Besuch des Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung in Italien bei Sea Watch
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Besuch des Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung in Italien bei Sea Watch
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/1923
21. Wahlperiode 01.10.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Stefan Keuter, Dr. Rainer Rothfuß, Udo Theodor Hemmelgarn,
Jan Wenzel Schmidt, Uwe Schulz, Dr. Alexander Wolf und der Fraktion der AfD
Besuch des Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung in Italien
bei Sea Watch
Der Beauftragte der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und
humanitäre Hilfe, Dr. Lars Castelluci (SPD), reiste vom 28. bis 30. Juli 2025 nach
Palermo und Lampedusa. „Im Mittelpunkt seiner ersten Reise als
Menschenrechtsbeauftragter steht die Seenotrettung im Mittelmeer. Dazu wird er Gespräche mit
Vertretern der Präfektur Palermo, dem Bürgermeister von Lampedusa sowie
mit Nichtregierungsorganisationen führen. Geplant ist außerdem die Begleitung
auf einem Aufklärungsflug der Organisation »Sea Watch« über dem
Mittelmeer“ (vgl. www.auswaertiges-amt.de/de/newsroom/2728436-2728436?pk_kw
d=link_Der+Beauftragte+der+Bundesregierung+f%C3%BCr+Menschenrechts
politik+und+humanit%C3%A4re+Hilfe+Lars+Castellucci+reist+nach+Italien).
Im Zuge seiner Dienstreise empfahl er, „die zivile Seenotrettung weiter zu
unterstützen, solange sie gebraucht werde, aber zugleich an einer europäischen
Seenotrettungsmission zu arbeiten“, obgleich das Auswärtige Amt gerade die
Finanzierung von, aus Sicht der Fragesteller an Schlepperei beteiligten,
Nichtregierungsorganisationen wie Sea Watch oder United for Rescue (vgl. https://ta
z.de/Fluechtlingspolitik-im-Haushaltsausschuss/!5894549/#:~:text=Das%20bes
chloss%20der%20Haushaltsausschuss%20des,vielmehr%20eine%20%E2%80
%9ESeeblockade%E2%80%9C%20angek%C3%BCndigt; demnach erhielten
drei Organisationen [im Jahr 2023, Anmerkung der Fragesteller] eine
Förderung mit Mitteln des Bundes: „SOS Humanity e. V.“ erhielt 746 828 Euro,
„Sea-Eye e. V.“ 365 000 Euro sowie „SOS MEDITERRANEE Deutschland“
400 000 Euro, vgl. Bundestagsdrucksache 21/11199), eingestellt hat, was die
Fragesteller begrüßen (vgl. auch www.fr.de/politik/fluechtlinge-italien-regierun
g-setzt-flugzeug-von-sea-watch-fest-mittelmeer-93878116.html sowie www.n
d-aktuell.de/artikel/1193219.seenotrettung-italien-setzt-sea-watch-flugzeug-fes
t.html). Noch zu Jahresbeginn flossen Haushaltsmittel des Bundes in die
Seenotrettung (vgl. www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/bundesregierung-seeno
trettung-104.html).
Die Pflicht zur Seenotrettung umfasst die Verbringung der in Not geratenen
Menschen in den nächsten sicheren Hafen, der sich nicht notwendigerweise
innerhalb der EU befinden muss (vgl. Wissenschaftliche Dienste des Deutschen
Bundestages: Rechtliche Aspekte der Seenotrettung von Flüchtlingen, www.bu
ndestag.de/resource/blob/975686/WD-3-119-23-pdf.pdf). Eine
„Seenotrettung“, wie sie von Sea Watch und anderen Nichtregierungsorganisationen
betrieben wird, führt nach Ansicht der Fragesteller zum Anstieg der illegalen
Migration und zur Förderung der Schleppereikriminalität. Sie gefährdet
Menschenleben und ist daher zutiefst menschenverachtend.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Hat sich die Bundesregierung zu der vom Menschenrechtsbeauftragten der
Bundesregierung vorgeschlagenen „europäischen Seenotrettungsmission“
eine Auffassung gebildet, und wenn ja, wie lautet diese (bitte begründen;
wenn eine solche Mission befürwortet wird, bitte angeben, welche
Schritte die Bundesregierung zu deren Umsetzung ergreifen möchte)?
2. Teilt die Bundesregierung die Auffassung des
Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung, wonach die „zivile Seenotrettung“ weiterhin
finanziell unterstützt werden sollte, obgleich das Auswärtige Amt die
Finanzierung der betreffenden Organisationen beendet hat (bitte
begründen)?
3. Mit welchen Nichtregierungsorganisationen hat der
Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung in Italien zu welchen Themen Gespräche
geführt?
4. Welche Dienstreisen des Menschenrechtsbeauftragten (wohin und zu
welchen Thematiken) sind für die Jahre 2025 sowie 2026 geplant?
5. Hat sich die Bundesregierung zur Thematik Seenotrettung bzw.
Unterbinden von Schleppereiaktivitäten mit der italienischen Regierung in
Verbindung gesetzt, wenn ja, wann, mit wem, und mit welchem Ergebnis?
6. Hat sich die Bundesregierung eine Auffassung darüber erarbeitet, welche
Häfen in welchen Mittelmeeranrainerstaaten als sicher einzustufen sind
(bitte begründen)?
7. Hat sich die Bundesregierung eine Auffassung zu der Aussage der
Nichtregierungsorganisation Sea Watch, wonach Italien sie als „Zeugen der
Situation im Mittelmeer loszuwerden“ versuche, gebildet, und wenn ja,
wie lautet diese (vgl. www.fr.de/politik/fluechtlinge-italien-regierung-setz
t-flugzeug-von-sea-watch-fest-mittelmeer-93878116.html; bitte
begründen)?
8. Liegen der Bundesregierung eigene oder fremde Erkenntnisse darüber vor,
dass „italienische Behörden die Hilferufe von Booten in Seenot ignoriert“
hätten und dadurch „dutzende Menschen“ ertrunken seien, wie Sea Watch
behauptet (vgl. www.fr.de/politik/fluechtlinge-italien-regierung-setzt-flug
zeug-von-sea-watch-fest-mittelmeer-93878116.html; wenn ja, bitte
angeben)?
9. Liegen der Bundesregierung eigene oder fremde Erkenntnisse darüber vor,
dass „von Italien und der EU ausgerüstete libysche Milizen auf
Seenotretter und fliehende Menschen geschossen“ hätten, wenn ja, wann, und wie
viele Menschen wurden dabei getötet (vgl. www.fr.de/politik/
fluechtlingeitalien-regierung-setzt-flugzeug-von-sea-watch-fest-mittelmeer-9387811
6.html)?
10. Welche Schlussfolgerungen aus den o. g. (siehe Fragen 8 und 9) gegen die
italienische Regierung gerichteten Behauptungen von Sea Watch (einer
Organisation mit Sitz in Deutschland, vgl. www.fr.de/politik/
fluechtlingeitalien-regierung-setzt-flugzeug-von-sea-watch-fest-mittelmeer-9387811
6.html) zieht die Bundesregierung hinsichtlich der deutsch-italienischen
Beziehungen (bitte begründen)?
11. Welche Summen flossen im ersten Quartal des Jahres 2025 sowie sollen
ggf. im Jahr 2026 an sogenannte Seenotrettungsorganisationen fließen
(vgl. https://taz.de/Fluechtlingspolitik-im-Haushaltsausschuss/!5894549/#:
~:text=Das%20beschloss%20der%20Haushaltsausschuss%20des,vielmeh
r%20eine%20%E2%80%9ESeeblockade%E2%80%9C%20angek%C3%
BCndigt sowie www.fr.de/politik/fluechtlinge-italien-regierung-setzt-flug
zeug-von-sea-watch-fest-mittelmeer-93878116.html und www.tagesscha
u.de/inland/innenpolitik/bundesregierung-seenotrettung-104.html; bitte
gemäß Organisation und Jahr aufschlüsseln und den Haushaltstitel
angeben)?
12. Ist diese Auftaktreise des Menschenrechtsbeauftragten als Zeichen der
Bundesregierung zu werten, dass künftig der Seenotrettung eine gestärkte
Rolle im Rahmen der Menschenrechtspolitik zukommen soll?
Berlin, den 18. September 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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