polradar

Aufbau einer deutschen Multi-Domain Task Force (Antwort zu Drs. 21/6773)

dip / drucksache 13.07.2026 · WP 21 · 21/7137 · Antwort · Original ↗

Im Graph öffnen

Text

Aufbau einer deutschen Multi-Domain Task Force (Antwort zu Drs. 21/6773) Deutscher Bundestag Drucksache 21/7137 21. Wahlperiode 13.07.2026 Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Jan Ralf Nolte, Thomas Ladzinski, Kurt Kleinschmidt und der Fraktion der AfD – Drucksache 21/6773 – Aufbau einer deutschen Multi-Domain Task Force V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r Die Landes- und Bündnisverteidigung in Europa wird zunehmend durch vernetzte Operationsführung über mehrere Dimensionen geprägt. Moderne Streitkräfte müssen Fähigkeiten in den Dimensionen Land, Luft, See, Cyber- und Informationsraum, Weltraum sowie im elektromagnetischen Spektrum so verbinden, dass Aufklärung, Führung, Wirkung und Schutz schnell, interoperabel und resilient zusammenwirken. Die Bundeswehr bezeichnet dies unter anderem als „Multi-Domain Operations“ (vgl. https://hardthoehenkurier.de/multi-d omain-operations-und-software-defined-defence/). Nach öffentlicher Fachberichterstattung plant die Bundeswehr, bis 2029 eine erste Langstrecken-Artilleriebatterie (vgl. www.hartpunkt.de/tiefer-einblick-i n-die-zukuenftige-artilleriestruktur-der-bundeswehr/) als Kern einer künftigen Multi-Domain Task Force aufzustellen. Zugleich zeigen die Erfahrungen aus dem Krieg gegen die Ukraine, dass moderne Operationsführung ohne robuste Zielaufklärung, elektronische Kampfführung, Drohnenabwehr, weltraumgestützte Dienste, geschützte Kommunikation, Munitionsbevorratung, schnelle Datenverarbeitung und interoperable Führungsstrukturen nur eingeschränkt möglich ist. Andere große Militärmächte verfügen zudem über erhebliche Fähigkeiten in den Bereichen weitreichendes Feuer, Drohnen, elektronische Kampfführung, GPS-Störung (GPS = Global Positioning System), Luftverteidigung, Cyberoperationen und tief gestaffelte Führungssysteme. V o r b e m e r k u n g d e r B u n d e s r e g i e r u n g Die Bundesregierung nimmt die Vorbemerkung der Fragesteller zur Kenntnis. Sie stimmt weder den darin enthaltenen Wertungen zu noch bestätigt sie die darin enthaltenen Feststellungen oder dargestellten Sachverhalte. Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums der Verteidigung vom 13. Juli 2026 übermittelt. Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.  1. Was versteht die Bundesregierung konkret unter einer deutschen Multi- Domain Task Force, und wie grenzt sie diese von bestehenden Strukturen des Heeres, der Luftwaffe, der Marine, des Cyber- und Informationsraums sowie des Operativen Führungskommandos der Bundeswehr ab?  2. Welche militärische Hauptaufgabe soll eine deutsche Multi-Domain Task Force im Rahmen der Landes- und Bündnisverteidigung erfüllen?  3. Ist die Bundesregierung der Auffassung, dass eine Multi-Domain Task Force vor allem als Verband für weitreichendes Feuer, als Führungs- und Wirkverbund, als NATO-Interoperabilitätsinstrument oder als eigenständiger operativer Fähigkeitsträger zu verstehen ist?  4. Welche Zielstruktur, Anfangsbefähigung und Vollbefähigung sind für eine deutsche Multi-Domain Task Force geplant, und bis wann sollen diese jeweils erreicht werden? Die Fragen 1 bis 4 werden zusammen beantwortet. Innerhalb der Bundesregierung gibt es derzeit kein abgestimmtes Konzept zu einer Multi-Domain Task Force.  5. Trifft es zu, dass die Bundeswehr bis 2029 eine erste Langstrecken- Artilleriebatterie als Kern einer künftigen Multi-Domain Task Force aufstellen will (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?  6. Wenn die Frage 5 bejaht wird, welche Fähigkeiten sollen zusätzlich zu dieser Langstrecken-Artilleriebatterie notwendig sein, damit daraus tatsächlich eine Multi-Domain Task Force und nicht lediglich eine Raketenartillerieeinheit wird? Die Fragen 5 und 6 werden zusammen beantwortet. Für 2029 ist in der Gesamtkonzeption der Ausbau der Abstandsfähigkeit vorgesehen. Als wesentliche Eingangsgröße für das Fähigkeitsprofil der Bundeswehr sehen die NATO-Fähigkeitsziele den Ausbau von weitreichenden Artilleriefähigkeiten auf der Korps-Ebene vor. Dies bildet das Fähigkeitsprofil der Bundeswehr ab. Die Annahme, diese seien Kern einer künftigen Multi-Domain Task Force, trifft nicht zu. Im Übrigen wird auf die Antwort zu den Fragen 1 bis 4 verwiesen.  7. Welche Teilfähigkeiten sollen in einer deutschen Multi-Domain Task Force organisch oder dauerhaft angebunden vorhanden sein, insbesondere in den Bereichen a) Langstreckenfeuer, b) Zielaufklärung, c) Drohnen und unbemannte Systeme, d) elektronische Kampfführung, e) Cyberoperationen, f) Weltraumunterstützung, g) Luft- und Raketenabwehr, h) Drohnenabwehr, i) Führungs- und Kommunikationssysteme, j) Logistik, Nachladen und Munitionstransport (bitte entsprechend geordnet angeben)?  8. Welche bestehenden Fähigkeitslücken der Bundeswehr erschweren nach Einschätzung der Bundesregierung derzeit gegebenenfalls den Aufbau einer glaubwürdigen deutschen Multi-Domain Task Force? Die Fragen 7 und 8 werden zusammen beantwortet. Es wird auf die Antwort zu den Fragen 1 bis 4 verwiesen.  9. Welche Defizite bestehen aus Sicht der Bundesregierung derzeit gegebenenfalls bei der Fähigkeit der Bundeswehr, Ziele in großer Tiefe verlässlich zu erkennen, zu identifizieren, zu verfolgen, freizugeben, zu bekämpfen und die Wirkung anschließend zu überprüfen? Die Fähigkeit zum weitreichenden Wirken ist als Priorität sowohl national als auch in der Allianz erkannt und deren weiterer qualitativer wie quantitativer Ausbau wird verfolgt. Dabei wird die gesamte Wirkkette von Aufklärung bis hin zur Auswertung des Wirkerfolges betrachtet und skaliert sowie die notwendigen Verfahren, Taktiken und Technik laufend aktualisiert. 10. Welche Rolle sollen Satellitenaufklärung, signalerfassende Aufklärung, Drohnen, bemannte Luftaufklärung, bodengebundene Sensorik, maritime Sensorik und verbündete Aufklärungsdaten für die Zielkette einer deutschen Multi-Domain Task Force spielen? Es wird auf die Antwort zu den Fragen 1 bis 4 verwiesen. 11. Verfügt die Bundeswehr nach Auffassung der Bundesregierung derzeit über ausreichende eigene Sensoren, Datenverbindungen, Auswertekapazitäten und Führungsverfahren, um weitreichendes Feuer in einem zeitkritischen Einsatzumfeld eigenständig und durchhaltefähig einzusetzen? Parallel zum weiteren Ausbau der in der Antwort zu Frage 9 genannten Fähigkeiten sind die unterstützenden Verfahren und Fähigkeiten analog auszubauen und zu erweitern. 12. Welche Abhängigkeiten bestehen beim Aufbau einer deutschen Multi- Domain Task Force von den Fähigkeiten verbündeter Staaten in den Bereichen Satellitenaufklärung, Kommunikationssatelliten, Zielaufklärung, Luftbetankung, strategische Aufklärung, elektronische Kampfführung, Cyberfähigkeiten und weitreichende Präzisionswaffen? Es wird auf die Antwort zu den Fragen 1 bis 4 verwiesen. 13. Wie bewertet die Bundesregierung die Risiken, die entstehen, wenn Deutschland zwar weitreichende Wirkmittel beschafft, aber bei Zielaufklärung, Lagebild, Datenverarbeitung, Satellitennutzung oder Führungsfähigkeit weiterhin wesentlich von Partnerstaaten abhängig bleibt? Der Einsatz weitreichender Wirkmittel bedarf der Betrachtung des Gesamtsystems der sogenannten Wirkkette. Die Gesamtkonzeption militärische Verteidigung hat die notwendigen Systemzusammenhänge erfasst, gesamtheitlich betrachtet sowie priorisiert. 14. Welche Rolle spielen die geplanten oder diskutierten Systeme MARS 3 beziehungsweise EuroPULS, GMARS, Typhon, Tomahawk, SM‑6, hypersonische Systeme, Joint Fire Support Missile oder vergleichbare Effektoren in den Überlegungen der Bundesregierung zu einer deutschen Multi-Domain Task Force? 15. Welche Reichweiten-, Präzisions-, Munitions- und Zielkategorien hält die Bundesregierung für erforderlich, damit eine deutsche Multi-Domain Task Force einen glaubwürdigen Beitrag zur Abschreckung und Verteidigung an der NATO-Ostflanke leisten kann? Die Fragen 14 und 15 werden zusammen beantwortet. Es wird auf die Antwort zu den Fragen 1 bis 4 verwiesen. 16. Welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung aus den Fähigkeiten moderner Streitkräfte in den Bereichen weitreichendes Feuer, Drohnenkriegführung, elektronische Kampfführung, GPS-Jamming und GPS- Spoofing, Cyberoperationen, Luftverteidigung und tief gestaffelter Führung für den Aufbau einer deutschen Multi-Domain Task Force? Es wird auf die Antwort zu den Fragen 1 bis 4 sowie das öffentlich zugängliche Dokument „Gesamtkonzeption militärische Verteidigung – Verantwortung für Europa (Militärstrategie und Plan für die Streitkräfte)“ verwiesen. 17. Welche Fähigkeiten zur eigenen Resilienz gegen elektronische Kampfführung, GPS-Störung, Cyberangriffe, Drohnenaufklärung, gegnerisches Counter-Battery Fire und gegnerische Luftangriffe sollen für eine deutsche Multi-Domain Task Force vorgesehen werden? 18. Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung gegebenenfalls, um die Verwundbarkeit von Werfern, Führungsstellen, Munitionslagern, Sensoren und Kommunikationsknoten einer Multi-Domain Task Force zu verringern? 19. Welche Rolle sollen Künstliche Intelligenz, automatisierte Datenfusion, automatisierte Zielpriorisierung, Entscheidungsunterstützung und Mensch-Maschine-Teams in der Führungs- und Zielkette einer deutschen Multi-Domain Task Force spielen? 20. Welche Munitionsvorräte, Produktionskapazitäten, Nachladefähigkeiten und logistischen Durchhaltefähigkeiten hält die Bundesregierung für erforderlich, damit eine Multi-Domain Task Force über längere Zeiträume einsatzfähig ist? Die Fragen 17 bis 20 werden zusammen beantwortet. Es wird auf die Antwort zu den Fragen 1 bis 4 verwiesen. 21. Welche industriellen Engpässe sieht die Bundesregierung gegebenenfalls bei Raketenmotoren, Lenkflugkörpern, Suchköpfen, Sprengstoffen, Sensorik, Halbleitern, Kommunikationssystemen, Satellitentechnik und anderen kritischen Komponenten für Multi-Domain-Fähigkeiten? Die Bundeswehr schließt mit der Industrie rechtlich bindende Verträge, die die Industrie verpflichtet Güter hinsichtlich Zeit, Qualität und im Kostenrahmen zu liefern. Die Unternehmen tragen dabei die Verantwortung für ihre Produktionskapazitäten und Lieferketten. 22. Welche Stärke soll eine deutsche Multi-Domain Task Force nach Planung der Bundesregierung haben, und aus welchen konkreten Truppenteilen soll sie gebildet werden? 23. Von wem soll die deutsche Multi-Domain Task Force geführt werden, wem soll sie militärisch unmittelbar unterstellt sein, und wie soll sie sich nach Vorstellung der Bundesregierung in das organisatorische Gesamtbild der Bundeswehr einfügen? Die Fragen 22 und 23 werden zusammen beantwortet. Es wird auf die Antwort zu den Fragen 1 bis 4 verwiesen. Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de ISSN 0722-8333

Relationen