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Rede von Katrin Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Vereinbarte Debatte

dip / rede 24.09.2026 · WP 21 · Original ↗

Teil von Protokoll der 96. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages · TOP 18: Vereinbarte Debatte:.

Das Protokoll 21/96 liegt bei DIP nur als Vorabfassung vor: Der Text endet vor dem Schluss der Sitzung, zu Protokoll gegebene Reden fehlen in polradar (der endgültige Bericht war für den 29.09.2026 angekündigt). Vollständig im Plenarprotokoll (PDF) ↗.

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Text

Rede von Katrin Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Vereinbarte Debatte Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuschauer/-innen! Liebe Evelyn Zupke! Ich war noch nicht geboren, als in den frühen Morgenstunden des 13. August 1961 die DDR damit begann, ihre Grenze abzuriegeln, ihre Menschen einzusperren und den Stacheldraht und die Barrikaden, später Beton und Selbstschussanlagen, zuerst in Berlin und dann im ganzen Land zu befestigen. Dennoch gehörte das alles zu der Wirklichkeit meines ersten Lebens in der Diktatur. Die Mauer: betongewordene Unfreiheit. Sie war der 1 378 Kilometer lange Beweis der Hilflosigkeit der Diktatur. Sie war der Beweis, dass sich die DDR, die SED, nicht anders zu helfen wusste, als ihre Bürgerinnen und Bürger einzusperren, als ihnen grundlegende Rechte abzuerkennen, politisch Unerwünschte zu drangsalieren, zu bespitzeln, auszugrenzen, und, ja, wegzusperren. Die ausgesperrte Freiheit brach sich dennoch immer wieder Bahn. Denn die Köpfe, ja die Seelen von Menschen, die Träume nach Freiheit, nach Rede-, nach Meinungsfreiheit, und der Wunsch, zu reisen, wohin man möchte – all das lässt sich nicht einsperren. Wir können es bei Charly Hübners „Spaziergang nach Syrakus“ gerade noch einmal im Kino betrachten. Nicht bei den Alten, die den Kommunismus für eine ehrliche Sache hielten und erschüttert waren über die Bonzenrepublik DDR, nicht bei den Jungen, die als Punks einzig und allein in einem kleinen Dorf in der Nähe von Saalfeld unter kirchlichem Schutz Heimat fanden – all das ließ sich nicht wirklich einsperren. Meine Damen und Herren, die Mauer zerriss Familien, tötete Menschen und trennte unser Land. Ihre Überreste hier in Berlin und am Grünen Band entlang der einstigen Grenze erinnern noch heute an das begangene Unrecht. Bei den vergangenen Wahlen sind zwei Parteien angetreten, die sich zum Programm gemacht haben, diesen Teil der Vergangenheit auszublenden und ihn zu verklittern: mit aufpolierten Mopeds oder angekitschten russländischen Beziehungen. Doch die Vergangenheit ändert sich nicht, wenn diese Leute einen Teil davon weglassen. Die Vergangenheit ist das, was unser Auftrag ist für unser Land. Die Mauer durch unser Land war ein düsteres Kapitel unserer gesamtdeutschen Geschichte, und wir sind es den Opfern der zweiten deutschen Diktatur schuldig, nicht zu verharmlosen und schon gar nicht schönzureden. Die Überreste der Mauer erzählen aber auch noch etwas anderes: Sie erzählen davon, wie einst wenige und dann immer mehr Mutige in der DDR sich gegen Unfreiheit auflehnten. Sie erzählt davon, wie sich Menschen Hand in Hand friedlich mit Gesang und Kerzen ihre Freiheit erkämpften. Sie erzählt davon, dass die Freiheit, die uns Wohlstand – ja, Wohlstand! – und Sicherheit gegeben hat, keine Selbstverständlichkeit ist. Sie erzählt davon, dass der Lauf der Dinge in unseren Händen liegt, etwas, das wir uns heute angesichts drohender rechtsextremer Landesregierungen bitte ins Gedächtnis rufen. Die Überreste der Mauer sind Auftrag, –

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