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Aufbau einer deutschen Multi-Domain Task Force

dip / drucksache 29.06.2026 · WP 21 · 21/6773 · Kleine Anfrage · Original ↗

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Aufbau einer deutschen Multi-Domain Task Force Deutscher Bundestag Drucksache 21/6773 21. Wahlperiode 29.06.2026 Kleine Anfrage der Abgeordneten Jan Ralf Nolte, Thomas Ladzinski, Kurt Kleinschmidt und der Fraktion der AfD Aufbau einer deutschen Multi-Domain Task Force Die Landes- und Bündnisverteidigung in Europa wird zunehmend durch vernetzte Operationsführung über mehrere Dimensionen geprägt. Moderne Streitkräfte müssen Fähigkeiten in den Dimensionen Land, Luft, See, Cyber- und Informationsraum, Weltraum sowie im elektromagnetischen Spektrum so verbinden, dass Aufklärung, Führung, Wirkung und Schutz schnell, interoperabel und resilient zusammenwirken. Die Bundeswehr bezeichnet dies unter anderem als „Multi-Domain Operations“ (vgl. https://hardthoehenkurier.de/multi-domai n-operations-und-software-defined-defence/). Nach öffentlicher Fachberichterstattung plant die Bundeswehr, bis 2029 eine erste Langstrecken-Artilleriebatterie (vgl. www.hartpunkt.de/tiefer-einblick- indie-zukuenftige-artilleriestruktur-der-bundeswehr/) als Kern einer künftigen Multi-Domain Task Force aufzustellen. Zugleich zeigen die Erfahrungen aus dem Krieg gegen die Ukraine, dass moderne Operationsführung ohne robuste Zielaufklärung, elektronische Kampfführung, Drohnenabwehr, weltraumgestützte Dienste, geschützte Kommunikation, Munitionsbevorratung, schnelle Datenverarbeitung und interoperable Führungsstrukturen nur eingeschränkt möglich ist. Andere große Militärmächte verfügen zudem über erhebliche Fähigkeiten in den Bereichen weitreichendes Feuer, Drohnen, elektronische Kampfführung, GPS-Störung (GPS = Global Positioning System), Luftverteidigung, Cyberoperationen und tief gestaffelte Führungssysteme. Wir fragen die Bundesregierung:  1. Was versteht die Bundesregierung konkret unter einer deutschen Multi- Domain Task Force, und wie grenzt sie diese von bestehenden Strukturen des Heeres, der Luftwaffe, der Marine, des Cyber- und Informationsraums sowie des Operativen Führungskommandos der Bundeswehr ab?  2. Welche militärische Hauptaufgabe soll eine deutsche Multi-Domain Task Force im Rahmen der Landes- und Bündnisverteidigung erfüllen?  3. Ist die Bundesregierung der Auffassung, dass eine Multi-Domain Task Force vor allem als Verband für weitreichendes Feuer, als Führungs- und Wirkverbund, als NATO-Interoperabilitätsinstrument oder als eigenständiger operativer Fähigkeitsträger zu verstehen ist?  4. Welche Zielstruktur, Anfangsbefähigung und Vollbefähigung sind für eine deutsche Multi-Domain Task Force geplant, und bis wann sollen diese jeweils erreicht werden?  5. Trifft es zu, dass die Bundeswehr bis 2029 eine erste Langstrecken- Artilleriebatterie als Kern einer künftigen Multi-Domain Task Force aufstellen will (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?  6. Wenn die Frage 5 bejaht wird, welche Fähigkeiten sollen zusätzlich zu dieser Langstrecken-Artilleriebatterie notwendig sein, damit daraus tatsächlich eine Multi-Domain Task Force und nicht lediglich eine Raketenartillerieeinheit wird?  7. Welche Teilfähigkeiten sollen in einer deutschen Multi-Domain Task Force organisch oder dauerhaft angebunden vorhanden sein, insbesondere in den Bereichen a) Langstreckenfeuer, b) Zielaufklärung, c) Drohnen und unbemannte Systeme, d) elektronische Kampfführung, e) Cyberoperationen, f) Weltraumunterstützung, g) Luft- und Raketenabwehr, h) Drohnenabwehr, i) Führungs- und Kommunikationssysteme, j) Logistik, Nachladen und Munitionstransport (bitte entsprechend geordnet angeben)?  8. Welche bestehenden Fähigkeitslücken der Bundeswehr erschweren nach Einschätzung der Bundesregierung derzeit ggf. den Aufbau einer glaubwürdigen deutschen Multi-Domain Task Force?  9. Welche Defizite bestehen aus Sicht der Bundesregierung derzeit ggf. bei der Fähigkeit der Bundeswehr, Ziele in großer Tiefe verlässlich zu erkennen, zu identifizieren, zu verfolgen, freizugeben, zu bekämpfen und die Wirkung anschließend zu überprüfen? 10. Welche Rolle sollen Satellitenaufklärung, signalerfassende Aufklärung, Drohnen, bemannte Luftaufklärung, bodengebundene Sensorik, maritime Sensorik und verbündete Aufklärungsdaten für die Zielkette einer deutschen Multi-Domain Task Force spielen? 11. Verfügt die Bundeswehr nach Auffassung der Bundesregierung derzeit über ausreichende eigene Sensoren, Datenverbindungen, Auswertekapazitäten und Führungsverfahren, um weitreichendes Feuer in einem zeitkritischen Einsatzumfeld eigenständig und durchhaltefähig einzusetzen? 12. Welche Abhängigkeiten bestehen beim Aufbau einer deutschen Multi- Domain Task Force von den Fähigkeiten verbündeter Staaten in den Bereichen Satellitenaufklärung, Kommunikationssatelliten, Zielaufklärung, Luftbetankung, strategische Aufklärung, elektronische Kampfführung, Cyberfähigkeiten und weitreichende Präzisionswaffen? 13. Wie bewertet die Bundesregierung die Risiken, die entstehen, wenn Deutschland zwar weitreichende Wirkmittel beschafft, aber bei Zielaufklärung, Lagebild, Datenverarbeitung, Satellitennutzung oder Führungsfähigkeit weiterhin wesentlich von Partnerstaaten abhängig bleibt? 14. Welche Rolle spielen die geplanten oder diskutierten Systeme MARS 3 beziehungsweise EuroPULS, GMARS, Typhon, Tomahawk, SM‑6, hypersonische Systeme, Joint Fire Support Missile oder vergleichbare Effektoren in den Überlegungen der Bundesregierung zu einer deutschen Multi- Domain Task Force? 15. Welche Reichweiten-, Präzisions-, Munitions- und Zielkategorien hält die Bundesregierung für erforderlich, damit eine deutsche Multi-Domain Task Force einen glaubwürdigen Beitrag zur Abschreckung und Verteidigung an der NATO-Ostflanke leisten kann? 16. Welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung aus den Fähigkeiten moderner Streitkräfte in den Bereichen weitreichendes Feuer, Drohnenkriegführung, elektronische Kampfführung, GPS-Jamming und GPS- Spoofing, Cyberoperationen, Luftverteidigung und tief gestaffelter Führung für den Aufbau einer deutschen Multi-Domain Task Force? 17. Welche Fähigkeiten zur eigenen Resilienz gegen elektronische Kampfführung, GPS-Störung, Cyberangriffe, Drohnenaufklärung, gegnerisches Counter-Battery Fire und gegnerische Luftangriffe sollen für eine deutsche Multi-Domain Task Force vorgesehen werden? 18. Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung ggf., um die Verwundbarkeit von Werfern, Führungsstellen, Munitionslagern, Sensoren und Kommunikationsknoten einer Multi-Domain Task Force zu verringern? 19. Welche Rolle sollen Künstliche Intelligenz, automatisierte Datenfusion, automatisierte Zielpriorisierung, Entscheidungsunterstützung und Mensch-Maschine-Teams in der Führungs- und Zielkette einer deutschen Multi-Domain Task Force spielen? 20. Welche Munitionsvorräte, Produktionskapazitäten, Nachladefähigkeiten und logistischen Durchhaltefähigkeiten hält die Bundesregierung für erforderlich, damit eine Multi-Domain Task Force über längere Zeiträume einsatzfähig ist? 21. Welche industriellen Engpässe sieht die Bundesregierung ggf. bei Raketenmotoren, Lenkflugkörpern, Suchköpfen, Sprengstoffen, Sensorik, Halbleitern, Kommunikationssystemen, Satellitentechnik und anderen kritischen Komponenten für Multi-Domain-Fähigkeiten? 22. Welche Stärke soll eine deutsche Multi-Domain Task Force nach Planung der Bundesregierung haben, und aus welchen konkreten Truppenteilen soll sie gebildet werden? 23. Von wem soll die deutsche Multi-Domain Task Force geführt werden, wem soll sie militärisch unmittelbar unterstellt sein, und wie soll sie sich nach Vorstellung der Bundesregierung in das organisatorische Gesamtbild der Bundeswehr einfügen? Berlin, den 17. Juni 2026 Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de ISSN 0722-8333

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