Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus - Industriepolitische und handelspolitische Herausforderungen im globalen Wettbewerb mit China
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Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus - Industriepolitische und handelspolitische Herausforderungen im globalen Wettbewerb mit China
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/2884
21. Wahlperiode 24.11.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Dr. Sandra Detzer, Omid Nouripour, Dr. Anja Reinalter, Dr. Alaa
Alhamwi, Julian Joswig, Michael Kellner, Sandra Stein, Katrin Uhlig, Andreas
Audretsch, Ayse Asar und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus –
Industriepolitische und handelspolitische Herausforderungen im globalen
Wettbewerb mit China
Der Maschinen- und Anlagenbau ist das Rückgrat der deutschen Industrie –
nirgendwo wird das deutlicher als in Baden-Württemberg. Mehr als ein Drittel
aller deutschen Maschinenbaubetriebe hat hier seinen Sitz. Die Unternehmen
sind hochspezialisiert, stark exportorientiert und sichern hunderttausende
hochwertige Arbeitsplätze in Regionen wie Stuttgart, Ulm, dem Schwarzwald und
der Rhein-Neckar-Region. Mit mehr als 1,2 Millionen Beschäftigten und einem
Exportanteil von über 80 Prozent seiner Produkte bildet der Maschinenbau
einen zentralen Pfeiler der industriellen Wertschöpfung und technologischen
Innovationskraft Deutschlands.
Doch die Wettbewerbsbedingungen verschlechtern sich zunehmend. Während
chinesische Unternehmen massive staatliche Unterstützung erhalten, kämpfen
deutsche Betriebe mit steigenden Energiepreisen, komplexen
Exportvorschriften und bürokratischen Hürden. Hinzu kommen der Protektionismus der
Volksrepublik China und die Zollpolitik des Präsidenten der Vereinigten Staaten von
Amerika Donald Trump. Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau
(VDMA) warnt vor einem zunehmenden Standortnachteil und fordert klare
industriepolitische Leitlinien, eine schnellere Exportpraxis und mehr
Unterstützung bei der Normungsarbeit.
Zugleich baut China seinen globalen Einfluss über Investitionen,
Rohstoffpolitik und technologische Standards („Normungsstrategie 2035“) systematisch
aus. Die Bundesregierung hat in ihrer China-Strategie und im Rahmen der EU-
Economic-Security-Strategie mehrfach betont, den Standort Deutschland
widerstandsfähiger machen zu wollen. Die Umsetzung dieser Ziele bleibt jedoch
vielfach unklar.
Vor diesem Hintergrund fragen wir die Bundesregierung:
1. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über staatliche Subventionen,
Kreditprogramme oder sonstige Unterstützungsmaßnahmen der
Volksrepublik China im Bereich des Maschinen- und Anlagenbaus seit dem Jahr
2018 (bitte Programme, Volumen, Laufzeit und Zielsektoren angeben)?
2. Wie will die Bundesregierung ein „level playing field“ mit China bei
Handel und Marktzugang durchsetzen?
3. Welche Werkzeuge kennt die Bundesregierung zur Schaffung gleicher
Wettbewerbsbedingungen und hält sie für denkbar (bitte jeweils
begründen, wenn nicht denkbar), insbesondere: nichtpreisbezogene Kriterien bei
öffentlichen Beschaffungen; Ausschlusskriterien beim Marktzugang;
Resilienzkriterien nach dem Net-Zero-Industry-Act und Local-Content-
Kriterien?
4. Welche Fälle unlauterer Marktpraktiken chinesischer Unternehmen
gegenüber deutschen Maschinenbauunternehmen sind der Bundesregierung seit
2020 bekannt, und welche Maßnahmen wurden auf nationaler oder
europäischer Ebene dagegen eingeleitet?
5. Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung, um deutsche Verbände
und Unternehmen bei der Mitwirkung an der internationalen
Normungsarbeit in ISO- (Internationale Organisation für Normung), IEC-
(Internationale Elektrotechnische Kommission) und ITU-Gremien (ITU =
Internationale Fernmeldeunion) gezielt zu fördern?
6. Welche Analysen liegen der Bundesregierung über den Einfluss Chinas
auf internationale Normungsprozesse vor, insbesondere in den Bereichen
industrielle Automatisierung, Robotik und Fertigungstechnologien, und
welche Schlussfolgerungen zieht sie daraus für die deutsche und
europäische Industriepolitik?
7. Wie wird die Bundesregierung die von der Industrie geforderte
Überarbeitung der Exportkontrollpraxis gegenüber China aufgreifen, um
Rechtssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit zu gewährleisten?
8. Welche Schritte plant die Bundesregierung, um
Exportgenehmigungsverfahren zu beschleunigen, insbesondere bei Gütern, die in China bereits
eigenständig hergestellt werden oder weltweit verfügbar sind?
9. Welche rechtlichen oder organisatorischen Maßnahmen sind geplant, um
Rechtssicherheit und Planbarkeit für Exporteure, insbesondere für kleine
und mittlere Unternehmen (KMU), zu erhöhen (z. B. verbindliche Fristen,
digitale Antragssysteme, Verfahrensvereinfachungen)?
10. Welche Unterstützung bietet die Bundesregierung insbesondere kleinen
und mittleren Unternehmen, um Planbarkeit und Rechtssicherheit bei
Exportkontrollen zu erhöhen, und plant sie gezielte Entlastungsmaßnahmen
oder Informationskampagnen für exportorientierte KMU?
11. Wie viele Exportgenehmigungen für Maschinen- und
Anlagenbauprodukte nach China wurden seit dem ersten Quartal 2022 beantragt, bewilligt
und abgelehnt (bitte quartalsweise sowie nach Bearbeitungsdauer und
betroffenen Gütergruppen aufschlüsseln)?
12. Wie viele Maschinenbauunternehmen in Baden-Württemberg sind oder
waren nach Kenntnis der Bundesregierung von Exportkontrollen oder
Genehmigungsverzögerungen betroffen (bitte nach Quartalen ab 2022
aufschlüsseln)?
13. Welche Maßnahmen hat die Bundesregierung seit 2022 ergriffen, um die
Marktüberwachung im Investitionsgüterbereich zu stärken und den Import
nicht konformer Maschinenprodukte aus Drittstaaten zu unterbinden?
14. Wie viele Prüfungen, Stichproben oder Marktüberwachungsmaßnahmen
im Bereich Maschinen- und Investitionsgüter hat die Bundesregierung
bzw. haben die nachgeordneten Behörden in den Jahren von 2022 bis
2025 durchgeführt (bitte nach Jahr, Produktgruppe und Ergebnissen
aufschlüsseln)?
15. Welche Fortschritte wurden bei der personellen und organisatorischen
Stärkung der Marktüberwachungsbehörden sowie bei der Zusammenarbeit
mit den Zollbehörden erzielt, und welche weiteren Maßnahmen sind
geplant?
16. Welche konkreten Schritte unternimmt die Bundesregierung, um die
Benennung eines EU-Repräsentanten gemäß Artikel 4 der EU-Verordnung
zur Marktüberwachung wirksam durchzusetzen?
17. Wie stellt die Bundesregierung sicher, dass die benannten EU-
Repräsentanten tatsächlich existieren, über ein hinreichendes Mandat
verfügen und ihren gesetzlichen Pflichten vollständig nachkommen?
18. Welche Durchsetzungsmaßnahmen plant die Bundesregierung, um falsche
oder nicht verifizierte Angaben von Herstellern mit Sitz in Drittstaaten zu
ahnden, und welche Sanktionen sind vorgesehen, um die Vermarktung
von Produkten ohne verifizierte Angaben zu einem EU-Repräsentanten
effektiv zu unterbinden?
19. Welche Bundesprogramme oder Bundesinitiativen fördern gezielt die
internationale Wettbewerbsfähigkeit des Maschinen- und Anlagenbaus in
Baden-Württemberg (bitte Programme, Zielsetzungen, Fördervolumen
und Empfängergruppen angeben)?
20. Welche Rolle misst die Bundesregierung Baden-Württemberg und
Nordrhein-Westfalen bei der Umsetzung der deutschen China-Strategie
und bei der Entwicklung strategischer Schlüsseltechnologien bei?
21. Wie will die Bundesregierung innerhalb der EU darauf hinwirken, dass
ein kohärentes industriepolitisches Konzept entwickelt wird, das
Wettbewerbsfähigkeit, Resilienz und offene Märkte gleichermaßen stärkt?
22. Welche Maßnahmen plant oder unterstützt die Bundesregierung auf EU-
Ebene, um unfairen Wettbewerbspraktiken chinesischer Unternehmen zu
begegnen, etwa durch Antisubventionsverfahren, Marktüberwachung oder
Ausgleichszölle?
23. Mit welchen Maßnahmen will die Bundesregierung den Ausbau und die
Optimierung der Forschungszulage, die Förderung der Patentierung sowie
eine verstärkte Produktionsforschung unterstützen, um Deutschland als
Innovations- und Produktionsstandort zu sichern?
24. Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung gemeinsam mit der
Wissenschaft, um den ungewollten Abfluss von Wissen und Technologien
aus öffentlich finanzierter, anwendungsnaher Forschung in Drittländer zu
verhindern?
25. Sind der Bundesregierung Fälle bekannt, bei denen durch chinesische
Akteure gezielte Forschungsspionage betrieben wurde, und wenn ja, welche
Konsequenzen und Maßnahmen leitet sie daraus ab, um die betroffenen
Hochschulen und Forschungseinrichtungen wirksamer zu sensibilisieren
und ihnen bei Bedarf auch Informationen der Nachrichtendienste zu
möglicher Forschungsspionage zur Verfügung zu stellen?
26. Welche bilateralen Gespräche oder Vereinbarungen mit China seit 2020
beziehen sich explizit auf Maschinenbau, Zertifizierungen, technische
Normen oder gegenseitige Marktzugänge (bitte Datum, Beteiligte und
Ergebnisse nennen)?
27. Welche Position vertritt die Bundesregierung in laufenden EU-
Diskussionen zur Einführung europäischer Local-Content-Regeln oder
Resilienzkriterien, insbesondere im Kontext des Net-Zero-Industry-Acts
und der China-Strategie?
Berlin, den 20. November 2025
Katharina Dröge, Britta Haßelmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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