Rede von Reinhold Hemker (SPD) – Brähmig, Jürgen Klimke, Dr. Hans-Peter
Teil von Protokoll der 88. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP 16 a und 16 b: Brähmig, Jürgen Klimke, Dr. Hans-Peter.
Text
Rede von Reinhold Hemker (SPD) – Brähmig, Jürgen Klimke, Dr. Hans-Peter
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Lieber Ernst Burgbacher, wir sind eigentlich schon
mitten in der Ausschussberatung. Aber wenn Sie genau
hingeschaut hätten – wahrscheinlich haben Sie das getan;
aber das hätten Sie schon aufgrund Ihrer Funktion zum
Ausdruck bringen müssen –, dann hätten Sie sehen
können, dass wir unter den 14 im Antrag aufgeführten
Punkten Trends angeben und einige Qualitätsanforderungen
formulieren. Uns ist aber klar, dass die Situation noch
längst nicht so ist, wie sie teilweise auf der ITB von den
Veranstaltern gelobt worden ist. Denn es gibt noch
Schwächen.
Nehmen wir das Beispiel der Verbindung von
Nutzung der Naturparks durch Menschen, die in der Nähe
wohnen – nicht nur in Entwicklungsländern –, mit der
Gestaltung solcher Räume. Das führt zu einem
qualitativen Naturschutz. Wenn man sich vor Augen führt,
dass das beispielsweise im Zusammenhang steht mit
einer nachhaltigen Nutzung von Senken, dann ist natürlich
klar, dass Menschen dorthin fahren, die Naturerlebnisse
im Urlaub erfahren und auch einen Beitrag zur
Entwicklung dieser Länder leisten wollen.
Dabei geht es nicht nur um Entwicklungsländer. Es
gibt eine ganze Reihe von Ländern, die mittlerweile die
Schwelle zu Industrieländern erreicht haben. Dazu
gehört zum Beispiel Brasilien. Auch Südafrika ist in
manchen Bereichen eines der führenden Industrieländer
Afrikas. Es wird klar: Wir brauchen diese Verbindung,
und wir müssen uns – das hat die diesjährige ITB
eindeutig gezeigt – den Herausforderungen bei der
Weiterentwicklung in bestimmten Bereichen stellen.
Ich möchte auf ein Heft hinweisen, das mir zum
ersten Mal die große Bedeutung dieser Entwicklung
aufgezeigt hat. Es hat den Titel „Lo’Nam“. Dieser Name
kommt aus einer Volkssprache Kameruns, Feefee, und
bedeutet „Sonnenaufgang“. Das Heft beschäftigt sich
mit dem Traum, in exotischen Ländern etwas zu erleben.
Gleichzeitig werden die Investitionen von Migranten aus
Afrika, die hier in Europa und in Deutschland leben,
aufgezeigt. Diese Migranten helfen mit, dass der Tourismus
naturnäher wird, und unterstützen
Infrastrukturmaßnahmen. Zudem organisieren sie – es ist eben schon
angesprochen worden – Meet-the-People-Programme, also
Begegnungen von unterschiedlichen Kulturen und von
Menschen mit unterschiedlichen Religionen.
Diese Form des Tourismus birgt die Möglichkeit, zum
Abbau von Vorurteilen beizutragen. Ich habe noch im
Ohr, was eben in der Debatte zum Rassismus gesagt
worden ist. Menschen, die im Urlaub andere Menschen
kennengelernt und als gleichberechtigte Partner
wahrgenommen haben, ändern ihre Einstellung und sagen beiihrer Rückkehr: Das sind wertvolle Menschen; es ist
bewundernswert, was in diesen Ländern geleistet wird.
In dem Heft „Lo’Nam“, das ich eben erwähnt habe
und das von Afrikanern und ihren Freunden gemacht
wird, findet sich ein Zitat eines Reisenden aus früherer
Zeit, nämlich ein Zitat von Goethe, der schon damals
festgestellt hat: „Die beste Bildung findet ein gescheiter
Mensch auf Reisen.“ Das trifft für Reisen zu, die richtig
organisiert sind. Genau das wollen wir mit den
Qualitätsanforderungen, über die wir sprechen, erreichen: Wir
möchten, dass die Bundesregierung in Gesprächen mit
den Veranstaltern deutlich macht, dass im Vorfeld
genauere Informationen gegeben werden müssen.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten
der CDU/CSU)
Das bezieht sich zum Beispiel auf die
Sympathiemagazine, deren Erstellung immer wieder von der
Bundesregierung unterstützt worden ist. Dort kann man den
Reisenden entsprechende Informationen anbieten; sie
bekommen ein positives Bild von den Menschen in den
Ländern, in die sie reisen.
Wir können nichts versprechen. Es geht auch nicht
darum, die Bundesregierung in diesem Antrag zu loben.
Wir wollen vielmehr deutlich machen, welche
Zukunftstrends es gibt und welche Qualitätsanforderungen
gestellt werden sollten. An den Qualitätsanforderungen
wollen wir – zunächst einmal in den Fachberatungen –
weiterarbeiten.
Ich komme auf die ITB in diesem Jahr zurück. Ich
erkenne einen beachtlichen Fortschritt gegenüber dem,
was dort im letzten Jahr gezeigt wurde. Man hat sehr
genau geschaut, was die Menschen eigentlich wollen, die
in diese Urlaubsgebiete fahren, wo sie etwas Neues
erleben können. Man hat sehr stark darauf geachtet, welche
Zielgruppen es dort gibt. So gibt es eine große Zahl von
Menschen, die bereit ist, für die Erweiterung ihres
Horizontes in ökologischer, kultureller und religiöser
Hinsicht Geld auszugeben. Darauf sollte man in den
Fachberatungen im Ausschuss eingehen. Ich hoffe, dass wir
dann ein gutes, weiterführendes Gespräch mit den
beteiligten Ressorts der Bundesregierung führen können.
Herzlichen Dank.
(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU sowie
des Abg. Carl-Ludwig Thiele [FDP])