Rede von Ernst Burgbacher (FDP) – Brähmig, Jürgen Klimke, Dr. Hans-Peter
Teil von Protokoll der 88. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP 16 a und 16 b: Brähmig, Jürgen Klimke, Dr. Hans-Peter.
Text
Rede von Ernst Burgbacher (FDP) – Brähmig, Jürgen Klimke, Dr. Hans-Peter
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen! Liebe
Kollegen! Lieber Kollege Klimke, nach Ihrer Rede lege ich
mein Manuskript zur Seite, weil ich fast alles
unterschreiben kann, was Sie gesagt haben.
(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU sowie
bei Abgeordneten der SPD – Iris Gleicke
[SPD]: Aber! Jetzt kommt es!)
Sie haben ja völlig recht: Natürlich bietet die
Entwicklung von Tourismus hervorragende Chancen für
Entwicklungsländer. Da können wir eine ganze Menge tun.
Viele der Forderungen, die wir diesbezüglich erheben
müssen, sind berechtigt. Das gilt übrigens für die
Forderungen in Ihrem Antrag wie für die im Antrag der
Grünen. Viele können wir unterschreiben. Die Beratungen
im Ausschuss werden, wie ich denke, zeigen, dass an
vielen Punkten absoluter Konsens besteht.
Ich stehe genauso wie Sie dazu, dass es sinnvoll ist,
den Tourismus in unterentwickelten Ländern
weiterzuentwickeln. Das ist für viele dieser Länder heute fast die
einzige Chance. Bei der Frage, wer die Chancen nutzen
soll und wer das Geld ins Land bringen soll, gehen
unsere Meinungen allerdings ein wenig auseinander.
Hierzu finde ich in den Anträgen keine Aussage.
Ich möchte einmal einen Passus aus dem Antrag der
Koalitionsfraktionen zitieren. Da heißt es:
Weitere negative ökologische Auswirkungen
resultieren aus der auch durch den Anstieg des
Ferntourismus erfolgten starken Zunahme des
Flugverkehrs. Die Verringerung der Emissionen durch eine
deutlich verbesserte Energieeffizienz der
Triebwerke und die erhöhten Transportkapazitäten der
Flugzeuge in den kommenden Jahren wird durch
die weitere Zunahme des Flugverkehrs
überkompensiert.
Das war es. So steht es wörtlich in Ihrem Antrag. Aber
mehr steht nicht drin. Was wollen Sie jetzt eigentlich?
(Carl-Ludwig Thiele [FDP]: Hört! Hört! Gute
Frage!)
Wollen Sie den Tourismus ausbauen? Man kommt weder
mit dem Fahrrad noch mit dem Paddelboot in diese
Länder. Natürlich muss man fliegen. Dann sollte man aber
auch dazu stehen (Beifall des Abg. Carl-Ludwig Thiele [FDP])
und nicht so tun, als könnte man das irgendwie
vereinbaren und durch irgendwelche Zaubereien alle Ziele
erreichen. Das geht nicht.
Das sollte man auch sehr deutlich sagen.
Vor diesem Hintergrund haben wir die ganze
Diskussion im Umfeld der ITB nicht verstanden: Plötzlich
kamen jeden Tag zwei, drei selbst ernannte Spezialisten
– einige übrigens auch von Ihrer Seite – und haben
gesagt: Wunderbar, dann sollen eben mehr Leute in
Deutschland bleiben. Wie Sie das mit den Forderungen
Ihres Antrags zusammenbringen wollen, würde mich
schon sehr interessieren. Man sollte also ehrlich die
entsprechende Position vertreten: Damit das, was in den
Anträgen steht, umgesetzt werden kann, müssen die
Menschen noch mehr fliegen. Das ist eine Tatsache.
Das Zweite – auch Sie haben darauf hingewiesen –:
Man sollte nicht so tun, als gebe es eine heile Welt, die
man am besten dadurch schützt, dass man sie unberührt
lässt. Man sollte übrigens auch nicht so tun, als könnten
wir von hier aus sagen, wie es richtig geht. Auch das ist
eine Position, die ich einfach nicht nachvollziehen kann.
Wir verdienen in Deutschland eine ganze Menge Geld
im Tourismus. Gerade wir Mitglieder des
Tourismusausschusses betonen immer wieder, dass Tourismus einer
der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren ist. Wir betonen die
Zahlen der Arbeitsplätze und die 8 Prozent Anteil am
Bruttoinlandsprodukt. Das hängt mit vielen Maßnahmen
zusammen. Dann können wir aber doch nicht mit Blick
auf die Entwicklungsländer sagen, sie müssten das
anders machen. Das ist unehrlich, und das sollten wir nicht
mitmachen.
(Beifall bei der FDP – Gabriele Hiller-Ohm
[SPD]: Steht überhaupt nicht drin!)
– Entschuldigung, wenn Sie sagen, dass irgendwo etwas
anderes steht, dann zeigen Sie mir das. In den
Forderungen, die ohnehin vage genug sind, ist von allen
möglichen Auflagen und verschiedenen Dingen, die
berücksichtigt werden müssen, auch im Zusammenhang mit
Nachhaltigkeit, die Rede.
Welche Folgen das hat, auch mit Blick auf die
Bürokratie, steht übrigens nirgends. Das gilt für den Antrag der
Grünen noch viel mehr.
Ich bin davon überzeugt, dass viele Projekte in diesen
Ländern, gerade im Naturschutz, überhaupt nur möglich
sind, weil durch den Tourismus Geld in das Land fließt.
Viele Naturschutzprojekte erfordern geradezu die
touristische Nutzung. Das gilt in diesen Ländern, aber
übrigens auch bei uns sehr häufig.
Ich sage ja gar nicht, dass das in dem Antrag steht. Ich
werfe Ihnen aber Folgendes vor – da hoffe ich, dass wir
in der Beratung ein Stück weiterkommen –: In den An-
Ernst Burgbacherträgen werden hehre Ziele formuliert und wird
beschrieben, was alles gemacht werden soll;
(Gabriele Hiller-Ohm [SPD]: Das ist doch
gut!)
aber wie daraus ein schlüssiges Konzept werden soll und
wie wir erreichen, dass die Entwicklungsländer
tatsächlich am wirtschaftlichen Aufschwung teilhaben, steht in
diesen beiden Anträgen nicht.
(Gabriele Groneberg [SPD]: Das ergibt sich
doch von allein!)
Solange das dort nicht steht, haben Sie auch kein
Konzept, wie es weitergehen soll.
Wir werden unseren Beitrag leisten.
(Renate Gradistanac [SPD]: Davon haben wir
aber nichts gehört! Kein Vorschlag, Herr
Burgbacher! Armselig!)
Vielleicht kommen wir zu einem gemeinsamen Antrag,
der mehr wert ist. Wenn nur schöne Aussagen
aneinandergereiht werden, führt uns das nicht weiter.
Herzlichen Dank.