Elektrifizierungsquote und Ausbauvorhaben im Schienennetz Bayerns im Herbst 2025 (Antwort zu Drs. 21/3238)
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Elektrifizierungsquote und Ausbauvorhaben im Schienennetz Bayerns im Herbst 2025 (Antwort zu Drs. 21/3238)
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/3595
21. Wahlperiode 13.01.2026
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Victoria Broßart, Stefan Schmidt,
Matthias Gastel, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN
– Drucksache 21/3238 –
Elektrifizierungsquote und Ausbauvorhaben im Schienennetz Bayerns im
Herbst 2025
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Die Elektrifizierung des Schienennetzes in Bayern kommt nach Ansicht der
Fragestellerinnen und Fragesteller nur schleppend voran. Lediglich 57 Prozent
der Bahnstrecken im Freistaat sind laut Bundestagsdrucksache 20/10504 mit
Oberleitungen ausgestattet. Damit liegt Bayern unter dem Bundesdurchschnitt
(Elektrifizierung: Bund muss Umsetzung vorantreiben | Allianz pro Schiene).
Nach Angaben der Deutschen Bahn verkehren auf Nebenstrecken weiterhin
überwiegend klimaschädliche Dieselzüge mit hohem Verbrauch (https://bahna
usbau-bayern.deutschebahn.com/elektrifizierung.html).
Die bestehenden elektrifizierten Abschnitte konzentrieren sich auf die
Hauptkorridore des Personen- und Güterverkehrs, etwa zwischen München,
Nürnberg, Augsburg und Regensburg. Abseits davon sind viele Strecken bis heute
nicht elektrifiziert.
Zwischen den Regierungsbezirken zeigen sich dabei deutliche Unterschiede:
Während in Oberbayern, Mittelfranken und Unterfranken ein Großteil der
Hauptstrecken elektrifiziert ist, besteht in Oberfranken, Niederbayern,
Schwaben und der Oberpfalz noch erheblicher Nachholbedarf (Mündliche Frage 59
des Abgeordneten Stefan Schmidt am 4. November 2020
Plenarprotokoll 19/188).
Um Effizienz, Umweltverträglichkeit und Attraktivität der Bahn zu steigern,
ist eine Beschleunigung der Elektrifizierung und eine verlässliche und
auskömmliche Finanzierung unerlässlich.
Aus diesem Grund erfragt die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
folgende Daten und Konkretisierungen.
1. Wie bewertet die Bundesregierung den aktuellen Stand der
Elektrifizierung des Schienennetzes in Bayern?
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Verkehr
vom 12. Januar 2026 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
2. Welchen Anteil der Elektrifizierung strebt die Bundesregierung
langfristig für die Bahnstrecken in Bayern an?
Die Fragen 1 und 2 werden aufgrund des Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Mit dem Elektrifizierungsprogramm des Bundes können zukünftig nahezu
100 Prozent aller Zugkilometer im Schienenpersonenfern- und Güterverkehr
elektrisch zurückgelegt werden. Das Elektrifizierungsprogramm baut auf vier
Säulen (Bedarfsplan, Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz, ergänzende
Programme wie „Elektrische Güterbahn“, Strukturstärkungsgesetz und die
Förderung alternativer Antriebe) auf. Der Fokus beim Elektrifizierungsprogramm des
Bundes liegt dabei nicht nur auf einer Oberleitungselektrifizierung. Fokussiert
wird ein Mix aus klassischer Oberleitung und Ladeinfrastruktur für
Teilelektrifizierung oder synthetische Kraftstoffe. Auf weniger befahrenen
Nahverkehrsstrecken kann auch auf eine Teilelektrifizierung oder den Einsatz alternativer
Antriebstechniken in den Fahrzeugen gesetzt werden. Damit kann der
elektrische Schienenpersonennahverkehr vielerorts schneller und kostengünstiger
realisiert werden als mit einer durchgehenden Oberleitung und den damit
verbundenen Planungsverfahren.
3. Wie viele Kilometer Bahnstrecke waren in den Jahren von 2015 bis 2025
in Bayern jeweils elektrifiziert (bitte nach Jahr und Regierungsbezirken
aufschlüsseln)?
4. Wie viele Kilometer Bahnstrecke waren in den Jahren von 2015 bis 2025
in Bayern jeweils nicht elektrifiziert (bitte nach Jahr und
Regierungsbezirk aufschlüsseln)?
Die Fragen 3 und 4 werden aufgrund des Sachzusammenhangs zusammen
beantwortet.
Die Entwicklung der elektrifizierten und nicht elektrifizierten Streckenlänge in
Bayern seit 2015 ist der nachfolgenden Tabelle zu entnehmen. Für 2025 liegen
noch keine Daten vor. Eine Differenzierung nach Regierungsbezirken ist nach
Angaben der DB InfraGO AG nicht möglich.
Bezugsjahr elektrifizierte Streckenlänge
in Bayern [in km]
nicht elektrifizierte
Streckenlänge in Bayern [in km]
2015 3 258 2 703
2016 3 263 2 704
2017 3 270 2 705
2018 3 323 2 703
2019 3 336 2 697
2020 3 336 2 697
2021 3 449 2 583
2022 3 468 2 573
2023 3 468 2 573
2024 3 468 2 573
5. Welche Auswirkungen hat der ungleiche Elektrifizierungsgrad auf die
Leistungsfähigkeit und Kapazität des Schienennetzes in Bayern nach
Einschätzung der Bundesregierung?
Im Ergebnis der Verkehrsprognose 2040 bestehen keine Kapazitätsengpässe für
die Umsetzung des Zielfahrplans Deutschlandtakt.
6. Nach welchen Kriterien priorisiert die Bundesregierung die Finanzierung
und den Bau von Elektrifizierungsprojekten?
7. Welche jeweiligen Positionen haben die Elektrifizierungsprojekte
innerhalb Bayerns in dieser Prioritätenliste der Bundesregierung?
Die Fragen 6 und 7 werden aufgrund des Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Eine Priorisierungsliste der Bundesregierung für die Umsetzung von
Elektrifizierungsmaßnahmen als Bedarfsplanvorhaben des Vordringlichen Bedarfs
existiert nicht. Die Vorhaben werden im Rahmen der Verfügbarkeit von
Haushaltsmitteln über die verschiedenen Leistungsphasen hinweg sukzessive umgesetzt.
8. Wann werden konkrete Maßnahmen zur Umsetzung der Vorhaben aus
dem Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD zur
Beschleunigung der Elektrifizierung und des Verzichts auf das Kosten-Nutzen-
Verhältnis umgesetzt?
Ein Gesetzentwurf, in dem der Verzicht auf eine Nutzen-Kosten-Untersuchung
für Elektrifizierungsmaßnahmen im Rahmen von Bedarfsplanvorhaben
enthalten ist, wird derzeit erstellt.
9. Wie ist der Stand bei folgenden Elektrifizierungsprojekten (bitte jeweils
aktuelle Leistungsphase, Zeitpunkt der Beendigung der jeweiligen
Leistungsphase, geplante Inbetriebnahme und aktuell erwartete Kosten
angeben)
a) Ostkorridor (Hof–Regensburg),
b) Franken-Sachsen-Magistrale (Nürnberg–Schnabelwaid–
Marktredwitz–Hof bzw. Grenze D/CZ),
c) Metropolenbahn (Nürnberg–Schwandorf–Furth im Wald–Grenze D/
CZ),
d) Schnabelwaid–Bayreuth–Untersteinach/Marktschorgast,
e) Ulm–Memmingen–Kempten–Oberstdorf,
f) Hof–Rehau,
g) Oberleitungsabschnitt Zwiesel,
h) München–Mühldorf am Inn–Freilassing/Braunau am Inn,
i) Ebersberg–Wasserburg am Inn,
j) Buchloe–Biessenhofen,
k) Aschaffenburg–Mittenberg?
12. In welcher Höhe werden Mittel des Bundes zur Finanzierung der
gegenwärtig stattfindenden Elektrifizierung von Bahnstrecken in Bayern
eingesetzt (bitte nach Regierungsbezirken aufschlüsseln)?
13. Mit welchem Finanzierungsbedarf für die geplante Elektrifizierung von
Bahnstrecken in Bayern rechnet die Bundesregierung bis Ende der
laufenden Legislaturperiode (bitte nach Vorhaben aufschlüsseln)?
14. In welcher Höhe werden Mittel des Bundes zur Finanzierung laufender
Elektrifizierungsplanungen und Elektrifizierungsvorhaben von
Bahnstrecken in Bayern eingesetzt (bitte nach Regierungsbezirken sowie nach
Haushaltstitel aufschlüsseln)?
Die Fragen 9, 12 bis 14 und werden aufgrund ihres Sachzusammenhangs
gemeinsam beantwortet.
Ostkorridor Süd (Hof–Regensburg)
Der Abschnitt Marktredwitz–Regensburg ist nach Angaben der DB InfraGO
AG Bestandteil der Sammelvereinbarung (SV) für die Leistungsphasen (Lph)
1/2 des Bedarfsplans; Lph 1/2 (Vorplanung) ist bereits abgeschlossen.
Franken-Sachsen-Magistrale (Nürnberg–Schnabelwaid–Marktredwitz–Hof
bzw. Grenze D/CZ)
Die Franken-Sachsen-Magistrale ist Bestandteil der SV Lph1/2 des
Bedarfsplans.
Metropolenbahn (Nürnberg–Schwandorf–Furth im Wald–Grenze D/CZ)
Die Metropolenbahn ist Bestandteil der Sammelvereinbarung (SV) Lph 1/2 des
Bedarfsplans.
Schnabelwaid–Bayreuth–Untersteinach/Marktschorgast
Im Planungsvertrag „Elektrifizierung und Ausbau Schnabelwaid-Bayreuth“
(Lph 1–4) enthalten.
Zu den folgenden Streckenabschnitten liegen der Bundesregierung keine
Informationen vor: Ulm–Memmingen–Kempten–Oberstdorf, Hof–Rehau,
Oberleitungsabschnitt Zwiesel, Oberleitungsabschnitt Zwiesel, Aschaffenburg–
Mittenberg.
München–Mühldorf am Inn–Freilassing/Braunau am Inn
Das Vorhaben ist Bestandteil der SV Lph 3/4 des Bedarfsplans; für PFA 1.4 ist
die Lph 3/4 (Entwurfs-/Genehmigungsplanung) bereits abgeschlosse.
Ebersberg–Wasserburg am Inn
Laut DB InfraGO AG ist der Planungsvertrag Ebersberg-Wasserburg (Lph 1–2,
optional 3–4) in Vorbereitung.
Buchloe–Biessenhofen
Nach Angeben der DB InfraGO AG ist das Vorhaben ein Teil des BEMU-Netz-
Vertrags: Maßnahmen für den Einsatz von Akku-Hybridfahrzeugen im Allgäu
(Schwaben und westlichen Oberbayern).
Für das Vorhaben ABS Nürnberg–Marktredwitz–Hof/Grenze D/CZ („Franken-
Sachsen-Magistrale) liegt eine Kostenschätzung vor. Das Ergebnis ist
veröffentlicht im Projektinformationssystem des Bundes (www.bvwp-projekte.de/
schiene_2018/2-017-V01/2-017-V01.html) unter Punkt 10 (Preisstand: 2016).
Für alle anderen Vorhaben ist die Vorplanung noch nicht abgeschlossen.
Hinsichtlich der aus dem BSWAG beauftragten Elektrifizierungsprojekte wird auf
die Angaben im Projektinformationssystem verwiesen. Hinsichtlich der
Beendigung der jeweiligen Leistungsphase wird darauf verwiesen, dass nach der
Bedarfsplanumsetzungsvereinbarung die Leistungsphase erst dann
abgeschlossen ist, wenn die Aufnahme in die nächste Leistungsphase erfolgt.
Für keines der angefragten Elektrifizierungsprojekte ist bisher eine
Baufinanzierungsvereinbarung abgeschlossen. Daher ist der Zeitpunkt der baulichen
Umsetzung für keine der Maßnahmen bekannt und es kann keine sichere
Aussage zu den erwarteten haushaltsrelevanten Kosten gegeben werden.
10. Wie viele Personenkilometer Transportleistung wurden im Jahr 2024 in
Bayern auf elektrifizierten Bahnstrecken erbracht (bitte nach Fern- und
Nahverkehr und nach Regierungsbezirken getrennt auflisten)?
11. Wie viele Personenkilometer Transportleistung wurden im Jahr 2024 in
Bayern auf nicht elektrifizierten Bahnstrecken erbracht (bitte nach Fern-
und Nahverkehr und nach Regierungsbezirken getrennt auflisten)?
Die Fragen 10 und 11 werden aufgrund ihres Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Der Bundesregierung liegen hierzu keine Informationen vor.
15. In welchem Umfang beabsichtigt die Bundesregierung, Mittel aus dem
Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität bzw. andere Mittel,
die nicht aus dem Bundeshaushalt stammen, zur Elektrifizierung von
Bahnstrecken in Bayern einzusetzen (bitte nach
Elektrifizierungsvorhaben aufschlüsseln)?
Mittel, die nicht aus dem Bundeshaushalt stammen, sind nicht für die
Realisierung von Elektrifizierungsvorhaben des Bedarfsplans Schiene vorgesehen.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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