Potenziale serieller, industrieller und innovativer Bauweisen zur Senkung der Wohnbaukosten
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Potenziale serieller, industrieller und innovativer Bauweisen zur Senkung der Wohnbaukosten
Deutscher Bundestag Drucksache 21/7604
21. Wahlperiode 17.08.2026
Kleine Anfrage
des Abgeordneten Otto Strauß, Marc Bernhard, Carolin Bachmann, Olaf Hilmer,
Sebastian Münzenmaier, Volker Scheurell, Bastian Treuheit, Dr. Paul Schmidt und
der Fraktion der AfD
Potenziale serieller, industrieller und innovativer Bauweisen zur Senkung der
Wohnbaukosten
Der Wohnungsbau in Deutschland bleibt deutlich hinter dem in der
vergangenen Wahlperiode formulierten Ziel von 400 000 neuen Wohnungen jährlich
zurück. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden im Jahr 2025 in
Deutschland 206 600 Wohnungen fertiggestellt; zugleich lag die Zahl der
genehmigten, aber noch nicht fertiggestellten Wohnungen zum Jahresende 2025
bei 760 700. Die durchschnittliche Dauer zwischen Genehmigung und
Fertigstellung einer Neubauwohnung in Wohngebäuden verlängerte sich seit 2020
von 20 auf 27 Monate (vgl. Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung
Nummer 174 vom 22. Mai 2026).
Die Entwicklung der Baukosten bleibt ein wesentlicher Faktor für die
Wohnraumversorgung. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes stiegen die
Preise für den Neubau konventionell gefertigter Wohngebäude im Februar 2026
gegenüber Februar 2025 um 3,3 Prozent (vgl. Statistisches Bundesamt,
Pressemitteilung Nummer 126 vom 10. April 2026). Das Bundesministerium für
Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen verweist im Zusammenhang mit
seriellem und modularem Bauen auf Potenziale für schnelleren und
kostengünstigeren Wohnungsbau (vgl. Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung
und Bauwesen, Pressemitteilung vom 17. Oktober 2023).
Aus Sicht der Fragesteller stellt sich daher die Frage, ob die Bundesregierung
die Senkung der Baukosten, die Steigerung der Bauproduktivität, die
Verkürzung von Planungs- und Bauzeiten sowie technologieoffene industrielle
Bauweisen ausreichend berücksichtigt. Dies betrifft insbesondere serielle und
modulare Bauweisen, robotergestützte Fertigung, digitale Planung, ultrahochfesten
Beton, Textilbeton, Leichtbau-, Waben- und Sandwichkonstruktionen sowie
vergleichbare Bauweisen. Auch der Gebäudetyp E und das
Bundesforschungszentrum für klimaneutrales und ressourcenschonendes Bauen berühren diese
Fragen (vgl. Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen,
Informationen zum Gebäudetyp E; vgl. Bundesministerium für Wohnen,
Stadtentwicklung und Bauwesen, Pressemitteilung vom 24. November 2025).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Über welche belastbaren Erkenntnisse verfügt die Bundesregierung zum
Potenzial serieller, modularer, industrieller und robotergestützter
Bauweisen für eine Senkung der Baukosten im Wohnungsbau in Deutschland?
2. In welchem Umfang fördert die Bundesregierung seit dem Jahr 2020
Forschungsprojekte, die auf eine Senkung der Wohnbaukosten durch
Produktivitätssteigerung, industrielle Vorfertigung, Automatisierung oder
Digitalisierung des Bauprozesses zielen?
3. Wie viele seit dem Jahr 2020 geförderte Forschungsprojekte des Bundes
befassen sich mit ultrahochfestem Beton, Textilbeton, Leichtbau,
Sandwichkonstruktionen, Wabenkonstruktionen oder vergleichbaren
Verbundsystemen im Wohnungsbau, und welche Fördersummen entfielen jeweils
auf diese Projekte?
4. Sind seit dem Jahr 2020 Forschungsanträge zu ultrahochfestem Beton,
Wabenbeton, robotergestützter Fertigung, serieller Leichtbauweise oder
vergleichbaren Bauweisen durch Bundesprogramme, insbesondere durch
das Innovationsprogramm Zukunft Bau, abgelehnt worden, und wenn ja,
wie viele Anträge betraf dies jeweils nach Jahr, Programm, Projektthema,
beantragter Fördersumme und Ablehnungsgrund?
5. Nach welchen Kriterien werden in Förderprogrammen,
Forschungsprogrammen und Vergabeverfahren des Bundes Bauwerkskosten je
Quadratmeter Wohnfläche, Bauzeit, Vorfertigungsgrad, Produktivität,
Montageeffizienz und erwartbare Baukostensenkungen berücksichtigt, und welche
Erkenntnisse liegen der Bundesregierung zu Baukostensenkungen durch
serielle oder industrielle Vorfertigung im Vergleich zum konventionellen
Wohnungsbau vor?
6. Welche technischen, bauordnungsrechtlichen, haftungsrechtlichen,
normativen oder wirtschaftlichen Hindernisse sieht die Bundesregierung für den
Einsatz von ultrahochfestem Beton und vergleichbaren
Hochleistungswerkstoffen im mehrgeschossigen Wohnungsbau?
7. Welche Regelungen des Gebäudetyp-E-Gesetzes zielen konkret auf
serielle, modulare oder industriell vorgefertigte Bauweisen, welche
Erkenntnisse liegen der Bundesregierung zur bisherigen Anwendung des
Gebäudetyps E im Wohnungsbau vor, und in wie vielen Fällen wurde er seit
Inkrafttreten genutzt?
8. Plant oder betreibt die Bundesregierung Pilotprojekte, Reallabore oder
Demonstrationsvorhaben, bei denen innovative Bauweisen ausdrücklich
mit dem Ziel niedrigerer Wohnbaukosten, kürzerer Bauzeiten oder höherer
Bauproduktivität erprobt werden, und wenn ja, welche?
9. Wie verteilen sich die Bundesmittel seit dem Jahr 2020 in den
einschlägigen Programmen der Bauforschung auf die Themen Holzbau, energetische
Sanierung, Energieeffizienz, CO2-arme Baustoffe, Ressourceneffizienz,
Digitalisierung, Automatisierung, robotergestützte Fertigung, industrielle
Vorfertigung und Baukostensenkung (bitte jeweils nach Jahr, Programm,
Projektzahl und Fördersumme auflisten)?
10. Hat die Bundesregierung geprüft, in welchem Umfang staatliche
Förderprogramme im Wohnungsbau durch Baukostensenkungen,
Produktivitätssteigerungen oder vereinfachte Standards ersetzt oder reduziert werden
könnten, und wenn ja, zu welchem Ergebnis ist sie gekommen?
11. Welche konkreten Maßnahmen zur Senkung der Baukosten mit dem Ziel,
die Wohneigentumsbildung für Haushalte mit mittleren Einkommen zu
erleichtern, hat die Bundesregierung seit 2021 ergriffen oder plant sie, und
mit welchem quantifizierten Entlastungsziel?
12. Über welche Daten verfügt die Bundesregierung zur Wohneigentumsquote
in Deutschland im europäischen Vergleich, und welche Maßnahmen
verfolgt sie, um die Wohneigentumsbildung durch kostensenkende
Bauweisen, schnellere Genehmigungen und einfachere Standards zu erleichtern?
Berlin, den 12. August 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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