Schriftliche Frage 68 von Dr. Ophelia Nick (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über den tatsächlichen bzw. geschätzten wirtschaftlichen Gesamtschaden der diesjährigen Hitze- u…
Teil von Schriftliche Fragen mit den in der Woche vom 17. August 2026 eingegangenen Antworten der Bundesregierung · Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat.
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Schriftliche Frage 68 von Dr. Ophelia Nick (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über den tatsächlichen bzw. geschätzten wirtschaftlichen Gesamtschaden der diesjährigen Hitze- u…
Frage 68 (Dr. Ophelia Nick, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über den tatsächlichen bzw. geschätzten wirtschaftlichen Gesamtschaden der diesjährigen Hitze- und Dürreperioden für die Landwirtschaft (einschließlich geschätzten Ernteeinbußen, Futtermittelknappheit, Kosten durch zugekaufte Futtermittel, zusätzlichen Gesundheitskosten Landwirtinnen und Landwirte und landwirtschaftlichen Arbeitskräften und ggf. hitzebedingte Personalausfälle, erkrankten und verendeten Tieren, zusätzlichen Wasser- und Energiekosten etwa durch überdurchschnittliche Bewässerungs-, Belüftungs-, und/oder Kühlungsbedarf), und welche Maßnahmen erachtet sie als notwendig, um den Schaden durch weitere Hitze- und Dürrewellen gering zu halten bzw. falls sie keine Erkenntnisse hat, plant sie, diese einzuholen, auszuwerten und ggf. Handlungen für die Zukunft daraus abzuleiten (www.sueddeutsche.de/bayern/duerrebayernhitze-landwirtschaft-katastrophe-ernte-li.3526197 ?reduced=true)?
Antwort der Parlamentarischen Staatssekretärin Martina Englhardt-Kopf vom 19. August 2026:
Die Bundesregierung und die zuständigen Fachbehörden werten derzeit die Auswirkungen der Hitze- und Trockenheitsperiode des Jahres 2026 aus. Da die Erntearbeiten teilweise noch andauern und belastbare betriebswirtschaftliche Analysen Zeit in Anspruch nehmen, liegen derzeit noch keine abschließenden Erkenntnisse insbesondere über den gesamtwirtschaftlichen Schaden für die Landwirtschaft vor. Die Auswirkungen der aktuellen Trockenheit unterscheiden sich regional Und nach Kulturarten erheblich. Neben der Witterung sind insbesondere Bodenbeschaffenheit, Kulturart und Sorte sowie die Verfügbarkeit von Bewässerungsmöglichkeiten für die tatsächlichen Ertragsauswirkungen maßgeblich. Nach den derzeit vorliegenden Einschätzungen sind insbesondere Sommerungen und spät abreifende Kulturen sowie das Grünland von der aktuellen Trockenheit betroffen. Besonders ausgeprägte Auswirkungen zeigen sich nach aktuellem Kenntnisstand in Teilen von Rheinland- Pfalz, Hessen, Thüringen, Sachsen-Anhalt sowie regional in Brandenburg, Sachsen und Niedersachsen und in Bayern. Eine belastbare Quantifizierung der bundesweiten Ertrags- und Ernteeinbußen ist mit Erhalt der vollständigen Daten möglich. Hinsichtlich der Futtermittelversorgung zeigen die ersten Analysen der interdisziplinären Kontaktstelle für Agrarmeteorologie (inKA; ein kooperativer Zusammenschluss zwischen dem Thünen-Institut (TI), dem Julius-Kühn-Institut (JKI) und dem Deutschen Wetterdienst (DWD)), dass die Produktivität des Grünlands in mehreren Regionen Deutschlands deutlich beeinträchtigt ist. Aus verschiedenen Regionen werden ein geringer Aufwuchs sowie geringere beziehungsweise ausbleibende Folgeaufwüchse und Schnitte berichtet. Dies führt insbesondere bei einigen Futterbaubetrieben zu einer vorzeitigen Inanspruchnahme der Winterfuttervorräte und zu einem erhöhten Zukaufbedarf führen. Die Preisentwicklung bei Futtermitteln ist nach den derzeit vorliegenden Informationen uneinheitlich. Bei einzelnen Kraftfuttermitteln sind seit Jahresbeginn Preissteigerungen zu beobachten. Auch bei einzelnen Grundfuttermitteln, insbesondere Heu und Maissilage, sind teilweise höhere Preise festzustellen. Bei anderen Grundfuttermitteln ist dagegen eine abweichende Preisentwicklung zu beobachten. Ein einheitliches, ausschließlich durch die aktuelle Dürre verursachtes Preissignal lässt sich daraus derzeit nicht ableiten. Bundesweit belastbare Erkenntnisse über hitze- oder dürrebedingte Erkrankungen und Tierverluste sowie die hierdurch entstandenen zusätzlichen tierärztlichen Kosten liegen der Bundesregierung derzeit noch nicht vor. Gleiches gilt für eine belastbare Quantifizierung von hitzebedingten Erkrankungen oder Arbeitsausfällen bei Landwirtinnen und Landwirten sowie landwirtschaftlichen Arbeitskräften. Aufgrund der hohen Temperaturen und der geringen Bodenfeuchte ist von einem erhöhten Bedarf an Bewässerung auszugehen. Darüber hinaus kann es insbesondere in der Tierhaltung zu einem erhöhten Bedarf an Belüftung und Kühlung kommen. Eine bundesweite Quantifizierung der hierdurch zusätzlich entstandenen Wasser- und Energiekosten liegt der Bundesregierung derzeit noch nicht vor. Eine belastbare Ermittlung des wirtschaftlichen Gesamtschadens ist somit erst nach Abschluss und Auswertung der Ernte sowie der weiteren betriebs- und marktbezogenen Daten möglich. Zur Verringerung der Folgen künftiger Hitze- und Dürreperioden unterstützt die Bundesregierung insbesondere Maßnahmen zur Anpassung der Landwirtschaft an den Klimawandel. Hierzu zählen Forschung und Beratung, die Weiterentwicklung trockenheits- und hitzeresilienter Kulturen und Anbauverfahren, Maßnahmen zur Verbesserung der Wassereffizienz und des Wasserrückhalts sowie die Weiterentwicklung klimaangepasster Tierhaltungsverfahren. Im Schadensfall sind nach dem Grundgesetz grundsätzlich die Länder für entsprechende Hilfsmaßnahmen zuständig. Bei außergewöhnlichen Ereignissen von nationaler Bedeutung kann sich der Bund nach Maßgabe der hierfür geltenden Voraussetzungen beteiligen. Darüber hinaus stehen Förderinstrumente der Gemeinsamen Agrarpolitik der Europäischen Union sowie weitere Instrumente des Bundes und der Länder zur Verfügung. Die Bundesregierung steht mit den Ländern, dem Deutschen Wetterdienst, den Ressortforschungseinrichtungen und Verbänden in einem ständigen Austausch über die aktuelle Situation des Dürregeschehens.
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