Schieneninfrastruktur in Ostdeutschland
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Schieneninfrastruktur in Ostdeutschland
Deutscher Bundestag Drucksache 21/7722
21. Wahlperiode 25.08.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Mandy Eißing, Jorrit Bosch, Violetta Bock, Marcel Bauer,
Lorenz Gösta Beutin, Agnes Conrad, Dr. Fabian Fahl, Katalin Gennburg,
Mareike Hermeier, Ina Latendorf, Caren Lay, Sahra Mirow, Luigi Pantisano, Bodo
Ramelow, David Schliesing, Aaron Valent, Donata Vogtschmidt, Sascha Wagner
und der Fraktion Die Linke
Schieneninfrastruktur in Ostdeutschland
Seit der Wiedervereinigung wurden in Ostdeutschland über 2 600 Kilometer
Bahnstrecken stillgelegt. Das entspricht rund 40 Prozent aller
Streckenstilllegungen in ganz Deutschland seit 1990 (vgl. www.rnd.de/politik/40-prozent-de
r-stillgelegten-bahnstrecken-liegen-in-ostdeutschland-VMLE6F6XVLPUGHN
F7QT26QJ4BM.html). Laut Allianz pro Schiene können in Deutschland rund
900 Kilometer Schienen bis 2035 reaktiviert werden, davon knapp 160
Kilometer in Ostdeutschland (vgl. www.allianz-pro-schiene.de/presse/pressemitteilung
en/reaktivierung-nimmt-fahrt-auf/). Auch die Ministerpräsidentin und
Ministerpräsidenten der ostdeutschen Bundesländer haben sich für die Reaktivierung
stillgelegter Strecken ausgesprochen (vgl. Beschluss Top 1.2
Schieneninfrastruktur, MPK (Ministerpräsidentenkonferenz)-Ost, 11. Juni 2026). Die
Erweiterung des Schienennetzes durch Reaktivierung sowie Aus- und Neubau ist für
die infrastrukturelle Entwicklung Ostdeutschlands, für den wirtschaftlichen
Standort und für den grenzüberschreitenden Verkehr nach Osteuropa essenziell.
Dabei sind gerade Fernverkehrsstrecken für die flächendeckende Anbindung
entscheidend. Mit den Erträgen auf viel befahrenen Strecken wird der
Fernverkehr auf den sogenannten Nebenlinien subventioniert. Neue Konkurrenzen, wie
sie jetzt etwa von Italo und anderen auf den lukrativen Fernverkehrsstrecken
angekündigt sind, können dazu führen, dass bestimmte Bahnhöfe in der Fläche
nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr am Fernverkehr angeschlossen sind
(vgl. www.evg-online.org/aktuelles/artikel/schienenfernverkehr-bald-kein-
icemehr-zum-weltkulturerbe/ oder https://taz.de/Konkurrenz-fuer-Deutsche-Bahn/
!6192409/). Gerade ostdeutsche Städte drohen hier besonders betroffen zu sein.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche Streckenabschnitte im Bundesschienennetz sind nach Auffassung
der Bundesregierung potenziell technisch bzw. wirtschaftlich
reaktivierbar, und wie viele Streckenkilometer sind es jeweils (bitte getrennt nach
Streckenabschnitten und Bundesländern angeben)?
2. Welche Streckenabschnitte von NE-Bahnen (Nichtbundeseigene
Eisenbahnen) sind nach Kenntnis der Bundesregierung potenziell technisch
bzw. wirtschaftlich reaktivierbar ,und wie viele Streckenkilometer sind es
jeweils (bitte getrennt nach Streckenabschnitten und Bundesländern
angeben)?
3. Wie viele Streckenkilometer Schiene sollten nach Auffassung der
Bundesregierung reaktiviert werden?
4. Wie bewertet die Bundesregierung das Reaktivierungspotenzial
stillgelegter Strecken für die Erweiterung des Schienennetzes und den Ausbau des
Schienenverkehrs insgesamt (wenn möglich nach Streckenabschnitten und
Bundesländern, ansonsten nur nach Bundesländern angeben)?
5. Wie viele Streckenkilometer wurden seit 2021 reaktiviert (bitte nach
Bundesländern angeben)?
6. Welche Kosten sind seit 2021 pro reaktiviertem Streckenkilometer
angefallen?
7. Wie hoch war die direkte finanzielle Beteiligung durch den Bund an der
Reaktivierung stillgelegter Strecken (wenn möglich nach
Streckenabschnitten und Bundesländern, ansonsten nur nach Bundesländern
angeben)?
8. Wie hoch war die indirekte finanzielle Beteiligung durch den Bund an der
Reaktivierung stillgelegter Strecken (wenn möglich nach
Streckenabschnitten und Bundesländern, ansonsten nur nach Bundesländern
angeben)?
9. In welchem Umfang plant der Bund vor dem Hintergrund aussichtsreicher
Reaktivierungen eine Erhöhung der Finanzhilfen an die Bundesländer
(sogenannte Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG)-Bundesmittel)?
10. Welche Betreiber befahren nach Kenntnis der Bundesregierung jeweils die
seit 2021 reaktivierten Strecken?
11. Für wie viele Schienenkilometer des Bundes ist die DB InfraGo seit 2021
von der Instandhaltungspflicht gemäß § 11 des Allgemeinen
Eisenbahngesetzes (AEG) entbunden worden (wenn möglich nach Streckenabschnitten
und Bundesländern, ansonsten nur nach Bundesländern angeben)?
12. Wie viele Kilometer Schiene sind seit 2021 gemäß § 23 AEG entwidmet
worden (wenn möglich nach Streckenabschnitten und Bundesländern,
ansonsten nur nach Bundesländern angeben)?
13. Wie hoch war die durchschnittliche Auslastung der
Eisenbahnfernverkehrslinien in Deutschland jeweils in den Jahren 2021 bis 2025 (bitte nach
Jahren und Linien aufschlüsseln)?
14. Der Ausbau und die Reaktivierung wie vieler und welcher Strecken wurde
durch GVFG- und Regionalisierungsmittel ganz oder teilweise in den
Jahren 2021 bis 2025 finanziert?
15. Hat die Bundesregierung Kenntnisse darüber, welche Orte ihren
Fernverkehrsanschluss durch die möglichen Folgen des Einstiegs von Italo in den
Schienenpersonenfernverkehr verlieren könnten?
16. Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung, um den durch den
Einstieg von Wettbewerbern in den Fernverkehr gefährdeten
Schienenpersonenverkehr in der Fläche finanziell zu unterstützen, und ist in diesem
Zusammenhang eine Anpassung der Rahmenbedingungen und der
Regionalisierungsmittel vorgesehen (bitte begründen)?
17. Wie erklärt sich die Bundesregierung, dass laut Bericht zum
Umsetzungsstand des Investitionsgesetzes Kohleregionen (Bundestagsdrucksache
21/2700) in den betroffenen Regionen bisher weniger als 1 Prozent für
Schieneninfrastrukturprojekte, aber knapp 90 Prozent für Autobahn- und
58 Prozent für Bundesfernstraßenprojekte abgeflossen sind ,und welche
Maßnahmen unternimmt die Bundesregierung, um den Mittelabfluss und
Projektumsetzung bei Schieneninfrastrukturprojekten zu beschleunigen?
18. Kann die Bundesregierung versichern, dass alle im Zuge des
Investitionsgesetzes Kohleregionen geplanten Schieneninfrastrukturprojekte in der
geplanten Form umgesetzt werden, und wenn nein, warum nicht?
19. Welche Preissteigerungen sind dabei einkalkuliert?
20. Wie viele Schieneninfrastrukturprojekte konnten in dieser
Legislaturperiode aufgrund von inflationsbedingten Kostensteigerungen noch nicht
fertiggestellt werden bzw. sind dadurch unsicher geworden?
21. Welche Zahlen liegen dem Bund darüber vor, wie viele Kilometer des
Schienennetzes in den nächsten 20 Jahren erneuert werden müssen?
22. Welche Bruttowertschöpfung nimmt der Bund durch Erhalt, Neu- und
Ausbau des Schienennetzes in den nächsten 20 Jahren an?
23. Wie hoch sind die Kosten für die Erneuerung sowie den geplanten Neu-
und Ausbau des Schienennetzes?
24. Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung der gesamte
Personalbedarf für den Schienenpersonenverkehr bis 2030 (bitte einmal für den
Erhalt des Status quo und einmal für den durch die Bundesregierung
angenommenen notwendigen Ausbau angeben)?
25. Wie bewertet die Bundesregierung das Risiko des Arbeitsplatzverlustes
für Beschäftigte im Schienenpersonennahverkehr (SPNV) und im
öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) durch Betriebsübergänge, und hält
die Bundesregierung die aktuelle Rechtslage für ausreichend, um
Arbeitsplatzverluste zu verhindern?
26. Welche Maßnahmen sind vom Bund geplant, um die Sicherheit der
Beschäftigten vor Übergriffen im SPNV und ÖPNV zu verbessern?
27. Wie viele Neuanschlüsse von Industrie- und Logistikstandorten ans
Schienennetz des Bundes sind in dieser Legislaturperiode bereits abgeschlossen
oder in Planung (bitte Planungsstand und nach Bundesländern angeben)?
Berlin, den 18. August 2026
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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