Rede von Dr. Ottilie Klein (CDU/CSU) – Aktuelle Stunde: Zäsur in Sachsen-Anhalt – Nicht zur
Teil von Protokoll der 100. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages · TOP ZP 12: Aktuelle Stunde: Zäsur in Sachsen-Anhalt – Nicht zur.
Text
Rede von Dr. Ottilie Klein (CDU/CSU) – Aktuelle Stunde: Zäsur in Sachsen-Anhalt – Nicht zur
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und
Kollegen! Der 6. September 2026 ist eine Zäsur für
Sachsen-Anhalt und für unser gesamtes Land. Zum ersten Mal
seit dem Ende des Nationalsozialismus ist eine
rechtsextreme Partei kurz davor, an die Schalthebel der Macht
zu kommen. Die Folgen sind noch nicht in Gänze
absehbar; aber schon jetzt werfen Personalien und Programm
düstere Schatten voraus.
(Dr. Bernd Baumann [AfD]: Du lieber Gott! –
Dr. Rainer Rothfuß [AfD]: Elon Musk hat
schon Investitionen angemeldet!)
Das ist schon vorgestern deutlich geworden, als wir hier
in der Kulturpolitik über die Pläne der AfD zur
Gedenkkultur debattiert haben. Und wir haben ja auch gerade
über die Bedeutung der Gedenkkultur gesprochen, in
der Debatte zum Massaker von Babyn Jar.
(Dr. Bernd Baumann [AfD]: In diese Ecke
stellen Sie uns, die CDU! – Martin Reichardt
[AfD]: Es gibt aber auch noch anständige
Menschen in der CDU! Ich kenne welche!)
Es ist zu befürchten, dass die Mittel für
Gedenkstättenbesuche in Sachsen-Anhalt künftig gestrichen werden.
Stattdessen sollen Burgen und Denkmäler ein positiveres
Geschichtsbild abliefern.
(Dr. Bernd Baumann [AfD]: Hat die alte CDU
auch gemacht, als sie noch groß war!)
Die AfD versucht, ein Deutschlandbild zu vermitteln,
das sich eher an einer gefühlten historischen Größe
berauscht, als sich wirklich mit den Höhen und Tiefen
unserer Geschichte auseinanderzusetzen.
Da muss man schon mal die Frage stellen: Wie wenig hält
die AfD eigentlich von unserem heutigen Land und ihren
Bürgerinnen und Bürgern mit all ihrem Einsatz und
Engagement für unsere Gesellschaft, dass sie eine
idealisierte und schön gefärbte Vergangenheit braucht, um
stolz zu sein auf dieses Land?
(Dr. Bernd Baumann [AfD]: Das ist doch
Quatsch!)
Sie sehnt sich nach einer Vergangenheit, die den
Zivilisationsbruch des Holocaust, die Verbrechen der beiden
deutschen Diktaturen, das Leid der Menschen, das
Unrecht und die Gewalt im Nationalsozialismus und in der
kommunistischen Diktatur ausblendet,
(Dr. Bernd Baumann [AfD]: Das ist doch
Quatsch! – Dr. Rainer Rothfuß [AfD]: Das
macht kein Mensch! Wir hassen
Nationalsozialisten!)
eine Vergangenheit, die alles Unpassende auslässt, eine
Vergangenheitsdeutung, die Kunst und Designstile wie
das Bauhaus als – Zitat – „undeutsch“ geltend machen
will.
(Martin Reichardt [AfD]: Wen haben Sie denn
da zitiert?)
Liebe Kolleginnen und Kollegen, mit diesem
Geschichtsbild widerspricht die AfD den Werten und
Errungenschaften, auf denen die Bundesrepublik aufgebaut ist,
Werten wie Verantwortungsbewusstsein, Anstand,
(Dr. Rainer Rothfuß [AfD]: Es ist nicht
anständig, dass Sie uns das vorwerfen!)
Demut vor unserer Geschichte – im besten Sinne
bürgerliche Werte, auf die unser Land und seine Bürger heute zu
Recht stolz sein können.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der SPD – Martin Reichardt [AfD]:
Sagen Ihnen eigentlich die Namen „Globke“ und
„Filbinger“ was?)
Auch vor diesem Hintergrund ist der Wahlerfolg der
AfD in Sachsen-Anhalt ein tiefer Bruch mit unserer
jüngeren Vergangenheit, mit Errungenschaften unserer
Gesellschaft, die wir, ja, zu lange für selbstverständlich
gehalten haben. Da gibt es auch nichts schön zu reden.
Wir werden uns intensiv mit der Frage auseinandersetzen
müssen, welche Konsequenzen daraus zu ziehen sind – in
der politischen Mitte, in der Gesellschaft und darüber
hinaus.
Aber darum geht es der Linkspartei hier gar nicht; das
hat der letzte Redebeitrag ja sehr plastisch zum Ausdruck
gebracht, ein Beitrag voller wüster Unterstellungen und
unbewiesener Behauptungen. Ich kann ja verstehen, dass
die SED-Nachfolgepartei so ihre Schwierigkeiten hat mit
dem Konzept der geheimen Wahlen. Aber in der
Bundesrepublik sind Wahlen tatsächlich geheim. Und
unabhängig davon, welche Glaskugeln, Wünschelruten und
Teesätze Sie zurate ziehen, auf welche vermeintlich sicheren
Quellen und Enthüllungen Sie sich auf X, Tiktok und Co
beziehen, mit wie viel Pathos Sie schreiben, reden und
posten
(Katharina Dröge [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN]: Das ist unter aller Würde! Peinlich!)
und wie sehr Sie Ihre eigenen Behauptungen gerne selber
glauben wollen: Das ändert nichts an der Sachlage.
Für uns als CDU ist die Frage einer Zusammenarbeit
mit politischen Extremen sowieso klar. Wir sind sogar die
einzige Partei, die einen Unvereinbarkeitsbeschluss in
Bezug auf die AfD hat.
Denn für uns ist völlig eindeutig: Extreme bleiben
Extreme, egal ob von rechts oder von links.
(Beifall bei der CDU/CSU – Felix Banaszak
[BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ihr redet
euch das alles ein und lasst euch von denen
plattmachen! – Zurufe von der Linken)
Wissen Sie, was mich an dieser Debatte wirklich
ärgert – das ist gestern schon zum Ausdruck gekommen, als
wir über Berlin gesprochen haben –: dass man, wenn es
nach der Linkspartei geht, offenbar wegen Sachsen-
Anhalt jetzt nicht mehr über Berlin sprechen soll. Sie
glauben ja wohl nicht, dass wir schulterzuckend hinnehmen,
dass SPD und Grüne seit gestern Verhandlungen über
eine Regierungszusammenarbeit mit der extremen
Linken aufgenommen haben,
(Sepp Müller [CDU/CSU]: Ja! – Dr. Rainer
Rothfuß [AfD]: Das würde die CDU auch
sofort machen!)
mit einer Partei, die Antisemiten, Linksextremisten und
Freunden von Terrorunterstützern und kriminellen Clans
ein politisches Zuhause bietet, einer Partei, die sich vom
demokratischen Grundkonsens unseres Landes weit
entfernt hat.
(Beifall bei der CDU/CSU – Zuruf der Abg.
Ines Schwerdtner [Die Linke])
Diesen Gefallen werden wir Ihnen nicht tun.
Die Tatsache, dass SPD und Grüne der extremen
Linkspartei den Schlüssel zum Roten Rathaus geben
wollen, obwohl eine Koalition der Mitte möglich wäre, ist
und bleibt ein Tabubruch. Wir lassen uns hier auch keine
Nachhilfestunde in Demokratie geben, ganz besonders
nicht von der SED-Nachfolgepartei.
Vielen Dank.
(Beifall bei der CDU/CSU – Zurufe von der
Linken)
Relationen
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