Rede von Jürgen Coße (SPD) – Aktuelle Stunde: Reise von Bundeskanzler Merz nach Kiew
Teil von Protokoll der 98. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages · TOP ZP 1: Aktuelle Stunde: Reise von Bundeskanzler Merz nach Kiew –.
Text
Rede von Jürgen Coße (SPD) – Aktuelle Stunde: Reise von Bundeskanzler Merz nach Kiew
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es
gibt viele Dinge, die hier besprochen worden sind; und
viele Dinge, die aus einer bestimmten Ecke kommen,
haben nichts mit der Sache zu tun.
(Lachen bei Abgeordneten der AfD – Stephan
Brandner [AfD]: Stegner war ganz gut! Jaja! –
Markus Frohnmaier [AfD]: Herr Stegner! –
Gerold Otten [AfD]: Die von Stegner zum
Beispiel!)
– Die Aufgeregtheit von Ihrer Seite zeigt ja auch, dass Sie
vielleicht Angst haben, von der deutschen Öffentlichkeit
entlarvt zu werden.
(Markus Frohnmaier [AfD]: Ach so? –
Weiterer Zuruf von der AfD: O mein Gott!)
Denn im Prinzip fehlte nur noch eines: dass Sie Putin für
den Friedensnobelpreis vorschlagen.
(Derya Türk-Nachbaur [SPD]: Kommt auch
noch! – Markus Frohnmaier [AfD]: Habt ihr
das gestern beim Bierkistenprotest
besprochen?)
– Frau Präsidentin, ich finde es immer interessant, wer
hier dazwischenlabert. Es sind immer die gleichen
Positionen, die Sie übernehmen; aber zur Sache sagen Sie
nichts.
Herr Frohnmaier, Sie sind quasi mit Russland
verheiratet.
(Lachen bei Abgeordneten der AfD – Edgar
Naujok [AfD]: Wann war denn die Hochzeit? –
Steffen Kotré [AfD]: Wieso? Er hat eine Frau!)
– Glauben Sie, das weiß ich nicht? Sie sind quasi mit
Russland verheiratet.
Und Sie kritisieren einen deutschen Bundeskanzler,
(Markus Frohnmaier [AfD]: Nee, nee, einen
ukrainischen!)
der zu demokratischen Nachbarn fährt, obwohl Sie mit
Putin im Bett liegen. Ich finde das schändlich.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD und der
CDU/CSU – Stephan Brandner [AfD]: Die
Ukraine ist kein guter Nachbar!)
Sie betreiben das Geschäft eines Diktators hier in
Deutschland. Sie sind der verlängerte Arm von Putin in
diesem deutschen Parlament.
(Markus Frohnmaier [AfD]: Ich bin kein
warmer Bruder, Kollege!)
Und die Öffentlichkeit hat das Recht, das ganz offen zu
erfahren. Sie haben nichts über die Kinder gesagt, über
die Zivilisten, die von Putins Waffen ermordet worden
sind – nichts davon in Ihrer Rede. Was ist das denn für
eine Erbärmlichkeit? Gehen Ihnen die menschlichen
Schicksale nicht nahe genug?
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten
der CDU/CSU – Markus Frohnmaier [AfD]:
Ich habe von Deutschland gesprochen! Ich
interessiere mich für die deutschen Schicksale!)
Putin führt einen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Sie
drehen das im Prinzip um und tun so, als wenn die
Ukraine die Russen angegriffen hätte.
(Stephan Brandner [AfD]: Nee! Das stimmt ja
nicht! – Markus Frohnmaier [AfD]: Stimmt
doch gar nicht! Lesen ist schwierig, ne?
Zuhören auch!)
Das stimmt nicht. Ein Angriffskrieg bedeutet, dass
derjenige, der angreift, den Krieg jetzt in dieser Sekunde
beenden kann. Er muss nur den einfachen Befehl geben:
Liebe Soldaten aus Russland, kehrt heim! Geht in eure
Kasernen! Geht dahin, wo ihr hingehört!
Und dann hätten wir wieder Frieden. Aber Sie verkehren
das ins Gegenteil. Denn Sie sind der verlängerte Arm
dieses Krieges im deutschen Parlament. Sie als AfD
sollten sich dafür schämen, liebe Kolleginnen und Kollegen.
(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der
CDU/CSU)
Lassen Sie mich noch etwas sagen. Der Vorredner hat
von „Gutmenschen“ gesprochen; ich weiß nicht, ob das
aufgefallen ist. Ich habe gedacht, die hätten gelernt.
Diesen Begriff haben Sie früher sehr häufig benutzt.
Meine Antwort darauf ist immer relativ klar: Liebe
Kolleginnen und Kollegen von ganz links bis zur CDU,
lassen Sie uns lieber gute Menschen sein als böse Menschen,
die andere Leute nur verhetzen
(Dr. Anna Rathert [AfD]: Na, dann fangen Sie
doch am besten gleich mal an damit! – Zuruf
des Abg. Gerold Otten [AfD])
und Kriege gegen andere Menschen unterstützen! Das ist
nicht der Geist des Deutschlands, in dem ich leben will.
Wir wollen nicht in dem Deutschland leben, das die AfD
will, liebe Kolleginnen und Kollegen.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten
der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE
GRÜNEN – Zuruf des Abg. Stephan Brandner
[AfD])
Dann ist über Patriotismus gesprochen worden. Ich
zitiere – das habe ich hier an dieser Stelle schon mal
gemacht – Johannes Rau: Ein Patriot ist jemand, der
sein Vaterland liebt, ein Nationalist ist jemand, der die
Vaterländer der anderen hasst. – Und genau das kommt
permanent von Ihrer Seite.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten
der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE
GRÜNEN – Markus Frohnmaier [AfD]: Sie
hassen Deutschland! – Stephan Brandner
[AfD]: Singen Sie doch jetzt einfach mal die
Hymne da vorne! – Weiterer Zuruf des Abg.
Markus Frohnmaier [AfD])
Und wenn das Selbstbestimmungsrecht der Völker
einen Wert haben soll, dann müssen wir bereit sein, es zu
verteidigen. Und wenn die Ukrainerinnen und Ukrainer
in ihrer Selbstbestimmung entschieden haben, dass sie
Ukrainerinnen und Ukrainer in einem demokratischen
Land sein wollen, dann müssen wir als demokratischer
Nachbar – nicht nur in Europa, sondern auch weit darüber
hinaus – an der Seite dieser Menschen stehen; denn
ansonsten ist auch unsere Demokratie hier in Deutschland
gefährdet, liebe Kolleginnen und Kollegen.
(Gerold Otten [AfD]: Das ist doch eine
Legende! – Uwe Schulz [AfD]: Das ist sie schon
durch Sie!)
Dann vielleicht noch ein Punkt, der anzumerken ist:
Sprache sagt etwas über den Geist von Menschen aus.
(Stephan Brandner [AfD]: Das dokumentiert
Herr Stegner jeden Tag!)
Und wer sich einer bestimmten Sprache bedient und sie
benutzt, der muss aufpassen, dass aus einer
Einstellungsebene nicht eines Tages eine Handlungsebene wird.
(Zurufe der Abg. Carolin Bachmann [AfD]
und Steffen Kotré [AfD])
Wer also hetzt, andere Leute beleidigt, von
„Remigration“ schwafelt,
der befindet sich auf einer sprachlichen Ebene, die nach
meiner Auffassung ganz klar einer faschistischen
Ideologie dient.
(Markus Frohnmaier [AfD]: Wir sprechen über
die Ukraine! – Zuruf der Abg. Dr. Anna
Rathert [AfD])
Und das dürfen wir, liebe Kolleginnen und Kollegen, in
diesem Deutschen Bundestag nie zulassen.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten
der CDU/CSU und des Abg. Robin Wagener
[BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Abschließende Bemerkung. Das mit der AfD ist so
eine Sache.
(Zurufe von der AfD: Ja! – Steffen Kotré
[AfD]: Zweifach! 44 Prozent!)
Und ich kann alle, die jetzt zuhören und zusehen, nur
bitten: Es ist wirklich Zeit, in eine demokratische Partei
einzutreten,
(Stephan Brandner [AfD]: Ja, die AfD! –
Weiterer Zuruf von der AfD: Machen Sie mit!
Holen Sie sich Ihr Land zurück!)
damit wir diesem braunen Spuk bald ein Ende bereiten
können.
Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten
der CDU/CSU)
Relationen
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