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Frühkindliche Sprach- und Leseförderung ab dem ersten Lebensjahr bundesweit sichern - Programm "Lesestart 1-2-3" verlängern und ausbauen

dip / drucksache 13.10.2026 · WP 21 · 21/8561 · Antrag · Original ↗

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Frühkindliche Sprach- und Leseförderung ab dem ersten Lebensjahr bundesweit sichern - Programm "Lesestart 1-2-3" verlängern und ausbauen Deutscher Bundestag Drucksache 21/8561 21. Wahlperiode 13.10.2026 Antrag der Abgeordneten Dr. Anna Rathert, Martin Reichardt, Sebastian Maack, Gereon Bollmann, Dr. Götz Frömming, Birgit Bessin, Kerstin Przygodda, Angela Rudzka, Christian Zaum, Nicole Höchst, Beatrix von Storch, Jan Feser, Tobias Ebenberger, Martina Kempf, Claudia Weiss, Otto Strauß, Lukas Rehm, Johann Martel, Alexander Arpaschi, Carolin Bachmann, Dr. Christoph Birghan Dr. Christina Baum, Adam Balten, Joachim Bloch, Dr. Michael Blos, René Bochmann, Marcus Bühl, Thomas Dietz, Boris Gamanov, Alexis L. Giersch, Dr. Ingo Hahn, Stefan Henze, Kurt Kleinschmidt, Heinrich Koch, Achim Köhler, Jörn König, Reinhard Mixl, Tobias Matthais Peterka, Arne Raue, Lars Schieske, Georg Schroeter, Thomas Stephan, Martina Uhr, Jörg Zirwes und der Fraktion der AfD Frühkindliche Sprach- und Leseförderung ab dem ersten Lebensjahr bundesweit sichern – Programm „Lesestart 1–2–3“ verlängern und ausbauen Der Bundestag wolle beschließen: I. Der Deutsche Bundestag stellt fest: Das bundesweite Programm „Lesestart 1-2-3“ fördert seit Jahren erfolgreich die frühe Sprach- und Lesesozialisation. Im Rahmen des Programmes werden Buchgeschenke und mehrsprachige Broschüren zum Vorlesen in „Lesestarttaschen“ in teilnehmenden Bibliotheken und Kinderarztpraxen (im Rahmen der U6- und U7- Vorsorgeeuntersuchungen) an Eltern mit Kindern zwischen einem und drei Jahren verteilt. Seit 2011 erfolgt die Umsetzung von „Lesestart 1-2-3“ durch die Stiftung Lesen mit Unterstützung des Bundesbildungsministeriums. Durch eine Ausweitung des Programmes können von Winter 2024 bis Ende 2026 mehr Eltern erreicht werden. Bundesministerin Prien hat beschlossen das Programm „Lesestart 1-2-3“ zum Ende des Jahres auslaufen zu lassen. Seit 2011 belief sich die Förderung des Programmes auf 43,8 Millionen Euro. Im Jahr 2024 wurde eine Förderung von 4,1 Millionen Euro gewehrt und im Jahr 2025 waren dies 3,8 Millionen Euro.1 Bibliotheken sind ein zentraler Partner des Lesestart-Programmes und werden mit den Lesestartsets für Kinder ab drei Jahren ausgestattet. 2025 wurden rund 5.500 Bibliotheken mit insgesamt 750.000 Lesestartsets versorgt. Evaluationsergebnisse des Programmes „Lesestart 1-2-3“ zeigen, dass Bibliotheken durch die Teilnahme am Programm mehr Familien erreichen und ihr Bibliotheksangebot 1 Vgl. Gebt den Kindern ihre Bücher, in: Süddeutsche Zeitung, 30. Juni 2026, S. 10 und https://www.lese- start.de/, zuletzt aufgerufen am: 01. Juli 2026 V orabfassung – w ird durch die lektorierte Fassung ersetzt. bekannter machen können. Damit können mehr potenzielle Nutzer angesprochen und für Bibliotheken begeistert werden.2 Der nationale Bildungsbericht3 „Bildung in Deutschland 2026“ weist anhaltend starke herkunftsbedingte Ungleichheiten im deutschen Bildungssystem aus, die sich bereits vor dem Schulbesuch entwickeln. Frühkindliche Bildung ist ein entscheidender Hebel. Die Rolle der Eltern in der frühkindlichen Bildung ist zu betonen. Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund sind von dieser Problematik besonders betroffen. Der nationale Bildungsbericht sowie begleitende Stellungnahmen betonen den Handlungsbedarf im Bereich der frühen (sprachlichen) Bildung.4 In der frühkindlichen Bildung für Kinder unter drei Jahren bestehen nach wie vor Teilhabelücken. Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund sind in der Kindertagesbetreuung und der frühen Förderung unterrepräsentiert. Der frühe Erwerb der deutschen Sprache ist für Bildungserfolg und eine gelingende Integration ausschlaggebend.5 In der aktuellen UNICEF-Studie zum Wohlbefinden von Kindern6 zeigt sich, dass sich eine mangelhafte frühkindliche Bildung und fehlende Lesekompetenz in den Bildungsbiografien von Kindern und Jugendlichen fortsetzen. Die Studie zeigt auf, dass nur 60% der Fünfzehnjährigen die Mindestkompetenz in Lesen und Mathematik erreichen. Im Gesamtvergleich akademischer und sozialer Kompetenzen belegt Deutschland Platz 34 von 41. Der Abstand zwischen Kindern aus sozioökonomisch benachteiligten und privilegierten (bildungsnahen) Familien ist in Deutschland besonders groß. Kinder aus benachteiligten Familien erreichen nur zu 46% die grundlegenden Kompetenzen, bei den bildungsnahen Familien sind dies 90%.7 Fachverbände kritisieren das geplante Auslaufen des Programmes „Lesestart 1-2- 3“ zum Ende des Jahres 2026 und fordern eine Fortsetzung. Eine weitere Verstetigung würde Planungs- und Versorgungssicherheit für alle Programmbeteiligten schaffen und erfolgreiche Strukturen zwischen Kinderärzten, Bibliotheken und Familien erhalten. Gleichzeitig prägen frühe Begegnungen mit Büchern, Geschichten und Sprache die Bildungswege von Kindern und erhöhen deren Chancen für eine gute Bildung.8 2 Vgl. Pressemitteilung Stiftung Lesen: Neue Runde für Lesestart 1-2-3 in Bibliotheken, 2025, https://www.stiftunglesen.de/fileadmin/Presse/PM-2025/1029/2910_PM_Lesestart_Bibliothe- ken.pdf, zuletzt aufgerufen am: 02. Juli 2026 3 Siehe https://www.bildungsbericht.de/de/bildungsberichte-seit-2006/bildungsbericht-2026/pdf-dateien- 2026/bildung_in_deutschland_2026_web.pdf, zuletzt aufgerufen am: 02. Juli 2026 4 Vgl. Pressemitteilung Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation (DIPF): Viele Reformen, wenig Fortschritt – das Bildungssystem ist blockiert, 2026, https://www.dipf.de/de/dipf-aktuell/pressemitteilungen/viele-reformen-wenig-fortschritt-das- bildungssystem-ist-blockiert, zuletzt aufgerufen am: 02. Juli 2026 5 Vgl. Bildung in Deutschland kompakt 2026 – zentrale Befunde des Bildungsberichts, 2026, S. 3 und 5-6; 15-18, https://www.bildungsbericht.de/de/bildungsberichte-seit-2006/bildungsbericht- 2026/pdf-dateien-2026/bildung_in_deutschland_2026_kompakt_web.pdf, zuletzt aufgerufen am: 02. Juli 2026 6 Siehe https://www.unicef.org/innocenti/media/8521/file/UNICEF-Innocenti-Report-Card-20-2026.pdf, zuletzt aufgerufen am: 02. Juli 2026 7 Vgl. Pressemitteilung UNICEF: UNICEF-Studie zum Wohlbefinden von Kindern: Deutschland schneidet erneut unterdurchschnittlich ab, 2026, https://www.unicef.de/informieren/aktuelles/presse/- /unicef-studie-kindeswohl-2026/397376, zuletzt aufgerufen am: 02. Juli 2026 8 Vgl. Programm „Lesestart 1-2-3“ soll auslaufen – Kritik von Verbänden, in: Börsenblatt, 17. Juni 2026, https://www.boersenblatt.net/home/programm-lesestart-1-2-3-soll-auslaufen-kritik-von-verba- enden-426973, zuletzt aufgerufen am: 02. Juli 2026. Beispielhaft steht hierfür auch die Äußerung eines Berliner Kinderarztes in der Süddeutschen Zeitung: „Wir sehen gerade bei bildungsfernen Familien, dass das Buch, das wir verteilen, häufig das erste Buch des Kindes ist. Hier nochmal darauf hinzuweisen, wie wichtig Vorlesen und aktive Sprache für die Entwicklung des Kindes sind, ist für manche Eltern überraschend und spornt häufig an, genau mit dieser Förderung zu beginnen. Aber auch bildungsnahe Haushalte profitieren […], da auch hier das Vorlesen manchmal zugunsten von digitalen Medien verloren geht.“ Zitiert aus: Gebt den Kindern ihre Bücher, in: Süddeutsche Zeitung, 30. Juni 2026, S. 10 V orabfassung – w ird durch die lektorierte Fassung ersetzt. II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf, 1. das Programm „Lesestart 1-2-3“ ab dem 1. Januar 2027 für mindestens fünf weitere Jahre (2027 – 2031) fortzuführen oder ein in Ziel, Umfang und Qualität mindestens gleichwertiges Nachfolgeprogramm aufzulegen; 2. das Programm so zu gestalten, dass die bestehende Ausgabestruktur (U6-/U7- Vorsorge in Praxen, Dreijährige in Bibliotheken) beibehalten wird, sich die Ausgabe der Sets an der Kohortengröße orientiert (mindestens 750.000 Sets/Jahr) und die Kooperation mit den bisherigen Programmpartnern (Stiftung Lesen, Deutscher Bibliotheksverband, Kinder- und Jugendärzte) beibehalten und ausreichend finanziert wird; 3. im Rahmen des Programmes mehrsprachige Elternmaterialien und niedrigschwellige Zugangswege auszubauen, den Schwerpunkt auf den frühzeitigen Erwerb der deutschen Sprache zu legen (z.B. durch Vorleseimpulse im Alltag, Elternsprechstunden, mehrsprachige Hinweise – aber deutschsprachige Kernmaterialien) und somit Familien mit Migrationshintergrund prioritär zu adressieren; 4. Kommunen dabei zu unterstützen den Bibliotheken die Ausgestaltung des Programmes „Lesestart 1-2-3“ zu ermöglichen indem beispielsweise Fortbildungs- und Begleitangebote (Vorleseformate, Elternansprache, Medienkompetenz) vorgesehen werden, um somit Reichweite und Wirksamkeit insbesondere in strukturschwachen und ländlichen Räumen zu erhöhen; 5. eine unabhängige wissenschaftliche Evaluation zum Programm bis zum 31. Dezember 2029 vorzulegen (Zwischenbericht bis 31. Dezember 2028), welche die Wirkung auf Vorleseverhalten, sprachliche Frühförderindikatoren und Nutzung von Bibliotheken differenziert nach Soziallage und Migrationshintergrund analysiert; über die Ergebnisse ist dem Deutschen Bundestag Bericht zu erstatten. Berlin, den 13. Oktober 2026 Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion V orabfassung – w ird durch die lektorierte Fassung ersetzt. Begründung Das Programm „Lesestart 1-2-3“ verbindet bewährte und alltagsnahe Zugänge zu Familien: die kinderärztlichen Vorsorgeuntersuchungen sowie die Infrastruktur öffentlicher Bibliotheken. Damit erreicht das Programm Familien genau in der frühkindlichen und für frühe Bildung sensiblen Phase von eins bis drei Jahren und schafft damit positive Erstkontakte zum Vorlesen und trägt zum Spracherwerb bei. Eine Weiterführung ab 2027 sichert die Versorgung der Programmbeteiligten (derzeit ca. 750.000 Sets/Jahr, ca. 5.500 Bibliotheken, ca. 6.000 Arztpraxen), vermeidet Brüche und stabilisiert erfolgreiche Partnerschaften.9 Der nationale Bildungsbericht 2026 bestätigt, dass Bildungsungleichheiten „ab Geburt“ entstehen und vor dem Schuleintritt gezielt adressiert werden müssen. Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund sind in der frühen Bildung unterrepräsentiert. Zugleich ist der frühe Erwerb der deutschen Sprache zentral für eine gelungene Integration und eine erfolgreiche Schulbiografie. Das Programm „Lesestart 1-2-3“ setzt genau dort an: durch niedrigschwellige, mehrsprachig unterstütze Elternansprache bei zugleich klarer Fokussierung auf den deutschen Spracherwerb und deutsch als Bildungssprache.10 Der Vorlesemonitor 2024 zeigt auf, dass das Vorlesen einer der wichtigsten Impulse in der frühen Kindheit ist und sich positiv auf die weitere Bildungsbiografie von Kindern auswirkt. Vorlesen fördert die sprachliche Entwicklung von Kindern. Damit fördert es den Zugang zum späteren eigenen Lesen der Kinder und ist Grundlage für den schulischen Erfolg in den meisten Schulfächern. Vorlesen fördert weiterhin die Entwicklung von Persönlichkeit und der sozio-emotionalen Kompetenzen der Kinder, denen regelmäßig vorgelesen wird. Damit steigern sich deren langfristige Bildungschancen.11 Die Bundesregierung hat sich im Koalitionsvertrag drauf festgelegt die frühkindliche Bildung sowie Bildungsübergänge zu stärken, um Kindern die Ausnutzung ihres Potenzials unabhängig von der Herkunft zu ermöglichen.12 Zur Veröffentlichung des nationalen Bildungsberichtes 2026 stellte Bundesministerin Prien noch fest, dass frühe Entwicklungs- und Bildungschancen enorm wichtig für den weiteren Bildungsweg sind. Und dass gute Bildung lange vor der Schule beginnt. Und nun kündigt sie das Auslaufen des Programmes „Lesestart 1-2-3“ an. Vor dem Hintergrund der deutschen Bildungsmisere ist dies laut Fachleuten ein verheerendes Signal.13 Dies ist ein widersprüchliches Handeln der Bundesministerin und damit der Bundesregierung, die eigentlich frühkindliche Bildung stärken wollten. Von daher ist eine Fortführung bzw. anderweitige Neuauflage des Programmes „Lesestart 1-2-3“ fachlich und bildungspolitisch geboten. 9 Vgl. Pressemitteilung Stiftung Lesen: Neue Runde für Lesestart 1-2-3 in Bibliotheken, 2026, https://www.stiftunglesen.de/fileadmin/Presse/PM-2025/1029/2910_PM_Lesestart_Bibliothe- ken.pdf, zuletzt aufgerufen am: 02. Juli 2026 10 Vgl. Pressemitteilung Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation (DIPF): Viele Reformen, wenig Fortschritt – das Bildungssystem ist blockiert, 2026, https://www.dipf.de/de/dipf-aktuell/pressemitteilungen/viele-reformen-wenig-fortschritt-das- bildungssystem-ist-blockiert, zuletzt aufgerufen am: 02. Juli 2026 11 Vgl. Stiftung Lesen: Präsentation Vorlesen schafft Zukunft: Vorlesemonitor 2024, 2024, S. 2, https://www.stiftunglesen.de/fileadmin/PDFs/Vorlesestudie/Stiftung_Lesen_Vorlesemoni- tor2024.pdf, zuletzt aufgerufen am: 02. Juli 2026 12 Vgl. Verantwortung für Deutschland: Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD, 21. Legislaturperiode, S. 71, Zeile 2301-2304, https://www.koalitionsvertrag2025.de/sites/www.koalitions- vertrag2025.de/files/koav_2025.pdf, zuletzt aufgerufen am: 02. Juli 2026 13 Vgl. Gebt den Kindern ihre Bücher, in: Süddeutsche Zeitung, 30. Juni 2026, S. 10 V orabfassung – w ird durch die lektorierte Fassung ersetzt.

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