Eigentümer und Mieter vor Klimapolitik schützen - Wohnflächensteuerung beenden
Text
Eigentümer und Mieter vor Klimapolitik schützen - Wohnflächensteuerung beenden
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/1553
21. Wahlperiode 09.09.2025
Antrag
der Abgeordneten Marc Bernhard, Carolin Bachmann, Sebastian
Münzenmaier, Otto Winfried Strauß, Bastian Treuheit, Volker Scheurell, Olaf
Hilmer, Rocco Kever, Hans-Jürgen Goßner, René Bochmann, Udo Theodor
Hemmelgarn, Denis Pauli, Alexander Arpaschi, Dr. Paul Schmidt, Kay
Gottschalk, Hauke Finger, Torben Braga, Christian Douglas, Rainer Groß,
Jörn König, Reinhard Mixl, Iris Nieland, Diana Zimmer, Adam Balten, Carsten
Becker, Birgit Bessin, Dr. Christoph Birghan, Joachim Bloch, Peter Bonhof,
Tobias Ebenberger, Rainer Galla, Alexis L. Giersch, Stefan Henze, Nicole
Hess, Karsten Hilse, Dr. Michael Kaufmann, Kurt Kleinschmidt, Maximilian
Kneller, Pierre Lamely, Edgar Naujok, Arne Raue, Lars Schieske, Jan Wenzel
Schmidt, René Springer, Martina Uhr, Sven Wendorf, Kay-Uwe Ziegler, Jörg
Zirwes, Ulrich von Zons und der Fraktion der AfD
Eigentümer und Mieter vor Klimapolitik schützen – Wohnflächensteuerung
beenden
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Innerhalb der letzten 36 Jahre wuchs der deutsche Wohnflächenverbrauch im
Durchschnitt um 10 Quadratmeter pro Person.1 Dieser lediglich moderat zu nennende
Zuwachs ist dem Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung, Bauwesen und
Kommunen (BMWSB) offenbar Grund genug, Eigentümern und Mietern hierzulande
einreden zu lassen, dass ihr Wohnverhalten dem Klima des Planeten schade, sozial
ungerecht wäre oder zur Wohnungsnot beitrüge.2
1 Statistisches Bundesamt: Pressemitteilung N041 vom 29. Juni 2023; URL: www.destatis.de/DE/Presse/
Pressemitteilungen/2023/06/PD23_N041_31.html; Zugriff am 20. Juni 2025. Es standen Ende 2021 rechnerisch
pro Person rund 48 Quadratmeter zur Verfügung und rund 92 pro Wohnung.
2 BMWSB: Empfehlungen und Stellungnahmen des Beirats für Raumentwicklung beim Bundesministerium
für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen in der 20. Legislaturperiode des Deutschen Bundestages;
www.bmwsb.bund.de/SharedDocs/downloads/Webs/BMWSB/DE/veroeffentlichungen/raumordnung/
beirat/gesamtpublikation-20-lp.html; Kapitel 2.6.; Zugriff am 20. Juni 2025. Siehe hierzu auch: BBSR:
Suffizienz. Forschung im Gebäudebereich; URL: www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/veroeffentlichungen/
sonderveroeffentlichungen/2024/suffizienz-forschung-gebaeudebereich.html; Zugriff am 20. Juni 2025.
Auch im EU-weiten Vergleich3 liegen Deutschlands Wohnungen lediglich dreieinhalb
Quadratmeter oberhalb des Mittelwertes.4 Spanien, Österreich, Schweden, Portugal,
Niederlande, Schweiz, Dänemark, Norwegen, Belgien, Island, Luxemburg und Zypern
bewegen sich hingegen deutlich über dem EU-Durchschnitt. Es wohnen die dortigen
Bürger in Wohnungen auf Flächen zwischen rund 99 und 141 Quadratmetern.
20 Millionen Gebäude mit Wohnraum in Deutschland zählte der Zensus 2022. Rund
17 Millionen davon sind in Privateigentum.5 Folgerichtig daher, dass eine Publikation
des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) Ein- und
Mehrfamilienhäuser zur Aufteilung identifizierte: „Für sie sollten Strategien zur Beseitigung und
Vermeidung von Unterbelegung oder Leerstand entwickelt werden.“6
Von einem Verteilungsproblem zu reden und nicht von Wohnungskrise, empfehlen7
die Studienverfasser weiter und fordern ferner, bestehende gesellschaftliche Barrieren
gegenüber suffizienten Wohnformen und -normen abzubauen. Hierzu hätten
Soziologie, Psychologie und Kommunikationswissenschaft zu sekundieren, um unter anderem
„[…] bei Personen mit besonders hoher Wohnfläche Problembewusstsein und
Handlungswillen zu erreichen.“8
Ein „autoritärer Geist eines Klimakollektivismus“9 wohnt dem Suffizienzdiskurs inne
und brach sich auch schon die Bahn im Bauausschuss10 des Deutschen Bundestages.
Dort führte ein Gutachter seinerzeit aus, dass Wohnungen von 9 Millionen Mietern
oder Eigentümern mit zwei oder drei weiteren Menschen aufgefüllt werden könnten.
Widerwillen gegen diese Form des Totalitarismus zeigen unter anderem die
Ergebnisse einer qualitativen Querschnittsanalyse des Verbandes Wohneigentum. Demnach
lehnten 68 Prozent der Befragten „Maßnahmen zum flächensparenden Wohnen“11 ab,
70 Prozent fühlten sich in ihren derzeitigen Wohnräumen wohl, knapp 60 Prozent
wären nicht bereit, Teile des Wohnraumes zu vermieten und lediglich 26 Prozent
empfänden die eigene Wohnfläche als zu groß.
3 Gleichwohl finden auch im EU-Raum ein Diskurs zum Wohnflächenverbrauch statt, der Schnittmengen
ausbildet zu den Themen: bezahlbarer Wohnraum, nachhaltige Stadtentwicklung und ressourcenschonende
Flächennutzung.
4 Eurostat: Durchschnittliche Wohnfläche nach Haushaltstyp und Verstädterungsgrad; Datensatz nach dem
Brexit; URL: https://ec.europa.eu/eurostat/databrowser/view/ilc_hcmh02/bookmark/table?lang=de&book-
markId=f8c1728d-a556-4c15-9ecc-a52775daf885; Zugriff am 20. Juni 2025. Eurostat gibt den deutschen
Wert mit 94,3 Quadratmetern an, während das Zusatzprogramm Wohnen des Mikrozensus 2022 (a. a. O.)
durchschnittlich 96 Quadratmeter je Wohnung in Deutschland dokumentiert.
5 Statistisches Bundesamt: Ergebnisse des Zensus 2022 - Gebäude- und Wohnungszählung; URL: www.zen-
sus2022.de/DE/Aktuelles/Gebaeude_Wohnungen_VOE.html; Zugriff am 20. Juni 2025.
6 Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR): Unterstützung von Suffizienzansätzen im
Gebäudebereich; S. 65; URL: www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/veroeffentlichungen/bbsr-online/2023/bbsr-on-
line-09-2023.html; Zugriff am 20. Juni 2025.
7 Ebd.: S. 98.
8 Ebd.: S. 99.
9 Siehe hierzu: Spektrum der Wissenschaft: Bedrohung macht kollektiver – Sozialpsychologe Prof. Dr. Immo
Fritsche im Interview; URL: www.spektrum.de/news/klimaangst-bedrohung-durch-klimawandel-macht-
kollektiver/1913551; Zugriff am 20. Juni 2025; „Wir können als Einzelpersonen effektiv nichts gegen den
Klimawandel tun, deswegen brauchen wir eine kollektive Wahrnehmung [...] Ja, es besteht die Gefahr einer Art
Umweltautoritarismus“.
10 Im Jahre 2011 hätten 4 Millionen Deutsche in Wohnungen allein gelebt, mit je über 80 Quadratmeter. Weitere
4,8 Millionen Haushalte des Jahres 2014 bewohnten 100 Quadratmeter zu zweit. Man könne folglich diese
zusammengenommen 9 Millionen Wohnungen nutzen, um für zusätzlich 20 Millionen Menschen Wohnraum
zu schaffen. Siehe hierzu: Deutscher Bundestag – Ausschuss für Wohnen, Stadtentwicklung, Bauwesen und
Kommunen: 29. Sitzung; Anhörung „Traum von den eigenen vier Wänden ermöglichen“; URL: www.bun-
destag.de/resource/blob/919808/7f5dc549932c67446a0349761753f78b/Stellungnahme-SV-Fuhrhop.pdf;
Zugriff am 20. Juni 2025.
11 Verband Wohneigentum: Teilen, Umbauen, Vermieten. Ergebnisse der Befragung zum Thema
untergenutzter Wohnraum; S. 4; URL: www.verband-wohneigentum.de/bv-oberfranken/downloadmime/235097/
Ergebnisse+Befragung+Wohnraum_Verband+Wohneigentum.pdf; Zugriff am 20. Juni 2025.
Die ersten Zeichen eines klimakollektivistischen Geistes aus den
Gebietskörperschaften sind im Zuge der kommunalen Wärmeplanungen bereits zu vernehmen. So
verkündete im April 2025 die Bonner Oberbürgermeisterin Dörner (Die Grünen), Bürger
aus Wohnungen drängen oder Wohnflächensteuern verhängen zu wollen.12 Nach
kritischer Berichterstattung verlautete der Sprecher der Stadt Bonn jedoch bereits am
24. April, dass die Wohnflächenbesteuerung nicht konkret ausgeplant werde.13
Was das BMWSB noch als psychologische Beeinflussung erforschen lässt (siehe
oben), geriet bei Dörner bereits zu einer Art Gewissensprüfung, die in einer
„Beratungsstelle zur Optimierung der Wohnraumnutzung“ stattzufinden hat. Dies kommt
keineswegs überraschend, so datiert eine Broschüre des im Klima-NGO-System
wirkenden „Wuppertal-Instituts“14 mit dem bezeichnenden Namen „Wie könnten
Beratungsangebote zur Optimierung der Wohnflächennutzung aussehen?“ bereits auf das
Jahr 2021.
Es gilt nun, mit aller Entschlossenheit für die Freiheit des Wohnens einzustehen, einer
Bevormundung durch den Bund entgegenzutreten und den Irrweg zu beenden, den
Kommunen mittels klimaideologischer Gängelung von Eigentümern und Mietern neue
Einnahmequellen in Aussicht zu stellen.
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf,
1. von der Einführung von Bestimmungen darüber abzusehen, die darauf zielen, den
pro Person zugestandenen Wohnraum auf dem freien Wohnungsmarkt zu
begrenzen;
2. von der Einführung von Bestimmungen abzusehen, die darauf zielen, Eigentümer
und Mieter aus ihren Wohnungen zu verdrängen;
3. im Rahmen des Bundeshaushalts keine Mittel einzuplanen, die durch
Forschungsprojekte, Studien und ähnliche Vorhaben darauf hinwirken sollen, den
pro Person in Anspruch genommenen Wohnraum zu begrenzen oder zu
verringern;
4. Forschungsprojekte oder -vorhaben einzustellen, die darauf abzielen, persönliche
Wohnflächen auf dem freien Wohnungsmarkt zu begrenzen oder zu verringern;
5. in Förderprogrammen und ähnlichen Maßnahmen Vorgaben zu streichen, die auf
eine Verringerung des pro Person in Anspruch genommenen Wohnraums
hinwirken;
6. im Rahmen der Europäischen Union Bestrebungen entgegenzutreten, die darauf
abzielen, beschränkende europäische Vorgaben für die pro Person in Anspruch
zu nehmende Wohnfläche einzuführen.
Berlin, den 9. September 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
12 Siehe nius: „Grüne Regierung will Menschen aus ihren Wohnungen verdrängen – und eine
Wohnflächensteuer wird auch geprüft“; URL: www.nius.de/politik/news/gruene-regierung-in-bonn-will-menschen-
ausihren-wohnungen-verdraengen/af7bedeb-15bf-42b6-9f98-249b67686796; Zugriff am 20. Juni 2025.
13 „Kommunal: Wohnflächensteuer. Angriff auf Eigentum oder Lösung?“; URL: https://kommunal.de/wohn-
flaechensteuer-fuer-zu-grosse-wohnungen; Zugriff am 20. Juni 2025.
14 Wuppertal Institut: „Wie könnten Beratungsangebote zur Optimierung der Wohnflächennutzung aussehen?“;
URL: https://ressourceneffiziente-stadtquartiere.de/wp-content/uploads/2023/05/OptiWohn_Analyse-
Wohnberatung.pdf; Zugriff am 20. Juni 2025.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
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