Deutsche Beteiligung an den internationalen Hilfslieferungen nach Gaza per "Airdrop"
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Deutsche Beteiligung an den internationalen Hilfslieferungen nach Gaza per "Airdrop"
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/1528
21. Wahlperiode 09.09.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Stella Merendino, Lea Reisner, Nicole Gohlke, Dr. Michael
Arndt, Anne-Mieke Bremer, Maik Brückner, Mandy Eißing, Kathrin Gebel, Vinzenz
Glaser, Christian Görke, Ates Gürpinar, Maren Kaminski, Cansin Köktürk, Ina
Latendorf, Sonja Lemke, Charlotte Antonia Neuhäuser, Sören Pellmann, Zada
Salihović, Evelyn Schötz, Julia-Christina Stange, Sarah Vollath und der Fraktion
Die Linke
Deutsche Beteiligung an den internationalen Hilfslieferungen nach Gaza per
„Airdrop“
Durch die von der israelischen Regierung angeordnete vollständige Blockade
von Hilfslieferungen im März 2025 hat sich die ohnehin dramatische
humanitäre Lage in Gaza weiter verschärft. Die Integrated Food Security Phase
Classification hat für Gaza inzwischen die höchste Alarmstufe (Phase 5) ausgerufen
und spricht von einer akuten Hungersnot (IPC_GazaStrip_Alert_July2025.pdf).
Die in Gaza tätigen Hilfsorganisationen kritisieren die strikten Auflagen der
israelischen Regierung, die ihre humanitäre Arbeit nahezu unmöglich machen.
Dadurch stauen sich Millionen Tonnen Hilfsgüter in Lastwagen an den Grenzen
zu Ägypten und Jordanien oder verbleiben teilweise bereits in Gaza, ohne an
die Zivilbevölkerung ausgeliefert zu werden (Gazastreifen: Hilfsorganisationen
beklagen Vorgaben durch Israel | tagesschau.de). Auf internationalen Druck
erlaubt die israelische Regierung seit Ende Juli 2025 wieder in begrenztem
Umfang Hilfslieferungen nach Gaza. Neben den Lieferungen über den
Landweg durch die umstrittene Gaza Humanitarian Foundation, gelangen Hilfsgüter
nach Gaza auch per internationaler Luftunterstützung, an der sich die
Bundeswehr mit zwei Transportflugzeugen beteiligt (Gazastreifen: Hilfsorganisationen
beklagen Vorgaben durch Israel | tagesschau.de).
Der Abwurf von Hilfsgütern wurde jedoch von zahlreichen Organisationen wie
dem Deutschen Roten Kreuz und Plan International bereits vor ihrem Einsatz
scharf kritisiert. Sie gelten als kostenintensiv, ineffektiv und werden vom
Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen nur dann eingesetzt, wenn alle
anderen Wege blockiert sind (Warum der Abwurf von Hilfsgütern über Gaza kr
itisiert wird – DW – 29.07.2025).
Zudem stellen „Airdrops“ eine Gefahr für die Menschen vor Ort dar.
Internationale Medien berichten, dass Zivilistinnen und Zivilisten bereits durch die
herabfallenden Ladungen erschlagen wurden (Palestinian boy killed in Gaza aid d
rop as starvation toll rises to 217 | Gaza News | Al Jazeera). Hinzu kommt, dass
die Verteilung der Hilfsgüter nicht koordiniert und kontrolliert werden kann –
weder wer sie tatsächlich erhält noch ob sie in die Hände der Hamas gelangen.
Genau dies führt die israelische Regierung als Begründung für die
ursprüngliche Einstellung der Hilfslieferungen an.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche Maßnahmen hat die Bundesregierung unternommen, um
sicherzustellen, dass alle anderen Möglichkeiten zur Lieferung von Hilfsgütern nach
Gaza blockiert sind, bevor man auf die Lieferung per „Airdrop“ setzte?
2. Welche Gründe sprechen laut Bundesregierung für die Lieferung von
Hilfsgütern per „Airdrop“ im Vergleich zur Lieferung über den Land- oder
Seeweg?
3. Wie viele finanzielle Mittel hat die Bundesregierung für die Beteiligung an
der internationalen Mission vorgesehen?
a) Welcher Anteil dieser Mittel entfällt konkret auf die Hilfslieferungen?
b) Welcher Anteil entfällt auf die Koordination und den Betrieb der
Mission?
4. Wie viele Tonnen an Hilfsgütern werden nach Kenntnis der
Bundesregierung insgesamt per Luft geliefert?
a) Wie viele Tonnen an Hilfsgütern wurden bereits geliefert?
b) Wie viele Tonnen an Hilfsgütern werden täglich per Lufttransport
abgeliefert?
5. Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung und welche Absprachen
wurden mit Bündnispartnern getroffen, um sicherzustellen, dass
ausreichende Hilfslieferungen per „Airdrop“ zur Deckung des Bedarfs der
Zivilbevölkerung geliefert werden?
6. a) Wie stellt die Bundesregierung sicher, dass die Hilfsgüter beim Abwurf
keine Gefahr für die palästinensische Zivilbevölkerung darstellen?
b) Ziehen die Berichte über erschlagene Zivilistinnen und Zivilisten durch
herabfallende Ladungen Konsequenzen für die Methode der Lieferung
nach sich?
7. Wie gewährleistet die Bundesregierung, dass die Hilfsgüter gerecht verteilt
werden und die Menschen erreichen, die sie am dringendsten benötigen?
a) Wie wird sichergestellt, dass die Hilfsgüter nicht in die Hände der
Hamas fallen?
b) Folgen aus den Berichten über die Hilfslieferungen, die an die Hamas
gelangten, Konsequenzen für die Methode der Lieferung?
8. Ist die Bundesregierung der Auffassung, dass mit den bereits ergriffenen
Maßnahmen die ausreichende Versorgung der Zivilbevölkerung in Gaza
gewährleistet ist, und welche weiteren Schritte sind darüber hinaus
vorgesehen?
Berlin, den 3. September 2025
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
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ISSN 0722-8333]
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