Nein zu einem Bundeswehreinsatz in der Straße von Hormus
Text
Nein zu einem Bundeswehreinsatz in der Straße von Hormus
Antrag
der Abgeordneten Cansu Özdemir, Desiree Becker, Gökay Akbulut,
Janina Böttger, Maik Brückner, Mirze Edis, Katrin Fey, Vinzenz Glaser,
Jan Köstering, Charlotte Antonia Neuhäuser, Lea Reisner, Zada Salihović,
Ulrich Thoden, Donata Vogtschmidt, Christin Willnat und der Fraktion
Die Linke
Nein zu einem Bundeswehreinsatz in der Straße von Hormus
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Im Kontext des völkerrechtswidrigen Angriffskriegs der USA und Israels auf Iran im
Frühjahr 2026 und der daraus resultierenden militärischen Eskalation hat sich die
sicherheitspolitische Lage in der Straße von Hormus trotz der im Juni in einem
Memorandum of Understanding (MoU) vereinbarten Waffenruhe deutlich verschärft. Vor
diesem Hintergrund ist es nicht verantwortbar, einen Bundeswehreinsatz zur
Unterstützung von Minenräummaßnahmen in dieser hoch eskalationsgefährdeten Region
voranzutreiben. (www.reuters.com/de/welt/pistorius-bundeswehreinsatz-strae-
vonhormus-ist-vllig-offen-2026-06-22/; www.tagesschau.de/inland/pistorius-bundes-
wehr-minensuchboot-mittelmeer-100.htm).
Internationale Medien berichten unter Berufung auf westliche Regierungs- und
Sicherheitskreise, dass Iran im Zuge der Eskalation Seeminen verlegt habe, wobei die
Angaben zur Anzahl zwischen einem Dutzend und achtzig Minen variieren. Auch die
deutsche Marine geht auf Grundlage sekundärer Quellen von einer entsprechenden
Gefährdungslage aus, ohne die Verlegeorte bislang eigenständig verifizieren zu können. Die
zentrale Schifffahrtsroute in der Straße von Hormus bleibt erheblich beeinträchtigt;
zahlreiche Tanker und Handelsschiffe verharren in der Region. Ausweichrouten, etwa
näher an Oman, werden zwar verstärkt genutzt, reduzieren den Einfluss Irans auf den
internationalen Schiffsverkehr jedoch nur begrenzt. (www.reuters.com/
business/energy/iran-has-laid-about-dozen-mines-strait-hormuz-sources-say-2026-03-
11/; www.reuters.com/world/middle-east/scouring-strait-hormuz-mines-could-
takeweeks-2026-06-15/; https://edition.cnn.com/2026/06/27/middleeast/iran-strait-of-hor-
muz-tensions-intl; www.theguardian.com/world/2026/jun/19/normal-shipping-
willnot-resume-in-strait-of-hormuz-until-mines-cleared; www.bbc.com/news/articles/cx-
23rnzdgl8o).
Gleichzeitig wird die vereinbarte Waffenruhe durch fortgesetzte militärische
Handlungen beider Kriegsakteure unterlaufen: Iran greift Tanker bei vermuteten Verstößen
gegen das MoU an und attackiert US-Stützpunkte in Bahrain und Kuwait. Die USA
setzen ihrerseits Luftangriffe auf iranische Radarsysteme, Luftverteidigung und
Kommunikationsinfrastruktur fort. Darüber hinaus dauern iranische Operationen infolge des
Krieges gegen kurdische Oppositionsgruppen in Iran sowie in Südkurdistan (Nordirak)
Deutscher Bundestag Drucksache 21/7059
21. Wahlperiode 09.07.2026
und im Zusammenwirken mit verbündeten Milizen im Irak an. Diese wechselseitige
Eskalationsdynamik erhöht die regionale Instabilität erheblich (www.bbc.com/news/-
articles/ckg590wqxwpo).
In den Golfstaaten wächst indes die Unsicherheit, während zugleich verstärkt
diplomatische Optionen erörtert werden, darunter Gespräche über mögliche
„Nichtangriffsvereinbarungen“ mit Iran, was die Bedeutung für eine politische Deeskalation
unterstreicht (www.nytimes.com/2026/06/26/world/middleeast/gulf-changed-forever-iran-
war.html).
Die Straße von Hormus ist ein hochdynamischer Konfliktraum mit akuter
Kriegsgefahr. Sie bleibt strukturell eines der zentralen Nadelöhre des globalen Energiehandels
und damit ein dauerhafter Krisenraum. Die Überlagerung unterschiedlicher Interessen
– insbesondere iranische Einflussnahme, die Angewiesenheit der Golfstaaten auf die
Offenhaltung der Schifffahrtsroute sowie die militärische Präsenz externer Akteure –
führt zu einer fragilen und hochgradig militarisierten Ordnung mit erheblicher
Unvorhersehbarkeit.
Sicherheitspolitische Analysen weisen zudem darauf hin, dass militärische
Interventionen häufig diplomatische und zivile Konfliktlösungen verdrängen
(www.sipri.org/sites/default/files/2025-10/rpp_2025_10_ngcm_dakar.pdf; www.cri-
sisgroup.org/trigger-list/iran-usisrael-trigger-list/flashpoints/strait-hormuz).
Hinzu kommen strukturelle Eskalationsrisiken infolge hoher Verkehrsdichte, unklarer
Lagebilder und unzureichender Kommunikationsmechanismen.
In diesem Umfeld erhöht die militärische Präsenz externer Akteure das Risiko
unbeabsichtigter Verstrickungen zusätzlich. Demgegenüber sollten diplomatische
Instrumente konsequent gestärkt werden, insbesondere belastbare Kommunikationskanäle
zwischen den Konfliktparteien sowie regionale Mechanismen zur Vermeidung
maritimer Zwischenfälle unter Einbindung neutraler Akteure wie Oman. Entsprechende
Ansätze gelten als deutlich nachhaltiger für die Stabilisierung der Region als militärische
Präsenz in unmittelbarer Konfliktnähe (www.crisisgroup.org/trigger-list/iran-
usisraeltrigger-list/flashpoints/strait-hormuz).
Eine Beteiligung der Bundeswehr an Minenräummaßnahmen in der Straße von
Hormus ist daher konsequent und in jeder Form abzulehnen. Sie ist weder völkerrechtlich
eindeutig legitimiert noch geeignet, zur Stabilisierung der Region beizutragen.
Vielmehr birgt sie das Risiko einer weiteren militärischen Verstrickung Deutschlands in
einen hochgradig instabilen und eskalationsanfälligen Konfliktraum.
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf,
1. sich weder unmittelbar noch mittelbar an der Planung und Durchführung einer
von Einzelstaaten oder Militärbündnissen geführten Militärmission bzw. eines
Auslandeinsatzes in der Region zu beteiligen und wirtschaftliche sowie
geopolitische Interessen unter keinen Umständen militärisch durchzusetzen;
2. der Bundeswehr kein Mandat für einen Einsatz in der Straße von Hormus zu
erteilen, weder zur Minenräumung noch für andere militärische Einsätze;
3. die diplomatischen Bemühungen zur Deeskalation zu intensivieren und hierzu
Gespräche mit allen weiteren für eine friedliche Konfliktbeilegung relevanten
regionalen und internationalen Akteuren zu führen, bestehende Gesprächsformate
zu unterstützen und neue zu initiieren;
4. die humanitäre Hilfe für die von den Konflikten in der Region betroffene
Zivilbevölkerung auszuweiten;
5. Genehmigungen für Waffenexporte an Staaten auszusetzen, die unmittelbar an
einer militärischen Eskalation in der Golfregion beteiligt sind oder diese
befördern könnten;
6. sich für die koordinierte Aufnahme von Menschen einzusetzen, die infolge der
militärischen Eskalation Schutz suchen, und zusätzliche humanitäre
Aufnahmeprogramme für besonders schutzbedürftige Personen aufzulegen;
7. den Ausbau erneuerbarer Energien sowie von Energieeffizienzmaßnahmen zu
beschleunigen, um die Abhängigkeit Deutschlands und Europas von fossilen
Energieimporten aus Krisenregionen nachhaltig zu verringern.
Berlin, den 7. Juli 2026
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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