Anzahl staatlich subventioniert neu zu errichtender Gaskraftwerke durch den Wiedereinstieg in die Kernenergie verringern
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Anzahl staatlich subventioniert neu zu errichtender Gaskraftwerke durch den Wiedereinstieg in die Kernenergie verringern
Deutscher Bundestag Drucksache 21/4460
21. Wahlperiode 03.03.2026
Antrag
der Abgeordneten Dr. Paul Schmidt, Stefan Henze, Dr. Malte Kaufmann,
Christian Reck, Andreas Bleck, Dr. Michael Blos, Dr. Ingo Hahn, Karsten
Hilse, Dr. Rainer Kraft, Manuel Krauthausen, Marcel Queckemeyer, Martina
Uhr, Leif-Erik Holm, Enrico Komning, Steffen Kotré, Raimond Scheirich, Uwe
Schulz, Mathias Weiser, Adam Balten, Andreas Mayer, Manfred Schiller,
Dr. Christina Baum, Joachim Bloch, Erhard Brucker, Tobias Ebenberger,
Boris Gamanov, Kay Gottschalk, Udo Theodor Hemmelgarn, Dr. Michael
Kaufmann, Rocco Kever, Kurt Kleinschmidt, Maximilian Kneller, Heinrich
Koch, Achim Köhler, Iris Nieland, Andreas Paul, Bernd Schattner, Lars
Schieske, Bernd Schuhmann, Mathias Weiser, Wolfgang Wiehle, Dr. Daniel
Zerbin, Jörg Zirwes und der Fraktion der AfD
Anzahl staatlich subventioniert neu zu errichtender Gaskraftwerke durch den
Wiedereinstieg in die Kernenergie verringern
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Kernenergie stellt eine international bewährte, anerkannte, technisch ausgereifte und
grundlastfähige Form der Stromerzeugung dar, die in zahlreichen Industrienationen
weiterhin genutzt, modernisiert und ausgebaut wird. Derzeit befinden sich weltweit 66
neue Kernkraftwerke im Bau.1
Mit der Wiederinbetriebnahme der zuletzt abgeschalteten Standorte Neckarwestheim
II, Isar 2 und Emsland könnte in überschaubarer Zeit (drei Jahre nach politischer
Weichenstellung) und mit vertretbaren Kosten (schätzungsweise ca. 3 Milliarden pro
Anlage) eine Kapazität von mindestens 4 GW2 zügig wieder ans Netz gehen.
Der vollständige Ausstieg Deutschlands aus der Kernenergie erfolgte ohne belastbare
sicherheits- und finanzpolitische Begründung, energiepolitische Alternativen mit
vergleichbarer Leistungsfähigkeit, Kosteneffizienz, Versorgungssicherheit und der von
der Bundesregierung als Ziel ausgerufenen sogenannten CO₂-Neutralität, welches zu
Stromimporten ab 2023 führte.3
1 www.worldnuclearreport.org/IMG/pdf/wnisr2025-update-en.pdf
2 www.base.bund.de/de/nukleare-sicherheit/atomausstieg/abgeschaltete-akw/2022/die-drei-letzten-akw_in-
halt.html
3 https://de.statista.com/statistik/daten/studie/153533/umfrage/stromimportsaldo-von-deutschland-seit-1990/
Deutsche Kernkraftwerke zeichneten sich durch international höchste
Sicherheitsstandards, geringe Flächeninanspruchnahme, planbare sowie kostengünstige
Stromproduktion und auch durch eine umweltfreundliche Stromerzeugung aus.
Die bestehenden Standorte der inzwischen stillgelegten Kernkraftwerke verfügen über
geeignete infrastrukturelle Voraussetzungen, darunter Netzanbindung, Anbindung an
Straßen, Bahngleise und Schifffahrtswege, Kraftwerksflächen, Kühlmöglichkeiten
und hochqualifiziertes Personal, um dort die im Rückbau befindlichen Anlagen wieder
herzustellen oder neue Kernkraftwerke zu errichten.
Die EU-Kommission und die Bundesregierung haben sich auf Eckpunkte einer
Kraftwerksstrategie verständigt. Damit ist der Weg frei für ein beihilferechtliches
Genehmigungsverfahren staatlicher Förderung von Bau und Betrieb steuerbarer Leistung,
beispielsweise neuer Gaskraftwerke. Als Teil einer umfassenden Strategie zur
Sicherung der Stromversorgung, die durch die politisch und ökonomisch völlig
undurchdachte sogenannte Energiewende, insbesondere den exzessiven Ausbau der volatilen,
wetterabhängigen Energiequellen Wind und Solar bei gleichzeitigem Ausstieg aus der
Grundlast liefernden Kohle- und Kernkraft massiv gefährdet wurde, plant die
Bundesregierung über mehrere Ausschreibungen den Kapazitätsbedarf bis 2031 durch den
Neubau von Gaskraftwerken zu adressieren, welche wesentlich durch Bundesmittel
oder zusätzliche Umlagen finanziert werden sollen.4 Noch im Jahr 2026 soll die erste
Ausschreibung im Umfang von 12 GW starten.5
Ein Zubau von Gaskraftwerken ist wirtschaftlich nur sinnvoll, wenn dies ohne
staatliche Subventionierung in guter Synchronisation mit dem Wiedereinstieg in die
Kernkraft erfolgt.
Die Finanzierung neuer Gaskraftwerke ohne eine Änderung der aktuell durch
staatliche Subventionen gesteuerten Energiepolitik belastet den Bundeshaushalt auf
unabsehbare Zeit noch weiter, verzerrt den Energiemarkt immer mehr und führt zu weiter
steigenden Strompreisen für Verbraucher und Unternehmen.
Ein „Weiter so“ der gegenwärtigen deutschen Energiepolitik führt unweigerlich in die
wirtschaftliche und soziale Katastrophe.
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf,
1. die bestehende Kraftwerksstrategie grundlegend zu überarbeiten, hierbei prioritär
die Reaktivierung der kurzfristig reaktivierbaren Kernkraftwerksstandorte (etwa
4 GW) einzubeziehen und dabei auf eine technologieoffene, sichere, physikalisch
fundierte, finanzierbare und marktwirtschaftlich orientierte Energiepolitik
umzustellen;
2. umgehend die rechtlichen Grundlagen für einen Wiedereinstieg in die
Kernenergie zu schaffen, insbesondere durch die Aufhebung des Verbots der Nutzung der
Kernenergie zur Stromerzeugung;
3. an den Standorten der stillgelegten Kernkraftwerke die Wiederinbetriebnahme
dieser Kernkraftwerke zu prüfen und beim Vorliegen zeitlicher und
wirtschaftlicher Erfolgsaussichten die jeweilige Wiederinbetriebnahme verbindlich und mit
langer Laufzeit zu ermöglichen;
4. an den Standorten der stillgelegten Kernkraftwerke, an denen die
Wiederinbetriebnahme dieser Kernkraftwerke aus zeitlichen und wirtschaftlichen
Gesichtspunkten nicht vertretbar erscheint, die Errichtung neuer Kernkraftwerke und de-
4 www.merkur.de/wirtschaft/am-ende-zahlen-es-die-verbraucher-reiches-gaskraftwerke-als-kostenfalle-
94147086.html
5 www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Pressemitteilungen/2026/01/20260115-
grundsatzeinigung-mit-europaeischen-kommission-ueber-eckpunkte-der-kraftwerksstrategie.html
ren langfristigen Betrieb (mindestens 40 Jahre, reaktiviertes Kernkraftwerk
mindestens 20 Jahre) ausdrücklich und verbindlich zu ermöglichen;
5. sämtliche Planungen, Ausschreibungen und Förderprogramme für neue staatlich
subventionierte Gaskraftwerke zu überprüfen und insbesondere mit den
Reaktivierungsplänen für die Kernkraft zu synchronisieren und
6. dabei sicherzustellen, dass energiepolitische Entscheidungen künftig vorrangig
an Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und technischer Machbarkeit
ausgerichtet werden und nicht an politisch-ideologischen Zielvorgaben.
Berlin, den 3. März 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Begründung
Eine sichere und kostengünstige Stromversorgung ist die Grundlage industrieller Wertschöpfung,
wirtschaftlicher Stabilität und sozialer Sicherheit in Deutschland. Die derzeitige Energiepolitik der Bundesregierung verfehlt
dieses Ziel zunehmend.6, 7
Der staatlich forcierte und subventionierte Neubau von Gaskraftwerken stellt keine nachhaltige Lösung dar,
sondern verschiebt bestehende Probleme in die Zukunft. Gaskraftwerke sind abhängig von importierten
Brennstoffen, unterliegen starken Preisschwankungen und erfordern, gerade bei mangelnden Lieferpartnern und
insbesondere bei der von der Bundesregierung angestrebten Wasserstoffnutzung, dauerhafte staatliche Eingriffe, um
wirtschaftlich betrieben werden zu können.
Gleichzeitig wird mit dem Ausschluss der Kernenergie eine bewährte Technologie disqualifiziert, die über
Jahrzehnte zuverlässig zur Stromversorgung beigetragen hat und nur sehr geringe Mengen an Brennstoff benötigt.
Der politisch motivierte Ausstieg aus der Kernenergie hat maßgeblich zur Verknappung gesicherter Leistung, zu
steigenden Strompreisen, zum Verlust der Versorgungssicherheit und zur wachsenden Importabhängigkeit
beigetragen.
Ein Wiedereinstieg in die Kernenergie bietet die Möglichkeit, diese Fehlentwicklungen zu korrigieren.
Insbesondere die Nutzung bestehender Kraftwerksstandorte erlaubt einen vergleichsweise schnellen und effizienten
Wiederaufbau gesicherter Leistung, ohne neue Flächen erschließen oder zusätzliche Netzinfrastruktur in großem
Umfang errichten zu müssen und so die Netzentgelte in die Höhe zu treiben.
Die fortgesetzte Fokussierung auf Gaskraftwerke, die nicht wirtschaftlich betrieben werden dürfen und daher
vom Steuerzahler subventioniert werden sollen, ist Ausdruck einer energiepolitischen Kurzsichtigkeit, die weder
den Interessen der Bürger noch denen der Industrie gerecht wird. Der Deutsche Bundestag ist daher aufgefordert,
die energiepolitischen Weichen neu zu stellen und den Weg für eine rationale, technologieoffene und
zukunftsfähige Energieversorgung zu ebnen.
6 www.vbw-bayern.de/Redaktion/Frei-zugaengliche-Medien/Abteilungen-GS/Wirtschaftspolitik/2025/Downloads/vbw-Studie-Internationaler-
Energiepreisvergleich.pdf
7 https://de.statista.com/statistik/daten/studie/13020/umfrage/strompreise-in-ausgewaehlten-laendern/
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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