Rede von Caroline Bosbach (CDU/CSU) – Vereinbarte Debatte
Teil von Protokoll der 98. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages · TOP 3: Vereinbarte Debatte:.
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Rede von Caroline Bosbach (CDU/CSU) – Vereinbarte Debatte
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kollegen! Sehr
geehrter Herr Botschafter! Der 7. Oktober war ein Tag
des Grauens, und er ist auch der Moment, seit dem Hass,
Terrorfantasien und Antisemitismus auch bei uns wieder
offen gezeigt werden. Ich möchte in einem Land leben,
das vor den Ursachen dieser Entwicklung nicht mehr die
Augen verschließt.
Ich habe in Israel die Überreste dessen gesehen, was
sich hinter diesen sehr abstrakten Worten „7. Oktober“
verbirgt. Ich habe auf dem blutgetränkten Gelände des
Nova-Musikfestivals gestanden, wo so viele junge,
unschuldige Menschen ihren Schlächtern in die Hände
gefallen sind. Ich war im Süden, in Nahal Oz, in den Resten
der Militärbasis, wo junge Frauen vor den Augen ihrer
Kolleginnen und Freundinnen erst brutal vergewaltigt,
dann massakriert und ermordet worden sind. Es gibt
kein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, das dem
Islamismus fremd ist. Und all dieser Opfer gedenken wir
heute. Ich empfehle einen solchen Besuch in Israel
jedem, der auch nur ansatzweise darüber nachdenkt, hier
in Deutschland Seite an Seite mit Islamisten zu
demonstrieren, zu relativieren und Terrororganisationen völlig
unverhohlen und verlogen als Widerstandskämpfer zu
bezeichnen.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der AfD und der Abg. Marja-Liisa
Völlers [SPD])
Ich sage Ihnen: Diese Narrative halten sich. Es kommt
ganz oft dieser Satz: Man wird Israel ja noch kritisieren
dürfen. – Darf man, natürlich. Aber was hat das mit Kritik
an Israel zu tun, wenn Synagogen in Brand gesteckt
werden, Menschen attackiert, bespuckt und beleidigt werden,
auf unseren Straßen? Was ist das für Kritik an Israel, die
Schlächtereien des 7. Oktober mit Musik, Tanz und
Süßigkeiten zu feiern, hier bei uns? Diese Bilder aus
Neukölln sind um die Welt gegangen, und es ist eine Schande.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der AfD und der SPD)
Ich habe wirklich Sorge, dass sich inzwischen auch
große Teile der Gesellschaft an diese Bilder gewöhnt
haben. Das ist für mich der einzige Grund, den ich mir
selber erklären kann, warum diese übergreifende
langanhaltende Empörung über diese Zustände ausbleibt,
man sich aber lieber über diejenigen echauffiert, die
genau diese Zustände ansprechen und beklagen.
Jetzt haben wir zum Glück einen Bundesinnenminister,
der sich dem Kampf gegen den islamistischen
Terrorismus von Tag eins an verschrieben hat.
(Zuruf der Abg. Agnieszka Brugger [BÜND-
NIS 90/DIE GRÜNEN])
Es wird nur kein Gesetz dieser Welt einen
gesellschaftlichen und politischen Schulterschluss, den wir brauchen –
in diesem Fall gegen Antisemitismus –, ersetzen können.
Wir haben eben von Frau Köktürk gehört, was da passiert
ist. Aber die hat es ganz offen gemacht; da weißt du,
woran du bist.
Ich fand andere Aussagen viel dramatischer. Es hieß
letzte Woche noch beispielhaft in Bezug auf die
Wahlparty der Linken in Neukölln – nicht nur mit Vertretern
der Organisierten Kriminalität, sondern auch explizit mit
Sympathisanten des Hamasterrors von links außen, so
nach dem Motto „Warum regt ihr euch denn alle so
auf?“ –, und jetzt zitiere ich: Bei der Wahlparty sind ja
keine Straftaten verübt worden. – Das ist alles so wild.
Mit dieser Begründung sollten Sie nicht mal ein Problem
mit der AfD haben. Auf deren Wahlparty sind meines
Wissens auch keine Straftaten verübt worden. Ich habe
schon so viele skurrile Begründungen gehört.
Gucken Sie sich lieber gut an, was hier passiert!
Stampfen Sie diese unerträglichen Verklärungsfantasien
ein! Das sind Sie unserem Land schuldig und allen, die
hier leben: Christen, Juden und Muslime, die übrigens
nach Deutschland geflohen sind vor den Terroristen,
deren Sympathisanten sie jetzt hier wieder
gegenüberstehen müssen. Das kannst du keinem erklären. Und seien
Sie sich gewiss, dass wir unser Land, unsere Straßen dem
Judenhass und dem Terror nicht überlassen werden.
Danke.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der SPD)
Relationen
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