Deutsche Bahn und die Zukunft des grünen Stahls in Deutschland
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Deutsche Bahn und die Zukunft des grünen Stahls in Deutschland
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/3018
21. Wahlperiode 02.12.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Dr. Andreas Audretsch, Matthias Gastel, Julian Joswig,
Dr. Alaa Alhamwi, Dr. Sandra Detzer, Michael Kellner, Sandra Stein, Katrin Uhlig,
Lisa Badum, Max Lucks und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Deutsche Bahn und die Zukunft des grünen Stahls in Deutschland
Die Nachfragekrise der Stahlindustrie ist global und wird durch
Handelskonflikte verschärft. Die Dekarbonisierung der Stahlindustrie entscheidet mit
darüber, ob Deutschland seine Klimaziele erreicht, Tausende Menschen ihre
Arbeitsplätze behalten – und ob die Deutsche Bahn ihre Infrastruktur klimaneutral
modernisieren kann.
Am 5. November 2025 hat DB InfraGO dafür mit Saarstahl Rail einen ersten
Liefervertrag über rund 1 000 Tonnen Schienen aus grünem Stahl
geschlossen – genug für etwa 22 Schienenkilometer (https://nachhaltigkeit.deutschebah
n.com/de/news/pilotprojekt-deutsche-bahn-setzt-gruenen-stahl-ein). Der Stahl
wird im französischen Werk Ascoval im Elektrolichtbogenofen (EAF)
produziert, zum Teil aus Altschienen und Schrott, und verursacht gegenüber der
Hochofenroute bis zu 70 Prozent weniger CO2 (www.welt.de/newsticker/dpa_n
t/infoline_nt/wirtschaft_nt/article690acc9e154e6f61444c5ccd/deutsche-bahn-se
tzt-erstmals-schienen-aus-gruenem-stahl-ein.html).
Parallel transformiert das Saarland seine Produktion: Unter dem Projekt
Power4Steel entstehen eine Direktreduktionsanlage (DRI) und zwei EAF in
Dillingen und Völklingen. Diese Investitionen werden durch einen Förder- und
Finanzierungsrahmen im Milliardenumfang flankiert, darunter 2,6 Mrd. Euro
an öffentlicher Förderung sowie eine 1,7-Mrd.-Euro-Projektfinanzierung, die
im Oktober 2025 finalisiert wurde (www.saarland.de/mwide/DE/portale/wasser
stoff/industrie/industrie).
Damit der technische Aufbruch skaliert, braucht es nach Ansicht der
Fragestellenden in Deutschland einen verlässlichen grünen Leitmarkt: klare
Beschaffungsregeln, praktikable Instrumente zur Kostenangleichung und über
staatliche Abnahmegarantien einen Fahrplan, wie die Deutsche Bahn große Mengen
Grünstahl nachfragt und in ihren Waggons verbaut.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche Definition bzw. Zertifizierung für grünen Stahl legt die
Bundesregierung künftig in öffentlicher Beschaffung zugrunde?
2. Plant die Bundesregierung verbindliche Leitmarktinstrumente speziell für
Schienenstahl (Quoten, Bonus bzw. Malus, CO2-Produktstandards,
Herkunftsauflagen)?
a) Wenn ja, welche Instrumente konkret?
b) Wenn ja, mit welchem Zeitplan und welchen Budgets in den
Jahren 2026 bis 2030?
3. Plant die Bundesregierung, Klimaschutzverträge mit produktbezogener
Beschaffung (z. B. über die Deutsche Bahn) zu verzahnen, um
Mehrkosten zu tragen und Investitionen abzusichern, und wenn ja, wie, und wenn
nein, warum nicht?
4. In welchem Umfang bezieht die Deutsche Bahn bereits grüne Schienen
bzw. Stahlprodukte aus Frankreich (bitte Abnahmemengen für die letzten
fünf Jahre auflisten)?
5. Welche konkreten Haushaltsmittel plant die Bundesregierung in den
Jahren 2025 bis 2030 einzusetzen, um Mehrkosten von produktbezogen
beschafftem Grünstahl (v. a. Schienenstahl) bei der DB zu kompensieren
(bitte jährlich tabellarisch nach Instrument, Volumen und Zuständigkeit
auflisten)?
6. Wie plant die Bundesregierung die Investitionszuschüsse an die Deutsche
Bahn so auszugestalten, dass Mehrkosten für nachhaltige Ressourcen wie
grüner Stahl finanziert werden können, und ist in der neuen
Leistungsvereinbarung (LV) InfraGO eine entsprechende Mehrinvestition abgebildet?
7. Plant die Bundesregierung, Anreize für die Beschaffung von
nachhaltigeren Ressourcen wie grünem Stahl zu finanzieren, etwa durch
Mengenvorgaben in der neuen LV InfraGO?
8. Plant die Deutsche Bahn, bei der Vergabe von Leistungen (z. B. der
Beschaffung von Schienen) Nachhaltigkeitskriterien aufzunehmen, und wenn
ja, in welchem Umfang?
9. Welche Mehrkosten würden pro Tonne grüner Stahl gegenüber
konventioneller Stahlproduktion bei der Deutschen Bahn anfallen?
10. Welche Mehrkosten pro Tonne grüner Stahl gegenüber konventioneller
Stahlproduktion unterstellt die Bundesregierung für die Jahre 2026 bis
2035?
11. Welche Zwischenziele für den Anteil grüner Vorprodukte (z. B. Schienen,
Profile, Grobbleche) in der öffentlichen Beschaffung legt die
Bundesregierung bis 2030 fest, und wie werden diese Ziele rechts- und
beihilfefest operationalisiert?
12. Welchen Jahresbedarf an Stahlprodukten hatte die Deutsche Bahn
zwischen 2020 und 2025 jeweils (bitte nach Produktkategorien aufführen)?
13. Welchen Jahresbedarf an Stahlprodukten hat die Deutsche Bahn zwischen
2026 und 2035 jeweils (bitte nach Produktkategorien aufführen)?
14. Welchen verbindlichen Grünstahlanteil hält die Bundesregierung je
Produktgruppe (u. a. Schienen bzw. Weichen, Profile, Brückenbleche) für
kurz- bzw. mittel- bzw. langfristig realistisch umsetzbar (bitte begründen
und inklusive CO2-Intensitätsschwellen tabellarisch auflisten)?
15. Wie hoch ist der jährliche Stahlbedarf der Deutschen Bahn bis 2035 (bitte
nach Produktgruppen (Schienen bzw. Weichen, Ingenieurbau bzw.
Brückenbleche, Profile, Sonstiges) und Fahrzeugen differenzieren), welcher
Anteil ist kurzfristig (bis 2028), mittelfristig (2030), langfristig (2035)
technisch bzw. zulassungsseitig auf grünen Stahl umstellbar?
16. Welche weiteren Beschaffungen plant die Deutsche Bahn in den nächsten
drei Jahren für grünen Stahl vorzunehmen (bitte geplante Aufträge
inklusive Volumen aufführen)?
17. Welchen Anteil an grünem Stahl plant die Deutsche Bahn bei Vergaben im
Bereich von Schienenfahrzeugen vorzusehen?
18. Welche zertifizierten Produktionskapazitäten für grünen Stahl erwartet die
Bundesregierung für die Jahre 2026, 2028, 2030 und 2035 in Deutschland
(bitte tabellarisch nach Unternehmen bzw. Standort, Produktgruppe,
erwartete CO₂-Intensität und Wasserstoff bzw. Strombedarf aufschlüsseln)?
19. Welche Transformationsvorhaben der deutschen Stahlindustrie werden
derzeit durch den Bund und nach Kenntnis der Bundesregierung die
Länder oder die EU gefördert (bitte ggf. für Salzgitter, thyssenkrupp, Arcelor-
Mittal und SHS/Saarland jeweils Standort, Förderinstrument (z. B. Klima-
und Transformationsfonds (KTF), Important Project of Common
European Interest (IPCEI), Carbon Contracts for Difference (CCfD)),
Bewilligungs- und Auszahlungsstand, geplanten Inbetriebnahmetermin
sowie erwartete Jahresmengen (nach Produktgruppen) für die Jahre 2026
bis 2035 tabellarisch darstellen)?
20. Wie stellt sich nach Kenntnis der Bundesregierung für die saarländischen
Standorte Dillingen und Völklingen der Zeitplan für Errichtung und
Inbetriebnahme von DRI- und EAF-Anlagen dar, welche Zielmengen
(Jahreskapazitäten), Förderanteile von Bund bzw. Land bzw. EU und
Emissionsziele sind vorgesehen, und welchen Stand haben die Wasserstoff-
Lieferverträge (z. B. mit Verso Energy: Startjahr, vertragliche Mengen,
Liefer- und Logistikpfade); bitte mit Jahresangaben bis 2035 tabellarisch
ausweisen)?
21. Wie bewertet die Bundesregierung die Schrottqualität und
Schrottverfügbarkeit für schienenfähigen Grünstahl bis 2030 (Anteil Altschienen bzw.
Schrott, Reinheitsanforderungen, Aufbereitungskapazitäten), und welche
Import- bzw. Exportrestriktionen gefährden diese Versorgung (bitte
Risiken und Gegenmaßnahmen nennen)?
Berlin, den 25. November 2025
Katharina Dröge, Britta Haßelmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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