Schienenersatzverkehr zwischen Friedrichshafen und Ravensburg (Antwort zu Drs. 21/527)
Text
Schienenersatzverkehr zwischen Friedrichshafen und Ravensburg (Antwort zu Drs. 21/527)
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/821
21. Wahlperiode 08.07.2025
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Wolfgang Wiehle, Dr. Rainer Rothfuss,
René Bochmann, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD
– Drucksache 21/527 –
Schienenersatzverkehr zwischen Friedrichshafen und Ravensburg
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Vom 6. März bis zum 8. Juni 2026 wird gemäß den Angaben der Deutschen
Bahn AG die Bahnstrecke zwischen Friedrichshafen und Ravensburg für
94 Tage gesperrt sein. Grund für die Sperrung sollen notwendig gewordene
Austausche der Eisenbahnbrücken in Friedrichshafen und in Meckenbeuren
sein (www.suedkurier.de/region/bodenseekreis/bodenseekreis/diese-bahn-baus
tellen-gibt-es-2026-zwischen-ravensburg-und-friedrichshafen;art410936,1232
5867).
Während der dreimonatigen Sperrung wird es Schienenersatzverkehre geben,
die statt elf Minuten mehr als eine halbe Stunde für diese Strecke benötigen
werden (www.schwaebische.de/regional/bodensee/friedrichshafen/bahn-vertei
digt-dreimonatige-sperre-der-schienen-zum-bodensee-3578151).
Vorschläge des Bodensee-Oberschwaben-Verkehrsverbundes (Bodo), mittels
des Einbaus einer zusätzlichen Weiche in Meckenbeuren den Zugverkehr
zwischen Ravensburg und Meckenbeuren aufrechterhalten zu können, wurden
seitens der DB AG mit dem Hinweis auf weitere Arbeiten an der Bahnstrecke
in Meckenbeuren, die keinen Zugverkehr zwischen Ravensburg und
Meckenbeuren erlauben würden, abgelehnt (www.schwaebische.de/regional/bodense
e/friedrichshafen/bahn-verteidigt-dreimonatige-sperre-der-schienen-zum-bode
nsee-3578151).
Bereits vor mehreren Jahren ist die Strecke Ulm-Friedrichshafen-Lindau
elektrifiziert worden (nachhaltigkeit.deutschebahn.com/de/news/elektrifizierung-su
edbahn-bw). Die in den betreffenden Landkreisen zuständigen Landräte
kritisieren, dass der Austausch der baufälligen Brücken nicht bereits während
dieser Arbeiten durchgeführt wurden und in Folge eine erneute Sperrung
stattfinden wird (www.schwaebische.de/regional/bodensee/friedrichshafen/
sperrungder-suedbahn-fahrgaeste-werden-in-den-bus-gezwungen-news-3588220).
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Verkehr vom
8. Juli 2025 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
1. Zu welchem Zeitpunkt hat die Deutsche Bahn AG bzw. die
entsprechende Konzerntochter nach Kenntnis der Bundesregierung beschlossen, die
Eisenbahnbrücken in Meckenbeuren und Friedrichshafen auszutauschen?
Nach Auskunft der Deutschen Bahn AG (DB AG) nähern sich die Bauwerke
gemäß statischen Berechnungen dem Ende ihrer technischen
Restnutzungsdauer im Jahr 2026. Mit der Planung, Grundlagenermittlung und Voruntersuchung
zur Erneuerung der Bauwerke ist im Jahr 2018 begonnen worden.
2. Wäre es nach Kenntnis der Bundesregierung technisch und
organisatorisch möglich gewesen, zeitgleich mit der Elektrifizierung der Strecke
zwischen Ulm und Lindau auch die beiden Brücken auszutauschen?
Nach Auskunft der DB AG war in der Planungs- und Realisierungsphase zur
Elektrifizierung der Südbahn die Notwendigkeit zur Erneuerung der Bauwerke
noch nicht gegeben. Die Realisierung der beiden Brückenbaumaßnahmen
parallel zu den Bauarbeiten zur Elektrifizierung der Südbahn wäre baubetrieblich
zudem nicht möglich gewesen.
3. Wenn eine gleichzeitige Elektrifizierung und ein Austausch der
baufälligen Brücken technisch und organisatorisch möglich gewesen wären,
weshalb wurden die Maßnahmen nicht koordiniert?
Nach Auskunft der DB AG wiesen die Brücken zum Zeitpunkt des Projekts
Südbahn gemäß der regelmäßig durchgeführten Bauwerksuntersuchungen nicht
erneuerungsbedürftige Zustandskategorien auf. Erst im Jahr 2018 seien
Erneuerungsbedarfe für beide Brücken festgestellt worden. Zu diesem Zeitpunkt war
mit der Umsetzung der Elektrifizierung bereits begonnen worden.
4. Welche weiteren Baumaßnahmen an der Bahnstrecke zwischen
Meckenbeuren und Ravensburg werden nach Kenntnis der Bundesregierung ggf.
zusätzlich zum Austausch der Brücken in Meckenbeuren und
Friedrichshafen während der geplanten Sperrung durchgeführt?
Nach Auskunft der DB AG werden folgende Baumaßnahmen realisiert:
• Erneuerung der Eisenbahnüberführung (EÜ) Niederbiegen,
• EÜ Meckenbeuren,
• Erneuerung des Fußgängerstegs (FÜ) + Neubau Bahnsteig,
• EÜ Friedrichshafen,
• Erneuerung des Bahnübergangs,
• Modernisierung des Bahnhofs Aulendorf,
• elektronisches Stellwerk Aulendorf,
• weitere kleinere Instandhaltungsmaßnahmen (z. B. Kappenerneuerung an
der Straßenüberführung Meersburger Straße und Brückeninspektionen).
5. Inwiefern werden die in Frage 4 erfragten zusätzlichen Bauarbeiten dazu
beitragen, dass der Einbau von Weichen in Meckenbeuren und die
Aufrechterhaltung des Zugverkehrs zumindest zwischen Ravensburg und
Meckenbeuren unmöglich ist (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
6. Wäre es nach Kenntnis der Bundesregierung technisch möglich,
zwischen Meckenbeuren und Ravensburg den Bahnverkehr für die Zeit des
Brückenaustausches aufrechtzuerhalten, ggf. auch im eingleisigen
Pendelverkehr ohne Nutzung von Weichen?
7. Wenn Frage 6 bejaht wird, welche Maßnahmen mit welchem
zusätzlichen Kostenaufwand wären dafür notwendig gewesen?
Die Fragen 5 bis 7 werden gemeinsam beantwortet.
Nach Auskunft der DB AG ist aufgrund der örtlich gegebenen Signal- und
Stellwerkstechnik die Aufrechterhaltung des Zugverkehrs parallel zu den
Bauarbeiten nicht möglich.
Die Dauer der Planungs- und Bauleistungen für den Einbau einer zusätzlichen
Weiche und die Anpassung der Signal- und Stellwerkstechnik hätten nach
Auskunft der DB AG mindestens 18 Monate gedauert, und die zu erwartenden
Kosten wurden auf über 1 Mio. Euro geschätzt.
8. Hat es nach Kenntnis der Bundesregierung zwischen der DB AG bzw.
der für die Bauarbeiten zuständigen Konzerntochter der DB AG
Gespräche mit dem Bodensee-Oberschwaben-Verkehrsverbund (Bodo) und mit
Landräten der betroffenen Landkreise gegeben?
9. Hat es nach Kenntnis der Bundesregierung seitens des Bodo oder seitens
der Landräte Bedenken gegen die Einrichtung des
Schienenersatzverkehrs gegeben, und sind von diesen konkrete Lösungsvorschläge
unterbreitet worden, und wenn ja, wie haben die Vertreter der DB AG oder
ihrer Konzerntochter darauf reagiert?
Die Fragen 8 und 9 werden gemeinsam beantwortet.
Nach Auskunft der DB AG wurden seit dem Jahr 2021 die erforderlichen
Sperrpausen mit den Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU), zu denen auch die
bodo-Verkehrsunternehmen des Bodensee-Oberschwaben-Verkehrsverbundes
zählen, besprochen. Die EVU haben sich für eine längere Sperrung (82 Tage)
ausgesprochen.
10. Welche Alternativen zu den geplanten Bau- bzw. Sanierungsvorhaben
auf der Bahnstrecke zwischen Friedrichshafen und Ravensburg, die
zumindest einen eingeschränkten Betrieb gewährleistet hätten, wurden
durch die DB AG ggf. geprüft, und welche rechtlichen, technischen und/
oder betrieblichen Gründe lagen vor, diese nicht zu realisieren?
11. Sofern keine Alternativen zu den geplanten Bau- bzw.
Sanierungsvorhaben auf der Bahnstrecke zwischen Friedrichshafen und Ravensburg
durch die DB AG geprüft wurden, aus welchen Gründen unterblieb die
Prüfung von Alternativen, die zumindest einen eingleisigen Betrieb der
Strecke mit eingeschränktem Angebot gewährleistet hätte?
Die Fragen 10 und 11 werden gemeinsam beantwortet.
Nach Auskunft der DB AG hätte eine eingleisige Betriebsführung zu
erheblichem Mehraufwand geführt. Hierfür wären zusätzliche Streckensperrungen und
umfangreiche Bauarbeiten zur technischen Anpassung notwendig gewesen.
Zudem hätte diese Variante erhebliche Eingriffe in Bezug auf umweltrechtliche
Themen mit intensiven Abstimmungen und ggf. weiteren Kosten zur Folge
gehabt. Mit der Bündelung der Maßnahmen wurde die geringstmögliche
Streckensperrung und Auswirkung auf die Fahrgäste erreicht.
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