Jetzt handeln - Die Zukunft der Automobilindustrie sozial und ökologisch gestalten (Beschlussempfehlung und Bericht zu Drs. 21/3715)
Text
Jetzt handeln - Die Zukunft der Automobilindustrie sozial und ökologisch gestalten (Beschlussempfehlung und Bericht zu Drs. 21/3715)
Deutscher Bundestag Drucksache 21/7003
21. Wahlperiode 08.07.2026
Beschlussempfehlung und Bericht
des Ausschusses für Wirtschaft und Energie (9. Ausschuss)
zu dem Antrag der Abgeordneten Agnes Conrad, Jörg Cezanne, Janine Wissler,
weiterer Abgeordneter und der Fraktion Die Linke
– Drucksache 21/3715 –
Jetzt handeln – Die Zukunft der Automobilindustrie sozial und ökologisch
gestalten
A. Problem
Die antragstellende Fraktion sieht eine Fehlentwicklung der deutschen
Automobilindustrie. Diese werde durch die Politik der „Technologieoffenheit“ und eine
fehlende industriepolitische Steuerung der Bundesregierung befördert. Es drohten
der Verlust von Arbeitsplätzen und die Schließung von zahlreichen Standorten.
Die Fraktion Die Linke fordert eine aktive staatliche Industriepolitik, welche die
Autoindustrie demokratisch, sozial und ökologisch umbaue. Es sollte keine
Umstellung auf militärische Produktion oder elektrische Sport- und Nutzfahrzeuge
erfolgen. Stattdessen sollten insbesondere günstige Klein- und Kompaktwagen
gefertigt und Zukunftsprogramme auf eine zivile, friedliche und nachhaltige
Wertschöpfung ausgerichtet werden.
B. Lösung
Ablehnung des Antrags mit den Stimmen der Fraktionen der CDU/CSU, AfD
und SPD gegen die Stimmen der Fraktion Die Linke bei Stimmenthaltung
der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN.
C. Alternativen
Annahme des Antrags.
D. Kosten
Wurden im Ausschuss nicht erörtert.
Beschlussempfehlung
Der Bundestag wolle beschließen,
den Antrag auf Drucksache 21/3715 abzulehnen.
Berlin, den 8. Juli 2026
Der Ausschuss für Wirtschaft und Energie
Christian Frhr. von Stetten
Vorsitzender
Günter Baumgartner
Berichterstatter
Mathias Weiser
Berichterstatter
Bericht der Abgeordneten Günter Baumgartner und Mathias Weiser
I. Überweisung
Der Antrag der Fraktion Die Linke auf Drucksache 21/3715 wurde in der 69. Sitzung des Deutschen Bundestages
am 27. März 2026 beraten und an den Ausschuss für Wirtschaft und Energie zur Federführung sowie an den
Finanzausschuss, den Haushaltsausschuss, den Ausschuss für Arbeit und Soziales sowie den Ausschuss für
Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit zur Mitberatung überwiesen.
II. Wesentlicher Inhalt der Vorlage
Die Bundesregierung soll zu 13 Maßnahmen aufgefordert werden. Es sei ein Gesetzentwurf mit verlässlichen
Förderprogrammen für die Automobil- und Zulieferindustrie vorzulegen. Dafür solle ein staatlicher
Transformationsfonds in Höhe von mindestens 20 Milliarden Euro jährlich eingerichtet werden. Um die Fördermittel zu
erhalten, müssten Betriebe unter anderem Arbeitsplätze und Standorte sichern und
Transformationsverpflichtungen nach sozial-ökologischen Kriterien eingehen. Ein weiterer Gesetzentwurf solle die Voraussetzungen für einen
öffentlichen Schutzschirm schaffen, um Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern Zeit für die Qualifizierung und
die Umstellung auf sozial-ökologisch nachhaltige Wertschöpfungsfelder zu verschaffen.
Darüber hinaus sollten staatliche Förderprogramme insbesondere Unternehmen mit ausschließlich zivilen
Produktionszwecken sowie den flächendeckenden Ausbau der einheitlichen Ladeinfrastruktur unterstützen. Der
Bund solle bei seinen eigenen Beschaffungen auf vollelektrische Fahrzeuge mit in der EU produzierten Batterien
umsteigen. Mit Investitions- und Förderprogrammen seien der Aufbau und die Verbesserung des öffentlichen
Nahverkehrs zu fördern sowie die Anschaffung oder das Leasing von E-Autos, wobei eine soziale Staffelung
erfolgen solle. Darüber hinaus seien insbesondere weitere Gesetzentwürfe zur allgemeinen Senkung der
Stromsteuer, zur Einführung eines reduzierten Industriestrompreises und zur Stärkung der betrieblichen Mitbestimmung
vorzulegen. Massenentlassungen müsse vorgebeugt und die Inlandsnachfrage gestärkt werden. Dies umfasse auch
die Anhebung des gesetzlichen Mindestlohns, die Stärkung der Tarifbindung und die Abschaffung der
Schuldenbremse.
III. Stellungnahmen der mitberatenden Ausschüsse
Der Finanzausschuss hat den Antrag auf Drucksache 21/3715 in seiner 41. Sitzung am 8. Juli 2026 beraten und
empfiehlt mit den Stimmen der Fraktionen CDU/CSU, AfD, SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN gegen die
Stimmen der Fraktion Die Linke dessen Ablehnung.
Der Haushaltsausschuss hat den Antrag auf Drucksache 21/3715 in seiner 44. Sitzung am 8. Juli 2026 beraten
und empfiehlt mit den Stimmen der Fraktionen der CDU/CSU, AfD und SPD gegen die Stimmen der Fraktion
Die Linke bei Stimmenthaltung der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN dessen Ablehnung.
Der Ausschuss für Arbeit und Soziales hat den Antrag auf Drucksache 21/3715 in seiner 36. Sitzung am 8. Juli
2026 beraten und empfiehlt mit den Stimmen der Fraktionen der CDU/CSU, AfD und SPD gegen die Stimmen
der Fraktion Die Linke dessen Ablehnung. Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN hat an der Abstimmung
nicht teilgenommen.
Der Ausschuss für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit hat den Antrag auf
Drucksache 21/3715 in seiner 40. Sitzung am 8. Juli 2026 beraten und empfiehlt mit den Stimmen der Fraktionen
CDU/CSU, AfD, SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN gegen die Stimmen der Fraktion Die Linke dessen
Ablehnung.
IV. Beratungsverlauf und Beratungsergebnisse im federführenden Ausschuss
Der Ausschuss für Wirtschaft und Energie hat den Antrag auf Drucksache 21/3715 in seiner 43. Sitzung am 8. Juli
2026 abschließend beraten.
Die Fraktion Die Linke führte einleitend aus, die Krise in der Automobilindustrie dürfe nicht auf dem Rücken
der Beschäftigten ausgetragen werden. Staatliche Förderung dürfe nicht der Absicherung des Status quo und von
Konzernrenditen dienen, sondern müsse gute Arbeit, industrielle Wertschöpfung und den ökologischen Umbau
sichern. Nach Ansicht der Fraktion bleibe die Bundesregierung zu unkonkret, weshalb sie gemeinsam mit
ausgewählten Gesprächspartnern das vorliegende Konzept erarbeitet habe.
Die Fraktion der CDU/CSU führte aus, der Antrag sei durchzogen von Misstrauen gegenüber den Autobauern
und dem Wunsch nach umfassender staatlicher Regulierung. Bei BMW verdienten Mitarbeiter 15 bis 16
Monatsgehälter, auch Staplerfahrer. Jedes fünfte in Deutschland dieses Jahr zugelassene Auto sei elektrisch, die zehn
bestverkauften E-Autos stammten von deutschen Autoherstellern. Die CDU/CSU-Fraktion vertraue den
Autobauern, die besten Lösungen zu entwickeln.
Die Fraktion der AfD kritisierte, die Fraktion Die Linke wolle Planwirtschaft in der Automobilindustrie. Das
funktioniere nicht, wie die Vergangenheit gezeigt habe, und führe zu Wohlstandsverlusten. Deutschland brauche
weniger Staat.
Die Fraktion der SPD führte aus, grundsätzlich begrüße sie die Unterstützung der Automobilindustrie in Zeiten
der Transformation. Gleichzeitig sei es notwendig, realistisch zu bleiben. Es werde bereits viel gefördert.
Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN dankte der Fraktion Die Linke für den Antrag, vieles darin sei
wichtig und richtig. Es seien aber auch einige Punkte dabei, die die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN kritisch
sehe.
Der Ausschuss für Wirtschaft und Energie beschloss mit den Stimmen der Fraktionen der CDU/CSU, AfD und
SPD gegen die Stimmen der Fraktion Die Linke bei Stimmenthaltung der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN,
die Ablehnung des Antrags auf Drucksache 21/3715 zu empfehlen.
Berlin, den 8. Juli 2026
Günter Baumgartner
Berichterstatter
Mathias Weiser
Berichterstatter
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
Relationen
- authored ← Ausschuss für Wirtschaft und Energie
- authored ← Günter Baumgartner (Berichterstattung)
- authored ← Mathias Weiser (Berichterstattung)
- part_of_vorgang → Jetzt handeln - Die Zukunft der Automobilindustrie sozial und ökologisch gestalten (Beschlussempfehlung und Bericht)