Gasbohrungen in Deutschland beenden - Energiewende konsequent weiterführen
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Gasbohrungen in Deutschland beenden - Energiewende konsequent weiterführen
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/836
21. Wahlperiode 10.07.2025
Antrag
der Abgeordneten Dr. Julia Verlinden, Lisa Badum, Felix Banaszak, Dr. Armin
Grau, Dr. Alaa Alhamwi, Katrin Uhlig, Julian Joswig, Steffi Lemke, Dr. Sandra
Detzer, Michael Kellner, Sandra Stein, Linda Heitmann und der Fraktion
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Gasbohrungen in Deutschland beenden – Energiewende konsequent
weiterführen
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Grün wirkt: Deutschlands Klimaziel für 2030 ist erstmals in Reichweite gerückt. Das
wurde möglich durch diverse politische Entscheidungen und Maßnahmen, die unseren
Verbrauch von Kohle- und fossilem Erdgas in Deutschland seit 2021 wirksam gesenkt
haben. Besonders der beschleunigte Ausbau der erneuerbaren Energien, die kraftvolle
und einkommensabhängige Förderung für klimafreundliche Heizungen zusammen mit
der Novelle des Gebäudeenergiegesetzes sowie das kommunale
Wärmeplanungsgesetz tragen zur realistischen Zielerreichung bei. So schützen wir aktiv unsere Natur
und Umwelt und damit unsere eigenen Lebensgrundlagen.
Diese optimistische Aussicht darf aber nicht dazu führen, dass die Erfolge der
Menschen und Unternehmen in unserem Land von einer neuen Bundesregierung in Frage
gestellt oder gar rückabgewickelt werden – zumal die Klimaziele für 2040 und 2045
mit den aktuellen Maßnahmen nicht erreicht werden können. Genau diesen massiven
Rückschritt lässt aber der Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD vermuten.
Die darin enthaltenen Pläne für neue Gasbohrungen im Inland und neue Lieferverträge
aus dem Ausland sowie eine Wiederbelebung für neue Gasanwendungen (Kraftwerke,
Heizungen) konterkarieren die Notwendigkeit, die Gasnachfrage schnellstmöglich zu
reduzieren, wie es aufgrund internationaler Klimaschutz-Verträge nötig ist.
Beispielhaft und völlig entgegen unseren klimapolitischen Fortschritten steht, dass in
Bundesländern wie Bayern ausgerechnet jetzt das erste Mal seit Jahrzehnten wieder fossiles
Gas gefördert werden soll.
Bohrungen nach fossilen Energieträgern sind umwelt- und klimaschädlich und
gefährden die Gesundheit der Menschen vor Ort. In Erdgas- und Erdölregionen treten
vermehrt Cluster von Krankheitsbildern auf. Des Weiteren führen seismische
Erschütterungen (Erdbeben) zu Schäden, und auch die Wasser- und Getränkewirtschaft leidet
unter erheblichen und teuren Risiken der Rohstoffförderung fürs Grundwasser.
Gleichzeitig sind die Bohrungen nach Gas und Öl dank der besseren Alternativen
(erneuerbare Energien und Energieeffizienz) und der damit zu unterstützenden Reduktion des
Gasverbrauchs überflüssig.
Daher ist es nur folgerichtig, die Nutzung von fossilem Gas schrittweise zu reduzieren
und dem Klimaschutz in der Gesetzgebung Vorrang einzuräumen, um den Weg in eine
gesunde, nachhaltige Zukunft mit erneuerbaren Energien und grünem Wasserstoff zu
beschleunigen.
Neue Gasbohrungen wie etwa im bayerischen Reichling oder im niedersächsischen
Wattenmeer vor Borkum oder neue Ölbohrungen wie in der Vorderpfalz braucht es
nicht. In Reichling zwischen Ammersee und Lech wird auf ein 500 Millionen
Kubikmeter großes neues Erdgasfeld spekuliert, das 15 Jahre ausgebeutet werden soll. Die
Bohrstelle befindet sich unweit eines europäischen Schutzgebietes für bedrohte Tiere
und Pflanzen, nahe dem Trinkwasserschutzgebiet; das nächste Wohnhaus ist nur 150
Meter entfernt – ein Windrad würde hier wegen geltender bayerischer
Abstandsregelungen niemals genehmigt. Das Wattenmeer ist in seiner ökologischen Einzigartigkeit
in weiten Teilen von der UNESCO als besonders schützenswertes Weltnaturerbe
ausgezeichnet worden. Eingriffe durch fossile Rohstoffförderung gefährden diese
unwiederbringliche Natur und biologische Vielfalt.
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf,
1. einen Gesetzentwurf zur Änderung des Bundesbergrechts vorzulegen,
demzufolge ab sofort für die Aufsuchung und Gewinnung von Kohlenwasserstoffen
keine Erlaubnisse bzw. Bewilligungen mehr erteilt werden dürfen, und damit
ausnahmslos keine neuen Genehmigungen mehr für Gas- und Ölbohrungen zu
ermöglichen;
2. kein Vertragsgesetz für ein Unitarisierungsabkommen mit dem Königreich der
Niederlande zu erarbeiten und somit die Gasförder-Pläne vor Borkum abzusagen;
3. einen Gesetzentwurf zur Änderung des Bundesbergrechts vorzulegen,
demzufolge bestehende Erlaubnisse bzw. Bewilligungen vorhandener Gas- und
Ölförderprojekte bis maximal 2030 befristet sind, damit die Beendigung dieser
Bohrprojekte einen relevanten Beitrag zum Umwelt-, Klima- und Gesundheitsschutz
leisten;
4. einen Plan für eine Gasunabhängigkeitsstrategie vorzulegen, die die Nutzung von
fossilem Gas so schnell wie möglich reduziert, um perspektivisch fossile
Gasfreiheit zu erlangen, die Pariser Klimaziele zu erreichen und die Nutzung in allen
Sektoren (Gebäude, Strom, Industrie und Verkehr) mit geeigneten Maßnahmen
für Gesellschaft, Wirtschaft und öffentlichen Sektor schrittweise zu beenden.
Berlin, den 7. Juli 2025
Katharina Dröge, Britta Haßelmann und Fraktion
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ISSN 0722-8333]
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