Entlastung der Landwirtschaft durch Bürokratieabbau und Deregulierung
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Entlastung der Landwirtschaft durch Bürokratieabbau und Deregulierung
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/2548
21. Wahlperiode 04.11.2025
Antrag
der Abgeordneten Stephan Protschka, Peter Felser, Danny Meiners, Christian
Reck, Bernd Schattner, Julian Schmidt, Bernd Schuhmann, Dr. Michael Blos,
Olaf Hilmer, Steffen Janich, Enrico Komning, Dario Seifert, Lars Schieske,
Stefan Schröder, Alexander Arpaschi, Adam Balten, Carsten Becker,
Dr. Christoph Birghan, Joachim Bloch, René Bochmann, Erhard Brucker,
Thomas Dietz, Tobias Ebenberger, Hauke Finger, Hans-Jürgen Goßner,
Rainer Groß, Udo Theodor Hemmelgarn, Stefan Henze, Nicole Hess, Karsten
Hilse, Dr. Malte Kaufmann, Rocco Kever, Heinrich Koch, Achim Köhler, Pierre
Lamely, Reinhard Mixl, Edgar Naujok, Iris Nieland, Andreas Paul, Arne Raue,
Manfred Schiller, Dr. Paul Schmidt, Thomas Stephan, Martina Uhr, Jörg
Zirwes, Ulrich von Zons und der Fraktion der AfD
Entlastung der Landwirtschaft durch Bürokratieabbau und Deregulierung
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Die überbordende Bürokratie und die Überregulierung der Landwirtschaft in
Deutschland haben ein Maß erreicht, das vielen Betrieben ihre wirtschaftliche Basis entzieht
und die Attraktivität des Berufsstandes massiv beeinträchtigt. Landwirte sehen sich
mit einem stetigen Anstieg von Melde-, Nachweis- und Dokumentationspflichten
konfrontiert, deren Umfang und Komplexität selbst für größere Betriebe kaum noch zu
bewältigen sind. Besonders kleinere und mittlere Familienbetriebe geraten zunehmend
unter Druck, da sie die Ressourcen für die stetig wachsenden Verwaltungslasten oft
nicht aufbringen können (www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-1005850).
Der zuständige Bundesminister hat öffentlich angekündigt, unnötige Bürokratie für die
Landwirtschaft abzuschaffen (www.bmel.de/DE/themen/buerokratieabbau/buerokra-
tieabbau.html). Die bislang umgesetzten Schritte bleiben jedoch weit hinter den
Erwartungen der Branche und den Erfordernissen des Sektors zurück. Bislang beschränkt
sich der Bürokratieabbau auf Detailkorrekturen und technische Umstellungen. Vor
allem die viel zitierte Digitalisierung bedeutet für die meisten Betriebe oft nicht weniger,
sondern sogar neue oder zusätzliche Pflichten. Denn neue Meldewege, Foto-Apps,
satellitengestützte Flächenüberwachung oder Datenbankanbindungen schaffen
überwiegend zusätzlichen Kontrollaufwand, technische Unsicherheiten und Mehraufwand. An
eine echte Deregulierung traut sich der Bundesminister offensichtlich nicht heran.
Bleibt der klare Abbau unnötiger Vorschriften und bürokratischer Anforderungen aus,
wird die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Landwirtschaft weiter beeinträchtigt.
Erforderlich sind nun endlich konkrete, messbare und spürbare Entlastungsschritte.
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf,
1. ein umfassendes Moratorium für sämtliche neuen Bürokratiepflichten und
Meldeauflagen in der Land- und Forstwirtschaft zu verhängen, solange nicht
nachweisbar echte Entlastung und Bürokratieabbau erreicht wurden;
2. mit Beteiligung der berufsständischen Praxis und Verbände die bestehenden und
geplanten Auflagen und ordnungsrechtlichen Vorschriften im Geschäftsbereich
des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH)
unverzüglich auf ihre Effizienz und Wirksamkeit zu überprüfen und mit dem Ziel
einer spürbaren Deregulierung diejenigen zu streichen, die keinen zwingenden
Nutzen für Verbraucher-, Tier- oder Umweltschutz haben;
3. dabei sind insbesondere Melde-, Dokumentations- und Nachweispflichten auf das
absolute EU-rechtliche Minimum zu reduzieren und künftig nationales Gold-
Plating auszuschließen;
4. digitale Kontrollsysteme, die zu Mehraufwand führen, wie beispielsweise
verpflichtende Foto-Apps, doppelte Meldungen, unklare oder widersprüchliche
Systeme, rückzubauen und stattdessen relevante Verwaltungsprozesse zu
vereinfachen und zu standardisieren;
5. den Bundestag jährlich in einem öffentlichen Bericht über den Stand und die
Effekte der deregulierten beziehungsweise abgeschafften Vorschriften zu
informieren.
Berlin, den 4. November 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Begründung
Der Rückgang der Zahl landwirtschaftlicher Betriebe ist nicht nur ein ökonomisches, sondern zunehmend auch
ein administratives Problem. Statt spürbarer Entlastungen und praktischer Planungssicherheit erleben Landwirte
eine Politik der Misstrauensverwaltung, ständiger Kontrolle und immer neuer Dokumentations- und
Meldepflichten. Das Statistische Bundesamt beziffert allein die bürokratischen Belastungen für die Erfüllung der
Informationspflichten in der Landwirtschaft mittlerweile auf jährlich über 620 Millionen Euro (www.destatis.de/DE/
Methoden/WISTA-Wirtschaft-und-Statistik/2022/02/hofarbeit-statt-schreibtischzeit-022022.pdf?__blob=
publicationFile, S. 71). Der Bürokratiekostenindex für die Land- und Forstwirtschaft ist von einem Indexwert 100 im
Jahr 2012 bis Ende 2023 auf rund 156 Indexpunkten gestiegen (Bundestagsdrucksache 20/11544). Das ist ein
enormer Zuwachs und trauriger Negativrekord für den gesamten Wirtschaftsbereich.
Umfragen bestätigen, dass die überbordende Bürokratie heute die größte Alltagsbelastung für Landwirte ist. Mehr
als ein Viertel der befragten Betriebe verbringt wöchentlich fünf bis acht Stunden mit Büroarbeit, weitere 40
Prozent kommen auf zwei bis vier Stunden (www.agrarheute.com/management/groessten-zeitfresser-fuer-
landwirte-633289). Im Zuge der Bauernproteste Anfang 2024 reichten die Bundesländer 194 Vorschläge für einen
Bürokratieabbau ein. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) lehnte jedoch 33 davon
direkt ab und erklärte sich bei fast der Hälfte für gar nicht zuständig. Am Ende wurden Maßnahmen mit realer
Entlastungswirkung praktisch kaum umgesetzt, darunter allenfalls detailhafte Änderungen wie die Pflicht zum
Tragen von zwei Ohrmarken oder marginale Vereinfachungen bei Pflanzenschutzmitteln (www.agrar-
heute.com/politik/buerokratieabbau-hochdruck-nur-dampfplauderei-618661). Trotz öffentlicher
Ankündigungen seitens des BMEL, mit „Hochdruck“ am Bürokratieabbau zu arbeiten, bleiben die tatsächlichen Ergebnisse
in der Praxis weit hinter den Notwendigkeiten zurück (www.bmel.de/DE/themen/buerokratieabbau/buerokratie-
abbau_node.html).
Ein wesentlicher Treiber der übermäßigen bürokratischen Belastungen in der Landwirtschaft ist die Praxis des
sogenannten „Gold-Plating“ (www.normenkontrollrat.bund.de/Webs/NKR/SharedDocs/Newsletter/DE/2024/-
2024-3/05_artikel_goldplating.html?mtm_campaign=linksFromNewsletter). Deutschland setzt EU-Vorgaben
nicht nur eins zu eins um, sondern ergänzt sie regelmäßig um weitergehende nationale Vorschriften sowie
zusätzliche Nachweis- und Kontrollpflichten. Während Landwirte in anderen EU-Mitgliedstaaten vergleichbare
Aufgaben mit deutlich geringerem bürokratischen Aufwand erledigen können, wächst in Deutschland durch diese
Überregulierung der Verwaltungsdruck stetig weiter. Das Ergebnis sind gravierende Wettbewerbsnachteile für
die heimischen Betriebe.
Angesichts dieser Belastungen benötigt der Sektor jetzt einen klaren politischen Kurswechsel: Ein sofortiges
Moratorium für neue Bürokratie- und Meldepflichten, eine umfassende Überprüfung sämtlicher bestehender
Auflagen unter nachvollziehbarer Praxisbeteiligung sowie die konsequente Deregulierung aller Vorgaben auf das
absolute EU-rechtliche Minimum müssen jetzt eingeleitet werden. Nur so lassen sich Wettbewerbsfähigkeit und
gesellschaftliche Akzeptanz der deutschen Landwirtschaft dauerhaft sichern.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
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