Entlastung der Landwirtschaft durch Bürokratieabbau und Deregulierung (Beschlussempfehlung und Bericht zu Drs. 21/2548)
Text
Entlastung der Landwirtschaft durch Bürokratieabbau und Deregulierung (Beschlussempfehlung und Bericht zu Drs. 21/2548)
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/2824
21. Wahlperiode 14.11.2025
Beschlussempfehlung und Bericht
des Ausschusses für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (10. Ausschuss)
zu dem Antrag der Abgeordneten Stephan Protschka, Peter Felser, Danny Meiners,
weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD
– Drucksache 21/2548 –
Entlastung der Landwirtschaft durch Bürokratieabbau und Deregulierung
A. Problem
Im vorliegenden Antrag führt die Fraktion der AfD aus, dass die im Bereich der
Landwirtschaft existierenden Melde-, Nachweis- und Dokumentationspflichten
nicht mehr nur für kleine und mittlere Betriebe eine große Belastung darstellten.
Das Statistische Bundesamt beziffere den finanziellen Aufwand der
Landwirtschaft für die Erfüllung von Informationspflichten auf über 620 Millionen Euro.
Trotz Ankündigung des zuständigen Bundesministeriums für Landwirtschaft,
Ernährung und Heimat (BMLEH), unnötige Bürokratie abzuschaffen, habe es
bislang nur Detailkorrekturen und technische Umstellungen gegeben. Eine
Entlastung durch Digitalisierung ist nach Angaben der Antragsteller nicht festzustellen.
Digitalisierung bedeute im Gegenteil zusätzliche Pflichten und Mehraufwand,
z. B. durch Foto-Apps, Datenbankanbindungen und neue Meldewege.
Die Bundesregierung soll laut Antrag daher aufgefordert werden, unnötige
Vorschriften und bürokratische Anforderungen abzubauen, um die
Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Landwirtschaft zu sichern.
B. Lösung
Ablehnung des Antrags mit den Stimmen der Fraktionen CDU/CSU, SPD,
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke gegen die Stimmen der Fraktion
der AfD.
C. Alternativen
Wurden nicht erörtert.
D. Kosten
Wurden nicht erörtert.
Beschlussempfehlung
Der Bundestag wolle beschließen,
den Antrag auf Drucksache 21/2548 abzulehnen.
Berlin, den 12. November 2025
Der Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat
Hermann Färber
Vorsitzender
Johannes Steiniger
Berichterstatter
Bernd Schattner
Berichterstatter
Dr. Franziska Kersten
Berichterstatterin
Dr. Ophelia Nick
Berichterstatterin
Ina Latendorf
Berichterstatterin
Bericht der Abgeordneten Johannes Steiniger, Bernd Schattner, Dr. Franziska
Kersten, Dr. Ophelia Nick und Ina Latendorf
I. Überweisung
Der Deutsche Bundestag hat in seiner 37. Sitzung am 6. November 2025 den Antrag der Fraktion der AfD auf
Drucksache 21/2548 erstmals beraten und an den Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat zur
federführenden Beratung sowie zur Mitberatung an den Ausschuss für die Angelegenheit der Europäischen Union
überwiesen.
II. Wesentlicher Inhalt der Vorlage
Nach Darstellung der Fraktion der AfD wird die Landwirtschaft in Deutschland durch ausufernde Bürokratie und
Überregulierung zunehmend wirtschaftlich belastet. Zudem sinke dadurch die Attraktivität des Berufstandes. Der
bislang vom zuständigen BMLEH umgesetzte Bürokratieabbau bleibe hinter den Erwartungen der Branche und
den Erfordernissen des Sektors zurück, während Digitalisierung nicht zu Erleichterungen, sondern in vielen Fällen
zu neuen oder zusätzlichen Pflichten führe.
Mit dem vorliegenden Antrag soll die Bundesregierung aufgefordert werden, ein umfassendes Moratorium für
sämtliche neuen Bürokratiepflichten und Meldeauflagen in der Land- und Forstwirtschaft zu verhängen, alle
bestehenden und geplanten Auflagen und ordnungsrechtlichen Vorschriften im Geschäftsbereich des BMLEH
unverzüglich auf ihre Effizienz und Wirksamkeit zu überprüfen und diejenigen ohne erkennbaren Nutzen für
Verbraucher-, Tier- oder Umweltschutz zu streichen sowie Melde-, Dokumentations- und Nachweispflichten auf das
absolute EU-rechtliche Minimum zu reduzieren und künftig nationales Gold-Plating auszuschließen. Zudem soll
die Bundesregierung dem Deutschen Bundestag jährlich einen öffentlichen Bericht über den Stand und die Effekte
der deregulierten beziehungsweise abgeschafften Vorschriften vorlegen.
III. Stellungnahme des mitberatenden Ausschusses
Der Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union hat in seiner 11. Sitzung am 12. November
2025 mit den Stimmen der Fraktionen CDU/CSU, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke gegen die
Stimmen der Fraktion der AfD die Ablehnung des Antrags der Fraktion der AfD auf Drucksache 21/2548
empfohlen.
IV. Beratungsverlauf und Beratungsergebnisse im federführenden Ausschuss
1. Beratungsverlauf
Der Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat hat den Antrag der Fraktion der AfD auf Drucksache
21/2548 in seiner 10. Sitzung am 12. November 2025 abschließend beraten.
Die Fraktion der CDU/CSU bemerkte, dass mit der beschlossenen Änderung des Agrarstatistikgesetzes und der
anstehenden Änderung des Tierarzneimittelgesetzes Regelungen auf das durch das EU-Recht vorgegebene Maß
zurückgeführt würden. Auch wenn dies nur Kleinigkeiten seien, in der Summe ergäben sie eine sichtbare
Deregulierung. Zudem habe sich die Koalition vorgenommen, die Übererfüllung von EU-Vorgaben zu vermeiden. Das
im vorliegenden Antrag geforderte Moratorium für neue Bürokratiepflichten sei im Zusammenhang mit EU-Recht
nicht durchführbar, da Deutschland zur Einhaltung dieser Regelungen verpflichtet sei. Die Einführung einer neuen
Berichtspflicht der Bundesregierung sei im Übrigen das Gegenteil von Bürokratieabbau und halte das BMLEH
von wichtigeren Aufgaben ab.
Die Fraktion der AfD machte geltend, dass ein umfassendes Deregulierungsprogramm für die Landwirtschaft
nötig sei. Der Bürokratiekostenindex in diesem Bereich sei seit 2012 von 100 auf 156 Punkte angestiegen. Daher
sei ein Moratorium für neue Auflagen und eine vollständige Überprüfung aller bestehenden Vorschriften
gemeinsam mit der berufsständischen Praxis erforderlich. Dabei müssten Vorgaben auf das EU-rechtlich vorgegebene
Mindestmaß zurückgeführt sowie zukünftig auf Gold Plating und nationale Sonderwege verzichtet werden.
Die Fraktion der SPD hielt fest, dass der Bürokratieabbau im Agrarbereich ein zentrales Thema in den
Koalitionsverhandlungen gewesen und der vorliegende Antrag daher unnötig sei. Im zuständigen BMLEH würden
derzeit Vorschläge der Länder zum Bürokratieabbau auf Zuständigkeiten und Umsetzbarkeit geprüft.
Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN hielt fest, den aufgestellten Forderungen zur Deregulierung könne
nicht gefolgt werden. Zudem sei unredlich, in diesem Antrag ein Gold Plating abzulehnen, es in dem zeitgleich
eingebrachten Antrag auf Drucksache 21/2549 aber zu fordern.
Die Fraktion Die Linke betonte, dass mit dem Antrag Misstrauen gegenüber der Bundesregierung und den EU-
Institutionen geschürt werde. Damit werde keines der angesprochenen Probleme gelöst, sondern nur Spannungen
in der Bevölkerung vertieft.
Die Bundesregierung bekräftigte, dass das BMLEH intensiv am Bürokratieabbau und der Reduzierung von
Meldepflichten arbeite. Dabei nehme es u. a. die Nutzung bereits vorhandener Daten in den Blick. Außerdem habe es
sich die Rückführung von Regelungen auf das vom EU-Recht vorgegebene Maß vorgenommen, sobald eine
Übererfüllung auffalle.
2. Abstimmungsergebnis
Der Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat beschloss mit den Stimmen der Fraktionen
CDU/CSU, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke gegen die Stimmen der Fraktion der AfD, dem
Deutschen Bundestag zu empfehlen, den Antrag auf Drucksache 21/2548 abzulehnen.
Berlin, den 12. November 2025
Johannes Steiniger
Berichterstatter
Bernd Schattner
Berichterstatter
Dr. Franziska Kersten
Berichterstatterin
Dr. Ophelia Nick
Berichterstatterin
Ina Latendorf
Berichterstatterin
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ISSN 0722-8333]
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