Beitritt Deutschlands zur europäischen Nuklearallianz
Text
Beitritt Deutschlands zur europäischen Nuklearallianz
[Antrag
der Abgeordneten Dr. Rainer Kraft, Andreas Bleck, Dr. Michael Blos, Dr. Ingo
Hahn, Karsten Hilse, Manuel Krauthausen, Marcel Queckemeyer, Dr. Paul
Schmidt, Martina Uhr, Leif-Erik Holm, Steffen Kotré, Dr. Malte Kaufmann, Marc
Bernhard, Dirk Brandes, Enrico Komning, Raimond Scheirich, Bernd
Schattner, Uwe Schulz, Mathias Weiser, Adam Balten, Andreas Mayer,
Christian Reck, Manfred Schiller, Carsten Becker, Dr. Christoph Birghan,
Joachim Bloch, Erhard Brucker, Marcus Bühl, Boris Gamanov, Alexis L.
Giersch, Rainer Groß, Udo Theodor Hemmelgarn, Nicole Hess, Nicole Höchst,
Steffen Janich, Rocco Kever, Kurt Kleinschmidt, Maximilian Kneller, Heinrich
Koch, Achim Köhler, Edgar Naujok, Denis Pauli, Jan Wenzel Schmidt, René
Springer, Thomas Stephan, Wolfgang Wiehle, Jörg Zirwes, Ulrich von Zons
und der Fraktion der AfD
Beitritt Deutschlands zur europäischen Nuklearallianz
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Während es Deutschland in den Jahren 2020, 2021 und 2022 noch möglich war, große
Mengen an Elektrizität in die europäischen Nachbarländer zu exportieren, ist das seit
2023 nicht mehr der Fall. Seit dem Abschalten der letzten drei verbliebenen
Kernkraftwerksblöcke in Deutschland am 15. April 2023 importiert Deutschland Monat für
Monat große Mengen an Elektrizität aus dem Ausland1.
So wurden im Jahr 2024 in die Bundesrepublik Deutschland 66.800 Gigawattstunden
(GWh) Strom (Bundesnetzagentur, smard.de) importiert. Dagegen wurden knapp 35,1
TWh (ebd.) ins Ausland exportiert. Damit verschlechterte sich der Export-/
Importsaldo von plus 58 TWh im Jahr 2016 auf minus 31,7 TWh im Jahr 20242. Daraus
ergibt sich ein negatives Ergebnis von 2,3 Milliarden Euro für die deutschen Versor-
1 www.energy-charts.info/charts/import_export_map/chart.htm?l=de&c=DE&interval=month&year=2024&-
month=04.
2 www.bild.de/politik/inland/teurer-rekord-deutschland-zahlt-milliarden-fuer-strom-aus-dem-ausland-67702-
4af21d73d12ed20a34a#:~:text=Deutschland%20zahlt%20im%20Au%C3%9Fenhandel%202,als%20es%2-
0ins%20Ausland%20verkaufte.
Deutscher Bundestag Drucksache 21/3302
21. Wahlperiode 16.12.2025
ger: sie zahlten 5,3 Milliarden Euro für im Ausland eingekauften Strom, wogegen sich
aus dem Stromexport lediglich 3 Milliarden Euro ergeben haben3.
Die Akteneinsicht beim Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz zu den
Effekten der Abschaltung der Kernkraftwerke im Jahr 2023 basierend auf dem
Umweltinformationsgesetz zeigte zudem, dass die Unterlagen „offenbar unvollständig“
sind – gerade relevante Informationen zu den Auswirkungen auf die Strompreise und
auf die Netzstabilität wurden nicht vorgelegt4. Zudem sollen Dokumente
verschiedentlich umgeschrieben worden sein, aus „keinerlei Bedenken“ wurde so eine
kategorische Ablehnung aus „Sicherheitsgründen“5.
Dieser Wandel von einer Stromexportnation zu einer Stromimportnation, verbunden
mit dem dazugehörenden Kapitalabfluss aus Deutschland, ist eine Folge der
Abschaltung der deutschen Kernkraftwerke.
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf,
schnellstmöglich – hilfsweise unverzüglich – einen Beitritt der Bundesrepublik
Deutschland zur europäischen Nuklearallianz (Alliance du nucléaire, nuclear alliance)
anzustreben und zu vollziehen.
Berlin, den 16. Dezember 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Begründung
Am 28. Februar 2023 haben sich unter der Federführung Frankreichs elf Staaten der EU zur sog. Europäischen
Nuklearallianz zusammengeschlossen. Mitgliedsstaaten dieser Allianz sind aktuell 15 Staaten, Belgien,
Bulgarien, Kroatien, Tschechische Republik, Finnland, Frankreich, Ungarn, Italien, die Niederlande, Rumänien,
Slowenien, Slowakei, Schweden, Estland und Polen. Großbritannien nimmt als Gast an den Gesprächen teil. Die
Allianz vertritt somit eine wachsende Mehrheit der EU-Staaten.
Auch wenn die kommerzielle elektrische Nutzung der Kernenergie in Deutschland seit dem 15. April 2023
zunächst unzulässig ist, setzen andere EU-Staaten weiter darauf. Die EU-Kommission hält Kernkraft ebenfalls für
nötig und schätzt, dass für den geplanten Ausbau der Atomkraft in der EU-Investitionen in Höhe von mehr als
240 Milliarden Euro bis 2050 erforderlich sind6. Davon profitiert auch Deutschland. Aus dem Land mit dem
höchsten Anteil an nuklearer Stromerzeugung, Frankreich, hat Deutschland in den Monaten Januar, Februar,
März und April 2025 jeweils ca. 1.000, 834, 814 und 923 GWh importiert7, im Jahr 2024 waren es netto
12,9 TWh8.
3 www.deutschlandfunk.de/deutschlands-stromimporte-2024-uebersteigen-exporte-deutlich-
106.html#:~:text=Das%20berichtet%20die%20%E2%80%9EBild%E2%80%9C%2D,2024%20im%20
Programm%20Deutschlandfunk%20gesendet.
4 www.cicero.de/wirtschaft/klage-akteneinsicht-verwaltungsgericht-robert-habeck-atomkraft-
wirtschaftsministerium?amp.
5 Grüne Täuschung: Der inszenierte Atomausstieg.
6 www.heise.de/news/EU-Kommission-Milliarden-fuer-Ausbau-der-Atomkraft-notwendig-10446586.html.
7 www.energy-charts.info/charts/import_export/chart.htm?l=de&c=DE&interval=month&month=04.
8 www.energy-charts.info/charts/import_export/chart.htm?l=de&c=DE&year=2024.
Trotz der Gesetzeslage in Deutschland hat offensichtlich weder der ehemalige Wirtschaftsminister noch der
Leiter der Bundesnetzagentur ein Problem mit Strom aus kerntechnischer Erzeugung in Europa,9, 10. Die amtierende
Wirtschaftsministerin Reiche hingegen hat aktiv einem Treffen der Nuklearallianz als Beobachterin
beigewohnt11.
Des Weiteren ist die Bundesrepublik Deutschland über ihren 99,12-%-Anteil an Uniper Miteigentümer dreier
Kernkraftwerke in Schweden (Oskarsham, Ringhals und Forsmark) und somit aktiver Betreiber von
Kernkraftwerken. Diese Kraftwerke beweisen auch, dass Kernkraft lukrativ ist, erwirtschafteten sie doch in den ersten drei
Quartalen 2024 einen Gewinn von 738 Millionen Euro.12 Da Schweden selbst Mitglied der Nuklearallianz ist
und sowohl ein umfassendes Bekenntnis zur künftigen Verwendung der Kernenergie abgelegt hat als auch in der
Standortauswahl eines Endlagers weit vor dem deutschen Zeitplan liegt, ist es geboten, auch im Interesse des
Eigentums der deutschen Steuerzahler, dieser Allianz beizutreten.
Ferner zu berücksichtigen sind die Belange der Nachhaltigkeit, der sich Deutschland im Rahmen der Agenda
2030 im Jahre 2015 verpflichtet hat. Das Nachhaltigkeitsziel 7 verlangt die Sicherstellung des Zugangs zu
sauberer und bezahlbarer (nach Auffassung der Antragsteller – weniger irreführend – kostengünstiger) Energie, die
für die Entwicklung von Landwirtschaft, Wirtschaft, Kommunikation, Bildung, Gesundheitswesen und Verkehr
von entscheidender Bedeutung ist. Deutschland verfehlt hier seinen eigenen Anspruch. Dies gilt so ebenfalls für
die Nachhaltigkeitsziele 1, 8, 9 und 13. Eine internationale Kooperation in der Nuklearallianz dient somit nicht
zuletzt der Sicherheit Deutschlands und seiner Nachbarländer.
9 www.berliner-zeitung.de/news/ukraine-krieg-robert-habeck-findet-atomkraft-in-der-ukraine-in-ordnung-li.335217.
10 www.wallstreet-online.de/nachricht/16473496-wirtschaft-bundesnetzagentur-froh-akw-strom-frankreich.
11 EU benötigt 241 Milliarden Euro: Katherina Reiche trifft sich mit europäischer Allianz für Kernkraft – n-tv.de.
12 https://blackout-news.de/aktuelles/milliardeneinnahmen-wie-schwedische-atomkraftwerke-die-deutsche-staatskasse-fuellen/
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ISSN 0722-8333]
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