Wirtschaftliches Potenzial der Biotechnologie und aktuelle Entwicklungen bei der BioNTech SE
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Wirtschaftliches Potenzial der Biotechnologie und aktuelle Entwicklungen bei der BioNTech SE
Deutscher Bundestag Drucksache 21/7227
21. Wahlperiode 21.07.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Julian Joswig, Dr. Andrea Lübcke, Ayse Asar, Dr. Sandra
Detzer, Dr. Alaa Alhamwi, Michael Kellner, Sandra Stein, Katrin Uhlig, Andreas
Audretsch, Claudia Müller und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Wirtschaftliches Potenzial der Biotechnologie und aktuelle Entwicklungen bei
der BioNTech SE
Die Biotechnologie ist die zentrale Schlüsseltechnologie für
Gesundheitsversorgung, industrielle Innovation und technologische Souveränität. Im Jahr 2024
waren in Deutschland 1 020 Biotechnologieunternehmen mit rund 56 000
Beschäftigten ansässig; der Branchenumsatz lag bei etwa 11 Mrd. Euro, die
Forschungs- und Entwicklungsausgaben bei rund 4,6 Mrd. Euro (www.bmftr.b
und.de/DE/Forschung/Schluesseltechnologien/Biotechnologie/biotechnologie_
node.html). Zugleich weisen aktuelle Branchenanalysen darauf hin, dass die
deutsche Biotechnologie trotz starker wissenschaftlicher Grundlagen bei
Finanzierung, Skalierung, klinischer Entwicklung, Regulierung und internationaler
Wettbewerbsfähigkeit vor erheblichen Herausforderungen steht (www.ey.com/
de_de/insights/health/die-deutsche-biotech-branche-und-der-globale-wettlauf).
Im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD ist für die
Bundesregierung festgehalten, die Biotechnologie als „Schlüsselindustrie“ zu fördern und
Gründungen in diesem Bereich durch bessere Bedingungen zu unterstützen
(www.koalitionsvertrag2025.de/sites/www.koalitionsvertrag2025.de/files/koa
v_2025.pdf). Zudem zählt die Biotechnologie zu einem Förderschwerpunkt des
aufgelegten Deutschlandfonds; durch Garantien und Beteiligungen sollen
private Investitionen von etwa 130 Mrd. Euro mobilisiert werden (www.bundesre
gierung.de/breg-de/aktuelles/deutschlandfonds-gestartet-2400860).
Eine besondere Aufmerksamkeit gilt dem Unternehmen BioNTech SE, das
während der COVID-19-Pandemie die biotechnologische Innovationskraft des
deutschen Standorts unter Beweis gestellt hat und erst vor wenigen Monaten
das Unternehmen CureVac übernommen hatte, an welchem der Bund beteiligt
war (www.tagesschau.de/wirtschaft/unternehmen/biontech-curevac-uebernahm
e-102.html). Nach aktuellen Berichten plant das Unternehmen die Schließung
mehrerer Produktionsstandorte in Deutschland und im Ausland, insgesamt
könnten bis zu 1 860 Stellen betroffen sein (www.spiegel.de/wirtschaft/unterne
hmen/biontech-schliesst-standorte-in-deutschland-1860-stellen-in-gefahr-a-21b
cb7ab-5987-4bf1-a00d-7e7e8dbb46f7). Außerdem prüft der US-Konzern
Moderna die Übernahme von BioNTech-Werken (www.handelsblatt.com/unterneh
men/industrie/pharma-us-konzern-moderna-prueft-kauf-von-biontech-werken/1
00233087.html).
Vor diesem Hintergrund zeigt sich ein komplexes Lagebild zum Stand der
Biotechnologie in Deutschland sowie dem bestehenden und möglichen Potenzial
für Innovation und wirtschaftliche Wertschöpfung in einer zentralen
Zukunftstechnologie.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche Gespräche hat die Bundesregierung seit Mai 2025 mit den
Unternehmen BioNTech SE und CureVac, den betroffenen Ländern,
Gewerkschaften, Betriebsräten oder regionalen Akteuren über die Zukunft der
Branche und der Unternehmensstandorte geführt (bitte nach Datum,
Gesprächspartnern und Themen auflisten)?
2. Welche Gespräche hat die Bundesregierung seit Bekanntwerden der von
BioNTech angekündigten Standortschließungen mit potenziellen
Investoren, insbesondere Moderna, sowie mit weiteren betroffenen Akteuren
geführt, und welche konkreten Ergebnisse oder Verhandlungsstände liegen
dazu vor (bitte nach Datum, Gesprächspartnern und Themen auflisten)?
3. Wurden die Anteile des Bundes an der Firma CureVac durch die
Übernahme von der BioNTech SE erworben, wenn ja, zu welchen Konditionen,
und wenn nein, welche vertraglichen Konditionen bestehen nun
gegenüber der BioNTech SE?
4. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über den geplanten
Stellenabbau, die Standortschließungen und die strategische Neuaufstellung der
BioNTech SE in Deutschland?
5. Welche wirtschaftlichen, arbeitsmarktpolitischen und
innovationsbezogenen Folgen erwartet die Bundesregierung durch die geplanten
Standortschließungen und Umstrukturierungen bei BioNTech für die betroffenen
Standorte, Beschäftigung, regionale Innovationsökosysteme und
industrielle Produktionskapazitäten in Deutschland?
6. Wie beurteilt die Bundesregierung die aktuellen und zukünftigen
Produktionskapazitäten und die damit verbundene Impfstoffversorgung in
Deutschland vor dem Hintergrund des möglichen Wegfalls von
BioNTech-Produktionsstätten, wie wirken sich die Standortschließungen
auf die geschlossenen Pandemiebereitschaftsverträge zur
Pandemievorsorge und die Reaktionsfähigkeit im Krisenfall aus, und welche
industriepolitischen Maßnahmen zieht die Bundesregierung zur dauerhaften
Sicherstellung der Impfstoffversorgung in Erwägung?
7. Welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung aus den aktuellen
Entwicklungen bei BioNTech sowie der allgemeinen Branchenlage für die
strategische Resilienz und Zukunftsfähigkeit des Biotechnologiestandorts
Deutschland?
8. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung darüber, in welchem
Umfang durch die Umstrukturierung bei BioNTech strategisch relevante
Kompetenzen in den Bereichen mRNA (Messenger-Ribonukleinsäure),
Onkologie, Impfstoffentwicklung oder biopharmazeutische Produktion in
Deutschland verloren zu gehen drohen?
9. Welches Potenzial sieht die Bundesregierung durch die bestehenden
Biotechnologienetzwerke an den Standorten von BioNTech, CureVac und
anderen Biotechnologieunternehmen, und wie kann dieses Know-how
gezielt genutzt und gesichert werden?
10. Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung, um den Erhalt und die
Weiterentwicklung strategisch relevanter biotechnologischer Produktions-
und Entwicklungsfähigkeiten in Deutschland sicherzustellen?
11. Welche Auswirkungen sieht die Bundesregierung auf die
Wettbewerbsfähigkeit des Biotechnologie- und Pharmastandorts Deutschland, wenn
BioNTech Standorte schließt und zugleich Unternehmen wie Boehringer
Ingelheim, Eli Lilly und andere ihre Investitionen zurückfahren (www.zei
t.de/wirtschaft/unternehmen/2026-06/boehringer-ingelheim-
investitionenpharmaindustrie-deutschland)?
12. Welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung aus der aktuellen
Verunsicherung der Pharma- und Biotechnologiebranche für die
Wettbewerbsfähigkeit des Pharmastandorts Deutschland, die Planungssicherheit
für Unternehmen sowie den Erhalt und Ausbau von Produktions-,
Forschungs- und Entwicklungsstandorten, und welche Maßnahmen plant
sie hierzu?
13. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über die Entwicklung von
Umsatz, Beschäftigung, Investitionen, Forschungs- und
Entwicklungsausgaben sowie Gründungsdynamik in der deutschen Biotechnologie seit
2020, jeweils differenziert nach Bundesländern und den Segmenten
medizinische, industrielle, agrobiotechnologische und sonstige
Biotechnologie?
14. Welche Teilbereiche der Biotechnologie in Deutschland – insbesondere
Gesundheitsbiotechnologie, industrielle Biotechnologie und agrar- bzw.
ernährungsbezogene Biotechnologie – entwickeln sich nach Kenntnis der
Bundesregierung derzeit positiv, und in welchen Bereichen bestehen
besondere strukturelle Defizite?
15. Welche zentralen Hemmnisse für die Entwicklung der Biotechnologie in
Deutschland sieht die Bundesregierung derzeit, insbesondere bei
Finanzierung, klinischer Entwicklung, Skalierung, Produktion, Regulierung,
Fachkräften und Technologietransfer?
16. Welche konkreten Schritte plant die Bundesregierung, um die im
Koalitionsvertrag (s. Vorbem.) angekündigte Zielsetzung umzusetzen,
Deutschland zum „weltweit innovativsten Chemie-, Pharma- und
Biotechnologiestandort“ zu machen?
17. Welche konkreten Maßnahmen hat die Bundesregierung seit Amtsantritt
im Mai 2025 bereits eingeleitet oder vorbereitet, um die Biotechnologie in
Deutschland stärker zu fördern?
18. Wie ist der Stand der Planung eines Zukunftsfonds II mit Fokus auf
Ausgründungen und Wachstum im Deep-Tech- und Biotech-Bereich?
19. Welche Volumina, Instrumente, Zielgruppen und Zugangsbedingungen
sind für den Deutschlandfonds und den Zukunftsfonds II nach derzeitigem
Stand vorgesehen, und inwieweit sollen Biotechnologieunternehmen,
insbesondere in der Wachstums-, klinischen und Skalierungsphase, gezielt
adressiert werden?
20. Welche weiteren Finanzierungsinstrumente plant die Bundesregierung für
Biotechnologieunternehmen in Deutschland, insbesondere für
Ausgründungen, klinische Entwicklung, Produktionsskalierung und
wachstumsstarke mittelständische Unternehmen?
21. Welche Rolle misst die Bundesregierung der Biotechnologie in ihrer
Hightech-Agenda und ihrer industrie- und innovationspolitischen
Strategie insgesamt bei?
22. Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung, um die Translation
biowissenschaftlicher Forschung in marktfähige Produkte, klinische
Anwendungen und Produktionskapazitäten in Deutschland zu beschleunigen?
23. Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung, um Ausgründungen aus
Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Universitätskliniken im
Bereich Biotechnologie gezielt zu stärken?
24. Welche Rolle spielen nach Auffassung der Bundesregierung steuerliche
Forschungsförderung, beschleunigte Genehmigungen, klinische
Studienbedingungen, IP-Strategien und regulatorische Rahmenbedingungen für
die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Biotechnologiestandorts
Deutschland?
25. Welche Kapazitäten bestehen an deutschen Hochschulen in
biotechrelevanten Studiengängen (Biochemie, Bioinformatik, Biotechnologie,
Life Sciences), und wie haben sich Studierendenzahlen und
Absolventenzahlen seit 2020 entwickelt?
26. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über die Verwertungsquote
biotechnologischer Forschungsergebnisse aus Hochschulen und
außeruniversitären Forschungseinrichtungen, und wo sieht sie strukturelle Defizite
im Technologietransfer?
27. In welchem Umfang profitieren deutsche Biotechnologieunternehmen und
Forschungseinrichtungen von Horizon-Europe-Förderprogrammen, und
wie bewertet die Bundesregierung die deutsche Beteiligung im
europäischen Vergleich?
28. Wie wird die Umsetzung der biotechnologiebezogenen Maßnahmen der
Hightech Agenda ressortübergreifend koordiniert, und welche
Governance-Strukturen existieren hierfür?
29. Wie stellt die Bundesregierung sicher, dass nationale Förderprogramme
komplementär zu europäischen Instrumenten wirken und keine
Doppelstrukturen oder Förderlücken entstehen?
Berlin, den 20. Juli 2026
Katharina Dröge, Britta Haßelmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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