Wirtschaft 2045 - GreenTech als Wachstumstreiber nutzen, Technologiesouveränität stärken (Beschlussempfehlung und Bericht zu Drs. 21/4754)
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Wirtschaft 2045 - GreenTech als Wachstumstreiber nutzen, Technologiesouveränität stärken (Beschlussempfehlung und Bericht zu Drs. 21/4754)
Deutscher Bundestag Drucksache 21/6143
21. Wahlperiode 27.05.2026
Beschlussempfehlung und Bericht
des Ausschusses für Wirtschaft und Energie (9. Ausschuss)
zu dem Antrag der Abgeordneten Dr. Sandra Detzer, Julian Joswig, Ayse Asar,
weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
– Drucksache 21/4754 –
Wirtschaft 2045 – GreenTech als Wachstumstreiber nutzen,
Technologiesouveränität stärken
A. Problem
Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN schickt ihrem Antrag voraus, dass die
GreenTech-Branche sich im vergangenen Jahr zu einem der relevantesten
Wirtschaftsfelder der deutschen Wirtschaft entwickelt habe. Auch der globale Markt
für GreenTech wachse rasant. Die größten Investitionsvolumina entfielen auf
Elektromobilität, erneuerbare Energiekomponenten und Stromsysteme. Zudem
biete die GreenTech-Branche ein hohes Potenzial, um die Resilienz und die
Souveränität der deutschen und europäischen Volkswirtschaft zu stärken und die
vereinbarten Ziele zur Emissionsreduktion zu erreichen.
Die antragstellende Fraktion kritisiert, dass die Bundesregierung durch einen
Zickzack-Kurs in der Wirtschafts- und Klimapolitik für viel Verunsicherung
gesorgt und die Marktchancen chinesischer Wettbewerber gestärkt habe. Die
Bundesregierung sollte bei der Umsetzung des europäischen Clean Industrial Deals
(CID) wesentlich ambitionierter agieren, verlässliche Rahmenbedingungen
sicherstellen und die GreenTech-Branche prioritär unterstützen.
B. Lösung
Ablehnung des Antrags mit den Stimmen der Fraktionen der CDU/CSU, AfD
und SPD gegen die Stimmen der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN bei
Stimmenthaltung der Fraktion Die Linke.
C. Alternativen
Annahme des Antrags.
D. Kosten
Wurden im Ausschuss nicht erörtert.
Beschlussempfehlung
Der Bundestag wolle beschließen,
den Antrag auf Drucksache 21/4754 abzulehnen.
Berlin, den 20. Mai 2026
Der Ausschuss für Wirtschaft und Energie
Christian Frhr. von Stetten
Vorsitzender
Enrico Komning
Berichterstatter
Daniel Bettermann
Berichterstatter
Bericht der Abgeordneten Enrico Komning und Daniel Bettermann
I. Überweisung
Der Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN auf Drucksache 21/4754 wurde in der 65. Sitzung des
Deutschen Bundestages am 19. März 2026 beraten und an den Ausschuss für Wirtschaft und Energie zur
Federführung sowie an den Auswärtigen Ausschuss, den Haushaltsausschuss, den Ausschuss für Umwelt,
Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit, den Ausschuss für Forschung, Technologie, Raumfahrt und
Technikfolgenabschätzung, den Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, den Ausschuss für
die Angelegenheiten der Europäischen Union und den Ausschuss für Digitales und Staatsmodernisierung zur
Mitberatung überwiesen.
II. Wesentlicher Inhalt der Vorlage
Die antragstellende Fraktion fordert die Bundesregierung zu 24 Maßnahmen auf. Insbesondere solle die
Bundesregierung die GreenTech-Branche als Wachstumsmotor begreifen und prioritär unterstützen. Durch verlässliche
Rahmenbedingungen solle der Anteil an der deutschen Bruttowertschöpfung von aktuell 9 Prozent bis 2045 auf
ca. 20 Prozent ansteigen. Die Vollendung des europäischen Binnenmarktes solle vorangetrieben werden. Darüber
hinaus solle die europäische Kommission bei Regulierungsvorhaben für mehr Resilienz und Wirtschaftssicherheit
unterstützt werden, wobei nach dem Prinzip „Diversifizierung vor Made in Europe“ zu verfahren sei. Die
Solarindustrie in Deutschland müsse gemeinsam mit vertrauenswürdigen internationalen Partnern gestärkt werden, um
die Abhängigkeit von einzelnen Drittstaaten zu reduzieren. Die Regelungen des Gebäudeenergiegesetzes,
insbesondere die Vorgabe zu mindestens 65 Prozent Erneuerbaren Energien, müssten beibehalten werden.
Darüber hinaus solle die Bundesregierung die Standortbedingungen für GreenTech-Produktionen in Deutschland
verbessern, insbesondere durch wettbewerbsfähige Energiepreise und effizientere Genehmigungs- und
Planungsverfahren. Bei der Stärkung der Branche seien auch die Enabler-Komponenten wie Halbleiter, Batterien und
Künstliche Intelligenz mit einzubeziehen. Der systematische Wissenstransfer von der Wissenschaft in die
industrielle und gesellschaftliche Anwendung müsse im Bereich GreenTech deutlich gestärkt und die europäische
Forschungs- und Innovationsförderung gezielt gehebelt werden.
III. Stellungnahmen der mitberatenden Ausschüsse
Der Auswärtige Ausschuss hat den Antrag auf Drucksache 21/4754 in seiner 24. Sitzung am 20. Mai 2026
beraten und empfiehlt mit den Stimmen der Fraktionen der CDU/CSU, AfD und SPD gegen die Stimmen der
Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN bei Stimmenthaltung der Fraktion Die Linke dessen Ablehnung.
Der Haushaltsausschuss hat den Antrag auf Drucksache 21/4754 in seiner 38. Sitzung am 20. Mai 2026
beraten und empfiehlt mit den Stimmen der Fraktionen der CDU/CSU, AfD und SPD gegen die Stimmen der
Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN bei Stimmenthaltung der Fraktion Die Linke dessen Ablehnung.
Der Ausschuss für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit hat den Antrag auf
Drucksache 21/4754 in seiner 37. Sitzung am 20. Mai 2026 beraten und empfiehlt mit den Stimmen der Fraktionen
der CDU/CSU, AfD und SPD gegen die Stimmen der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN bei
Stimmenthaltung der Fraktion Die Linke dessen Ablehnung.
Der Ausschuss für Forschung, Technologie, Raumfahrt und Technikfolgenabschätzung hat den Antrag auf
Drucksache 21/4754 in seiner 24. Sitzung am 20. Mai 2026 beraten und empfiehlt mit den Stimmen der
Fraktionen der CDU/CSU, AfD und SPD gegen die Stimmen der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN bei
Stimmenthaltung der Fraktion Die Linke dessen Ablehnung.
Der Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung hat den Antrag auf
Drucksache 21/4754 in seiner 21. Sitzung am 20. Mai 2026 beraten und empfiehlt mit den Stimmen der Fraktionen der
CDU/CSU, AfD und SPD gegen die Stimmen der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN bei Stimmenthaltung
der Fraktion Die Linke dessen Ablehnung.
Der Ausschuss für Digitales und Staatsmodernisierung hat den Antrag auf Drucksache 21/4754 in seiner
28. Sitzung am 20. Mai 2026 beraten und empfiehlt mit den Stimmen der Fraktionen der CDU/CSU, AfD und
SPD gegen die Stimmen der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN bei Stimmenthaltung der Fraktion Die
Linke dessen Ablehnung.
Der Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union hat den Antrag auf Drucksache 21/4754 in
seiner 25. Sitzung am 20. Mai 2026 beraten und empfiehlt mit den Stimmen der Fraktionen der CDU/CSU, AfD
und SPD gegen die Stimmen der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN bei Stimmenthaltung der Fraktion Die
Linke dessen Ablehnung.
IV. Beratungsverlauf und Beratungsergebnisse im federführenden Ausschuss
Der Ausschuss für Wirtschaft und Energie hat den Antrag auf Drucksache 21/4754 in seiner 35. Sitzung am
20. Mai 2026 abschließend beraten.
Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN erläuterte einleitend, sie wollten mit diesem Antrag ein Spotlight
auf eine Erfolgsbranche der deutschen und europäischen Wirtschaft richten. Die Branche sei ein Zugpferd für
Wohlstand und Arbeitsplätze der Zukunft. Im aktuellen Regierungshandeln sähen sie nicht, dass diese
Potenziale genutzt würden. Die Fraktion möchte wissen, wie die Bundesregierung damit umgehe, dass China in diesen
Bereich investiere, unfaire Wettbewerbsbedingungen bestünden und Klimatechnologien zunehmend aus China
importiert würden. Im Hinblick auf die Verhandlung des Industrial Accelerator Acts (IAA) werde die
Bundesregierung in Brüssel derzeit nicht als konstruktiv wahrgenommen.
Die Fraktion der CDU/CSU kritisierte, die GreenTech-Branche verdiene zwar ein Spotlight, aber den Ansatz
der antragstellenden Fraktion, planwirtschaftliche Instrumente zu nutzen, lehnten sie ab. Insbesondere seien sie
gegen staatlich festgeschriebene Zahlen, zum Beispiel im Hinblick auf die Bruttowertschöpfung bis 2045. Der
Antrag würde zudem zu zusätzlichen Berichtspflichten und Bürokratie führen. Die Fraktion sei der Ansicht,
dass man der Branche und den Unternehmen selbst sehr viel zutrauen könne. Die Bundesregierung setze darauf,
dass Themen wie der Netzausbau und die Energieinfrastruktur dieses Landes die Defizite der letzten Jahre
aufholten. Es sei notwendig, systemdienlich und kosteneffizient zu denken.
Die Fraktion der AfD betonte, die GreenTech-Branche sei in Zahlen zwar ein Erfolgsmodell, sie sei aber auch
mit Milliarden an staatlichen Fördermitteln unterstützt worden. Die Ausgaben für die Energiewende seien sehr
hoch, so dass man sich über die zusätzlichen Arbeitsplätze kaum freuen könne. Der Mittelstand, die Industrie
und das Handwerk litten unter der Energiewende. Die sozialökologische Transformation der Marktwirtschaft
gehöre aus ihrer Sicht abgeschafft.
Die Fraktion der SPD führte aus, die strategische Bedeutung klimafreundlicher Technologien für
Wertschöpfung, Beschäftigung und Wettbewerbsfähigkeit in Deutschland stehe außer Frage. Es sei zentral, insbesondere
kleine und mittlere Unternehmen sowie Startups zu befähigen, diese neuen Märkte zu erschließen. Die
ökologische Transformation der Wirtschaft sei untrennbar mit den Themen Kapitalbedarf, Kapitalzugang und
Digitalisierungsprozessen verbunden. Hier verkenne der Antrag strukturelle Hemmnisse in Bezug auf die Grundlagen
zum Zugang zu Kapital. Die Fraktion möchte wissen, wie die Bundesregierung den Zugang von GreenTech-
Unternehmen zum Kapitalmarkt bewerte sowie den Digitalisierungsgrad von KMU. Wie werde sichergestellt,
dass Dateninfrastrukturen zugänglich gemacht würden und der Bereich Venture Capital für diese Branche
erschlossen werde?
Die Fraktion Die Linke erklärte, sie forderten ebenfalls eine gezielte Industriepolitik zur Bewältigung der
Transformation. Auch die Stärkung der GreenTech-Branche befürworteten sie grundsätzlich. Allerdings fehle
ihnen in dem Antrag der Blick aus der Sicht der Beschäftigten, insbesondere in Bezug auf Mitwirkungsrechte
und gute Arbeitsbedingungen.
Die Bundesregierung antwortete, Venture Capital sei für sie ein zentrales Thema. Sie benötigten in
Deutschland ein innovations-, investitions- und unternehmensfreundliches Umfeld. Die Bundesregierung habe sich mit
dem Deutschlandfonds das Ziel gesetzt, insbesondere auch Venture Capital Investitionen nach Deutschland zu
ziehen. Der Bundeskanzler habe auch einen eigenen Investitionsbeauftragten ernannt. Mit Blick auf
Investitionen aus China befänden sie sich in einem Zielkonflikt. Durch globale Arbeitsteilung und das Angebot von
günstigen Technologien sei der starke Ausbau, etwa der Photovoltaik, in Deutschland befördert worden. Der Aufbau
von Schranken sei hier eine Kostenfrage und betreffe die internationalen Handelsbeziehungen. In den
Beratungen in Brüssel bringe die Bundesregierung sich intensiv ein. Bezüglich des IAA seien sie derzeit in Gesprächen
mit anderen Mitgliedstaaten. Wichtig sei, in Bezug auf das Vergaberecht nicht zusätzliche Bürokratie zu
schaffen. Die Digitalisierung der Energiewende müsse cybersicher erfolgen. Insofern gebe es bestimmte
Zielkonflikte, mit denen die Bundesregierung umgehen müsse.
Der Ausschuss für Wirtschaft und Energie beschloss mit den Stimmen der Fraktionen der CDU/CSU, AfD
und SPD gegen die Stimmen der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN bei Stimmenthaltung der Fraktion Die
Linke, die Ablehnung des Antrags auf Drucksache 21/4754 zu empfehlen.
Berlin, den 20. Mai 2026
Enrico Komning
Berichterstatter
Daniel Bettermann
Berichterstatter
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ISSN 0722-8333
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