Globale Solidarität von Berlin bis Belém - Für das Menschenrecht auf Klimaschutz - Greenwashing bei der UN-Klimakonferenz verhindern
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Globale Solidarität von Berlin bis Belém - Für das Menschenrecht auf Klimaschutz - Greenwashing bei der UN-Klimakonferenz verhindern
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/2535
21. Wahlperiode 04.11.2025
Antrag
der Abgeordneten Violetta Bock, Charlotte Antonia Neuhäuser, Luigi
Pantisano, Doris Achelwilm, Dr. Dietmar Bartsch, Marcel Bauer, Desiree
Becker, Lorenz Gösta Beutin, Jorrit Bosch, Clara Bünger, Jörg Cezanne,
Agnes Conrad, Mirze Edis, Dr. Fabian Fahl, Katrin Fey, Katalin Gennburg,
Vinzenz Glaser, Christian Görke, Mareike Hermeier, Cem Ince, Cansin
Köktürk, Jan Köstering, Ina Latendorf, Caren Lay, Sonja Lemke, Tamara
Mazzi, Sahra Mirow, Bodo Ramelow, Lea Reisner, David Schliesing, Lisa
Schubert, Isabelle Vandre, Donata Vogtschmidt, Sarah Vollath, Sascha
Wagner, Christin Willnat, Janine Wissler, Anne Zerr und der Fraktion
Die Linke
Globale Solidarität von Berlin bis Belém – Für das Menschenrecht auf
Klimaschutz – Greenwashing bei der UN-Klimakonferenz verhindern
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Die menschengemachte globale Klimakrise ist Ausdruck einer auf Raubbau
basierenden Wirtschaftsform und globaler Ungerechtigkeit. Zehn Jahre nach dem Pariser
Klimaabkommen ist das 1,5-Grad-Ziel verfehlt und der Anstieg der Treibhausgase auf
Rekordniveau. Ein „Weiter-So“ verschärft die Krise und bedroht die internationale
Sicherheit.
Anstatt die Ausbeutung von Mensch und Natur fortzusetzen, muss Deutschland eine
global gerechte Klimapolitik vorantreiben, die die Perspektiven und Rechte der am
stärksten betroffenen Menschen ins Zentrum stellt. Indigene Gruppen, People of
Color, Frauen, verarmte und arbeitende Menschen, Personen mit Behinderung und queere
Menschen im Globalen Süden sind von den Auswirkungen der Klimakrise
überproportional betroffen (www.worldbank.org/en/topic/social-dimensions-of-
climatechange), obwohl sie am wenigsten dazu beigetragen haben. Umweltkatastrophen
nehmen zu, Land wird unbewohnbar und die Zahl der Klimageflüchteten steigt dramatisch
an, während sich reiche Gesellschaften, die für die Krise verantwortlich sind, gegen
Migration abschotten.
Deutschland hat als historisch viertgrößter CO2-Emittent eine massive Klimaschuld
(www.carbonbrief.org/analysis-which-countries-are-historically-responsible-for-
climate-change/). Auch als ehemalige Kolonialmacht hat Deutschland von Ausbeutung
im Globalen Süden profitiert und muss daher begangene Verbrechen unter
Einbeziehung von Opfergruppen anerkennen, aufarbeiten und Opfergruppen finanziell
entschädigen (www.deutschlandfunk.de/deutsche-afrikapolitik-kurze-kolonialzeit-mit-nach-
wirkung-100.html).
Auch die heutigen Wirtschafts- und Finanzstrukturen beruhen auf Rohstoffausbeutung
in den Ländern des Globalen Südens und setzen koloniale Hierarchien fort. Deshalb
muss die einklagbare Unternehmenshaftung für Menschenrechts- und
Umweltverletzungen in globalen Lieferketten gestärkt werden. Um den Klimawandel wirklich zu
bekämpfen, muss Deutschland den Rohstoffverbrauch und die Umweltbelastungen
entschieden reduzieren.
Die bisherige internationale Klimafinanzierung ist nicht ausreichend und zu
kreditbasiert. Anstatt als Wiedergutmachung in Form von Reparationen für Klimaschäden,
dienen sie oft eher heimischen Wirtschaftsinteressen (hwww.rosalux.de/news/id/53972/).
Den Ländern des Globalen Südens müssen Schulden erlassen werden, weil die Zinslast
die Haushalte der Staatenhoch belastet (https://data.one.org/analysis/net-financing-
flows-remain-low).
Die bisherige Klimapolitik setzt teils auf falsche Instrumente. Unter dem Banner einer
„grünen“ Transformation erleben viele Regionen auf der Welt eine neue Welle der
Rohstoffausbeutung. „Grüne“ Technologien und die deutsche Energiewende dürfen
sich nicht auf Ausbeutung von Natur und Menschen des Globalen Südens stützen.
Auch der internationale Emissionshandel verbessert das Klima nicht, ist oft unwirksam
oder anfällig für Betrug (https://presseportal.zdf.de/pressemitteilung/zdf-frontal-auto-
fahrer-zahlten-fuer-fake-klimaschutzprojekte-in-china). Kompensationszertifikate für
deutsche Unternehmen dürfen nur anerkannt werden, wenn sie der tatsächlichen
Emissionsminderung in Deutschland dienen oder zur unmittelbaren Verbesserung von
Umwelt-, Natur und Klimaschutz führen.
Die Klimakrise bedroht die globale Ernährungssicherheit und ist mit einem massiven
Artensterben verbunden. Natürliche Treibhausgassenken büßen ihre CO2-
Bindungsfähigkeit ein. Die Entwässerung von Mooren verursacht 4 Prozent der globalen
Emissionen. Deutsche Agrarimporte, etwa von Soja als Tierfutter, treiben die
klimaschädigende Entwaldung voran. Notwendig sind daher ein weltweiter Stopp der Entwaldung,
die konsequente Umsetzung der EU-Entwaldungs- und
Wiederherstellungsverordnungen sowie der umfassende Schutz und Maßnahmen zur Wiedervernässung der Moore
in Deutschland.
Deutschland muss bis spätestens 2040 klimaneutral werden und zwar ausschließlich
durch tatsächliche Emissionsminderungen im Inland. Dazu müssen die
Verbindlichkeiten der Sektorziele im Klimaschutzgesetz wiederhergestellt und sozial gerechte
Maßnahmen wie ein Klimageld, die Förderung der Wärmewende und ein
bundesweites ÖPNV-Sozialticket umgesetzt werden.
Um globale Klimagerechtigkeit zu erreichen, muss das internationale Recht gestärkt
werden, unter anderem durch Sanktionen für Staaten, die ihre Ziele nicht einhalten.
Die vom Untergang bedrohten Inselstaaten Vanatu, Samoa und Fidschi fordern die
Aufnahme des Straftatbestandes des Ökozids in die Römischen Statuten des
Internationalen Strafgerichtshofs in die Artikel 5 und 8 (https://dgvn.de/meldung/oekozid-als-
straftatbestand). Schließlich muss die zunehmende Kriminalisierung und Verfolgung
von Klimaaktivistinnen und Klimaaktivisten beendet werden.
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf,
1. sich auf der Klimakonferenz (COP30) dafür einzusetzen, dass die Rechte der von
der Klimakrise besonders betroffenen Bevölkerungsgruppen, insbesondere
indigener und lokaler Gemeinschaften, in der nationalen und internationalen
Klimapolitik in den Mittelpunkt gestellt werden und dass ihre aktive,
gleichberechtigte sowie verbindliche Beteiligung und Veto-Rechte in Fragen, die ihre
Lebensgrundlagen unmittelbar betreffen, sichergestellt werden;
2. auf der COP30 die besondere historische Verantwortung Deutschlands als einer
der weltgrößten CO2-Verursacher anzuerkennen und sich für umfassende
Schuldenerlasse und gerechte Klimareparationen für Länder des Globalen Südens
einzusetzen und international aktiv für eine verbindliche Schuldenregelung
einzutreten;
3. sich auf der COP30 konsequent für den globalen Wald- und Regenwaldschutz
einzusetzen;
4. einen Gesetzentwurf vorzulegen, der das Ziel der Klimaneutralität Deutschlands
bis 2040 festschreibt und entsprechende sozial gerechte Maßnahmen vorsieht,
und dabei sicherstellt, dass dieses Ziel ausschließlich durch tatsächliche
Emissionsminderungen im Inland erreicht wird; sich ferner auf EU-Ebene dafür
einzusetzen, dass mindestens das Emissionsminderungsziel von 90 Prozent bis zum
Jahr 2040 festgeschrieben wird und darauf hinzuwirken, dass eine neue Welle der
Rohstoffausbeutung unter dem Deckmantel einer „grünen“ Transformation
ausgeschlossen wird;
5. sich für eine Stärkung des internationalen Rechts im Sinne globaler
Klimagerechtigkeit einzusetzen, indem sie u. a. die Initiative zur Aufnahme des
Straftatbestandes des Ökozids in die Römischen Statuten des Internationalen Strafgerichtshofs
unterstützt und darauf hinwirkt, dass Klimaflucht als Asylgrund in der Genfer
Flüchtlingskonvention anerkannt wird.
Berlin, den 4. November 2025
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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