Rohdaten klinischer Prüfungen von Arzneimitteln offenlegen
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Rohdaten klinischer Prüfungen von Arzneimitteln offenlegen
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/2229
21. Wahlperiode 14.10.2025
Antrag
der Abgeordneten Dr. Michael Kaufmann, Martin Sichert, Dr. Christina Baum,
Carina Schießl, Claudia Weiss, Kay-Uwe Ziegler, Thomas Dietz, Joachim
Bloch, Tobias Ebenberger, Nicole Hess, Dr. Christoph Birghan, Birgit Bessin,
Kerstin Przygodda, Alexis L. Giersch, Martina Kempf, Stefan Möller, Dr. Paul
Schmidt, Gereon Bollmann, Thomas Fetsch, Nicole Höchst, Adam Balten,
Dr. Ingo Hahn, Andreas Mayer, Stefan Schröder, René Bochmann, Robin
Jünger, Maximilian Kneller, Sergej Minich, Martin Reichardt, Sven Wendorf,
Alexander Arpaschi, Carsten Becker, Erhard Brucker, Hauke Finger, Udo
Theodor Hemmelgarn, Stefan Henze, Karsten Hilse, Dr. Malte Kaufmann,
Rocco Kever, Kurt Kleinschmidt, Heinrich Koch, Achim Köhler, Manuel
Krauthausen, Reinhard Mixl, Edgar Naujok, Iris Nieland, Arne Raue, Lars
Schieske, Jan Wenzel Schmidt, René Springer, Martina Uhr, Ulrich von Zons
und der Fraktion der AfD
Rohdaten klinischer Prüfungen von Arzneimitteln offenlegen
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag weist in seinem
Arbeitsbericht „Data-Mining – gesellschaftspolitische und rechtliche
Herausforderungen“ (Bundestagsdrucksache 20/5149) darauf hin, dass „Unternehmen, die klinische
Studien zum Sicherheits- und Leistungsnachweis von medizinischen Produkten
finanzieren, nicht zur Bereitstellung ihrer Studiendaten verpflichtet“ sind (S. 19).
Die derzeitige Rechtslage wird durch die EU-Verordnung Nr. 536/2014 „Clinical
Trials Regulation“ (CTR-VO) sowie § 42b des Arzneimittelgesetzes (AMG) bestimmt.
Gemäß Artikel 37 Absatz 4 CTR-VO muss der Sponsor einer klinischen Prüfung, die
im EU-Raum durchgeführt wurde, eine Zusammenfassung der Prüfergebnisse an eine
EU-Datenbank, konkret an das Clinical Trials Information System (CTIS) der
European Medicines Agency (EMA) schicken.
Für außerhalb des EU-Bereichs durchgeführte klinische Prüfungen gilt § 42b AMG,
wonach der pharmazeutische Unternehmer Ergebnisberichte an die zuständige
Bundesoberbehörde, d. h. das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte
beziehungsweise das Paul-Ehrlich-Institut einreichen muss. Diese werden schließlich in
einem Internetportal veröffentlicht, das mit der EMA-Datenbank verbunden ist.
Sowohl CTR-VO als auch AMG sehen den Schutz von vertraulichen persönlichen
Daten und von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen vor. Auch anonymisierte Daten,
sogenannte Rohdaten, der einzelnen Teilnehmer an einer klinischen Prüfung müssen
nicht vorgelegt werden.
An dieser Rechtslage hat sich auch durch das Medizinforschungsgesetz vom 23.
Oktober 2024 nichts Wesentliches geändert. Die Verordnung (EU) 2025/327 des
Europäischen Parlaments und des Rates vom 11. Februar 2025 über den europäischen
Gesundheitsdatenraum, Ziff. 60, sieht zwar die Notwendigkeit der Datennutzung, ohne
allerdings eine mögliche Verpflichtung zur Offenlegung von Rohdaten einzuführen:
„Die Daten klinischer Prüfungen und klinischer Untersuchungen sollten so weit wie
möglich zur Verfügung gestellt werden, wobei alle erforderlichen Maßnahmen zum
Schutz der Rechte am geistigen Eigentum und von Geschäftsgeheimnissen zu
ergreifen sind.“
Ähnlich fordert die Deklaration von Helsinki der World Medical Association (letzte
Fassung vom Oktober 2024): „Researchers have a duty to make publicly available the
results of their research on human participants […]. Negative and inconclusive as well
as positive results must be published or otherwise made publicly available.“
Der oben genannte Bericht des Büros für Technikfolgenabschätzung führt zu diesem
Thema aus: „Vertreter/innen der freien Wirtschaft, der (medizinischen) Forschung
sowie öffentlicher Einrichtungen kritisieren seit Jahren die derzeitigen Verfahren […]
und betonen im medizinischen Kontext die gesundheitsbezogenen Risiken durch die
Nichtnutzung von Daten, wenn beispielsweise Erkrankungsrisiken, Infektionsherde
oder unerwünschte Nebenwirkungen von Behandlungsverfahren nicht erkannt werden.
Die Etablierung offenerer Datennutzungskonzepte sollte daher diskutiert bzw. geprüft
werden.“ (ebd., S. 19).
So verlangte auch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (jetzt
Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt) bei von ihm geförderten
klinischen Studien, dass „die Originaldaten zu den Publikationen unter Verwendung
aktueller internationaler Standards […] zum Austausch und zur Nachnutzung zur
Verfügung gestellt werden“ (https://projekttraeger.dlr.de/media/gesundheit/GF/Grund-
saetze_Verantwortlichkeiten_Klinische_Studien.pdf, S. 4). Gemäß gegenwärtiger
Rechtslage sind diese Daten nicht verpflichtend freizugeben.
Eine Offenlegung von Studienrohdaten ist auch dann angezeigt, wenn in der
öffentlichen Diskussion oder dem wissenschaftlichen Diskurs begründete Zweifel an der
Wirksamkeit oder Sicherheit bereits zugelassener Arzneimittel aufgetreten sind.
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf,
die nötigen rechtlichen Grundlagen zu schaffen, dass Sponsoren klinischer Prüfungen
von Arzneimitteln verpflichtet sind, unter Wahrung des Datenschutzes und der
Datensicherheit anonymisierte Rohdaten dieser Prüfungen auf begründeten Antrag zu
nichtkommerziellen, nicht-militärischen Zwecken medizinischer Forschung Dritten zur
Verfügung zu stellen.
Berlin, den 14. Oktober 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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