Anstieg der Arbeitslosenzahlen ernst nehmen - Sofortige Wirtschaftswende für Deutschland einleiten
Text
Anstieg der Arbeitslosenzahlen ernst nehmen - Sofortige Wirtschaftswende für Deutschland einleiten
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/1537
21. Wahlperiode 09.09.2025
Antrag
der Abgeordneten Leif-Erik Holm, Alexander Arpaschi, Carolin Bachmann,
Adam Balten, Carsten Becker, Birgit Bessin, Dr. Christoph Birghan, Joachim
Bloch, René Bochmann, Peter Boehringer, Peter Bohnhof, Marcus Bühl, Tobias
Ebenberger, Hauke Finger, Boris Gamanov, Alexis L. Giersch, Hans-Jürgen
Goßner, Rainer Groß, Udo Theodor Hemmelgarn, Stefan Henze, Karsten Hilse,
Dr. Michael Kaufmann, Kurt Kleinschmidt, Pierre Lamely, Edgar Naujok, Arne
Raue, Christian Reck, Lars Schieske, Jan Wenzel Schmidt, René Springer,
Thomas Stephan, Martina Uhr, Dr. Daniel Zerbin, Kay-Uwe Ziegler, Ulrich
von Zons und der Fraktion der AfD
Anstieg der Arbeitslosenzahlen ernst nehmen – Sofortige Wirtschaftswende
für Deutschland einleiten
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Deutschland hat unverändert große Stärken: Innovationsvermögen, qualifizierte
Arbeitnehmer, einen starken Mittelstand und eine leistungsfähige Industrie. Die erst vor
Kurzem nochmals nach unten korrigierten Wachstumszahlen und weitere Indikatoren
wie der Anstieg der Arbeitslosenzahl auf ein Zehnjahreshoch von über drei Millionen,
zeigen aber, dass sich Deutschland seit Jahren in einer Rezession befindet und eine
langanhaltende Stagnation bevorsteht, während die Deindustrialisierung
voranschreitet. Die Wachstumszahlen spiegeln vor allem politisch verursachte strukturelle
Probleme, allen voran eine vollkommen irregeleitete Wirtschafts- und Energiepolitik der
Bundesregierung samt fortgesetzter ökosozialistischer Transformation.
Die Fortsetzung der Transformation zur sogenannten „sozial-ökologischen
Marktwirtschaft“ verschlechtert sämtliche wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in
Deutschland. Mit regulativen und selektiven Marktinterventionen sowie aktiven und passiven
Förderungen bzw. Subventionen werden Selbstverständlichkeiten wie der Respekt vor
dem Eigentum der Bürger sowie der Handlungsfreiheit der Unternehmen in Frage
gestellt. Unternehmen werden zu Instrumenten der Planzielerfüllung degradiert,
Konsumenten wird die Wahlfreiheit genommen.
Es braucht eine Ordnungspolitik, die Vertrauen in die wirtschaftliche Stabilität schafft
und Bürgern und Unternehmen wieder die Möglichkeit gibt, mit ihren eigenen
wirtschaftlichen Mitteln ihre eigenen Ziele zu verfolgen. Eine wohlstandsfördernde
Wirtschaftspolitik muss hierfür die bestmöglichen Rahmenbedingungen schaffen, sie muss
technologieoffen für günstige Energie, geringe Bürokratiekosten und eine niedrige
Steuer- und Abgabenlast sorgen. Es braucht eine Rückbesinnung auf das
Erfolgsmodell der Sozialen Marktwirtschaft.
Eine sofortige Wirtschaftswende muss eingeleitet werden – für unsere fleißigen Bürger
und Unternehmen, für Deutschland.
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf,
1. den Bundeshaushalt durch klare Priorisierung der Aufgaben und die Beendigung
dauerhafter Subventionierung einzelner Unternehmen und Branchen zu
konsolidieren sowie die Energiekosten samt Netzentgelten deutlich zu senken und
hierfür in einem ersten Schritt
a. sofort das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) abzuschaffen sowie
b. das Klima- und Transformationsfondsgesetz (KTFG) aufzuheben;
2. die Energie- und Unternehmenssteuern auf ein international wettbewerbsfähiges
Niveau zu senken und hierfür im Rahmen einer Steuerreform zuerst
a. die Stromsteuer für alle Unternehmen und Haushalte auf das EU-Minimum
abzusenken sowie
b. das Solidaritätszuschlaggesetz (SolZG) abzuschaffen;
3. den Bürokratieaufwand für alle Unternehmen deutlich zu senken und in einem
ersten Schritt sofort
a. das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) vollständig abzuschaffen
und gleichzeitig auf EU-Ebene Gespräche zur zügigen Abschaffung der
Nachhaltigkeitsberichterstattungsrichtlinie (CSRD) aufzunehmen, um die
Umsetzung der Richtlinie vermeiden zu können,
b. das Energieeffizienzgesetz (EnEfG) aufzuheben.
Berlin, den 5. September 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Begründung
Vor Kurzem hat das Statistische Bundesamt die Wachstumszahlen für die Jahre 2023 und 2024 noch weiter nach
unten korrigiert. Die deutsche Wirtschaft ist im Jahr 2023 um 0,7 Prozent statt um 0,1 Prozent geschrumpft, der
Wert für das Jahr 2024 wurde von ursprünglich -0,2 Prozent auf -0,5 Prozent nach unten revidiert. Gemäß
klassischer Definition einer Rezession befand sich Deutschland zwischen dem 4. Quartal 2022 und dem 2. Quartal
2023 in einer Rezession, genauso wie zwischen dem 4. Quartal 2023 und dem 2. Quartal 2024.1
Das Statistische Bundesamt bemisst den realen Umsatzrückgang im ersten Halbjahr 2025 im mittelständisch
geprägten Hotel- und Gastgewerbe im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 3,7 Prozent, im Vergleich zum Jahr
2019 beträgt der Rückgang rund 15 Prozent.2 Die gesamtwirtschaftliche Produktion ist im Juli 2025 verglichen
mit dem Vormonat um 1,9 Prozent gesunken; niedriger war sie nur im Mai 2020. Die Produktion im verarbei-
1 www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/wachstum-deutschlands-stagnation-ist-lange-eine-rezession-gewesen/100147158.html (Zuletzt
abgerufen am 04.09.2025)
2 www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/08/PD25_308_45213.html (Zuletzt abgerufen am 04.09.2025)
tenden Gewerbe ging um 2,8 Prozent zurück, im Maschinenbau um 5,3 Prozent, im Automobilsektor beträgt das
-0,8 Prozent und bei Pharmaunternehmen -11 Prozent.3
Eine Studie von Frontier Economics im Auftrag der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) kommt
zu dem Ergebnis, dass die Umsetzung der Energiewende Bürger und Unternehmen in den nächsten 25 Jahren
weitere 4800 bis 5500 Milliarden Euro kosten wird. Auf den Bau von Netzen entfallen allein 1200 Milliarden
Euro. Hinzu kommen Bürokratiekosten von jährlich rund 10 Milliarden Euro allein auf Bundesebene im Rahmen
der Umsetzung der Energiewende. Die DIHK fordert daher unter anderem die Abschaffung des
Energieeffizienzgesetzes und die vollständige Senkung der Stromsteuer.4 Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft
(BDEW) schätzt den jährlichen Bürokratieaufwand durch mehr als 1.000 Informationspflichten, denen allein die
Energiewirtschaft unterliegt, auf 8,2 Milliarden Euro pro Jahr.5
Laut Michael Vassiliadis, Chef der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), liegt das
Produktionsniveau der vertretenen Unternehmen 20 Prozent unter dem Niveau von 2022. 260 Unternehmen planen
den Abbau von insgesamt 28.000 Stellen und in 70 Betrieben gebe es 12.000 Beschäftigte in Kurzarbeit. „Er
konstatiert: „Es gibt eine gewaltige Dysbalance zwischen klimapolitischem Wunsch und realwirtschaftlicher
Wirklichkeit.“6
Die Branche ist kein Einzelfall. Laut Analyse der Beratungsgesellschaft EY waren deutschlandweit in allen
Industriesparten zum Stichtag 30. Juni 2025 insgesamt 5,42 Millionen Menschen beschäftigt, dies entspricht einem
Rückgang von 114.000 Beschäftigen im Vergleich zum Stichtag im Vorjahr. In der Autoindustrie wurden in
diesem Zeitraum 7 Prozent bzw. 51.000 Stellen abgebaut, während die Umsätze um 1,6 Prozent gesunken sind.
Allein VW will bis 2030 insgesamt 35.000 Stellen abbauen, Mercedes plant 5 Milliarden Euro für Personal bis
2027 einzusparen.7 Gleichzeitig ist die Zahl der Arbeitslosen im Juli dieses Jahres erstmals seit Februar 2015 auf
über 3 Millionen gestiegen.8
Gemäß Berechnungen des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) sind Insolvenzen von Personen- und
Kapitalgesellschaften im Juli im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 13 Prozent auf 1588 gestiegen. Der Wert
liegt damit 64 Prozent über dem durchschnittlichen Wert für Juli der Jahre 2016 bis 2019.9 Bestätigt wird dies
vom Statistischen Bundesamt. Demnach sind Insolvenzen im Juli 2025 im Vergleich zum Vorjahresmonat um
19,2 Prozent auf 2036 gestiegen. Dies ist der höchste Zuwachs seit Oktober 2024 und der höchste absolute
monatliche Wert seit 20 Jahren.
Laut Umfrage des Verbandes der Familienunternehmer vom Juni gaben 77 Prozent der Befragten an, die
Bundesregierung müsse vor allem die Regulierungsflut eindämmen, damit Unternehmen wieder mehr am Standort
Deutschland investierten. Laut Stefan Wagner, Professor für Technologie und Innovationsmanagement an der
Universität Wien, ist die Anzahl der Bundesgesetze in den letzten 15 Jahren von 1082 auf 1300 bzw. um 21
Prozent gestiegen, während die Anzahl der Paragrafen seit 2010 um 27 Prozent gestiegen ist. Der Umfang von
Gesetzestexten hat sich im selben Zeitraum um 60 Prozent erhöht. Laut einer Kleinen Anfrage der AfD-
Bundestagsfraktion im letzten Jahr sorgt die Bundesregierung durch die Übererfüllung von neun EU-Richtlinien und
drei EU-Verordnungen selbst für unnötige Kosten (Drucksache 20/11742).10
Deutsche Verbraucher bezahlen die höchsten Strompreise in Europa, denn laut Bundesnetzagentur lag der
durchschnittliche Haushaltsstrompreis 2024 bei 41,59 ct/kWh, 18 ct entfallen auf Beschaffung, Vertrieb und Marge,
13 ct auf Netzentgelte und 10 ct auf Steuern und weitere Abgaben.11
3 www.faz.net/aktuell/wirtschaft/zweiter-schock-fuer-die-konjunktur-110626346.html (zuletzt abgerufen am 04.09.2025)
4 www.nzz.ch/wirtschaft/neue-studie-energiewende-kostet-deutschland-5-billionen-euro-wirtschaft-fordert-kurswechsel-in-der-
energiepolitikld.1900772 (zuletzt abgerufen am 04.09.2025)
5 www.faz.net/aktuell/wirtschaft/mehr-wirtschaft/bdew-chefin-kerstin-andreae-ueber-potentiale-fuer-die-energiewende-accg-110661759.html
(zuletzt abgerufen am 04.09.2025)
6 www.welt.de/wirtschaft/weltplus/plus68b01db8d492032667a5d774/co-preis-bringt-unsere-betriebe-um-die-maechtige-gewerkschaft-kuendigt-
ihre-klima-kooperation-auf.html (zuletzt abgerufen am 04.09.2025)
7 https://taz.de/Umsatzrueckgaenge-und-Stellenabbau/!6106417/ (zuletzt abgerufen am 04.09.2025)
8 www.tagesschau.de/wirtschaft/arbeitsmarkt/arbeitsmarkt-arbeitslosenzahlen-august-100.html
9 www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/hri-konjunkturausblick-der-traum-vom-oekonomischen-perpetuum-mobile/100147681.html (zuletzt
abgerufen am 04.09.2025)
10 www.nzz.ch/visuals/buerokratie-kostet-milliarden-das-sind-die-10-teuersten-gesetze-ld.1892292 (zuletzt abgerufen am 04.09.2025)
11 www.morgenpost.de/politik/article409681201/streit-um-stromsteuer-wird-sie-doch-noch-fuer-alle-gesenkt.html (zuletzt abgerufen am
04.09.2025)
Für Gründe für das vorhersehbare Versagen der Ordnungspolitik der Ampel-Koalition, die von der aktuellen
Bundesregierung fortgeführt wird, sowie ihre Folgen siehe Bundestagsdrucksache 20/12769.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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