Stand der Gasversorgung und Einspeicherung im Sommer 2026
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Stand der Gasversorgung und Einspeicherung im Sommer 2026
Deutscher Bundestag Drucksache 21/7599
21. Wahlperiode 17.08.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Michael Kellner, Dr. Julia Verlinden, Dr. Alaa Alhamwi, Lisa
Badum, Dr. Sandra Detzer, Julian Joswig, Sandra Stein, Katrin Uhlig, Andreas
Audretsch und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Stand der Gasversorgung und Einspeicherung im Sommer 2026
In der Heizperiode 2025/2026 waren die Gasspeicher wesentlich geringer
gefüllt als in vorherigen Wintern. Hinsichtlich der niedrigen Speicherfüllstände
zum Ende der Heizperiode war für Gasversorger wie Speicherbetreiber klar,
dass die fristgerechte Wiederbefüllung über den Sommer anspruchsvoll werden
würde. Entsprechende Einspeicherraten sind daher notwendig. Der Krieg im
Iran und die Sperrung der Straße von Hormus führen auf dem globalen
Gasmarkt und beim LNG-Export (LNG = Liquefied Natural Gas) zu massiven
Preisauswirkungen. Hinzu kommt, dass kurzfristige Lieferungen regelmäßig
nach Asien gehen, wo mehrere Länder Energiesparmaßnahmen verordnet
haben und die Bevölkerung mit Preisrekorden und akuten
Versorgungsknappheiten zu kämpfen hat. Derweil füllen sich die deutschen Speicher sehr langsam.
Ein Blick auf die Zahlen der Bundesnetzagentur zeigt, dass das Speicherniveau
unterhalb des Niveaus der bisher niedrigsten Füllstandsverläufe seit 2018
nachzeichnet (vgl. www.bundesnetzagentur.de/DE/Gasversorgung/aktuelle_gasvers
orgung/_svg/Gasspeicher_Fuellstand/Speicherfuellstand.html). Für eine sichere
Versorgung im kommenden Winter braucht es aus Sicht der fragestellenden
Fraktion neben ausreichenden Einspeichermengen im Sommer eine gezielte
Reduzierung des Verbrauchs durch den Ersatz von z. B. Gasheizungen durch
klimafreundliche Heiztechnologien sowie die Umstellung auf elektrische
Prozesse und das Heben von Effizienzen.
Sollte die Bundesregierung mehrere der folgenden Fragen aus Gründen der
Übersichtlichkeit zusammenfassend beantworten, wird ausdrücklich darum
gebeten, in der Antwort für jede Einzelfrage spezifisch auf die erfragten
Unterpunkte einzugehen.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie hoch ist die Füllstandsdifferenz der deutschen Gasspeicher im
Vergleich zum Stichtag 2025?
2. Gibt es Anzeichen, dass einzelne Speicher die Füllstandsvorgaben nicht
erreichen werden, wenn ja, bei welchen Speichern, und welche
Maßnahmen werden diesbezüglich ergriffen?
3. Wie wirken sich die niedrigen Füllstände der deutschen Gasspeicher zum
Ende der Heizperiode 2025/2026 und die durch den Krieg im Iran
gestiegenen Preise auf die Einspeicherung und den Sommer-Winter-Spread aus?
4. Wie hoch sind zum Stichtag die Füllstände der Gasspeicher unserer
europäischen Nachbarländer, mit denen wir per Gasleitung direkt verbunden
sind?
5. Wie stellen sich die tagesaktuellen Füllstände der an das bayerische
Gasnetz angeschlossenen Gasspeicher (inklusive der für die bayerische
Versorgung relevanten österreichischen Speicher wie Haidach) im Vergleich
zum selben Stichtag der Jahre 2024 und 2025 dar, und werden sie nach
Einschätzung der Bundesregierung ihre Füllstandsvorgaben bis zur
Heizperiode 2026/2027 erreichen?
6. Gibt es derzeit Gespräche mit Importeuren, Speicherbetreibern und
weiteren Marktteilnehmern, um kurzfristig die Einspeichermengen zu erhöhen,
und wenn ja, welche Maßnahmen werden diesbezüglich in Betracht
gezogen?
7. Gibt es Pläne zur Änderung der Füllstandsvorgaben, wenn ja, welche, und
sollen diese schon für die kommende Heizperiode greifen?
8. Gib es eine neue Bewertung zur Funktionalität des Sommer-Winter-
Spreads hinsichtlich des Weltmarktpreises für Gas und der anhaltenden
geringen Einspeicherung oder gilt weiterhin die dazu auf
Bundestagsdrucksache 21/5306 getroffene Aussage?
9. Wenn die Einschätzung weiter Gültigkeit hat, welche Ursachen und
Erkenntnisse liegen hinsichtlich der zurückhaltenden Speicherbefüllung vor?
10. Wie viel wird die von der Bundesministerin für Wirtschaft und Energie
Katherina Reiche angekündigte Gasumlage im Rahmen der
angekündigten Gasreserve kosten?
11. Wie soll die Gasreserve als Ganze finanziert werden, und wie viel soll die
angekündigte Umlage zur Finanzierung beitragen?
12. Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung, zu ergreifen, um die noch
nicht für diesen Winter greifende Gasreserve im Falle eines Mangels
auszugleichen?
13. Zu wann will die Bundesregierung die Gasreserve beschließen, und in
welchem Zeitraum soll diese wie angelegt werden?
14. Welche Bedeutung haben die zur Stilllegung beantragten Gasspeicher
hinsichtlich möglicher neuer Speicher- und Versorgungsbedarfe, um im Zuge
der Kraftwerksstrategie entstehende Gas-Kraftwerke zu versorgen?
15. Welche Bedeutung haben die weiterhin in der Straße von Hormus
gebundenen Gastankerkapazitäten für die Versorgung von Deutschland und
Europa?
16. Welche Einschätzung gibt es zur Entwicklung der LNG-Lieferungen nach
Deutschland sowie in die Europäische Union aus dem arabischen Raum?
17. Wie verläuft die Reduzierung des Gasimports aus Russland in die
Europäische Union, und wird dieser Gasimport planmäßig vollständig eingestellt,
wenn ja, wann, und wenn nein, warum nicht?
18. Welche Kosten sind der deutschen Volkswirtschaft im ersten Halbjahr
2026 (gegebenenfalls für die bisher vorliegenden Monate) für den Import
von fossilem Gas entstanden, und welcher prozentuale Anteil dieser
Kosten ist nach Kenntnis der Bundesregierung auf Preisaufschläge durch die
Blockade der Straße von Hormus zurückzuführen?
19. Welche Krisenszenarien oder Notfallpläne hat die Bundesregierung
speziell für die Gasversorgung Süddeutschlands erarbeitet, wenn die
Befüllungsvorgaben dort nicht bzw. nicht rechtzeitig eingehalten werden bzw.
sobald die Füllstände der bayerischen und österreichischen Speicher das
kritische Niveau des letzten Winters noch unterschreiten?
20. Welche Mehrkosten für die deutsche Volkswirtschaft entstanden im
Vergleich zum Vorjahrszeitraum für den Import von fossilem Gas durch den
Krieg im Iran und die Blockade der Straße von Hormus?
21. Mit welchen durchschnittlichen Mehrkosten, aufgrund des gestiegenen
Importpreises, muss ein mit Gas heizender Durchschnittshaushalt für die
kommende Heizperiode rechnen?
22. Ist geplant, die Energietransportleitung (ETL) 182 Elbe Süd nach Achim
nach dem Ausstieg aus fossilem Gas für grüne Gase, wie z. B. grünen
Wasserstoff, zu nutzen?
23. Welche Fortschritte bei der Reduzierung des Gasverbrauchs sind seit
Jahresbeginn erreicht worden?
24. Sind zusätzlich Programme geplant oder in Umsetzung, um den
Gasverbrauch zu reduzieren, wenn ja, welche, und wenn nein, warum nicht?
25. Plant die Bundesregierung hinsichtlich des knappen Weltmarktangebots
und der im Vergleich geringen Speicherfüllstände Energiesparmaßnahmen
oder Appelle an die Bevölkerung und Unternehmen, wenn ja, wann, und
mit welchem Inhalt?
26. Plant die Bundesregierung, Gesetze einzubringen, um den Gasverbrauch
in Deutschland zu reduzieren, und wenn ja, welche?
27. Besteht nach Einschätzung der Bundesregierung das Risiko, durch
geplante oder in Umsetzung befindliche gesetzliche Regelungen die
Abhängigkeit von fossilem Gas zu erhöhen?
28. Wie bewertet die Bundesregierung das Gebäudemodernisierungsgesetz
hinsichtlich der Abhängigkeit Deutschlands von
a) fossilen Gasimporten und
b) Importen von biogenen Gasen?
Berlin, den 13. August 2026
Katharina Dröge, Britta Haßelmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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