Hightech Agenda Deutschland
Text
Hightech Agenda Deutschland
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/1100
21. Wahlperiode 04.08.2025
Unterrichtung
durch die Bundesregierung
Hightech Agenda Deutschland*
* Zugeleitet mit Schreiben des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt vom 30. Juli 2025.
Liebe Leserinnen und Leser,
„Made in Germany“ hat jahrzehntelang unseren
Wohlstand gesichert. Ich kämpfe dafür, dass es auch
künftig so sein wird. Beim Blick in die Welt wird klar,
dass wir jetzt massiv investieren müssen – Ideen, Kraft
und Geld. Denn die Dynamik ist rasant, ob bei
Megathemen wie der Künstlichen Intelligenz oder
beim internationalen Ringen um Ressourcen sowie bei
innovativen Wirtschaftsräumen wie dem New Space.
Die Forschung von heute wird dabei zur
Wertschöpfung von morgen. Innovationen wollen wir nicht nur
überzeugend zu Papier, sondern auch erfolgreich an
den Markt bringen. Deshalb nimmt die Hightech
Agenda Deutschland die gesamte Kette in den Blick –
vom ersten Innovationsimpuls bis zum
wettbewerbsfähigen Produkt. Mit sechs Schlüsseltechnologien
starten wir: Künstliche Intelligenz,
Quantentechnologien, Mikroelektronik, Biotechnologie, Fusion und
klimaneutrale Energieerzeugung sowie klimaneutrale
Mobilität. Das sind nicht nur große Aufgaben, das sind
zugleich riesige Potenziale. Forschung birgt die
Chance in sich, unheilbare Krankheiten heilbar zu
machen oder für komplexe Fragen der nationalen
Sicherheit Lösungswege aufzuzeigen.
Entscheidend dabei ist, dass wir die Forschung als
Hebel für unsere Souveränität nutzen. Wissenschaft
braucht nicht nur Freiheit, sie schenkt auch Freiheit,
wenn wir es an die Spitze des Wettbewerbs schaffen,
selbst Trends setzen und Standards prägen. In Zeiten
scharfer geopolitischer Konflikte macht uns
technologischer Erfolg unabhängig und stark.
Allerdings bedeutet Souveränität nicht Verzicht auf
Partnerschaften, im Gegenteil. Die Hightech Agenda
Deutschland ist ein Aufruf an unser ganzes Land,
gezielt Kräfte zu bündeln. Das gilt für Hochschulen
genauso wie für Unternehmen, für Mitstreiter im Bund
genauso wie in Ländern und Kommunen. Europäische
und internationale Kooperationen sind dabei in allen
Themen der Hightech Agenda Deutschland tief
verankert und ganz wesentlich für ihren Erfolg.
Meine Einladung steht: der klare Kurs Richtung
Zukunft. Deutschland muss wieder Top-
Technologieland werden. Die Flaggschiffe, die auf den nächsten
Seiten beschrieben werden, sind bereit für eine große,
engagierte Crew.
Dorothee Bär MdB
Bundesministerin für Forschung,
Technologie und Raumfahrt
Vorwort
Drucksache 21/1100 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 2 –
KAPITEL 3
I. Einleitung 4
II. Schlüsseltechnologien 6
Künstliche Intelligenz .................................................................................................................................................................7
Quantentechnologien .............................................................................................................................................................. 12
Mikroelektronik ......................................................................................................................................................................... 16
Biotechnologie ........................................................................................................................................................................... 20
Fusion und klimaneutrale Energieerzeugung .................................................................................................................... 24
Technologien für die klimaneutrale Mobilität ................................................................................................................... 27
III. Technologiegetriebene Innovationen in strategischen Forschungsfeldern 31
Luft- und Raumfahrt ................................................................................................................................................................ 31
Gesundheitsforschung ............................................................................................................................................................. 32
Sicherheits- und Verteidigungsforschung .......................................................................................................................... 34
Meeres-, Klima- und Nachhaltigkeitsforschung ............................................................................................................... 35
Geistes- und Sozialwissenschaften ...................................................................................................................................... 37
IV. Hebel für die Hightech Agenda Deutschland 39
V. Ausblick und Umsetzung 45
Impressum 48
Inhaltsverzeichnis
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/1100– 3 –
Vermeidung von Abhängigkeiten in kritischen
Technologiebereichen und zur effektiven
Verhinderung von unerwünschtem Technologieabfluss bei.
Die Hightech Agenda Deutschland fokussiert in einem
ersten Schritt auf ein Set prioritärer
Schlüsseltechnologien und strategischer Forschungsfelder, die zentral
für den Fortschritt unseres Landes sind. Deutschland
verfügt in jedem dieser Bereiche über ein im
internationalen Vergleich hochattraktives Wissenschafts-
und Forschungssystem, eine hohe technologische
Leistungsfähigkeit und innovative Unternehmen.
Gleichzeitig müssen in jedem dieser Bereiche rasch
Maßnahmen zur Stärkung der
Innovationsökosysteme ergriffen werden, damit unsere Heimat
Deutschland nicht nur ein Top-Forschungsstandort ist,
sondern auch wieder ein wettbewerbsfähiger und
souveräner Technologie- und Innovationsstandort
wird. Die Maßnahmen der Hightech Agenda
Deutschland setzen an zentralen Stellschrauben an, um
Deutschland wieder an die Spitze des internationalen
Technologiewettbewerbs zu katapultieren.
Für jede Schlüsseltechnologie legen wir Flaggschiff-
Initiativen mit konkreten Zeitplänen vor. Noch in 2025
starten wir groß angelegte Förderinitiativen für
KI-Modelle der nächsten Generation, nehmen
erstmalig in Deutschland einen Forschungssatelliten
zur Quantenkommunikation in Betrieb und machen
mit einem Aktionsplan der Bundesregierung den
nächsten Schritt auf dem Weg zu einem
Fusionskraftwerk in Deutschland. Dabei werden wir unsere
Förderinstrumente noch konsequenter
meilensteinbasiert ausrichten und neue Instrumente in der
Förderung und Innovationsfinanzierung etablieren,
um die anhaltende Transferschwäche Deutschlands
von der Forschung in die Anwendung und
wirtschaftliche Nutzung zu überwinden. Dazu zählt auch eine
impulsgebende Rolle des Staates im Rahmen von
Public Private Partnerships, bei
Technologiewettbewerben oder als Ankerkunde.
Der Weg zum Top-Technologieland ist ein
gemeinsamer. Deshalb geben wir den Startschuss für
eine gemein-schaftliche Ausgestaltung der Hightech
Agenda
I. Einleitung
Die Hightech Agenda Deutschland steht für mehr
Wettbewerbsfähigkeit, Wertschöpfung und
Souveränität 1 – durch Forschung und Technologie. Neue
Technologien „Made in Germany“ sollen wieder zum
Markenzeichen unseres Landes werden; unsere Regionen
und Cluster zu Magneten für Top-Talente, Investoren
und innovative Unternehmen. Für die Bürgerinnen
und Bürger in Deutschland bedeutet das: Hochwerti-ge
und sichere Arbeitsplätze, Wohlstand und Fort-schritt,
der im Alltag spürbar ist – in der Stadt und auf dem
Land. Eine florierende Forschungs- und
Technologielandschaft ist auch die Grundlage dafür, dass
Deutschland resilienter, souveräner und sicherer wird.
Wir wollen die Innovations- und Wirtschaftskraft
unseres Landes deutlich erhöhen, indem verstärkt in
Zukunftstechnologien investiert wird. Das gelingt durch
eine schnellere Erforschung, Entwicklung und
Verwertung von Technologien und durch die
konsequente Ausrichtung auf den Aufbau von
Technologiekapazitäten und Wertschöpfung in Deutschland und
Europa. Die Hightech Agenda Deutschland versteht
Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft als
zentrale Umsetzungspartner und setzt auf eine enge
Abstimmung zwischen Bund und Ländern. Sie verzahnt
die deutsche und die europäische For-schungs- und
Innovationspolitik miteinander und richtet die
Zusammenarbeit mit internationalen
Technologiepartnern neu aus. Sie vernetzt Forschungs-
und Technologiepolitik mit Industrie-, Standort-,
Arbeitsmarkt- und Sicherheitspolitik. Sie trägt zur
1 Technologische Souveränität schafft
Transparenz, Nachvollziehbarkeit sowie Kontrolle
über Infrastruktur und Daten, sichert
Vertraulichkeit, fördert Sicherheit und Resilienz und
reduziert Abhängigkeiten von einzelnen Akteuren
und Plattformen. Sie ist zudem entscheidend für
die Sicherheit, Verteidigungs und
Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands und Europas.
Drucksache 21/1100 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 4 –
Deutschland. Sie richtet sich an Umsetzungspartner des
Bundes aus Wissenschaft, Wirtschaft und (Zivil-)
Gesellschaft sowie in den Ländern und der EU.
Für jede der prioritären Schlüsseltechnologien starten
wir im Herbst 2025 einen Outcome-orientierten
Roadmapping-Prozess. Wir laden die Länder und
Akteure aus Wissenschaft, Wirtschaft und (Zivil-)
Gesellschaft ein, die Technologie-Roadmaps mit uns
auszugestalten und umzusetzen. In Deutschland und
Europa besteht viel Potenzial, Forschung und
Innovation durch gemeinsame Strategien mit klarer Rollenver
teilung effizienter und wirksamer zu machen.
Wir werden den Erfolg der Hightech Agenda
Deutschland an konkreten Ergebnissen messen – und an ihrer
Wirkung auf Wettbewerbsfähigkeit, Souveränität und
forschungsgetriebene Wertschöpfung. Dafür wollen wir
Staat, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft hinter
gemeinsam definierten Zielen vereinen und ein
durchgängiges, transparentes 360-Grad-Hightech-
Monitoring etablieren.
Alle in der Hightech Agenda Deutschland genannten
oder sich daraus ergebenden Maßnahmen stehen
unter dem Vorbehalt verfügbarer Haushaltsmittel und
unter dem Vorbehalt der
finanzverfassungsrechtlichen Zuständigkeit des Bundes. Maßnahmen
der Hightech Agenda Deutschland können zudem aus
dem Sondervermögen für Infrastruktur und
Klimaneutralität in dem dort vorgesehenen Umfang
geleistet werden.
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/1100– 5 –
Mit der Hightech Agenda Deutschland fokussieren wir
in einem ersten Schritt auf sechs prioritäre
Schlüsseltechnologien, die für unser Land von zentraler
Bedeutung sind: Künstliche Intelligenz,
Quantentechnologien, Mikroelektronik, Biotechno logie, Fusion
und klimaneutrale Energieerzeugung sowie
Technologien für die klimaneutrale Mobilität.
In jedem dieser Bereiche gehen wir als Bundesregierung
voran, benennen wesentliche Ziele und Flaggschiff-
Maßnahmen mit konkreten Zeitplänen. Wir verstehen
die Hightech Agenda Deutschland dabei als
gemeinsame Anstrengung aller Akteurinnen und Akteure des
Wissenschafts-, Forschungs- und Innovationssystems.
Deutschland wird nur dann wieder zum Top-
Technologieland, wenn wir diesen Weg zusammen,
entschlossen und in Verantwortung für unser Land gehen.
Deshalb laden wir unsere Partner in den Ländern sowie
aus Wissenschaft, Hochschulen und außeruniversitärer
Forschung, Ressortforschungseinrichtungen,
Wirtschaft, Industrie und (Zivil-)Gesellschaft ein, ihre
Stärken und ihre Beiträge in die Ausgestaltung der
Hightech Agenda Deutschland einzubringen.
Wir brauchen unsere forschungsstarken Hochschulen
ebenso wie die Wissenschafts- und
Forschungsorganisationen mit den zugehörigen Transferstellen.
Wir brauchen unsere Forschungsinfrastrukturen
und starken Ressortforschungseinrichtungen als
technologische Ermöglicher und Knowledge Hubs
in Innovationsökosystemen. Wir brauchen unsere
innovativen Start-ups und die kleinen und
mittelständischen Unternehmen (KMU) ebenso wie die
forschende Industrie und die jeweiligen
Anwenderbranchen. Hierfür setzen wir auch auf die Einbindung
der relevanten Verbände. Wir brauchen unsere agilen
Innovationsagenturen – die SPRIND und die
Cyberagentur – ebenso wie eine leistungsfähige
Projektförderlandschaft. Wir brauchen mutige Investorinnen
und Investoren, um das nötige Wagnis- und
Wachstumskapital zu mobilisieren. Wir brauchen
kompetente Anwenderinnen und Anwender in Gesellschaft
und Arbeitswelt, damit technologische
Entwicklungen mit Leben gefüllt und in die produktive
Anwendung gebracht werden. Wir brauchen
zivilgesellschaftliche Akteure, denn um das enorme Potenzial
von technologischen Innovationen zur Lösung auch
gesellschaftlicher Herausforderungen vollumfänglich
ausschöpfen zu können, gilt es, die Sichtweisen der
direkt und indirekt Betroffenen frühzeitig einfließen
zu lassen. Wir brauchen das Zusammenspiel und die
Synergien auf europäischer Ebene. Wir in der
deutschen Politik und Verwaltung sind gefordert: auf
Bundes-, Länder- und kommunaler Ebene. Und wir
brauchen alle, die unsere Gesellschaft mitgestalten
wollen – denn nur gemeinsam schaffen wir den
Aufbruch hin zu einer lebendigen Innovationskultur,
in der Ideen wachsen und die Lust auf Zukunft macht.
II. Schlüsseltechnologien
Drucksache 21/1100 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 6 –
II. SCHLÜSSELTECHNOLOGIEN 7
Künstliche Intelligenz
Ziele und ausgewählte Flaggschiff-Maßnahmen
Ziel 1
Mit einer KI-Offensive wollen wir bis 2030 zehn Prozent
unserer Wirtschaftsleistung KI-basiert erwirtschaften,
die Arbeitsproduktivität erhöhen und Künstliche
Intelligenz (KI) zu einem wichtigen Werkzeug in zentralen
Forschungs- und Anwendungsfeldern machen.
∙ Wir zünden 2026 einen „KI-Robotikbooster“ mit
Leitprojekten für Mehrzweckroboter, mit
Schaufenstern für „verkörperte Künstliche Intelligenz“
(em bodied AI), die die Anwendungspotenziale der
Technologie für die Wirtschaft aufzeigen, mit dem
gezielten Ausbau der Forschungsinfrastruktur für
Wissenschaft und Wirtschaft und mit dem Aufbau
von Erprobungs- und Weiterbildungszentren.
∙ Wir starten Transfer-Leitprojekte für KI-
Anwendungen in Schlüsselbranchen (u. a. Automobil, Chemie,
Bio tech nologie, Cleantech, Medizin, Agrifood)
und zentralen Forschungsfeldern (u. a. Material-,
Klima-, Biodiversitäts-, Energie- und
Nachhaltigkeitsforschung). Dazu führen wir ab Herbst 2025
Fachgespräche, in denen wir KI-Entwickler innen und
KI-Entwickler mit Vertreterinnen und Vertretern von
Schlüsselbranchen und -forschungsfeldern
zusammenbringen, und starten ab 2026 erste Projekte und
Wettbewerbe. Wir entwickeln Ansatz punkte und
Blaupausen zur Anpassung und souveränen Nutzung
von generativer KI und von KI-Agenten im Mittelstand.
∙ Wir beteiligen uns am geplanten IPCEI Künstliche
Intelligenz und treiben so die Entwicklung
souveräner, hoch spezialisierter KI-Modelle für die
Industrie europaweit voran.
∙ Wir forcieren die Nutzung von KI für eine
zunehmend prädiktive und präventive Medizin der Zukunft.
Dazu starten wir ein umfangreiches Portfolio
an Förderinitiativen für die Entwicklung und den
Einsatz von KI in der Gesundheitsforschung,
Arzneimittelentwicklung und Medizin und fördern
den Transfer von KI-Innovationen in die
medizinische Versorgung – von der Prävention bis zur Pflege
und Nachsorge.
∙ Wir fördern gezielt KI-Ausgründungen aus der
Wissenschaft im Rahmen von EXIST und schaffen
eine bundesweit wirksame Inkubationslandschaft
im Rahmen der Initiative „AI Nation“. Auch die
künftigen EXIST Startup Factories werden hier
einen substanziellen Beitrag leisten und sich vor
allem um die Skalierung der KI-Start-ups
kümmern. Mit dem globalen KI-Kompetenzzentrum des
German Accelerators fördern wir in
Zusammenarbeit mit AI Nation die weitere internationale
Skalierung der Start-ups.
∙ Wir unterstützen innovative KI-Start-ups und KMU,
damit sie sich auf dem Markt etablieren und
darüber hinaus skalieren können. Dazu
identifizieren und verbessern wir die wichtigsten
Rahmenbedingungen, bieten Wettbewerbe auf
Rechenkapazitäten und vereinfachen die öffentliche Beschaffung
von innovativen Leistungen von Start-ups durch
die Einführung einer Sonder-
Direktauftragswertgrenze in Höhe von 100.000 Euro.
Ziel 2
Wir verbessern die Verfügbarkeit und Nutzbarkeit von
KI-Kapazitäten (Algorithmen, Daten, Rechner,
Softwaretools, KI-Chips) für Wissenschaft, Forschung,
Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft messbar.
∙ Wir holen mindestens eine der europäischen
AI Gigafactories nach Deutschland. Dazu
unterstützen wir bis Ende 2025 in Gesprächen mit
Wirtschaft, Wissenschaft und den Ländern die
Koordination starker deutscher Bewerbungen, basierend
auf starken industriegetriebenen
öffentlichprivaten Partnerschaften und einem starken
Forschungs umfeld. Die Betriebsaufnahme ist ab
Mitte 2027 geplant.
∙ Zur Förderung regional verteilter
Datenverarbeitungskapazitäten für industrielle Anwendungen
prüfen wir die Beteiligung am geplanten IPCEI
Edge-Knoten-Infrastruktur.
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/1100– 7 –
∙ Wir zünden noch in diesem Jahr die zweite Stufe
der KI-Servicezentren und entwickeln das Netzwerk
weiter, auch unter Einbeziehung der AI Factories in
Deutschland und den anderen EU-Mitgliedstaaten.
∙ Bei KI-Kapazitäten setzen wir vorrangig auf
technologische Souveränität, interoperable offene
Standards/Schnittstellen, freie Trainingsdaten und
treiben wiederverwendbare und Open-Source-
Lösungen gezielt voran.
∙ Wir stärken die KI-Rechenkapazitäten,
Datenökosysteme sowie KI- und Daten-Kompetenzen an den
Hochschulen, außeruniversitären
Forschungseinrichtungen und Ressortforschungseinrichtungen. Dazu
gehen wir in den Dialog mit den Ländern zum
schrittweisen Ausbau des NHR-Verbunds, starten
Förderinitiativen im Rahmen der Nationalen
Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) und des
KI-Campus sowie gemeinsam mit der
Hochschulrektorenkonferenz (HRK), entwickeln das
Hochschulforum Digitalisierung weiter und intensivieren
den Austausch mit den Hochschulen. Wir sehen den
freien Zugang zu wissenschaftlichen Ergebnissen –
ohne technische, rechtliche oder finanzielle
Barrieren – als Innovationstreiber, insbesondere durch die
verstärkte Nutzung von Open Access und Open Data.
Ziel 3
Wir werden ein zentraler Player für die nächste
KI-Generation und im weltweiten Wettbewerb.
∙ Wir stärken KI-Spitzenzentren für grundlagen- und
anwendungsorientierte KI-Forschung und deren
Vernetzung untereinander sowie mit
Anwenderinnen und Anwendern, Innovatorinnen und
Innovatoren sowie Start-ups in einem KI-Flaggschiff.
∙ Wir starten Förderinitiativen für KI-Modelle der
nächsten Generation, inklusive leistungsstarker
Foundation-Modelle und neuer KI-Methoden,
beginnend noch in diesem Jahr.
∙ Wir starten 2027 ein Forschungsprogramm
„Software-Engineering“, um die Basistechnologie von
KI forschungsgetrieben zu stärken.
∙ Wir richten in dieser Legislaturperiode den
AI Action Summit in Deutschland aus.
∙ Wir heben das Potenzial von KI für das Gemeinwohl
mit Förderprogrammen und ressortübergreifenden
Verbundinitiativen und untersuchen das Potenzial
von KI zur Stärkung der freiheitlichen Demokratie.
II. SCHLÜSSELTECHNOLOGIEN 8
Drucksache 21/1100 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 8 –
Schwächen
∙ Schleppender Transfer in die Anwendung
∙ (Grundlegende) KI-Modelle, -Systeme
und -Tools kommen zu selten aus
Deutschland
∙ Keine großen KI-Entwickler in Deutschland
∙ Einschränkungen bei Datenverfügbarkeit
und -zugang (u. a. durch Vorbehalte wegen
Geschäftsgeheimnissen und
Auslegungsherausforderungen beim Datenschutz,
fehlende Vernetzung und Interoperabilität,
Risikoaversion, Datenkompetenzen)
∙ Lücke bei souveräner Recheninfrastruktur
für kommerzielle Bedarfe; Umstieg
vergleichsweise aufwendig
∙ Mangel an Know-how, finanziellen
Mitteln und personellen Kapazitäten,
gerade bei KMU, im Handwerk und
Mittelstand
∙ Abhängigkeiten von außereuropäischen
Anbietern und deren geschlossenen
Systemen bei vielen (Basis-)Komponenten
((KI-)Chips, Cloud-Tech, Software)
∙ Kompetenzentwicklung und Gestaltung
des KI-Einsatzes in der betrieblichen Praxis
noch zu wenig verzahnt
∙ Geringer Anteil von Frauen in
KI-Forschung, -Entwicklung und
-Anwendung
Stärken
∙ KI-Forschung auf globalem Spitzenniveau
∙ Wissenschafts- und industrielle
FuE-Landschaft ausdifferenziert und
gut vernetzt
∙ Hohe Kompetenz in der Industrie bei
KI-Nutzung, Industrierobotik und B2B;
zudem hohe Datenqualität
∙ Starke Open Source Community
∙ Ingenieur- und KI-Fachkräfte in
Deutschland im Vergleich sehr gut
ausgebildet; zuletzt Brain Gain bei KI
∙ Menschenzentrierter Fokus in der
KI-Entwicklung
∙ Allgemein positive Einstellung
zu KI am Arbeitsplatz
∙ Know-how bei Datenschutz,
Zertifizierung und Governance von
Datenökosystemen von Industrie
und Wissenschaft
∙ Gute KI-Recheninfrastruktur im
vorwettbewerblichen Bereich
∙ Gute Positionierung beim Aufbau
von Europäischen Datenräumen,
z. B. bei Gesundheitsdaten
∙ Europäische und internationale
Partnerschaften
Handlungsansatz
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/1100– 9 –
Chancen
∙ KI-Entwicklung und -Marktwachstum
stehen am Anfang; Forschung und
Entwicklung (FuE) weiter zentral
∙ Verfügbarkeit großer Datensätze,
z. B. in der Medizin und Astrophysik
∙ Stärkere Verfügbarkeit von Open-Source-
KI-Modellen und freien Trainingsdaten
stärken technologische Souveränität
∙ Fokus auf sichere, vertrauenswürdige,
nachhaltige und menschenzentrierte KI
∙ Aufbau semantisch strukturierter,
interoperabler Datenökosysteme
∙ Aufbau hochintegrierter und souveräner
Branchenlösungen, u. a. in Maschinenbau,
Industrie, Medizin, Pflege und Agrifood
∙ Aufbau wettbewerbsfähiger KI-
Recheninfrastruktur durch Bündelung privater
und staatlicher Bedarfe und Staat als
Ankerkunde
∙ Gestaltung des KI-Einsatzes in
Unternehmen in starker
Sozialpartnerschaft
∙ Hoher Automationsbedarf aufgrund
demografischen Wandels
Risiken
∙ Geopolitische Konflikte, starker Fokus
auf geschlossene Systeme der wenigen
Big Tech- Anbieter und Strategien der
Wettbewerber (u. a. China bei
domänenspezifischer KI) verschärfen Gefahr durch
Abhängigkeiten
∙ Zahl der Konkurrenten wächst – andere
weisen eine deutlich höhere Dynamik und
größere Finanzvolumina auf
∙ Hohe Energiekosten als Nachteil
bei rechenintensiven KI-Modellen
und -Anwendungen
∙ Zunehmende Risiken für Gesellschaft
und Umwelt, die bisher nur teilweise
erfasst werden
∙ Zunehmende Zentralisierung von
Marktmacht entlang immer mehr
Wertschöpfungsketten bei (zumeist
außereuropäischen) Anbietern
Handlungsansatz
Drucksache 21/1100 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 10 –
II. SCHLÜSSELTECHNOLOGIEN 11
Künstliche Intelligenz hat den Sprung vom
Forschungsthema zu einem entscheidenden
Wettbewerbsfaktor gemacht. Immer mehr Unternehmen in
Deutschland nutzen KI oder planen den Einsatz von
KI. Dabei nutzen derzeit größere Unternehmen
deutlich häufiger KI als KMU oder
zivilgesellschaftliche Organisationen. Über 60 Prozent der
Beschäftigten nutzen KI im Arbeitsalltag. Zwei Drittel der
Bevölkerung nutzen generative KI. Studien errechnen
ein Potenzial an zusätzlicher Wertschöpfung durch
KI von 300 bis 400 Mrd. Euro pro Jahr allein für
Deutschland und das Zehnfache dessen weltweit.
Im Wettbewerb um künftige Marktanteile liefern sich
USA und China ein Kopf-an-Kopf-Rennen, Europa ist
in einer Aufholposition. Deutschland ist ein zentraler
Player in der KI-Forschung. Bei jüngsten
Entwicklungen, etwa zu generativer KI und KI-basierter Robotik,
dominieren jedoch andere Weltregionen die
Wertschöpfung. Deutschland verzeichnet zwar in der
frühen Phase der Innovation Erfolge, fällt jedoch in
der Kommerzialisierung von KI deutlich zurück.
Dadurch entstehen zunehmend
gesamtwirtschaftliche Wettbewerbsnachteile und Abhängigkeiten.
Gleichzeitig ist der Wettbewerb von einer hohen
Dynamik geprägt und weiterhin offen. Deutschland
hat mit der Nationalen Strategie Künstliche
Intelligenz der Bundesregierung wichtige Grundlagen
für eine breite, produktivitätssteigernde,
verantwortungsvolle und menschenzentrierte Entwicklung
und Nutzung von KI in Wirtschaft, Arbeit und
(Zivil-)Gesellschaft geschaffen. Grundlage für eine
starke Positionierung im globalen Wettbewerb sind
der Fokus auf spezifische Stärken des KI-Standorts
Deutschlands, die Stärkung der KI-Wirtschaft, die
Teilhabe, Befähigung und gezielte
Kompetenzentwicklung der Beschäftigten, die Einbindung von
Sozialpartnern und (Zivil-)Gesellschaft für produktive
KI-Nutzung und die Generierung von kritischer
Masse von Entwicklerinnen und Entwicklern sowie
Nutzerinnen und Nutzern in einem europäischen
KI- und Datenökosystem. Es gilt, unsere exzellente
KI-Forschung mit unseren Kompetenzen in zentralen
Branchen (bspw. Robotik, Maschinenbau, Automobil-
und Chemieindustrie, Cleantech, Gesundheit,
Medizintechnik, Biotechnologie, Agrartechnik) und
Anwendungsfeldern strategisch zu verknüpfen.
Deutschland bieten sich gerade bei sicheren,
vertrauenswürdigen, menschenzentrierten und nachhaltigen
KI-Anwendungen in der Industrie, im Finanzmarkt,
im Sicherheitssektor, im Gesundheitsbereich, im
Umweltschutz und in der Ernährungssicherung
erhebliche Chancen. Gleichzeitig werden wir für die
Nutzung der Technologie Nachhaltigkeitsaspekte in
den Blick nehmen, da durch die immer schnellere
Verbreitung von KI auch der Energie- und
Ressourcenbedarf rasant steigt. Dabei spielt die Transparenz der
großen KI-Modelle eine zentrale Rolle.
Voraussetzungen für die Stärkung des Transfers von
KI in die Anwendung sind der Ausbau des
Transferökosystems, eine starke KI-Start-up-Szene und eine
stärkere Vernetzung zwischen KI-Entwicklern,
Anwendern, Innovatoren und Investoren. Wesentlich
ist der Ausbau der notwendigen Kapazitäten für
KI-Anwendungen (Recheninfrastrukturen,
Algorithmen und Softwaretools, Datenökosysteme) und die
Verbesserung der Zugänge. Dabei muss strategisch die
verlässliche Verfügbarkeit und technologische
Souveränität der Lösungen zentral sein, insbesondere durch
offene Standards, Open Source-Modelle und offene
Trainingsdaten, um Abhängigkeiten nicht zu vertiefen
oder neue zu schaffen. Begleitend müssen KI-
Kompetenzen in der Breite, auch an Hochschulen und
anderen Forschungseinrichtungen, gestärkt werden.
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/1100– 11 –
II. SCHLÜSSELTECHNOLOGIEN 12
Quanten technologien
Ziele und ausgewählte Flaggschiff-Maßnahmen
Ziel 1
Im Quantencomputing wollen wir bis zum Jahr 2030
mindestens zwei fehlerkorrigierte Quantencomputer
auf europäischem Spitzenniveau realisieren und diese
Nutzerinnen und Nutzern zugänglich machen.
∙ Wir werden mit einem missionsgetriebenen
Hardware-Wettbewerb ab Ende 2025 die
aussichtsreichsten Systemansätze weiterentwickeln und in den
kommenden vier Jahren die Skalierung zu
Quantencomputern mit logischen Qubits fördern. Dabei
stehen die drei führenden Technologieplattformen
mit Output-Orientierung, Meilensteinplanung und
Umsetzungsmonitoring im Wettbewerb zueinander,
um zukünftig noch weiter zu fokussieren. So machen
wir einen wesentlichen Schritt zu mindestens zwei
Quantenhöchstleistungsrechnern mit echtem
Mehrwert und Quantenvorteil für unsere Industrie.
∙ Parallel dazu werden wir die Entwicklung des
Software-Stacks vorantreiben, ausgerichtet an
Wertschöpfung und konkreten Use-Cases und
immer auf den besten Hardware-Plattformen.
Der Software-Stack wird auf einer konsistenten,
modularen und offenen Referenz architektur mit
einheitlichen, standardisierten Schnittstellen
beruhen, die die Innovationsdynamik im
Quantencomputing weiter erhöhen wird.
∙ Wir werden günstige Bedingungen für Start-ups
schaffen, sodass sie sich durch Umsätze am Markt
behaupten können und die Rolle des
Systemintegrators für Quantencomputer übernehmen. Wir
unterstützen den Technologietransfer von
Forschungseinrichtungen in die Wirtschaft,
beispielsweise über das Angebot von Dienstleistungen zur
Qualifizierung von Komponenten für
Quantentechnologien.
∙ Wir werden den Kauf von Quantencomputern durch
Forschungseinrichtungen und HPC-Zentren
(High-Performance Computing Centers) weiter
unterstützen. Ziel ist die Erforschung und
Integration von Quantencomputern in die Umgebung eines
klassischen Hochleistungsrechners. Die besten
Standorte und Nutzungskonzepte werden im
Wettbewerb ausgewählt. Dabei liegt ein Augenmerk
auf der Vernetzung der HPC- und Quantencomputing-
Communities.
∙ Wir werden den schnellen Transfer von
Forschungsergebnissen zu Start-ups, KMU und Industrie
sicherstellen. Zentrale Bausteine sollen dabei der
Aufbau von mindestens drei Pilotlinien ab dem Jahr
2026 als starke Knoten in einem europäischen
Fab-Netzwerk („From Lab to Fab“) und die
Etablierung von Testzentren und Anwenderplattformen
für Use-Cases in Kooperation von
Forschungseinrichtungen mit Anwendungsindustrien (Maßnahme
„1000 Qubits – 100 Anwendungen“) sein. Auf diese
Weise wird der Grundstein für die
Industrialisierung von Quantencomputern in der nächsten
Dekade gelegt.
Ziel 2
Wir sorgen dafür, dass bis 2030 mithilfe von
Quantensensoren Krankheiten frühzeitiger erkannt werden, und
erschließen mindestens ein weiteres Anwendungsfeld
für die Technologie.
∙ Wir werden durch Leuchtturmprojekte neue
Anwendungsfelder erproben: Wir werden Forschungs-
und Entwicklungs- sowie Transferzentren für die
Messung von Prozessparametern in der Produktion,
in Mobilität (Überwachung von Ladezyklen),
Lebenswissenschaften (verbesserte Bildgebung)
und Raumfahrt (Positionierung von Satelliten) auf
den Weg bringen. Der Aufbau startet im Jahr 2026.
∙ Wir fördern die Entwicklung von Quantensensoren
für industrielle Anwendungen. Dazu gehören die
Entwicklung einer robusten optischen Atomuhr für
den Feldeinsatz, die Charakterisierung von
Quantenmagnetsensoren für die Medizintechnik und die
Entwicklung von quantenbasierter elektrischer
Messtechnik.
Drucksache 21/1100 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 12 –
Ziel 3
In der Quantenkommunikation werden wir das
Innovationsökosystem stärken und weiter ausbauen –
dabei sollen die Perspektiven der Endanwenderinnen
und Endanwender stärker Eingang finden.
∙ Wir werden neben exzellenter
Grundlagenforschung insbesondere mit Technologietransfer
den Weg zu einer zukunftsfähigen Cybersicherheit
im Quantenzeitalter mit innovativen Maßnahmen
(z. B. Grand Challenge der
Quantenkommunikation) ebnen. Unser Fokus liegt dabei darauf, dass
Cybersicherheits- und IKT-Infrastrukturen
maßgeblich von der
Quantenkommunikationstechnologie profitieren.
∙ Wir werden erstmalig im Jahr 2025 in Deutschland
einen Forschungssatelliten zur
Quantenkommunikation in Betrieb nehmen. Der Start eines zweiten
Kleinsatelliten ist für 2026 vorgesehen.
∙ Wir werden im Rahmen der QuNET-Initiative im
Jahr 2025 und 2026 öffentlichkeitswirksame
Schlüsselexperimente zur Erprobung und Darstellung der
Leistungsfähigkeit der Quantenkommunikation
durchführen. Mit einer Technologiedemonstration
eines ersten Quantenrepeaters in 2028 wird der
Grundstein für die langreichweitige
Quantenkommunikation gelegt.
Ziel 4
Wir stärken die Fachkräftebasis in den
Quantentechnologien.
∙ Mit der Fachkräfteagenda „Quantum Future
Professionals“ intensivieren wir unsere Maßnahmen zur
Aus- und Weiterbildung entlang der gesamten
Erwerbsbiografie. Ab 2025 fördern wir Konzepte zur
Aus- und Weiterbildung sowie Initiativen zur
„Quantum Awareness“. Talentgewinnung und
-förderung bauen wir aus und stärken die
interdisziplinäre Ausbildung von Expertinnen und Experten.
II. SCHLÜSSELTECHNOLOGIEN 13
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/1100– 13 –
Chancen
∙ Arbeit mit 27 starken Partnern in Europa
(EU Quantum Strategy/EU Quantum Act)
und internationalen Wertepartnern,
gemeinsame Entwicklung von Standards
∙ Quantencomputing: vielfältige Use-Cases
aufgrund des starken industriellen Sektors
in Deutschland
∙ Quantensensorik: Anschlussfähigkeit zu
Medizintechnik, Industrie 4.0 und
Automotive
∙ Quantenkommunikation: zukunftsfähige
Stärkung der Cybersicherheit nationaler
und europäischer Informations- und
Kommunikationsstrukturen
∙ Quantensichere Verschlüsselung erhöht
das Vertrauen in Informations-,
Kommunikations- und Identifikationstechnologien
Schwächen
∙ Wenig Wagniskapital für Start-ups
im internationalen Vergleich
∙ Quantencomputing: keine
Technologiekonzerne als Systemintegrator
∙ Quantensensorik: bisher geringe
industrielle Marktreife
∙ Quantenkommunikation: Integration
von Endanwenderinnen und
Endanwendern ausbaufähig
Stärken
∙ Starke Grundlagenforschung
(Top 5 bei Publikationen)
∙ Hohe öffentliche Investitionen in die
Entwicklung der Quantentechnologien
∙ Quantencomputing: junge Start-up-Szene
im Bereich der relevantesten
Technologieplattformen
∙ Quantensensorik: explorative Engagements
von Großkonzernen, enge Kooperation mit
Forschungseinrichtungen
∙ Quantenkommunikation: initiales,
nationales Innovationsökosystem
Risiken
∙ Starke, außereuropäische Konkurrenz
und technologische Abhängigkeit
∙ Fachkräfteengpässe
∙ Standards werden außerhalb Europas gesetzt
∙ Quantencomputing: technologische
Unsicherheiten in Hardware- und
Anwendungsentwicklung
∙ Quantensensorik: Dual Use durch
außereuropäische Systemkonkurrenten
∙ Quantenkommunikation: volles Potenzial
der Wertschöpfung wird nicht am Standort
Deutschland gehoben
∙ Quantencomputer bedrohen klassische
kryptografische Verfahren und damit
unsere gesamte Informationsinfrastruktur
Handlungsansatz
Drucksache 21/1100 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 14 –
II. SCHLÜSSELTECHNOLOGIEN 15
Quantentechnologien sind Deeptech im Kleinsten.
Quantentechnologien (Quantencomputing,
Quantensensorik und Quantenkommunikation) eröffnen
zahlreiche neue Chancen für unsere Wirtschaft und
Gesellschaft. Durch die Nutzung von Phänomenen
aus der Quantenphysik lassen sich potenziell
Medikamente effizienter herstellen, Krankheiten frühzeitiger
diagnostizieren sowie kritische
Kommunikationsstrecken abhörsicher gestalten. Das Potenzial für die
Wertschöpfung durch Anwendungen der
Quantentechnologien liegt bis zum Jahr 2035 weltweit bei
ca. 2 Billionen US-Dollar. Darüber hinaus haben
Quantentechnologien erhebliche Implikationen für
die Sicherheit Deutschlands, beispielsweise für
abhörsichere Kommunikation, Navigation und
Lageerkennung.
Deutschland ist im internationalen Wettbewerb gut
aufgestellt – mit international anerkannter
Spitzenforschung und einem jungen, hochdynamischen
Quantenökosystem aus Start-ups, Großunternehmen
und akademischen Einrichtungen. Unterstützt durch
umfangreiche Förderprogramme der öffentlichen
Hand hat sich das Quantenökosystem seit dem Jahr
2020 dynamisch entwickelt und starke regionale
Cluster ausgebildet. Besonders hervorzuheben sind
die Fortschritte im Technologiefeld
Quantencomputing mit dem Aufbau erster Demonstratorsysteme,
maßgeschneiderter Softwareentwicklung und einer
zunehmend interdisziplinären Zusammenarbeit.
Aus dieser Ausgangsposition heraus müssen wir
sicherstellen, dass die Quantentechnologien ihr
Potenzial in praktischen Anwendungen ausschöpfen
und wir mit ihnen aus der Mid-Tech-Falle
herauskommen. Deeptech im Kleinsten bedeutet riesige
Herausforderungen in der praktischen Umsetzung.
Wir werden daher die fokussierte Zusammenarbeit
aller Akteure in Deutschland unterstützen und die
Vernetzung insbesondere mit europäischen und
internationalen Wertepartnern fördern, um unsere
technologische Souveränität dauerhaft
sicherzustellen.
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/1100– 15 –
II. SCHLÜSSELTECHNOLOGIEN 16
Mikroelektronik
Ziele und ausgewählte Flaggschiff-Maßnahmen
Ziel 1
Wir ermöglichen leistungsfähige Chips „Designed in
Germany“ und machen Deutschland zum europäischen
Zentrum für Chip-Design.
∙ Wir planen, bis 2026 ein Kompetenzzentrum
Chip-Design aufzubauen, und diskutieren dessen
Ausgestaltung bereits dieses Jahr mit Wissenschaft
und Unternehmen. Mit einer Challenge zu Open
Source-Tools für das Chip-Design fördern wir im
Jahr 2025 ein lebendiges und souveränes Design-
Ökosystem in Deutschland. Zum Erreichen
vertrauenswürdiger Chip-Hardware entlang der gesamten
Lieferkette setzen wir auch auf offene Standards,
Open Hardware, Privacy-by-Design-Verfahren und
die internationalen Normungsaktivitäten in diesem
Bereich.
∙ Mit einer Design-Initiative unterstützen wir die
Entwicklung smarter und energieeffizienter KI-Chips
und bringen sie in Schlüsselbranchen in die
Anwendung. Wir starten 2025 mit einem ersten Leitprojekt
für den „Supercomputer“ im Auto und machen so
unsere Automobil- und Maschinenindustrie fit für
die Zukunft.
Ziel 2
Wir stärken gezielt den Transfer vom Labor in die
industrielle Umsetzung in Wachstumsfeldern und bauen ein
Ökosystem für „Advanced Semiconductor Technologies“
in Deutschland und Europa auf.
∙ Mit einem „Lab to Fab“-Accelerator zünden wir 2026
die zweite Stufe der EU-Chips-Act-Pilotlinie an der
Forschungsfabrik Mikroelektronik. Wir
ermöglichen Unternehmen so einen einfachen Zugang zu
Cutting-Edge-Technologien wie Advanced
Packaging und Chiplets. Gerade innovative KMU
können auch von Kleinserienfertigung für neue
Anwendungsfelder profitieren.
∙ Wir unterstützen gemeinsam mit Unternehmen
die erstmalige gewerbliche Nutzung von neuen
Mikroelektronik-Technologien auch weiterhin im
Rahmen von Vorhaben von gemeinsamem
europäischen Interesse (IPCEI). Gemeinsam mit
Frankreich und den Niederlanden koordinierend bereiten
wir ein weiteres IPCEI im Bereich Mikroelektronik
vor, das 2026 der Europäischen Kommission
vorgelegt werden soll. So legen wir den Grundstein
u. a. für ein starkes Ökosystem im Advanced
Packaging und halten unsere Industrie
international wettbewerbsfähig.
Ziel 3
Wir steigern die Marktanteile deutscher und
europäischer Mikroelektronik-Unternehmen und erhöhen
unsere technologische Souveränität.
∙ Wir geben mit einer Mikroelektronik-Strategie
„Forschung, Fachkräfte und Fertigung“ Orientierung
und machen Deutschland zu einem attraktiven
Investitionsstandort in diesem Bereich.
∙ Wir holen unter Nutzung der beihilferechtlichen
Möglichkeiten des Europäischen Chip-Gesetzes
neue Fabriken zur Fertigung von Chips, Ausrüstung
und Vorprodukten nach Deutschland bzw. bauen
bestehende Fabs weiter aus und festigen so
Deutschlands Position als Chip-Produktionsstandort
Nr. 1 in Europa. Wir verringern damit unsere
Abhängigkeit von Dritten und halten im
internationalen Wettbewerb wichtige Fähigkeiten in
Deutschland.
∙ Wir bündeln passgenaue Qualifizierungswege für
mehr und besser ausgebildete Fachkräfte in der
Mikroelektronik durch die neue Microtec Academy.
Damit reagieren wir auf steigende Bedarfe durch
den Auf- und Ausbau von Chip-Fabriken und
Chip-Design-Zentren.
Drucksache 21/1100 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 16 –
Ziel 4
Wir stärken die Resilienz von Lieferketten und mindern
kritische Abhängigkeiten in der Chip-Versorgung.
∙ Wir analysieren bestehende Abhängigkeiten in den
Lieferketten sowie die Chancen für neue
Mikroelektronik-Wertschöpfung und handeln in Abstimmung
mit den nationalen und europäischen Stakeholdern
entsprechend. Wir wollen die
Lieferkettensicherheit, besonders von Sicherheitschips, substanziell
durch einen Ausbau der Fertigungsschritte in
Deutschland stärken.
∙ Wir wollen von den Besten lernen und bauen daher
unsere Partnerschaft mit internationalen
Technologieführern wie auch in multilateralen Foren aus.
Wir verringern so technologische und geopolitische
Abhängigkeiten und bringen neue Fähigkeiten nach
Deutschland.
II. SCHLÜSSELTECHNOLOGIEN 17
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/1100– 17 –
Chancen
∙ Neue Wege für Chip-Leistungssteigerung
durch Advanced Packaging
∙ Hohes Wertschöpfungspotenzial für
Design (bis zu 50 Prozent der gesamten
Wertschöpfung)
∙ Mit der Forschungsfabrik Mikroelektronik
ist Deutschland starker Technologiepartner
∙ Einbettung in das EU-Ökosystem (EU Chips
Act und Chips Joint Undertaking)
∙ Stark wachsende Nachfrage nach
Hochleistungschips aus den Segmenten KI und
Rechenzentren
∙ Vertrauenswürdige Chip-Hardware entlang
der gesamten Lieferkette von der
Produktion bis zum Kunden sollte durchgehend
sicher, nachvollziehbar und zuverlässig sein,
z. B. durch innovative KI-Verfahren mit
Privacy-by-Design
∙ Verlässliche internationale
Technologiepartner, zum Teil bereits vor Ort investiert
∙ Vielfältige Anwendungsfelder
Schwächen
∙ Wenig Kompetenz und keine Fertigung
bei Hochleistungschips
∙ Hohe Energiepreise
∙ Schwacher „Lab to Fab“-Transfer
∙ Zunehmende Fachkräfteengpässe
∙ Zu wenige Abnehmerindustrien für
Hochleistungschips in Europa
∙ Abhängigkeiten bei Chip-Design-Software
(beim Design von Logik-Chips nur neun
Prozent Umsatzanteil in der EU)
Stärken
∙ Enge Vernetzung zwischen
Mikroelektronik- und Anwendersektoren der
europäischen Industrie
∙ Größter Mikroelektronik-Cluster in
Europa und starke Forschungslandschaft
(Platz 6 bei Publikationen)
∙ Technologische Stärken (Platz 5 bei
Patentanmeldungen) und führend
bei Lithografie, Leistungselektronik,
Automobilelektronik
∙ EU zieht mit dem EU Chips Act an
einem Strang
Risiken
∙ Rohstoffabhängigkeit bei Elementen, die
für die Halbleiterherstellung kritisch sind
∙ Globaler Subventionswettlauf und sehr
hohe FuE-Investitionen weltweit
∙ Mikroelektronik-Technologien als
geopolitische Waffe
∙ Aufkauf statt Skalierung von Start-ups
Handlungsansatz
Drucksache 21/1100 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 18 –
Mit dem Fortschreiten der Digitalisierung sind unser
Alltag und die Arbeitswelt zunehmend von
Mikroelektronik und Chips durchdrungen. Mikroelektronik
steckt nicht nur in Mobiltelefonen, Tablets und
Computern. Mikroelektronik regelt auch die
Energieversorgung, steuert die Datenströme im Internet und
ermöglicht eine sichere, vernetzte und automatisierte
Mobilität. Die Förderung und der Ausbau der
bestehenden Mikroelektronik-Forschungslandschaft in
Deutschland schaffen die Grundlage, um das
Erreichen der anderen Ziele der Hightech Agenda
Deutschland zu unterstützen, besonders im Bereich KI,
Quantentechnologie und Energieversorgung.
Deutschland ist der größte Mikroelektronikstandort
der EU. Die Mikroelektronik ist forschungsintensiv
und trägt etwa vier Prozent direkt und etwa 15
Prozent indirekt zum deutschen
Bruttoinlandsprodukt bei. Das Potenzial, die Wertschöpfung weiter zu
steigern, ist groß. Mit einem weltweiten Umsatz von
630 Mrd. US-Dollar bildet die Chip-Industrie die Basis
für einen mehr als zehnmal höheren Umsatz in den
Anwenderindustrien (u. a. Autoindustrie,
Maschinenbau, Energie- und Medizintechnik).
Mit einem Produktionsanteil von ca. zehn Prozent am
Weltmarkt produziert Europa dabei nur etwa halb so
viele Halbleiter, wie es selbst benötigt. Zudem ist
Europa vor allem bei besonders leistungsfähigen
Chips technologisch abhängig und damit in der
Selbstbestimmungsfähigkeit im Bereich KI, Server
und Kommunikation beeinträchtigt. Auch für die
Sicherheit und Verteidigungsfähigkeit Deutschlands
und Europas spielt die Verfügbarkeit
sicherheitsrelevanter Chips eine wichtige Rolle. In einigen Bereichen,
wie bei der Elektronik zur Wandlung elektrischer
Ströme, bei Mikrocontrollern für Steuerung und
Automatisierung und Elektronik für das Automobil,
gibt es jedoch wettbewerbsfähige Unternehmen und
Forschungseinrichtungen.
Wir wollen in einem international stark wachsenden
Markt unsere technologischen Stärken ausbauen.
Der Chip-Markt soll Prognosen zufolge weltweit auf
1 Billion US-Dollar im Jahr 2030 wachsen. Treiber sind
insbesondere die stark zunehmende Anwendung von
KI und das Wachstum bei Cloud-Computing. Vor
allem bei Anwendungen in der Industrie bieten sich
für Deutschland neue Chancen bei eigenen KI-fähigen
und energieeffizienten Chips und
Rechentechnologien. Dabei ist besonders der hohe
Wertschöpfungsanteil des Chip-Designs als Investitionsfeld für
Deutschland attraktiv. Die Mikroelektronik ist zudem
Gegenstand geopolitischer Auseinandersetzungen
und besonders sicherheitsrelevant. Substanzielle
Investitionen in unsere eigene Wettbewerbsfähigkeit
und Souveränität sind deshalb notwendig.
II. SCHLÜSSELTECHNOLOGIEN 19
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/1100– 19 –
II. SCHLÜSSELTECHNOLOGIEN 20
Biotechnologie
Ziele und ausgewählte Flaggschiff-Maßnahmen
Ziel 1
Wir werden durch Biotechnologie Deutschlands
Souveränität in der Entwicklung der Medizin von morgen
stärken und damit Deutschland zu einem
Spitzenstandort für die Gesundheitsforschung machen.
∙ Wir unterstützen den Aufbau eines
Translationszentrums für Gen- und Zelltherapie in Berlin, das
neuartige Therapien entwickelt. Dadurch wollen wir
in Zukunft „Unheilbares heilbar machen“.
∙ Wir werden ab Q2/2026 verstärkt interdisziplinäre
Projekte fördern, die mithilfe neuartiger KI-
Methoden künftig innovative Arzneimittel bis zu 50 Prozent
schneller und kostengünstiger zu den Menschen
bringen.
∙ Wir unterstützen den Ausbau von
Genomsequenzierungs-Kapazitäten in Deutschland, um die
Forschung und Entwicklung von innovativer
personalisierter Diagnostik und Therapie voranzutreiben.
Ziel 2
Wir werden Deutschland zum weltweit innovativsten
Standort für die Biotechnologie ausbauen und so eine
ressourceneffiziente, wettbewerbsfähige Industrie
gestalten sowie die Wertschöpfung Deutschlands erhöhen.
∙ Wir werden die Chancen disruptiver Ansätze der
industriellen Biotechnologie nutzen, insbesondere
an den Schnittstellen zur Künstlichen Intelligenz
und zu den Ingenieurwissenschaften und als
Schlüsseltechnologie für die Bioökonomie. Damit
machen wir Deutschland zum Technologieführer
in diesen wegweisenden Bereichen und fit für die
Wertschöpfung von morgen. Bei der Konferenz
„BioKI – KI als Katalysator für die Bioökonomie“ im
November 2025 werden wir mit Stakeholdern über
die Potenziale dieser Technologie diskutieren. Erste
Projekte werden in Q1/2027 starten.
∙ Wir werden die biobasierte Wertschöpfung der
industriellen Produktion von Materialien und
Chemikalien steigern. Erste Public-Private-
Partnerships unter Industrieführung werden in
Q1/2026 starten.
∙ Wir werden die Erfolgsgeschichte der
„Gründungsoffensive Biotechnologie“ ausbauen und mit
GO-Bio next das Sprungbrett vom Labor in die
Wirtschaft verstärken.
∙ Wir werden das Förderprogramm „Industrielle
Bioökonomie“ weiter ausbauen, insbesondere um
den kritischen Scale-up von Anlagen durch
Investitionen zu fördern.
∙ Wir werden eine prominente Rolle beim zukünftigen
EU IPCEI Biotech einnehmen, um auch das Biotech-
Ökosystem in Europa zu fördern und die
Innovation in den Markt zu bringen.
Ziel 3
Wir werden mit der Biotechnologie resiliente,
krisenfeste Agrar- und Ernährungssysteme der Zukunft
entwickeln.
∙ Wir werden die Ertragssicherung mit optimiertem
Pflanzenschutz zur Erzeugung nachhaltiger und
möglichst unbelasteter Lebensmittel fördern.
Mit einer neuen Förderrichtlinie treiben wir die
Entwicklung und Anwendung neuer Methoden
zum Schutz von Nutzpflanzen vor Schäden durch
Insekten und Pathogene voran. Wir richten die
Förderrichtlinie klar auf die Beteiligung von
Unternehmen aus, um den Transfer zu
beschleunigen, und führen in Q3/2025 gemeinsam mit
Unternehmen einen Partnering Day zur
Förderrichtlinie durch. In Q3/2026 starten die ersten
Projekte zur Entwicklung und Anwendung neuer
Methoden zum Schutz von Nutzpflanzen.
∙ Wir werden mithilfe moderner
Züchtungstechnologien bei Nutzpflanzen Faktoren der Klima- und
Standortanpassung erforschen. Wir sehen in
unseren Projekten der modernen Züchtungsfor-
Drucksache 21/1100 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 20 –
schung eine verpflichtende Beteiligung von
Unternehmen vor. Damit stärken wir die
Zusammenarbeit zwischen Forschung und Industrie und
beschleunigen den Transfer. Erste Ergebnisse
werden in Q1/2026 vorgestellt.
∙ Wir werden durch innovative biotechnologische
Methoden und Verfahren die existierenden
Potenziale für die Erzeugung
gesundheitsförderlicher und nachhaltiger Lebensmittel nutzen. Bis
Q1/2026 werden wir zusammen mit Stakeholdern
im Bereich biotechnologisch hergestellter
Lebensmittel und alternativer Proteine den Förderbedarf
für Innovationen erfassen. Projekte unter
Wirtschaftsbeteiligung starten in Q1/2027.
∙ Mit der Transfermaßnahme PIONEER erschließen wir
alternative Proteinquellen als zukunftsfähige Säule
unserer Ernährung. In interdisziplinären
Konsortien treiben Unternehmen und Forschung
gemeinsam biotechnologische Innovationen voran. Bis
2029 werden evidenzbasierte
Handlungsempfehlungen für Forschung, Praxis und Politik abgeleitet,
um die Breitenwirksamkeit der geförderten
Vorhaben zu sichern und die Skalierung
erfolgreicher Ansätze vorzubereiten.
∙ Wir fördern innovative Präventions- und
Behandlungsstrategien bei Nutztieren. Wir sehen in unseren
Projekten der modernen Präventions- und
Behandlungsstrategien eine verpflichtende Beteiligung von
Unternehmen vor. Damit stärken wir die
Zusammenarbeit zwischen Industrie und Forschung,
unterstützen insbesondere die Innovationskraft
von KMU und beschleunigen den Transfer der
Ergebnisse in die Praxis.
Ziel 4
Wir werden für eine zunehmend prädiktive und
präventive Medizin von morgen die innovative Medizintechnik
voranbringen.
∙ Wir werden mit der intelligenten Verbindung von
Ingenieurwissenschaften, Biotechnologie und
Medizin neue Optionen für die nachhaltige
medizinische Versorgung der Gesellschaft schaffen.
Dazu werden wir die Überführung innovativer
Ideen in die Praxis durch KMU weiter stärken und
den Fokus der Förderung durch „KMU-innovativ:
Medizintechnik“ im nächsten Jahr neu ausrichten.
II. SCHLÜSSELTECHNOLOGIEN 21
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/1100– 21 –
Chancen
∙ Ausbau entstehender Biotechnologie-
Cluster sowie weitere Bündelung
bestehender regionaler Aktivitäten
∙ Nutzung des disruptiven Potenzials
durch Konvergenz der Biotechnologie
und weiterer Zukunftstechnologien
∙ Stärkung der Anreize und
Unterstützungsstrukturen für Transfer an Hochschulen
und außeruniversitären
Forschungseinrichtungen
∙ Verschlankung und Vereinheitlichung
der Regulatorik; Beschleunigung ihrer
Anwendung
∙ Einbettung in starkes Forschungs- und
Innovationsökosystem auf europäischer
Ebene
∙ Beschleunigung der Datenverfügbarkeit
∙ Ausbau der europäischen, internationalen
und multilateralen Kooperation samt
zügiger Anbindung an den European
Health Data Space (EHDS)
Schwächen
∙ Begrenzte internationale Strahlkraft
von deutschen Biotech-Hubs
∙ Begrenzte Verfügbarkeit von Risikokapital
und hoher regulatorischer Aufwand für
Gründungen und Unternehmen, daher
niedrige Transferquote
∙ Fehlende Marktanreize in
einigen Bereichen
∙ Hemmende regulatorische
Rahmenbedingungen für forschungsintensive
Innovationen durch föderale Fragmentierung und
unterschiedliche Rechtsauslegung
∙ Begrenzte Datenverfügbarkeit
Stärken
∙ Leistungsstarke Wissenschafts- und
Forschungslandschaft mit exzellenter
Grundlagenforschung in allen
Anwendungsfeldern
∙ Gut ausgebaute Forschungsinfrastrukturen
∙ Starke industrielle Basis in der chemischen
und pharmazeutischen Industrie
∙ Starker Maschinen- und Anlagenbau
∙ Ausgeprägtes, breites Branchenwissen
∙ Etabliertes Ökosystem aus spezialisierten
KMU-Zulieferern
∙ Vernetztes Gesundheitsdatenökosystem
mit Anschluss an die industrielle
Gesundheitswirtschaft
Risiken
∙ Wertschöpfungs- und
Souveränitätsverluste durch Verlagerung der
Biotechnologie-Dynamik in andere Volkswirtschaften
mit günstigeren Rahmenbedingungen
∙ Fortlaufende indirekte Subventionierung
biotechnologischer Innovationen im
Ausland, wenn durch öffentliche Mittel
generiertes geistiges Eigentum (Intellectual
Property (IP)) sowie ausgebildete Talente
abwandern
∙ Blockade innovativer Therapien durch
regulatorische Hürden
∙ Keine signifikante Entwicklung in der
grünen Biotechnologie und mangelnde
Attraktivität des (Forschungs-)Standorts
aufgrund unpassender Regulierung
∙ Wissens- und Technologieabfluss,
Missbrauchspotenzial
∙ Mangelnde öffentliche Akzeptanz bei
biotechnologischen Produkten und
Verfahren
Handlungsansatz
Drucksache 21/1100 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 22 –
II. SCHLÜSSELTECHNOLOGIEN 23
Die Biotechnologie hat eine hohe Relevanz für die
medizinische Versorgung, die Ernährungssicherheit
sowie für die industrielle Produktion und eine
nachhaltige, kreislauforientierte und
wettbewerbsfähige Wirtschaft. Sie gehört zu den vier priorisierten
Technologiefeldern der Europäischen
Wirtschaftssicherheitsstrategie und des angekündigten EU-
Wettbewerbsfähigkeitsfonds. In Deutschland waren 2024
über 1.000 Biotechnologieunternehmen ansässig,
die mit ca. 56.000 Beschäftigten einen Umsatz von
ca. 11 Mrd. Euro erzielt haben. Durch sie wird eine
erhebliche Wertschöpfung generiert, was bereits
heute maßgeblich zum Wohlstand unseres Landes
und zur Steigerung der Lebensqualität beiträgt. Im
internationalen Vergleich liegt die deutsche
Biotechnologiebranche jedoch insbesondere bei
Frühphasenfinanzierungen und bei risikoreichen
Innovationsprojekten deutlich hinter Wettbewerbern wie
den USA und China zurück.
Der Biotechnologiestandort Deutschland hat die
Chance, den zu erwartenden Umbruch in der Medizin
hin zu innovativen und maßgeschneiderten,
personalisierten Therapien sowie für eine nachhaltige
biobasierte Wirtschaft mit anzuführen und zur
Bewältigung globaler Herausforderungen im Klima-,
Umwelt- und Ressourcenschutz beizutragen. Mit
Forschungs- und Entwicklungsausgaben in Höhe von
ca. 4 Mrd. Euro wies die Biotechnologiebranche bereits
in 2022 eine sehr hohe Forschungs- und
Entwicklungsintensität auf. Es gibt jedoch auch weiterhin
große ungenutzte Potenziale und Bedarfe.
Deutschland zeichnet sich durch Forschungsstärke,
Innovationskraft und industrielle Kompetenz aus.
Verbesserungspotenziale bestehen insbesondere beim Transfer
von Forschungsergebnissen in die Anwendung.
Deshalb stärken wir die Wertschöpfungsketten,
unterstützen mit unseren Maßnahmen
Biotechnologieunternehmen und die Vernetzung von Wissenschaft
und Wirtschaft. Zusätzliches Potenzial wird durch die
Nutzung der Medizintechnik und der Konvergenz mit
anderen Zukunftstechnologien, z. B. KI und innovative
Werkstoffe ausgeschöpft. Notwendig sind darüber
hinaus eine konsequente Vereinfachung und
Harmonisierung aller einschlägigen Regelwerke und deren
Implementierung, der Ausbau europäischer und
internationaler Kooperationen mit forschungsstarken
Partnern und die Stärkung der Zusammenarbeit im
Rahmen multilateraler Prozesse, einschließlich der
fristgerechten Anbindung bestehender
Gesundheitsforschungsdateninfrastrukturen an den European
Health Data Space (EHDS) bis März 2029.
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/1100– 23 –
II. SCHLÜSSELTECHNOLOGIEN 24
Fusion und klimaneutrale
Energieerzeugung
Ziele und ausgewählte Flaggschiff-Maßnahmen
Ziel 1
Wir machen Deutschland zu einem führenden
Innovationsstandort für Fusionstechnologien. Wir wollen
deutsche Unternehmen zu Weltmarktführern bei der
Fusion machen und Arbeitsplätze schaffen.
∙ Wir legen bis Ende 2025 einen strategischen,
längerfristigen „Aktionsplan Fusion“ der
Bundesregierung für den Weg zu einem Fusionskraftwerk
in Deutschland vor.
∙ Wir erarbeiten gemeinsam mit Expertinnen und
Experten bis Ende 2026 die Forschungs- und
Innovationsroadmap FusionsEnergie (FIRE) zur
Identifizierung der für ein Fusionskraftwerk
erforderlichen Technologien.
∙ Wir beabsichtigen, je einen Hub bzw.
Vernetzungsaktivitäten zur Magnet- und Laserfusion zum
Aufbzw. Ausbau von Forschungsinfrastrukturen und
Technologiedemonstratoren für ein Fusionskraftwerk
zu realisieren. Mit der Konzeptphase starten wir in
2025.
∙ Wir starten in 2025 neue Förderinitiativen und
spannen den Bogen von „Explorativen Ansätzen
der Fusionsforschung“ hin zu „Basistechnologien für
die Fusion“.
Ziel 2
Wir unterstützen Innovationen und neue Technologien
für die Energiewende, damit die Systemkosten gesenkt
werden, keine neuen Abhängigkeiten entstehen und die
Resilienz unseres Energiesystems gestärkt wird. Mithilfe
von Spitzenforschung entwickeln wir
Energietechnologien „Made in Germany“ für die Weltmärkte von morgen
und übermorgen, damit deutsche Hersteller im Bereich
innovativer erneuerbarer Energien im internationalen
Wettbewerb eine führende Stellung einnehmen.
Wir werden noch in 2025 die Forschung für
Schlüsseltechnologien der Energiewende in einem
zielorientierten und technologieoffenen
Energieforschungsprogramm der Bundesregierung bündeln. Dabei werden
wir die anwendungsorientierte Grundlagenforschung,
die angewandte Energieforschung und die
experimentelle Forschung in den Bereichen Strom, Wärme,
Wasserstoff und Energiesystem abbilden und
insbesondere folgende Initiativen auf den Weg bringen:
∙ Ab 2026 werden wir neue Reallabore der
Energiewende starten, um Energieinnovationen in
systemischen Dimensionen zu testen. Damit
schaffen wir Möglichkeiten für
Betriebserfahrungen mit neuen Technologielösungen und stärken
das Vertrauen von Investorinnen und Investoren
sowie Nutzerinnen und Nutzern..
∙ Wir starten in 2026 eine neue Forschungsinitiative
Tiefengeothermie und flankieren damit unsere
energiepolitischen Ziele im Wärmebereich.
∙ Wir starten in 2026 den Forschungshub
Wasserstoff – Hydrogen4Future, um neue
Technologiegenerationen entlang der Wasserstoffkette zu
stärken.
Drucksache 21/1100 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 24 –
Chancen
∙ Durch Sektorkopplung den
Industriestandort stärken; neue Wertschöpfung schaffen
∙ Deutschland hat technologische
Alleinstellungsmerkmale – so lassen sich neue
Exportschlager durch „Made in Germany“
und neue Weltmarktführerschaften
etablieren
∙ Der Staat kann als Ankerkunde auftreten
∙ Strukturreformen und Staatsmodernisierung
∙ Durch europäische und internationale
Kooperationen Innovationspotenziale
heben und neue Märkte erschließen
∙ Dekarbonisierung ist ein Schwerpunkt
der EU-Politik sowie der Forschungs- und
Innovationsförderung
∙ Erhöhung der Energie- und
Technologiesouveränität
∙ Erhöhung der hiesigen Wertschöpfungstiefe
∙ Reduzierung der Abhängigkeit von
Energieimporten; Diversifizierung bei Lieferländern
Schwächen
∙ Hohe Energie- und Personalkosten im
internationalen Vergleich,
Fachkräfteengpässe
∙ Fehlende Erfahrung in der Skalierung von
Batteriefabriken im Gigascale
∙ Fehlende Forschungsinfrastrukturen im
Bereich der Laserfusion
∙ Nicht ausreichend privates Kapital im
Bereich Deeptech/Hightech; ausbaufähige
Transfer-/Start-up-Szene
∙ Beihilfeverfahren zum Teil sehr komplex
und aufwendig
∙ Teils unzureichende Vernetzung der
Stakeholder (Akademia, Industrie, Länder
etc.)
Stärken
∙ Deutschland verfügt über eine exzellente
Forschungslandschaft und über einige der
weltweit leistungsfähigsten
Forschungsinfrastrukturen
∙ Deutschland hat einzigartige
Innovationsökosysteme
∙ Deutschland hat weltweit beste
Technologieentwicklerinnen und -entwickler
∙ Deutschland verfügt über eine Vielfalt an
Unternehmen: von Start-ups über
Mittelstand bis hin zu großen Konzernen
∙ Deutschland ist international und
europäisch hervorragend vernetzt
∙ Hohe gesellschaftliche Akzeptanz für
erneuerbare Energien
∙ Etablierte Forschungsnetzwerke Energie
∙ Kontinuität der Energieforschungspolitik
Risiken
∙ Attraktives Innovationsumfeld auch bei
globalen Wettbewerbern (u. a. hohe
staatliche Subventionen; massive FuE-
Investitionen; stärkere Bürokratieentlastung in
anderen Ländern)
∙ Starker Wettbewerb durch etablierte Player,
insbesondere aus Asien
∙ Teils unzureichender Zugang und teils
massive sowie einseitige Abhängigkeiten
von anderen, außereuropäischen Ländern
bei relevanten Rohstoffen, wie
beispielsweise bei den Seltenen Erden
∙ Wissens- und Technologieabfluss
Handlungsansatz
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/1100– 25 –
II. SCHLÜSSELTECHNOLOGIEN 26
Energietechnologien sind ein wesentlicher
Wertschöpfungs- und Standortfaktor. Die
Energieforschung bietet Lösungen zum Umbau unseres
Energiesystems, um künftig klimaneutral, sicher, verlässlich
und bezahlbar Energie für Gesellschaft und Industrie
bereitzustellen. Deutschland steht im Bereich der
Energietechnologien in einem intensiven
internationalen Innovationswettbewerb. Im internationalen
Ranking der wissenschaftlich-technischen
Leistungsfähigkeit nimmt Deutschland mit Südkorea hinter
Dänemark und China den dritten Platz in diesem
Technologiebereich ein. Mit Blick auf die Produktion
ist China noch vor den USA der bei Weitem wichtigste
Akteur für die Herstellung klimafreundlicher
Technologien, insbesondere in den Bereichen Windkraft und
Photovoltaik.
Unser Land hat kluge Köpfe, Know-how und das
wirtschaftliche Potenzial, neue Exportschlager
„Made in Germany“ für globale Energiemärkte zu
entwickeln. Und diese Märkte wachsen rasant: Der
Weltmarkt für erneuerbare Energietechnologien
soll von 700 Mrd. US-Dollar im Jahr 2023 auf über
2 Billionen US-Dollar im Jahr 2035 ansteigen. Mit
einer starken Energieforschung, unserer
Nachwuchsförderung sowie internationalen
Ausbildungsprogrammen können wir für die deutsche Wirtschaft
neue Wachstumsimpulse setzen und dadurch ihre
Wettbewerbsfähigkeit langfristig sichern. Die
zielorientierte und technologieoffene Förderung von
innovativen Energietechnologien – von der
Geothermie über Photovoltaik, Wind, Batterien und weitere
Energiespeicherlösungen sowie Wärmepumpen bis
hin zum Wasserstoff und zu Effizienztechnologien –
ist entscheidend. Allein der Markt für
Elektrolyseurausrüstung in Europa soll sich bis 2030 auf bis zu
10 Mrd. Euro belaufen. Die weltweite Nachfrage nach
leistungsstarken und nachhaltigen Batterien wird
bis zum Jahr 2030 um das 14-Fache gegenüber 2020
steigen. Allein der globale Markt für Lithium-Ionen-
Batterien wird bis 2030 bei ca. 183 Mrd. US-Dollar
liegen (2024: 65 Mrd. US-Dollar).
Durch verstärkte Investitionen in die
Fusionsforschung wird Deutschland seine Vorreiterrolle in
dieser zukunftsweisenden Technologie behaupten.
Fusionstechnologie steht für den Aufbau neuer
Wertschöpfungsstrukturen sowohl im
Forschungsanlagen-, zukünftigen Kraftwerks- und
Komponentenbau als auch bei Lieferketten. Durch Spill-over-
Effekte (z. B. fortschrittliche supraleitende Magnete,
neue optische Technologien) kann die Fusion ein
Hightech-Motor für unsere Wirtschaft werden. Auch
die regulatorische Forschung wird verstärkt werden,
um damit u. a. die Entwicklung untergesetzlicher
Regelungen bzw. die Fortentwicklung gesetzlicher
Regelungen für Kernfusions(forschungs)anlagen
außerhalb des Atomrechts sicherzustellen, sodass
zukünftige Fusionskraftwerke unter angemessenen
Sicherheitsstandards entwickelt und betrieben werden
können.
Drucksache 21/1100 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 26 –
Technologien für die
klimaneutrale Mobilität
Ziele und ausgewählte Flaggschiff-Maßnahmen
Ziel 1
Wir bauen bis 2035 eine wettbewerbsfähige
Batterieproduktion und -kreislaufführung in Deutschland auf,
eingebettet in ein europäisches Produktionsnetzwerk.
∙ Wir stärken die bestehende Batterieforschung und
bauen ab 2026 neue Batteriekompetenzcluster mit
den Schwerpunkten Batteriematerialien
(Spezialchemie), Batterieproduktion (inklusive Anlagenbau)
und Festkörperbatterien auf.
∙ Wir bauen mit der Forschungsfertigung Batteriezelle
(FFB) ein neues Instrument in der deutschen und
europäischen Innovationslandschaft auf. Der Fokus
liegt dabei auf „Lab to Fab“ und einer industriellen
Anbindung. So wird die FFB erstens neue
Technologien und Materialien aus den Laboren in Richtung
(Massen-)Produktion und Automatisierung vor
anbringen (Technology-Push). Zweitens wird sie
als offene Gigafactory konzipiert, in der etablierte
Unternehmen und Start-ups mit ihren Prozessen,
Verfahren und Zukunftsvisionen auf
hochmodernen Anlagen bis hin zum Gigafactory-Maßstab
auch selbst agieren können und Impulse setzen
(Market-Pull, Produktionsforschungsbetrieb).
Der erste Bauabschnitt („PreFab“) startet im Herbst
2025 in den Produktionsforschungsbetrieb. Der
zweite Bauabschnitt („FFB Fab“) soll nach aktuellen
Bauplanungen 2028/29 in Betrieb gehen.
∙ Wir bauen über vertikale Applikationsallianzen ab
2026 gezielt neue Wertschöpfungsketten in der
Batterieindustrie auf – aus der Forschung heraus.
So verknüpfen wir Technologie- mit
Anwendungsentwicklung.
∙ Wir werden uns auf nationaler und europäischer
Ebene für die Wettbewerbsfähigkeit der
Batterieindustrie als Schlüsselindustrie einsetzen und
inter national für ein Level-Playing-Field werben.
Ziel 2
Wir stärken Deutschland als Forschungs- und
Entwicklungsstandort für Technologien für alternative Antriebe
und klimafreundliche Kraftstoffe in Europa. Dadurch
machen wir Deutschland perspektivisch zum globalen
Leitanbieter und größten europäischen Technologie-
Exporteur.
∙ Wir starten einen „Innovationsbooster E-Fuels“, mit
dem wir bis 2029 die Forschungs- und
Entwicklungsförderung von verschiedenen Verfahren zur
Herstellung von E-Fuels hochskalieren und auf
weitere innovative E-Fuels-Technologien ausweiten,
insbesondere um die Defossilisierung des Schiffs-
und Luftverkehrs zu erreichen.
∙ Wir zeigen mit einer Initiative zur Skalierung von
CCU-Technologien zur Nutzung unvermeidbarer
CO2-Emissionen bis 2029, dass sich die
klimafreundliche Produktion von Methanol als
Energieträger unter Einbindung ausgewählter
Kohlenstoffquellen und von atmosphärischem CO2
hochskalieren und Methanol sich direkt im
Mobilitätssektor oder als Vorprodukt für E-Fuels
einsetzen lässt.
Ziel 3
Wir machen Deutschland zum Leitmarkt für autonomes
Fahren, stärken unsere Technologieführerschaft im
bodengebundenen Verkehr, in der Luftfahrt und
Schifffahrt und werden zum Innovationsführer bei der
Vermarktung und Nutzung neuer Mobilitätstechnologien.
∙ Wir richten die Luftfahrtforschung konsequent auf
Technologien aus, die Umweltschutz, Effizienz und
Wachstumschancen vereinen, um deutschen
Unternehmen eine starke Ausgangsposition für
kommende Flugzeuggenerationen zu ermöglichen.
II. SCHLÜSSELTECHNOLOGIEN 27
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/1100– 27 –
∙ Wir aktualisieren gemeinsam mit den wichtigsten
Stakeholdern die strategischen Vorgaben für das
Luftfahrtforschungsprogramm mit Blick auf einen
Gesamtfahrplan für prioritäre Technologiefelder
und Technologiebausteine, die der Erreichung
dieses Handlungsziels dienen.
∙ Wir unterstützen Forschung und Entwicklung
für eine Nationale Hyperloop-Referenzstrecke.
∙ Wir werden das Maritime Forschungsprogramm
für den Schiffbau weiterentwickeln, um neue
Technologien in den Bereichen Dekarbonisierung
von Antrieben, Unterwasserrobotik und höhere
Autonomie in der Schiffsführung zu stärken.
∙ Wir fördern mit dem Maritimen
Forschungsprogramm die zwingend und kurzfristig notwendige
Technologieentwicklung, um die Klimaziele in der
Schifffahrt erreichen zu können, und unterstützen
damit gleichzeitig den Nationalen Aktionsplan
Klimafreundliche Schifffahrt (NAPS).
∙ Wir stärken die Innovationskraft und
Unabhängigkeit der maritimen Wertschöpfungskette und der
maritimen Industrie zum Zwecke der
Dekarbonisierung der Schifffahrt mittels einer aktiven Rolle
bei der Erstellung der Europäischen Maritimen
Industriestrategie.
∙ Wir entwickeln ab 2026 Mobilitätssysteme der
Zukunft in Modellregionen in Stadt und Land durch
forschungsbasierten, beschleunigten
Technologietransfer und KI.
∙ Wir wählen 2026 wettbewerbsorientiert
Transformationscluster für klimafreundliche urbane und
regionale Drohnen-Anwendermärkte und -felder
aus und bauen diese ab 2027 auf. Zusammen mit
Start-ups und Kommunen und unter Einbindung
von Nutzerinnen und Nutzern erforschen,
entwickeln und erproben wir skalierbare
drohnenbasierte Geschäftsmodelle und Innovationen für
eine klimafreundliche urbane und ländliche
Mobilität.
∙ Wir werden massiv in die Entwicklung KI- und
datenbasierter Lösungen für die Mobilität von
morgen investieren.
∙ Beginnend in 2025 fördern wir den Aufbau eines
Mobilitäts-Ökosystems, das als zentrale Plattform
Schnittstellen für die Integration autonomer
Fahrzeuge in das Gesamtsystem des ÖPNV
bereitstellt. Damit wird ein wesentlicher Beitrag zur
Daseinsvorsorge geleistet. Hierfür entwickeln und
erproben wir offene digitale Basisbausteine für
fahrerlose Bedarfsverkehre als erweitertes Angebot
des ÖPNV im urbanen und ländlichen Raum.
Ziel 4
Wir stärken die Nachhaltigkeit und
Ressourcenschonung in der Fahrzeugindustrie und sorgen für
Unabhängigkeit gegenüber geopolitischen Gegebenheiten.
∙ Wir schaffen die Grundlage für Forschung und
Innovation auf dem Gebiet kreislauffähiger
Fahrzeugkomponenten. Neben der Unabhängigkeit für
elementare Ressourcen wird damit ein wesentlicher Baustein
zur Erfüllung der Anforderungen der EU-
Altfahrzeugverordnung gelegt.
∙ Wir stärken die Effizienz des Ladens von
Elektrofahrzeugen durch die zügige Umsetzung des
europaweiten bidirektionalen Ladens, auf der Basis der
gemeinsamen europäischen Normen und Standards.
II. SCHLÜSSELTECHNOLOGIEN 28
Drucksache 21/1100 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 28 –
Chancen
∙ EU-Binnenmarkt und strategischer Ansatz
über Nischenmärkte
∙ Arbeitsplätze und Gesundheit
(Lebensqualität)
∙ Exportpotenziale für die Zuliefererindustrie
bei autonomem Fahren, E-Fuel- und Steuer-
Technologien
∙ Große Wertschöpfungspotenziale
technologiebasierter Anwendermärkte
∙ Stärkung der Souveränität der
Fahrzeugindustrie durch europäische
Wirtschaftskreisläufe
Schwächen
∙ Mangelnde europäische Koordinierung,
Vision und langfristige Strategie
∙ Hohe standortbezogene Kosten
(v. a. Energie, Personal)
∙ Geringe gesellschaftliche Akzeptanz
neuer Mobilitätslösungen
∙ Lücken bei Skalierung, Transfer und
Produktion neuer Mobilitätslösungen
∙ Rückstand bei innovativen
Geschäftsmodellen und Anwendungen
∙ Europäischer Rechtsrahmen nicht
innovationsfördernd
Stärken
∙ Etablierte Innovationsökosysteme für
intelligente Mobilitätslösungen, Batterien
und E-Fuels
∙ Wissensvorsprung deutscher Unternehmen
und starkes Ökosystem inklusive Transfer
im Bereich Mobilität/Wertschöpfungskette
Automobilfertigung und
Verbrennungsmotoren, Spezialchemie, Maschinen- und
Anlagenbau
∙ Großer Binnen- und Absatzmarkt;
Deutschland als Leitmarkt im Bereich Mobilität
Risiken
∙ Teilweise kritische Abhängigkeit
von strategisch wichtigen Rohstoffen,
z. B. bei Seltenen Erden
∙ Fehlende Verfügbarkeit von grünem
Wasserstoff für die direkte Verwendung
und für die E-Fuels-Produktion
∙ Weltweit hohe Skalierungskosten
∙ Scharfer globaler Wettbewerb
Handlungsansatz
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/1100– 29 –
II. SCHLÜSSELTECHNOLOGIEN 30
Der Mobilitätssektor verändert sich weltweit rasant
– durch neue technologische Möglichkeiten,
veränderte Gewohnheiten und vor allem durch das Ziel der
Klimaneutralität. Mobilität wird vernetzter, flexibler,
vielfältiger und sauberer. Das eröffnet große Chancen
für Innovationen. Besonders bei
Antriebstechnologien gibt es Fortschritte: Elektroautos und Elektro-
LKWs mit Batterie und Brennstoffzelle setzen sich
immer stärker als wettbewerbsfähige sowie
nachhaltige Lösung im Straßenverkehr durch. Daher ist eine
starke und innovationsfreudige Automobil- und
Zulieferindustrie auch zukünftig eine
Schlüsselindustrie für Deutschland. Für Luftfahrt, Schifffahrt und
weitere ausgewählte Anwendungsbereiche (wie
Sonderfahrzeuge oder Militär) sind klimafreundliche,
skalierbare Kraftstoffe wie strom- und
wasserstoffbasierte E-Fuels eine nachhaltige Lösung, da sie u. a. eine
hohe Energiedichte bieten. Diese Technologien
wachsen weltweit stark und bieten neue Märkte.
Neue Mobilitätsformen gewinnen an Bedeutung.
Autonom fahrende Taxis, Busse und On-Demand-
Shuttles, Drohnen, Landmaschinen automatisierte
Lieferdienste und ganz neu gedachte
Mobilitätskonzepte wie der Hyperloop entstehen. Auch sie bieten
unter entsprechenden Rahmenbedingungen großes
Potenzial für Wachstum und Nachhaltigkeit in
Deutschland. Allerdings verliert Deutschland
zunehmend seine einstige Stellung als Leitanbieter
für Mobilitätstechnologien und wird von anderen
Weltregionen, insbesondere China, herausgefordert.
Teilweise sind wir bereits abhängig (z. B. bei
Materialien für Batterien) hinsichtlich Wertschöpfung und
Fähigkeiten.
Gleichzeitig hat Deutschland weiterhin große Stärken
in der chemischen Industrie und in der
Produktionstechnologie. Das gilt auch für die Entwicklung
kreislauffähiger Materialien, alternativer Antriebe,
klimafreundlicher Kraftstoffe, die Erforschung von
Batterietechnologien und die Entwicklung
umweltfreundlicher Technologien für die Luftfahrt.
Deshalb müssen Forschung und Entwicklung in
diesen Bereichen jetzt weiter ausgebaut,
datengetrieben besser vernetzt und in Richtung
Industrietauglichkeit vorangebracht („From Lab to Fab“) werden.
Neue Technologien und Geschäftsmodelle müssen
frühzeitig erkannt und unterstützt werden. Denn in
den neuen Mobilitätsmärkten entsteht künftig ein
großer Teil der Wertschöpfung.
Drucksache 21/1100 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 30 –
Luft- und Raumfahrt
Luft- und Raumfahrt sind Treiber und
Anwendungsfelder technologischer Entwicklungen. 2024 zählte
die Branche in Deutschland etwa 120.000
Beschäftigte und generierte einen Umsatz von 52 Mrd. Euro.
Die zivile Luftfahrt ist weiterhin eine dynamisch
wachsende Hightech-Branche. Der Erfolg deutscher
Unternehmen beruht auch auf der technologischen
Führungsposition, die wir uns über die letzten Jahre
und Jahrzehnte erarbeitet haben. Angesichts der
hohen Exportquote der Branche bietet Technologie
„Made in Germany“ die Chance, die Zukunft der
umweltverträglichen Luftfahrt weltweit
mitzugestalten und zugleich Wachstumschancen und
Wertschöpfung zu erhalten.
In der Raumfahrt ist ein starker Trend zur
Kommerzialisierung zu beobachten. Zugleich sind Luft- und
Raumfahrt von erheblicher Bedeutung für die
nationale Sicherheit, Souveränität (etwa im Bereich
der Kommunikation) und das Erreichen der Klimaziele.
Dabei eröffnen Zukunftstechnologien wie Künstliche
Intelligenz, Robotik, Quantenkommunikation,
Industrie 4.0 oder neue Antriebstechnologien ganz
neue Möglichkeiten.
Ausgewählte technologiegetriebene Vorhaben:
∙ Wir erarbeiten eine ambitionierte Luftfahrtstrategie
der Bundesregierung, die die Fragen der zivilen und
militärischen Luftfahrtindustrie sowie die Stärkung
des Luftverkehrsstandorts zusammendenkt, und
setzen diese bereits in dieser Legislaturperiode um.
∙ Wir erhalten Technologieführerschaft und stärken
industrielle Hightech-Kompetenzen in der zivilen
Luftfahrt, um Unternehmen in Deutschland eine
starke Ausgangssituation für kommende
Flugzeuggenerationen zu sichern.
∙ Wir entwickeln und stärken Hub-Strukturen, wie den
Space Innovation Hub. Dieser dient bereits seit 2025
als Anlaufstelle für die New-Space-Szene und soll
für die Umsetzung von innovativen Forschungs-
III. Technologiegetriebene
Innovationen in strategischen
Forschungsfeldern
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/1100– 31 –
III. TECHNOLOGIEGETRIEBENE INNOVATIONEN IN STRATEGISCHEN FORSCHUNGSFELDERN 32
und Entwicklungsprojekten für zivile und
militärische Sicherheitsbedarfe bis zur Marktreife gestärkt
werden.
∙ Wir gestalten die ambitionierte Raumfahrtstrategie
der Bundesregierung aus, fokussieren dabei auf
Anwendungsorientierung und Kommerzialisierung
und binden kleine und mittlere Unternehmen (KMU)
sowie Start-ups ein. Dabei setzen wir u. a. auf
wettbewerbliche Verfahren für die Erforschung,
Entwicklung und Beschaffung von Trägersystemen
und -diensten, Kleinsatelliten, Technologien für die
Erdbeobachtung und Satellitenkommunikation
sowie robotischen Systemen für den Einsatz im
Orbit und die Exploration und Erforschung
planetarer Körper. Um Europa unabhängiger in der
Raumfahrt zu machen, bauen wir Deutschlands
Engagement bei der Europäischen
Weltraumorganisation ESA aus und setzen uns für deren
Transformation ein. Zudem beteiligen wir uns aktiv an
der Nutzung der ISS bis 2030 und untersuchen
mögliche Nachfolgelösungen, um auch nach 2030
weiterhin für Deutschland Forschung und
Entwicklung im Weltraum betreiben zu können.
∙ Wir setzen uns für die Kontinuität und
Weiterentwicklung der operationellen europäischen
Satellitenprogramme wie des Satellitenprogramms für
Navigation Galileo ein. Wir wollen effiziente Strukturen
und einen gemeinsamen Rahmen für zentrale
Infrastrukturen schaffen und die Kosten für die
Entwicklung, Anwendung und den Betrieb deutlich
senken, u. a. durch ein starkes deutsches
Engagement der Bundesregierung für gemeinsame
europäische und weltweite Standards.
∙ Wir stärken die (Reallabor-)Forschung zu neuen
Anwendungen und innovativen Geschäftsmodellen
von Advanced Air Mobility für klimafreundliche
und nachhaltige Städte und Regionen.
Gesundheitsforschung
Künstliche Intelligenz, innovative
Gesundheitstechnologien (z. B. „Next Generation Sequencing“-
Technologien, Geneditierung und CRISPR/Cas) und
Medizintechnik ermöglichen einen rasanten
Erkenntnis gewinn in der Gesundheitsforschung.
Daraus erwachsen innovative Therapien, Diagnostika,
Präventionsmöglichkeiten sowie neue Wirkstoffe,
Arzneimittel und Medizinprodukte – personalisiert
und zielgruppengerecht. Wir fördern Technologien,
die die Weichen für den medizinischen Fortschritt in
einem lernenden, zunehmend prädiktiven und
präventiven Gesundheitswesen und in der Pflege von
morgen stellen. So können wir die großen
Volkskrankheiten wie Krebs, Demenz und Herz-Kreislauf-
Erkrankungen zurückdrängen und bei Themen wie
Frauengesundheit, antimikrobiellen Resistenzen und
postinfektiösen Erkrankungen wie Post- und Long
COVID sowie ME/CFS schneller Fortschritte erzielen.
Um Forschungsergebnisse und Behandlungsmethoden
effizient und effektiv für die Betroffenen in die Praxis
zu überführen, werden die ethischen, rechtlichen und
sozialen Aspekte immer von Anfang an mitgedacht.
Drucksache 21/1100 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 32 –
Medizinischer Fortschritt soll entlang der gesamten
Wertschöpfungskette beschleunigt werden.
Entscheidend hierfür ist eine exzellente, gut ausgestattete
Forschungslandschaft, die universitäre und
außeruniversitäre Forschungseinrichtungen auf Augenhöhe
zusammenbringt und Unternehmen konsequent so
einbezieht, dass die Erkenntnisse in der Versorgung
ankommen. Hierbei spielt die Hochschulmedizin eine
Schlüsselrolle. Zugleich wird auch die europäische
und internationale Zusammenarbeit mitgedacht.
Durch die Verzahnung der Forschung mit der
Industrie in der Medizintechnik und in den
Gesundheitstechnologien nutzen wir das enorme
Wachstumspotenzial dieses Marktes und sichern nachhaltig
Wertschöpfung in Deutschland.
Ausgewählte technologiegetriebene Vorhaben:
∙ Wir fördern die zielgerichtete Verknüpfung, die
Nutzung und den Aufbau medizinischer Datensätze
von bisher unbekanntem Ausmaß und Detailtiefe und
deren Anbindung an den Europäischen
Gesundheitsdatenraum (EHDS), u. a. aus dem Netzwerk
Universitätsmedizin (NUM), aus klinischen Studien, dem
Forschungsdatenzentrum Gesundheit (FDZ),
genomDE, den medizinischen Registern und der
NAKO Gesundheitsstudie. Dies ermöglicht die
Entwicklung neuer Diagnosemethoden, Wirkstoffe
und Arzneimittel, Impfstoffe und Therapien, damit
Erkrankungen gezielter und personalisiert
verhindert, erkannt, behandelt und geheilt werden
können. Die dritte Förderphase des NUM mit neuen
Projekten und dem Aufbau neuer Infrastrukturen,
z. B. durch die Integration der German Biobank
Node (GBN), startete zum 1. Juli 2025. Diese stellt
eine übergeordnete Plattform der deutschen
Biobanken dar und bietet einen Überblick der
Zugangsmodalitäten und
Verwendungsmöglichkeiten der dort gelagerten Bioproben. Die Verstetigung
des NUM ist spätestens im Jahr 2026 geplant und im
März 2029 die Anbindung an den EHDS.
∙ Wir wollen die Potenziale in der datengetriebenen
Gesundheitsforschung durch Künstliche Intelligenz,
In-silico-Modellierungen und Computersimulationen
von biomedizinischen Prozessen heben. Mit
Datennutzungsprojekten und Use-Cases fördern wir den
Transfer in die klinische Anwendung und die
öffentliche Gesundheitsforschung, u. a. im Bereich
der Vorhersage, präziseren Diagnostik und Therapie
von Krankheiten, der Stratifizierung von
Patientinnen und Patienten, der Vorhersage von
Krankheitsverläufen und der Durchführung von virtuellen
klinischen Studien. Hierzu werden wir noch in
diesem Jahr erste Förderrichtlinien veröffentlichen.
∙ Wir setzen auf Medizintechnik und smarte
Technologien wie digitale Anwendungen, adaptive Robotik
und alltagstaugliche Sensorik, um Durchbrüche in
Medizin und Pflege voranzutreiben. Solche innovati-
III. TECHNOLOGIEGETRIEBENE INNOVATIONEN IN STRATEGISCHEN FORSCHUNGSFELDERN 33
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/1100– 33 –
ven Technologien werden praxistauglich gemacht,
um Erkrankten und Pflegebedürftigen einen
selbstbestimmten Alltag zu ermöglichen und
Fachpersonal – wie Pflegende oder Ärztinnen
und Ärzte – im Arbeitsalltag zu unterstützen.
Als nächsten Schritt werden wir in Q1/2026 zwei
neue Fördermaßnahmen veröffentlichen.
Sicherheits- und Verteidigungsforschung
Unsere Sicherheit braucht Forschung und Technologie,
denn die Welt ist massiv im Umbruch. Eine
veränderte geopolitische Lage und neue
Sicherheitsgefährdungen, natur- und menscheninduzierte Katastrophen,
kriminelle, terroristische, hybride und direkte
militärische Bedrohungen belegen das eindringlich.
Auch die digitale Bedrohungslage entwickelt sich
hochdynamisch: Desinformation (etwa zielgerichtete
Fake News) beeinflusst die Gesellschaft und gefährdet
letztlich die Demokratie. Cyberangriffe können
kritische Infrastrukturen lahmlegen und
Quantencomputer drohen konventionelle
Kryptografieverfahren zu durchbrechen. Cybersicherheit wird zur
Grundvoraussetzung der resilienten Gesellschaft.
Das Ziel muss integrierte Sicherheit im Sinne der
Nationalen Sicherheitsstrategie sein, die nach innen
und nach außen wirkt und der Bandbreite der
Sicherheitsrisiken Rechnung trägt – auch den mittel- und
langfristigen. Es braucht technische Innovationen
ebenso wie eine resiliente Gesellschaft, um die
Sicherheit in Deutschland auch in Zukunft als
Grundlage für Souveränität und Wettbewerbsfähigkeit zu
gewährleisten. Dazu sollen auch die
Synergiepotenziale zwischen ziviler und militärischer Forschung und
Entwicklung gehoben werden. Mit dem
Rahmenprogramm der Bundesregierung „Forschung für die zivile
Sicherheit“ und dem Handlungsfeld „Innovationslabor
Sicherheitsforschung“ beschleunigen wir den
Praxistransfer innovativer Lösungen durch
Demonstrations- und Erprobungsumgebungen und stärken das
Innovationsökosystem der integrierten Sicherheit.
Ausgewählte technologiegetriebene Vorhaben:
∙ Wir werden in ausgewählten Technologiefeldern in
„Innovation Hubs für Sicherheit und Verteidigung“ die
Kooperation zwischen ziviler und militärischer
Forschung und Entwicklung fördern. Im Austausch
zwischen zivilen und militärischen Bedarfsträgern
III. TECHNOLOGIEGETRIEBENE INNOVATIONEN IN STRATEGISCHEN FORSCHUNGSFELDERN 34
Drucksache 21/1100 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 34 –
sowie Anbietern von Sicherheitslösungen inklusive
Start-ups sollen Synergien zwischen der zivilen und
militärischen Forschung für innovative Lösungen
identifiziert und nutzbar gemacht werden. Dabei
sollen auch Forschungsinfrastrukturen genutzt
werden, die Forschung unter Bedingungen erhöhter
Sicherheitsanforderungen ermöglichen. Ein erster
Hub soll Ende 2026 etabliert werden, weitere Hubs
sollen sukzessive folgen.
∙ Wir veröffentlichen dieses Jahr eine 6G-
Forschungsroadmap für die Erforschung und Entwicklung
sicherer und resilienter
Kommunikationstechnologien der nächsten Generation (Ausrichtung bis
2030). Der erste Meilenstein der Roadmap ist der
Aufbau von vier 6G-Transfer-Hubs in Q1/2026,
die umfangreiche Forschungs-, Test- und
Validierungsinfrastrukturen für Wissenschaft und
Wirtschaft bereitstellen. Damit ermöglichen sie die
Etablierung transferorientierter Ökosysteme und
die strategische Stärkung und Absicherung der
zugrunde liegenden Innovations- und
Wertschöpfungsketten. In der Roadmap werden zudem die
werteorientierte Stärkung der nationalen und
europäischen Entwicklungs-, Spezifizierungs- und
Standardisierungsbemühungen sowie der Ausbau
internationaler Kooperationen insbesondere mit
Wertepartnern angesprochen.
∙ Wir richten die Cybersicherheitsforschung durch ein
neues Forschungsrahmenprogramm auf die
veränderte Bedrohungslage aus und stärken die Cyberresilienz
von Wirtschaft, Wissenschaft, Gesellschaft und Staat.
Kooperationen insbesondere mit europäischen
Wertepartnern bauen wir gezielt aus. Dazu wird
Deutschland europäische Forschungsprogramme
wie den Cybersicherheitscluster (im 10.
Forschungsrahmenprogramm der Europäischen Union) und
Forschungsinitiativen wie die Europäische
Quantenkommunikationsinfrastruktur (EuroQCI)
maßgeblich mitgestalten. Zudem stärken wir
vertrauenswürdige Cybersicherheitstechnologien
und sichere Kommunikationslösungen „Made in
Germany“ durch ein neues Förderangebot für einen
beschleunigten Transfer aus der Wissenschaft in
die Anwendung ab 2025.
∙ Wir prüfen die Möglichkeiten einer Nutzung der
Förderinstrumente der Bundesagentur für
Sprunginnovationen (SPRIND) für den Verteidigungsbereich.
Meeres-, Klima- und
Nachhaltigkeitsforschung
Forschung für Nachhaltigkeit ist ein Schlüssel für
Innovationen in wichtigen Zukunftsfeldern.
Investitionen in die dafür notwendigen Technologien („Clean
Technologies/Cleantech“) zahlen sich ökologisch,
ökonomisch und gesellschaftlich aus. So legen
Innovationen für eine nachhaltige Nutzung der
Landfläche und der Meere, Klimaschutz und
Klimaanpassung, saubere und sichere Energie, eine
klimaneutrale und kreislauffähige Wirtschaft sowie für
resiliente Städte und Regionen die Basis für ein
zukunftsfähiges Wohlstandsmodell und tragen dazu
bei, geostrategischen Herausforderungen zu begegnen.
Technologische Lösungen für die Sicherheit von
maritimen Infrastrukturen und Seewegen haben
angesichts der hybriden Bedrohungslage eine
zunehmende Bedeutung gewonnen. Forschung und
innovative Unternehmen der Meerestechnik spielen bei der
Erhöhung des Schutzniveaus eine zentrale Rolle.
Forschung zu „Clean Technologies“ treibt die
Entwicklung von Schlüsseltechnologien voran (etwa in
der Biotechnologie, klimaneutralen
Energieerzeugung und klimaneutralen Mobilität) und setzt sie
gleichzeitig im Sinne der oben skizzierten Ziele ein.
Weitere wichtige Technologiefelder („Grüne
Zukunftstechnologien“) sind u. a. Recycling, Wasser- und
Abwassertechnologien, dekarbonisierte Techniken
und Anlagen in der Industrie, CO2-Abscheidung,
-Speicherung und -Nutzung (Carbon Capture and
Storage, Carbon Capture and Utilization), CO2-
Entnahme (Carbon Dioxide Removal) sowie weitere
Umwelt- und Agrifoodtechnologien.
Technologieführerschaft bedeutet hier gewaltige
Vorteile im globalen Innovationswettbewerb und auf
perspektivisch wichtigen, neuen Zukunftsmärkten.
Beispielsweise hat Deutschland nach Schätzungen der
Boston Consulting Group und des Deutschen
Verbands für negative Emissionen (DVNE) bis zum Jahr
2050 das Potenzial zur Entwicklung einer Carbon-
Dioxide-Removal(CDR)-Industrie im Wert von 70 Mrd.
Euro jährlich mit einer Spanne zwischen 95.000 und
190.000 Arbeitsplätzen. Und allein für die europäische
Wasserstoffwirtschaft schätzt die EU-Kommission
den Investitionsbedarf auf fast 500 Mrd. Euro in den
kommenden 25 Jahren.
III. TECHNOLOGIEGETRIEBENE INNOVATIONEN IN STRATEGISCHEN FORSCHUNGSFELDERN 35
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/1100– 35 –
Europa ist ein Motor bei der Entwicklung sauberer
Technologien und Deutschland nimmt eine
Vorreiterrolle ein – diese Position wollen wir ausbauen und
nutzen. Der Cleantech-Markt zeigt eine hohe
Dynamik, die weltweiten Investitionen steigen rasant, das
Potenzial ist erheblich. Ein Fokus liegt dabei auch auf
der Verwirklichung bisher unerreichbarer
Anwendungen aus der Grundlagenforschung heraus, die
bestehende Wertschöpfungsketten neu denken und damit
einen wirksamen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten.
Ausgewählte technologiegetriebene Vorhaben:
∙ Wir schaffen die Grundlage für neue wirtschaftliche
Dynamik durch leistungsfähige Technologien für
Negativemissionen (CDR) und Klimaneutralität und stärken
Innovationen für die Dekarbonisierung in Industrie
und Mittelstand. Ziel ist es, Deutschlands
Führungsposition in diesem Bereich weiter zu festigen.
∙ Wir bauen die Forschungs-, Technologie- und
Innovationsförderung im Leitmarkt
Kreislaufwirtschaft aus. Wir werden die Potenziale der
Digitalisierung für den Cleantech-Sektor nutzen, mit dem
Ziel, auf diesem Wachstumsmarkt die
Exportchancen der heimischen Industrie, insbesondere von
KMU, sowie die Versorgungssicherheit der
Wirtschaft weiter zu erhöhen. Ab Ende 2025 fördern wir
Leuchtturmprojekte aus Wissenschaft und
Wirtschaft, die digitale Technologien und
Geschäftsmodelle entwickeln, um Produkte und
Dienstleistungen zirkulär zu gestalten sowie deren Langlebigkeit
und Wiederverwendung zu stärken.
∙ Wir erneuern die deutsche Forschungsflotte.
Moderne Forschungsschiffe sind unverzichtbare
Plattformen einer transferorientierten Klima- und
Biodiversitätsforschung auf unseren Meeren und
Ozeanen. Sie sind Hightech-Plattformen auch für
den experimentellen Einsatz neuer Technologien.
∙ Wir bauen anwendungsbezogene, international
führende Forschungskompetenzen und -
infrastrukturen im Bereich des nachhaltigen natürlichen
Klimaschutzes bei klimarelevanten Ökosystemen wie
Wäldern, Mooren und Küsten aus, mit denen die
Treibhaus gasemissionen aus dem
Landnutzungssektor signifikant gesenkt, Wasserhaushalt und
Biodiversität gestärkt und neue Wertschöpfungsketten
geschaffen werden können.
∙ Wir unterstützen die Energiewende in der Fischerei. Wir
fördern die Entwicklung und den Bau von
Demonstratoren für „Fischereifahrzeuge der Zukunft“, die mit
alternativen Energieträgern betrieben werden können
und multifunktional einsetzbar sind, um
Fischerinnen und Fischern neue Einkommensmöglichkeiten in
der blauen Wirtschaft zu eröffnen.
III. TECHNOLOGIEGETRIEBENE INNOVATIONEN IN STRATEGISCHEN FORSCHUNGSFELDERN 36
Drucksache 21/1100 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 36 –
∙ Wir verstetigen die Deutsche Allianz
Meeresforschung (DAM) gemeinsam mit den norddeutschen
Ländern. In Forschungsmissionen untersuchen wir
die Potenziale mariner Kohlendioxidspeicher, die
Auswirkungen und Anpassungsstrategien mariner
Extremereignisse auf die Küsten und die
Möglichkeiten zum Schutz von Nord- und Ostsee bei einer
nachhaltigen Nutzung dieser Ökosysteme.
∙ Wir stärken die Entwicklung und den Einsatz
autonomer und robotischer Systeme in der Meeres-, Klima-
und Biodiversitätsforschung sowie den
Agrarwissenschaften. Wir treiben die Technologieförderung zur
Klimaanpassung von Kommunen, Unternehmen
und Infrastrukturen voran, z. B. mit der
Entwicklung von digitalen Zwillingen. Wir wollen die
technologische Souveränität bei Klimatechnologien
in Deutschland und Europa sichern und ausbauen.
Geistes- und Sozialwissenschaften
Neue Technologien haben tiefgreifende
Auswirkungen auf die Gesellschaft, daher steht die Förderung
gesellschaftsbezogener Forschung gleichberechtigt
neben der Technologieförderung. Die Geistes- und
Sozialwissenschaften leisten einen unverzichtbaren
Beitrag zur Bewältigung gesellschaftlicher
Herausforderungen, indem sie historisches wie
gegenwartsbezogenes Handlungs- und Orientierungswissen
generieren und dieses in den gesellschaftlichen und
politischen Diskurs einbringen. Besonders relevant ist
dies im Umgang mit aktuellen inneren wie äußeren
Bedrohungen für demokratische Gesellschaften, etwa
durch demokratie- und menschenfeindliche
Ideologien und Einstellungen, wie insbesondere dem
Antisemitismus. Weiterhin gilt es, die Wirkung der
Einführung neuer Technologien auf die Organisation
und Leistungsfähigkeit des Sozialstaats von Beginn an
zu begleiten, um sozialpolitische Steuerungsbedarfe
frühzeitig zu identifizieren und notwendige
Maßnahmen ableiten zu können. Gleichzeitig übernehmen die
Geistes- und Sozialwissenschaften eine Schlüsselrolle
bei der verantwortungsvollen und
menschenzentrierten Gestaltung des gesellschaftlichen Umgangs mit
neuen Technologien, indem sie die ethischen, sozialen,
wirtschaftlichen und politischen Herausforderungen
und Chancen von technologischen Innovationen
analysieren und dabei auch die
Gelingensbedingungen für eine innovationsoffene Gesellschaft in den
Blick nehmen. Denn Innovationen in
Schlüsseltechnologien müssen immer auch in ihrer
gesellschaftlichen Bedeutung verstanden werden. Es geht u. a.
darum, die Veränderungen der Mensch-Maschine-
Interaktion zu erfassen und die veränderte Rolle des
Menschen in zunehmend automatisierten
Entscheidungsprozessen zu erfassen und in ihren
Auswirkungen zu verstehen.
Zugleich wirken technologische Entwicklungen auch
in die Geistes- und Sozialwissenschaften hinein und
verändern diese Disziplinen teils grundlegend. Die
digitale Transformation der Geistes- und
Sozialwissenschaften hat Fahrt aufgenommen. Nicht nur in
den Digital Humanities, sondern in der ganzen
disziplinären Breite der Geistes-, Kultur- und
Sozialwissenschaften werden inzwischen mit
computergestützten Verfahren neue Methoden und
Forschungsfragen vorangetrieben; so z. B. in den
Sprachwissen schaften und in der Forschung zum Kulturerbe.
In den Sozialwissenschaften können diese Methoden
dazu beitragen, soziale Strukturen in neuer Qualität
und in neuem Umfang zu analysieren,
gesellschaftliche Entwicklungen in neuer Tiefe zu verstehen und
gesellschaftliche Trends zu antizipieren. Dafür
müssen auch in den Geistes- und
Sozialwissenschaften die erforderlichen Datenkompetenzen weiter
ausgebaut werden.
Ausgewählte technologiegetriebene Vorhaben:
∙ Wir stärken die Geistes- und Sozialwissenschaften
in einem neuen Rahmenprogramm, das in Q1/2026
veröffentlicht wird. Das Wissen der Geistes- und
Sozialwissenschaften ist die Basis, um die
Grundwerte unserer freiheitlich-demokratischen
Gesellschaft in Zeiten multipler Herausforderungen
schützen zu können, die Gesellschaft
veränderungsfähig zu halten und die technischen
Innovationen (insbesondere Künstliche Intelligenz) zu
begleiten und mitgestalten zu können.
∙ Wir fördern gezielt den Ausbau der
Datenkompetenzen und Infrastrukturen in den Geistes- und
Sozialwissenschaften, damit vorhandene Datenressourcen
für neue Forschungsfragen genutzt werden können.
Dazu zählt ab 2026 der Aufbau einer
Dateninfrastruktur zur Extremismusbekämpfung, ab 2027 die
Einrichtung eines Akademienzentrums Digitale
Lexikographie und der Aufbau einer europäischen
Forschungsdateninfrastruktur zur vergleichenden
Demokratieforschung (MEDem).
III. TECHNOLOGIEGETRIEBENE INNOVATIONEN IN STRATEGISCHEN FORSCHUNGSFELDERN 37
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/1100– 37 –
∙ Wir schaffen unter dem Dach des Rahmenprogramms
empirische Bildungsforschung neues Wissen als
Grundlage für ein zukunftsorientiertes
Bildungssystem, das den Menschen die notwendigen
Kompetenzen vermittelt, um den gesellschaftlichen
Wandel und seine aktuellen und zukünftigen
Herausforderungen – wie die digitale und
sozialökologische Transformation - erfolgreich zu
gestalten. Bildung ist ein zentraler Schlüssel, um
Forschung und Innovation voranzutreiben und die
Entwicklung sowie den verantwortungsvollen
Einsatz von Schlüsseltechnologien nachhaltig zu
sichern.
∙ Wir stärken das Weizenbaum-Institut für die
vernetzte Gesellschaft. Wir stellen den Menschen im
digitalen Wandel in den Mittelpunkt von Forschung und
Innovation und unterstützen die breite
Verankerung der Schlüsseltechnologien in der Gesellschaft,
indem wir ihre Wechselwirkungen mit sozialen,
kulturellen und politischen Strukturen besser
verstehen.
∙ Auch weitere erfolgreich etablierte
Kompetenzstrukturen bei Schlüsseltechnologien sollen gestärkt
werden, z. B. der KI- und Daten-Akzelerator KIDA
im Agrifoodsystem.
∙ Wir stärken die Sozialpolitikforschung, indem wir
ein Zentrum fördern, das die sozialen
Auswirkungen gesellschaftlicher Megatrends sowie die
Auswirkungen neuer Technologien auf Arbeit,
Gesellschaft und die sozialen Sicherungssysteme
begleiten und einen Beitrag zur Übersetzung dieser
Entwicklungen in notwendige sozialstaatliche
Anpassungsbedarfe leisten soll. Auf diese Weise
legen wir die wissenschaftlichen Grundlagen für
eine nachhaltige, unabhängige und leistungsfähige
Weiterentwicklung des Sozialstaats in einer sich
verändernden Gesellschaft.
III. TECHNOLOGIEGETRIEBENE INNOVATIONEN IN STRATEGISCHEN FORSCHUNGSFELDERN 38
Drucksache 21/1100 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 38 –
Ein leistungsfähiges Forschungs- und
Innovationssystem bildet die Voraussetzung dafür, dass die Hightech
Agenda Deutschland zum Erfolg wird. Entsprechend
werden wir weitere strukturelle Maßnahmen zur
Stärkung, Modernisierung und zum Schutz unseres
Forschungs- und Innovationssystems ergreifen. Die
hier aufgeführten Maßnahmen gehen Hand in Hand
mit der Hightech Agenda Deutschland und sind
wichtige zusätzliche Hebel für die geplanten
Technologieoffensiven. Sie geben den massiven Investitionen
in Schlüsseltechnologien und strategischen
Forschungsfeldern die nötige Schubkraft, um den
Technologie- und Innovationsstandort Deutschland
wieder nach vorn zu bringen.
Hebel 1
Den Wissens- und Technologietransfer zwischen allen
Innovationsakteuren beschleunigen. Denn trotz
exzellenter Forschung und ausdifferenziertem
Fördersystem werden wissenschaftliche Erkenntnisse
hierzulande nicht ausreichend in Wirtschaft und
Gesellschaft verwertet.
Prioritäre Vorhaben, die maßgeblich auf
die Hightech Agenda Deutschland einzahlen:
∙ „Initiative Forschung & Anwendung“, die die
Förderung konsequent auf den Technologietransfer
zwischen Wissenschaft,
Ressortforschungseinrichtungen, Kommunen, Zivilgesellschaft und
forschungs- und entwicklungsintensiven
Unternehmen ausrichten und mehr Sprungkraft und
Transparenz im Fördersystem schaffen wird. Unter
anderem Schaffung einer Deutschen
Anwendungsforschungsgemeinschaft (DAFG) als
förderpolitischer Rahmen, um die anwendungsorientierte
Forschung und Innovation an Hochschulen
dauerhaft zu stärken.
∙ Wissenschaftliche Ausgründungen steigern und
beschleunigen durch Einführung standardisierter
Ausgründungsverträge an Hochschulen und
Forschungseinrichtungen. Dabei bleiben
Abweichungen im Einzelfall, etwa auf Basis von
Musterverträgen, möglich.
IV. Hebel für die
Hightech Agenda
Deutschland
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/1100– 39 –
IV. HEBEL FÜR DIE HIGHTECH AGENDA DEUTSCHLAND 40
∙ Das große Potenzial des innovativen Mittelstands und
der zukunftsgerichteten Start-ups in Deutschland
noch besser zur Geltung bringen, denn ihre
Innovationskraft unterstützt viele Ziele dieser Agenda und
steigert Wachstum, Wohlstand und
Wettbewerbsfähigkeit. Dazu Stärkung von
unternehmensfreundlichen Transferinstrumenten wie dem
technologieoffenen Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand
(ZIM) und den vorwettbewerblichen Forschungs-
und Entwicklungsprogrammen Industrielle
Gemeinschaftsforschung (IGF) und INNO-KOM.
∙ Mit den EXIST Startup Factories wird das
wissenschaftsbasierte Gründungsökosystem in
Deutschland auf ein neues Level gehoben. Die zehn neuen
Factories werden die Zahl wachstumsorientierter
Hightech-Ausgründungen aus Hochschulen und
Forschungseinrichtungen in den kommenden
Jahren deutlich steigern. Darüber hinaus wird EXIST
als Flaggschiff-Programm der Bundesregierung für
Ausgründungen aus der Wissenschaft (aktuell 250
neue Start-ups pro Jahr) verstetigt und verstärkt.
∙ Die Initiative „Rückenwind für Innovation“
identifiziert und analysiert Transferhindernisse. Ziel ist
es, unter Einbeziehung externer Expertise
(Stakeholder, Innovationsakteure) konkrete
Lösungsvorschläge zur weiteren Verbesserung des Transfers
und Unterstützung der Innovationsaktivitäten zu
erarbeiten und umzusetzen.
Darüber hinaus werden wir u. a. die Förderung und
die Rahmenbedingungen in den Bereichen
Intellectual Property (Nationale IP-Strategie), Gründung (u. a.
Gründerinnen-Förderung z. B. über EXIST-Women),
Normung und Standardisierung sowie Transfer
(Transfer-Anreizsysteme, Stärkung der Transfer- und
Innovationsnetzwerke) spürbar verbessern. Dabei
nehmen wir gezielt auch die wirkungsorientierte
Förderung technologie-assoziierter Sozialer
Innovationen in den Blick.
Hebel 2
Innovationsakteure im Land spürbar von kleinteiliger
Förderbürokratie entlasten und den rechtlichen
Rahmen durch Strukturreformen für ein lebendiges
Innovations- und Transfergeschehen modernisieren. So
schaffen wir eine neue Kultur der Ermöglichung für
unsere kreativen Köpfe. Mit Digitalisierung,
Bürokratieentlastung und einer zeitgemäßen Regulierung.
Prioritäre Vorhaben, die maßgeblich auf
die Hightech Agenda Deutschland einzahlen:
∙ Verabschiedung des Forschungsdatengesetzes,
Weiterentwicklung des
Gesundheitsdatennutzungsgesetzes und Anbindung an Europäische
Datenräume, um das Innovationspotenzial von
Daten für Forschung, Gesellschaft und Staat noch
besser auszuschöpfen.
∙ Verabschiedung eines Innovationsfreiheitsgesetzes,
um Forschung und Entwicklung mehr Freiheit zu
geben und auch Unternehmen von kleinteiliger
Förderbürokratie zu entfesseln.
∙ Öffnungs- und Experimentierklauseln und
Reallabore, um innovative Technologien oder
Geschäftsmodelle unter realen Bedingungen sicher zu
erproben, schneller in die Anwendung zu bringen
und zu skalieren sowie den rechtlichen Rahmen
innovationsfreundlich zu gestalten.
∙ End-to-End-Digitalisierung des gesamten
Förderprozesses (einschließlich
Förderrichtlinienerstellung) und weitere Automatisierung bei der
Erfassung, um einen medienbruchfreien (digitalen)
Förderprozess für alle Akteure (Antragsteller,
Zuwendungsgeber und Projektträger) zu etablieren.
∙ Stärkung der Attraktivität der Forschungszulage,
um den Investitionsstandort Deutschland zu
stärken und Forschungs- und
Entwicklungsaktivitäten von Unternehmen agil, rechtssicher und
themenoffen zu fördern.
∙ Test experimenteller Förderformate in
ausgewählten Pilotvorhaben entlang prioritärer
Innovationsfelder, um neue erfolgreiche Förderformate und
regulatorische Vereinfachungen nach Praxis-
Checks schnell in die Breite zu tragen.
Darüber hinaus werden wir u. a. das öffentliche
Beschaffungswesen systematisch optimieren und in
der Vergabepraxis die Potenziale der innovativen
öffentlichen Beschaffung im beiderseitigen Interesse
von Staat und Wirtschaft weiter nutzen, das
Regelwerk für die Projektförderung entbürokratisieren und
fokussieren, pragmatische und einheitliche Standards
zum Schutz von Daten- und IT-Sicherheit
insbesondere auch in der Verwaltung schaffen sowie ein beglei-
Drucksache 21/1100 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 40 –
tendes KI-Tool für die Beratung zur Forschungs-
und Innovationsförderung der EU einführen.
Hebel 3
Neue Finanzierungsinstrumente für Forschung und
Entwicklung etablieren sowie den Wagniskapitalmarkt
weiterentwickeln und Wagniskapital-Investitionen
attraktiver machen, um eine bessere Hebelwirkung
öffentlicher Innovationsfinanzierung zu erreichen.
Denn im internationalen Vergleich haben wir eine
geringere Mobilisierung von Wagniskapital für
Zukunftstechnologien in Deutschland, insbesondere
für die kapitalintensive Wachstums- und
Skalierungsphase im Deeptech-Bereich.
Prioritäre Vorhaben, die maßgeblich auf
die Hightech Agenda Deutschland einzahlen:
∙ Stärkung des deutschen Wagniskapitalmarkts
durch die Entwicklung eines Deutschlandfonds, der
auch einen zu verstetigenden Zukunftsfonds
enthalten wird, sowie durch verbesserte
regulatorische und steuerpolitische Rahmenbedingungen,
unter denen institutionelle Investoren in Start-ups
und Venture-Capital-Fonds investieren können.
∙ WIN-Initiative auf über 25 Mrd. Euro mehr als
verdoppeln. Schaffung eines Zukunftsfonds II, um
Ausgründungen und Wachstum im Deeptech- und
Biotech-Bereich noch stärker zu fördern.
∙ Stärkung der Rolle des Staates als Ankerkunde, um
Deeptech-Unternehmen bei der Marktetablierung
zu unterstützen. Etablierung und Stärkung neuer
Formen von Public Private Partnerships in
Forschung und Entwicklung, um vielversprechende
Innovationen zu fördern, Risiken zu minimieren
und Finanzierung zu hebeln.
Darüber hinaus werden wir u. a. weitere
Möglichkeiten zur Erleichterung von Investments in
innovationsorientierte, risikoreiche Anlagemodelle prüfen
und in der Förderung die Erfolgs- und
Ergebnisorientierung durch meilensteinbasierte
Finanzierungsinstrumente stimulieren.
Hebel 4
Resilienz im Wissenschaftssystem stärken,
Forschungssicherheit, Wissenschaftskommunikation und
Partizipation als Querschnittsaufgaben ausbauen. Denn
Wissenschaft und speziell Forschung sind zunehmend
Risiken ausgesetzt, die auch unsere Demokratie und
unser Wertesystem bedrohen.
Prioritäre Vorhaben, die maßgeblich auf
die Hightech Agenda Deutschland einzahlen:
∙ Entwicklung von Leitlinien für den Umgang in
sensiblen internationalen Kontexten gemeinsam
mit der Allianz der Wissenschaftsorganisationen
und Verbesserung der Beratungsinfrastruktur, um
Forschungssicherheit und Resilienz des
Wissenschaftssystems zu stärken. Dadurch auch breite
Sensibilisierung für sicherheitsrelevante Fragen
und Risikominimierung von Wissens- und
Technologieabfluss sowie Missbrauchspotenzial.
∙ Förderung unabhängiger Chinawissenschaften, um
Forschungskompetenz zu bündeln,
evidenzbasiertes Wissen zu schaffen und informierte
Chinakompetenz für Wissenschaft, Politik, Wirtschaft
und Gesellschaft für ein resilientes und
risikoabwägendes Kooperieren bereitzustellen.
∙ Strukturelle und finanzielle Stärkung der
Wissenschaftskommunikation und des
Wissenschaftsjournalismus auf Grundlage bestehender
Aktivitäten und unter Einbindung aller relevanten
Akteurinnen und Akteure (insbesondere #Factory-
Wisskomm, Wissenschaftsjahre), um
Wissenschaftskommunikation zum integralen Bestandteil
von Forschung und Wissenschaft zu machen und
stärker in die Öffentlichkeit zu bringen.
Darüber hinaus wollen wir weitere Maßnahmen zur
Stärkung der Forschungssicherheit anstoßen, die
Bürgerbeteiligung in der Forschung ausbauen und die
Wissenschaftskommunikation, Partizipation und
wissenschaftliche Politikberatung u. a. im Rahmen
der Ziele des Pakts für Forschung und Innovation
(PFI) und des Akademienprogramms durch die
strategische Zusammenarbeit mit den
Wissenschaftsorganisationen stärken.
IV. HEBEL FÜR DIE HIGHTECH AGENDA DEUTSCHLAND 41
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/1100– 41 –
Hebel 5
Fachkräfte und Talente gewinnen, unterstützen und
halten – im Inland und aus dem Ausland. Denn
Fachkräfteengpässe bedrohen unsere Innovationsstärke.
Dabei setzen wir uns für ein gleichstellungsstarkes
und inklusives Wissenschaftssystem ein. Unser
Technologie- und Industriestandort soll aus einem
möglichst großen Talentpool schöpfen – denn
exzellente und innovative Forschungsergebnisse
entstehen auch durch die Vielzahl an Perspektiven.
Damit innovative Technologien auch produktiv
ein gesetzt werden können, stärken wir entsprechend
die Kompetenzen und Anwendungsfähigkeiten von
Beschäftigten in der Breite.
Prioritäre Vorhaben, die maßgeblich auf
die Hightech Agenda Deutschland einzahlen:
∙ Initiative „1.000-Köpfe-plus“, um internationalen
Stars und Talenten im Wissenschaftssystem in
Deutschland eine Perspektive zu bieten und
den Forschungsraum nachhaltig zu stärken.
Der Wissenschaftsstandort Deutschland wird
als sicherer Hafen der Wissenschaftsfreiheit mit
exzellenten Forschungsinfrastrukturen und
vielfältigen Karriereperspektiven als einer der
attraktivsten Wissenschaftsstandorte weltweit
positioniert.
∙ Eine klare, mittelfristig ausgelegte
Arbeitsperspektive für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler
über eine Reform des
Wissenschaftszeitvertragsgesetzes und attraktive Personalstrukturen schaffen
und für Innovationsentwicklungen in den
forschenden Institutionen verlässlich binden.
∙ Weiterentwicklung des MINT-Aktionsplans, um
MINT-Nachwuchskräfte in Schlüsseltechnologien
zu gewinnen, u. a. durch Förderung von MINT-
Summer Camps an Hochschulen und
Forschungseinrichtungen für Schülerinnen der Oberstufe
(„Summer of Science“), um dem Gender Gap im
MINT-Bereich zu begegnen und mehr junge Frauen
für ein MINT-Studium zu begeistern.
∙ Weiterentwicklung des Aktionstags Girls’Day, der
Initiative „YouCodeGirls“ („geschlechtersensible
methodisch-didaktische Konzepte zur
Berufsorientierung und zur Sensibilisierung für IT-Themen
und -Berufe“) und der Initiative „Klischeefrei“ zur
Stärkung einer geschlechtergerechten Berufs- und
Studienorientierung, um mehr Frauen für
technische, insbesondere IT-Berufe zu gewinnen und
Fachkräfte entlang der Bildungskette für eine
klischeefreie Studien- und Berufsorientierung zu
sensibilisieren.
∙ Weiterentwicklung der Fachkräftestrategie, um die
Fachkräftebasis in Deutschland zu sichern und den
Herausforderungen der demografischen
Entwicklung sowie des Strukturwandels zu begegnen.
∙ Schaffung einer digitalen Agentur für
Fachkräfteeinwanderung („Work-and-stay-Agentur“) als
einheitliche Ansprechpartnerin für ausländische
Fachkräfte zur Verbesserung der Prozesse der
Einwanderung, um die Einwanderung und dabei
auch die Anerkennung von ausländischen
Berufsqualifikationen und Studienabschlüssen zu
beschleunigen.
∙ Erweiterung des Angebots des Global Certification and
Consulting Centre (GCCC) im Rahmen des EXIST-
Programms als One-Stop-Shop für internationale
High Potentials, die in Deutschland gründen wollen.
Darüber hinaus wollen wir u. a. eine Beschleunigung
der Visa-Vergabe für internationale Studierende und
Fachkräfte aus der Wissenschaft sowie potenzielle
Start-up-Gründerinnen und -Gründer prüfen. Wir
bemühen uns, das Angebot an DAAD-
Fördermaßnahmen möglichst auszubauen, und wollen insgesamt die
Arbeitsbedingungen in Wissenschaft und Forschung
verbessern und dabei Maßnahmen für mehr
Inklusion und Chancengerechtigkeit anstoßen. Weiterhin
wollen wir die berufliche Qualifikation und
Weiterbildung stärken, insbesondere durch eine
Qualifizierungsoffensive für junge Menschen und die
Fortsetzung der Nationalen Weiterbildungsstrategie.
Hebel 6
Die europäische und internationale Zusammenarbeit in
Forschung und Innovation ausbauen und stärker auf die
Prioritäten der Hightech Agenda Deutschland
ausrichten. Denn länderübergreifender Austausch ist die
Grundlage von Exzellenz und Fortschritt, stärkt die
Effizienz unserer Förderung und hebt Synergien.
Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und Souveränität
denken wir im Schulterschluss mit europäischen und
internationalen Partnern.
IV. HEBEL FÜR DIE HIGHTECH AGENDA DEUTSCHLAND 42
Drucksache 21/1100 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 42 –
Prioritäre Vorhaben, die maßgeblich auf
die Hightech Agenda Deutschland einzahlen:
∙ Verbesserung der Rahmenbedingungen für die
Zusammenarbeit im Europäischen
Forschungsraum (EFR) und durch Unterstützung beim Auf-
und Ausbau von Datenräumen, um beispielsweise
durch kluge Verknüpfung zwischen regionalen,
nationalen und europäischen Forschungs- und
Innovationspolitiken und Datenräumen
bestmögliche Synergieeffekte zu erzielen. Die Nationale
Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) wird hier als
nationaler Akteur künftig eine wesentliche Rolle
spielen.
∙ Einsatz für eine Reform des EU-Beihilferechts im
Sinne schnellerer und innovationsfreundlicherer
Beihilfeverfahren, um Investitionen in Forschung,
Entwicklung und Technologietransfer zu
erleichtern und Europas Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.
∙ Konsequente Vertiefung der EU-
Kapitalmarktunion, um für Innovationen den Zugang zu
Wagniskapital in Europa zu erleichtern.
∙ Intensivierung und Diversifizierung der bi- und
multilateralen Kooperation mit strategisch
relevanten Partnerländern und Fokusregionen, um
deutsche Hightech-Akteure dabei zu unterstützen,
Zugang zu weltweiten Wissensströmen zu erhalten,
neue Märkte zu erschließen und Abhängigkeiten zu
reduzieren.
∙ Verlässliche Förderung innovativer Start-ups und
KMU für grenzüberschreitende Verbundprojekte
im Rahmen von Eurostars und anderen
transnationalen, unternehmensfreundlichen Angeboten wie
ZIM und der IGF-Variante CORNET.
Darüber hinaus wollen wir u. a. die Umsetzung der
Hightech Agenda Deutschland eng mit dem nächsten
Forschungsrahmenprogramm der EU verzahnen,
Maßnahmen zum stärkeren internationalen
Standortmarketing ergreifen und die Anschlussfähigkeit an
EU-Initiativen und deren Umsetzung mit frühzeitigen
Positionierungen aktiv begleiten.
Hebel 7
Versorgung mit kritischen Rohstoffen und Materialien
sicherstellen und die industrielle Basis für den
Hightech-Standort Deutschland stärken. Denn Rohstoffe
und Materialien sind Treiber zentraler
Zukunftstechnologien und unverzichtbare Voraussetzung für
Deutschlands strategische Autonomie,
Ressourcensouveränität und den Aufbau einer zirkulären
Wirtschaft.
Prioritäre Vorhaben, die maßgeblich auf die
Hightech Agenda Deutschland einzahlen:
∙ Zur Erhöhung der Fachkräftebasis im Bereich
Rohstoffexploration und -nutzung sowie für
Werkstoffinnovationen werden Fachkräfte aus dem
In- und Ausland gemeinsam gefördert, um die
Wissensbasis in Deutschland zu verbessern und
gleichzeitig den nationalen Fachkräftemarkt zu
unterstützen.
∙ Um die Prinzipien der Kreislaufwirtschaft und des
effizienteren Umgangs mit Ressourcen bereits am
Anfang der Wertschöpfungskette zu erhöhen,
sollen innovative und datengetriebene Ansätze im
Bereich „Design for Circularity“ erprobt sowie
branchenspezifische Lösungen für die
Kreislaufwirtschaft entwickelt werden. Die An- und
Einbindung branchen- und werkstoffbezogener
Datenökosysteme ist hierfür essenziell.
∙ Neuartige Formen der Nutzung und Inwertsetzung
von Schlüsselressourcen zur Entwicklung ihrer
Marktpotenziale sollen gefördert und erprobt werden.
∙ Mit dem neuen BMFTR-Fachprogramm
„Materialinnovationen für die Transformation für
Wirtschaft und Gesellschaft“ (Mat2Twin) stärken wir
die technologische Basis für einen
ressourcensouveränen und wettbewerbsfähigen Industriestandort
Deutschland. Durch die datengetriebene
Entwicklung leistungsfähiger Ersatzmaterialien können
Ressourcen geschont und Rohstoffabhängigkeiten
reduziert werden.
∙ Als starker Partner in der EU-Initiative „Advanced
Materials for Industrial Leadership“ treiben wir
aktiv den Aufbau eines innovativen, sicheren und
inklusiven Ökosystems für fortschrittliche
Materialien (AM) in Europa voran.
IV. HEBEL FÜR DIE HIGHTECH AGENDA DEUTSCHLAND 43
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/1100– 43 –
Hebel 8
Strategisch in Infrastrukturen für die Forschung
investieren, um die internationale
Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland auszubauen und den
Investitionsstau im Wissenschaftssystem anzugehen.
Denn ohne kontinuierliche Investitionen wird
Deutschland seine Spitzenposition als Forschungs-
und Innovationsstandort nicht halten können.
Prioritäre Vorhaben, die maßgeblich auf
die Hightech Agenda Deutschland einzahlen:
∙ Umsetzung der Vorhaben auf der Shortlist des
Priorisierungsverfahrens für
Forschungsinfrastrukturen, um die internationale
Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft des Standorts
Deutschland zu erhalten und auszubauen. Dabei
legen wir einen Fokus auf die Bedeutung von
Forschungsinfrastrukturen als Kern neuer,
forschungsgetriebener Innovations- und
Wertschöpfungsökosysteme.
∙ Stärkung der Kapazitäten der NFDI im Bereich der
übergreifenden Datenspeicherung, -verarbeitung
und -bereitstellung in Hochschulen und
Forschungsinstitutionen, der Kapazitäten in
behördlichen und privaten Dateninfrastrukturen sowie
Stärkung der Datenkompetenzen von Forschenden
und des wissenschaftlichen Nachwuchses, um die
digitale Sicherung, Nutzung und Verwertung
von Forschungsdaten voranzubringen.
Interoperabilität und Verknüpfung mit
technologieorientierten Datenökosystemen in der Wirtschaft, z. B.
zu innovativen, kreislauffähigen Werkstoffen
(MaterialDigital).
∙ Aufbau europäischer Datenbankenressourcen, um
die Resilienz und Redundanz von Forschungsdaten
nachhaltig zu stärken.
∙ Stärkung der deutschen Beteiligung in
europäischen und internationalen Abstimmungsprozessen
zu Forschungsinfrastrukturen, um der Rolle
Deutschlands als wichtige internationale
Wissenschaftsnation weiterhin gerecht zu werden.
Hebel 9
Hemmnisse, die zivil-militärische
Forschungskooperationen erschweren, abbauen und Zusammenarbeit
stärken. Denn nur durch vertieften Austausch und
Zusammenarbeit zwischen Einrichtungen ziviler und
militärischer Forschung können mögliche Synergien
gehoben und der Forschungsstandort Deutschland im
verschärften internationalen Wettbewerb um
Schlüsseltechnologien gestärkt werden.
Prioritäre Vorhaben, die maßgeblich auf
die Hightech Agenda Deutschland einzahlen:
∙ Aufsetzen geeigneter Rahmenbedingungen für die
Förderung von sicherheitsrelevanter Forschung
und Erzeugung stärkeren Austauschs zwischen
Einrichtungen ziviler und militärischer Forschung
in Deutschland, Europa und der NATO.
∙ Eine Förderkulisse für Sicherheits- und
Verteidigungsforschung schaffen, um Kooperationen von
Hochschulen und außeruniversitärer Forschung
mit Bundeswehr und Unternehmen gezielter zu
ermöglichen. Dabei können Fähigkeiten und
Erfahrungen der Universitäten der Bundeswehr
auch in vernetzten Forschungsverbünden gezielt
genutzt werden.
∙ Gezielte Unterstützung von Ausgründungen aus
der Wissenschaft im Rahmen von EXIST-
Gründungsstipendium und EXIST-Forschungstransfer,
die einen Dual Use-Ansatz verfolgen.
IV. HEBEL FÜR DIE HIGHTECH AGENDA DEUTSCHLAND 44
Drucksache 21/1100 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 44 –
Mit der Hightech Agenda Deutschland richtet der
Bund die Forschungs-, Technologie- und
Innovationspolitik neu aus – mit einem klaren Fokus auf mehr
Wertschöpfung, Wettbewerbsfähigkeit und
Souveränität. Damit die Hightech Agenda Deutschland ein
Erfolg wird, müssen wir unsere Kräfte auf allen
Ebenen bündeln. Deshalb laden wir unsere Partner
aus Wissenschaft, Hochschulen, außeruniversitärer
Forschung, Wirtschaft, Industrie, Verwaltung und
(Zivil-)Gesellschaft sowie den Ländern und der
Europäischen Union ein, ihre Stärken und ihre
Beiträge in die Umsetzung und Weiterentwicklung
der Hightech Agenda Deutschland einzubringen.
Wir schaffen regelmäßige Austauschformate mit den
Ländern zur Hightech Agenda Deutschland. So
koordinieren wir die Forschungs-, Technologie- und
Innovationsförderung von Bund und Ländern besser,
bündeln Kräfte und steigern die Wirkung öffentlicher
Investitionen. Ein gemeinsames Verständnis über
regionale Prioritäten stärkt den Aufbau von Hightech-
Regionen mit klaren Kompetenzprofilen in den
jeweiligen Teilen Deutschlands.
Ein zentrales Element für die Umsetzung der
Hightech Agenda Deutschland bildet das 360-Grad-
Hightech-Monitoring. Dieses verfolgt nicht nur den
Fortschritt bei Zielerreichung der Hightech Agenda
Deutschland, sondern ermöglicht darüber hinaus
einen Gesamtblick auf den Forschungs-, Technologie-
und Innovationsstandort Deutschland.
Startschuss zur Hightech Agenda
Deutschland
Wir werden im Herbst 2025 einen Kick-off für die
Hightech Agenda Deutschland ausrichten, auf dem wir
relevante Stakeholder inklusive. Kapitalgebern und
Leitkunden zusammenbringen und die gemeinsame
Umsetzung der Hightech Agenda Deutschland anstoßen.
Der Kick-off bildet den Auftakt für zwei zentrale
Stränge, durch die wir die Hightech Agenda
Deutschland gemeinsam vorantreiben wollen: Technologie-
Roadmaps für die sechs prioritären
Schlüsseltechnologien sowie die Weiterentwicklung des
Schlüsseltechnologieportfolios. Perspektivisch wollen
wir bei einem Hightech-Gipfel eine Bilanz ziehen und
die Stränge der Roadmap- und Portfolioprozesse
zusammenführen.
V. Ausblick und Umsetzung
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/1100– 45 –
V. AUSBLICK UND UMSETZUNG 46
Technologie-Roadmaps
Wir werden zu allen prioritären Technologiefeldern
der Hightech Agenda Deutschland systematische
Roadmap-Prozesse unter Beteiligung der Länder und
zentraler Stakeholder durchführen.
Gemeinsam mit den jeweils zentralen Akteuren
wird durch die Roadmaps für jedes Technologiefeld
ein Orientierungsrahmen abgesteckt, der konkrete
Meilensteine und verknüpfte Indikatoren benennt
und notwendige Initiativen der Akteure darauf
ausrichtet.
Die Roadmaps bauen auf den hier genannten
Maßnahmen und Zielen der Hightech Agenda
Deutschland auf, integrieren weitere Maßnahmen,
identifizieren wichtige Katalysatoren sowie
Rahmenbedingungen mit Hebelwirkung und dienen somit
als Grundlage einer effizienten Orchestrierung der
Aktivitäten der verschiedenen Akteure.
Für jedes Technologiefeld wird es einen individuellen
Roadmap-Prozess mit Freiheitsgraden geben, der –
je nach Feld – an existierende (ggf. internationale)
Roadmap-Prozesse anknüpft, etablierte
Dialogformate nutzt und diese, falls notwendig, ergänzt und
weiterentwickelt. Für alle Technologiefelder gilt, dass
die Erstellung und Umsetzung der Roadmaps ein
lebender und lernender Prozess ist, der auf zukünftige
Entwicklungen reagieren kann und soll. Dazu werden
die Roadmaps in das 360-Grad-Hightech-Monitoring
(siehe unten) integriert.
Darüber hinaus werden wir mit Blick auf die
langfristige Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands die
bestehenden Zielsetzungen zu den
Schlüsseltechnologien jeweils durch ein übergeordnetes „Mission
Statement“ zur mittel- bzw. langfristig angestrebten
Position Deutschlands im internationalen
Wettbewerb ergänzen.
Die sechs prioritären Schlüsseltechnologien stehen
untereinander und mit weiteren Technologiefeldern
in Wechselwirkung. Deshalb werden wir im Rahmen
des Roadmappings Synergien zwischen
komplementären Technologien mitbetrachten.
Weiterentwicklung des
Schlüsseltechnologieportfolios
Wir werden das Portfolio prioritärer
Schlüsseltechnologien im Dialog mit Wissenschaft, Wirtschaft und
Gesellschaft beständig weiterentwickeln.
Die Hightech Agenda Deutschland rückt ausgewählte
Maßnahmen zu sechs prioritären
Schlüsseltechnologien in den Fokus, die für den Standort Deutschland
in der neuen geopolitischen Realität besonders
kritisch sind. Es wird entscheidend sein, diesen Fokus
vor dem Hintergrund aktueller und potenzieller
zukünftiger Entwicklungen – auch im Austausch mit
unseren europäischen und internationalen Partnern –
langfristig zu überprüfen und, wenn nötig,
anzupassen und zu erweitern.
∙ Teil der Hightech Agenda Deutschland wird daher
eine intensive Auseinandersetzung mit
technologischen Trends, neu aufkommenden
Wertschöpfungsmodellen und (geo-)politischen
Entwicklungen sein.
∙ Hierzu starten wir im Jahr 2026 einen intensiven
Dialog mit relevanten Stakeholdern (Wissenschaft,
Wirtschaft, Politik und Gesellschaft) sowie
ausgewählten europäischen Partnern, in dem wir
gemeinsam entlang eines Kriterienkatalogs die
Relevanz neu bzw. zusätzlich zu priorisierender
Schlüsseltechnologien diskutieren.
∙ Dabei nutzen wir auch die Methoden der
strategischen Vorausschau, um frühzeitig potenzielle
relevante Entwicklungen zu identifizieren.
∙ Wir knüpfen hierbei direkt an das 360-Grad-
Hightech-Monitoring an und entwickeln hierzu die
bereits bestehenden datenbasierten und KI-
unterstützten Tools zum Monitoring und zur
Identifikation neuer Schlüsseltechnologien weiter.
Drucksache 21/1100 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 46 –
V. AUSBLICK UND UMSETZUNG 47
Monitoring
Wir etablieren ein 360-Grad-Hightech-Monitoring für
eine wirkungsorientierte Forschungs-, Technologie- und
Innovationspolitik.
Als integrales Element der Umsetzung der Hightech
Agenda Deutschland soll ein digitales Dashboard die
aktuelle Leistungsfähigkeit des Forschungs- und
Technologiesystems inklusive der Entwicklungen der
priorisierten Schlüsseltechnologien sowie den
Fortschritt bei den Technologie-Roadmaps der
Hightech Agenda Deutschland visualisieren und
jederzeit abrufbar machen (siehe Grafik). Wir führen
darin existierende Datensätze zusammen und
schaffen somit einen einheitlichen und einfachen
Zugang zu allen relevanten Informationen des
deutschen Forschungs-, Technologie- und
Innovationsstandorts im internationalen Vergleich. Daneben
ist eine externe Analyse der Wirksamkeit der
Roadmap-Prozesse auf die Entwicklungen im Forschungs-
und Technologiesystem geplant.
Digitales
Dashboard
mit Leitindikatoren,
Trends („Ampeln“) zur
Wettbewerbsfähigkeit
und Souveränität in
Schlüsseltechnologien
sowie zu
Umsetzungsständen der Roadmaps
Wirkungsanalyse
Handlungsleitend
Entwicklung des
deutschen Forschungs-,
Technologie- und
Innovationsstandorts
Roadmap-
Fortschritt
Begleitende
externe Analyse,
Verzahnung mit
Begleitforschung
und Monitoring auf
Fachebene
360-Grad-
Hightech-
Monitoring
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/1100– 47 –
Impressum
Herausgeber
Bundesministerium
für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR)
10117 Berlin
Stand
Juli 2025
Text
BMFTR
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