Auswirkungen der Einschränkungen des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus auf die deutsche Energieversorgung und Wirtschaft
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Auswirkungen der Einschränkungen des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus auf die deutsche Energieversorgung und Wirtschaft
Deutscher Bundestag Drucksache 21/8039
21. Wahlperiode 16.09.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Tobias Teich, Stefan Keuter, Dr. Malte Kaufmann, Udo Theodor
Hemmelgarn, Jürgen Koegel, Dr. Alexander Gauland, Heinrich Koch und der
Fraktion der AfD
Auswirkungen der Einschränkungen des Schiffsverkehrs durch die Straße von
Hormus auf die deutsche Energieversorgung und Wirtschaft
Die Straße von Hormus gehört zu den für die weltweite Energieversorgung
bedeutendsten Seewegen. Vor Beginn des gegenwärtigen Konflikts wurden über
diese Route rund 20 Prozent der weltweiten Öl- und Flüssigerdgastransporte
abgewickelt. Die seit Monaten erheblich eingeschränkte Schifffahrt wirkt sich
insbesondere auf Energie- und Rohstofftransporte aus den Golfstaaten aus
(www.reuters.com/world/china/iran-oman-discuss-temporary-hormuz-
corridorimpasse-with-us-drags-2026-08-25/; vgl. Reuters, 26. August 2026, „As war
strands Qatari gas for 6 months, US sales rise and European stocks plummet“,
www.reuters.com/business/energy/war-strands-qatari-gas-6-months-us-sales-ris
e-european-stocks-plummet-2026-08-26/).
Die Bundesregierung erklärte am 15. Juni 2026 anlässlich des zwischen den
Vereinigten Staaten und dem Iran vereinbarten Rahmenabkommens, die Straße
von Hormus müsse dauerhaft und uneingeschränkt für die freie Schifffahrt
geöffnet werden. Zugleich verband sie die Umsetzung des Abkommens
ausdrücklich mit einer möglichen Erholung der Weltwirtschaft und einer Stabilisierung
der Region (www.bundesregierung.de/breg-de/suche/statement-von-bundeskan
zler-friedrich-merz-zur-vereinbarung-zwischen-den-vereinigten-staaten-und-ira
n-2440458).
Ende August 2026 lag der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus
weiterhin deutlich unter dem Niveau der vorausgegangenen Tage. Nach vorläufigen
Daten des Analyseunternehmens Kpler passierten am 25. August 2026
lediglich fünf Warenschiffe die Meerenge, während der Durchschnitt der
vorausgegangenen zehn Tage bei 15 Schiffen lag. Besonders betroffen ist die
Versorgung mit Flüssigerdgas (LNG) aus Katar. Nach Berechnungen von „Reuters“
gingen die katarischen LNG-Ausfuhren in den ersten sechs Monaten des
Konflikts um rund 96 Prozent zurück; zugleich stiegen die LNG-Ausfuhren der
Vereinigten Staaten nach Europa (www.reuters.com/business/energy/gulf-ship-t
raffic-via-strait-hormuz-hovers-below-10-day-average-data-shows-2026-0
8-26/; www.reuters.com/business/energy/war-strands-qatari-gas-6-months-us-s
ales-rise-european-stocks-plummet-2026-08-26/; vgl. Reuters, 26. August
2026, Berichterstattung zum Schiffsverkehr in der Straße von Hormus sowie
zur LNG-Versorgung; Reuters, 24. August 2026, Berichterstattung zu erhöhten
Transportkosten und alternativen Exportrouten).
Vor diesem Hintergrund besteht aus Sicht der Fragesteller ein erhebliches
parlamentarisches Informationsinteresse daran, welche unmittelbaren und
mittelbaren Folgen die Einschränkungen der Straße von Hormus für die Energiepreise,
Importe, Transport- und Versicherungskosten, die Befüllung der deutschen
Gasspeicher vor dem Winter 2026/2027 sowie für energieintensive und
exportorientierte Unternehmen in Deutschland haben und welche
Vorsorgemaßnahmen die Bundesregierung für eine längerfristige Einschränkung oder erneute
vollständige Schließung der Meerenge gegebenenfalls getroffen hat.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche unmittelbaren und mittelbaren Auswirkungen der seit Beginn des
Konflikts bestehenden Einschränkungen des Schiffsverkehrs durch die
Straße von Hormus hat die Bundesregierung bislang auf die Preise für
a) Rohöl,
b) Mineralölprodukte,
c) Erdgas und
d) Flüssigerdgas
in Deutschland festgestellt (bitte, soweit möglich, die Preisentwicklung
seit Beginn des Konflikts darstellen)?
2. Welche Mengen an Rohöl, Mineralölprodukten, LNG und
petrochemischen Grundstoffen, die unmittelbar oder mittelbar für den deutschen
Markt bestimmt waren, wurden nach Kenntnis der Bundesregierung im
Jahr 2025 über die Straße von Hormus transportiert (bitte nach Produkt,
Herkunftsstaat und Menge aufschlüsseln)?
3. Wie haben sich die in der Antwort der Bundesregierung zu Frage 2
genannten Mengen seit Beginn des Konflikts nach Kenntnis der
Bundesregierung entwickelt (bitte nach Monat, Produkt und Herkunftsstaat
aufschlüsseln)?
4. In welchem Umfang sind insbesondere LNG-Lieferungen aus Katar für
Deutschland bzw. nach Kenntnis der Bundesregierung für europäische
LNG-Terminals, aus denen Deutschland versorgt wird, seit Beginn des
Konflikts ausgefallen, verschoben oder verzögert worden (bitte nach
Monat und Menge aufschlüsseln)?
5. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über die Entwicklung der
a) Frachtraten,
b) Versicherungsprämien,
c) Kriegsrisikozuschläge und
d) sonstigen Transportkosten
für Öl-, Gas- und Warentransporte aus der Golfregion seit Beginn des
Konflikts?
6. Welche zusätzlichen Kosten sind durch den Konflikt nach Kenntnis oder
Schätzung der Bundesregierung bislang für deutsche Importeure und
Unternehmen entstanden, und auf welcher Datengrundlage beruht diese
Kenntnis oder Schätzung?
7. Welche Auswirkungen haben die Einschränkungen des Schiffsverkehrs
durch die Straße von Hormus nach Einschätzung der Bundesregierung auf
den gegenwärtigen Stand sowie auf die geplante weitere Befüllung der
deutschen Gasspeicher vor dem Winter 2026/2027?
8. Hat die Bundesregierung ihre Annahmen, Szenarien oder Planungen zur
Befüllung der deutschen Gasspeicher für den Winter 2026/2027 seit
Beginn des Konflikts geändert, wenn ja, in welcher Weise, und mit welchen
Zielwerten?
9. Welche zusätzlichen LNG- oder Erdgaslieferungen wurden seit Beginn
des Konflikts nach Kenntnis der Bundesregierung gegebenenfalls
insbesondere aus
a) den Vereinigten Staaten,
b) Norwegen,
c) Algerien,
d) Nigeria und
e) anderen Lieferstaaten
zur Kompensation ausgefallener bzw. gefährdeter Lieferungen aus der
Golfregion beschafft (bitte nach Herkunftsstaat, Menge und Monat
aufschlüsseln)?
10. Wie hoch sind nach Kenntnis oder Berechnung der Bundesregierung die
Mehrkosten der in der Antwort der Bundesregierung zu Frage 9 genannten
Ersatzbeschaffungen gegenüber den ursprünglich vorgesehenen
Lieferungen?
11. Welche Branchen der deutschen Wirtschaft sind nach Kenntnis der
Bundesregierung bislang besonders von gestiegenen Energie-, Rohstoff-,
Fracht- oder Versicherungskosten infolge der Lage an der Straße von
Hormus betroffen, und welche konkreten Belastungen sind der
Bundesregierung hierzu bekannt?
12. Welche Auswirkungen auf die Produktion, Wettbewerbsfähigkeit, Exporte
oder Beschäftigung erwartet die Bundesregierung insbesondere für
a) die chemische Industrie,
b) die Grundstoffindustrie,
c) die Automobilindustrie,
d) die Logistik- und Transportwirtschaft, und
e) energieintensive mittelständische Unternehmen?
13. Welche Szenarien liegen der Bundesregierung für den Fall zugrunde, dass
die Einschränkungen des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus
a) weitere drei Monate,
b) bis Ende des Jahres 2026 und
c) über den Winter 2026/2027 hinaus
fortbestehen?
14. Welche Auswirkungen hätte nach den Szenarien oder Einschätzungen der
Bundesregierung eine erneute vollständige Schließung der Straße von
Hormus auf die Energiepreise, Versorgungssicherheit, Importmengen und
Gasspeicherstände in Deutschland?
15. Welche konkreten Maßnahmen hat die Bundesregierung seit Beginn des
Konflikts gegebenenfalls ergriffen bzw. vorbereitet, um die deutsche
Energieversorgung und die deutsche Wirtschaft gegen eine längerfristige
Einschränkung oder erneute vollständige Schließung der Straße von Hormus
abzusichern (bitte nach Maßnahme, zuständigem Ressort und
Umsetzungsstand aufschlüsseln)?
Berlin, den 15. September 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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