Heizkostenzuschuss, die Energiepauschale, das Wohngeld Plus. Viele Maßnahmen, die wir beschlossen haben, finden sich im Haushalt wieder; er ist somit transparent. Der zweite Punkt betrifft die Zufallsgewinne. Wir haben heute Morgen auch darüber gesprochen. Wir haben gesagt, dass es jetzt in der Krise auch wichtig ist, die Zufallsgewinne, die auf dem Strommarkt entstehen, abzuschöpfen. Das ist das, was wir machen werden. (Sebastian Brehm [CDU/CSU]: Was ist ein Zufallsgewinn? – Zuruf des Abg. Peter Boehringer [AfD]) Es gibt aber auch Zufallsgewinne, die beim Staat entstehen. Aufgrund der hohen Inflation haben wir hohe Steuereinnahmen, und deswegen war es uns als Ampelkoalition sehr wichtig, mit dem Inflationsausgleichgesetz dafür zu sorgen, dass wir den Abbau der kalten Progression weiter vorantreiben und die Mehreinnahmen von 18 Milliarden Euro an die Menschen zurückgeben. (Kay Gottschalk [AfD]: Ab 2023!) Das sind spürbare Unterstützungen, die viele Menschen deutlich spüren werden, und dafür steht diese Ampelkoalition. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP) Der dritte und letzte Punkt, der auch noch mal zeigt, wie wir hier für mehr Gerechtigkeit und für mehr Zusammenhalt sorgen wollen, betrifft die Bekämpfung von Steuervermeidung und Geldwäsche. Es ist immer sehr schwierig, wenn in einer Gesellschaft bestimmte Menschen ihren Beitrag nicht leisten wollen oder Geldwäsche betreiben, aber insbesondere in Krisenzeiten ist es eine Frage von Gerechtigkeit und Zusammenhalt, dass wir entschieden gegen Geldwäsche und Steuervermeidung vorgehen. Deswegen haben wir den Etat des Zolls erhöht und dafür gesorgt, dass wir jetzt beispielsweise bei der IT-Ausstattung viel progressiver vorgehen können. Deshalb erhöhen wir auch die Anzahl der Stellen beim Zoll und bei der Financial Intelligence Unit. Das ist das, wofür diese Ampelkoalition steht, und das ist unsere Vorstellung von mehr Gerechtigkeit auch in der Steuerpolitik. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Otto Fricke [FDP]) Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Ampelkoalition und die Bundesregierung wissen, in welchen Zeiten wir uns befinden. Das Versprechen, das wir abgegeben haben, gilt. Wir werden jetzt in der Krise die Menschen nicht alleine lassen. (Martin Reichardt [AfD]: Die wären doch froh, wenn sie von Ihnen in Ruhe gelassen würden! – Zuruf des Abg. Kay Gottschalk [AfD]) Wir werden alles Mögliche tun, um die Menschen zu unterstützen, um soziale Einrichtungen zu unterstützen, um die Unternehmen zu unterstützen. Ich würde mir das auch von den verschiedenen Fraktionen hier im Hause wünschen, zumindest von denen, die dazu in der Lage sind. Dazu zähle ich die Fraktion Die Linke und die Unionsfraktion. Arbeiten Sie konstruktiv mit, anstatt hier immer wieder zu polemisieren! Vielen lieben Dank, Frau Präsidentin. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP – Kay Gottschalk [AfD]: Sie zählen Die Linke dazu! Toll!) Vizepräsidentin Aydan Özoğuz: Ich grüße Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen. Sogleich gebe ich das Wort an den fraktionslosen Abgeordneten Robert Farle weiter. (Beifall der Abg. Dr. Christina Baum [AfD]) Robert Farle (fraktionslos): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Inflation im zweistelligen Bereich, schrumpfende Wirtschaft, astronomische Energiekosten mit Pleitewellen und Arbeitsplatzvernichtung, fortlaufende Masseneinwanderung in die Sozialsysteme, inflationsgetriebene Rekordsteuereinnahmen bei gleichzeitiger Rekordneuverschuldung von circa 200 Milliarden Euro, Doppel-Wumms: Und Sie, Herr Finanzminister Lindner, behaupten allen Ernstes, die Schuldenbremse werde eingehalten. Ihr Bundeshaushalt verschleiert doch nur die katastrophale Situation unserer Staatsfinanzen. Wofür geben Sie das Geld aus, das Sie überhaupt nicht haben? Circa 65 Milliarden Euro werden ans Ausland verschenkt. Wenn Sie das nicht glauben, lesen Sie das doch beim Kieler Institut für Weltwirtschaft nach. Seit 2010 haben sich die Zahlungen an die EU von 18 auf 33 Milliarden Euro erhöht. Das ist doppelt so viel wie für Bildung und Forschung. Mehr als 10 Milliarden Euro kostet die Vollversorgung von 600 000 Ukrainern in unserem Land. (Frauke Heiligenstadt [SPD]: Stimmt nicht! – Bettina Hagedorn [SPD]: Schämen Sie sich!) Für das leistungslose Bürgergeld sind 24 Milliarden Euro eingeplant. 200 Milliarden Euro Energiepreisbremse könnte man sparen, wenn die intakte Pipeline von Nord Stream 2 für günstiges russisches Gas geöffnet würde. Weitere 6,5 Milliarden Euro für die Flüssiggasterminals sind dann ebenfalls unnötig. 10 000 neue Mitarbeiter für die Ministerien sollen den Berliner Wasserkopf aufblähen; (Bettina Hagedorn [SPD]: Bundespolizisten und Zöllner!) nicht zu vergessen: die 777 Millionen Euro für das exorbitant teure Kanzleramt. Und noch eines: So notwendig die 100 Milliarden Euro für die Ertüchtigung unserer Bundeswehr sind: Wieso wollen Sie Kampfjets und Hubschrauber in den USA einkaufen und keinerlei Kompensationsgeschäfte zur Bedingung machen? Deutsche Unternehmen sollen nicht einmal bei Wartungen, Instandhaltungen berücksichtigt werden. Sie finanzieren damit den Aufschwung in den USA mit enormen Schulden für kommende Generationen, (Beifall der Abg. Dr. Christina Baum [AfD]) enteignen inflationär Deutsche, damit in den USA Wertschöpfung, Innovation und Steuereinnahmen sprudeln. (Zuruf der Abg. Frauke Heiligenstadt [SPD]) Sie zerstören unsere eigene Wirtschaftskraft und unseren Mittelstand – das ist Deindustrialisierung – und ersetzen die Gasabhängigkeit von Russland durch die LNG-Abhängigkeit von teurem Gas aus den USA. Machen Sie Schluss damit, und kümmern Sie sich mal um die deutschen Interessen in Deutschland! Vielen Dank, meine Damen und Herren. (Beifall bei Abgeordneten der AfD – Johannes Steiniger [CDU/CSU]: Es sprach Wladimir Putin! – Gegenruf des Abg. Robert Farle [fraktionslos]: Was Besseres fällt euch nun wirklich nicht mehr ein! Das ist überhaupt kein Argument! – Gegenruf des Abg. Kay Gottschalk [AfD]: Da hat er recht! – Heiterkeit bei der AfD) Vizepräsidentin Aydan Özoğuz: Es folgt für Bündnis 90/Die Grünen die Kollegin Jamila Schäfer. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP) Jamila Schäfer (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wie viele Kolleginnen und Kollegen im Haushaltsausschuss habe ich in den letzten Wochen mit vielen Bürgerinnen und Bürgern und Verbänden über die konkrete Ausgestaltung dieses Bundeshaushalts gesprochen. Und das zeigt, dass die Frage, wie das Geld in diesen Krisen ausgegeben wird, relevanter denn je ist. Der Haushalt wird längst als wichtiges politisches Instrument verstanden. Und dass wir dieses Verständnis gemeinsam geschaffen haben, das können wir als wichtigen Erfolg verbuchen. Doch wir haben in diesen parlamentarischen Haushaltsverhandlungen auch noch was anderes geschafft: Wir haben uns des Regierungsentwurfs mit sehr großem Ehrgeiz angenommen. (Zuruf des Abg. Martin Reichardt [AfD]) Und gerade in diesen Zeiten, in denen unsere Demokratie von allen Seiten angegriffen wird, macht es mich stolz, dass dieses Parlament in der demokratischen Willensbildung so stark ist und auch klare Entscheidungen trifft. Ich danke allen Kolleginnen und Kollegen im Haushaltsausschuss für die konstruktive Zusammenarbeit. Gemeinsam haben wir den Entwurf der Bundesregierung ein ganzes Stück besser gemacht. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD) Mit diesem Bundeshaushalt setzen wir dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und den daraus folgenden humanitären Krisen etwas entgegen: 2 Milliarden Euro gegen Autokraten, 1 Milliarde Euro mehr als vorgesehen für eine wertegeleitete Außenpolitik (Stephan Brandner [AfD]: Feministische Außenpolitik!) und 1 Milliarde Euro mehr für eine solidarische und gerechte Entwicklungszusammenarbeit. (Zurufe von der AfD) – Ja, dass Ihnen das nicht passt, das weiß ich schon. – So schaffen wir Handlungsfähigkeit in globalen Krisen und setzen ein klares Signal gegen Putin, das Mullah-Regime und deren Helfershelfer. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der FDP – Zurufe von der AfD) Wir unterstützen die mutigen Menschen in der Ukraine und im Iran. Und wir sorgen dafür, dass die Ärmsten der Armen nicht die Leidtragenden dieses Krieges sind. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD – Stephan Brandner [AfD]: Studieren Sie erst mal zu Ende!) Wir stehen im Haushaltsausschuss immer wieder vor der Herausforderung, jetzt mit Krisen umzugehen, vor denen eigentlich vor Jahrzehnten schon gewarnt wurde. Und verantwortungsbewusste Politik muss Krisen erkennen und auffangen, bevor sie über uns hereinbrechen. Dass wir diese wirksame Krisenprävention in den letzten Jahren oft nicht hinbekommen haben, daran hat leider auch die Union einen größeren Anteil. Deswegen würde ich Ihnen da auch an manchen Stellen zu etwas mehr Demut raten. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP und des Abg. Armand Zorn [SPD]) Man kann ja jetzt hoffen, Sie lernen daraus und machen es heute besser. Aber ein aktuelles Beispiel, das wir gerade schon besprochen haben, zeigt, dass das noch nicht der Fall ist. Mit der Aufladung des Wirtschaftsstabilisierungsfonds nehmen wir jetzt im Rekordtempo 200 Milliarden Euro Kredite auf. Das ist auch dringend notwendig, um die Menschen und die Unternehmen zu entlasten und um ihnen in diesen unsicheren Zeiten Stabilität zu geben. Das machen wir auch, um die fossile Abhängigkeit abzupuffern, die Sie mit verursacht haben. Doch was machen Sie? Sie lehnen die erneute Aufladung des WSF vollumfänglich ab, und Sie kritisieren die schnellen Hilfen, ohne einen konkreten Gegenvorschlag zu machen. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP – Sven-Christian Kindler [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das ist ja peinlich!) Und was sagt uns das? Wenn es darauf ankommt, sind Sie nicht bereit, den vielen Familien, den Alleinerziehenden, dem Mittelstand oder dem Handwerk zu helfen. Wenn es darauf ankommt, dann kommt von Ihnen parteipolitische Kritik, aber keine Konstruktivität in der Krise. Schlecht gespart ist für unsere Wirtschaft nämlich vor allem eins: schlecht. Und deswegen brauchen wir Investitionen in unsere Widerstandsfähigkeit. Die brauchen wir, auch weil Sie die Versäumnisse der Vergangenheit nicht bewältigen konnten. Und deswegen leisten wir sie. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD) Was wir jetzt brauchen, ist eine Politik, die die Zukunft im Blick hat, die bei der Eindämmung der bestehenden Krisen keine neuen schafft. (Zuruf des Abg. Martin Reichardt [AfD]) Ich finde es gut, dass wir mit diesem vorliegenden Haushalt einen wichtigen Schritt in diese Richtung gehen. Vielen herzlichen Dank. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP) Vizepräsidentin Aydan Özoğuz: Nächste Rednerin in dieser Debatte ist Dr. Ingeborg Gräßle für die CDU/CSU-Fraktion. (Beifall bei der CDU/CSU) Dr. Ingeborg Gräßle (CDU/CSU): Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass nicht nur die Regierung, der Finanzminister, sondern auch die Koalitionsfraktionen überfordert sind, so haben wir ihn, glaube ich, heute Morgen gesehen: Alle sind gleichmäßig überfordert. Die einen flüchten sich, Herr Minister, in die Dampfplauderei, die anderen in die Phrasendrescherei, (Heiterkeit bei Abgeordneten der CDU/CSU) und auch die Weihrauchfassschwenker sind heute wieder unterwegs. Herr Kollege Rudolph, auch ich bin katholisch, aber bitte, ich finde, wir sind es uns hier schuldig, dass wir mit den Dingen doch ernsthaft umgehen. Und von Ihnen kam kein einziger Vorstoß zu der Frage: Was machen wir denn mit diesen Rekordschulden, die Sie zurzeit aufhäufen? (Zurufe von der SPD) Wir erwarten Antworten. Herr Bundesfinanzminister, von Ihnen wären Konsolidierungsbemühungen doch angezeigt. Wir müssen diesen Schuldenberg doch zusammen abräumen. (Beifall bei der CDU/CSU – Kay Gottschalk [AfD]: Lohnsteuer erhöhen!) Wir wollen, dass dieser Schuldenberg abgeräumt wird. Die Leute wollen das auch, weil alle wissen, dass sie diese Schulden ja bezahlen müssen. Die lösen sich ja nicht in Luft auf, (Stephan Brandner [AfD]: Doch, in der Inflation! – Kay Gottschalk [AfD]: Mit der Inflation!) sondern das sind Steuern von morgen. Das wissen alle. (Bettina Hagedorn [SPD]: Das habt ihr doch in der Coronapandemie auch gemacht!) Und es wissen auch alle, dass jede Wohltat, die verteilt wird, aus dem Steuersäckel, aus dem bereits Erwirtschafteten kommt. (Zurufe von der SPD) So, ich möchte auf den Bundesrechnungshof zurückkommen, dessen Haushalt wir ja auch heute beraten, und möchte mich beim Bundesrechnungshof sehr herzlich bedanken: für die Arbeit, für die Analysen, ohne die wir die Regierung nicht kontrollieren könnten; das muss man wirklich ganz, ganz offen feststellen. (Sven-Christian Kindler [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das stimmt einfach nicht! – Stephan Brandner [AfD]: Das ist seit 20 Jahren so, Frau Gräßle!) Das ist ein Umstand, der mich schon beschäftigt, weil das Reporting, die Berichterstattung der Regierung, die Rechenschaftspflicht so ausgelegt werden, dass wir der Regierung, Herr Minister, leider nichts glauben können. Warum haben wir eine Regierung, der wir nichts glauben können? Das ist ein Umstand, der mich wirklich beschäftigt. Und ich halte es für dringend geboten, dass dieses Parlament sich Gedanken darüber macht, wie wir die Informationsbasis verbreitern, damit wir uns selber einen besseren Eindruck verschaffen können über das, was in den Programmen passiert. Wir haben viele Änderungsanträge vorgelegt, die Sie alle abgelehnt haben. (Zuruf vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Das nennt man Demokratie!) Der Kollege Haase hat seine ganze Rede damit bestritten, unsere Änderungsanträge vorzustellen. (Dr. Irene Mihalic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Nur weil da „Änderungsantrag“ draufsteht, hat das nicht gleich Substanz!) Sie wollten diese Änderungsanträge nicht akzeptieren. Warum nicht? (Stephan Brandner [AfD]: Sie hatten 16 Jahre Zeit und haben sie nicht genutzt!) Es ist Standard in Europa; in der europäischen Verwaltung sind Leistungsbilanzen und Managementbilanzen Standard. Hier kontrollieren wir mit Mitteln der Vergangenheit; das heißt, wir kontrollieren gar nicht. Wir müssen unsere eigene Kontrollbasis verbessern. (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU) Nur dann würden wir es übrigens auch schaffen, wirklich eine Zeitenwende auch bei den Finanzen hinzukriegen. Die Finanzlage muss Sie doch mindestens genauso umtreiben wie uns, weil Sie so in den kommenden Jahren ja gar nicht weitermachen können. Wer heute im Haushaltsausschuss war – lieber Kollege Kindler, ich war eigentlich immer da, ich bin auch immer da –, der sah ein erschreckendes Zeichen von geballter Ahnungslosigkeit bei der Frage der Ausgestaltung der Gaspreisbremse. Sie bunkern Geld, Sie schichten Schulden auf Schulden, Milliarden um Milliarden, in der Hoffnung, dass es dann irgendwann mal reicht, wenn Sie vielleicht dann doch wissen, wie es gehen kann. Ich bin bestürzt darüber, ganz ehrlich bestürzt, dass Sie da mitmachen, das Weihrauchfass schwenkend oder den Mist parfümierend, den Ihnen die Regierung hinlegt. Das beschäftigt mich sehr, weil ich glaube, dass man es genau so nicht machen kann und auch nicht machen sollte. (Beifall bei der CDU/CSU) Herr Minister, ich möchte meine verbliebene Redezeit dazu verwenden, Ihnen ein paar Fragen zu stellen. Ich bin schon besorgt, dass es Ihnen nicht gelingt, politische Vorstellungen zu konkretisieren. Hinsichtlich des Haushalts haben Sie uns im Sommerloch mit der Idee eines Bundesfinanzkriminalamtes – das war schön – und dem Hinweis unterhalten, dass sich 300 Behörden um die Bekämpfung der Geldwäsche kümmern. Und jetzt braucht es offensichtlich eine 301. Behörde, die die Dinge dann angeblich aufs richtige Gleis setzt. (Zuruf des Abg. Sven-Christian Kindler [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Bis heute ist diese Idee nicht konkretisiert. Wir, auch ich, haben viele Fragen gestellt. Wir wissen immer noch nichts. Wir wissen nicht, wie diese neue Behörde in die vorhandene Landschaft der Bekämpfung von Geldwäsche passt. Wir haben ja neue Behörden am Start, deutsche und europäische Behörden: die Glücksspielbehörde, die AMLA, die EPPO, die europäische Finanzstaatsanwaltschaft. Wir haben das Zollkriminalamt, den Zollfahndungsdienst; wir haben die Financial Intelligence Unit. Also, es wäre schon schön, wenn wir wüssten, was Sie sich so vorstellen, und Sie es uns auch sagen würden, statt die Sache einem Influencer zu überlassen. Die letzte Meinungsäußerung aus dem BMF kam von einem Influencer Anfang November. Wir haben eine Vielzahl von Meldungen zum Thema Geldwäsche. Da gibt es Probleme und wenig Ermittlungen; auch da keine Konkretisierung. Mich beschäftigt das, weil der Eindruck der Führungslosigkeit in diesem Sektor herrscht, zum Schaden der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die ihr Bestes geben und in der Öffentlichkeit die Sündenböcke sind. Das haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in diesem Bereich nicht verdient. Noch ein Satz zur Digitalisierung der Verwaltung. Vizepräsidentin Aydan Özoğuz: Aber nur noch einen, bitte. Dr. Ingeborg Gräßle (CDU/CSU): Auch hier tragen Sie die Verantwortung für die Standardisierung der Rechenzentren. Da gibt es dramatische Rückschritte; da darf jedes Ministerium tun, was es will, und dadurch natürlich höhere Kosten produzieren. Sie haben sogar darauf verzichtet, diese höheren Kosten festzustellen, auch eine der Untätigkeiten und der Fehler aus Ihrem Hause. Es wäre schön, wenn sich das ändern würde, – Vizepräsidentin Aydan Özoğuz: Frau Kollegin, kommen Sie zum Schluss. Dr. Ingeborg Gräßle (CDU/CSU): – übrigens auch mit unserer Hilfe. Danke schön. (Beifall bei der CDU/CSU) Vizepräsidentin Aydan Özoğuz: Letzte Rednerin ist Frauke Heiligenstadt für die SPD-Fraktion. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP) Frauke Heiligenstadt (SPD): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Frau Gräßle, ehrlich gesagt, bei Ihrer Rede ist nicht ein einziges Mal die Antwort gekommen, wie Sie die ganzen Hilfen für die Menschen und die Unternehmen in unserem Land finanzieren wollen. Ihre Einsparvorschläge reichen noch nicht mal zur Finanzierung des Grundhaushaltes, geschweige denn für die der Sondervermögen. (Beifall bei der SPD und der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) So viel zum Thema Transparenz und Ehrlichkeit. Meine sehr verehrten Damen und Herren, wir werden in dieser Woche den Haushalt des Zusammenhalts beschließen. Haushalt des Zusammenhalts, so nenne ich den jetzt zugrunde liegenden Haushalt, weil wir wirklich viele gute Maßnahmen aus dem Koalitionsvertrag, die den Bürgerinnen und Bürgern in unserem Land zugutekommen, bereits jetzt umgesetzt, mindestens aber auf den We

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