Ambulante ärztliche Versorgung zukunftssicher machen
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Ambulante ärztliche Versorgung zukunftssicher machen
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/2716
21. Wahlperiode 11.11.2025
Antrag
der Abgeordneten Martin Sichert, Dr. Christina Baum, Carina Schießl,
Claudia Weiss, Kay-Uwe Ziegler, Thomas Dietz, Joachim Bloch, Tobias
Ebenberger, Nicole Hess, Dr. Christoph Birghan, Birgit Bessin, Kerstin
Przygodda, Alexis L. Giersch, Martina Kempf, Stefan Möller, Dr. Paul
Schmidt, Gereon Bollmann, Thomas Fetsch und der Fraktion der AfD
Ambulante ärztliche Versorgung zukunftssicher machen
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Patienten leiden unter Wartezeiten auf Arzttermine1, niedergelassene Ärzte unter ihren
Arbeitsbedingungen.2 Fehlende Attraktivität der Niederlassung3, das hohe
Durchschnittalter der heutigen Niedergelassenen4 und aktuell zusätzlicher wirtschaftlicher
Druck wie allgemeine Inflation und hohe Energiepreise5 werden die Situation weiter
verschlechtern und zukünftig auch in bisher noch weniger betroffenen Regionen zu
großen Problemen bei der ambulanten ärztlichen Versorgung führen.6 Die
Bevölkerung hat in ganz Deutschland einen Anspruch auf die funktionierende ambulante
ärztliche Versorgung.7 Gerade bei angestrebter Ambulantisierung der Versorgung sind
funktionierende Arztpraxen wichtig. Gerade infolge der anstehenden
Krankenhausreform wird die ärztliche Weiterbildung im ambulanten Bereich und damit auch bei den
niedergelassenen Ärzten an Bedeutung zunehmen. Dies alles darf weder durch
schlechte Arbeitsbedingungen der Niedergelassenen, wie überbordende Bürokratie
und fehlenden ärztlichen Nachwuchs noch durch für die Praxen nicht ausgleichbaren
Kostendruck gefährdet werden.
1 https://web.de/magazine/politik/langes-warten-arzttermine-steckt-dahinter-40012386
2 www.stern.de/gesundheit/kinderarzt-versorgt-2000-patienten---bleibt-aber-auf-behandlungskosten-sitzen--
33126302.html
3 www.zm-online.de/news/detail/mehrheit-der-aerzte-bewerten-praxissituation-als-schlecht
4 www.rbb24.de/politik/beitrag/2023/06/brandenburg-aerzte-mangel-land-rente-nachwuchs.html
5 www.wiwo.de/politik/deutschland/protest-gegen-lauterbachs-plaene-darum-bleiben-tausende-
arztpraxenam-montag-geschlossen/29421314.html
6 www.morgenpost.de/berlin/article239252335/aerztemangel-berlin-praxis-praxen-noststand.html
7 www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/lauterbach-klinikaufenthalte-101.html
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf,
darauf hinzuwirken, dass sichergestellt wird, dass
1. zusätzliche Medizin-Studienplätze geschaffen werden;
2. die Budgetierung für Ärzte abgeschafft wird;
3. mit Digitalisierung Bürokratie ab- statt ausgebaut wird;
4. der Medizinbürokratismus gestoppt wird und hierfür beim Bundesministerium
für Gesundheit eine Regierungskommission für Bürokratieabbau eingerichtet
wird, die auch mit Vertretern der Ärzteschaft besetzt ist und die konkrete
Vorschläge zum Abbau von Bürokratie erarbeitet und dafür die Vorgabe erhält, damit
mindestens 50 % der Dokumentationspflichten zu reduzieren und die ärztliche
Arbeitszeit für Bürokratie auf höchstens 20 % zu begrenzen;
5. ein gemeinsames Abrechnungs- und Vergütungssystem für ambulante
Leistungen einheitlich für Praxen, Krankenhäuser und Rettungsdienst geschaffen wird.
Berlin, den 11. November 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Begründung
Zu 1.:
Der Bundesgesundheitsminister hat die Schaffung zusätzlicher Medizin-Studienplätze in Deutschland
angemahnt.8 Das muss nun endlich umgesetzt werden.
Die älter werdende Gesellschaft und der Umstand, dass gleichzeitig Zehntausende Ärzte vor dem Ruhestand
stehen, der Trend zu mehr Teilzeitarbeit, da immer mehr Absolventen andere Prioritäten als früher setzen und
Beruf und Familie besser vereinbaren wollen sowie auch die Inanspruchnahme von Arbeitszeit durch Bürokratie
und nicht ärztliche Tätigkeiten etc. machen diese Aufstockung erforderlich.
Zu 2.:
Die niedergelassenen Ärzte in Deutschland müssen das Recht haben, ihren Beruf in Deutschland uneingeschränkt
auszuüben. Die Budgetierung grenzt die vertraglich zugesicherte freie Berufsausübung unzulässig und zu Lasten
der Patienten ein. Der Bedarf eines Patienten kann sich nicht an Budgets eines Arztes orientieren. Die Aufhebung
der Budgetierung muss und soll die Versicherten nicht finanziell belasten. Mehrkosten sind anderweitig
auszugleichen, zum Beispiel durch eine andere Finanzierung der versicherungsfremden Leistungen. Einer
unverhältnismäßigen Leistungsausweitung kann auch durch zusätzliche flankierende Maßnahmen wie der Einführung
eines mehrstufigen Bonussystems für Beitragszahler, das notwendige Arztkontakte nicht verhindert, aber von
leichtfertigen Besuchen abhält oder die Aufsicht durch einen weiterentwickelten Medizinischen Dienst im
Gesundheitswesen, der im Gegensatz zum bestehenden System paritätisch besetzt und finanziert sein wird,
entgegengewirkt werden.
Zu 3.:
Die Digitalisierung bringt auch in der ambulanten ärztlichen Versorgung grundsätzlich neue Möglichkeiten,
Arbeitsabläufe einfacher und schneller zu gestalten. Werden sie genutzt, gewinnen Ärzte zusätzliche Zeit, in der sie
sich ihren Patienten zuwenden können, statt wie bisher Papiere zu bearbeiten. Um in der Praxis wirklich
Patientennutzen zu bringen, müssen die neuen, mit der Digitalisierung eingeführten Prozesse aber die bisherigen
Arbeitsabläufe ersetzen und dürfen nicht etwa nur zusätzliche Arbeitsschritte erfordern. Außerdem müssen dafür
8 www.zeit.de/news/2022-05/24/lauterbach-ruft-laender-zu-mehr-medizinstudienplaetzen-auf
die neuen Arbeitsabläufe in der Praxis schneller sein als die alten. Werden mit der Digitalisierung in der
ambulanten ärztlichen Versorgung hingegen zusätzliche administrative Aufgaben für die Ärzte eingeführt oder sind
die neuen Abläufe zeitaufwändiger als die bisherige analoge Bearbeitung auf Papier, bringt die Digitalisierung
keinen Patientennutzen. Ganz im Gegenteil: Dann wird Bürokratie aus- statt abgebaut. Die Ärzte hätten dann
durch die Digitalisierung statt mehr sogar weniger Zeit als heute, sich den Patienten zuzuwenden.
Zu 4.:
Ärzte sollen behandeln statt verwalten. Der Abbau der überbordenden Bürokratie im Gesundheitswesen gehört
seit Jahren zu den Forderungen vieler Beteiligter im Gesundheitswesen. Geschehen ist bisher aber so gut wie
nichts. Im Gegenteil, ständig kommen neue Dokumentationsanforderungen hinzu, ohne dass ernsthaft die Frage
nach Aufwand und Ertrag gestellt wird. Angesichts des Ärztemangels müssen nun aber dringend Maßnahmen
ergriffen werden, der Unterversorgung der Bevölkerung entgegenzuwirken. Dazu gehören neben der
Aufstockung der Zahl von Medizin-Studienplätzen etc. eben auch konkrete Schritte, die die Ärzte von unnötiger
Bürokratie entlasten und ihnen somit die Möglichkeit geben, mehr Arbeitszeit für die Versorgung der Menschen zu
nutzen.
Die Ursache für den hohen und noch steigenden Bürokratieaufwand wird insbesondere auch in Anforderungen
der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) gesehen und hier insbesondere auch in Prüfverfahren. Damit wird im
Übrigen nicht nur bei Ärzten und anderen Leistungserbringern Bürokratie erzeugt, sondern auch bei den
Krankenkassen selbst. Schon im Jahre 2010 waren zirka 23 % der Ausgaben der GKV Ausgaben für bürokratische
Prozesse.9
Zu 5.:
Die angestrebte und sinnvolle Ambulantisierung ärztlicher Leistungen kann, wenn sie den Patienten
flächendeckend und wohnortnah zugutekommen soll, nicht darauf beschränkt werden, aus stationären
Krankenhausleistungen ambulante Krankenhausleistungen zu machen. Auch niedergelassene Ärzte müssen einbezogen werden
und dürfen dann bezüglich der Vergütung nicht schlechter gestellt werden als die Krankenhäuser. Um
medizinisch unnötige Transporte und Krankenhausaufenthalte zu vermeiden, sollen auch ambulante ärztliche
Leistungen im Rettungsdienst in das Vergütungssystem einbezogen werden.
9 www.aerzteblatt.de/archiv/124403/Buerokratie-in-Praxen-und-Krankenhaeusern-Vom-Versuch-den-Alltag-in-Ziffern-zu-pressen
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ISSN 0722-8333]
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